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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Familiengeschichte, einmal ganz anders, 9. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Glasmondmann (Gebundene Ausgabe)
Der Koreakrieg, in dem der Unteroffizier Robert Leavitt beim "Massaker von No Gun Ri" schwer verletzt wird, bildet die Rahmenhandlung dieses Romans. Eingebettet darin ist die Erzählgegenwart um Lark, Termite und Nonie.
Die Handlungen spielen an vier Tagen jeweils Ende Juli 1950 und 1959 aus der wechselnden Perspektive der vier Hauptprotagonisten. Durch diese Zeitgleichheit wird die Verbindung der beiden Ebenen verstärkt.

Der 23-jährige Robert Leavitt liegt im Sterben, als sein Sohn Termite geboren wird. Die Passagen um Robert sind durchzogen von Gedanken- und Erinnerungsfetzen an sein Leben vor dem Krieg, besonders an seine kurze Ehe mit der Sängerin Lola, Termites Mutter.
Im Alter von einem Jahr kommt der behinderte Termite in die Obhut seiner Tante Nonie nach Winfield, West Virginia. Dort lebt auch seine Halbschwester Lark. Im Juli 1959 ist Termite 9, Lark 17 Jahre alt. Termite, stark sprach- und gehbehindert, wird aufopferungsvoll von Lark umsorgt, während Nonie hart arbeitet, um die kleine Familie zu versorgen.

Fantastisch und fast magisch sind die Einblicke, die Jayne Anne Phillips dem Leser in Termites Welt gewährt, dessen einziger Berührungspunkt zur Außenwelt Lark ist. Termite hat ein außergewöhnliches Gehör, Worte sind für ihn Laute, die er nachbildet. Seine Welt scheint aus Tönen, Musik, Formen, Bildern und Farben zu bestehen, die sich ineinander verschieben und verschwimmen.
Lark ist eine starke, offene und ehrliche junge Frau, die auf der Suche ist - auf der Suche nach Termites und ihrer Mutter und ihrer beider Väter.
Als eines Tages ein schweres Unwetter über Winfield aufzieht, reißt die folgende Flut nicht nur Menschen in den Tod und zerstört Häuser, die Flut bringt auch eine Neuorientierung für Lark und Termite.

Jayne Anne Phillips erzählt mit solch einer poetischen Wucht diese Geschichte einer zerrissenen Familie, dass sie den Leser damit immer wieder in Staunen versetzt.
Nicht nur sind die Charaktere aufs feinste ausgearbeitet mit unerhörter Tiefe, auch vom Erzählstil her verleiht die Autorin jeder Figur eine eigene "Stimme".
Ist die Sichtweise Nonies realistisch-nüchtern, kippt der Erzählstil bei Termite in eine magisch-fantastische, fast übersinnliche Welt, in der die normalen Alltäglichkeiten unwichtig sind.

"Glasmondmann" ist ein Roman über Leben und Sterben, Liebe und Hass, Sitte und Moral, Träume und Scheitern und die Solidarität über Generationen.
Jayne Anne Phillips fängt die Nachkriegsrealität ein, die Wunden, die der Krieg über Orte und Zeiten hinaus riss, lebenslang traumatisierte Menschen zurücklassend.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lark und Termite- ein etwas anderer Familienroman, 25. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Glasmondmann (Gebundene Ausgabe)
"Denn keine Schlacht wird jemals gewonnen, sagte er. Sie werden nicht einmal geschlagen. Das Schlachtfeld enthüllt dem Menschen lediglich seine Dummheit und Verzweiflung, und der Sieg ist nur eine Illusion von Philosophen und Toren." (William Faulkner)

Jayne Anne Phillips neuer Roman "Glasmondmann" (im englischen Original "Lark and Termite") ist ein feines, komplexes und polyphones literarisches Bild.
Aus vier Perspektiven erzählt; die Geschwister Lark und Termite, deren Tante Nonie und Termites Vater Robert Leavitt, zeichnet Jayne Anne Phillips eine ganz besondere Familiengeschichte, die auf erfrischende Weise weit entfernt von den modischen Familienepen allzu modischer Autoren ist. Eine Familiengeschichte, die am ehesten noch an den großen amerikanischen Nobelpreisträger William Faulkner erinnert. Konkret sogar an "Schall und Wahn". Ein Quartett von erzählenden Protagonisten verbindet die beiden Romane.

Die Ähnlichkeit mit William Faulkner endet aber mit der Anzahl der Erzählstimmen, da Jayne Anne Phillips die Infrastruktur der Faulknerschen Prosa neu beleuchtet und mit der Erzählstruktur von "Schall und Wahn" im Hinterkopf einen ganz eigenen Weg findet, um den Pfad auf originelle Weise neu zu gehen.

Robert Leavitts Erzählung, die 1950 in der nördlichen Provinz Chungchong in Südkorea auf tragische Art und Weise ihren Lauf nimmt, wird den drei Stimmen aus Winfield, West Virginia gegenübergestellt. Rasch ist klar, dass die 1959 stattfindende Entwicklung nur durch die Geschehnisse aus 1950 so passieren konnte. Ganz subtil entwickelt Jayne Anne Phillips diesen Roman, der sich aus kleinen, immer wieder in veränderter Form wiederkehrenden Motiven zusammenzusetzen scheint. Ausgehend von einer fast archaischen Symbolik; wie zum Beispiel die Überschwemmung (Flut), die das sich bis dahin langsam entwickelnde Buch rasant kippen lässt, indem sie Lark den Zugang zum Wissen über ihre Mutter und ihren wahren Vater erlaubt.

Ein Roman, dessen wunderbar magische Sprache und perfekte Struktur dem Leser ein schier sprachloses Leserereignis bieten. Die Sprachlosigkeit per se ist auch der Ausgangspunkt für Termites Erzählstrang; Termite, der sprach- und motorisch zurückgebliebene neunjährige Junge, der nur die Musik der Worte wiederholen kann, aber kein Wort selbst, dessen Aufnahmefähigkeit niemand wirklich einschätzen kann. Indem Jayne Anne Phillips (wie auch bei den anderen drei Erzählsträngen) nicht der Versuchung des Ich-Erzählers verfällt, ist dieser Erzählstrang eine virtuose Tour-de-Force. Ein permanentes Abdriften in fast surreale Tiefen der Seele, unverständliche Metamorphosen, oder doch Erinnerungsfetzen? Während Faulkners geistig zurückgebliebener Protagonist Benjy Compson (dessen erste Bezugsperson auch seine Schwester ist) in seinem sprunghaften Gedankenstrom dreißig Jahre umspannt, konzentriert sich die wortlose Welt Termites in erster Linie auf seine fast täglich durch ark inszenierten Geburtstage, der Geburtstagstorten mit seinem Lieblingsgeschmack, sowie die Art des Verhältnisses zwischen seiner Schwester und dem Nachbarssohn.

Robert Leavitts Erzählung beleuchtet ein irrtümliches (?) Massaker an koreanischen Flüchtlingen und amerikanischen Soldaten, die von der amerikanischen Armee in einen Tunnel getrieben wurden, um dort systematisch getötet zu werden. Dieser Prozess läuft in einer Art Zeitlupe ab, während wir in abschweifenden Gedanken von seiner Liebe zu Lonie und seiner Vorfreude auf seinen Sohn Termite erfahren. Nonie, die die beiden Kinder ihrer Schwester Lonie großzieht, ist eine ganz starke Figur, ein Fels in der Brandung und ein Symbol für menschliche Größe schlechthin.

Höhepunkt dieses Romans ist meiner Meinung nach Larks wunderbare Erzählung. Ihre leuchtende, selbstlose Liebe zu ihrem Bruder Termite, die nie auch nur annähernd eine Opferrolle ist ihre Kraft, den Bruder vor allen Übeln der Welt und Menschheit zu beschützen, ihre Suche nach der Wahrheit über ihre Mutter, das Aufkeimen ihrer Liebe zum Nachbarsjungen Solly; ergibt in Summe eine der wundervollsten Frauenfiguren, die mir in der Literatur je begegnet sind.

Auch wenn ein paar Momente im letzten Teil des Romans schon aus dem Bereich des magischen Realismus stammen und unter Umständen stören würden; Jayne Anne Phillips erzählt so überzeugend, so sicher, dass ich kein einziges Mal auch nur den Ansatz eines Zweifels hatte.

"Glasmondmann" ist ein magisches Buch mit unvergesslichen Protagonisten und glasklarer, lebhafter und fein ausgehörter Prosa. Auch wenn das Lektorat hier an einigen Stellen etwas ungenau gearbeitet hat (z.B. Seite 14, Zeile 9- hier fehlt im Wort "einem" das "ei", was ein "in nem zweigeteilten Land" als Resultat hat. Da in diesem Roman nie Slang vorkommt, wird dadurch kurz die stilistische Konsequenz Jayne Anne Phillips in Frage gestellt), schmälert das die Größe dieses Romans keineswegs. Meine Vorfreude auf zwei weitere Bücher von Jayne Anne Phillips ("Maschinenträume" und "Das himmlische Tier", beide mit dem geplanten Erscheinungstermin im November 2009) ist sehr groß.

Absolute Empfehlung.
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5.0 von 5 Sternen Glasmondmann, 18. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Glasmondmann: Roman (Taschenbuch)
leider bisher in Deutscher Sprache nicht bekannt, was diese Übersetzung jetzt hoffentlich ändern wird.
Absolut Lesenswert. Philipps schließt in ihrer Erzählkunst an keinen Geringeren als an William Faulkner an.
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glasmondmann, 27. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Glasmondmann (Gebundene Ausgabe)
nicht so spannend - es ist schon zu lange her, ich kann mich leider nicht an dieses Buch erinnern. Leider
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Glasmondmann
Glasmondmann von Jayne Anne Phillips (Gebundene Ausgabe - 8. August 2009)
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