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82 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist deutsch?
Warum dieses Buch? Jemand, der nicht weiss, wo er herkommt, kann auch nicht wissen, wo er hinwill. Er verliert die Orientierung, die Selbstgewissheit, heißt es in der Einleitung. Entsprechend machen sich die Autoren an eine Art Standortbestimmung, was Deutschland ausmacht - abseits der Definition aus dem Lexikon, dass es ein förderalistischer, freiheitlicher,...
Veröffentlicht am 30. November 2011 von Falk Müller

versus
28 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mogelpackung
560 Seiten Anderthalb Kilo. Die deutsche Seele (in Goldschrift). Auf dem Buchrücken dazu der Text: "Alles, was deutsch ist. Eine Liebeserklärung". Aufgehübscht mit vielen Farbbildern.

Vonwegen "Liebeserklärung". Dieses Buch ist eine Mogelpackung.

Eine Liebeserklärung an die deutsche Seele habe ich nicht gefunden, statt dessen...
Vor 20 Monaten von Peter Rechenberg veröffentlicht


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82 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist deutsch?, 30. November 2011
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Taschenbuch)
Warum dieses Buch? Jemand, der nicht weiss, wo er herkommt, kann auch nicht wissen, wo er hinwill. Er verliert die Orientierung, die Selbstgewissheit, heißt es in der Einleitung. Entsprechend machen sich die Autoren an eine Art Standortbestimmung, was Deutschland ausmacht - abseits der Definition aus dem Lexikon, dass es ein förderalistischer, freiheitlicher, demokratischer und sozialer Bundestaat ist.

Die Autoren nehmen sich dabei Begriffe vor, die man als typisch deutsch kennt, sich aber gleichzeitig fragen kann: warum eigentlich? Ein Beispiel: Der Strandkorb. Er schützt nicht nur vor Sonne und Wind, sondern auch vor indiskreten Blicken. Man kann sich in den Korb zurückziehen, aber auch gleichzeitig den Strand und die anderen Menschen beobachten, da man ja von vielen Strandkörben umgeben ist. Diese Möglichkeit, Teil der Masse zu sein und sich gleichzeitig zurückziehen zu können, scheint so recht nach dem Geschmack der Deutschen. So erweist sich der Strandkorb als Kronzeuge des deutschen Volkscharakters.

Die Themen im Buch sind nach Alphabet geordnet, und nicht nach Inhalten. Man kann also kreuz und quer lesen, die Autoren laden sogar dazu ein. Gut ist, dass am Ende jedes Kapitels eine Legende kommt, die auf thematisch ähnliche Kapitel im Buch verweist. So stehen bei Abendbrot etwa die verwandten Begriffe Abenstille, Bierdurst, Feierabend, Gemütlichkeit, Wurst.

Fazit: Die einzelnen Kapitel sind hinsichtlich Qualität und Quantität, also Seitenumfang sehr unterschiedlich. Manche umfassen nur 2 Seiten, andere mit eher philosophischen Themen wie Arbeitswut oder Krieg und Frieden umfassen über 10 Seiten. Auf jeden Fall ist für jeden etwas dabei und man bekommt Anregungen zum Weiterlesen. Dazu trägt auch ein Anhang mit dem schönen Namen Seelenhintergrund bei. Hier sind also Bücher genannt, die die Autoren inspirieren - und vielleicht ja auch den Leser.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Abendbrot zur Zerrissenheit, 11. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Taschenbuch)
'Dies ist ein Buch, in dem du nicht gewarnt wird vor dem Deutschen'.
Und: 'Wir machen uns keine Sorgen, dass Deutschland sich abschafft. Wir sehen nur, dass es sich herunterwirtschaftet, sein Gedächtnis verliert'.

Zwei Sätze aus dem Vorwort, die Atmosphäre und Stil des Buches durchaus zutreffend vorweg beschreiben. Die deutlich machen, dass in positiver, würdigender Weise die beiden Autoren sich jenem 'Gedächtnis' verhaften, dass in ihren Augen verloren zu gehen droht. Was dieses Land eigentlich ist, jenseits von 'lexikalischer Auskunft', von nüchternen Fakten.

Wie also stellt sie sich dar, die deutsche Seele? Der die Autoren in vielfacher Hinsicht, alphabetisch in den Themenbereichen geordnet, essayhaft nachgehen.

Abendbrot und Arbeitswut finden sich neben Bierdunst und Dauerwelle. Doktor Faust muss ja erwähnt werden, aber auch der Fußball und die Gemütlichkeit. Gründerzeiten werden betrachtet, die Neigung zum Kitsch ebenso aufgegriffen wie das Mutterkreuz, das deutsche Pfarrhaus. Aber auch der Schrebergarten findet sich neben dem Sozialstaat wieder, Winnetou hat seinen Auftritt, der Vater Rhein fließt langsam durch die Zeilen und die Wanderlust lässt ihren Tritt erschallen.

Mithin gelingt es den Autoren, eine große Breite der Darstellung aufzunehmen, von Hochkultur über gesellschaftlich prägende Epochen, von der 'deutschen Gemütlichkeit' hin zum Stammtisch, von Krieg und Frieden bis zur Landschaftsbetrachtung. Kitsch, Spießigkeit, Bürgertum, intellektuelle Weite und verengtes Leben, ganz erstaunlich ist es, diese Vielfalt zu lesen und in jedem einzelnen abschnitt Wiedererkennungserlebnisse zu erhalten. Das alles gehört tatsächlich dazu, das ist die erste Essenz der Lektüre.

Zudem gelingt es beiden Autoren tatsächlich, den positiven Grundton durchweg beizubehalten, ohne undifferenziert in Formen von Volksromantik abzugleiten.
Im Kapitel über den 'Bergfilm' findet sich so durchaus das Kritische, das Verherrlichende, das 'Riefenstahl' Syndrom, aber eben nicht als den eigentlichen Tenor des Essays. Welche Sehnsucht diese Filme zu Zeiten erfolgreich machte, welche Werte mit transportiert wurden in den einfachen Aussagen, wie der Wunsch nach Harmonie sich darin darstellt und wie es hinter den Fassaden aussieht unter den Filmschaffenden selbst, das ist schon gut und informativ zu lesen. Oder die Würdigung der 'vier Mütter des Grundgesetzes', aber auch der intelligente Blick auf die 'Verfasstheit', welche die Verfassung in den Raum zu setzen hatte lesen sich hoch interessant gerade auf der Blaupause des Nationalsozialismus. Hier räumen die Autoren durchaus auf mit dem Vorurteil, die 'deutsche Kultur ist nationalsozialistisch'.

Das Buch bildet eine gut zu lesende, fundierte, gehaltvolle und ausgewogene 'Mentalitätsgeschichte' der deutschen Kultur und bildet damit ebenso die Gegenwart mit ab. Jedes der Essays hellt dabei in sich ein stückweit auf, wie Mentalitäten entstanden sind, worin sie sich ausdrücken und wie diese das Heute der Gesellschaft in großer Vielfalt prägen.

Es steht eben Volksmusik neben Goethe, Schrebergarten neben intellektueller Weite, Kleinstaaterei und geistige Enge neben der Kulturnation, Bierdunst neben Forschungsreisen. Interessant zu lesen in dieser Form und dieser Zusammenstellung.
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68 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Angela Merkel: "[E]ine radikale Neudefinition Germanias"? (531), 1. Januar 2012
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Taschenbuch)
'Was ist des Deutschen Vaterland'? fragte Ernst Moritz Arndt vor knapp 200 Jahren und lieferte die Antwort gleich mit: 'So weit die deutsche Zunge klingt/und Gott im Himmel Lieder singt,/das soll es sein!/ das, wackrer Deutsche, nenne dein!/das nenne dein!' Auch wenn heute die Grenzen der deutschen Nation bekannterweise nicht mit den Sprachgrenzen übereinstimmen, so stellt sich doch mehr denn je die Frage, ob es in unserer postnationalen und postsäkularen Gesellschaft überhaupt noch so etwas gibt wie ein genuin Deutsches, was man mit deutscher Seele umschreiben könnte. In einer großartigen Tour de Force durch die deutsche Hoch- und Alltagskultur begeben sich Thea Dorn und Richard Wagner auf die Suche nach dem Wesen des und der Deutschen.

In 64 Essays untersuchen die Autoren von "Abendbrot" bis "Zerrissenheit" das Wesen der deutschen Kultur in den vergangenen Jahrhunderten. Dabei stellen sie gleich an mehreren Stellen klar, dass die deutsche Kultur angesichts der im 20. Jahrhundert begangenen Verbrechen keine Verteidigung benötigt, da diese Verbrechen nicht im Namen eben dieser begangenen worden sind: "Nicht die deutsche Kultur ist nationalsozialistisch, vielmehr war ihr täglicher Missbrauch das Geschäft der Nazibande" (225).

"Die deutsche Seele" beinhaltet großartige Beiträge zu so unterschiedlichen Themen wie "Abgrund" und "Fußball" und somit auch unterschiedliche Persönlichkeiten wie Nietzsche, Thomas Mann, Hölderlin und Heidegger sowie Götze, Özil und Klose. Dabei stellt Thea Dorn eine bemerkenswerte Verbindung her zwischen der Befindlichkeit der deutschen Bevölkerung und der Zusammensetzung der deutschen Nationalmannschaft: "Wir sehen die spielfreudige, multi-kulturelle, körperlich fitte Truppe, die nichts weiter will, als ihr Geld in Ruhe dort zu verdienen, wo es am meisten zu verdienen gibt, angeleitet von Männern in perfekt geschnittenen Hemden, bei denen keiner mehr zusammenzuckt, wenn sie 'Organisation mit höchschter Disziplin' als deutsche Tugend preisen" (181). Jogi und Hansi als postmoderne Repräsentanten der deutschen Seele...

Fazit: Dieses Buch ist ein Muss für alle, die sich der deutschen Kultur verbunden fühlen und an einer mit viel Witz und rhetorischer Finesse geschriebenen zeitgenössischen Annäherung an dieses Phänomen interessiert sind. Empfohlen sei auch die in der Zeit (52/2011, S. 49) erschienene Rezension von Martin Walser.
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113 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Indizienbeweis für eine "deutsche Seele", 16. November 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Taschenbuch)
Von Anfang an war ich angetan vom Konzept und Versprechen dieses schon optisch prachtvollen Buches: "Lieber Leser, sei gewarnt. Dies ist ein Buch, in dem du nicht gewarnt wirst vor dem Deutschen." Die Ergründung der deutschen Seele geschieht in alphabetischen Stichworten, mal stärker literarisch, witzig und assoziationsreich, wenn Thea Dorn am Werk ist, so in den ersten Einträgen zu "Abendrot" und "Abendstille", mal stärker sachbuchartig, wenn Richard Wagner die Feder führt, so etwa in "Grundgesetz", "Kleinstaaterei". Ein schöner Kontrast in der stilistischen Herangehensweise.

Doch geht selbst die Literatin schon vom Artikel "Abgrund" an in die Falle der literarisch viel belesenen Langatmigkeit. Weniger an Ausbreitung enzyklopädischer Kenntnisse wäre oft mehr, möglicherweise gar an wirklicher Analyse der deutschen Seele. Beim letzten Artikel "Zerrissenheit" fehlt hingegen gerade die stärkste und entscheidende Instanz zum Thema, das viel zu privat als die Zerrissenheit von Thea Dorn behandelt wird. Maßgebend wäre zweifellos Hölderlin mit seinem Brief "So kam ich unter die Deutschen", gegen Ende seines "Hyperion": "Ich kann kein Volk mir denken, das zerrissner wäre wie die Deutschen." Dieser Klops bedürfte unbedingt der Deutung in Ihrem Buch, Thea Dorn! Ich selbst hab sie in meinem Hyperion-Kommentar ("Revolution aus Geist und Liebe", 2007) versucht - und hätte von der Sache her, nicht von meinem Text her, Bestätigung oder Widerspruch erwarten dürfen. Dabei ginge es nicht mehr um Vielerlei, sondern um die versprochene Seelen-Analyse der Deutschen. Die Zerrissenheit ist nach meiner Deutung die der Reflexion, mit der die Deutschen begabt wie geschlagen sind. Ein Artikel "Reflexion" wäre wohl zu philosophisch gewesen, aber auch "Besinnlichkeit" und "Innerlichkeit"?

Von deutscher Seelen-Analyse bietet der männliche Autor Richard Wagner einiges zumindest in geschichtlicher Form: "Die Sehnsucht nach einem einheitlichen politischen Staat wird in den Befreiungskriegen gegen Napoleon zum Mehrheitsgefühl. Danke, Bonaparte! Bis dahin dominierte zumindest in den Eliten die Idee der Kulturnation. Der Sprachnation. Mit Napoleons Aktivitäten war die Idee des Kaiserreichs geboren, und sein Preis war der Wilhelminismus" (262). Danke, Herr Wagner! Diese so enorm wichtige Unterscheidung zwischen Kulturnation und politischer Nation wird allzu selten getroffen. Eine zweite wichtige wie seltene Einsicht folgt sogleich: "Österreich, das seine Interessen zu weit über die Grenzen des deutschen Kulturkreises hinausgeschoben hatte, war viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, und so war es für Preußen ein Leichtes, diesen Konkurrenten aus dem Rennen zu werden." Die kleindeutsche Lösung anno 1871 geht in der Tat nicht bloß auf das Konto Preußens, sondern mindestens ebenso sehr auf das des osteuropäischen Kolonialismus der östereichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Dergleichen ist intelligente Geschichtsdeutung - darin indirekt Analyse der deutschen Seele in ihrem Werden.

Die Mitte des Buches bildet ein kenntnisreicher Artikel "Musik" von fast 40 Seiten aus Thea Dorns Feder. Der klingt schon deshalb weniger ironisch als unberechtigterweise der über Männerchöre. Was wäre Deutschland ohne sein in der Welt noch immer einmaliges Chorleben und was wird daraus, ob gemischt oder rein männlich? Und das in aller Welt bekannte deutsche Kunstlied hätte vielleicht einen eigenen Eintrag verdient. "Kann man Musiker sein, ohne deutsch zu sein?", fragt Thea Dorn rhetorisch mit Thomas Mann. Mit gleichem rhetorischen Recht müsste man fragen: "Kann man Philosoph sein, ohne deutsch zu sein?" Ein Artikel "Philosophie" fehlt jedoch, bezeichnenderweise. Denn die Philosophie wird - trotz und gerade wegen "Weltmacht Habermas" (DIE ZEIT) - im "Vaterland der Dichter und Denker" (Madame de Stael) nicht gebührend geachtet. Wir müssen uns vom Inder Sri Aurobindo belehren lassen, dass Philosophie und Musik die beiden Hauptdomänen der typisch deutschen Innerlichkeit seien. Man erführe auch gern, ob und was es mit dem "Land der Ideen" auf sich hat. Ist das nur ein neoliberaler Werbeslogan? Statt Analyse gibt es zu viel Ausflucht in die marktgängige deutsche Selbstironie. Bezeichnend dafür, dass es zwar einen Artikel "Weihnachtsmarkt" gibt, doch keinen über die deutsche Weihnacht, deren Gemütswerte doch immerhin Ausstrahlung in alle Welt hatte. Ach ja, "Gemütlichkeit" kommt natürlich auch vor, aber das deutsche Gemüt nicht eigens, dessen Karriere viel älter ist und der Seele doch ganz nahe käme. Alles in allem zu viel Haften an gängigen Klischees und deren dann notwendige Ironisierung, zu wenig "Geist der Gründlichkeit", von dem bereits Kant seinerzeit (1781!)bemerkte, dass er in Deutschland noch nicht ausgestorben sei, und von der kein Unverdächtigerer als Karl Marx vor 1848 sagt: "Das gründliche Deutschland kann nicht revolutionieren, ohne von Grund aus zu revolutionieren", das meint von den gedanklichen Gründen her. Die friedliche Revolution aus geistigen Gründen, z.B. unserer so genannten Demokratie, steht noch immer aus und an, bei soviel unverfänglicher "Literatur" dauert es halt noch etwas.

Solche Leser, die - trotz der allbekannten politischen Perversion - etwas Großes und Geheimnisvolles in der deutschen "Seele" wie ihrer Geschichte spüren, das sie unbedingt stärker auf den Punkt gebracht sehen wollen, werden auf den 550 Seiten vielfach fasziniert suchen - wenn auch nicht ohne eigenes Zutun finden. Anscheinend gehört dieses spielerische Offenlassen zum Konzept des Buches: mehr Literatur als Sachbuch zu sein.

Trotz allem ist den Autoren wie dem Verlag zu danken, dass sie den Mut haben - gegen den modisch grassierenden Masochismus des "Schuld-Stolzes" - das Deutsche von jenen zwölf verhängnisvollen Jahren der nationalistischen Psychose energisch abzusetzen. Dies verbindet dieses schöne Lesebuch mit Peter Watsons eher wissenschaftlicher Geistesgeschichte "Der deutsche Genius" (dt. 2010). Diese beiden, freilich nicht ebenbürtigen Werke ergänzen einander vortrefflich. Auch die Kluft zwischen populären Klischees und elitärer Tiefe scheint ja typisch für die deutsche Seele. Ob es diese Seele einmal gab und noch gibt und was sie ausmacht, bleibt letztlich "literarisch" offen. Nur allerhand geschichtliche Indizien sprechen dafür - bei einer immer vergnüglichen Lektüre. Das Buch eignet sich hervorragend als Geschenk besonders für solche Leser, die nicht die Zeit und Geduld haben, mit besagter deutscher Gründlichkeit von vorn bis hinten nach jener Seele zu forschen, sondern einfach häppchenweise genießen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige Selbstbespiegelung, 8. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Kindle Edition)
Es handelt sich um ein populärwissenschaftliche Sebstbespiegelung der deutschen Seele mit Ausflügen in Historie und Literatur, kurzweilig, humorvoll und sich selbst nicht ernst nehmend. Ideale Urlaubslektüre oder zum Zeitvertreib bei vielstündigen Flügen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die deutsche Seele ist zerrissen..., 13. Juli 2012
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Taschenbuch)
... und daher kann man sie nicht mit einem Satz definieren, sondern muss ein Buch von 550 Seiten über sie schreiben. Zwar kommt man einer Definition dadurch immer noch nicht näher, man erhält aber einen kleinen Einblick in die unzähligen Wesenseigenschaften der deutschen Seele, die nunmal so unterschiedlich sind, dass man sie nicht auf einen Nenner bringen kann. Solche Eigenschaften sind u.a.: das Abendbrot, die Arbeitswut, der Bergfilm, der Buchdruck, das Fahrvergnügen, der Feierabend, der Fußball, die Gemütlichkeit, die Jugendherberge, der Kindergarten, der Kitsch, der Männerchor, die Ordnungsliebe, das Pfarrhaus, die Rabenmutter, das Reinheitsgebot, die Schadenfreude, der Schrebergarten, die Spargelzeit, der Spießbürger, der Vater Rhein, die Waldeinsamkeit, der Weihnachtsmarkt und die Wurst, um wirklich nur einige zu nennen. Über all diese bunten Teile der vielfältigen deutschen Seele haben Thea Dorn und Richard Wagner kleine Essays geschrieben, mal sind sie kulturhistorisch konzipiert, mal in Gedicht- oder Geschichtsform. Immer erfährt man viel Neues, niemals wird es uninteressant oder trocken. Zwar sind die Texte, die Thea Dorn geschrieben hat, manchmal etwas spritziger und kreativer, aber auch Richard Wagner findet die richtigen Worte. Nicht selten muss man über die Ausführungen der Autoren schmunzeln, wenn nicht sogar lachen. Schöne und interessante Bilder sind außerdem an vielen Stellen eingesträut. Zwar ist das Buch leicht zu lesen (wenn auch schwer zu halten), aber wegen der unglaublichen Faktenfülle sollte man sich einige Wochen Zeit nehmen und immer mal wieder ein Stichwort lesen. So kann man das Buch richtig auskosten.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist deutsch und warum eigentlich?, 19. Mai 2012
Von 
Klara Fall "Die nackten Hausfrauen im Wind" - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Taschenbuch)
Ich kenne einige Bücher von Thea Dorn und ich habe einiges von Richard Wagner, der ja Angehöriger einer deutschen Minderheit in Rumänien und Ex-Mann der Nobelpreisträgerin Herta Müller ist, gelesen. Deshalb war ich gespannt, wie sie die beiden Autoren sich dem Thema "deutsche Seele" nähern würden.

Das Buch ist ein durchaus literarisches Sachbuch, das von zwei Autoren geschrieben wurde, die als Romanautoren selbst einen Bezug zur deutschen Literatur haben. Das merkt man den Texten auch an, da sie sprachlich gehoben sind und keine reinen Sach- oder Kolumnentexte. Den Themen widmen sich die beiden teilweise mit unterschiedlicher Intensität. Gleich am Anfang sieht man schon, dass von Thea Dorn z.B. Abendbrot und Abgrund mit unterschiedlicher Länge und Tiefe behandelt werden und dass hier das Interesse der Autorin doch eher im germanistischen als im Bereich der Alltagskultur anzutreffen ist. Wobei sich aber durchaus auch gewollte Überschneidungen ergeben, z.B. Thomas Mann und sein 'Feierabendbierchen'. Das Buch könnte man von der Gesamtschau durchaus gut als 'anspruchsvolle Unterhaltung' bezeichnen, was aber nicht bedeuten soll, dass das Thema trivial wäre, sondern dass die Essays zu den Themen schon auch Hintergrundwissen und ein Bewusstsein für kulturelle Eigenheiten 'des Deutschen' (wenn man so sagen wollte) erfordern.
Im Buch geht es, grob gesagt, um so etwas wie das deutsche kulturelle Gedächtnis. Dinge, die 'Deutschland' zu dem machen, was es ist, oder zu sein scheint. Hier wird nicht eine zusammenhängende, vielleicht sogar chronologische Geschichte erzählt, den Start machen auch keine Theorien, was man allgemein als 'deutsch' bezeichnen könnte, nein, die Autoren haben gesammelt, durchaus auch subjektiv, welche Begriffe Deutschland charakterisieren und wie es eigentlich dazu gekommen ist. Da dürfen natürlich Begriffe wie Ordnungsliebe und Kleinstaaterei, Schadenfreude oder Reinheitsgebot und Spießbürger nicht fehlen. Aber es gibt auch Überaschendes wie Pfarrhaus, Forschungsreise und Freikörperkultur zu entdecken. Ich habe allerdings die Pünktlichkeit vermisst! Jedenfalls wird der Begriff dann meist geschichtlich, oft auch mit persönlichem Bezug und auch meistens mit etwas ironischem Anklang dargestellt. Die verschiedenen Begriffe werden im Rahmen des Essays für den Leser durchaus unterhaltsam präsentiert. Das Buch eignet sich hervorragend zum Querlesen und Schmökern. Man kann sich auch an zahlreichen, oft kuriosen Bildern ergötzen. Zielgruppe des Werkes dürfte doch ein eher bildungsbürgerlich orientiertes Publikum sein, da eben oft Bezug z.B. auf den Literaturkanon genommen wird. Wer daran ein Interesse mitbringt und mit Verweisen und Zusammenhängen auf und in der deutschen Geschichte etwas anfangen kann, der ist hier an der richtigen Adresse, denn das Buch ist kein rein soziologisches/germanistisches oder geschichtliches Sachbuch.
Fazit: Ein spannendes und teilweise sehr interessantes Projekt, manche Aufsätze sind vielleicht ein bisschen lang, andere dafür ein bisschen kurz. Insgesamt aber stimmig, anspruchsvoll und doch auch unterhaltsam. Ein Buch das zeigt, wie wichtig auch in Deutschland eine Beschäftigung mit der eigenen (auch nationalen) Identität ist.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsame Reise durch die deutsche Seele, 1. August 2012
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Audio CD)
Was haben 'Fußball', 'Ordnungsliebe', 'Schrebergarten' oder 'Sozialstaat' gemeinsam? Das Autoren-Duo Thea Dorn und Richard Wagner behaupten jedenfalls, sie alle gehören zur Innenausstattung der deutschen Seele. Insgesamt 65 Begriffe haben sie auf ihren scheinbar typisch deutschen Inhalt abgeklopft - von Abendbrot bis Zerrissenheit. So ist gewissermaßen eine Art deutsches Seelenlexikon entstanden.

Bei zwei unterschiedlichen Autoren aus zwei Generationen kommen natürlich auch unterschiedliche Betrachtungsweisen und Schreibstile zustande. Der 60jährige rumänien-deutsche Schriftsteller Richard Wagner, der bis 1987 im Banat lebte, schreibt eher sachlich nüchtern. Meist in knappen Texten denkt er über 'Heimat', 'Fachwerkhaus', 'Buchdruck' oder 'Winnetou' nach und wird dabei mitunter sogar philosophisch.

Die Kriminalautorin Thea Dorn (Jg. 1970) ist ihren Texten meist umfangreicher und sinniert über solche Begriffe wie 'Abendstille', 'Fahrvergnügen', 'Männerchor' oder 'Wanderlust'. Natürlich bieten die Artikel und die durch die Autoren vertretenen Meinungen hinreichend Stoff zur Diskussion oder zum Widerspruch. Das Buch ist eine Reise an die Wurzeln unseres nationalen Erbes und geht durchaus ans Eingemachte, zwar kritisch, aber durchaus liebevoll und manchmal auch mit einem gewissen Humor. Das Ganze ist keine Enzyklopädie, aber immerhin eine facettenreiche Kulturgeschichte des Deutschen.

Im Freiburger AUDIOBUCH Verlag ist nun eine gekürzte Lesefassung des Bestsellers erschienen. Auf sechs CDs (Hördauer 430 Minuten) werden immerhin 39 ausgewählte (teilweise gekürzte) Kapitel zu Gehör gebracht. Dabei gelingt es den beiden Sprechern/innen Doris Wolters (Deutscher Hörbuchpreis 2012) und Hubertus Gertzen, mit ihren Stimmen den Originaltext und damit die unterschiedlichen Stimmungs- und Lebenslagen der Deutschen einzufangen.

Die einzelnen Tracks haben meist eine Länge von fünf bis fünfzehn Minuten, so dass man an jeder beliebigen Stelle einsteigen kann, sich festhört oder zu einem anderen Begriff springt. Man kann sich das Hörvergnügen auch von Anfang an gönnen und eine unterhaltsame Reise durch die deutsche Seele unternehmen, die dann geschlagene sieben Stunden dauert. Vielleicht hätte man sich noch ein Booklet mit einigen Hintergrundinformationen gewünscht.

Fazit: Ein Hörbuch, das Lust auf das Buch macht oder eine wunderbare Ergänzung dazu ist. Die sechs Audio-CDs sind jedenfalls ein akustisches Erlebnis.

Manfred Orlick
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28 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mogelpackung, 18. Dezember 2012
Von 
Peter Rechenberg (Linz, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Taschenbuch)
560 Seiten Anderthalb Kilo. Die deutsche Seele (in Goldschrift). Auf dem Buchrücken dazu der Text: "Alles, was deutsch ist. Eine Liebeserklärung". Aufgehübscht mit vielen Farbbildern.

Vonwegen "Liebeserklärung". Dieses Buch ist eine Mogelpackung.

Eine Liebeserklärung an die deutsche Seele habe ich nicht gefunden, statt dessen lauter Ironie und Verdächtigung deutscher Weltsichten. Alles machen die Verfasser auf irgendeine Weise verdächtig und lächerlich.

Das Buch hat keine Form; es ist ein Flickenteppich. Unmassen von Personen werden genannt, schlaglichtartig beleuchtet, fallen aber gleich wieder ins Dunkel zurück. Ein geistiges Band fehlt. Es ist wie in einem schlechten Fernsehfilm: Eine schnelle Folge von Häppchen. Nur nicht nachdenken über Zusammenhänge. Eine Ausnahme davon bildet vielleicht das Kapitel "Musik".

Die Kapitel sind mit Stichwörtern überschrieben, die anscheinend für die deutsche Seele eine besondere Rolle spielen sollen. Von Abendbrot über Arbeitswut, Dauerwelle, Kirchensteuer Querdenker bis Wurst und Zerrissenheit. Man erfährt viel über die Wurstsorten der Deutschen, die berühmtesten Würstchenbuden und Fußball: anscheinend sind das Gegenstände, die die Seele der Deutschen stark beschäftigen.

Einige Kostproben?

Im Kapitel "Wanderlust" wandert die Verfasserin im Wald. Da begegnet ihr Schopenhauer. Der brummt vor sich hin: "Die Philosophie ist eine hohe Alpenstraße ...", dann trifft sie Seume und Thomas Bernhard, Hermann Hesse, Wandervögel und schließlich, als es kalt und windig wird, begegnet ihr ein kleiner, dicklicher Mann, der halb blind sein muß (Seite 497). "Franz Schubert ist es, der größte aller Winterreisenden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wir fassen uns bei der Hand und laufen hinein in den verstürmten Winterwald." Das ist das Kapitelende. Es gibt kein einziges weiteres Wort über Schubert und seine unsagbar große, tieftraurige Winterreise.

Im Kapitel "Waldeinsamkeit" zitieren die Verfasser Eichendorffs Gedicht "Waldeinsamkeit" vollständig. Da fällt ihnen ein, dass Ernst Jünger sich einmal dahingehend geäußert haben soll, dass jedes verirrte Kind Angst im Wald haben müsse, und sie schließen daraus, dass Eichendorff das im Wald verirrte Kind ist (Seite 487).

Und das schärfste: Über Lessings Nathan, das Leuchtfeuer der Toleranz und Humanität mit seiner wunderbaren Ringparabel liest man:
"Lessing benutzte die Bühne als Kanzel, um als Krönung zum Versöhnungskitsch des Nathan zu gelangen."

Da ekelte mich der holde Sang, und ich schmiss das Buch aus dem Fenster.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Vorurteile meines Friseurs, 3. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Seele (Taschenbuch)
Der Friseurmeister des Lesers hat zu allem eine Meinung, zum Klimawandel, Tilo Sarrazin, Wiedervereinigung, ein Konzert mit den Wildecker Herzbuben in der Stadthalle, erschwindelte Doktortitel und die Bankenkrise. Er kann auch reaktionär sein, wenn es um asylsuchende Ausländer geht, obwohl seine Eltern Heimatvertriebene sind. Er würzt alles mit humorvollen Bemerkungen zur Unterhaltung seiner Kunden.
In dem 560seitigem, großformatig gedruckten opus magnum "Die deutsche Seele", von Thea Dorn und Richard Wagner geht es bierernst zu. Der Leser erfährt unter anderem, dass unser schöner deutscher Wald von den Deutschen dazu gepflanzt wurde, damit Franzosen sich darin fürchten (S. 485). In großer Menge wurden von dem Autorenduo Zahlen, Daten, Fakten, Anekdoten, Vorurteile und Meinungen zum Thema zusammengetragen. Alles wurde philosophisch untermauert, sprachwissenschaftlich abgeklärt, historisch exakt recherchiert und zeitgenössisch soziologisch begründet, dann in erzählerischer Form vorgetragen und schließlich von den Lesern, meist zustimmend, weniger ablehnend, in ihren Kritiken auf die gleiche Weise verarbeitet. Dem Leser dem bei so viel professoraler Gelehrsamkeit die Luft ausgegangen ist, sei empfohlen, daneben her immer mal einen Blick in Oliver Kuhns und Daniel Wiechmanns kleines Taschenlexikon "Mein schwuler Friseur" zu werfen und dort wieder frische Luft aufzunehmen. Was bei Dorn & Wagner an Gemeinplätzen und Vorurteilen todernst und wortreich kommentiert daherkommt, wird bei Kuhn und Wiechmann mit wenigen Sätzen, treffend satirisch verhackstückt. Dorn & Wagner garnieren ihr schwer genießbares Ragout mit einer Portion Kulturfeuilleton, um es bekömmlicher zu machen. Wenn aber die hochgelehrte, in Philosophie und Theaterwissenschaft studierte, als Krimiautorin und Fernsehmoderatorin bekannte Dorn und der als Deutschlehrer, Journalist und Schriftsteller tätige Wagner dann in nur zwanzig Zeilen es schaffen, Nietzsche und Hölderlin (S. 16) zu verbinden (gleicher Vorname und beide dem Wahnsinn verfallen) dann noch Celan und Heidegger dazu nehmen (Kontrast: Nazigegner und Naziparteigänger), entringt sich dem schwer geprüften Leser ein "Uff" und er fängt an nach Luft zu ringen.
Der Leser ist skeptisch. Eine "deutsche Volksseele", gibt es das überhaupt, eine gemeinsame Seele in einem Volk von 82 Millionen Menschen aus Regionen unterschiedlicher Kulturgeschichte, darunter fast 10 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, in einem offenen Land mitten in Europa, in dem sich Verkehrswege und Kultureinflüsse aus allen Himmelsrichtungen kreuzen? Oder ist sie ein Überbleibsel aus nationalistischen Beständen? Doch Dorn & Wagner zeigen es beide dem Leser. Es ist ganz einfach. Anstatt nach einer Volksseele zu suchen, die weisgott irgendwo herum schwebt, nehmen die beiden einfach Begriffe, die ihnen irgendwie verdächtig erscheinen als Stichworte und kombinieren sie mit einer Auswahl aus den zahllosen Dingen, die die Kulturgeschichte bietet. Und irgendwie passt das dann alles zusammen, Nietzsche zu Hölderlin und dazu noch Heidegger und Celan. Und tatsächlich ist dann eine Seele erstanden, sieht aber mehr aus wie eine Seele a la Dorn & Wagner. Aber auch Leser, denen die deutsche Volksseele schnurzegal ist, können Dorns & Wagners Werk nutzen, zu einem heiteren Begrifferaten. Die Leser wählen ein Stichwort und versuchen dann dazu passende Begriffe zu kombinieren. Ihr Ergebnis muss nicht hinter der von Dorn & Wagner erforschten Volksseele, oder was die beiden dafür halten, zurück stehen.
Thea Dorns und Richard Wagners Werk gehört zu den Büchern, die man nach der Lektüre gut sichtbar vorn in das Bücherregal einzureihen pflegt, um dem Besucher zu zeigen, dass man up to date ist und auf denen sich im Laufe der Jahre eine dicke Staubschicht als Zeichen des Unberührtseins ablagert. Kuhns und Wiechmanns Büchlein ist zwar vergriffen, aber bei "amazon" vereinzelt immer wieder zu haben. Wer es besitzt, bei dem bleibt es zerlesen auf dem Nachttisch als Dauerlektüre liegen.
Für die wenigen unterhaltsamen Abschnitte ihres Buchs gibt der Leser Thea Dorn und Richard Wagner zwei Punkte.
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Die deutsche Seele
Die deutsche Seele von Richard Wagner (Taschenbuch - 7. November 2011)
EUR 26,99
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