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Vor etwa 750 Millionen Jahren traf den Planeten Erde ein gravierendes und bis dahin einmaliges Ereignis: Bedingt durch eine Reihe klimatologischer und geologischer Faktoren überzogen sich Kontinente und Meere mit einem dicken Eispanzer, der schließlich sogar die Äquatorregionen eroberte, das Sonnenlicht nahezu vollständig reflektierte und somit das ozeanische Leben fast zum Erliegen brachte. Millionen Jahre herrschte eine globale Eiswüste, ehe sich durch den Kohlendioxydausstoß der Vulkane die Atmosphäre derart mit unverwerteten Treibhausgasen angereichert hatte, dass sich die Verhältnisse schlagartig umkehrten: Binnen weniger Jahrhunderte taute die weiße Pracht, verbunden mit chaotischen Wetterbedingungen, restlos ab, und die Temperaturen kletterten auf +40 Grad Celsius und mehr. Wahrscheinlich sind mindestens zwei, maximal jedoch fünf Schneeballperioden über die Erde hereingebrochen, die letzte vor knapp 600 Millionen Jahren an der Schwelle zum Kambrium. Anschließend kam es zu der bekannten biologischen Revolution, mit komplexen Formen, einer unüberschaubaren Artenvielfalt und zahlreichen "Bauplänen", von denen sich allerdings nur ein Teil zur "Serienreife" entwickelte.
Gabrielle Walker, als Redakteurin beim Wissenschaftsmagazin New Scientist tätig, hat den Versuch unternommen, die oben erwähnten Stichpunkte in einem Buch darzustellen. Leider dreht sich ihr Werk weniger um die Schneeball-Theorie selbst als vielmehr um deren Schöpfer, den Harvard-Professor Paul Hofmann - einen ausgesprochenen Einzelgänger und streitbaren Charakter, der seine Gedankengänge gegen vielfältige Widerstände durchzusetzen wußte. Mit ihrem Buch folgt Frau Walker einem Trend, der in der US-amerikanischen Wissenschaftspublizistik immer mehr um sich greift: ein hemmungsloses Infotainment, das offenbar auf dem Gedanken basiert, dass Wissenschaft pur, so spannend sie vielleicht auch sein mag, den Leser nicht befriedigen kann. Etwas überspitzt ausgedrückt: Die Frage, ob das Universum in einem Urknall entstanden ist oder nicht, verblasst neben dem weltbewegenden Problem, ob der Forscher XY lieber karierte oder unifarbene Hemden trägt. Mit dieser Maxime im Hinterkopf ist leider auch Frau Walker ans Werk gegangen. Der Leser erfährt somit alles über das Leben und den Werdegang von Mr. Hofmann: seine Passion für den Marathonlauf, seine Vorlieben, Abneigungen, seinen persönlichen Geschmack in Bezug auf Ernährung, Kleidung, Kollegen und Landschaften, seine Heirat (wozu auch die Meinung der Schwiegermutter eingeholt wird) und natürlich auch sämtliche Eifersüchteleien und Streitigkeiten innerhalb jener akademischen Kreise, mit denen Paul Hofmann jemals im Clinch lag (und das waren nicht wenige). Von der Schneeball-Theorie selbst erfährt man nur sporadisch und vor allem sehr unzusammenhängend etwas. Um nicht mißverstanden zu werden: Natürlich kann ein Blick auf die Frauen und Männer, die hinter einer Entdeckung stehen, durchaus amüsant und aufschlußreich sein, aber wenn der Klatsch derart überhand nimmt wie in diesem Buch, ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht.
Gabrielle Walker ist offenbar der Ansicht, ihrem lesenden Publikum keine ernsthafte Forschung zumuten zu dürfen: Sie schreibt deshalb bewusst flapsig ("als die Würmer erfunden wurden"), und an vielen Stellen oberflächlich und ungenau. Ihrer Meinung nach existierte vor dem Kambrium kein Leben, das diese Bezeichnung ernsthaft verdient. Wenn sie - immer etwas widerwillig - die präkambrische Biologie schildert, dann in stereotypen Wendungen wie "klebriges Zeug", "simpler Urschleim", "primitive Schleimwesen" oder "kleine Suppenbeutel". Sie hätte natürlich auch schreiben können, dass vor der kambrischen Explosion einige durchaus interessante Lebensformen existierten, wie zum Beispiel die Ediacara-Fauna, kleine vielzellige Geschöpfe, die sich zu lebenden "Teppichen" zusammenschlossen. Diese Tierchen verkörperten einen funktionierenden Entwurf, einen biologischen Bauplan also, der sich aufgrund äußerer Umstände (sprich: geophysikalischer Umwälzungen und Katastrophen) nicht durchsetzen konnte. Doch auf dieses Niveau wollte sich die Verfasserin wohl nicht begeben.
Das Buch enthält darüber hinaus weder Bilder noch Tabellen, Zeittafeln oder Diagramme. Auch der deutsche Verlag hat sich bemüht, den negativen Beigeschmack, den diese Veröffentlichung hinterlässt, noch zu verstärken. Dank einer etwas seltsamen Typografie mit übergroßen Zeilenabständen wurde der Text auf knapp 320 Seiten aufgebläht, obwohl er locker auf 240 Seiten Platz gefunden hätte.
Fazit: Insgesamt, trotz einiger interessanter Ansätze, ist dieses Werk ein Musterbeispiel dafür, wie man Wissenschaft nicht vermitteln sollte.
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am 12. März 2015
Eines meiner absoluten Lieblingsbücher! Die spannenden Entdeckungen und Theorien werden so genial mit den beteiligten - durchaus schwierigen - Forscherpersönlichkeiten verbunden, dass vieles schon im "Vorbeilesen" hängenbleibt. Lässt man sich auf die Details der Erkenntnisse ein, unternimmt man eine mehr als abenteuerliche Reise durch die Geschichte unseres Planeten und die Entstehung vielzelligen Lebens. Wunderbar die Details zu den sauber geplanten Widerlegungsuntersuchungen - die am Ende absolut unbeabsichtigt zu Untermauerungen der Theoriebausteine führten.
Wirklich plastisch greifbar werden die unterschiedlichen Persönlichkeiten, deren mitunter schräge Entwicklungswege und Beziehungen untereinander, wobei der Prozess verdeutlicht wird, wie Erkenntnisse in - zunächst völlig unwahrscheinlich scheinende - wissenschaftliche Theorien münden und diese sogar mittels ihrer immanenten Widersprüche weiterentwickelt werden. - Man fühlt sich an die Entstehung der Kontinentalverschiebungstheorie erinnert, für die ihr Entwickler Alfred Wegener noch buchstäblich ausgelacht wurde...Und wieder einmal zeigt sich, dass die Wirklichkeit oft viel spannender ist, als man sie je erfinden könnte...Für alle ein Muss, die sich für unsere Erde, die Entwicklung des Lebens, für Wissenschaftsgeschichte und überraschende Forscherabenteuer begeistern!
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am 4. April 2011
Die Autorin versteht es gut, die Lebensgeschichten der jeweiligen Forscher und die Geschichte unserer Erde miteinander zu verknüpfen. Hier trifft oft Banales auf Revolutionäres. Somit ist das Buch in erster Linie als Unterhaltung auf wissenschaftlicher Basis zu sehen und weniger als Standardwerk zu früher geologischer Geschichte. Auch für Personen, die bisher noch nichts von dieser Thematik gehört haben, ist es unterhaltsam und lesenswert, wenn ein grundlegendes Interesse an Naturwissenschaften und Biographien besteht.
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am 17. Februar 2003
Das Thema dieses Buches ist eines der spannendsten Fragestellungen der letzten Jahre. Biologen, Geologen, Chemiker, Astronomen und viele andere Wissenschaftszweige interessieren sich für diese Theorie, die beschreibt, daß die Erde vor 600 Millionen Jahren vielleicht für 10 Millionen Jahre komplett vereist war. Eine spannende Geschichte die das Thema dieses schon im Original erfolgreichen Buches ist.
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