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Der Weg nach Oxiana
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Februar 2005
Der Weg nach Oxiana ist nach wie vor fester Bestandteil der Reiseliteratur. Kein schnödes Standardwerk vom einsamen Planeten, sondern ein persönliches Dokument, ein Tagebuch, in dem der Autor seine Reise (im Jahr 1933) durch Persien bis nach Afghanistan erheiternd schildert. Sehr detailreich werden die (nach Meinung Byrons!) sehenswürdigen historisch-antiken Gebäude - oftmals nur in Form von Ruinen existent - beschrieben. Byron (eine Nachfahre des Lord) berichtet aus einer Zeit, in der Namen und Titel längst zerstäubter Herrscher und deren Paläste noch eben so zur Gegenwart gehören, wie aufkeimendes Konsumdenken und eine Modernisierung des Intellekts und Kriminalität in der Bevölkerung. Diese kommt in der Regel nicht allzugut bei seinen Aufzählungen weg, steht aber auch nicht grundsätzlich im Fokus. Byron legt das Gewicht was das angeht, in seinem Bericht auf Vorkommnisse, in denen meistens der unschlagbare Bürokratismus der persischen Beamten oder die örtlichen Gepflogenheiten bei Geschäfteleien im Vordergrund stehen, jedoch immer politisch korrekt, charmant und ohne bloßzustellen.
Er selbst wird durch kurze, sehr vereinzelt eingestreute Passagen beschrieben (ich hab's absichtlich passiv formuliert), in denen er seine Reaktionen (meist in Form von Ärger) schildert. Dies stellt ein Bild dar, das ein derzeit üblichen kolonialen Denkens durchaus gewollt skizziert, aber den Autor keineswegs unsymphatisiert.
Aus meiner Sicht sehr erfreulich waren die sehr kurzen, schnörkellosen Kapitel, die sich oftmals auf eine halbe - aber nie mehr als drei - Seiten erstrecken und somit jederzeit ein Absetzen und angenehmens Wiederaufehmen ermöglichen. Was einen nicht daran hindert, achtzig Seiten am Stück zu lesen.
Und sollte durch politische oder andere machtgetriebenen Interessen nicht schonungslos und undifferenziert alles in Grund und Boden gebombt werden, steht auch zukünftig ein Reiseführer zur Verfügung der einen nachprüfbaren Eindruck von der monumentalen Schönheit des Landes, seiner Bauwerke und Menschen zeichnet.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. August 2013
Das beste Reisebuch der Dreißiger? Bruce Chatwin huldigt ihm und seinem Autor in einem wenig informativen, aber hymnischen Vorwort meiner englischen Picador-Taschenbuchausgabe. Der große Dalrymple scheint zuzustimmen. Ein Erfolg war das Buch jedoch offenbar nicht.

Byron interessiert sich kaum für die Menschen unterwegs. Das sind alles Eseltreiber, Fahrer, bestenfalls Botschaftsangehörige. Die Bewohner eines Landstrichs nennt er pauschal "seedy mongrels". Zweimal hat er mild unfreundliche Begegnungen mit zwei unterschiedlichen Arabern und folgert: "So much for Arab charm." Dieser Byron hegt wohl nicht nur ein Faible für Architektur und Geschichte Zentralasiens, er scheint auch ein Völkerkundler von Gnaden zu sein.

Stimmt, es gibt einige pfiffige Dialoge, die Byron allerdings oft mit seiner schneidend arroganten Ironie prägt. Ansonsten lesen wir lange historische, kunsthistorische und architekturgeschichtliche Betrachtungen, Ruinenbesichtigung im Überfluss, und dann wieder resignierten Spott über das nächste verlauste Übernacht-Loch. Alkohol oder dessen Mangel thematisiert Byron auch wiederholt. Selten hatte ich Hot Country Reading, bei dem Land und Leute so wenig zu Leben kamen; seine nicht-enden-wollenden deskriptiven Absätze wirken heute noch langatmiger, da man das alles mit einem Klick in Google Streetview sieht. Andere Buchausgaben zeigen offenbar Byrons eigene Fotos, nicht so jedoch mein Picador-Taschenbuch.

Etwas lebendiger wird es im zweiten Teil, ungefähr ab Shiraz, doch immer schweben Byron und sein Begleiter distanziert über dem Geschehen, selbst wenn sie sprichwörtlich bis zu den Knien im Matsch stecken; interessant ist der ständige Wechsel der Transportmittel - Pferd, Pkw, Lkw, Esel, Zug, Fußmarsch, Boot; Flugzeuge und Kamele erscheinen nur gesprächsweise, Fahrräder und Motorräder gar nicht.

Der Ton erinnerte mich etwas an andere Engländer oder nach englischer Art Schreibende: Die vor allem im ersten Teil verächtlich rassistische Stimmung klang etwas nach Paul Theroux' Railway Bazaar; Theroux wuchs zwar in den USA auf, lebte aber vor Beginn der zugrundeliegenden Reise in England und englischen (Ex-)Kolonien, mit einer BBC-Redakteurin (seine frühesten Romane aus Afrika klingen weniger arrogant). Dann musste ich auch an Graham Greenes Journey without Maps denken, eine Westafrika-Wanderung, geschrieben fast zur selben Zeit wie Byrons Oxiana; Greene schreibt nicht sehr arrogant, aber à la Byron distanziert bis gelangweilt von den örtlichen Umständen, weit abschweifend, und Graham denkt (und nippt) auch viel an Spirituosen.

Byron ist allerdings der einzige von den Genannten, der klar tagebuchartig schreibt. Die einzelnen kurzen Absätze wirken teils zusammenhanglos, nicht immer war mir die Rolle der erwähnten Personen klar und ich fragte mich, ob hier für den Druck irgendetwas redigiert wurde (ein Absatz in "Oxiana" impliziert, dass Byron sein Reisetagebuch zwei Jahre nach der Reise an einem Schreibtisch in China für den Druck durchgesehen hat).

Das beste Reisebuch? Sogar Bruce Chatwin selbst ist besser.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Juli 2014
"Wir verteidigen die Freiheit des Westens am Hindukusch" diesen Satz hätte er eindeutig mit "Nein" beantwortet. Beide Länder sind derart treffend charakterisiert, einiges ist inzwischen besser geworden ( vor allem die Straßen und die Autos ). Das Lesen des Buches mit seiner politischen Einschätzung und Charakterisierung der Bewohner, der Politiker und ihrer Beamten hätte den westli-
chen Geheimdiensten eine Menge Fehlurteile erspart und so den Staaten viel Geld und Menschenleben. "Majoribanks" ist ein Synonym von der treffendsten Sorte. Das einzig Schlimme an dem Buch, das Schmunzeln gefriert einem auf den Lippen, wenn man an die Gegenwart denkt.
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