Kundenrezensionen


22 Rezensionen
5 Sterne:
 (17)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


70 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Kaiser von Grimmelshausen
Die Überarbeitung (einfühlsame Neudichtung?) des historischen Schelmenromans "Der abenteurliche Simplicissmus Deutsch" durch Reinhard Kaiser kann nur mit absoluten Superlativen beschrieben werden: eine Ruhmeswohltat für alle, die diesen Roman lieben. Wer sich durch die klassische Fassung mühsam hindurchgekämpft hat, erlebt nun literarischen Genuss...
Veröffentlicht am 7. August 2009 von Amazon Customer

versus
24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Inhalt toll, Ausstattung für den Preis zu mager
Auf den Inhalt dieses Buches und die phantastische Übertragung in ein zeitgenössisches Deutsch wurde bei der "Normalausgabe" von Eichborn in 2 Bänden bereits ausführlich eingegangen. Die vorliegende, einbändige "Geschenkausgabe" des Eichborn Verlag für den stolzen Preis von EUR 65,-- - damit um die EUR 15,-- teurer als die Standardausgabe -...
Veröffentlicht am 30. Dezember 2009 von Michael Kipping


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

70 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Kaiser von Grimmelshausen, 7. August 2009
Die Überarbeitung (einfühlsame Neudichtung?) des historischen Schelmenromans "Der abenteurliche Simplicissmus Deutsch" durch Reinhard Kaiser kann nur mit absoluten Superlativen beschrieben werden: eine Ruhmeswohltat für alle, die diesen Roman lieben. Wer sich durch die klassische Fassung mühsam hindurchgekämpft hat, erlebt nun literarischen Genuss ohne Reue. Der kaiserlich bearbeitete Text geht runter wie Öl und verführt zum Schlingen. Die Grimmelshausener Sprachgewalt wird in keinem Fall gestört, auch der innewohnende Bildungsexhibitionismus des Autors ist so viel besser verträglich.

Winzige Kritikpunkte: Die Anmerkungen sind nur mit * gekennzeichnet, die Erläuterungen finden sich seitensortiert im 2. Band, den man daher immer mit sich herumschleppen muss. Auch der Umschlag ist etwas empfindlich, hier hätte der Verlag durchaus eine abnehmbare Folie spendieren können. Ansonsten sind die Bände wunderschön geraten, der Satz im Zweifarbensystem steigert den ästhetischen Genuss. Besser kann man € 69,- nicht anlegen - Begeisterung!!!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So schön, so spannend, 11. August 2009
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Ein Weltbuch - im wahrsten Sinne des Wortes. Natürlich kennt man es, vielleicht hat man es sogar (an-)gelesen. Was sich aber hinter diesem Schelmenroman, hinter dieser abenteuerliche Geschichte verbirgt - hinter diesem Buch, das alles zugleich ist: Satire, Gesellschafts- und Kriegsroman, ein Roman über Geld und Liebe und Erotik - wer weiß es schon. Bis heute.

Jetzt ist die großartige Übersetzung dieses Buches aus dem barocken Deutsch des 17. Jahrhunderts ins Deutsch von heute erschienen. Und wer einmal mit dem Lesen begonnen hat, wird nicht wieder aufhören wollen. So brillant, so schön, so spannend ist das.

Wie hat Thomas Mann von diesem Roman gesagt? Es gehe in ihm "bunt, wild, roh, amüsant verliebt und verlumpt" zu, "kochend von Leben, mit Tod und Teufel auf Du und Du". Recht hat er. Denn dieser Hans Jacob Christoff von Grimmelshausen, der auch German Schleifheim von Sulsfort oder Israel Fromschmidt von Hugenfelß oder Philarchus Grossus von Trommenheim heißt, hat auf unnachahmliche Weiße das Soldatenleben im Dreißigjährigen Krieg geschildert. Und damit ein Zeitbild der Sonderkasse und damit eine der bedeutendsten deutschen Romane geschaffen.

Das größte Lob aber gilt - noch einmal sei es gesagt - Reinhard Kaiser, der sich nicht nur dieser großen Herausforderung gestellt, sondern sie auch hervorragend gelöst hat.

Und noch etwas: Dier Ausgabe ist wunderschön. Die bibliophile Ausstattung, das Schriftbild - insgesamt ein kleines Gesamtkunstwerk.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderschöne "Übersetzung", 22. August 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Vom Simpli hatte ich erstmals in den 70gern durch die TV-Verfilmung erfahren. Die Hauptrolle spielte Matthias Habich. Ich bin daraufhin schnurstracks zu unser Stadtbücherei und lieh mir das Buch aus. Ich mühte mich tapfer, aber verlor mit jeder Seite mehr die Lust am Lesen. Zu weit weg war mir die Sprache und der Satzbau. Nun las ich von der "Neuübersetzung" und gab dem Simplicissimus ein neue Chance. Die Neuausgabe liest sich flüssig und trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass es eine Umdichtung ist. Grimmelshausen schreibt für uns und nicht der "Übersetzer" R.Kaiser, dem dafür ein großes Lob gebührt.
Der Simplicissimus ist frisch, frech, spannend und in dieser Form eine faszinierende Brücke ins 17 Jahrhundert. Für mich war/ist das Buch ein Lesegenuss.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebenserfahrung und Wissensordnung des 17. Jahrhunderts, 23. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch: Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts. Geschenkausgabe (Gebundene Ausgabe)
Der Simplicissimus von Grimmelshausen ist kein Schelmenroman und kein Entwicklungsroman, in dem ein Dorfdepp durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges stolpern würde - das ist nur der Anfang, der zum falschen Inbegriff des ganzen Buches wurde, weil der Verdacht offenbar mit Recht besteht, dass viele Leser das wegen seiner altertümlichen Sprache nur mühsam zu lesende Buch schon bald wieder aus der Hand legten und deshalb nur dessen Anfang bekannt war. Es ist ein wahres Glück, dass nun diese gelungene Übersetzung von Reinhard Kaiser in einem modernen, lesbaren Deutsch vorliegt, die diesen verkannten Schatz der deutschen Literatur wieder ans Licht des Tages befördert hat!

Beim Simplicissimus handelt es sich in Wahrheit um einen autobiographisch gehaltenen Roman, dessen drei Hauptthemen die folgenden sind:

a) Lebenserfahrung - wie es so zugeht in der Welt; wie vieles nicht so ist, wie es zu sein scheint. Man spürt, dass der Autor aus eigener und echter Lebenserfahrung schöpft, die einiges zeitloses Gewicht bis in unsere modernen Tage hinein hat.

b) Lebensweisheit - worin das wahre Glück besteht. Hier wird viel in christlicher Sprache formuliert, aber es lässt sich auch alles nichtchristlich denken und deuten.

c) Wissensordnung - was man als Mensch des 17. Jahrhunderts alles wissen konnte über Religion und Gläubigkeit, antike Literatur, Geographie, Geologie, Medizin, Alchemie, zeitgenössische Literatur, Sitten der Völker, Torheiten und Laster und vieles andere.

Die bereisten Länder und Städte sind u.a.: In Deutschland: Spessart und Hanau, Magdeburg, Soest in Westfalen, Lippstadt, Köln, Wien und ein Kurort mit "Sauerbrunnen" im Schwarzwald. Außerdem geht die Reise nach der Schweiz: Einsiedeln, Schaffhausen, Bern. Nach Paris in Frankreich. Nach Moskau, die Tartarei, Korea, Macao, Indien, Konstantinopel, Venedig, Rom. Nach Ägypten: Alexandrien. Schließlich nach einer südlichen Insel irgendwo bei Madagaskar. Die Rollen, in die Simplicius im Verlauf seines Lebens schlüpft, sind u.a.: Dorfdepp, Schüler, Narr, Soldat, Draufgänger und Jäger, Frauenheld, Ehemann, begehrter Schauspieler und Beau, Alchemist, Freund, Landwirt, Eremit, Pilger, Paradiesinselbewohner.

Einige der Abenteuer sind übertrieben phantastisch: Dreimal hat Simplicius es mit Geistern zu tun, jedesmal übrigens im Zusammenhang mit einem verborgenen Schatz. Einmal fährt er auf einer verhexten Bank zu einem Hexensabbat. Der Autor zwinkert mit den Augen dazu. In der Nachschrift schaut Simplicius die Hölle mit Lucifer. In der Mummelsee-Passage taucht Simplicius bis zum Mittelpunkt der Erde; das dabei geschilderte System von Wasserverbindungen von der Erdoberfläche zum Mittelpunkt der Erde könnte durch den Platonischen Mythos über das Schicksal der Seele nach ihrem Tode inspiriert worden sein (Dialog Phaidon 107d - 115a). Schließlich macht Simplicius zwei Fernreisen, einmal über Moskau bis Korea, dann nach Ägypten.

Der Leser wird zahlreiche Redewendungen wieder erkennen, die bis heute in der deutschen Sprache vorhanden sind und unsere Sprache lebendig machen. Man entdeckt auch ein entwickeltes deutsches Nationalbewusstsein; dieses ist also nicht erst im Gefolge der französischen Revolution entstanden. Für Grimmelshausen sind die Nationalstaaten klar abgesteckt, die typischen Eigenarten anderer Völker werden treffsicher beschrieben. Die Vision des Jupiter von einem Europa unter deutscher Führung kommt hinzu.

Das Buch ist auch sehr sozialkritisch. Man meint, ein Buch aus der Zeit der französischen Revolution in der Hand zu haben, wenn man die gesellschaftliche Hierarchie am Bild eines Baumes gezeigt bekommt, auf dem die Adligen hocken und um Karriere kungeln. Sehr modern wirkt auch die bereits angesprochene Vision des Jupiter über die Idealzukunft Europas, hier unter deutscher Führung. Ebenfalls verblüffend modern ist der Schluss des Buches: Simplicius flieht vor der Welt auf eine einsame Insel, wo er in Genügsamkeit paradiesisch lebt. Wer dächte da nicht an gewisse moderne westliche Menschen, die die Einfachheit weniger entwickelter Völker für das wahre Glück halten? Auch der Stil ist teils extrem modern. Das Buch scheint wie ein Verschnitt aus den Sonetten des Andreas Gryphius und den geistig weiten Überlegungen eines Montaigne.

Alles in allem macht das Buch einen wunderlich aufgeklärten Eindruck, der Autor zeigt eine sehr gesunde Skepsis und viel gesunden Menschenverstand, den er ohne Anleitung eines anderen benutzt. Er denkt auch nicht nur oberflächlich dahin, sondern macht sich tiefer seine Gedanken, jedoch immer aus der "Froschperspektive" des Einzelnen; ein alternativer Gesellschaftsentwurf entsteht nicht. Zahllose Anspielungen auf antike Autoren sind eingeflochten, ebenso einige Verweise auf zeitgenössische Autoren. Der Autor muss extrem belesen und gut bekannt mit der antiken Geisteswelt gewesen sein, was seine Aufgeklärtheit besser verstehen lässt. Nett auch, wie er den Raimundus Lullus beurteilt, das muss man selbst gelesen haben und versteht es nur, wenn man sich selbst schon mit Lullus beschäftigt hat.

Dennoch bricht der Autor noch nicht aus dem Korsett des christlichen Weltbildes aus, sondern benutzt es, um in ihm seine Gedanken zu entfalten. Man muss hinter der Frage nach der christlichen Moral und der christlichen Glückseligkeit auf Erden dieselben Fragen in säkularisierter Form erkennen, sonst würde das Buch für moderne Leser unerträglich sein.

Die Bedeutsamkeit des Buches und sein Einfluss müssen als sehr hoch eingeschätzt werden. Es stellt sich z.B. die Frage, inwieweit Goethes Faust davon beeinflusst war: Auch dieses Werk ist eine Summe von Lebenserfahrung und Lebensweisheit, auch dies eine Wissensordnung, und auch hier wird vieles in christlichen Bildern ausgedrückt. Es gibt überhaupt zahlreiche Parallelen zwischen Goethes Faust und dem Simplicissimus des Grimmelshausen. Ein wahrhaft unergründliches und unerschöpfliches Werk!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk erstrahlt in neuem Glanz, 20. September 2009
Ich habe ich die Lektüre dieses Buches rundum genossen. Es bietet einerseits einen durchaus unterhaltsamen Einblick in das Leben im 17. Jahrhundert, befasst sich aber andererseits (und das scheint mir der wichtigere Aspekt zu sein) sehr anschaulich mit den Wechselfällen des Lebens. Dass es sich um eine Übersetzung aus dem Deutschen ins Deutsche handelt hat mich überhaupt nicht gestört. Kaiser räumt selbst ein, dass bei einer Übersetzung immer etwas verloren geht. Er sagt aber auch, dass dafür viele andere Stellen, die der moderne Leser womöglich gar nicht oder falsch verstehen würde, wieder zugänglich werden. Ich selbst hatte nie das Gefühl, dass das Original hier verfälscht worden wäre. Von daher kann ich diese Ausgabe nur empfehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Inhalt toll, Ausstattung für den Preis zu mager, 30. Dezember 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch: Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts. Geschenkausgabe (Gebundene Ausgabe)
Auf den Inhalt dieses Buches und die phantastische Übertragung in ein zeitgenössisches Deutsch wurde bei der "Normalausgabe" von Eichborn in 2 Bänden bereits ausführlich eingegangen. Die vorliegende, einbändige "Geschenkausgabe" des Eichborn Verlag für den stolzen Preis von EUR 65,-- - damit um die EUR 15,-- teurer als die Standardausgabe - ist allerdings ihren Preis meines Erachtens nicht wert. Sicher, das Buch hat einen schönen Leineneinband mit goldfarben geprägten Glöckchen, ein Lesebändchen, einen gefärbten Kopfschnitt. Aber daß es Eichborn nicht auf die Reihe bekommt bei einer derartigen Kalkulation einem Buch auch eine Fadenheftung zu gönnen statt einer schnöden und weitaus weniger haltbaren Klebebindung a la Taschenbuch wird wohl ewig ein Geheimnis des Verlages bleiben.

Leider kenne ich die Standardausgabe nicht und würde mich freuen, wenn mir ein stolzer Besitzer derselben mitteilen würde (z. B. als Kommentar zu dieser Bewertung) ob auch bei der zweibändigen Standardausgabe diese Art der Bindung gewählt wurde oder ob die günstigere Variante eventuell sogar die höherwertigere Bindung besitzt.

Man fragt sich angesichts derartiger Enttäuschungen unwillkürlich wie andere Verlage, wie etwas Zweitausendeins, es immer wieder schaffen Bücher in deutlich höherwertigerer Ausstattung zu weitaus günstigeren Preisen auf den Markt zu bringen! Und ich kann nur hoffen daß man dort diesen neuübersetzten Klassiker mit ins Programm nimmt. Dort bekommt man zumindest von vornherein gesagt ob ein Buch fedengeheftet ist oder nur geklebt ...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für ein feudales Werk, 22. Dezember 2009
Von 
Spaddl "spaddl" (SH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Was für ein Roman! Was für eine wahnwitzige Fahrt durch 762 Seiten, die aus dem Leben des "Simplicius Simplicissimus" berichten! Was für eine Geschichte voller Witz, Ironie, Spannung und geistreichen Wortwendungen!

Natürlich hat man den Begriff Simplicissimus schon mal gehört, aber richtig zu sortieren konnte ich ihn bisher nicht. Bis zu dem Tag, an dem ich zusammen mit meiner Buchhändlerin vor der Bücherwand stand und sie mir dieses dicke Buch mit dem Titel "Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch" in die Hand drückte. "Hier", sagte sie, "das müssen Sie lesen. Das ist fantastisch!" Als ich erfuhr, dass es von dem 30-jährigen Krieg handeln sollte, winkte ich ab. "Nicht mein Interessengebiet." Durch Zufall fand ich dann in einem großen deutschen Printmedium eine Rezension zu diesem Buch und der zeitgemäßen Neuübersetzung aus dem 17. Jahrhundert. Dann bei amazon noch einmal geschaut: auch nur positive Kritiken, was mein anfängliches Desinteresse zu einer Kauflust umschwenken ließ.
Was für eine brillante Entscheidung!

Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem es so heiß her ging wie im Simplicissimus, noch keine Geschichte, in der so viel mit Glaube, Aberglaube, Zauberei und Krieg hantiert wurde wie hier. Die Seiten flogen so durch meine Hände, die hilfreichen Fußnoten erleichterten den Lesegenuss ungemein, so dass ich den Roman sehr schnell durchgelesen hatte.
Ich kenne die barocke Originalausgabe nicht, habe mich aber mit Deutschlehrern unterhalten, die mir davon abrieten, da das sprachliche Hindernis zu groß sei. Dank Reinhard Kaiser und der Anderen Bibliothek dürfen wir, geneigte Leser, dieses wundervolle Buch und diese wahnsinnige Geschichte nun in einem angenehmen Deutsch genießen.
Die Aufmachung und die Verarbeitung ist absolut tadellos, die Seiten sind aus feinem Papier, das Schriftbild gut zu lesen.

Ich bin froh diesen tollen Roman verschlungen zu haben und werde Simplicius in schmunzelnder Erinnerung behalten. Was hatte der bitte für ein Leben! Toll.
Bitte, liebe Leser, tauchen Sie ein in eine aberwitzige, in wunderbaren Metaphern erzählte Geschichte, die Sie ergreifen, belustigen und begeistern wird. Das ist wahrlich Jahrtausendliteratur!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4.0 von 5 Sternen Echter Historischer Roman der in Deutschland spielt., 25. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch: Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts. Geschenkausgabe (Gebundene Ausgabe)
Hier erzählt Simplicius Simplicissimus von seinen Abenteuern im 30 jährigem Krieg (1618 - 1638) und etwas danach. Der Protagonist ist nicht dumm, wie man vermuten könnte. Er ist am Anfang nur absolut unwissend, naiv und einfältig. Oder wie er aus ausdrückt:

"Ja, ich war so perfekt und vollkommen in der Unwissenheit, dass es mir unmöglich war, zu wissen, das ich gar nichts wusste."

So wandert er durch die Weltgeschichte und schlittert von einem Abenteuer ins nächste. Ein großes Ziel auf das die Geschichte hinsteuert gibt es nicht. Einzige Konstanten sind der Simplicius und der dreißigjährige Krieg. Obwohl auch der Hauptdarsteller ziemliche Verwandlungen durchmacht. Optisch in Form von allerlei kuriosen Outfits und moralisch vom erzkonservativem Einsiedler über den Hofnarren bis hin zum Kriegsheld und später Betrüger. Garniert sind die Abenteuer mit viel Humor, der Zeit entsprechend auch mal derb. Mit dem Blick des Simplicius entlarvt er die kritischen Punkte der Gesellschaft. Wie Grimmelshausen es ausdrückte:

"Ich wünschte mir... würden auch alle anderen Leute das Treiben auf der Welt mit den Augen des Simplicius sehen."

Das Bildnis des Gesellschaftsbaums ist ein schönes Beispiel. Menschen sitzen statt Blätter auf den Ästen. Ganz oben der Adel. An den Wurzeln die einfachsten Leute. Durch einen besonders glitschigen Teil ohne Äste ist der Adel von den übrigen getrennt und der Aufstieg nicht möglich. Es folgt eine Diskussion zwischen einem Kritiker (hochgedienter Feldwebel) und einem Befürworter (passend Adelhold genannt) über das für und wieder dieser Gesellschaft.

Die Orte wechseln häufig. Das meiste spielt in Deutschland obwohl später die halbe Welt bereist wird. Hier eine Auswahl wichtiger Orte: Spessart, Hanau, Magdeburg, Soest, Lippstadt, Köln, Paris, Philippsburg, Schweiz - Einsiedeln, Wien, Schwarzwald.
Der Autor hält sich allerdings nicht mit Details zu Ortschaften oder Landschaften auf. Eine Beschreibung der Soester Altstadt mit Ihren Fachwerkhäusern und engen Gassen sollte man z.B. nicht erwarten. Er konzentriert sich mehr auf die Menschen, Gespräche und Situationen, was sich anders liest als zeitgenössische Literatur. Themen wie Glauben, Spielsucht, Geiz, aber auch Verführung und fleischliche Gelüste sind in den Geschichten zu finden. Emanzipierter Weise wird er selbst als Schönling bei den Frauen als Liebhaber rumgereicht. Der christliche Glaube ist immer Präsent. Selbst wenn man das nicht mag muss man "Glaube" einfach durch "Moral" tauschen und schon stört es nicht mehr.

Durch die Neuübersetzung aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts ins Deutsche (!) wird einem ein Stück Weltliteratur (besser) zugänglich. Hilfreiche Anmerkungen kann man hinten nachlesen, von der Menge her so abgestimmt, das der Lesefluss erhalten bleibt. Man merkt den Machern an, das hier mit viel Liebe zum Detail versucht wurde den Roman deutlich lesbarer zu machen ohne seinen alten Flair zu zerstören, und das ist gelungen! Gleiches gilt für die Gestaltung. Qualitativ hochwertig mit zweifarbigem Druck (Überschriften rot, Text schwarz) und tollem Einband.

Ganz einfacher Lesestoff ist es trotzdem nicht, aber das war es auch nicht bei seiner Erscheinung. Die Kapitel haben eine kleine gut verdauliche Größe, die kleine Schrift auf über 600 Seiten ergibt aber einen beträchtlichen Umfang.
Das der Hauptdarsteller nicht dumm ist, merkt man auch am Erzählstil. Viele Verweise auf die griechische Mythologie, Geschichte usw. zeigen einen das große Allgemeinwissen von Grimmelshausen. Da er auch wirklich im 17. Jahrhundert geschrieben wurde ist es ein "echter" historischer Roman mit dem Lebensgefühl und Humor der Zeit.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Grandioses Meisterwerk, 26. November 2012
Der Simplicissimus ist das farbenprächtigste, unterhaltsamste und lehrreichste Stück Literatur, was mir je untergekommen ist. Wer diese Buch gelesen oder gehört hat, der versteht manches besser, wie es in der Welt so dahergeht. Neben einem grandiosen Einblick in das ausgehende Mittelalter hält es dem geneigten Leser und Zuhörer zugleich einen Spiegel vors Gesicht und macht deutlich, daß sich vielleicht die Lebensumstände nicht jedoch die Einstellung des Menschen geändert hat. Wir alle sind letztlich Narren und sollten gut daran tun, uns nicht für mehr zu erachten.
Die Neuübersetzung ins moderne Deutsch ist phänomenal gelungen; ein Dank an Reinhard Kaiser, der dieses Stück Weltliteratur wieder zugänglich macht. Mögen doch viel mehr unverständliche Werke der Antike und nachfolgender Zeiten ins moderne Deutsch übersetzt werden.
Die Interpretation von Felix von Manteuffel ist kongenial gelungen. Ein wahrer Hochgenuss in der Tat. Dieses Stück sollte Pflichtlektüre für jeden sein.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Ein Buch das bewegt, 15. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch: Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts. Geschenkausgabe (Gebundene Ausgabe)
„Ein Buch das 1668 erschien und damals schon Menschen bewegte! Ein Abenteuer Roman der gleichzeitig und wohl auch mehr eine Gesellschaftssatire war.

Im hier und jetzt gibt uns dieses Buch einen Schlüssel und gleichzeitig eine Waffe gegen die Probleme unsere Zeit. Den Schlüssel über uns und unsere Gesellschaft nachzudenken. Was vielleicht mehr den je notwendig ist. Der Autor schaffte dies damals mit einer unbeschreiblichen Erzählart und einem ganz besonderen Humor, welcher jetzt auch in unsere hochmodernen Zeit seine volle Wirkung entfalten kann.

Vielleicht sogar jetzt mehr den je, wodurch auch dieser intelligente Humor zu der einzigartigsten und wohl beste Waffe genutzt werden kann. Der Waffe gegen Dummheit, Torheit, Ignoranz, und andere menschliche Schwächen. Denn schlussendlich wird durch diesen Roman sehr deutlich wie wenig die Meschen sich in den letzten Jahrhunderten in diesen ihren Schwächen geändert haben. ”
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch: Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts. Geschenkausgabe
Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch: Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts. Geschenkausgabe von Hans J Ch von Grimmelshausen (Gebundene Ausgabe - 6. Oktober 2009)
EUR 39,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen