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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anleitung zur Reportage
Als der polnische Reporter Ryszard Kapuscinski erstmals aufbrach, um "Grenzen zu überschreiten", gab ihm die Chefredakteurin des "Sztandar Mlodych" (Jugendfahne), in deren Auftrag er Ende der 50er Jahre aus Indien berichten sollte, ein Buch mit auf den Weg: HERODOT HISTORIEN. Fortan wurde das Buch wie die Zahnbürste zum fixen Reiseutensil. Er tauchte in eine ihm...
Veröffentlicht am 4. August 2006 von Heinz Abler

versus
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Falsch deklariert
Der Inhalt (5 Sterne) ist nicht Objekt meiner Rezension, jedoch die falsche Produktbeschreibung seitens Amazon
Ich habe die 1-te Auflage (Dezember 2005) der Anderen Bibliothek bestellt, geliefert wurde die 5-te Auflage der Erfolgsausgabe. Gerade bei der Anderen Bibliothek ist eine exakte Deklarierung der verschiedenen Auflagen und Ausgaben besonders wichtig...
Vor 21 Monaten von Klaus Drechsler veröffentlicht


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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anleitung zur Reportage, 4. August 2006
Von 
Heinz Abler "habler" (Winterthur, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
Als der polnische Reporter Ryszard Kapuscinski erstmals aufbrach, um "Grenzen zu überschreiten", gab ihm die Chefredakteurin des "Sztandar Mlodych" (Jugendfahne), in deren Auftrag er Ende der 50er Jahre aus Indien berichten sollte, ein Buch mit auf den Weg: HERODOT HISTORIEN. Fortan wurde das Buch wie die Zahnbürste zum fixen Reiseutensil. Er tauchte in eine ihm völlig fremde Welt ein und Herodot wurde zum Reiseführer. Es ging fürs Erste nicht darum, was geschildert wird, sondern wie man vorgeht um etwas, von dem man zunächst nichts weiss, zu erkunden und zu beschreiben. Herodot, der im 5. vorchristlichen Jahrhundert lebte, half, denn er verfügte über die Voraussetzungen und bediente sich der Grundsätze, die für eine Reportage und für Geschichtsschreibung noch heute gelten: Neugier, Hinsehen- und -hören, Quellenwahl, Quellenprüfung, schliesslich dem eigenen Urteil vertrauen. Dazu benötigt man allerdings viel Zeit, die man heute, in der die Medien weitgehend zu reinen, quoten- und damit geldgenerierenden Unterhaltungs- und Belustigungsmaschinen verkommen, nicht mehr hat. Der Schnee von gestern schmilzt rasch. Kapuscinski , der selber in Zeiten journalistischen Durchfalls zum Fossil geworden ist, verwebt die eigenen Texte mit jenen Herodots und führt also das Verfahren vor. Er tut dies allerdings, indem er selber kritische Zwiesprache mit seinem alten Freund hält und versucht die Lücken, die Herodot hinterlässt, mit eigener Vorstellung aufzufüllen. Das geht oft soweit, dass Kapuscinski, der selbst oft genug in schwierige Situationen gerät, dann zum Buch greift, weil Herodots Geschichten ihn nicht mehr loslassen. Der Schweiss, vielleicht gar Angstschweiss, der ihm, in einer schäbigen, muffigen, feuchtheissen afrikanischen Unterkunft, erschöpft auf seiner Pritsche liegend, aus allen Poren dringt, tropft auf die zerlesenen Seiten seines zerfallenden Buches. Wir aber haben die Möglichkeit zu einer Neuausgabe von Herodots Texten zu greifen. Dieses Buch macht Lust hierzu.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Aufhebung der Zeit, 25. Juni 2006
Von 
E. Ritter "er50961" (Bad Nauheim, Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
Richard Kapuscinski hat schon mit dem 'Fußballkrieg' bewiesen, daß er sich in Menschen und Situationen - hier unvergleichlich in Soldaten bei ihrem ersten Einsatz an der Front - hineindenken und dies hautnah schildern kann. In den 'Reisen mit Herodot' versetzt er uns zweieinhalb Jahrtausende zurück, bleibt aber gleichzeitig in der Gegenwart. Es gelingt ihm, die Zeit aufzuheben, Herodot als den Erfinder der Reportage in Bezug zu dem Reporter des 20. Jahrhunderts zu setzen und aufzuzeigen, wie Geschichte weiter fortwirkt und sich in der Gegenwart manifestiert, aber auch, wie Geschichte geschrieben wird: Tatsachen, subjektive Emfindungen und Mythen vermischen sich untrennbar und bilden das, was wir dann "Geschichte" nennen.

Wenn man dem Buch etwas vorwerfen kann, dann nur das, daß es ein kleines bißchen redundant ist. Man merkt ihm die Handschrift des Reporters an, der für Zeitungen schreibt und mit der Vergeßlichkeit der Leser rechnen muß. Aber das wird wieder wett gemacht durch den brillanten Erzählstil und die durch und durch ehrliche Grundhaltung des Autors.

Ein glänzendes und sehr empfehlenswertes Buch. Es wäre, gerade wegen seiner unterhaltsamen Art, eine gute Grundlage für den Geschichtsunterricht an Schulen.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fantastisch, 10. April 2006
Von 
M. G. Herold (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
Die ist eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Ryszard Kapuscinski gelingt etwas Unglaubliches: Er schreibt seine eigene Biographie, verwebt diese mit den Historien Herodots, der für Kapuscinski der erste Reiseberichterstatter der Geschichte ist, und ganz nebenbei werden ferne Länder und die wesentlichsten Konfliktherde des 20. Jahrhunderts nach dem 2. Weltkrieg in einer Weise beschrieben, die nur "literarisch" genannt werden kann. Unnachamlich die Beschreibung einer nächtlichen Fahrt im Sudan, locker und elegant alle anderen Schilderungen. Immer zur rechten Zeit brilliante Einschübe über Herodots Leben und Reisen. Martin Pollacks Übersetzung ist von unglaublicher Qualität. Ein weises Buch, ein Autor der sich selbst nicht zu wichtig nimmt und sich im Laufe seines Reporterlebens zu einem Literaten entwickelt hat. Dazu liest sich dieses Buch unglaublich leicht, spannend, kurzweilig, keine einzige Seite ist überflüssig oder zäh. Sehr zu empfehlen!!!!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwei Riesen schreiben große Geschichte(n), 19. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
'So dicke Bücher sehen verlockend aus, sie sind wie eine Einladung an einen üppig gedeckten Tisch.' So schreibt Kapuscinski über sein großes Vorbild Herodot. Und er geht begleitet mit dem Buch 'Historien' von Herodot auf seine eigenen Reportagereisen, die ihn vor allem nach Afrika und Asien führen. So wird seine eigene Wirklichkeit zugleich gespiegelt in den Geschichten, die Herodot vor über 2000 Jahren aufschrieb. So schreibt er sehr gedankenvoll, inspiriert-anregend und gibt dem Leser zahllose Anregungen, nun seinerseits in den Brunnen der Vergangenheiten hinabzusteigen, seine verschiedenen Tiefen kennenzulernen und so die Gegenwart besser zu begreifen. Das ist großartig, stilistisch wunderbar geschrieben und ein Buch zum Wieder- und Wiederlesen. Oder, wie Kapuscinski selbst schreibt (über Herodot natürlich!): 'In jedem Buch sind einige Bücher enthalten, man muß es nur verstehen, zu ihnen vorzudringen, sie zu entdecken, zu enthüllen und zu begreifen.'
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4.0 von 5 Sternen Lest Herodot!, 15. August 2014
Von 
Brigitte Hilgner (Vienna Austria) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Ich weiß nicht mehr, was mich vor Jahren dazu bewegte, dieses Buch zu kaufen (es erschien 2005), aber ich weiß, was es bewirkte: ich kaufte mir kurz darauf Herodots „Neun Bücher zur Geschichte“ und nach deren Lektüre eine faszinierende Herodot-Biographie (Albert Schlögl, rororo Monographie).
Zum Wiederlesen hat mich die Rezension einer Biographie Ryszard Kapuścińskis (1932-2007) bewegt, die inzwischen auch auf Deutsch vorliegt. In dieser Biographie (die ich nicht kenne) wird dem Reporter und Auslandskorrespondenten Kapuściński offenbar vorgeworfen, es mit der Wahrheit nicht immer genau genommen zu haben (anders als behauptet, ist er Che Guevara wohl nie begegnet und sah sich in Afrika auch nie einem Erschießungskommando gegenüber). Da ich aus dem Buch „Meine Reisen mit Herodot“ nur das erinnerte, was der Autor aus dem Werk des griechischen Historikers nacherzählt und welche Einstellung und Fragen er dazu hat, wollte ich wissen, bei welchen Reisen der Autor denn das Buch dabei hatte (in rund neun Jahren hatte ich das völlig vergessen).
Um es gleich zu sagen: was Kapuściński in diesem Buch über eigene Reisen schreibt, ist weitgehend unspektakulär. Erschreckend finde ich zunächst die Naivität, mit welcher der Autor nach Indien (1956) und ein Jahr später (1957) nach China aufbricht, um von dort als „Auslandskorrespondent“ zu berichten, und seiner Zeitung, die ihn dorthin entsendet. Soweit ich das dem Buch entnehmen kann, sprach der Autor damals Polnisch, Russisch und sehr schlecht Englisch. Er scheitert in beiden Fällen, wobei Kapuściński in Indien den Vorteil hat, dass er frei im Land herumreisen darf, während er in China nur dorthin kommt, wohin ihn sein Dolmetscher mitnimmt. Im Buch findet man daher verständlicherweise eher allgemeine Eindrücke aus beiden Ländern. Von weiteren Reisen werden einzelne Facetten herausgegriffen: Ägypten 1960, Sudan 1960 (ein Konzert von Louis Armstrong), Kongo (1960), Iran (1979, dem Jahr der Revolution), Äthiopien und Tansania (möglicherweise auch 1960, der Autor nimmt es mit den Jahresangaben nicht genau), Algerien (1965), Senegal (1963). Sofern ein Zusammenhang zwischen der jeweiligen Reise und dem Geschehen in den Büchern Herodots, über die der Autor jeweils schreibt, besteht, wird er mir nur selten klar.
Kapuściński sieht sich in gewisser Weise in der Nachfolge Herodots, als eine Art Kollege des verehrten Historikers. Er ist ein guter Beobachter und beschreibt die überwiegend alltäglichen Ereignisse (alltäglich für den jeweiligen Ort zur damaligen Zeit), die ihm begegnen, lebendig und packend. Sein Stil (und/oder der seines Übersetzers) ist gut lesbar. Häufig geht es mir mit Kapuściński wie ihm mit Herodot: ich wünsche mir mehr Informationen, konkretere Angaben, allein schon einen Hinweis darauf, wie sich der Autor in den verschiedenen Ländern verständigte (nur gelegentlich werden Dolmetscher erwähnt - hat der Autor inzwischen weitere Sprachen gelernt?). Zurück bleibt das ungute Gefühl, dass es wohl zu keiner „systematischen“ Berichterstattung des Autors kam, dass vieles, was von ihm erfasst und weitergeleitet wurde, vom Zufall abhing. Inwieweit ist sein Kommentar zu Dar es Salaam (Tansania) bezeichnend: „Doch in diesem fernen, provinziellen Ort passierte nicht viel, und um überhaupt irgendwelche Informationen aufzutreiben, arbeiteten wir [Kollegen verschiedener Agenturen oder Redaktionen] deshalb alle zusammen, statt miteinander zu konkurrieren.“? War das in den 1960er Jahren so üblich?
Wie erwähnt weckte das Buch auf Anhieb mein Interesse an Herodot (grundsätzlich interessiert mich eher die Geschichte ab der Zeitenwende) aber nicht an Kapuściński und seinen sonstigen Veröffentlichungen - das ist auch beim Wiederlesen so geblieben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Genuss!, 2. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
Dies war für mich das erste Buch dieses polnischen Autors - und auch die erste Erfahrung mit Herodot seit der Schulzeit (und da wurde er nur periphär erwähnt) - Kapuscinski gelingt es, dem neuzeitlichen Leser einen Autor der Antike so lebendig nahezubringen als handle es sich bei den Berichten um tagesaktuelle Geschehnisse. Sehr empfehlenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Halt ein Kapuscinski ..., 19. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
Warmherzig, schlüssig, spannend, lehrreich, unterhaltsam. Dabei nie den Zeigefinger erhebend oder gar belehrend überheblich. Ein Genuss. Gäbe es solche Schulbücher, müßte man sich keine Sorge über mangelndes Geschichtsinteresse von Schülern machen...
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5.0 von 5 Sternen Zweieinhalbtausend Jahre liegen zwischen......., 4. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
.......dem ersten Reporter der Menschheitsgeschichte, Herodot, und Ryszard Kapschinsky.

In Frau Professor Biezunska-Malowist Vorlesungen tauchten die Studenten zweimal wöchentlich in Herodots Welt ein während des ersten Jahres Geschichtsstudium an der Universität Warschau. Die einzige Möglichkeit zu erinnern war die Mitschrift, die Notizen. In Buchform gab es die Historien in jener Nachkriegszeit nicht.

Nach seinem Studienabschluss wurde der Autor Reporter der Zeitung "Szendar Mlodych" (Jugendfahne) wo er micht ausschliesslich vom Reisen träumt sondern vom Überschreiten von Grenzen, der Grenzen von Ländern, Raum und Zeit. Bis ihm eines Tages die Chefin mitteilt "Du fährst nach Indien" und dann ein Buch aus ihrem Schrank holt das sie ihm als Reiselektüre schenkt" Herodot - Historien".

Um den abgedroschenen Intrigen der Politik, Hunger und Not in der Welt, zu entkommen begibt sich der Autor auf diese verlockende Reise in die Vergangenheit, von der Unterwerfung Kleinasiens bis zur Vernichtung der persischen Flotte. Herodot muss ein fragender Mensch gewesen sein, ein, nirgendwo wirklich zuhause, eine ihm verwandte Seele. Er ekennt die Vielfalt unserer Welten. Zuweilen ist er also gleich zwiefach unterwegs, auf Recherche für seine aktuelle Berichterstattung und in den Tiefen von Herodots Vergangenheiten in "Historien und Erzählungen". Auch er ein von Wissensdurst getriebener Suchender unterwegs seine Grenzen auszuloten.

Als Lektüre wärmstens empfohlen
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anrührend und intensiv, 22. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
Ein ganz und gar wunderbares Buch: Einer des besten Reporter weltweit beschreibt seine anhaltende faszination für Herodot - und tu das, indem er Geschichten aus seinem eigenen Reporterleben mit denen von Herodots Reisen zusammenwebt. Meisterhaft! Eines des besten Reise- und Welterklärungsbücher, die es gibt!
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22 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gehört unter Artenschutz gestellt ..., 23. Februar 2006
Von 
FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Meine Reisen mit Herodot (Gebundene Ausgabe)
Von Herodot erzählt Ryszard Kapuscinski, beziehungsweise von Frau Professor Biezuiska-Malowist, die in Warschau an der Fakultät für Geschichte vor gänzlich unbelesenen und ungebildeten jungen Studentinnen und Studenten aus entlegenen Dörfern und kleinen Städten sich im Jahre 1951 abmühte, Interesse an einer kultivierten Form des Aufschreibens zu wecken. Für mich war das im altsprachlichen Gymnasium zu Arnsberg 1958 damals der Griechisch-Lehrer "Bimbo" Becker, der wie eine tägliche Meditationsübung Thukydides und Herodot, Tacitus und Vergil vorlegte und streng auf korrekte Übersetzung achtete. Später, beim Studium in Münster 1968, wirkten auf mich der Germanistik-Professor Ter-Nedden (mit seinem Seminar "Aufschreibung in Trient") und die Soziologie Dozentin Abu-Khalil (mit ihrem Seminar "Leitbilder des gegenwärtigen deutschen Familienlebens" - es war sehr interessant, dies aus indischer Perspektive in meinen kleinstädtischen Horizont hineingebeamt zu bekommen). Der Pole Ryszard Kapuscinski war trotz ihn umgebender kommunistischer Enge (man denke an die Leiden des Stanislaw Jerzy Lec oder an die aufstöhnenden Erinnerungen des Roman Polanski) - Kapuscinski war - vielleicht vergleichbar unserem Marcel Reich-Ranicki - offen und wissensdurstig und lernte damals viel Wichtigeres als nur Fakten: Er übernahm einen Stil des Aufnehmens, Wahrnehmens, Wiedergebens. Unser Talk-Show-King und Arabien- und Indochina-Kenner Peter Scholl-Latour fühlte sich von Tacitus beeindruckt, auch vom Tonfall des Montaigne. Ryszard Kapuscinski ist seine direkte polnische Entsprechung. Nein. Eigentlich nicht. Er jagt nicht wie ein Hans Dampf in allen Gassen von Talkshow zu Talkshow, von TV-Station zu TV-Station - er zieht die "My home is my castle-Atmosphäre" des konzentrierten, schriftstellerischen Aufbereitens der Medienhektik vor. "Wenn man die Menschen doch lehrte, WIE sie denken sollen, und nicht ewighin, WAS sie denken sollen!" hatte der am Zeitgenossen KANT sich orientierende Georg Christoph Lichtenberg einst notiert. Und erst recht in den Zeiten des Kulturkampfes zwischen den Kontinenten tut es einmal sehr gut, sich in die Zeilen eines Menschen zu vertiefen, der noch Ruhe und Lebensstil genug besaß, geduldig andere Kontinente zu bereisen und zu befragen - und anschließend ohne Theatralik das Begriffene nur optimal niederzuschreiben. Aus der Arbeit des Ryszard Kapuscinski ziehen wir nicht nur interessante Informationen - es sind auch Nachrichten aus einem Lebensstil, der unter Artenschutz gestellt werden müsste wie manch aussterbende Tierart.
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Meine Reisen mit Herodot
Meine Reisen mit Herodot von Martin Pollack (Gebundene Ausgabe - 2005)
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