Fashion Sale Hier klicken Kinderfahrzeuge calendarGirl Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More sommer2016 HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego NYNY

Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen10
4,6 von 5 Sternen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:19,90 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 5. Juni 2012
In diesem gewiß nicht einfach und kurz zu lesendem Buch wird Geschichte in ihren Einzelschicksalen nacherlebbar gemacht. Erst bei dieser Lektüre habe ich z.B. begriffen, wie wichtig die Struktur der "Kommunalka" für den Erhalt des sowjetischen Systems war, wie schreckliche Schicksale aus dem Alltag in ihr entstanden. Es gibt großartige Bücher, die politische Strukturen "von oben" erklären können, Figes macht sich hier den Ansatz der oral history zu eigen, um zu beschreiben, wie sich Geschichte aus Kleinigkeiten, Banalitäten und wahren Tragödien zusammensetzt. Der Blick hinter die Kulissen der "großen" Geschichte macht den Weg frei für neue Erkenntnisse, z.B. über die Abfolge von Terror und leichter Entspannung in den Jahren nach 1934. Wir betrachten die Ereignisse mit den Augen der einfachen Menschen, aber auch des bekannten Schriftstellers Simonow, erleben, wie die Schicksale verwoben sind und erleben, dass es keine eindimensionalen Wertungen über "Anpassung", "Widerstand" und "Heldentum" geben kann. Interessant auch, wie eine 70-jährige Herrschaft das Denken und Tun verändert, ohne dass die Menschen es selbst sofort merken. Ich glaube, nach der anstrengenden und langen Lektüre kann man sich ein besseres Bild vom Alltag in der Sojetunion machen und die Besonderheiten des Systems besser verstehen.
0Kommentar|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. Mai 2012
Auch heute noch, fünf Jahre nach der Erstveröffentlichung dieses ebenso monumentalen wie in gewissem Sinne zeitlosen Opus' (über weite Strecken basierend auf mündlichem Nachwende-Informationsmaterial, etwa 500 aufgezeichnete Interviews mit Zeitzeugen, das seine dramatische Aktualität niemals verlieren wird) über gnadenlose Macht, Willkür und Unberechenbarkeit, und andererseits die absolute Ohnmacht des Individuums in Stalins Sowjetunion von 1917 bis zu Stalins Tod 1953, sowie mittlerweile zwanzig Jahre nach dem endgültigen Zusammenbruch von Kommunismus und Sowjetregime in Russland und Osteuropa, ist Orlando Figes' Buch so brennend aktuell und erschütternd eindrucksvoll wie am ersten Tag.

Das Werk, das anhand von Einzelschicksalen mehrerer Familien dramatisch direkt (manchmal geradezu lakonisch) berichtet, welch unfaßbares Leid und menschenverachtendes, perfides Unrecht (ohne eine Spur von Unrechtsbewußtsein bei den Tätern) den "Kindern der Revolution", in Russland und darüber hinaus, von Stalin und seinen Schergen und sonstigen Zuarbeitern zugemutet und zugefügt worden ist, legt wohl niemand aus der Hand, ohne bis ins Herz aufgewühlt und erschüttert zu sein. Die Schilderung der Ereignisse in 9 Kapiteln, von 1917 bis zur Zeit nach dem Tod des Despoten, 1956-2006, zeigt ein durchgängiges, mehr als 80jähriges Terrortableau auf, das die Menschen der Zeit nicht zur Ruhe kommen ließ und buchstäblich alles in den Schatten stellt, was man sich an grusligen und blutrünstigen Horrorszenarien auch nur vorzustellen wagt. In Abwandlung des Buchtitels der Erinnerungen des ehemaligen deutschen Kommunisten Wolfgang Leonhard ("Die Revolution entläßt ihre Kinder", 1955), ebenfalls eines Zeitzeugen, wird der Kommunismus in Stalins Sowjetunion bei Figes als über Jahrzehnte konstante, sich immer wieder aus sich selbst erneuernde Gewalt- und Terrorherrschaft entlarvt, die buchstäblich ihre eigenen Kinder, gleich der Göttin Kali der Hindu-Mythologie, blutbesudelt frißt und ganze Familien und Generationen verschlingt.

Es fragt sich tatsächlich, ob man es sich antun sollte, diese Schilderungen noch einmal auf sich einwirken zu lassen, wie einer der Vorrezensenten zu recht ausführt. Für Menschen, die dieses Regime, oder auch "nur" gewissermaßen geclonte Abarten desselben, am eigenen Leib erfahren mußten, sollte in der Tat die Empfehlung lauten, besser auf die Lektüre zu verzichten. Für alle diejenigen aber, die heute noch der Auffassung sind, der Kommunismus habe auch "sein Gutes" gehabt, sollte die Lektüre dieses Buches zur endgültig abschreckenden Pflicht erklärt werden. Nicht zuletzt zum Selbstschutz aus Eigennutz, denn ohne Kenntnis all dessen, was dieses Buch zu berichten hat, laufen alle heute noch denkbaren Apologien und Rechtfertigungen des Sowjetregimes (à la: "Wo gehobelt wird, da fallen Späne!") unmittelbar ins Leere, weisen ins Lächerliche, ja, bewegen sich direkt auf die weit geöffnete Eingangstür des nächstgelegenen "Asyls der Unzurechnungsfähigkeit" zu.

In vielfacher Hinsicht erschreckend (und beängstigend) für mich selbst bei dieser Lektion in Sachen Horror und Grauen der Umstand, daß bei keinem Buch meiner jüngeren Lesevergangenheit so, wie bei diesem, mir wie im geflügelten Wort "das Messer buchstäblich in der Tasche aufgegangen" ist. Man spürt Wut und Haß in sich aufsteigen und möchte am liebsten immer noch, fünfzig bis hundert Jahre nach den unvorstellbaren Ereignissen und millionenfachen Tragödien, begangen am eigenen Volk, aufschreien: "Einhalten, einhalten! Seid Ihr denn alle verrückt geworden?". Es gibt wohl kaum einen, dann immer noch literarisch seriösen und akzeptablen Thriller-Autor oder Verfasser von blutrünstigen Horrorgeschichten, der einen (in diesem Fall angesiedelt zumindest im Reich der Phantasie) in ähnlicher Weise zu entsetzen vermöchte wie dieses Buch, das auf nicht wegzuleugnenden Tatsachen und Tragödien beruht.

Noch eine (finale) Quintessenz bringt die Lektüre dieses gewaltigen Werkes von Orlando Figes mit sich für denjenigen Leser, der vielleicht selbst einmal, aus Unkenntnis der wahren Sachverhalte und historischen Hintergründe, mit sozialistischen oder kommunistischen Gedankengängen liebäugelt hatte. In aller Zukunft wird er sich jeder Art von Argumentation pro reo (auch sich selbst gegenüber) nicht mehr sicher sein. Nicht mehr sicher sein KÖNNEN, denn alles andere würde hinauslaufen auf allzu leichtfertiges Unterfangen und auf die auf der Weisheit des griechischen Philosophen Sophokles resultierende Schlußfolgerung: Wen die Götter verderben wollen, den verblenden sie zuvor. (Quem Deus perdere vult, dementat prius.)
0Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. Januar 2009
Für jemanden, der selbst 40 Jahre unter diesem System gelebt hat, ist das Durchlesen des gesamten Buches eigentlich unzumutbar. Als Professor Hartmut Zwahr sein Buch Die erfrorenen Flügel der Schwalbe: DDR und "Prager Frühling". Tagebuch einer Krise 1968-1970 vorstellte, sagte er, seine Frau hätte es nie gelesen, es würde ihr reichen, daß sie es einmal erlebt hat. Auch Figes monumentales Werk ist also eher etwas für Junge oder Leute aus dem Westen, die eine solche Zeit und ein solches System nie miterlebt haben und das Gruseln lernen wollen.

Bei dem Titel "Die Flüsterer" muß ich sofort an meinen Großvater denken, wie er in den Fünfziger Jahren RIAS hörte, damals eine "Freie Stimme der Freien Welt". Er stand ganz dicht am Radio, das nur sehr leise gestellt war, damit ja kein Nachbar mitbekam, welchen Sender er hörte. Und ich durfte als Kind ja niemandem davon erzählen.

Es ist schon so viel über diese Lager im Rußland Stalins geschrieben worden. Es gibt Meisterwerke wie Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch,Marschroute eines Lebens.,Wieso lebst du noch? Ein Deutscher im Gulag. oder Der Gulag und Dutzende gedruckte Erlebnisberichte von ehemaligen Gefangenen und Kriegsgefangenen, mehr oder weniger gut geschrieben. Kann dem überhaupt noch etwas hinzugefügt werden?

Ja, denn das Buch enthält auch Teile über die "Vergangenheitsbewältigung" durch das ehemalige Wachpersonal und die Denunzianten. Ich zitiere S. 880f.: "Nach 1956 führten Millionen von Menschen, die an Stalins Verbrechen auf irgendeine Weise mitbeteiligt gewesen waren, weiterhin ein normales Leben. Bei den meisten kam gar kein Schuldgefühl auf. ... Iwan Kortschagin war von 1946 bis 1954 Wächter in einem Lager für Ehefrauen von Vaterlandsverrätern. ... 1988 gab er in einem Interview an: ,Was ist die Sowjetmacht, frage ich Sie. Ein Zwangsorgan! Klar? Sagen wir zum Beispiel, wir sitzen hier und unterhalten uns, und zwei Milizionäre klopfen an die Tür. ,Komm mit', sagen sie. Basta! Das ist Sowjetmacht! Sie können dich mitnehmen und ins Gefängnis stecken - ohne jeden Grund. Und ob du ein Feind bist oder nicht, du kannst niemanden von deiner Unschuld überzeugen. So sieht es aus. Ich bekomme die Anweisung, Gefangene zu bewachen. Soll ich der Anweisung glauben oder dir? Vielleicht tust du mir leid, vielleicht auch nicht, aber was kann ich tun? Schlachtet man ein Schwein, hat man kein Mitleid mit ihm, wenn es quiekt. ... Im Lager habe ich Mütter mit kranken Kindern bewacht. Sie weinten und weinten. Doch was konnte ich tun? Die Frauen wurden wegen ihrer Männer bestraft. Aber das war nicht meine Angelegenheit, ich hatte meine Arbeit zu machen. Wenn der Mann ein Volksfeind ist, was für einen Sohn könnte die Mutter dann aufziehen? Es gab eine Menge Kinder im Lager. Aber was konnte ich tun? Es war schlimm für sie, doch vielleicht waren sie ohne solche Mütter besser dran. ... Meine Arbeit hat keinen Schaden angerichtet. Ich habe der Regierung einen Dienst erwiesen."
0Kommentar|46 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Mai 2013
Wer sein Geschichtswissen über die Zeit von 1915 - 1965 in Russland/ Sowjetunion verbessern (revidieren muss!) sollte dieses Buch lesen! Ich habe zunächst den Archipel Gulag gelesen (3-Bändige ausführliche Ausgabe) und dann ist dieses AUSFÜHRLICHE Buch (mehr als 800 Seiten) sehr zu empfehlen.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. November 2014
Orlando Figes Buch spiegelt die Auswirkungen der Stalinistischen Gewaltherrschaft auf die russische Nation wieder. Interviews mit betroffenen Überlebenden werden darin aufgezeichnet.
Stalins Regierungszeit war (abgesehen von den Jahren des Zweiten Weltkriegs) durch Terrorwellen unterschiedlicher Intensität gekennzeichnet, wobei der Autor an einer kaum überschaubaren Anzahl von Menschen aus unterschiedlichen Schichten folgende Phänomene herausarbeitet:
- Die von staatlicher Willkür, Armut, Hunger und Verlust von Angehörigen geprägte Anpassungsfähigkeit des Einzelnen.
- Das Festhalten an der Vatergestalt Stalins durch etliche, die in der Hölle des GULAG täglich ums Überleben kämpften.
Stalin startete einen Angriff gegen das eigene Volk, wobei ihm als Klassenkämpfer die Ausrottung bestimmter Gesellschaftsschichten (Kulaken, Bürgerliche, Adlige) besonders am Herzen lag.
Eher nebenbei begründet der Autor die an Opferzahl herausragende Terrorwelle der späten 1930er Jahre mit der Absicht Stalins, jeden inneren Widerstand im Angesicht eines drohenden Krieges mit Stumpf und Stiel auszumerzen: das einst zaristische Regime, welches sich seit 1914 mit dem Deutschen Reich im Stellungskrieg befand, wurde durch die 1917 ausbrechende Revolution maßgeblich geschwächt.
Figes schenkt abweichend von den vielen Personen, die in seinem Buch auftauchen und wieder verschwinden, dem Dichter Konstantin Simonow höchste Beachtung: dieser Prototyp eines Opportunisten überwand seine durch Geburt und Herkommen belastete Position und wurde für lange Zeit der unangefochtene Hofdichter des roten Zaren - jemand, der nicht von heute auf morgen in die tödliche Ungnade des Diktators fiel, stellte eine Ausnahmeerscheinung dar. An Simonow wird deutlich, daß Rücksichtnahmen auf andere Menschen - einschließlich Familienmitgliedern - für das eigene Fortkommen und Überleben nach dem herrschenden Faustrecht des Dschungels gefährlich- und daher zu unterlassen waren.
Bei fortschreitender Lektüre beginnt die Empfindung des Lesers schließlich an der Fülle aufgezeigter Schicksale zu leiden.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Juni 2014
Ein sehr gutes Buch über das Leben im Privaten im Stalinismus. Gut aufgearbeitet und sehr zu empfehlen für ernsthafte Leser. Nichtkenner der Materie werden erstaunt sein, was Stalinismus und Diktatur im privaten Bereich bewirken, Menschen vernichten und eine Gesellschaft verwandeln, in der das Leben zum Kampf für Überleben wird. Kinder geegen Eltern alle gegen alle,
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. März 2009
für alle, die sich für Politik aus der Sicht des Einzelnen interessieren.
Ein absolutes Muss für alle, die verstehen wollen, wie man ein ganzes Volk einschüchtern und große Teile für Denunziation und Terrror gewinnen kann. Dieses Verstehen ist auch hilfreich beim Verständnis der Vorgänge in der Nazizeit in Deutschland oder der Kulturrevolution in China.
0Kommentar|15 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. April 2013
Wer einmal in Moskau war, der weiß, dass die Russen jedem Fremden erstmal höchst skeptisch und mürrisch gegenüberstehen. Wenn man diese hier geschilderten Hintergründe liest, weiß man, dass dies seinen Grund hatte und es eine Erklärung gibt.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. Dezember 2008
unbedingt lesenswert - kurzweilig - äußerst gelungenes dokument der russischen zeitgeschichte - spannend - lehrreich und sehr emotional
0Kommentar|12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. September 2009
Es ist ein Buch mit sehr viel Biographischer Familien Schicksalen mit komplexer Verzweigung die durchaus chronologisch hätte gebündelt werden können. In den einzelnen Abschnitten wiederholen sich immer Textszenen, dass zieht sich auch durch das ganze lange Buch. Wer eine tiefgreifende Hintergrund Informationen sucht, und sich nicht an den zahlreichen Passagen "man verhaftete Ihn und Er wurde erschossen" stört findet sich am Ende des Buches durch die ungenauigkeit genauso fahl damit ab. Mag sein das es an der Übersetzung liegt. So war Ich mit so wenig Info über den genauen Umständen einfach nicht zufrieden. Die Quellenverweise hätten auf jedenfall zur Seite hinzu gedruckt werden sollen, denn man schwenkt nicht ständig mehr als ein Kilo so Federleicht herum und lässt es dann auch irgendwann. Durchaus lernt man unbekanntes über den russischen Geist dieser Zeit und das Verhalten eines Volkes. Wer z.B. die Bücher von Klemperer/Tagbücher, Kempowski/Echolot, gelesen hat erwartet mehr oder vielleicht zuviel. Selbst wenn FIGES Spezialist ist auf diesem russischem Gebiet, hätte diese Buch komprimiert werden können. Der Schreibstil erinnerte mich an amerikanische Autoren Hauptsache viel Seiten. Gelernt habe ich das ausführliche Einzelschicksalen Lesenswerter sind.
55 Kommentare|8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden