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47 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Ruh' ist hin...
Ruth Gilmartin, die zusammen mit ihrem kleinen Sohn im beschaulichen Oxford lebt und Erwachsenen Englisch beibringt, glaubt sich im falschen Film: Aus heiterem Himmel rückt ihre Mutter mit der Mitteilung heraus, in Wirklichkeit Eva Delektorskaja zu heißen, eigentlich gebürtige Russin und naturalisierte Französin zu sein, und während des Zweiten...
Veröffentlicht am 8. Juni 2007 von weiser111

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen interessante Spionage
Es war dies mein erstes Buch von W.Boyd und ich habe mich gut unterhalten. Die Geschichte spielt 1976. Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin, Ruth Gilmartin, erfährt von ihrer Mutter Sally, dass diese eigentlich jemand ganz anders war. Sally schreibt ein Manuskript und erzählt darin die Geschichte der "Eva Delektorskaja", die 1939-1941, also zu Beginn des WK...
Veröffentlicht am 14. Dezember 2009 von firdalion


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47 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Ruh' ist hin..., 8. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ruth Gilmartin, die zusammen mit ihrem kleinen Sohn im beschaulichen Oxford lebt und Erwachsenen Englisch beibringt, glaubt sich im falschen Film: Aus heiterem Himmel rückt ihre Mutter mit der Mitteilung heraus, in Wirklichkeit Eva Delektorskaja zu heißen, eigentlich gebürtige Russin und naturalisierte Französin zu sein, und während des Zweiten Weltkrieges Geheimagentin in britischen Diensten gewesen zu sein. Und nun, im Sommer 1976, fürchte sie um ihr Leben... Akute Paranoia und Hitzschlag scheiden als Erklärungen aus. Ruth liest kapitelweise Sally Gilmartins resp. Eva Delektorskajas Lebensbeichte, und unmerklich sickert die Spionage-immanente chronische Paranoia auch in ihr Leben. Sie erfährt mit jeder neuen Lieferung ihrer Mutter mehr über das Leben einer Spionin im allgemeinen und das ihrer Mutter im besonderen -- vor allem gewähren ihr deren Aufzeichnungen detaillierte Einblicke in die Folgen, die sich aus den besonderen Lebensumständen für die Einzelnen ergeben: Stetes Misstrauen als unverzichtbares Lebenselexier ("Was denkt er, dass ich denke, dass er glaubt, dass ich denke...") gehört ebenso dazu wie die daraus resultierende Unmöglichkeit menschlicher Bindungen; sogar die Wahrnehmung unterscheidet sich von der eines "normalen" Menschen. Die Frage nach der eigenen Identität stellt sich auf vielen Ebenen, und Skeptikern sei's gesagt: Das leicht abschätzig belächelte Genre des Spionage-Thrillers kann diesen Themenkomplex erfolgreich schultern.

Ruths Mutter Eva Delektorskaja gehörte unter verschiedenen Namen während des Krieges zu einer Einheit, die geschickt Falschmeldungen in den amerikanischen Medien lancierte, um so die USA endlich zum Kriegseintritt zu bewegen: Zunächst von Belgien aus, dann in England, schließlich direkt in den USA. Das liest sich weitaus spannender, als man glauben möchte, denn dass das eigene Leben immer in Gefahr ist, wird Eva schnell klar. William Boyd breitet keine verklärende Romantik über das Spionage-Gewerbe, sondern zeigt es als das knallharte Geschäft, in dem jedes Mittel recht ist -- wirklich JEDES Mittel.

Den Kapiteln, die sich mit den Umtrieben der verschiedenen Geheimdienste zwischen 1938 und 1942 befassen, merkt man William Boyds solide Recherche an. Die Täuschungsmanöver, Intrigen und Doppelspiele des BSC (British Security Coordination) beruhen auf Tatsachen, die erst allmählich ans Licht kommen, und die betreffenden Kapitel von "Ruhelos" sind geschickt aufgebaut.

Aber es geht hier nicht nur um das Doppel- und Dreifachspiel von Agenten und Geheimdiensten, in dem weder Ruhepausen noch Atemholen möglich sind; und es geht auch nicht nur um treffsichere Seitenhiebe auf All- und Ohnmacht der Medien: Es scheint mir nämlich kein Zufall, dass sich in letzter Zeit gleich zwei namhafte Autoren der Zeitspanne kurz vor Kriegseintritt der Amerikaner annehmen und darin die Rolle der damals recht zahlen- und zahlungskräftigen Nazi-Sympathisanten thematisieren (Naja; "namhaft" ist bei Philip Roth leicht untertrieben).

So oder so: Der psychologische Unterbau von "Ruhelos" ist gut in eine tatsächlich ruhelose Spionagehandlung integriert, und der in der Vergangenheit angesiedelte Teil des Romans ist ein solider Spionage-Thriller, der mit allen Dubiositäten des Genres sein souveränes Spiel treibt. Obwohl einen die eigene Le-Carré-Lesegeschichte scheinbar schneller auf den Trichter kommen lässt als die Protagonistin, und obwohl man sich gelegentlich fragt, wieso sie XY nicht schon eher auf die Schliche kommt -- die Auflösung am Ende birgt doch noch genug Überraschungen, und das Gute ist, dass man bis zum Schluss durchhält und diese Auflösung wissen will.

Was hingegen den zweiten Handlungsstrang von "Ruhelos" angeht, also die 1976er Gegenwart von Evas Tochter Ruth: Hier herrscht eher Rat- als Rastlosigkeit; Boyd rührt einen Sturm im Wasserglas an, auch wenn ich diesen Kontrapunkt der eigentlichen Romanhandlung nicht ganz abwatschen will (Schließlich haben nicht nur die absurden Erlebnisse der Lehrbuch-Familie Amberson einen gewissen Reiz).

Irgendwann ist Ruth nämlich angesteckt von dem Misstrauen, das die Manuskripte ihrer Mutter durchweht: Wir schreiben das Jahr 1976, und da ist ein dubioser Schwager aus Deutschland samt seiner Freundin ebenso assoziationsbeladen wie ein iranischer Ingenieur mit seinen Liebesschwüren -- Umsturzangst allerorten. Dieser zweite Handlungsstrang wirkt auf mich etwas hanebüchen, zu dick aufgetragen -- und das Gegengift zarter Ironie wird mit ihm nicht fertig. Zwar kann man das Geschehen durchaus als Seitenhieb auf die Kluft zwischen Schein und Sein auffassen, wenn man auch hier die Rolle der Medien im Hinterkopf behält -- aber das ist alles ein wenig konfus, weit hergeholt und nicht immer glaubwürdig. Dennoch spielt Boyd auch hier mit dem Vorwissen seiner Leser, und auch diese Handlungsebene ist ständig von einem Hauch diffuser Bedrohung durchweht. Nur stringenter könnten sie sein, diese Teile des Romans. Stringenter -- und kürzer!

Trotz einiger unübersehbarer Schwächen: "Ruhelos" entwickelt eine Sogwirkung auf den Leser, um dessen Ruhe es schon nach den ersten Seiten geschehen ist. Die Geschichte wird geradlinig erzählt, legt unmerklich immer mehr an Spannung zu und bleibt auch dann noch spannend, wenn man weiß, wer der Verräter in den eigenen Reihen war: Die niemals endende Unruhe der Eva Delektorskaja überträgt sich auf den faszinierten, wehrlosen Leser.
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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literatur kann so spannend sein - hohes Suchtpotential!, 4. Juli 2007
Von 
Tom Kadi (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos: Roman (Gebundene Ausgabe)
In einer der berühmtesten maghrebinischen Geschichten stellt der Vater sein Söhnchen auf einen Schrank, breitet die Arme aus und fordert es auf zu springen. Das Kind zögert. Der Vater lockt - Ich fange Dich auf, ich bin doch Dein Vater! Der Sohn gibt sich einen Ruck, derVater geht zur Seite und läßt ihn schmerzhaft mit der Stirn auf den Boden prallen. Anschließend sagt er zu seinem Kind: "Das lass Dir eine Lehre sein. Trau keinem Menschen, nicht einmal Deinem eigenen Vater."
Aus diesem Prinzip ziehen alle Spionageromane ihre Spannung. Insoweit sind sie ein wenig vorhersehbar. Doch ihr Reiz liegt nicht nur in der Auflösung einer meist äußert verwickelten Intrige von Spionage und Gegenspionage, durch die die handelnden Akteure meist auch nicht mehr durchblicken, sondern in der Darstellung des historischen und politischen Hintergrunds. Dies ist William Boyd meisterhaft gelungen. Díe Geschichte spielt auf zwei zeitlichen Ebenen - den Jahren von 1939 bis zum Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg und auf einer persönlicheren Schiene den Monaten des Jahres 1976, in denen die Icherzählerin erfährt, dass ihre Mutter - eine Halbrussin - vor mehr als 20 Jahren aktiv als Mitarbeiterin des britischen Geheimdienstes in die Aktionen einbezogen war, die USA zur Aufgabe ihrer Neutralitätspolitik zu bewegen. Mehr von der Handlung zu erzählen, wäre gemein. Nur soviel: Alle, die das Buch noch nicht gelesen haben, haben Glück. Denn Sie haben einen spannendes, gut erzähltes, dabei literarisch hochsehendes Lesevergnügen noch vor sich! Sie sollten mögllichst auch bei Beginn der Lektüre einen freien Tag vor sich haben. Denn es ist nahezu unmöglich, das Buch wieder aus der Hand zu legen!
P.S. Eric Ambler ein Großmeister des Spionageromans, an dessen Bücher dieser Roman erinnert, wird bei Diogenes verlegt. Dort befinden sich seine Werke zum Teil auf der Liste der am schlechtesten verkauften Bücher des Verlages. Haben die Menschen, die jetzt Boyd in die Bestsellerlisten katapultiert haben - durchaus zu Recht! - Ambler alle schon gelesen oder haben sie diesen Autor bisher übersehen?
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Beginn an spannend, 22. Januar 2007
Von 
Norma Schlecker - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos: Roman (Gebundene Ausgabe)
William Boyds neuester Roman hat mich von Beginn an gepackt.

Die Geschichte um die englische Spionin Eva Delektorskaja, die während des Zweiten Weltkrieges von Paris über London schließlich in die USA gelangt, ist sowohl inhaltlich als auch sprachlich hervorragend ausgearbeitet.

Die Handlung um die Tochter (Oxford im überdurchschnittlich heißen Sommer 1976) bildet einen interessanten Rahmen. Dieser Erzählstrang soll, was die Spannung angeht, der Haupthandlung um Eva Delektorskaja keine Konkurrenz machen, sondern sie in einen Kontext betten, der die lebenslängliche Ruhelosigkeit der Ex-Spionin zusätzlich betont.

Hervorragend fand ich vor allem die Passagen, in denen die veränderte Wahrnehmung der Spionin zum Ausdruck kommt. Auf ihre Tätigkeit für den Geheimdienst getrimmt, kann sie sich zu keinem Zeitpunkt vom antrainierten Misstrauen und der geschärften Wahrnehmung lösen.

Bis zum Schluss ein Genuss. Spannend, sprachlich hervorragend, eine wirklich lohnende Lektüre.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannung auf hohem literarischm Nieveau, 3. März 2010
Von 
Willi Ratsak "Bücherwurm" (pfalzdorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos (Taschenbuch)
Die Mutter-Tochter-Geschichte ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und brillant geschrieben. Ruth (27) erfährt 1976 von ihrer Mutter (58), dass diese eigentlich nicht Sally Gilmartin sondern Eva Delektorskaja heißt und während des 2. Weltkrieges für den britischen Geheimdienst arbeitete, dem sie auch ihre heutige Identität verdankt. Zunächst verblüfft und ungläubig beginnt Ruth die Geschichte ihrer Mutter aufzuarbeiten und entdeckt dabei, dass diese keineswegs paranoid ist, sondern tatsächlich um ihr Leben fürchten muss. Das Wechselspiel zwischen 1939-45 und 1976 um das Leben der beiden Frauen lässt keine lange Weile aufkommen.Geheimdienstler, die Evas Leben mehr als einmal in Gefahr bringen, der zwielichtige Agentenführer, den sie liebt, aber dem sie eigentlich nicht vertrauen sollte, ziehen den Leser ebenso in ihren Bann, wie das Leben der selbstbewussten und bei aller Cleverness verletzlichen Ruth. Dabei ist der Bezug zu Deutschland während der Bader-Meinhoff-Zeit aus dem Blickwinkel einer Engländerin, die in Deutscher Geschichte promoviert(Ruth) ein zusätzliches Highligt dieses Romans.
Heftigst zu empfehlen!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen spannende und gute Unterhaltung, 21. August 2012
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos (Taschenbuch)
William Boyd hat mit "Ruhelos" einen seiner besten Romane abgeliefert. Ein Manko hat dieser Roman (wie alle anderen auch): Er kann nicht nur eine Geschichte erzählen. Er muss zwei Geschichten miteinander verweben, sonst klappt es nicht.

Ruth lebt in Oxfordshire, hat einen fünf Jahre alten Sohn Jochen und eine Mutter namens Sal(ly). Eines Tages im heißen Sommer 1976 eröffnet Sally ihrer Tochter: Ich bin eine geborene Russin, habe in Frankreich bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gelebt und habe im Krieg für die Briten in der Welt spioniert. Wow, das hat gesessen, denn ab sofort hinterfragt Ruth Alles, aber auch Alles, was ihre Mutter ihr bis dahin erzählt hat. Die Mutter hat Alles aufgeschrieben und gibt es der Tochter zu lesen.

Eine wilde Geschichte entspinnt sich, von einer Eva Delektorskaja, in Frankreich angeworben, nach Schottland zur Spionageausbildung geschickt. Diese Eva (Sally) macht schnell Karriere und kommt Dank ihrer Arbeit und ihrer Fähigkeiten sogar in die sicheren USA. Dort überschlagen sich nach und nach die Ereignisse, bis zur Lebensgefahr...

Wie gesagt eine zweite Geschichte gibt es auch: Ruth ist gutbezahlte Nachhilfelehrerin in Englisch für Erwachsene. Als allein-erziehende Mutter führt sie ein ruhiges Dasein in einem kleinen Dorf außerhalb Oxford. Sie unterrichtet Erwachsene ausschließlich. Ein Schüler verliebt sich in sie. Der gut aussehende iranische Ingenieur Hamid (damals wurde der Iran noch vom Schah von Persien beherrscht, den Hamid erbittert hasst) verliebt sich in Ruth und macht ihr sogar einen Heiratsantrag, obwohl er nach Indonesien gehen soll. Und Ludger taucht auf, der Bruder von Jochens Vater aus Deutschland.....

William Boyd hat einen spannenden Roman abgeliefert. Unterhaltsam, gut recherchiert und intelligent verwoben scheinen die Geschichten ineinander zu greifen. Historisch punktgenau und dabei witzig erzählt er die Geschichte einer jungen Frau (Sally, Ruths Mutter) die viel verloren hat, die viel gewonnen hat und die immer wieder mit Verrat und Vertrauen, mit Angst und Mut sich durch die wilden Jahre geschlagen hatte, mit einem Bein im Grab und dem Anderen auf der Flucht oder der Karriereleiter. Genau das richtige Buch für ein verregnetes Wochenende, oder einen Strandurlaub. Viel Spaß beim Lesen.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vertraue niemandem...... ! (Hörbuch-Rezension), 1. Oktober 2007
Von 
C. Stotz (Esslingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos (Audio CD)
England im Sommer 1976. Ruth Gilmartin lebt mit ihrem Sohn als Englischlehrerin in Oxford. Regelmäßig besucht sie ihre Mutter Sally, die zurückgezogen einige Kilometer ausserhalb in einem kleinen Dorf lebt. Doch zusehends benimmt die rüstige ältere Dame sich merkwürdig: Der nahe Waldrand wird mit dem Feldstecher beobachtet und eines Tages sitzt sie - obwohl kerngesund - im Rollstuhl und will zum Einkaufen geschoben werden. Ist das schon das Alter ?

Die Antwort erhält Ruth nur wenig später, als sie von ihrer Mutter ein Dossier mit dem ersten Teil ihrer Lebensgeschichte überreicht bekommt; was sie dort liest, verwirrt sie zutiefst: Ihre Mutter, die sie zu kennen glaubte wie kaum einen zweiten Menschen auf der Welt, heisst in Warheit Eva Delektorskaja und war im Zweiten Weltkrieg als Spionin für England in Belgien, Frankreich und den USA im Einsatz.

Und was lange vorüber scheint, ist noch immer nicht wirklich Geschichte - die Vergangenheit wirft lange Schatten.

Mit jedem neuen Dossier taucht Ruth tiefer in die Geschehnisse zwischen 1939 und 1941 ein, und langsam durchsetzt das Gift des Misstrauens, das das Leben ihrer Mutter bestimmte, auch ihren Alltag: Was steckt hinter dem plötzlichen Auftauchen Ludgers, dem Bruder ihres früheren Lebensgefährten, der offenbar mit den radikalen Kreisen der RAF in Deutschland sympathisiert? Welche Rolle spielt Hamid, ihr arabischer Sprachschüler ? Nichts scheint mehr sicher und verlässlich.

Martina Gedeck leiht beiden Frauen in dieser Geschichte ihre Stimme - der Autobiographin Sally und der Erzählerin Ruth. Sie versteht es brillant, in allen Stimmungen den richtigen Ton zu treffen; die Unsicherheit Ruths, ihr Erstaunen und Unglauben angesichts der Enthüllungen ihrer Mutter, ebenso, wie der Kälte, Berechnung aber auch Todesangst von Sally während ihrer Missionen in den 40er Jahren.

Tiefgründige und spannende Unterhaltung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Späte Rache, 30. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos (Taschenbuch)
Auch in "Ruhelos" schlüpft der begnadete Erzähler Boyd in die Rolle einer jungen Frau, einer Tochter unter vielen, die sich von anderen dennoch unterscheidet. In ihrer Herkunft!

Ruth Gilmartin wird eines Abends von ihrer Mutter Sally mit deren Vergangenheit konfrontiert - der Geschichte der Eva Delektorskaja - gebürtige Russin, in Paris als Agentin für die britische Krone rekrutiert, in Schottland unter höchster Geheimhaltung ausgebildet und in die Unterwelt des Zweiten Weltkriegs entsandt. Stück für Stück erörtert Sally ihrer Tochter die Aufzeichnungen ihres Agentenlebens, berichtet von ihrem aktiven Mitwirken auf die Entwicklung der US-amerikanischen Beteiligung am Weltkrieg, ihrer heimlichen Liebe und einem großen Verrat aus eigenen Reihen.

Parallel zu Eva Delektorskaja's Agentengeschichte verfolgen wir das Leben ihrer Tocher, der Englisch Lehrerin Ruth, eine allein erziehende Mutter Mitte der Siebziger Jahre in Oxford. Wobei vor allem die politischen Siebziger Jahre sehr gut dargestellt werden und mit ihren Protesten gegen den Schah von Persien und die Ausläufe des Bader-Meinhof-Komplexes als hervorragende Kulisse fungieren. Wie üblich porträtiert Boyd seine Charaktere durchaus stark und sehr individuell, ohne sie dabei zu Helden mutieren zu lassen. Er bringt sowohl die Siebziger Jahre der Rahmenhandlung sehr gut zur Geltung, als auch die Schrecken, das Misstrauen und die Ungewissheit einer Existenz im Zweiten Weltkrieg.

Der Roman zeichnet sich und (ein weiteres Mal) den großartigen Autor (ich bin befangen!) durch ein hohes Maß an Spannung und Erzähltalent aus. Dem nicht genug, bewundere ich an Boyd's Romanen am meisten, den für mich Leser fühlbaren jeweiligen Zeitgeist, der mit der Geschichte im Dialog steht.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spannend bis zum Schluss, 27. März 2007
Von 
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos: Roman (Gebundene Ausgabe)
Spannend gemachter Spionage Thriller. Aber nicht nur das. Es ist auch eine Art Familiengeschichte, bzw. eher eine von Mutter und Tochter. Mitte der Siebziger in London. In Deutschland RAF Hysterie, die auch zwischendurch thematisiert wird und Ruth, die Tochter, macht sich Sorgen um ihre Mutter, die wohl, im vor Hitze stöhnenden Sommer in London, langsam zu spinnen anfängt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Es entwickelt sich eine Agentinnenstory allererster Güte. Die ursprünglich als Kind russischer Einwanderer in Paris aufgewachsene Eva Delektorskaja eröffnet ihrer Tochter nach und nach die Geschichte ihres Lebens. Wir erfahren, für mich auch neu, dass der britische Geheimdienst am Anfang des zweiten Weltkrieges mit allen Mitteln versucht, die Großmacht USA zum Eintritt in den Krieg zu bewegen.

Mit Hilfe lancierter Meldungen, z.B. über gefakte U-Boot Angriffe, oder sonst irgendwelchen vermeintlichen Aufmärschen, soll das Pentagon bzw. Roosevelt provoziert werden, sich gegen Hitler zu stellen. Eva wird angeheuert, von einem

007 Typ namens Eric Romer. Ihre Tarnung ist eine Art Presseagentur für eben diese Zeitungsenten. Sie entwickelt sich zu einer Topagentin, behält aber immer ein gewisses Widerstandspotential, welches ihr mehrmals das Leben rettet.

Am Ende muss sie einsehen, dass sie auch nur eine Randfigur in einem konstruierten Verwirrspiel ist, sogar locker geopfert würde, und sie entzieht sich dem Zugriff ihres eigenen Geheindienstes. Aber die Story ist hier noch nicht zu Ende.

Tochter Ruth lernt mit und es kommt zu einem gemeinsamen Showdown, den ich aber nicht verraten will. Sehr gut gemacht und spannend bis zum Schluss.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen interessante Spionage, 14. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos (Taschenbuch)
Es war dies mein erstes Buch von W.Boyd und ich habe mich gut unterhalten. Die Geschichte spielt 1976. Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin, Ruth Gilmartin, erfährt von ihrer Mutter Sally, dass diese eigentlich jemand ganz anders war. Sally schreibt ein Manuskript und erzählt darin die Geschichte der "Eva Delektorskaja", die 1939-1941, also zu Beginn des WK II, spielt. Sally=Eva war für eine Geheimddienstorganisation tätig und wird von Lucas Romer ausgebildet und geführt. Die großen Zusammenhänge kann sie nicht verstehen, sie ist gefangen in ihrer kleinen Welt, in der sie Falschmeldungen im Umlauf bringt, um die USA zum Kriegseintritt zu bewegen. Später muss sie fliehen und lebt unter einem Falschnamen in England, bis sie sich dem letzten Duell mit Lucas Romer stellt.

Die Erzählperspektive wechselt je Kapitel zwischen der Ich-Perspektive Ruths und der objektiven Erzählung Sally=Eva. Dem Erzählfluss tut dies keinen Abbruch - im Gegenteil. Es ist spannend geschrieben und Stück für Stück nähert man sich der Auflösung.

Einen Kritikpunkt habe ich: Sally bittet ihre Tochter Ruth, Lucas Romer ausfindig zu machen, der mittlerweile auch unter falschem Namen als Lord lebt. Sally kann nicht wissen, wo und als wer Lucas lebt. Dennoch findet Ruth Lucas problemlos. Das ging mir viel zu einfach - oder ich habe etwas überlesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Muttis Geheimnis bringt Schwung in Tochters Leben, 9. Juli 2012
Von 
Amazon Customer - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Ruhelos: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zwei parallel erzählte Geschichten: 1976, Tochter Ruth erfährt von ihrer Mutter nicht nur das diese vor und während einiger Jahre im zweiten Weltkrieg als Spionin für einen britischen Geheimdienst tätig war, sondern auch, das Sie eigentlich russische Wurzeln hat. Die eher risikoscheue Ruth deren Leben in geordneten Bahnen rund um Arbeit und Betreuung ihres Sohns verläuft, lässt sich nach und nach von ihrer Mutter einspannen um deren nicht abgeschlossene Vergangenheit als Spionin zu vollenden.
1939, Sally, oder besser Eva Delektorskaja, wird von Lucas Romer für den britischen Geheimdienst angeworben. Schnell erweist sie sich als sehr kompetente Wahl und in Folge ihrer Tätigkeit wechselt sie schließlich mit Romers Gruppe in die USA. Deren Ziel ist es, die USA zum Kriegseintritt in Europa zu bewegen. Im Zuge der Aktivitäten gerät Eva in tödliche Gefahr, flieht und schafft es schließlich mit neuer Identität in England unterzutauchen.

Die in Summe recht unspektakulären Agententätigkeiten wirken mitunter skurril, orientieren sich aber tatsächlich an der Realität, wie einem eine Internetrecherche über die im Buch vorkommenden Dienste zeigt. Dennoch macht es das Lesen darüber nicht faszinierender, wenn Agententätigkeit sich in der geschickten Lancierung von Falschmeldungen erschöpft, die Agenten kaum Kenntnisse darüber haben was ihr Dienst so treibt, seltsame Sicherheitsmassnahmen ergriffen und Codes ausgetauscht werden, gleichzeitig aber über weite Strecken keine wirklich greifbare Bedrohung spürbar wird. Wie gesagt, das mag in Wirklichkeit so sein, spannend ist das nur bedingt.

Das niemandem zu trauen ist, jeder ein Abgrund, wird doppelt reflektiert. In Sallys Enthüllung der Tochter gegenüber und im Verhalten der Agenten und vor allem in der Gestalt des zwielichtigen Lucas Romer. Eine grundlegende, psychologisch tiefe Einsicht vermittelte Boyd mir allerdings nicht. Sallys Erlebnisse im London der siebziger Jahre, mit Anklängen an die deutsche RAF, persische Geheimdienste und ihr erwachendes Misstrauen, oder vielleicht eher so was wie "Gespenster sehen" je mehr die Mutter sie in ihre Geschichte einbindet, lassen zu sehr Boyds Konstruktion erkennen. Überall werden noch mal Parallelen von Elementen gezeichnet, die möglicherweise eine Tiefe, oder Ironie?, vermitteln sollen, die für mich Oberfläche blieben.

Der vierte Roman von Boyd den ich gelesen habe und erneut ein gut erzählter, in typisch Boyd`schem unaufgeregt nüchternem Tonfall und einmal mehr mit starken Frauenpersönlichkeiten. Das allerdings gerade dieser Roman soviel Kritikerzuspruch gefunden hat will sich mir nicht erschließen. Langweilig ist der Roman keineswegs, das kann Boyd scheinbar gar nicht, aber das die Geschichte nun durchweg spannend ist oder gar tiefschürfende Erkenntnisse über die Frage des "wie gut kann man jemanden kennen" enthüllen würde, kann ich für mich zumindest nicht sagen. Überkonstruiert und mitunter zu gewollt.
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Ruhelos: Roman
Ruhelos: Roman von William Boyd (Gebundene Ausgabe - 9. Januar 2007)
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