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Der Philosoph, Mathematikprofessor, Chief Technology Officer der IBM Deutschland und bekannte Speaker Dr. Gunter Dueck hat mit seinen bisherigen Büchern eine stattliche Fangemeinde gefunden. Und die liest sein neustes Werk natürlich aus einem anderen Blickwinkel als ich. Denn von Duecks Buch "Direkt-Karriere: Der einfachste Weg nach oben" war ich wenig begeistert. Aber da ich selbstverständlich ebenfalls wissen möchte, worauf es morgen ankommt, machte ich mich doch mit Interesse an die Lektüre. Zumal im Titel ja auch von Begriffen die Rede ist, die mein Denken und meine Arbeit begleiten.

Wenn ich am Ende des Buches zu einer Einschätzung kam, die anderen Lesern widerspricht, so hat das vor allem drei Gründe. Erstens: Gunter Dueck operiert mit unzähligen Schlagworten, die er so vage definiert, dass sie letztlich austauschbar werden und unverstanden bleiben. Da ist von Keystone-Persönlichkeiten und -Unternehmen die Rede, von Landlords, T-Shape-Spezialisten und Intelligenzen aller Art. Und was ich unter "Coopetiton in einer interdependenten Ökonomie" verstehen soll, wurde mir auch nach mehrmaliger Lektüre nicht klarer. Zweitens: Gunter Dueck gebraucht das Allerweltswort "Professionalität" so inflationär, dass man sich darunter alles und nichts vorstellen kann. Und weil ihn diese Schwammigkeit offenbar selber stört, macht er immer wieder Ansätze, den Begriff einzugrenzen. Drittens: Zu den Lieblingswörtern des Autors gehört "müssen", was deshalb von Bedeutung ist, weil seine häufige Verwendung wenig bewirkt und den Autor in die Nähe mittelmäßiger Motivationstrainer rückt. Und wenn wir schon beim Mittelmaß sind, dann darf man den Mathematikprofessor doch darauf hinweisen, dass Mittelmaß zu Erhaltung eines Systems gehört und sich nicht ausmerzen lässt. Oder anders gesagt: Es können nicht alle oben sein.

Wie es nach der Lektüre der ersten Kapitel zu erwarten war, propagiert Gunter Dueck den neuen Menschen und reiht sich damit in ein Denken ein, das zwar eine lange Tradition hat, aber so ziemlich alle Erkenntnisse über die Entwicklung des menschlichen Geistes missachtet. Ab Seite 71 macht sich der Autor an die Arbeit, seinen Begriff der professionellen Intelligenz zu entwickeln. Dass er dabei gleich mit dem Taschenspielertrick beginnt, andere Definitionen von Intelligenz lächerlich zu machen, finde ich ärgerlich. Allein die aufmerksame Lektüre der 28. Nummer von Geo kompakt hätte genügt, um den Lesern Erhellendes zum Begriff der Intelligenz zu sagen. Zum Beispiel dass Körperlichkeit eine zentrale Voraussetzung für die Intelligenz des Menschen ist. Oder dass sich nicht alles so trainieren lässt, dass es langfristig erhalten bleibt. Oder dass es unter den renommierten Intelligenzforschern doch einen Konsens gibt, was bei der Definition von Intelligenz berücksichtigt werden sollte.

Als guter Rhetoriker nimmt er mögliche Einwände gegen seine Thesen gleich vorweg oder hängt ihnen das Etikett "Danke, dass Sie mein Buch ernst nehmen" um. Aber letztlich gelingt es ihm meiner Meinung nach nicht, Cattells Begriffen von fluider und kristallisierter Intelligenz klarer zu machen oder die Kritik an den Ansätzen von Gardner und Goleman zu entkräften. Und so muss sich der Leser eben mit vagen Umschreibungen begnügen, die zum Beispiel lauten: "Professionelle Intelligenz ist die Fähigkeit zur Bildung von sichtbarer Arete oder zum Erschaffen von Erstklassigem." Oder noch schöner: "Ein Professional ist, wer mit professioneller Intelligenz Professionelles hervorbringt." Solche Definitionen sind eines Mathematikprofessors einfach nicht würdig.

Dreißig Seiten nach Beginn seiner Definitionsversuche von Professioneller Intelligenz kommt Dueck selber zu folgendem Schluss: "Ich habe bisher nur sehr allgemein gesagt, was ich unter Professioneller Intelligenz verstehe". Um den PQ nun endlich fassbarer zu machen, zählt Dueck im Folgenden Fähigkeiten auf, die sich ein professionell intelligenter Mensch aneignet. Und wie es zu erwarten war, ist diese Liste so lang, dass selbst Superman Mühe hätte, einem solchen Anforderungsprofil zu genügen. Wie diese Listen den Lesern Mut machen können, bleibt für mich eine offene Frage.

Die Hochdimensionalität der Professionalität braucht viel PQ, wobei PQ für professionelle Intelligenz steht. Solche Zirkelschlüsse begleiten den Leser durch das ganze Buch. Und weil alle müssen, müssen natürlich auch die Bildungsinstitute endlich Humboldt 2.0 einführen, weshalb auch sie sich mit EQ, VQ, AQ, CQ, MQ und PQ beschäftigen müssen. Ein weiteres Kapitel ist den Erziehenden gewidmet, die Dueck mit dem Stufenmodell von Erik Erikson bekannt macht, das dieser 1950 entwickelte. Nachdem Gunter Dueck kaum ein Gebiet ausgelassen hat, auf dem sich PQ nicht einrichten lässt, folgt die Titelüberschrift "Empowerment aller Weltenbewohner". Und mit der weltweiten artgerechten Erziehung zur Professionalität schließt sich dann der Kreis. Literaturangaben gibt es keine.

Mein Fazit: Auf die Frage, worauf es morgen ankommt, erwarte ich als Leser zwar keine Checklisten und Rezeptsammlungen, aber auch nicht ein Sammelsurium von Meinungen, Gedanken und Kurzausflügen in Wissenschaftsgebiete aller Art. Dass Gunter Dueck als Redner sein Publikum zu begeistern vermag, zweifle ich nicht an. Aber will er sich als Wissenschaftler positionieren, sollte er sich mehr an die Regeln seiner Zunft halten, Empirisches von Spekulativem unterscheiden, Ursache und Wirkung nicht verwechseln und vor allem sein Begriffsvokabular klären.
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„Ich arbeite seit nun zwanzig Jahren daran, verstanden zu werden...“ schreibt der ehemalige Matheprofessor und IBM-Vordenker Gunter Dueck am Ende seiner in weiten Teilen querdenkerische Darstellung des von ihm entworfenen Konzepts der „Professionellen Intelligenz“ – und in der Tat macht es der Autor mit seinen in Teilen assoziativ-spekulativen Gedankengängen dem Leser nicht immer leicht – ganz anders als bei seinen ausgezeichneten Vorträgen, die komplizierte Zusammenhänge oft auf den Punkt bringen. Das beginnt schon bei seinem Konzept der „Professionellen Intelligenz“.

Darunter versteht er In Anlehnung an Howard Gardners Konzept der multiplen Intelligenzen eine allseitig gebildete Führungspersönlichkeit, die nicht nur über einen hohen IQ verfügt, sondern diesen kombiniert mit EQ, der „emotionalen Intelligenz des Herzens und der Zusammenarbeit“; VQ, der „vitalen Intelligenz des Instinktes und des Handelns“; AQ, der „Intelligenz des Sinnlichkeit (>Attraction<) und der instinktiven Lust und Freude“; CQ, der „Intelligenz der Kreation (>Creation<) oder der intuitiven Neugier; MQ, der „>Sinn für Sinn<, also die Intelligenz der Sinnstiftung und des intuitiven Gefühls (>meaningful<, >bedeutsam<).
Die „Professionelle Intelligenz“ ist für Dueck das „integrierende Dach“, welches auf „Gelingen“ abzielt, das dadurch erreicht wird, dass die jeweiligen Intelligenzen anforderungsgemäß optimal kombiniert werden.

Was hier schon aufscheint ist ein durchaus sympathischer Ganzheitsanspruch, der allerdings in ein problematischen Elitenkonzept und eine übersteigerte Machbarkeitsillusion mündet:
Mit Professioneller Intelligenz ausgestatteten Führungskräften, also eine seltene Species der „Professionells“, schreibt Dueck die nötige Gelingenskompetenz“ zu. Dass das Gelingen in der Regel von einer Vielzahl von nur schwer beeinflussenden Faktoren abhängt, kommt hier nicht in den Blick. Zugegeben: Es ist ein berauschender Traum, sich eine Person vorzustellen, die die verschiedenen Intelligenzen in sich vereint und Kraft dieser erstaunlichen Mischung Widerstände aus dem Weg räumt und uns darin unterstützt, Projekte zum Erfolg zu bringen. Doch woher bezieht diese sagenhafte Person ihre Kraft? Der Schlüssel liegt für Dueck in einer neuen Form der Bildung, die die akademisch-rationale Ausrichtung überwindet, indem sie sich der Vielfalt der Intelligenzen öffnet.

Vor diesem Hintergrund liefert Dueck eine Rundumschlagskritik gegen tradierte Führungskonzepte, aber auch ein überholtes Bildungssystem, das einseitig auf die „normale Intelligenz“, den IQ und kontextunabhängiges Fachwissen setze.
Die neuen Herausforderungen, insbesondere auch durch die Internetgesellschaft, erforderten eine stärkere Berücksichtigung der anderen Intelligenzen, die mit dem Fokus auf das Gelingen nicht – wie im alten Modell – „unterrichtet“, sondern in lebensnahen Kontexten „trainiert“ und „erprobt“ werden müssten. Alles also nur eine Frage des richtigen Trainings?

Mit dem Internet würden auch Dienstleistungen zunehmend „industrialisiert“, mit dem Ergebnis einer Aufspaltung der Arbeitnehmerschaft in „Commons“ und „Professionells“. Während die „commons“, die Routinetätigkeiten ausführen, mit unsicheren Arbeitsverhältnissen und Lohnkürzungen rechnen müssten, würden die Professionells zu gefragten Hochleistern und Gewinnern. Professionell des neuen Typs sei etwa ein Professor, der sein Wissen zielgruppengerecht in attraktiver Weise vermitteln könne und dabei die neuen Medien nutze. Er müsse gleichzeitig Forscher, Experte (T-Shape-Intelligenz“), Verkäufer, Netzwerkknoten („Keynote-Intelligenz“) und Darsteller sein. Es reiche nicht mehr aus, sich auf erarbeiteten Bildungstiteln auszuruhen. Die Marktförmigkeit der Bildung, die Konkurrenz der (Internet-) Anbieter sowie die neuen Herausforderungen zwängen jeden, nicht nur benötigtes Wissen zu liefern, sondern auch Verantwortung für Gelingensprozesse zu übernehmen. In der neuen, internetbasierten Wissensgesellschaft käme es darauf an, sich in allen Disziplinen umfassend zu bilden: Letztlich müsse jeder zum „Professionell“ werden, wenn er der Gefahr entgegenwirken wolle, in prekäre Arbeitsverhältnisse und Niedriglohnbereiche abgedrängt zu werden.

In diesem grundlegenden gesellschaftlichen Wandlungsprozess nehme der radikale Umbau des Bildungssystems eine Schlüsselstellung ein: Lehrer und Professoren würden immer stärker ihren Expertenstatus verlieren, weil die besten Vorträge und Lehreinheiten immer häufiger im Internet verfügbar seien. Von daher verschiebe sich ihre Aufgabe weg vom traditionellen Unterrichten und ihrer einseitigen Fachorientierung stärker hin zu personenzentriertem Coachen und Beraten.

Hier trifft sich Dueck mit meiner These der „Digitalen Dividende“ (Burow 2014 Beltz-Verlag), die es zu nutzen gilt und widerspricht damit auch Manfred Spitzers verkürzter These der „Digitalen Demenz“ – was er übrigens auch in einem beeindruckenden Disput, den man im Internet findet, überzeugend belegt hat.

Seine in weiten Teilen lesenswerten und durchaus originellen Thesen geben eine Reihe von bedenkenswerten Ausblicken, auf die Entwicklung einer Gesellschaft in der die „Digital Natives“ zu einer neuen Führungsklasse werden könnten, vorausgesetzt – das versteht sich nach diesen Ausführungen von selbst - sie entwickeln sich im Sinne Duecks zu „Digital Professionals“ und stagnieren nicht auf dem Niveau technikverengter Nerds.

Etwas befremdlich wirkt Duecks Heroisierung der sagenhaften neuen Führungskräfte, die Dank der Ausbildung ihrer Professionellen Intelligenz zu „Experten des Gelingens“ werden: Die Führungskraft der Zukunft als eine Art Superman oder besser noch Superwoman!?
Angesichts scheiternder Großprojekte, unserer ungelösten Schwierigkeiten mit Vielfalt, Komplexität und Informationsüberflutung umzugehen sowie den Problemen friedlicher Konfliktlösung, hebt hier die Phantasie des IBM-Mannes ab. Wie realistisch ist dieses Ziel der Ausbildung quasi omnipotenter Leader und gibt uns dieses Bild überhaupt eine geeignete Orientierung, um mit den absehbaren Herausforderungen klar zu kommen?

Vor allem fehlt es Dueck an einem differenzierten Verständnis gesellschaftlicher und politischer Zusammenhänge, deren Analyse erst erklären könnte, warum unsere Führungs- und Bildungssysteme sich so weit entfernt haben von „Professioneller Intelligenz“. Da gibt es knallharte Interessen – wer sollte das nicht besser wissen, als ein IBM-Mann? Idealistisch und auch ein bisschen naiv scheint es, die Erlösung von der Ausbildung überragender Führungspersönlichkeiten zu erhoffen und sollten wir nach unseren katastrophalen Erfahrungen mit „Führern“ und deren Fehleinschätzungen, mögen sie sich heute auch „Leader“ nennen, nicht skeptischer sein? Etwas mehr Demut ist hier angezeigt!

Aus Sicht meiner Theorie des Kreativen Feldes kann „Professionelle Intelligenz“ nur im „Kreativen Feld“, also in einer Umgebung entstehen, in der Persönlichkeiten mit zwangsläufig begrenzten Fähigkeiten einander synergetisch ergänzen und die „Weisheit der Vielen“ nutzen Ich bin gut, wir sind besser: Erfolgsmodelle kreativer Gruppen. Die Idee einer genialen und charismatischen Überpersönlichkeit ist unrealistisch und im Übrigen – wie unzählige Beispiele aus Wirtschaft und Politik zeigen - auch gefährlich.
Aus meiner zugegeben nüchternen Perspektive würde es schon genügen, wenn wir dazu beitragen könnten, dass jeder lernt, seine begrenzten Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und in der Lage ist, mit geeigneten anderen „Professionelle Intelligenz“ als Ergebnis eines gemeinsam gestalteten Synergiefeldes, eines „Kreativen Feldes“ zu entwickeln.

Wenn Dueck also mit Recht für eine stärkere Berücksichtigung individueller Begabungen im Schule, Universität und Berufsausbildung plädiert, dann ist das nur die eine Seite der Medaille: Der Schlüssel zu Professioneller Intelligenz liegt in der Fähigkeit Demut gegenüber den eigenen Begrenzungen zu entwickeln und fähig zu werden zu wertschätzender Kooperation mit geeigneten anderen.

Fazit: Professionelle Intelligenz zwischen Führungsillusion und originellen Anregungen

Prof.Dr. Olaf-Axel Burow Universität Kassel
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am 5. Januar 2012
Gunter Dueck widmet sein neuestes Buch 'Professionelle Intelligenz' der Frage 'Worauf es morgen ankommt', so der Untertitel. Ausgangspunkt ist die provokante Behauptung, alles Wesentliche stehe im Internet und wird damit zur jederzeit und überall verfügbaren Commodity, weshalb sich jeder Berufsangehörige fragen muss, 'ob er einem Menschen, der nach zwei Stunden Internetsurfen noch offene Fragen hat, noch einen wertvollen Rat ['] geben kann' (S. 23 bzw. die Rede auf der re:publica XI). Früher reichte viel weniger aus um als professionell zu gelten. Vieles von dem was mittlerweile im Internet steht, war früher nur Experten in großen Unternehmen mit entsprechender Infrastruktur zugänglich, weshalb der Kunde auf Experten angewiesen war. Wenn wesentliche Tätigkeitsanteile von Berufsbildern zunehmend ins Internet ausgelagert werden, wie muss echte Professionalität dann in Zukunft definiert werden?

Immer schon gab es neben der normalen Intelligenz des Verstandes (IQ) andere Dimensionen und Maßstäbe der Professionalität. Durch einseitige Betonung der rationalen Intelligenz des Verstandes in der Ausbildung und im Berufsleben sind die anderen Anteile heute jedoch oftmals verkümmert. Das was wir also heute mehr oder weniger gut ausbilden und das was im Berufsleben heute genutzt wird, nämlich die normale, rationale Intelligenz, wird morgen eine wesentlich weniger dominante Rolle spielen. Defizite in den anderen Aspekten der Professionalität werden wesentlich schwerer wiegen als bisher. Welche Aspekte das sind, was überhaupt unter Professionalität zu verstehen ist und was sich im Bildungssystem und im Berufsleben ändern muss, darum geht es in Gunter Duecks sehr wichtigem und lesenswerten Buch.

Nun ist die Behauptung, dass es neben dem IQ noch weitere Dimensionen gibt, nicht mehr ganz frisch. Bisher hatten die weiteren Konzepte, wie beispielsweise die Emotionale Intelligenz (EQ), aber immer den Beigeschmack des 'nice-to-have'. Gunter Dueck beschreibt in seinem Buch insgesamt sechs Dimensionen der professionellen Intelligenz ohne dabei aber einer den Vorzug zu geben. Es geht ihm nicht darum, die heutige Dominanz des IQ durch eine der anderen Intelligenzen zu ersetzen. Echte Professionals kennzeichnen sich im Gegenteil durch eine professionelle Integration der verschiedenen Dimensionen. Was nicht heißen soll, dass jeder in jeder Dimension Meisterschaft erlangen muss, aber kennen und schätzen sollte er alle. Genauso wie es nicht mehr reicht Experte in einem Fachgebiet zu sein ohne die angrenzenden Fachgebiete zu kennen.

Gunter Dueck überträgt zwei Begriffe aus einem Buch über die verschiedenen Rollen von Unternehmen in Unternehmensnetzwerken (Levine und Iansiti: The Keystone Advantage) auf die Rolle von Menschen in Gesellschaft und Unternehmen. Einerseits der T-Shape Spezialist, der die Fähigkeiten eines Spezialisten (tief) mit denen eines Generalisten (breit) in sich vereint. Andererseits die Keystones, d.h. 'Professionals ['], die sich um das Gelingen des Ganzen kümmern, die also den Wandel betreiben und gleichzeitig die normale Arbeit blühend erhalten. Sie verbinden Menschen zu funktionierenden Netzwerken, sie gestalten herausfordernde und konfliktarme Arbeitsumgebungen. Sie schaffen die Identifikation aller mit dem Netzwerk und dem Erfolg des Ganzen.' (S. 57). Es zeigt sich einmal mehr wie unpassend die hierarchische Strukturierung der Industriegesellschaft für die Wissensgesellschaft ist:

Die Trennung in Mitarbeiter und Manager bewährt sich in Commodity-Arbeitsumgebungen gut. Wenn wir aber in die Exzellenzgesellschaft oder die Wissensgesellschaft aufbrechen, müssen diese beiden Berufsbildvorstellungen wieder besser integriert werden. Führungspersönlichkeiten sollten jetzt Keystone-Rollen einnehmen können, Experten nicht nur Experten sein, sondern sich durch ein T-Shape auszeichnen. (S. 58)

Aber nicht nur neuzeitliche Begriffe führt Gunter Dueck ein, er greift auch zurück auf Platons Begriff der 'Arete', die als Eigenschaft von Dingen oder Menschen verwendet wird um deren 'Vortrefflichkeit, Bestimmung, Tauglichkeit oder 'Bestmöglichkeit'' (S. 84) beschreibt. In Bezug auf die Professionalität liest sich das dann so:

Wahre Professionalität bringt Beispielhaftes hervor, was als Leitbild oder Vorbild für die Profession im Ganzen dienen kann. ['] Professionals geben ihre Kunst weiter und lehren andere, was Arete in der entsprechenden Profession ist. Sie passen die Vorstellung von Arete immer neu an. Sie kümmern sich um die Arete der Profession als Ganzes.' (S. 85)

Soweit zum Idealbild. Demgegenüber stellt Gunter Dueck den Status quo in Schulen, Universitäten und Unternehmen. Es wird sehr deutlich, wie verschwenderisch wir von Kindesbeinen an mit der für die Wissensgesellschaft wichtigsten Ressource, unserer professionellen Intelligenz, umgehen. Konsequent lassen wir alles außer dem IQ verkümmern und befehlen dann Innovations- und Kreativitätsprogramme im Unternehmen. Das muss sich ändern und auch dazu gibt Gunter Dueck Anregungen. Das Buch ist aber kein Leitfaden zur Umsetzung. Es ist großartig, weil es treffsicher Begriffe zur Diskussion über professionelle Intelligenz einführt und definiert und daraus ein Idealbild skizziert. Es ist erschreckend und leicht polemisch in der Analyse des Status quo. Und es ist inspirierend in den Vorschlägen zur Veränderung von Gesellschaft und Unternehmen. Kurzum: ein sehr empfehlenswertes Buch.
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Gunter Dueck hat einige brillante Einsichten über Arbeiten und Management im 21. Jahrhundert, aber hier hat er schneller geschrieben als gedacht.

Der Autor stellt sich der Frage, wie sich Akademiker den Herausforderungen des Berufslebens im Internetzeitalter stellen können. Zu Recht weist Dueck darauf hin, dass sich die klassischen Hierarchien und Wissens-Privilegien auflösen. Viele Kommentare und Ideen aus seiner Arbeit bei IBM vermitteln Einblicke in eine moderne Organisation.

Aber das Buch ist entlang der These aufgebaut, dass es so etwas wie eine "Professionelle Intelligenz" gäbe, die es zu entwickeln gäbe. Dueck beschreibt neben dem bekannten IQ und EQ eine von ihm erfundene VQ (Vitale Intelligenz), AQ (Sinnlichkeit), CQ (Kreativität) und MQ (Sinngebung). Dieses System ist ebenso willkürlich wie kompliziert; und so unwissenschaftlich wie die Persönlichkeitstypen von C.G. Jung.

Während der Autor anfangs noch halbwegs besonnen schreibt, scheint er sich zum Schluss hin immer mehr an seinen eigenen Ideen zu berauschen. Zitat Seite 244: "Keiner im Westen hat gemerkt, dass wilde Pferde keine bösen Tiere sind. Man muss sie nicht schlagen, sie lassen sich freiwillig gegen Streicheleinheiten reiten... Pferde sind gar keine X-Pferde, sondern P-Pferde. Man muss sie nur artgerecht behandeln. Wenn man sie wie X-Pferde behandelt, sind es X-Pferde". Alles klar? Ich würde den Autor gerne einmal Wildpferde reiten sehen, das wäre sicherlich eine Attraktion auf Youtube.

Die vielen Schlagworte und Anglizismen machen die Lektüre nicht einfacher: Meta-Management, Service-Level-Agreements, Cleaning Manager, Powerlessness, Vertrauenserneuerungsphase, Dysprofessionalität, Digital Natives, Employability, Tigermanagement, ach hör mir auf.

Gunter Dueck hat schon bessere Bücher geschrieben.
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am 14. September 2011
Nach erfolgreicher Lektüre bin ich sehr angetan von diesem Buch und seinen Inhalten, die es zu vermitteln versucht.

Worum es im Groben geht, denke ich, muß hier nicht noch einmal wiedergegeben werden. Dafür steht ja weiter oben die Zusammenfassung.

Eher geht es mir schon darum, zu schreiben, daß Herr Dueck mit seinem Buch mal wieder des öfteren den Nagel auf den Kopf trifft. Und dies in Sätzen, die klar verständlich formuliert, manchmal aber auch mit einem Schuß Sarkasmus unterlegt sind.

Bereits nach dem Lesen der ersten Absätze, in denen der Autor anfängt auszuführen, daß mittlerweile nicht "nur" Fachwissen ausreicht, sondern eine Vielzahl weiterer Kompetenzen, sprich Intelligenzen benötigt wird, um "erfolgreich" oder besser gesagt "professionell" arbeiten zu können, konnte ich mir ein leichtes Schmunzeln ob der Zustimmung nicht verkneifen.

Zu deutlich sind dann doch die Parallelen zur eigenen, alltäglichen Arbeit und Ihren Problemchen, die sich durch eigene Unprofessionalität als auch die der Kollegen und Vorgesetzten ergeben.

Sehr passend fand ich auch die Beschreibung des Problemlösers. Auch wenn dieser Begriff, glaube ich, so am Anfang des Buches gar nicht genannt wird. Also derjenige, der bei den heute immer komplexer werdenden Aufgabenstellungen dafür sorgt, daß es "klappt".

Diese Zustimmung setzt sich dann weiter im Buch fort, wenn der Autor u. a. ausführt, was an unterschiedlichen Intelligenzen nötig ist, damit es "klappt"

Genau diese innere Zustimmung ist es dann auch, die ich an den (meisten) Büchern wie auch bei dem jetzigen von Herrn Dueck, sehr schätze. Nämlich die Fähigkeit, Denkansätze als auch Situationen (vor allem) aus dem Arbeitsalltag zu beschreiben, bei dem mein subjektives Bauchgefühl meistens innerlich zustimmend nickt und hofft, daß es einmal so wird, wie von Herrn Dueck beschrieben.

Vieleicht liegt dann auch hier auch ein Kritikpunkt versteckt, daß manch einer den/die Inhalt(e) dieses Buches als allzu idealistisch oder radikal und so nicht umsetzbar deklarieren wird.

Ich gehöre (man wird es aus der Bewertung unschwer herauslesen können) nicht zu diesen und hoffe einfach, daß Bücher wie jenes nun von Herrn Dueck neue Menschen zum Nachdenken anregen.
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... und die würde ich jedem zuvörderst als Pflichtprogramm ans Herz legen, live oder zur Not im Netz.

Gunter Duecks Vorgängerbücher waren noch klarer, bzw. es doppelt sich hier schon etwas, besonders mit "AUFBRECHEN!" (wie aber der Verfasser auch selbst schreibt). Vielleicht war auch Eichborn, welches dann mit seiner Prä-Insolvenz beschäftigt war und die Bücher mutmaßlich rasch-rasch herausbringen musste, schlichtweg eine Verlagswahl mit Pech?

Ich habe so ziemlich alle Dueck-Bücher gelesen, und mit großem Genuss wie Aha. Dieses Buch auch, und wirklich so schnell es überhaupt _irgendwie ging. Und doch brauchte ich jetzt eine geraume Zeit bis zur Rezension. Ist es die unerklärliche Tatsache eines Porträts auf dem Titel? Die kaum vorhandene Struktur und Gliederung des Buchs? Letztgenanntes muss gerade beim herrlich assoziativen und intuitiven Dueck nicht zwingend ein Makel sein, hier freilich sind der suchend-mäandernden Argumente und Intuitionen doch arg viele. Und die lange gereiften typisch Dueckschen Bonmots sind vergleichsweise Mangelware. Es herrscht generell eher gesprochene, hinzufügende als geschriebene, eingedampfte, pointierte Sprache vor.

Zum Inhalt sind hier schon halbe Novellen eingestellt worden, somit kann und werde ich gegen meine Neigung eher kurz bleiben. Frei nach Rilkes Apollo (nicht Sloterdijk): "Du musst Dein Leben ändern" ... zumindest wenn Deine Arbeit von jedem mit Google-Kenntnissen binnen zweier Stunden auch weitgehend begriffen/getoppt werden kann. Und purer IQ reicht nicht. Gerade Geeks/Nerds brauchen für Managementtätigkeit oder für echten Erfolg weitere "Intelligenzen" heraus aus der Fach-Schublade. Teils sammelt Dueck vorhandene Ideen und Konzepte, teils synthetisiert er Neues bzw. bringt er Trends und Analysen genial auf den Punkt. Ob sich wirklich jeder zur rundum perfekten, "professionellen" Person formen muss/kann oder ob ein intelligentes System bzw. kooperativ-ergänzendes Team das nicht auch lösen kann, würde ich zur Diskussion stellen. Ein Selbstperfektionierungszwang (zumal nur auf die Berufsumwelt gerichtet) in der Nachfolge der Großmanns, Hirts, Carnegies wäre verführerisch, doch auch sozial riskant. Da hat Dueck selbst bereits überzeugender in die andere Richtung für mehr Unterschied argumentiert.

Der brillante Autor ist jetzt gerade in den frühen Ruhestand gegangen und bleibt als (in eigenen Worten) Weltverbesserer, als (zumindest mir) sehr verständlicher extrem Intelligenter und Redner der Welt erhalten. Zum Glück, und damit wird er auch womöglich sogar noch mehr Zeit haben, ein Buch intensiv reifen zu lassen, denn auf das nächste bin ich schon jetzt neugierig. Für dieses vier Sterne und ein Danke.
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am 13. September 2011
... in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, ist Gunter Duecks neuestes Buch. Hier werden nützliche Vorschläge gemacht und sinnvolle Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt.

Es geht dabei um die Fähigkeiten, die in der neuen Berufswelt gefragt sind, und die in Zukunft immer wichtiger werden; denn wir benötigen heute nicht nur:
IQ - die schulische Intelligenz und gelerntes Wissen, es sind noch zusätzliche Kompetenzen gefragt. Fünf andere Arten von Intelligenz werden immer wichtiger:
EQ - die emotionale Intelligenz (früher nannte man das Herzensbildung, heute spricht man von Teamfähigkeit)
VQ - die vitale Intelligenz (Energie und Mut, Charisma)
CQ - kreative Intelligenz (Erfinder- und Forschergeist)
MQ - die sinngebende Intelligenz (moralischer Anspruch und Werte)
und nicht zuletzt
AQ - die sinnliche Intelligenz, (Lust und Freude an der Arbeit). Wer eine gute Mischung sämtlicher Intelligenzen zusammenbringt, verfügt über Professionelle Intelligenz und kann äußerst zuversichtlich sein. Professionelle Intelligenz ist genau das, was wir in Zukunft dringend benötigen.
In anschaulichen Beispielen, und mit der von mir so geliebten facettenreichen Darstellungsweise zeigt Gunter Dueck, wie die neue Berufswelt im Zusammenspiel dieser Intelligenzen aussehen könnte. Er zitiert aus echten Stellenanzeigen und bringt auch praktische Beispiele, wie es gehen kann, wenn die anderen fünf Intelligenzen einmal kräftig versagen.
Da nicht jeder gleichmäßig begabt ist, plädiert Dueck dafür, sich zunächst selbst zu erkennen (mit Hilfe einiger kostenloser Tests im Internet) und dann seine Fähigkeiten richtig ins Berufsleben einzubringen.
Deshalb ist sein Buch besonders für Jugendliche, Berufsanfänger und Studenten zu empfehlen, die wissen wollen, wohin die Entwicklung unserer Gesellschaft führt.

Unsere Welt unterliegt zyklischem Wandel, in bestimmten Zeiträumen wird jeweils unterschiedlich viel Wert gelegt auf Wettbewerb oder Gemeinschaft, Reform oder Tradition. Das Internet und die digitale Revolution sind dabei, unser Leben entscheidend zu verändern. Wer sich für die Zukunft interessiert, findet in diesem Buch wichtige Antworten zum Umgang mit den neuen digitalen Medien und zur richtigen inneren Einstellung. Der Autor schafft es immer wieder, genau den Nerv der Zeit zu treffen und ist oft nahe daran, exakt vorherzusagen, was in Kürze politisch und gesellschaftlich eintreffen wird.

Gunter Dueck setzt sich schon lange ein für den artgerechten Einsatz der arbeitenden Bevölkerung. Er weiß, worauf es ankommt, wie man Spitzenleistungen erzielt. Wer Exzellenz erreichen will kann das nicht mit lauter gleichgeschalteten Befehlsempfängern. Die erreichen bestenfalls Commodity, eine herrliche Duecksche Umschreibung von Mittelmaß.

Ich lege das Buch auch Lehrern und Professoren, ebenso wie Managern ans Herz und diesmal ganz besonders der Personalabteilung. Abgesehen davon ist ein Buch von Dueck stets ein Lesevergnügen für Gebildete und Querdenker. Duecks Bücher haben Arete. Sie möchten wissen, was das ist? Lesen Sie das Buch...
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am 24. November 2012
"Professionelle Gerissenheit" wäre wohl der zutreffende Titel für dieses Buch, das kräftig den Zeitgeist bedient und einmal mehr belegt, wohin die Inflation des Begriffes "Intelligenz" führt, denn "Denkkraft" ist nur an einigen Stellen gemeint.

Was der Intelligente, der Denkkräftige, nämlich zuerst lernen muß, ist das Dummstellen an den richtigen Stellen, da hat der Verfasser recht. Sein Beispiel: Wie beurteilt ein Lehrer mit IQ 110 (die meisten Lehrer haben ja keinen höheren) einen Schüler mit IQ 80? Und wie beurteilt ein hochbegabter Schüler mit IQ 140 seinen Lehrer mit IQ 110? Egal wie, der Schüler darf sich sein Urteil nicht anmerken lassen, das ist die goldene Regel, sonst geht es ihm schlecht.

Sehr schön im Buch die Ausführungen über die Folgen der Bildungsinflation: Da durch das Wachstum der Wirtschaft mehr Geld für Aus- und Weiterbildung verfügbar ist, kam es nach 1960 zu einer Erweiterung des Bildungswesens und damit zu einer höheren durchschnittlichen Qualifikation der Arbeitskräfte. Die klassische Methode der Anpassung an ein übermäßiges Angebot an Arbeitskräften, die für anspruchsvollere Tätigkeiten ausgebildet sind, besteht auf einem freien Markt darin, die Löhne und Gehälter sowie die jeweiligen Sozialleistungen solcher Stellen zu senken und nach Möglichkeit zu gleicher Zeit die Arbeitsbelastung zu erhöhen. Die Studenten, die um 1968 für grundlegende Reformen im Bildungswesen eingetreten sind, können heute, wenn sie zu den Professoren oder Assistenten gehören, die Früchte ihrer Bemühungen ernten: Das gesunkene Ansehen ihres Berufsstandes, unsicherere Beschäftigungsverhältnisse und den Alltag an Massenhochschulen mit einem viel ungünstigeren zahlenmäßigen Verhältnis zwischen Studenten und Lehrkörper als früher.

Der Markt drückt die Gehaltsstufen bis zu dem Minimum, das gerade noch erforderlich ist, um die verfügbare Stelle mit einem qualifizierten Bewerber zu besetzen.
Es ist sogar möglich, daß durch den Wettbewerb zwischen überschüssigen Bewerbern die Entlohnung auf einen Stand gedrückt wird, der noch unterhalb der Gehälter von niedrigen Stellungen in der Beschäftigungshierarchie liegt. In einer freien Wirtschaft können niedrige Gehälter selbst für Spitzenpositionen gezahlt werden, sofern nur genügend Bewerber sich entsprechend qualifizieren und bestrebt sind, eine solche Stellung zu besetzen. Hochspezialisierte Facharbeiter und fähige Handwerker verdienen demzufolge oft mehr als Akademiker in Massenberufen, sofern sie überhaupt eine Anstellung finden und nicht Arbeitslosigkeit studiert haben.

Bei der Personalauswahl für Führungspositionen werden die Eigenschaften der Bewerber herangezogen - d. h. ihre Persönlichkeit, ihre formale Qualifikation und der Mindest-IQ - die zusammen für die Stelle erforderlich sind. Bildungsabschlüsse dienen dabei nur als Signale und Filter, mit denen der Arbeitgeber Bewerber mit bestimmten Fähigkeiten auslesen kann. Was gefordert wird, ist eine Kombination bestimmter Persönlichkeitseigenschaften aus Intelligenz, Ausdauer und Disziplin, wie sie auch für einen erfolgreichen Studienabschluß unerläßliche Voraussetzung ist. Diese Eigenschaften selbst zu überprüfen, wäre für den Arbeitgeber sehr kostspielig. Deshalb begnügt er sich mit einem Ersatz, also mit Bescheinigungen über Abschlüsse, aus denen sich ergibt, daß der Bewerber das Bildungssystem erfolgreich durchlaufen hat. Die wirtschaftliche Funktion von Bildung ist die eines Filters. Und je mehr Leute entsprechende Abschlüsse und Zeugnisse beibringen können, desto geringer wird der Aussagegehalt jeder einzelnen Bescheinigung.

Wenn durch den Wettbewerb um Bildungsabschlüsse der allgemeine Bildungsstand angehoben wird, dann wachsen die Bildungsausgaben, ohne daß dadurch die Leistungsfähigkeit der Besten gesteigert wird. Die bessere Qualifikation eines einzelnen entwertet stets den Aussagegehalt der Qualifikation eines anderen. In der Menge der Gebildeten steht zum Schluß schließlich jeder auf Zehenspitzen, ohne deshalb besser über die vor ihm Stehenden hinwegsehen zu können. Der einzelne wird gezwungen, das Sich-auf-die-Zehenspitzen-stellen mitzumachen, wenn er nicht in eine sehr nachteilige Lage geraten will. Die Inflation der Zahl von Bildungsabschlüssen und die Deflation ihres Wertes bedeutet in zweierlei Hinsicht gesellschaftliche Verschwendung. Erstens bindet sie große gesellschaftliche Geldmittel, die nicht von den Arbeitgebern getragen werden. Zweitens führt das Ganze bei zahlreichen Personen zu enttäuschten Erwartungen, wenn sie sich letztlich nach Stellen umsehen müssen, in denen sie erworbene Fähigkeiten nicht oder nicht voll einsetzen können. Alles richtig, Herr Dueck!

Am Schluß kommt das Buch aber ohne Hinweise auf weiterführende Literatur und ohne Sachregister aus. So etwas kennzeichnet den Schnellschreiber, und für 20 Euro kann man mehr erwarten.
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am 28. Februar 2012
Mir persönlich hat dieses Buch die Augen dafür geöffnet, dass es ganz besonders für den freiberuflichen Selbsterhalt unabdingbar ist, beruflich nachhaltige Perspektiven und individuelle Lösungen zu finden, um nicht unter zu gehen
und sich entsprechend auch selbst dafür weiter zu bilden. Eine gehörige Portion Optimismus gehört genauso dazu, wie sich der im Buch aufgezeigten Problematik
überhaupt erst mal klar geworden zu sein.
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am 25. November 2011
Prof. Dueck versteht es wieder einmal mit einem Bcuh zu begeistern. Nun haben wir also omnisophiert, uns blutgierig mit Vampiren beschäftigt, wurden "lean" bis zur völligen "Verblödung", haben vielleicht schon begonnen "Aufzubrechen" und lernen nun also, dass wir dazu eigentlich mehr "professionelle Intelligenz" benötigen.
Spaß beiseite - dieses Buch ist die logische und konsequente Weiterentwicklung der Gedanken und Themen, die viele Leser bei Herrn Dueck fesseln.
Vielleicht sollten wir anfangen darüber nachzudenken, wie wir nicht nur die künftigen Generationen darauf vorbereiten mit mehr Professionalität die großen und kleinen Themen des Lebens, der Arbeit und der Gesellschaft zu meistern, sondern wie wir es vielleicht erreichen können, dass auch die Menschen Heute mehr in diese Richtung gehen.
In den, bei Herrn Dueck üblichen, brillanten IST-Analysen ist es ja leider nur ein sehr persönliches Lesevergnügen, wenn einem die vielen Parallelen zum eigenen Umfeld immer wieder auffallen. Tatsächlich zeigt dies die große Notwendigkeit auf, hier und Heute, jetzt und sofort zu handeln.
Insofern bleibt nicht nur zu hoffen, dass dieses Buch viele Leser findet, sondern das diese dann auch, ganz im Sinne des "Crowdsourcings" zur massenhaften Verbreitung der Ansätze für mehr Y führt.
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