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am 25. November 2006
Im Jahre 1979 sorgte eine von zahlreichen Neuerscheinungen an Erinnerungsliteratur für Aufsehen: Filip Müllers bewegender Bericht „Sonderbehandlung“ war die erste in Deutschland veröffentlichte Erinnerungsschrift eines Augenzeugen, der die Massenvernichtung in den Krematorien und Gaskammern in Auschwitz- Birkenau als Häftling des jüdischen Sonderkommandos tagtäglich miterlebt hat. Es handelt sich dabei um den ersten und einzigen Bericht eines überlebenden ehemaligen Sonderkommando- Häftlings, der die Ereignisse über einen Zeitraum von 32 Monaten bezeugt und beschrieben hat. Müllers ergreifender Bericht setzt an, wo andere zwangsläufig enden: auf den Krematoriumshöfen, in den Entkleidungsräumen, in den Gaskammern, an den Erschießungsstätten, in den Verbrennungsräumen und –gruben, also in den „Todeszonen“, die unter den Häftlingen nur für die euphemistisch als „Sonderkommando“ bezeichneten Geheimnisträger voll einsehbar waren.

Filip Müller wurde 1922 im slowakischen Sered an der Waag geboren und Mitte April 1942 mit dem fünften RSHA- Transport und dem ersten Transport mit jüdischen Männern aus der Slowakei, in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Von seinem 1000 Menschen zählenden Transport überlebten schätzungsweise nur 10 Menschen das Kriegsende. Isoliert von Häftlingen anderer Arbeitskommandos musste er insgesamt 20 Monate lang das nahezu tägliche Grauen systematischen Mordens miterleben und zählt zu den wenigen überlebenden Augenzeugen aus den Auschwitzer Krematorien. Seine Überlebensgeschichte ist umso erstaunlicher, als er letztlich zwei Einweisungen in das Sonderkommando und alle Selektionen, die zu seiner Zeit in diesem Todeskommando stattfanden, überlebte. Müller entkam dem Krematoriumskommando im Stammlager Auschwitz nach einem Monat, wurde ein Jahr später in Birkenau wiedererkannt und dort als Heizer in das Sonderkommando eingewiesen. Unter den etwa insgesamt 110 Überlebenden der schätzungsweise 2200 jüdischen Sonderkommando-Häftlinge ist Müller einer von vermutlich nur fünf ehemaligen Häftlingen, die bereits im Juni 1942 im Krematoriumskommando arbeiten mussten. Er zählte durch seine Tätigkeit im alten Krematorium zu den Dienstältesten und hatte unter seinen Mitgefangenen auch wegen seiner niedrigen Häftlingsnummer ein dementsprechendes Ansehen.

Müller brauchte 15 Jahre für die Abfassung seiner außergewöhnlichen Erinnerungen und arbeitete insgesamt sieben Jahre intensiv an der deutschen Fassung. 34 Jahre nach seiner Befreiung wurde seine autobiographische Erinnerungsschrift erstmals in Deutschland veröffentlicht.

In seiner klaren und einfachen, fast nüchternen Sprache entsteht ein schonungsloses Protokoll der hinterhältigen Massenvernichtung. Das Unvorstellbare nimmt immer mehr Gestalt an und vermittelt dem Leser eine Innenansicht aus dem „Herzen der Hölle“. Die förmliche Distanz und flüssige Diktion machen das Beschriebene umso entsetzlicher und das Unfassliche besonders eindringlich. Die Todesfabrik rationalisierte das Töten und transformierte es in Arbeit, die Sachlichkeit und Sorgfalt erforderte. Der reibungslose Ablauf der Morde musste gewährleistet werden, die Massenvernichtung war Fließbandarbeit. Müllers Darstellungsablauf orientiert sich demnach an den zeitlich aufeinander abgestimmten Stationen der Mordaktionen, welche arbeitsteilig organisiert waren. Detailliert beschreibt er alle Stationen chronologisch. Die „Sonderbehandlung“ liest sich als arbeitsteiliger Vorgang. Sein Bericht steht in diesem Sinne in der Tradition der geheimen Schriften der sogenannten Chronisten des Sonderkommandos und folgt ihnen zum Teil auch inhaltlich. Doch im Unterschied zu den Autoren der Handschriften berichtet er überwiegend fast leidenschaftslos, ohne Hassgefühle, Anklage und Kommentierung. Sachlich, ohne Wertungen beschreibt er das tägliche Geschehen in den Gaskammern und die gesamte Vernichtungsprozedur, mit der innerhalb von 24 Stunden im Sommer 1944 bis zu 12.000 Menschen ermordet und eingeäschert werden konnten.

Die mit der Zeit immer weiter verfeinerten Methoden der SS, ihre Aufgaben möglichst effektiv und spurlos zu erfüllen sowie die zunehmende Perfektionierung der Vernichtungseinrichtungen, schildert Müller erstmals ebenso detailliert wie auch die verzweifelten Versuche der Sonderkommando-Häftlinge, zu überleben, ausweglose Fluchtversuche zu unternehmen oder sich in einem Akt der Auflehnung der widerstandslosen Liquidierung zu widersetzen. Müllers Darstellung des Aufstands- Ablaufs ist neu, aber überzeugend, im Hinblick auf die Tatsache, dass er ein Mitglied der Widerstandsbewegung war und sogar Lagerflüchtlinge mit Beweismaterial und Geheiminformationen versorgte. Damit soll dem Leser letzte Gewissheit über ein Geschehen vermittelt werden, das so detailliert und prägnant noch nicht beschrieben wurde. „Sonderbehandlung“ enthält nicht nur zahlreiche bisher unbekannte Informationen über das Inferno der Massenvernichtung. Dieser Bericht schildert Grenzsituationen menschlichen Verhaltens überhaupt. In konkreten aufeinanderfolgenden Erlebnissen wird ein überwältigendes Inferno von Erniedrigung, Leiden, Schikanen, Massenmord, Einzeltötungen und Freitod und blutigen Niederschlagungen von Aufruhr dargestellt.

„Sonderbehandlung“ ist somit einer der wenigen Erinnerungsberichte, der das Grauen des Massenmords an den europäischen Juden so eindringlich vor Augen führt. In der Art und Weise wie die Erlebnisse des Protagonisten dargestellt werden, erhält der Leser aber nicht nur einen Einblick in das nationalsozialistische Vernichtungssystem, sondern auch in die Psyche der darin schicksalshaft verstrickten Häftlinge. Zum Wissen über die Todesfabrik tritt das Nachdenken über Auschwitz. Der Bericht liefert keine großen Erklärungen und Reflektionen über die Hintergründe nationalsozialistischer Judenpolitik, er regt den Leser stattdessen an, sich eigenständig mit der Thematik auseinander zu setzen und sich mit den fehlenden Aspekten der Darstellung zu beschäftigen: der Vorgeschichte aber auch dem Leben nach und vor allem mit dem Überleben. Genau dies nämlich lässt Müllers Bericht bewusst aus: wer außer ihm noch überlebt hat, was aus den Überlebenden geworden ist. Denn dies gehört in eine andere Welt, aber nicht in die Welt - in Filip Müllers Welt - der „Sonderbehandlung“.
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am 22. April 2008
Das Werk von Filip Müller ist in seiner Art einzigartig. Ein Werk das die Tätigkeit und das Leben, wenn man das so nennen darf, der Häftlinge des Sonderkommandos, auf eine schaurige aber auch gleichzeitig ehrliche Weise darstellt. Filip Müller ist im April 1942 nach Auschwitz deportiert wurden und kam bereits einen Monat später zu den Häftlingen des Sonderkommandos. Sein Schreibstil ist nüchtern, man könnte fast sagen das er das geschehene in einer "Störischen Ruhe" dem Leser vermittelt. Trotz allem verschönert er nichts, lässt nichts aus. Er berichtet nicht nur über die Greueltaten der SS, nein, er beschreibt auch genau wie die Opfer von der SS buchstäbich hintergangen wurden sind, mit welchen Tricks sie "Seelenruhig" in die Gaskammer getrieben wurden. Auch wie die Häftlinge des Sonderkommandos versucht haben die Opfer des Familienlagers aus Theresienstadt zu warnen bleibt nicht unerwähnt. Auch der einstige Plan des Aufstandes der Sonderkommando - Häftlinge wird genaustens beschrieben. Filip Müller möchte im Sommer 1944 bei der Aktion, wo die Ungarischen Juden vernichtet werden, am liebsten alles hinschmeissen - ja, er schleicht sich sogar, von der SS unbemerkt, mit in die Gaskammer, wird dort aber von den Totgeweihten zurückgewiesen. Diese bitten nur darum das es jemanden geben muss der der Nachwelt die Wahrheit sagt - und das öffnet Filip Müller die Augen. Kurz vor der befreiung von Auschwitz, im Januar 1945, wird Filip Müller nach Mauthausen deportiert. Doch die Tage zuvor springt er des öfteren dem Tode sehr knapp von der Schippe, den die SS setzt nun daran alle Mitwisser zu Töten. Auch in Mauthusen entgeht er knapp dem Tod, seine letztendliche Befreiung erlebt Filip Müller nur noch im Stadium eines Muselmannes, vollkommen erschöpft und gleichgültig.
Ein Grandioses Werk !!!
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