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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gegenwartsroman und psychogramm in einem - erschreckende realität
Paradiso gehört zu den Büchern, die man nach dem Lesen ins Regal stellt und noch sehr lange damit beschäftigt ist. Dieses Debüt von Thomas Klupp hat es in sich. Obwohl ich anfangs meine Probleme mit diesem Buch hatte.
In der jüngeren deutschen Literatur ist das Präsens salonfähig geworden und wohl nicht nur Markenzeichen der...
Veröffentlicht am 27. August 2009 von frenchquarter

versus
28 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen eine Anleitung zur Wut
Ich habe es wirklich versucht. Ehrlich. Gelesen von vorn bis hinten, durch. Und man ist dabei, bleibt dabei. Schon, weil es alle 3 Seiten um Sex geht, oder Gedanken daran, Phantasien darüber, wenigstens die Möglichkeit dazu. (Schließlich trifft unser Held auf seiner Reiseetwa ein halbes Dutzend mehr oder weniger willige Frauen, über die sich zu...
Veröffentlicht am 29. April 2009 von history_reader


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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gegenwartsroman und psychogramm in einem - erschreckende realität, 27. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Gebundene Ausgabe)
Paradiso gehört zu den Büchern, die man nach dem Lesen ins Regal stellt und noch sehr lange damit beschäftigt ist. Dieses Debüt von Thomas Klupp hat es in sich. Obwohl ich anfangs meine Probleme mit diesem Buch hatte.
In der jüngeren deutschen Literatur ist das Präsens salonfähig geworden und wohl nicht nur Markenzeichen der Popliteraten. In diesem Buch wird es allerdings verwendet, um den Leser direkt mitzunehmen. Man soll dabei sein, wenn der Protagonist Alex Böhm sich auf den Weg zum Münchner Flughafen macht, um von dort aus mit seiner Freundin Johanna nach Portugal zu fliegen.
Paradiso wirkt auf mich wie ein Roman zur aktuellen Krise. Nichts ist mehr so, wie es scheint und einmal war und alle Werte werden neu definiert. Möchte man es persönlich mit einem Typen wie Alex zu tun haben? Eigentlich nicht. Unzuverlässig, großspurig und beziehungsunfähig. Man könnte es auch salopp ausdrücken: Große Klappe und nichts dahinter. Alex ist der typische Opportunist. Klupp ist es sehr gut gelungen, diese Figur zu zeigen. Und auch die Nebenstellen sind hervorragend besetzt. Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben.
Auf einer Raststätte wird Alex von Konrad, einem ehemaligen Mitschüler aufgegabelt. Alex hatte ursprünglich einen anderen Plan, lässt aber alles sausen und wundert sich über Konrad, der in der Schule ein Loser war und jetzt dick im Geschäft ist. Sogar eine bildhübsche Freundin hat er. Hat er? Hier geht es los und spitzt sich bis zum Ende zu. Es werden Lügen und Unwahrheiten aufgetischt, nur um im rechten Licht zu erscheinen. Der hat? Na, dann ich erst recht. Alex gerät auf seiner turbulenten Fahrt sogar an Menschen, die es ehrlich mit ihm meinen. Aber die kann er nur in einer abgelegenen Kneipe sitzen lassen. Obwohl er vorher von Roland, einem LKW-Fahrer eine Lektion in Sachen Liebe bekommen hatte. Alex möchte sich bessern, ja, das will er ständig. Aber erst bei der nächsten Gelegenheit. Nicht jetzt, der falsche Zeitpunkt. Wie wir erfahren, hat er zu seinem jüngeren Bruder ein Nichtverhältnis. Das verwundert den Leser an dieser Stelle nicht mehr. Alex ist eben so. Auf sich fokussiert. Das Filterwochenende bildet dann den Höhepunkt. Leni, seine Exfreundin und Simon, sein Freund, sind auch dort und er trifft auch mit ihnen zusammen. Was dort passiert?
Man meint, es gehe nicht mehr zu steigern. Aber das Alex letzten Endes in einer Kirche landen wird, ist ein mehr als gelungener Coup. Hut ab vor dem Autor. Wobei es Alex nicht um die Erlösung oder Vergebung seiner Sünden geht.
Der Roman endet am Flughafen. Wie es weitergehen wird?
Klupp ist ein wunderbarer Gegenwartsroman gelungen, eine punktgenaue Abbildung der Gesellschaft. Bislang stand das Präsens für mich als Synonym für Spaßliteratur a la Jaud oder Uschmann. Klupp hat gezeigt, dass es auch anders gehen kann.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Buch, das den Leser in seinen widersprüchlichen Bann zieht und ihn zwingt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, 27. Mai 2009
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Fünf Seiten gebe ich dem Leser", so lässt der Verlag den bekannten Autor Thomas Brussig im Klappentext sagen. "Wenn er sich bis dahin nicht von diesem Buch losreißen konnte, wird er von einem Sog verschlungen, einem Sog aus Amoralität, Lügen und Schamlosigkeit."

In der Tat, so erging es auch mir, als ich begann dieses Buch zu lesen. Seine Geschichte einer Wiederbegegnung mit der eigenen Vergangenheit ist schnell erzählt: der Protagonist des Buches, Alexander Böhm wartet gerade an einer Tankstelle auf einen weiteren Autostopp, der ihn nach München bringen soll, von wo er am nächsten Tag mit seiner Freundin nach Portugal fliegen will.

Doch es kommt anders. Ein Freund aus längst vergangenen Zeiten hält an, Alexander steigt ein und nun beginnt eine lange Reise in das verminte Feld der eigenen Vergangenheit. Die beiden fahren nach Weiden in die Oberpfalz, die alte Heimat. Dort treffen sich die alten Kumpels mit frischen und jungen Mädchen einmal im Jahr an einem See, dem Paradiso. Schon auf der Fahrt dorthin, erst recht aber, als sie dort angelangt sind, erinnert sich Alexander an viele nicht eben rühmliche Dinge in seinem Leben und das, was dort geschieht, hat alles den Charakter von Dekadenz und Zerstörung.

So weit so gut. Ich habe mich schon während der Lektüre gefragt, was das Buch zu einem solchen Pageturner macht. Natürlich ist es das Thema, das es im Leben jedes Lesers gibt, die eigene zum Teil vergessene, zum Teil verdrängte Vergangenheit, Erinnerungen, die mit einem Heimatort verbunden sind, der bei der Rückkehr nicht mehr der ist, der er war. Und auch die Menschen nicht. Denn alles, auch man selbst, hat sich verändert.

Es ist aber auch etwas Subtiles, das ich mir lange nicht eingestehen wollte. Das Egomane, das den Erzählstil und die Sprache des Ich-Erzählers einfärbt, ist etwas, was in bestimmten Dosen, natürlich nicht gerne eingestanden, wohl in jedem vorhanden ist.

Dem Autor ist es jedenfalls gelungen, mit seiner Geschichte zwischen Vergangenheit und Gegenwart den Leser geradezu zu zwingen, sich auch mit seinem eigenen Leben und dessen Schatten zu konfrontieren. Und das macht gute Literatur aus, oder ?
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Das ist Dermatop für die Seele", 26. März 2009
Von 
RockBrasiliano (Costa Banana) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Gebundene Ausgabe)
(S.67)
Ein bisschen wie die Abenteuer von Fritz the Cat gemischt mit einer Gestalt, die aus einer Story von Heinz Strunk entsprungen sein könnte..

Wobei aber Alex Böhm, der erfolglose Filmstudent in Potsdam doch näher an die Realität rankommt. Schließlich hat er sich recht und schlecht in seinem Leben eingerichtet, das ganze wird durch etliche wohldosierte Halbwahrheiten in erträglichen Bahnen gehalten. Er erzählt von großen Drehbuchprojekten, ein Thema mit dem er aber eigentlich längst abgeschlossen hat, und wechselt auch gerne mal die Identität, etwa wenn er sich um sich bei einem Ego-Kunst-Projekt einer Hippiebraut und verkrachten Medizinstudentin den Namen eines (vielversprechenden ;) ) polnischen Kommillitonen an der Filmhochschule gibt um sich nicht komplett zu blamieren.

Nein sagen ist nun wirklich nicht seine Stärke und das führt natürlich hier zu allerhand drolligen Verwicklungen, die darüber hinaus sehr aus dem Leben gegriffen sind. Hinzukommen Hautprobleme und ein sehr flatteriges Nervenkostüm, sowie etliche Begegnungen mit unsympathischen und merkwürdigen Leuten..scheinbar alltägliche Probleme - aber grade soetwas will man doch lesen, oder? Mein mieser Alltag ist allemal eine lustige Geschichte wert, so von aussen betrachtet.

Also zur Rahmenhandlung: Der Held der Story studiert Potsdam an der Film-Uni, will mit seiner neuen Freundin, für die er die alte hat sitzen lassen, nach Portugal in den Urlaub fliegen. Sie wollen sich in München treffen. Auf dem Weg dahin gerät Alex aber zufällig in seine alte Heimat Weiden in der Oberpfalz und hier lebt doch tatsächlich die Jugend wieder auf und vermischt sich mit den Dummheiten der Gegenwart. Es ist ja immer sehr interessant, was aus den ganzen alten Freunden und Bekannten von früher geworden ist - blöd nur wenn es plötzlich zur Konfrontation kommt und man selbst doch zu nicht geringem Maße in das vermeintlich Unglück dieser Menschen verstrickt ist - oder wenn man, wie Alex, nie gelernt hat Nein zu sagen.
Den vorläufigen Höhepunkt nimmt die Geschichte an der namensgebenden Baggerkuhle Paradiso, wo eine Fete mit "coolen Leuten" steigen soll...das kommt einem doch alles sehr bekannt vor.

Jedenfalls, ich glaube die Paradiso-Story passt sehr gut in das heutige Lebensgefühl der Menschen zwischen 20 und 35. Eingesponnen in ein Netz aus Halbwahrheit und Vermeidungsverhalten beschreibt Thomas Klupp, der Autor, sehr echt, die Schwierigkeiten des modernen Zusammenlebens in der schwierigen Melange aus Familie, Freunden, Bekannten und dann auch auch noch Beziehung...Eine Figur, die einem sofort sympathisch sein muss, man wird sich darin wiederfinden und hier ist das eine sehr sehr lustige Begegnung.

Ein Jugendroman für Erwachsene -
Das Buch für den Sommer 2009.
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4.0 von 5 Sternen Gelungener, rasanter Erstling, 24. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Taschenbuch)
Ein bisschen musste ich an "Faserland" von Christian Kracht denken, jedoch ohne königliche Tristesse, ein bisschen an "Wäldchestag" von Andreas Maier (auch wenn hier nicht die hessische sondern die oberpfälzische Provinz ins Visier genommen wird), ein bisschen an "Ego" und "Ich und Kaminski", wenngleich Alex Böhm nicht ganz so offensichtlich als Karikatur angelegt ist wie die Protagonisten bei John von Düffel oder Daniel Kehlmann. Streckenweise bin ich Böhm auf den Leim gegangen und sehe darin eine Stärke der Figurenzeichnung.

Paradiso ist ein schneller Roman: Böhms Gedankenfluss zieht einen durch anfangs mehr später minder alltägliche Ereignisse, die in ihrer Bündelung und finalen Steigerung einen starken Sog entwickeln. Dabei bleibt Zeit für manche Kapriole: „Ich möchte ja insgesamt mit etwas mehr Liebe an die Welt und an die Menschen denken, jedenfalls an die Menschen, von denen ich glaube, dass sie mir etwas bedeuten. Mein kleiner Bruder zum Beispiel und eben auch Simon und Johanna und Leni sowieso. Letztes Sylvester habe ich mir das offiziell vorgenommen. Auf einen Zettel habe ich geschrieben Believe in yourself/Write a movie/Think friendlier about yourself. Keine Ahnung, weshalb ich die Sachen auf Englisch notiert habe, vielleicht weil sie sich auf Deutsch so völlig verkorkst anhören…“

„Todkomisch, atemberaubend, genial“ und was der Lobesprüche auf dem Einband mehr sind – das ist dieses Buch in meinen Augen nicht. Dazu geht das Konzept der Bloßstellung eines unzuverlässigen Ich-Erzählers zu wenig Risiken ein und schafft zuviel Distanz zur Hauptfigur und allen weiteren Charakteren. Die Tiefe eines Raskolnikoff, der im Buch mehrmals erwähnt wird, kann die Figur des Böhm nicht für sich beanspruchen.

Aber Thomas Klupp, der die Gepflogenheiten des deutschen Literaturbetreibs gut kennt, ist ein runder Erstling über einen ehrlichen Lügner gelungen. Ein Buch, das viel Spaß macht und das ich hiermit als leichte, aber nicht unterfordernde Lektüre empfehle.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt lesen!, 16. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Taschenbuch)
Diesem Buch würde ich zehn Punkte geben wollen, denn es ist perfekt. Einerseits allerbeste Unterhaltung. Das Buch beginnt furios und wird dann immer besser. Andererseits gibt es starken Tiefgang. Die Verlogenheit der neuen deutschen Eliten wird schonungslos bloßgelegt. Die Hauptfigur hat sehr reiche Eltern und einen Studienplatz an der Potsdamer Filmhochschule. Sie spielt mit Menschen und stellt sich dabei selbst ein Bein. Außerdem spielt dieses Buch zu großen Teilen in der schönen Stadt Weiden. Ich hätte nicht gedacht, mal ein Buch zu finden, in dem dieser oberpfälzischen Metropole so ein grandioses und bleibendes Denkmal gesetzt werden würde. Paradiso ist besser als alle sechs diesjährigen Short-List-Bücher zusammen. Übrigens ist Paradiso der Name eines Baggersees bei Weiden.
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28 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen eine Anleitung zur Wut, 29. April 2009
Von 
history_reader (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe es wirklich versucht. Ehrlich. Gelesen von vorn bis hinten, durch. Und man ist dabei, bleibt dabei. Schon, weil es alle 3 Seiten um Sex geht, oder Gedanken daran, Phantasien darüber, wenigstens die Möglichkeit dazu. (Schließlich trifft unser Held auf seiner Reiseetwa ein halbes Dutzend mehr oder weniger willige Frauen, über die sich zu spekulieren lohnt. So viele Feuchtgebiete. Kassenschlager.) Ok, denk ich; bin ja selber Mann. Kann man noch was lernen.

Aber die Vorschusslorbeeren versprechen ja mehr. Neue Stimme, neue Literatur. Ich habe sie nicht gefunden. Wie so oft: Schöne Sätze, denkenswerte Gedanken. Aber ehrlich: Die hätte ich lieber in einem anderen Buch gelesen.

Mein Problem sind zwei:

1) Die Gewalttat des Alex Böhm - er verprügelt seinen ehemaligen Freund Simon, der ihn "entlarven" will auf das Übelste - bricht für mich das Buch. Mag ich diesbezüglich langweilig sein, aber die Bereitschaft, mich mit ihm auseinanderzusetzen bleibt, während Alex seine Reise fortsetzt, beim malträtierten Simon im Wald. Punkt. (Selbsteinwand: Die Wut, die ich auch Protagonist, Autor und mich selbst, nicht klarzukommen, entwickle kann man als kreative Energie des Buches verstehen. Für mich ist sie unbefriedigend, weil restlos destruktiv. Ich habe lange gewartet, keine produktive Deutung des Verlaufs kommt in Sicht. Der Handlungsverlauf bleibt leer.)

2) Der so genannte Blender "Jedermann" Alex Böhm ist ungeheuerlich lang verstehbar, denkt, was - gewollt - (hin und wieder) auch ich denken würde, ist hochgradig selbstreflexiv und selbstkritisch und aus dieser Haltung heraus auch kritisch anderen gegenüber. Dass er aus dieser Haltung heraus jedoch absolut keine Konsequenzen für sich selbst zieht, ist die "große" Leistung des Buches: das Porträt eines Egomanen eben. Und damit ein Porträt, das ich nicht wirklich glauben kann; in dem vieles, was dem Kopf von Alex entspringt für mich (leider erst) nachträglich zum Autorkommentar reift und zum Betrug an mir als Leser wird.

Keine Frage: Ein Buch, über das man reden und trefflich streiten kann. Aber ich bleibe dabei: Über das Redenswerte hätte ich lieber in einem anderen Buch gestritten.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfektes Sommerbuch, 3. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe in der Neon von ''Paradiso'' gelesen und auf der Autorenhomepage dann ein Zitat von Sasa Stanisic dazu entdeckt: '"Ein gutes Buch muss bekanntlich umhauen können. Paradiso ist ein Boxer mit einer Linken aus Witz und einer Rechten aus kompromissloser Ehrlichkeit."' Besser kann man ''Paradiso'' kaum beschreiben. Der Ich-Erzähler Alex Böhm ist ein sehr schräger und zugleich völlig authentischer Charakter. Und obwohl er im Verlauf der rasanten Handlung nach Herzenslust lügt und betrügt und dabei die unglaublichsten Dinge tut, habe ich immer wieder Tränen lachen müssen.
Sehr interessant fand ich auch die Themen in ''Paradiso'': Wie die Lüge als vollkommen normale Kommunikationstechnik in all unseren Beziehungen steckt oder wie die Internetpornographie und die Medienbilder auf die Gefühlswelt unserer Generation wirken. Das Tolle ist, dass Alex das alles aber nicht anklagend sondern satirisch erzählt - ohne moralischen Zeigefinger, dafür mit tiefschwarzem Humor. Deshalb konnte ich auch nicht verstehen, weshalb ein anderer Leser das Buch vor allem Männern empfiehlt und '"zartbesaitete"' Personen es besser nicht lesen sollten. Die Themen in 'Paradiso' sind für Frauen genauso interessant und auch für "'zartbesaitete"' Personen ist es spannend, sich damit zu beschäftigen. Nicht zuletzt, weil ihnen jeden Tag eine Menge Alex Böhms begegnen, die das Blaue vom Himmel herunter erzählen, um sich beim ersten Anzeichen von Verantwortung blitzschnell davon zu stehlen.
Alles in allem: Ein sehr lustiges und rasantes Buch über unsere Gegenwart. Und weil es dazu noch am heißesten Tag des Jahres spielt, ist es mein Buch für den Sommer 2009.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Reisen, 13. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Gebundene Ausgabe)
Alex Böhm, Filmhochschulstudent in Potsdam, steht an einer Autobahnraststätte und wartet auf seine Mitfahrgelegenheit. Er ist auf dem Weg nach München zu seiner neuen Freundin Johanna, um mit ihr nach Portugal zu fliegen.
Als sich die Mitfahrgelegenheit verspätet, Alex dafür seinen ehemaligen Schulkameraden Konrad trifft, beginnt für Alex eine Tagesreise mit vielen skurrilen Umwegen und Begegnungen aus seiner Vergangenheit.
"Loserkonrad" hat inzwischen viel Geld mit einer Computerfirma gemacht und hat eine gut aussehende Freundin. Nachdem Alex in dessen Auto gestiegen ist, hat man Mitleid, da er sich viel anhören muss.
Aber so harmlos diese Reise auch beginnt, stellt sich bald heraus, dass Alex ein mächtiger Aufschneider ist. Mit den Leuten, die ihm auf seinem Weg im Auto mitnehmen, ist er nicht zimperlich. Die Studentin Patrizia, zum Beispiel, lässt er in einer Kneipe einfach sitzen.

Alex verirrt sich zunehmend in seinem eigenen Lügengebäude. Er landet auf einem Grill- und "Drogen"fest seiner ehemaligen Schulfreunde in seiner Heimatstadt Weiden. Dort trifft er seine "Ex-Freundin" Leni, die gar nichts vom Ende der Beziehung weiß, und prügelt sich mit seinem einst besten Freund.
Im Drogenrausch fährt er mit 200 "Sachen" Richtung München, landet in einer vollbesetzten Kapelle und findet auf fast schon wundersame Weise doch noch seinen Weg.

Mit reichlich schwarzem Humor hat Thomas Klupp das Lebensgefühl von Alex eingefangen. Er beschreibt sehr lebensnah die Schwierigkeiten junger Erwachsener beruflichen Anforderungen, Familie, Freunden und einer Beziehung im 21. Jahrhundert gerecht zu werden.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faserland auf Oberpfälzisch, 29. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Gebundene Ausgabe)
Paradiso ist in erster Linie ein Heimatroman, ein schnelles, wütendes und sehr unterhaltsames Buch. Im Stil und Aufbau erinnert es unweigerlich an Christian Krachts Faserland. Ein junger, unentschlossener Typ auf Crashkurs - nicht durch die ganze Republik sondern nur durch die Oberpfalz, von jeher eine der wildesten und interessantesten Regionen Bayerns. Das ist manchmal abgründig, meistens aber saukomisch und erfrischend ehrlich. Keinesfalls aber so tabubrechend wie Thomas Brussig auf dem Rückendeckel behauptet. Leider bleiben die Frauenfiguren trotz unbedingtem Sex- und Liebeswillen des spätpubertierenden Protagonisten etwas blass, zu einer wirklich interessanten Weiterentwicklung hätte es eine echte Gegenspielerin nicht nur aus Fleisch sondern auch aus Blut bedurft. Trotzdem ein gelungenes Debut, für alle Oberpfälzer da draußen sowieso Pflicht!
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5.0 von 5 Sternen Großartiger Roman, 5. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Paradiso: Roman (Kindle Edition)
Der Roman umfasst eine Zeitspanne von nicht einmal vierundzwanzig Stunden im Leben eines jungen Mannes, der sich die Argumente für sein Tun und Handeln so zurecht biegt, dass er damit seinen Frieden schließen kann. Durch die klug gewählte Erzählweise (Gegenwart) findet man sich sehr schnell in den Protagonisten (Alex Böhm) ein und sieht ihm gewisser Maßen beim denken zu. Ich persönlich war dabei in einem Wechselbad aus Rührung, Lachen und Entsetzen.

Bei Paradiso handelt es sich um einen dieser seltenen Glücksfälle in der Literatur, der noch lange nachhallt, auch wenn man das Buch schon seit Wochen ausgelesen hat. Der ungeheuerliche Egoismus dieses Alex Böhm, der Mangel an Empathie und die Rücksichtslosigkeit mit der er sich durch's Leben schlägt. Die alte Freundin verlassen, weil die neue Freundin ja noch hübscher ist und seine Freude über das ständige "Upgrade" seiner Freundinnen - Gedanken, die in ihrer brutalen Offenheit den Leser einige Zeit beschäftigen können.

Thomas Klupp hat den Roman als sein Debüt vor fast 5 Jahren veröffentlicht; seither kam leider nichts Belletristisches mehr von ihm heraus. Ich hoffe sehnlichst, dass er weiter schreibt und uns noch manches Lesevergnügen beschert. Er ist Jahrgang 1977 - Da könnte noch einiges gehen ;-)

Gruß
der Schatzsucher
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Paradiso: Roman
Paradiso: Roman von Thomas Klupp (Gebundene Ausgabe - 7. Februar 2009)
Gebraucht & neu ab: EUR 0,87
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