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5.0 von 5 Sternen Überwältigend, mitreißend, bewundernswert
Orlando Figes Darstellung der "Tragödie eines Volkes", Werden und Geschichte der russischen Revolution in der Zeit von 1891 bis 1924, ist von so überwältigender Dimension, daß sie den Leser, allein durch erste Ansicht des Werkes, vor die respektgebietende Aufgabe stellt, sich mit dem Autor zusammen, gewissermaßen interdependent, auf eine Reise...
Veröffentlicht am 30. Dezember 2011 von Dr. Friedrich Winterscheidt

versus
11 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen interessante Details, aber einseitig betrachtend und...
voreingenommen möchte ich sagen, der Autor versteckt nur wenig bis kaum seine Verachtung für den Marxismus und insbesondere die Person Lenins. Auf der anderen Seite steht seine Begeisterung für pragmatische bzw. reformfreudige Kräfte im zaristischen Russland auch ziemlich offen da, insbesondere für Lwow und Brussilow...
Er zeigt zwar durchaus...
Veröffentlicht am 10. August 2010 von Martin T.


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überwältigend, mitreißend, bewundernswert, 30. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
Orlando Figes Darstellung der "Tragödie eines Volkes", Werden und Geschichte der russischen Revolution in der Zeit von 1891 bis 1924, ist von so überwältigender Dimension, daß sie den Leser, allein durch erste Ansicht des Werkes, vor die respektgebietende Aufgabe stellt, sich mit dem Autor zusammen, gewissermaßen interdependent, auf eine Reise über annähernd 1000 engbedruckte Seiten, auf teilweise mehrfach ineinander verwobenen Pfaden, durch die dramatischste Epoche in der jüngeren Geschichte Russlands zu begeben.

Es ist nicht leicht, sich in das Buch zunächst einzulesen, sich an das gedrängte Schriftbild zu gewöhnen, das wie atemlos daherkommt, aber der Leser wird immer wieder durch den Autor buchstäblich vorangetrieben, indem beispielsweise schnell Perspektiven gewechselt werden, durch die die unabänderlichen, aber eintönigen Aufzählungen von Namen, Daten, Textstellen etc., im Kontext jeweils abtauchen, um teilweise schriftstellerisch hinreißenden Bildern Platz zu machen. Das fortdauernde Interesse des Lesers wird durch immer wieder neue Spannungsbögen so, mit feinem Gespür durch den Autor, der sich hier als kompetenter Leserpsychologe erweist, bildlich gesprochen nachhaltig "auf dem Laufenden" gehalten.

Orlando Figes Buch ist sowohl von mitreißender wissenschaftlicher wie schriftstellerischer Qualität, weil es dem Autor anscheinend mühelos gelingt, beiden Anforderungen, der des Historikers und Wissenschaftlers, wie der des interessierten Laien mit Informationsbedürfnis über eines der größten und in seiner Konsequenz unheilvollsten Geschehnisse der jüngeren Weltgeschichte, bis in die Gegenwart hinein, Rechnung zu tragen. Während sich der dichte Text teilweise spannend wie ein Krimi liest, weist der üppige Anhang (Glossar; 26 Seiten Orts-, Personen- und Stichwortregister; 36 Seiten Anmerkungen zu Stellen im Text; 27 Seiten Bibliographie) das Buch in der Summe seiner Bedeutung fast als Nachschlagewerk zu Fragen der russischen Revolution für alle Zukunft aus.

Bei der Einordnung und Wertung der Ereignisse, die zur Revolution in Russland 1917 geführt haben und bei der historisch-wissenschaftlichen Betrachtung der Revolution selbst geht der Autor mit konsequentester Unparteiischkeit vor, scheut sich aber ebenfalls nicht, die Dinge gegebenenfalls beim Namen zu nennen. Was das Buch, über alle Qualitätsnormierung hinaus, so sympathisch, lesbar und auch bewundernswert macht, ist die Tatsache, daß es des Autors Hauptanliegen war, die dramatischen Ereignisse der Jahre von 1891 bis 1924 als "einen historischen Prozeß" (darzustellen), "der sich aus individuellen Tragödien zusammensetzt". Die Revolution war, wie Figes in seinem Vorwort ausführt: "im großen und ganzen eine Geschichte von Menschen,.....die mit hohen Idealen ausgezogen waren, um hehre Ziele zu erreichen und dann feststellen mußten, daß das Ergebnis ganz anders aussah". Dieser Ansatz allein schon machte das Buch so überaus lesenswert, so daß man die Mühe nicht scheuen sollte, es sich zu erarbeiten.

In der Summe verwundert es nicht im geringsten, daß es für den Autor nach eigenen Worten über sechs Jahre gedauert hat, seinen Lesern dieses Monumentalwerk, das geeignet ist, viele Mißverständnisse und Falschdeutungen in Zusammenhang mit der Revolution in Russland zu Beginn des 20. Jhrdts. aufzudecken und ad acta zu legen, zugänglich zu machen.
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die Tragödie eines Volkes" - ein Triumph ansprechender Geschichtsschreibung, 7. September 2009
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
Der britische Historiker Orlando Figes zeigt mit seiner Monumentalmonographie "Die Tragödie eines Volkes", die 1996 erschien und zwei Jahre später ins Deutsche übersetzt wurde, wie Historiker aus dem angelsächsischen Sprachraum es zumeist schaffen, Geschichte auf eine fesselnde Art und Weise zu erzählen, ohne dabei den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit aufzugeben.

Figes ist Professor für Geschichte am Birkbeck College in London und gilt als ausgewiesene Koryphäe auf dem Gebiet der modernen russischen Geschichte. Sein erstes Werk "Peasant War, Civil War" von 1989 eröffnet den Reigen seiner Darstellungen über die Russische Revolution, und seine letzte Monographie "Die Flüsterer" aus dem Jahre 2007 befasst sich mit dem Terror in der Sowjetunion unter der Knute Stalins.

In "Die Tragödie eines Volkes" widmet sich Figes der Epoche der russischen Revolution, und er tut dies in einer dichten und dennoch flüssig geschriebenen Darstellung, die den Leser sofort in seinen Bann schlägt. Figes beginnt sein Buch mit einer Darstellung der vorrevolutionären Zustände im zaristischen Russland ab dem Jahr 1891, wobei er eingehend auf die Mechanismen der autokratischen Zarenherrschaft eingeht, deren Grundfesten schon vor der Bauernbefreiung Ende des 19. Jahrhunderts und dem Aufkommen von Anarchismus und Terrorismus zu bröckeln begangen. Auch die Instrumentalisierung panslawistischer Allmachtsphantasien und des Antisemitismus - von 1911 bis 1913 etwa zog sich in Kischinjow die sog. Bejlis-Affäre hin, in deren Verlauf ein Jude des Ritualmords beschuldigt wurde - zugunsten der Zarenherrschaft werden in diesem Zusammenhang beleuchtet. Figes wirft auch einen Blick auf die bäuerliche Gesellschaft des vorwiegend agrarisch geprägten Riesenreichs und entlarvt die Barbarei der dort herrschenden Verhältnisse.

Ausgehend von dieser umfangreichen Strukturanalyse erzählt er im folgenden die Geschichte erster Demokratisierungsbestrebungen, die allerdings recht schnell im Sande verliefen, bevor dann mit dem Ersten Weltkrieg die Weichen für die beiden Revolutionen des Jahres 1917 gelegt wurden - wobei die sogenannte Oktoberrevolution freilich nichts weiter als ein von Trotzki und Lenin orchestrierter Putsch war. Eindrucksvoll lässt Figes die dramatischen Ereignisse vor allem im Petrograd jener Tage wiederauferstehen und schafft es auch, einen sehr guten Eindruck von den Parteiungen und Richtungsstreitigkeiten innerhalb der revolutionären Bewegung zu vermitteln. Darüber hinaus zeichnet er mit gewandter Feder die Porträts sowohl maßgeblicher Handlungsträger als auch eher unbekannter Zeitgenossen. Über Lenin heißt es beispielsweise: "Er lebte und kleidete sich wie ein Provinzbeamter mittleren Alters, mit exakt festgelegten Zeiten für Mahlzeiten, Schlaf, Arbeit und Muße, hielt auf Sauberkeit und Ordnung und war pedantisch bei seinen Finanzen, notierte auf Zettel alles, was er für Essen, Bahnfahrten, Schreibmaterial usw. ausgab. Jeden Morgen räumte er seinen Schreibtisch auf. Seine Bücher standen alphabetisch geordnet. Er nähte Knöpfe an seinem Nadelstreifenanzug an, entfernte Flecken darauf mit Benzin und hielt sein Fahrrad penibel sauber." (S.415) Warum ist das so wenig überraschend?

Auch der stille Kampf des russischen Schriftstellers Gorkij gegen die zunehmende Unmenschlichkeit, die von der Politik ins Alltagsleben getragen wurde, erfährt durch Figes' Darstellung eine angemessene Würdigung.

Figes unternimmt es darüber hinaus, die Wirren des Bürgerkrieges, der von 1918 bis 1920 das Land verheerte und unzählige Menschenleben forderte, gekonnt nachzuerzählen - allein das schon eine Aufgabe, vor der nicht wenige Historiker sich in allgemeine Darstellungen flüchten würden. Der Verfasser lässt seine Geschichte im Jahre 1924, dem Todesjahr Lenins, enden, wobei er allerdings noch einen kurzen Ausblick gibt, indem er verfolgt, wie die Lebensläufe einiger der Personen, die der Leser im Laufe der Darstellung kennengelernt hat, enden.

Es gibt sicherlich einige Leser, die sich von dem Umfang des Werkes abschrecken lassen, doch meiner Meinung nach spricht nichts gegen ein fast tausendseitiges Werk, wenn es nur gut geschrieben ist - und dies ist hier eindeutig der Fall. Figes versteht es, Narrativität und den Blick auf Strukturen und Hintergründe meisterhaft miteinander zu verbinden, so dass die Darstellung nicht in Vereinfachungen oder Einseitigkeiten abgleitet, sondern durchweg wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Umfangreiches Karten- und Bildmaterial rundet die Darstellung ab, indem es dem Leser beispielsweise hilft, die Vorgänge in Petrograd topographisch nachzuvollziehen.

"Die Tragödie eines Volkes" kann den Leser nicht kalt lassen, denn die Schicksale und Lebensläufe, die vorgestellt werden, bewegen. Ohne hier in moralingetränkten Betrachtungen versumpfen zu wollen, wage ich die Frage zu stellen, inwieweit es wirklich sinnvoll ist, menschliche Ungerechtigkeit und menschliches Leid systematisch auf dem Weg über gesellschaftliche Umwälzungen oder eine Neudefinierung des Menschen lösen zu wollen. Die Sowjetunion jedenfalls ist ein bedeutendes Beispiel des Scheiterns solcher Bestrebungen, und all jene, die - auch heute - dafür sind, persönliche Freiheiten einzuschränken, um mehr Sicherheit, mehr Gesundheit und mehr Gemeinschaftsgefühl zu erhalten, sollten überlegen, wo sie die Grenzen von Erziehung gesetzt wissen wollen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr detailierte Übersicht, 21. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
Orlando Figes ist mit "Die Tragödie eines Volkes" durchaus eine detailreiche und vor allem vielschichtige Darstellung der revolutionären Entwicklungen im Russland der Jahre 1891 bis 1924 gelungen. Durch die zahlreichen Originaldokumente (Briefe, Tagebucheinträge etc.)schafft es Figes, die schwierige Thematik gut zu veranschaulichen. Dadurch, dass Figes die "Epoche der russischen Revolution" 1891 beginnen lässt, kommt ein tieferes Verständnis für die gesellschaftliche und soziale Situation in Russlands langem 19. Jahrhundert zustande. Diese "Vorgeschichte" ist, durch den zu engen zeitlichen Rahmen anderer Werke zur russischen Revolution, eine lobenswerte und sinnvolle Erweiterung dieser Epoche.
Sehr gut und verständlich werden die verschiedenen Ursachen und Entwicklungen, die zum sowjetischen Umsturz und zum folgenden Bürgerkrieg führten, beschrieben und auf die verschiedenen beteiligten Parteien eingegangen.

Schade ist bei diesem interessanten und informativen Werk, dass der Autor seine Abneigung zum Marxismus nicht verhüllt und die Schilderungen einen dementsprechenden Einschlag erhalten haben. Vor allem die Darstellung Lenins ist extrem negativ und grenzt teilweise schon an Verachtung. Auch wird die Persönlichkeit Nikolaus II. deutlich zu negativ beschrieben. Für den interessierten Laien ist zudem die unglaubliche Detailfülle vielleicht schon wieder zu groß. Zudem neigt Figes teilweise zur Langatmigkeit in seinen Ausführungen, was den Lesefluss an manchen Stellen doch erheblich beeinträchtigt.

Fazit:

Trotz der teilweise zähen Beschreibungen und der (deutlichen)antimarxistischen Perspektive, hebt sich "Die Tragödie eines Volkes" positiv von ähnlichen Werken ab. Der Detailreichtum, die Beschreibung persönlicher Schicksale und vor allem die hervorragende Darstellung der komplexen Ursachen, Motive und Entwicklungen in den verschiedenen Bevölkerungsschichten machen das Buch von Orlando Figes zu einer gelungen Übersicht von über drei Jahrzehnten russicher Geschichte in Hinblick auf die Revolutionen.

(Das Buch an sich würde ich mit 3 Sternen bewerten, aber durch den günstigen Preis erhält es einen 4. Stern dazu.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschütternd, 20. Februar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
Dieses Buch kulminiert in einem beiläufigen Satz: "Anstatt als konstruktive kulturelle Kraft zu wirken, hatte die Revolution faktisch die gesamte russische Zivilisation zerstört." (S. 827) Was die russischen Revolutionäre sich vorgenommen hatten, scheiterte auf brutale Weise. Es verwundert nach der Lektüre dieses Buches, dass führende Bolschewiki wie Lenin und Trotzki bis heute in Ehren gehalten werden. Sie mögen hehre Absichten gehabt haben und ihre Verbrechen mögen vor denen Stalins verblassen - nichtsdestotrotz waren sie Verbrecher, die ihr Land und ihr Volk zugrunde richteten. Das macht Figes in seinem Buch deutlich. Dennoch handelt es sich nicht um eine antikommunistische Hetzschrift. Figes stellt die Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven dar, er lässt Politiker, Arbeiter und Bauern zu Wort kommen. Am Ende stehen nicht nur die Bolschewiki schlecht da, sondern auch der Zar, die Provisorische Regierung von 1917 und die Weißen, die im Bürgerkrieg gegen die Roten kämpften. Es ist Figes großes Verdienst, dass sein Buch trotz seiner Detailfülle und seines Umfangs von fast 900 Seiten von Anfang bis Ende spannend bleibt. Ich habe einen Monat gebraucht, um es zu lesen, aber nie den Faden verloren. Es lohnt sich also - nicht nur, um zu erfahren, wie es damals war, sondern auch um das heutige Russland besser zu verstehen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umfassend und kompetent., 3. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
Orlando Figes beweist mit diesem Buch, dass er einer der gegenwärtig besten westlichen Kenner der russischen Geschichte ist. Die Anhänge allein unterstreichen die große Kompetenz des Autors. Mit großer Sorgfalt und Gespür für die zwischenmenschlichen Seiten der Geschichte hat Figes ein breites Panorama entworfen. Die Russische Revolution wird in allen ihren Facetten lebendig dargestellt. Das Buch liest sich wie eine spannende Geschichte, ohne je den wissenschaftlichen Anspruch zu verlieren. Zudem ist es passgenau bebildert, so dass ein wirklich plastischer Eindruck der Zeit entsteht. Das Buch eignet sich ideal für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der jüngeren russischen Geschichte. Es ist ein Standardwerk, das den Einstieg in das Thema erleichtert und zugleich immer als Orientierung dienen kann. Die Übersetzung von Barbara Conrad wird dem hohen Standard des Originals gerecht.
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4.0 von 5 Sternen Voluminöses Werk zu den russischen Revolutionen von 1905 und 1917, 3. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes (Kindle Edition)
Zwar kann die Epoche der russischen Revolutionen als hinlänglich gut erforscht gelten, jedoch ist diese Darstellung aus mehreren Gründen auch für den lesenswert, der über die Ereignisse im Umfeld des "roten Oktobers" 1917 schon alles zu wissen glaubt. Da ist zum einen die Ausweitung des Zeitraums auf die Vorgeschichte der Revolutionen von 1905 und die Doppelrevolution von 1917. Der Verfasser beginnt seine Darstellung mit dem Jahrzeht vor der Jahrhundertwende und legt so die Gründe offen für die zunehmende Kluft zwischen Adel und der kleinen bürgerlichen Schicht auf der einen Seite und den Arbeitern, aber vor allem auch der Masse der Bauern auf der anderen Seite. Gleichzeitig wird deutlich, dass das Geschehen von 1917 nicht zwangsläufig war, sondern aus einer Kette von Fehleinschätzungen und geradezu grotesken Irrtümern derjenigen resultierte, die bis weit in die Kriegsjahre hinein Gelegenheit gehabt hätten, mittels sozialer und politischer Reformen die Entwicklung in eine andere Richtung zu steuern. Weiterhin ist dem Buch zu bescheinigen, dass es ausgesprochen gut zu lesen ist und die Lektüre nicht den Eindruck erweckt, als sei es dem Verfasser vor allem um eine eitle Selbstdarstellung seines Wissens gegangen. Angesichts der komplizierten und vielschichtigen Zusammenhänge ist das eine wirklich große Leistung. Dennoch empfiehlt sich eine Lektüre nur für diejenigen, die bereits über Vorkenntnisse verfügen. Als Einstieg in die Materie ist das Buch einfach zu umfangreich.
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5.0 von 5 Sternen Genial, 19. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
Persönlich bin ich ein großer Figes Fan und finde sein Werk über die Russische Revolution bemerkenswert. Der Umfang erlaubt einen detaillierten Blick. Der Leser sollte keine Biografie von Nikolaus II. oder Lenin erwarten. Figes beschreibt eindrucksvoll die verschiedenen politischen aber vor allem gesellschaftlichen Entwicklungen die schließlich zur Revolution führten. Ein großartiges Buch!!!
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut gemacht, 11. März 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
Dieses Buch von Orlando Figes ist in meinen Augen momentan das beste Buch über die russische Revolution, das es im deutschen Sprachraum gibt. Hier wird versucht die Ursachen, sowie den Verlauf in angemessener Form darzustellen. Bei uns findet man häufig nur relativ dünne Bücher die eher einen raschen Überblick über dieses historisch so bedeutungsvolles Ereignis liefern. Wenn man mehr als reine Daten und Fakten will, ist man hiermit gut bedient. Zudem, auch wenn man nicht immer die Ansichten des Autoren teilen muss, findet hier mal kein "Kommunisten-Bashing" und keine Verklärung der zaristischen Zeit statt, sondern er bemüht sich relativ objektiv den Verlauf der Ereignisse zu beschreiben. Dass man in Russland großteils der Überzeugung ist, dass dieses Land - egal ob von rechts oder links- mit harter Hand regiert werden muss, kann man bis in unsere Gegenwart sehen.
Nicht zuletzt der für die englischen Wissenschaftler typische lesbare Schreibstil, macht dieses Buch zu einem Gewinn.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr anschaulich, 15. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
In diesem Buch geht es um die Oktoberrevolution in Russland, vor allem um die Zeit der politischen Tätigkeit Lenins. Die behandelte Zeitspanne reicht von 1891 bis 1924.

In Russland waren die Bauern Jahrhunderte lang Leibeigene der Adeligen. Während die Leibeigenschaft im 19. Jahrhundert abgeschafft wurde, blieb die Abhängigkeit von den Gutsbesitzern bestehen. Die Bauern wünschten sich eine gerechtere Landaufteilung und wollten dazu auch das Land des Adels unter sich aufteilen.

Im Zuge der Industrialisierung gingen viele junge Bauern in die Städte, um dort zu arbeiten. Dort kamen sie mit dem Sozialismus / Marxismus und der Moderne in Kontakt, was sie von den traditionellen Verhältnissen ihrer Dörfer entfremdete. Der Erste Weltkrieg radikalisierte die jungen Männer noch mehr.

Es entstanden mehrere politische Bewegungen, die miteinander verfeindet waren. Manche unterstützten den Zaren, andere wollten eine Revolution. Im Zuge des Ersten Weltkrieges wurde der Zar 1917 entmachtet und eine gemäßigte Provisorische Regierung eingesetzt. Diese verstand sich jedoch nur als Verwalterin des Landes bis zur geplanten Nationalversammlung und tat deshalb zu wenig gegen die sozialen Missstände. Die Arbeiter und Soldaten forderten für sich die Selbstverwaltung und schlossen sich dafür zu Räten zusammen, von denen die Regierung teilweise abhängig war.

Den Bolschewiken unter Lenin gelang es schließlich, den Rat der Hauptstadt St. Petersburg unter ihre Kontrolle zu bekommen. Auch einige wichtige Armeeteile liefen zu ihnen über. Die Bolschewiken konnten deshalb strategisch wichtige Positionen besetzen und in einem Staatsstreich die Regierung verhaften (das wurde später zur Oktoberrevolution verklärt).

Die Regierung erfüllte den Wunsch der Bevölkerung, den Krieg zu beenden. Dafür entbrannte in Russland selbst ein Bürgerkrieg zwischen Bolschewiken und Konservativen. Da die Konservativen kein Programm gegen die sozialen Missstände hatten, gewannen die Bolschewiken.

Jedoch kam es durch den Bürgerkrieg, schlechte Ernten und insbesondere die rücksichtslose Beschlagnahme von Nahrungsmitteln durch die Sowjetregierung zu einer Hungersnot. Das führte wiederum zu Bauernaufständen, die gewaltsam niedergeschlagen wurden.

Auch die Räte waren mit ihrer Regierung unzufrieden. Die Wirtschaftsdemokratie der Räte hatte zur Folge, dass die Löhne der Arbeiter stiegen, während durch die Diskussionen und Streiks Chaos in den Fabriken ausbrach. Die Folgen waren deshalb Ineffizienz und niedrige Produktivität. Die Bolschewiken kamen einem Generalstreik zuvor und entmachteten Räte und Gewerkschaften. Oppositionelle Linke wurden verfolgt. Trotzki setze eine Militarisierung der Arbeit durch. Vom Westen wurden die Methoden Taylors (Messung der für einen Arbeitsvorgang benötigten Zeit, Akkord) und Fords (Fließband) übernommen, die sonst immer als Kennzeichen des arbeitnehmerfeindlichen Kapitalismus galten.

Zur Linderung der Hungersnot wurden kapitalistische Märkte wieder zugelassen, wodurch Handel (und Spekulation) aufblühten.

Als Lenins politische Arbeit durch mehrere Schlaganfälle eingeschränkt wurde, ernannte er Stalin zum ersten Generalsekretär der Partei. Es kam zu einem Machtkampf zwischen Trotzki und Stalin. Stalin hatte jedoch die Organisation der Partei hinter sich gebracht und siegte. Das Testament Lenins, welches Stalins Entlassung forderte, wurde teilweise unterdrückt.

Das Buch schließt mit dem Übergang von Lenin zu Stalin. Während Lenin eine längere kapitalistische Phase als Vorbereitung für den Sozialismus plante, setzte Stalin auf Fünfjahrespläne und Kollektivierung der Landwirtschaft.

Mir hat das Buch gut gefallen, weil die damaligen sozialen Probleme und politischen Strömungen ausführlich dargestellt werden. Bei kontroversen Themen werden mehrere Positionen diskutiert, bevor der Autor sich für eine davon eine davon entscheidet oder eine neue einbringt.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen brillante Rekonstruktion des Weges in die Revolution, 15. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 (Taschenbuch)
Die Stärke dieser Darstellung liegt nicht in der Fülle des aufbereiteten Materials, sondern in seiner Fähigkeit, dem engagierten Leser ein Verständnis der damaligen Situation zu ermöglichen. Er zieht einen förmlich in die zwei gegensätzlichen Welten, die westliche Urbanität und das menschenverachtende Elend der Bauern, Russlands, des letzten quasi absolutistischen Staates in Europa hinein.

Die spezifische Situation Russlands mit ihrer sehr eigenen Rezeption westlichen Gedankenguts, dem spezfischen Muster von staatlicher Gewalt und oppositionellem Widerstand bzw. Terror wird überzeugend beleuchtet.

Und Figes ermöglicht einen Enblick in den zeitgeschichtlichen Hintergrund, der dazu geführt hat, warum Lenin und die Bolschewiki in ihrer Gänze eine militante Interpretation des Marxismus vorgenommen haben.

Die Stärke des Buches ist dabei die Darstellung der sozialen und kulturellen Verflechtungen, die die vorrevolutionäre Phase gekennzeichnet hat und zur Differenzierung der unterschiedlichen politischen Strömungen führte.

Ein Urteil über die Vorgänge im Rahmen der Russischen Revolution fällen zu wollen, ohne dieses Buch gelesen zu haben, sollte schwer fallen und einseitig ausfallen.

Fast überflüssig zu sagen, dass Figes ähnlich wie im "Flüsterer" eine kritische Distanz zu seinem Objekt der Beschreibung hält und sich jeglicher Form unangebrachter Polemik enthält.

Insgesamt ein sehr unterhaltsames und im besten Sinne belehrendes Buch. Meinen bescheidenen Horizont für das Verständnis der russsischen Geschichte hat es ein wenig erhöht. Vielen Dank dafür Herr Figes!
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Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924
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