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5.0 von 5 Sternen Unterhaltsamer Streifzug durch die Welt der Theorien.
Alle reden darüber, möglichst verklausuliert und mit dem notwendigen Gestus des Herrschaftswissens. Theorien der Humanwissenschaft drücken unterschiedliche Herangehensweisen und Analysen von Problemen aus, sie sind so vielfältig wie Forscher kreativ sind. Zu philosophieren ist heute in die Medien gewandert, wenige kennen noch die Diskussionen über...
Veröffentlicht am 24. September 2010 von Happyx

versus
6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ganz knapp...
Hier zu finden: Polemiken gegen Leute, Theorien und Strömungen, die der Autor nicht so gut, Apologien für solche, die er zu gut kennt.
Beispiel: Derrida wird entschuldigt dafür, dass "manche Anhänger" hauptsächlich Geschwurbeltes produzieren (klar, was aber mit zB Limited Inc? Aber das ist als Sprechakt ja nur ironisch gemeint, ne?),...
Vor 21 Monaten von johnny veröffentlicht


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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsamer Streifzug durch die Welt der Theorien., 24. September 2010
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Alle reden darüber, möglichst verklausuliert und mit dem notwendigen Gestus des Herrschaftswissens. Theorien der Humanwissenschaft drücken unterschiedliche Herangehensweisen und Analysen von Problemen aus, sie sind so vielfältig wie Forscher kreativ sind. Zu philosophieren ist heute in die Medien gewandert, wenige kennen noch die Diskussionen über die Kulturhegemonie wie sie in den 50-70er Jahren geführt wurden. Hauptsächlich an Universitäten.

Jochen Hörisch beschreibt zu Beginn des Buches die erstickende Atmosphäre an heutigen Universitäten: "Es gibt wenig Instituionen, die intern so sandkasten-psychologisch, so kindlich-narzistisch, so überbürokratisch, so argumentationsimmun, so hilflos-machtzentriert, so inzenstuös, so phobisch, kurzum: so irrational organsiert sind wie deutsche Universitäten." Universitäten haben vor diesem Hintergrund die Deutungshoheit für Theorien verloren bzw. an die Medien abgegeben, die für einen immer schnelleres Drehen der Interpretationen und Sichtweisen sorgen. Die Generationen Lego und Playmobil gehen heute anders, praktischer mit Aspekten der Philosophie um, sie setzen zusammen und bauen neu, ihr Spiel ist nicht in sich so festgelegt wie der Wunsch früherer Theorien, alles wahrheitsgemäß zu betrachten und Schlussfolgerungen daraus für alle Zeiten zu ziehen.

Wenn Sie die unterschiedlichen Bewusstseins bzw. Wahrnehmungslagen von Adorno, Luhmann, Sartre, Habermas etc. kennenlernen, ja sie ggf. sogar zum ersten Mal verstehen wollen, dann sind Sie bei diesem Buch richtig. Einfach und einprägsam sind die Herleitungen, mit dem gesunden Menschenverstand und einem Schuss Humor beginnt die Lust des Verstehens.

Ein Beispiel: wer in den 50-60er Jahren etwas auf sich hielt, war Existenzialist, d.h. er war von Heidegger und Sartre geprägt. "Man schaute melancholisch, fand sich interesssant, trug Rollkragenpullover, war entschlossen, erfuhr, dass man zur Freiheit verdammt war, macht sich keine Illusionen über die Sinnlosigkeit des Lebens und engagierte sich trotzdem oder deshalb." Die Existenz geht der Essenz voraus, d.h. wir werden ungefragt geboren und in die Welt geworfen.

Theorien können auf Essenzen verdichtet und glasklar formuliert werden. Wenn Sie es nachlesen wollen, einfach zu diesem spannenden Buch greifen und für Gespräche im Bücher-Apotheken-Erste-Hilfe-Schrank vorhalten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das große Konkurrieren möglicher Welterklärung, 16. Juni 2012
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Das Desaster der zeitgenössischen Intellektuellen äußert sich augenscheinlich in dem Nicht-Stattfinden im öffentlichen Diskurs. Dort, wo sie im letzten Jahrhundert nicht wegzudenken waren, sitzen heute Sprechblasenproduzenten, deren theoretisches Fundament weit hinter dem Basalen zurück bleibt. Bevor man zu ergründen sucht, wieso das so ist, bietet sich eine andere Methode an, der der Mannheimer Wissenschaftler Jochen Hörisch nachgegangen ist. Inspiriert von Hans Magnus Enzensberger machte er sich daran, die human-wissenschaftlichen Theorien nach einem zugegeben skurrilen, bei näherem Hinsehen aber gar nicht so abwegigen Denkschema aufzulisten, was im sozialen Kokon der Universitäten an Theorien entstand.

Ausgangspunkt der Betrachtungen ist die Feststellung, dass nach dem Tod der großen, vor allem in Deutschland so verehrten philosophischen Systeme, die mit dem Anspruch daher kamen, alles zu erklären, was die Welt hervorbrachte, ein Phase der Philosophiegeschichte kam, in der der Heilungsaspekt gesellschaftlicher Symptome überwog. Folgerichtig und mutig greift Hörisch zu der Metapher der Apotheke und präsentiert dieses Buch mit dem Titel Theorieapotheke. Eine Handreichung zu den human-wissenschaftlichen Studien der letzten fünfzig Jahre, einschließlich ihrer Risiken und Nebenwirkungen. Folgerichtig gibt er in sehr pointierter Weise zu jeder Theorie, die er kurz vorstellt, ein Resümee unter dem Titel Wirkungen, Risiken und Nebenwirkungen.

Und man glaubt es kaum, Hörisch kommt bei seiner Auflistung auf insgesamt 32 Theorieansätze, die er für würdig hält, näher betrachtet zu werden, weist aber gleichzeitig darauf hin, wie viele er nicht berücksichtigen konnte. Dennoch erfahren die Leserinnen und Leser etwas über die Analytische Philosophie, Derridas Dekonstruktion, Foucaults Diskurstheorie, die Hermeneutik, Watzlawicks Kommunikationstheorie, den Kritischen Rationalismus, die Frankfurter Schule und Blumenbergs Metaphorologie bis hin zu Luhmanns Systemtheorie und der Zivilisationstheorie von Norbert Elias. Kurz und prägnant und mit dem Witz des Überlebenden fasst der Autor die wesentlichen Thesen zusammen und gibt Hinweise auf die zeitgenössische wie spätere Rezeptionsgeschichte.

Es ist zu empfehlen, die einzelnen Beiträge nachzuschlagen, wenn Interesse besteht, weil eine chronologische Lektüre das hervorbringt, was Hörisch mit einem Augenzwinkern in Form eines Wittgenstein-Zitats dem Ganzen voranstellt: Die Methode des Philosophierens ist es, sich wahnsinnig zu machen, und den Wahnsinn wieder zu heilen. Um sich jedoch mit den einzelnen Theorien näher zu befassen, empfiehlt es sich wie immer, die Originaltexte zu lesen.

Was sich bei der Lektüre aufdrängt und als epistemologische Beigabe quasi genossen werden kann ist die Erkenntnis, dass die Kritikfähigkeit einer Branche existenziell abhängig ist von den kodifizierten und textlich formulierten Theoremen, von der sie ausgeht. Und rein phänomenologisch wird sehr schnell klar, dass eine große Epoche human-wissenschaftlicher und sozial-philosophischer Welterklärung im letzten Jahrhundert hinter uns liegt und wir uns derzeit in einer kritisch-spirituellen Wüste befinden. Letztere ist ein Symptom für die Implosion des Intellektuellen als gesellschaftlich relevanter Kraft. Während in dem vom Autor erfassten Zeitraum große Verwirrung über das Konkurrieren unzähliger Möglichkeiten der Welterklärung vorherrschte, wird heute zumeist leeren Blickes auf Hirnforschung oder Kybernetik verwiesen.

Das Buch ist als Utensil, welches durchaus von Nutzen sein kann, zu betrachten. Und es fördert die Inspiration auf der berühmten Meta-Ebene zu reflektieren, woher nach der Sprachverwirrung dieser Jahre das große Verstummen kam.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überblickswerk mit ausschließlich positiven Nebenwirkungen, 9. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ist immer so eine Sache mit den "Streifzügen" und "Überblickssammlungen" und "Zusammenfassungen" von Theorien. Man kann das grundlegend ablehnen, solchen Büchern (dann aber inklusive der Metzler-Lexika zu Kulturgeschichte und -theorien) einen Stern geben und gut is'. Man kann es aber auch als gelungene Ergänzung sehen und Spaß dran haben (was im deutschen Wissenschaftsbetrieb ja eh unter Verdacht steht). Richtig ist: Kein Lexikon, keine Zusammenfassung und kein Streifzug kann die Lektüre der Originale ersetzen. Wenn man nicht bereit ist, sich den Mühen der Ebene hinzugeben und die Philosophen, Historiker, Soziologen und schließlich - last but not least - Literaten selbst zu lesen, dann hilft alles Mühen nichts. Da kommt man nicht drum herum (und sollte das als Interessierter ja auch gar nicht wollen).

Hier liegt eine alles andere als objektive "Handreichung" vor, die aber einen guten Überblick über die Theorieansätze zwischen Existenzialismus als direkte Reaktion auf den Weltkrieg bis zu den modernsten moralphilosophischen Untersuchungen eines Giorgio Agamben gibt. Hörisch, wie viele seiner Generation, ist angefixt von den französischen Ideen nach dem Existenzialismus, also dem Strukturalismus und seinen Folgeerscheinungen, bis hin zu Derridas Dekonstruktion und Butlers Gendertheorien. Das kann man ihm vorwerfen, dennoch kommen auch die Frankfurter Schule, die Hermeneutik oder die amerikanischen Denkschulen wie jene von Rawls nicht zu kurz. Es ist ein Überblick, der in den Gebieten, die der Rezensent soweit kennt, daß er sich ein Urteil anmaßen kann, gut gelingt und sich auch vor komplizierteren Sachverhalten nicht drückt (manchmal etwas arg verkürzend wird, was aber nun mal in der Natur solcher Überblicke liegt).

Hinzu kommt, daß das alles ganz süffig und auch nicht ohne Witz geschrieben ist, so daß man hier nicht nur schelle Information zur weitergehenden Eigenrecherche findet, sondern durchaus auch Anlaß, einfach zu schmökern. Und dabei bekommt man sicher den einen oder anderen Anreiz, sich auch in Gebiete zu wagen und sich dort unzuschauen, die man noch nicht so kennt oder denen gegenüber es Berührungsängste gab.

Es lohnt sich!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das kleinste-größte Lexikon der Welt, 30. Mai 2011
Wer zur Apotheke geht, scheint in der Regel ein gesundheitliches Problem zu haben. Zumindest, einige Symptome wollen gelindert werden, der Schmerz soll nachlassen und manchmal ist es auch akut. Doch auch von eingebildeten Kranken und hypochondrischen Patienten hat man schon gehört.

Jochen Hörischs Theorie-Apotheke leistet nun für alle Problemfälle umfassende Beihilfe zu einer gelingenden Therapie, denn es ist in der Tat so, dass die Angebote der Weltdeutungen und -erklärungen unübersichtlich geworden sind und die generelle Diagnose mindestens "Theorie-Dschungel" lautet.
Was wollen all die Autoren und Schulen, die in den Akademien Fuß gefasst haben sagen? Was unterscheidet sie und wie erkläre ich das auch noch meinen interessierten aber nicht studierten Mitbürgern?

Mit dermaßen viel selbstbewusstem Charme und Esprit erklärt Jochen Hörisch all das komplexe und diffuse Gerede, was in der Uni manchmal unbegreifbar schien, so dass man sich nur brav bedanken kann. Absolut geerdet werden die wichtigsten Ansätze des letzten Jahrhunderts dargestellt. Kein Pathos, dafür aber Begeisterung und Empathie. Ebenso wird auf das für ihn Wesentliche verkürzt. Frankfurter Schule, Diskursanalyse, Kommunikative Vernunft, Poststrukturalismus, Seinslehre, Phänomenologie, Existentialismus und noch vieles mehr werden hier für wenig Geld sehr solide und pfiffig abgehandelt
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ganz knapp..., 17. Juni 2013
Hier zu finden: Polemiken gegen Leute, Theorien und Strömungen, die der Autor nicht so gut, Apologien für solche, die er zu gut kennt.
Beispiel: Derrida wird entschuldigt dafür, dass "manche Anhänger" hauptsächlich Geschwurbeltes produzieren (klar, was aber mit zB Limited Inc? Aber das ist als Sprechakt ja nur ironisch gemeint, ne?), während aus der analytischen Philosophie ja nix mehr werden kann, weil Hörisch einen Satz Wittgensteins nicht verstanden hat, weswegen diese (1.) unheilbar mystisch ist (wie mystisch dieses Argument...) und (2.) alle Vertreter hauptsächlich schreien, weil sie über so vieles einfach nicht mehr sprechen können.
Ich würd's mir nicht kaufen, wenn ich's nicht schon hätte...
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Linker Hitzkopp arbeitet sich gern an Feindbildern ab, 10. November 2014
Der Autor ist Propagandist der Frankfurter Schule. Er betreibt Werbung für den unsäglichen Gedankenschmutzfinken Adorno, die pornografische Postmoderne und Spielarten eines merkwürdigen Dekonstruktivismus. Den "nüchternen" kritischen Rationalismus und seine Vertreter behandelt er dagegen wie "braune Feinde". Viele interessante Strömungen werden komplett ignoriert, weil Hörisch offenbar mit ihnen nichts anfangen kann. Die angebliche Apotheke ist in Wirklichkeit also ein Naschladen der Frankfurter Schule.
Wohl bekomm's.
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11 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Rausgeschmissenes Geld, 15. Juni 2011
Dieses flüssig zu lesende Buch krankt an den allzu deutlich werdenden Vorlieben seines Autors für bestimmte Denkrichtungen (bzw. der Abneigung gegen andere). Adorno und Foucault, Postmoderne und Dekonstruktion haben seine erklärte Sympathie, Analytische Philosophie und Kritischer Rationalismus mag er eher nicht. Hörisch beschreibt eine Vorlesung des Psychoanalytikers Lacan, an der er selbst teilnahm, und es wird deutlich, wie sehr ihn die ganze Atmosphäre, die hübschen Frauen, die den Meister begleiteten usw., beeindruckt hat. An Vertretern der Analytischen Philosophie findet er besonders deren angeblich heftige Reaktionen auf Kritik interessant.

Erstaunlich ist, dass in einem Buch über Humanwissenschaften aus dem Jahr 2011 Naturwissenschaft praktisch nicht vorkommt (lediglich die Neurologie wird am Rande gestreift), Evolutionärer Psychiologie wird z.B. nirgends erwähnt, dabei sind grade aus dieser Richtung in den letzten Jahren interessante Aufschlüsse grade für die traditionellen Geistes (=Human)wissenschaften gekommen.

Als Überblick über den aktuellen Stand der Diskussion humanwissenschaftlicher Themen ist dieses Buch daher eher wenig geeignet.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Elfenbeinturm blasierter Sprache, 7. Januar 2012
Von 
Walter "Walter" (Buxtehude, Baden-Württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Wir werden uns niemals verstehen, wenn wir es nicht schaffen, die Sprache auf 7 Wörter zu reduzieren", heißt es in einem Zitat von Kahlil Gibran. Da die Sprache als ein generell missverständliches Werkzeug begriffen wird, gerade weil wir Begrifflichkeiten nach (Be-)Deutungen bemessen, die individuell sozialisiert und geprägt sind, wäre es an der Zeit, Klartext zu schreiben, -- zumal die Geisteswissenschaft sich sonst die Chance nimmt, Theorien und humanwissenschaftliche Einsichten überhaupt in allgemein-theoretische Erkenntnisse überführen zu können. Und das in einer Zeit, in der Wirtschaft und Gesellschaft meinen, ohne kulturellen oder moralischen Nährboden auskommen zu können, und fremde Kulturen innerhalb des "globalen Dorfes" zunehmend Gefahr laufen, vehement miteinander zu kollidieren.

Wozu wäre also ein solches Buch gut, wenn es nicht tatsächlich eine Handreichung dieser Theorien an den unbedarften Leser darstellte und verstünde, beschriebene Ideen in die Köpfe der Allgemeinheit (oder besser noch in die Köpfe der Entscheider dieser Gesellschaften) nach und nach einsickern zu lassen. In seiner Einleitung stellt der Autor fest, dass humanwissenschaftliche Theorien und Ideologien sich immer mehr ergänzen, die Grenzen dieser Theorien sich aber verwässern bzw. auflösen; er appelliert jedoch an die Notwendigkeit, sich aus kulturhistorischen Gründen mit den Eckpfeilern dieses Wissens zu beschäftigen, da sie nach wie vor Grundlage unseres gesellschaftlichen Denkens sind. (Dieser Punkt geht eindeutig an den Autor.) In einer Art Kompendium werden nachfolgend die wichtigsten Theorien beschrieben, jedoch in der verqueren Sprache der Philosophie belassen oder in stark komprimierten Essenzen verabreicht.

Das Konzept des Buches scheitert so an der wohlgemeinten Absicht. Es bleibt ein Buch für den studentischen Fachbereich. Die Sprache verhaftet in der wissenschaftlichen Abgrenzung. Die Bereiche, bei denen mir schon ein gewisses Vorwissen zu eigen war (z.B. Medientheorie), erschienen mir aufgrund des zu stark gerafften Inhaltes tendenziell als zu oberflächlich bzw. nicht ganz verständlich, da sich manche Theorie erst in einem umherschweifenden, ausgreifenden Reflektieren erschließt, und letztlich nur in ihrem Ganzen Zugang zum Leser findet. Authentisch erschienen mir Einleitung und Nachwort des Buches; der Inhalt jedoch gleicht einem amputierten, zusammengesetzten Zitatenwerk ohne gedankliche Übersetzungsleistung. Meine Kritik wäre die eines Lesers, der sich mit philosophischen Werken schon aus Zeiten des Studiums aber auch aus Freude an der Materie beschäftigte; die meisten Erkenntnisse fielen mir beispielsweise aus den Werken eines Neil Postmans, Norbert Elias, Peter Sloterdijks, Richard David Prechts oder eines Reinhard K. Sprengers etc. zu, die es gleichsam und annähernd verstanden, den sperrigen Wissenschaftscode ohne Qualitätsabstriche abzuräumen, zum Wohle eines allgemeinen Erkenntnisgewinns. Die Tore des Wissens stehen in Zeiten des Internets offen. Die Übersetzungsleistungen in Umgangsdeutsch stehen aber noch in großen Teilen aus oder werden undurchlässig gehalten. ("Wasser, Wasser, überall, aber kein Tropfen zu trinken." Samuel Taylor Coleridge.) Wie wir aus Information Wissen, aus Wissen Erkenntnis, und aus Erkenntnis Erfahrung gewinnen, wäre doch schon genug an abzuleistender Arbeit; humanwissenschaftlich-philosophische Bücher sind ohne Filter besser und notwendiger, weil dadurch fachübergreifend Nutzen gezogen werden kann. Gegen ein Kompendium ist nichts zu sagen. Wer aber versteht, tiefgründig zu denken, kann es auch einfacher sagen.
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18 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kaufen!!!!!!!!!!!!!!!!!, 17. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Theorie-Apotheke: Eine Handreichung zu den humanwissenschaftlichen Theorien der letzten fünfzig Jahre, einschließlich ihrer Risiken und Nebenwirkungen (Gebundene Ausgabe)
wirklich wirklich wirklich richtig gutes Buch mit reichlich Witz und Charme, schöne große Übersicht mit allen Themen die Sozialwissenschaftler, Philosophen, Politikwissenschaftler..., über Jahre gequält haben, immer mit Happy End; man wünscht diesem Buch viele Leser
Danke: schönes Buch
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8 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Best Off Hörisch - Potpourri aus Gräzistik und Dada, 30. April 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mit diesem Blockbuster - angeblich von Enzensberger inspiriert - hätte Hörisch in die "Andere Bibliothek" eingehen müssen, wäre sie nicht 2004 beendet worden. Zumal J.H. hier ja offensichtlich nicht "am schlimmsten Fall, dem Geldverdienen", interessiert gewesen zu sein scheint. Sonst wäre der wertige Text allein schon angemessener gebunden worden.

Der Autor versucht sich hier - recht originell - vermittels "problematischem Sprachgebrauchs" als Philosoph zu profilieren. Dabei kann er nicht immer stolperfrei die von Hauptkampfrichtern, wie Wittgenstein, recht hoch gehängten Hürden nehmen. Aber wer kann das schon? Das macht obendrein den Charme des Autors und dieses Buches aus. Gleichermaßen beeindrucken mich die Tatsachen, dass

* der Autor viele Zeit- und Artgenossen sehr respektierlich behandelt und er sich z.B. deutlich hinter dem "genuinen" Sloterdijk in die Schlange derer einreiht, die da statt nach Erlösen nach Erlösung (durch die Lemuren natürlich) streben. Noch beeindruckender ist, dass Hörisch sich nicht selbst in sein "Namensregister" einschrieb. Der Umstand wiederum, dass Personen wie Victor Klemperer von J.H. dort weder gelistet, noch gebraucht werden, Adorno & Co. "und also" deutlich überbewertet sind, zieht den Autor aus dem Olymp zurück, wieder mitten unter uns geistige Pariah.

* hier die Majestät Karl Marx offen anerkannt wird und dieser bei J.H. nicht - wie bei zu Vielen unter uns - nur als Masturbationskatalysator Verwendung findet. Zusätzlich anerkennt Hörisch schmerzfrei, dass Marx genauso wenig "Marxist" war wie Nietzsche ein Nazi oder Jesus ein Kinderschänder. Auch wird nun klar ersichtlich, warum die "Gauck-Behörde" nicht seit 1949, sondern "a priori" erst ab 1991 "statt haben kann". Gauck war 1949 einfach noch nicht reif genug für diese Aufgabe! Schade finde ich auch, dass in diesem Buch nicht näher auf das Axiom eingegangen werden konnte, dass Männer niemals "huhu" rufen, sondern ausschließlich Frauen. Wer zwingt unsere Weiber nur zu solchem Tun, der Feminismus?

Es gibt aktuell nur wenig Kunst, die sich bereits nach dem Genuss der Ouvertüre gerechnet hat. Hörisch's Buch hat sich schon nach seinem "Vorwort" amortisiert, noch ehe der Vorhang eigentlich aufgeht.

All denen, die ein "gutes Buch" gern mit einem "guten Tropfen" verbinden, sei gesagt, Hörisch hat hier weder eine Intensivstation, noch eine "Reha" vorgelegt, sondern nur eine Apotheke. Will heißen, auch "post lecture" bleibt man seines Glückes Schmied und doch könnten wieder mal "die Anderen" schuld sein an meinem Unglück.

Chapeau! Sein Tun "ist fortzusetzen" - es ist die beste Show, die mich je bekochte!
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Theorie-Apotheke: Eine Handreichung zu den humanwissenschaftlichen Theorien der letzten fünfzig Jahre, einschließlich ihrer Risiken und Nebenwirkungen
Theorie-Apotheke: Eine Handreichung zu den humanwissenschaftliche
n
von Jochen Hörisch (Gebundene Ausgabe - 2004)
Gebraucht & neu ab: EUR 19,96
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