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am 23. Dezember 2013
Böckenförde, Staats- und Verfassungsrechtler, Rechtsphilosoph und ehemaliger Bundesverfassungsrichter, widmet sein Buch „all denen, die noch oder wieder an Grundlagenwissen interessiert sind“. Das Werk ist weder Handbuch noch Lexikon – beansprucht daher keine Vollständigkeit –, sondern Lesebuch – und damit Auswahl aus einem Riesenstoff; es eignet sich für zwei Gruppen von Lesern: solchen, die (gerade auch als Studenten!) von einem Fach herkommen wie Juristen, Politikwissenschaftler, Philosophen, Historiker und Theologen, sowie solchen, die allgemein an geisteswissenschaftlich orientierter Selbstverständigung interessiert sind. Spezielle Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt; schwierigere oder spezialisierte Passagen sind kenntlich gemacht und können ohne Verständnisverlust fürs Ganze übergangen werden. Als eine Geschichte des Nachdenkens über die Probleme von Recht und politischer Ordnung lässt sich die Schrift von einem zweifachen Erkenntnisinteresse leiten: Die Darstellung der Konzeptionen vor ihrem historischen Hintergrund zeigt diese (a) als Antworten auf die Herausforderungen ihrer Zeit, (b) als Stationen auf dem geschichtlichen Weg hin zum modernen abendländischen Verständnis von Recht und politischer Ordnung; die philosophische Diskussion der Ansätze beleuchtet sie (a) als Antworten auf überhistorische Fragestellungen, betrachtet also ihren Erkenntnis- und Wahrheitsgehalt, (b) im Sinne Hegels als Schritte der Selbstentfaltung des Geistes in einem bestimmten thematischen, räumlichen und zeitlichen Ausschnitt der Geistesgeschichte. Mit Recht und Staat sind also keine allgemein begriffenen, überhistorischen Gebilde, sondern die besonderen Erscheinungen gemeint, die sich im spätmittelalterlichen Europa auszuprägen beginnen. Der Aufbau des Werkes ist im Wesentlichen durch die Folge der behandelten Denker bestimmt – aus der Antike: Vorsokratiker, Sophisten, Sokrates, Platon, Aristoteles, Stoa, Cicero, aus dem christlichen Mittelalter: Augustinus, Thomas von Aquin, Duns Scotus, Wilhelm von Ockham, Marsilius von Padua, spanische Spätscholastiker, Luther. Drei Übersichtskapitel – griechische Polis, christliches Mittelalter, spanische Spätscholastik – dienen der weiteren historischen und philosophischen Einordnung. Die Einleitung klärt Intention und Anlage des Buchs, differenzierte Verzeichnisse listen Literatur, Personen und inhaltliche Schlagworte (Sachregister, systematische an Grundthemen orientierte Aufschlüsselung) auf. Die Gliederung der einzelnen Ansätze selbst ist „strikt-beweglich“ und folgt meist diesem Schema: Biografisches, philosophische Basis, Überlegungen zum Recht, Überlegungen zur politischen Ordnung, Würdigung des Ansatzes insgesamt; je nach Denker wird dieses Schema aber auch sinnvoll abgewandelt. Böckenförde schreibt seinem komplexen Gegenstand zum Trotz eine lebendige und verständliche Sprache, wofür er 2012 mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet worden ist – Zitat aus der Begründung: „Klarheit der Sprache ist für ihn sowohl Voraussetzung als auch Folge eines klaren Denkens“. Der einzige „Wermutstropfen“: bis heute fehlt eine Fortsetzung für die Neuzeit und Moderne.
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