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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auftakt zum Ende, 7. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Echolot, Tl.2, Fuga furiosa, 12.1.-14.2.45 (Gebundene Ausgabe)
Tief ist die Aschengrube der Vergangenheit; sollte man sie nicht unendlich nennen? Walter Kempowskis "Echolot 1945" führt dem Leser, gleich einem Sonarbericht, das gesammelte Stimmenprotokoll von Menschen vor, die diese 4 Wochen zu Beginn 1945 erlebt, erlitten und somit mitgestaltet haben.
Die "Banalität des Bösen" (H. Arendt), das erschreckende Nebeneinander persönlichen, miltärischen und politischen Geschehens, das in dieser Collage vom Krieg montiert wird, bleibt als Ausdruck von Leid und Terror gerade und nur deshalb ins Gedächtnis eingebrannt, weil Kempowski allein auf die Stimmen der Vielen, und damit der Sprache, vertraut.
Fiktionalen Texten über Krieg und Gewalt bleibt immer die künstlerische Konstruktion eingeschrieben und damit auch die Möglichkeit für den Leser, seine Phantasie zum eigentlichen Schauplatz des Geschehens zu machen. Das "Echolot 1945" vertraut hingegen, wie schon 1993 das "Echolot I", nicht auf einen Erzähler, sondern auf die Vielheit der Stimmen von Briefschreibern und Protokollanten des Grauens dieser letzten Kriegsmonate. Da stehen die Aufrufe der Roten Armee zu Beginn ihrer Ostpreußenoffensive ("Tötet, tötet") neben Haßparolen deutscher Gauleiter, und ein Zug singender BDM-Mädchen begegnet (in der Montage)den sowjetischen Angriffstruppen wie auch den Todesmarschierern der Konzentrationslager und dem bei "Würstchen mit Kartoffelsalat" im festlich erleuchteten Karinhall feiernden Göring.
Das grausige Schlußkapitel bildet die über 100-seitige Chronik der Zerstörung Dresdens, erschreckend minutiös montiert wie der Flugplan der Bomberstaffeln. Der Tod aus der Luft, an der Front und in den Konzentrationslagern ist der eigentlich orchestrierende Tonsetzer dieser Collage vom Beginn des Endes des Dritten Reiches, das nie zu Ende gehen kann, weil seine Ungeheuerlichkeit allen Erklärungen trotzt und immer von neuem erzählt werden muß. Sprache und Erzählen bedingen einander, wie auch Geschichte und Erinnern. Daher ist Literatur der wahre Ort, an dem geschichtliche Erfahrung aufgehoben sein kann. Walter Kempowski zeigt sich wieder einmal als einer der zur Zeit am sichersten über die künstlerischen Mittel literarisch-sprachlicher Konstruktion verfügenden Autoren, die den Leser nichts anderem überlassen als der Sprache. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Das Echolot, Tl.2, Fuga furiosa, 12.1.-14.2.45
Das Echolot, Tl.2, Fuga furiosa, 12.1.-14.2.45 von Walter Kempowski (Gebundene Ausgabe - 1999)
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