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4.0 von 5 Sternen Die Schatten der Vergangenheit
Péter Nádas ist eigentlich als ein Mann des „dicken Buches“ bekannt. Hier liegt nun ein ganz kleines Büchlein mit zwei schmalen Texten vor. Der eine heißt „Behutsame Ortsbestimmung“ und handelt von seinem Dorf Gombosszeg im Westen Ungarns. In diesem kleinen Dorf lebt der Autor wirklich wie ein Aussteiger in einfachsten...
Veröffentlicht am 24. November 2006 von Carl-heinrich Bock

versus
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nette Etüden
Mit auffallendem Furor hat das Feuilleton Nadas kleines Bändchen angekündigt. Gerade von seiner Kompaktheit verspricht man sich kernige Gedanken; aber nach der Lektüre bleibt wenig, was sich der beschlagene Leser ins Schatzkästlein stellen kann. Die zwei Texte zwischen Erzählung und Essay sind inhaltlich nicht zu verbinden, nur das Motiv des...
Veröffentlicht am 11. März 2007 von Heino Bosselmann


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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nette Etüden, 11. März 2007
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Behutsame Ortsbestimmung: Zwei Berichte (Gebundene Ausgabe)
Mit auffallendem Furor hat das Feuilleton Nadas kleines Bändchen angekündigt. Gerade von seiner Kompaktheit verspricht man sich kernige Gedanken; aber nach der Lektüre bleibt wenig, was sich der beschlagene Leser ins Schatzkästlein stellen kann. Die zwei Texte zwischen Erzählung und Essay sind inhaltlich nicht zu verbinden, nur das Motiv des Wildbirnenbaumes kehrt wieder. Der erste Teil, die behutsame Ortsbestimmung, berichtet im raunend pastoralen Duktus und mit verklärendem Konservatismus von einem vormodernen Dorf mit seinen Riten und Ritualen, das Kulturwandel und Entfremdung offenbar ethisch autark überstand. Mag sein, man findet dergleichen in Ungarn irgendwo, aber man vermutet es eher in abseitigen albanischen Tälern oder eben als romantische Illusion. Immerhin, der Gesang des Dorfes ist verstummt, beklagt der Autor am Ende. Der zweite Text beschreibt zum einen das innerseelische Erleben eines Herzinfarkts, also Nahtodimpressionen, zum anderen auf ironische Weise das abstruse und bornierte Laborieren der Schulmedizin am akut kranken Menschen, wie es Klinikerfahrenen vertraut ist. Ja, die mystischen Gedanken der Alleinheit liest man mit artigem Kopfnicken, kennt sie von Meister Eckart und aus der Philosophie jedoch eindringlicher und markanter, auch literarischer. Hier und da findet sich ein gewichtiger Satz; ansonsten vermutet man solche Allgemeinplätze ebenso im Tagebuch eines gebildeten Angestellten. Kurz: Wäre das Büchlein länger, wäre es ärgerlicher. Wartezimmerlektüre mit gelegentlichen Erbaulichkeiten. Berufsschriftstelleretüden.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Schatten der Vergangenheit, 24. November 2006
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Behutsame Ortsbestimmung: Zwei Berichte (Gebundene Ausgabe)
Péter Nádas ist eigentlich als ein Mann des „dicken Buches“ bekannt. Hier liegt nun ein ganz kleines Büchlein mit zwei schmalen Texten vor. Der eine heißt „Behutsame Ortsbestimmung“ und handelt von seinem Dorf Gombosszeg im Westen Ungarns. In diesem kleinen Dorf lebt der Autor wirklich wie ein Aussteiger in einfachsten Verhältnissen, nur für seinen Ackerbau und seine Schriftstellerei. Péter Nádas gibt uns in dieser Geschichte einen Einblick in eine für uns heute doch recht fremde altertümliche Dorfgemeinschaft. Die Leute haben alle einen festen Platz in der Gemeinschaft, sie sind glücklich. Es herrscht noch Naturalwirtschaft, nichts wird mit Geld bezahlt, der Tausch mit Arbeit, Materialien und Naturalien regelt die Wirtschaftsabläufe. Der Autor reflektiert über den alten Wildbirnenbaum in seinem Garten, weiß zu berichten, dass sich hier die Bauern im Sommer einfinden, sie sitzen hier, singen und erzählen von der Geschichte des Dorfes. Das alles wird es nicht mehr geben, denn bald wird auch in diese ganz zurückgebliebene Region Europas der Fortschritt Einzug halten. Gut, dass Peter Nádas diesen Baum, der auf dem Cover des Büchleins zu sehen ist, so häufig fotografiert hat. Er wird dann vielleicht eines Tages der letzte Zeuge aus einer archaischen Welt sein.

Über den zweiten Text „Der eigene Tod“ kann man eigentlich nicht so viel erzählen, den muss man lesen. Mit einem gerüttelt Maß an Satire, beschreibt der Autor die „Krankenhausgroteske“ die er im Zusammenhang mit seinem Herzstillstand erlebt hat. Er berichtet was er ihm als „beinahe Toter“, als sein Herz still stand , sein Gehirn jedoch noch prächtig funktionierte so alles widerfahren ist. Er verlor das „Alltagsbewusstsein“, glücklicherweise aber nicht das Bewusstsein und so kann er diese Erfahrungen an uns weiter geben.
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Behutsame Ortsbestimmung: Zwei Berichte
Behutsame Ortsbestimmung: Zwei Berichte von Péter Nádas (Gebundene Ausgabe - 6. Oktober 2006)
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