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23000: Roman
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am 3. November 2011
Was es ist, weiß ich nicht zu sagen. Würde man jeden einzelnen Leser befragen, man bekäme wohl immer wieder eine andere Antwort. Sorokin schafft die Gratwanderung, nicht nur auf einem, sondern auf vielen Graten. Philosophie, Lächerlichkeit, Gesellschaftsroman, Science Fiction, Psychogramm, Kritik, Programm, Esoterik, Parodie und Manifest - all das und viel mehr ist es. Er scheint das Unverträgliche einen zu wollen. Und er schafft es! Nie kippt das Opus in ein Extrem um, selbst dann nicht, wenn wie hier, im dritten Teil, nahezu kitschverdächtige, Dan-Brownische Verfolgungsjagden stattfinden. Es ist, als ob Sorokin mit Absicht alles tut, was "man nicht darf"; er verblendet die unterschiedlichsten Stile, Sprachen, Genre und Abstraktionsebenen, verbindet Hoch- mit Trashliteratur ohne im eigentlichen Sinne experimentell oder avantgardistisch zu sein. Letztlich ist es Mainstreamliteratur auf allerhöchstem Niveau, könnte auch für einen Blockbuster herhalten. Immer, wenn er einen Teil seiner Leser durch Über- oder Unterforderung zu verlieren droht, wechselt der Ton, werden neue Spannungen aufgebaut.
Alles läuft nun auf den verheißenen großen Kreis hinaus, die Erlösung oder das Ende der Welt, je nachdem, auf wessen Seite man ist. Aber auch hier bleibt der Leser unentschieden. Die Bruderschaft des Lichts weiß zu begeistern, man kann nicht anders als ihr Recht geben, sich wünschen, ihr zuzugehören, und doch erschauert man vor ihrer gnadenlosen, tyrannischen Konsequenz.
Nur ein Autor von Rang kann überhaupt nur in der Lage sein derart Widersprüchliches zu einen. Sorokin gelingt zu alledem sogar ein page turner - den man nicht nur lesen, den man diskutieren muss!
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am 20. Januar 2015
Eines vorweg: Ich halte "Ljod - das Eis" für einen der besten Romane, die ich je zu lesen das Vergnügen hatte. Und zwar sowohl sprachlich als auch vom Inhalt her.
Möglicherweise hinterlässt "23000" auch deshalb etwas gemischte Gefühle bei mir – vielleicht habe ich mir nach der Lektüre der beiden Vorgänger "Bro" und "Ljod" einfach etwas zuviel erwartet.

Aber "23000" fällt schon auf prosaischer Ebene gegenüber dem Vorgänger etwas ab, so als wären Sorokin die genialen Ideen auf einmal ausgegangen. Auch die Geschichte selber - während man bei "Ljod"noch auf jeder Seite in ein Wechselbad aus nacktem Entsetzen, makaberer Komik, perversem Sex und generell jeder Menge Wahnsinn geworfen wurde, zieht sich alles seitenlang dahin.
Das Highlight ist eindeutig der Teil, in dem die Eishammer-Opfer nach China fahren um dort eine faustdicke Überraschung zu erleben – und im Anschluss daran die traurige Lebensgeschichte, die Herr Wolf Olga erzählt.
Dann schleichen sich aber Ungereimtheiten ein: Was es mit dem Klub der toten Tölen genau auf sich hat kommt nie heraus und auch der Schluss ist etwas unspektakulär und dürftig ausgefallen.

"23000" ist gewiss kein schlechter Roman, aber für mich leider das schwächste Buch der Trilogie. Darum auch nur 4 Sterne.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Dieser dritte Band ist das Ende einer beeindruckenden Triologie. Zuvor haben wir "Ljod" und "Bro" lesen dürfen.

Als ich diesen Abschlußroman durchgelesen hatte, habe ich mich gefragt, ist das Leben auf unserem Planeten wirklich so grausam wie der Autor es mit Hilfe seiner Mittel schildert?

Die Bruderschaft der Auserwählten entführt immer mehr Menschen. Einigen wird das Glück zu Teil, dass ihr Herz mit Eishämmern geweckt wird. Andere müssen sterben.

Vladimir Sorokin ist bekannt als jemand der gern provoziert. Dieses Buch ist eine Provokation für meine Seele. Endzeitstimmung macht sich in mir breit. Aber auch der Gedanke, vielleicht brauchen wir dringender als je zuvor so viel Provokation um endlich zu begreifen, dass wir innehalten und den eingeschlagenen Weg der Menschheit neu überdenken sollten.

Der Provokateur ist ein Menschenfreund, ganz allein deshalb provoziert Sorokin. Er unternimmt alles um die Menschheit vor den selbst erschaffenen Übeln zu bewahren. Bisher haben wir es nicht kapiert. Viel Zeit zur Umkehr bleibt uns nicht.

Diese Triologie ist Sorokins Aufschrei und Forderung nach Umkehr und Demut der Menschheit.
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