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4.0 von 5 Sternen Blumige, manchmal gar witzge Berichte, 12. Februar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Meine sieben Kriege. Die ersten Reportagen von den Schlachtfeldern des 19. Jahrhunderts: Meine sieben Kriege. Die Andere Bibliothek (Gebundene Ausgabe)
Sir William Howard Russel (*1821 in Dublin, +1907) ist der erste klassische Reporter von Kriegsschauzplätzen im heutigen Sinn wie wir sie aus den Fernsehbildern vom Golfkrieg nur allzu gut kennen. Er lieferte damals Berichte von Kämpfen und Schlachten, die er dann per Post an die Londoner Presse schickte. Es lag damit in seiner Hand, wie die Öffentlichkeit über die eine oder andere Kriegspartei urteilte. In seiner Macht lag es, Kriegshelden zu schaffen, Missstände aufzudecken oder einfach nüchtern über das Alltagsgeschehen der Soldaten zu informieren. Seine Prosaschreibweise vermittelt ein sehr lebendiges, blumiges, wenn nicht gar manchmal witziges Bild vom Geschehen. Groß war auch der Wissensdurst der gewöhnlichen Leute, vom Kriegsgeschehen laufend informiert zu werden. Genau das erkannte die Londoner Times richtig und entsandte mit Russel einen Sonderkorrespondenten auf die Krim-Halbinsel; für die damalige Zeit eine Sensation. Doch die Zeit der „flotten Kavallerieattacken" war längst vorbei und erfuhr die Öffentlichkeit (erstmals) von den grausamen Gemetzel an der Front, die durch mechanische Waffen eine enorme Dimension erreicht hatten. Zuvor waren es stets Privileg Feldherren gewesen, von Kriesgeschehen zu berichten. Nun lag es auf einmal in der Macht eines Journalisten, einen taktischen Fehler eines Generals aufzudecken und ihn vor der Öffentlichkeit bloßzustellen. Doch Russel war von der Gunst der Befehlshaber auch abhängig, am Geschehen teilhaben zu dürfen, was ihm anfangs kein Leichtes war. Sein Charisma, die zunehmende Popularität (Russel wurde schließlich 1895 geadelt) und der vorhin erwähnten Macht des Urteilens ließ ihn rasch zum geachteten tagtäglichen Begleiter der militärischen Führung werden. So wurde er zum Beispiel bei seiner Ankunft in Wien 1866 mit einer derartigen Euphorie empfangen, als würde er zum Wohle der K. u. K. Armee seine Berichte schreiben. Russel sah sich aber selbst stets als neutraler Berichterstatter; seine Berichte sind demzufolge auch von großer Fairness gekennzeichnet.
Der Buchtitel bezieht sich auf Russels Berichten von „seinen sieben" miterlebten Kriegsgeschehnissen im neunzehnten Jahrhundert. Der Krimkrieg 1854-1856 war sein erster Ort der Berichterstattung. Da das englische Königreich seine Landverbindung nach Indien gefährdet sah, kam es zu diesem Konflikt auf der Krim. Einer Allianz von Frankreich, den Türken (damals Osmanisches Reich) und eben den Engländern standen die zahlenmäßig weit überlegenen Russen gegenüber, die ihrerseits die eigenen Expansionsbestrebungen in der Region behindert sahen. Russels Meinung von den englischen Befehlshaben war nicht allzu hoch, doch wusste er während der ganzen Zeit genau zu differenzieren.
1857 wurde Russel zum indischen Aufstand entsandt. Indische Gefolgsleute waren um ihren sozialen Abstieg besorgt; das Gerücht die neuen Patronen seien mit Rinder- und Schweinetalg eingefettet sorgte schließlich für die Eskalation der Lage. Russel berichtete von den hartnäckigen Kämpfen mit den Aufständischen. Er war dabei überascht von der Sichtweise der britischen Landsleute, die in den indischen Bevölkerung lediglich Sklaven sah.
1861-1862 berichtete Russel vom Amerikanischen Bürgerkrieg. Er schrieb sowohl aus der Sicht der Nordstaaten wie auch aus dem Lager der Südstaaten. Nicht zuletzt deshalb widerfuhr Russel in Amerika durchwegs starke Ablehnung, obwohl es sogar zu einem Treffen mit Abraham Lincoln kam.
Die für einen Österreicher sicher interessanteste Berichterstattung analysiert die bedeutsame Schlacht bei Königgrätz 1866, die die kleindeutsche Lösung als endgültig besiegelte. Die Schlacht an diesem verregneten Tag hätte nach Russels Meinung durchaus anders - durch ihre Rückzugsmöglichkeiten gar mit einem Desaster der preußischen Armee - enden können, wenn der K. u. K. General Benedek seine 200 000 Mann starke Armee taktisch besser geführt hätte. Die anfängliche Offensive und Gewinne der Österreicher halfen gegen das technisch weit überlegene Zündnadelgewehr der Preußen nichts. Die bei weitem größte Schlacht der damaligen Zeit war zu Ungunsten Österreichs geschlagen.
Russel wurde wegen seines großen Ansehens von Londoner Zeitungen noch zu den Konflikten in Frankreich (mit Deutschland 1870-71), Südafrika (Zulukrieg 1879) und Ägypten (Unruhen 1882) entsandt.
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