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4.0 von 5 Sternen Ein Gedankenexperiment über Gerechtigkeit und Gemeinschaft
Ein Gedankenexperiment - SOZIALISMUS - WARUM NICHT? fragt der Autor G. A. Cohen in seinem gleichnamigen Buch, und die Frage scheint berechtig, bei der Parteienlandschaft in Deutschland kommt ab und zu sogar im Namen etwas soziales und manch Mal auch etwas mehr sozialistisches vor und gestellte Frage nach Gerechtigkeit und Gemeinschaft ist so alt wie das Land in dem wir...
Veröffentlicht am 11. November 2010 von Thorsten Wiedau

versus
4 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ein hundsmiserables Gedankenexperiment
Der Übersetzer und FAZ-Redakteur Hank war von Cohens Essay so angetan, daß er ihn vor einem Jahr in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vorstellte und zur Diskussion über den "gar nicht so üblen Sozialismus" aufrief. Hunderte von Zuschriften waren die Folge. Der nachstehende kritische Leserbrief wurde allerdings nie veröffentlicht, auch...
Veröffentlicht am 13. Dezember 2010 von Hubert Herfurth


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Gedankenexperiment über Gerechtigkeit und Gemeinschaft, 11. November 2010
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sozialismus. Warum nicht? -: - Mit einer Würdigung versehen von Rainer Hank (Gebundene Ausgabe)
Ein Gedankenexperiment - SOZIALISMUS - WARUM NICHT? fragt der Autor G. A. Cohen in seinem gleichnamigen Buch, und die Frage scheint berechtig, bei der Parteienlandschaft in Deutschland kommt ab und zu sogar im Namen etwas soziales und manch Mal auch etwas mehr sozialistisches vor und gestellte Frage nach Gerechtigkeit und Gemeinschaft ist so alt wie das Land in dem wir leben selbst.

Ob es eine rote Nelke ist oder eine rote Rose ist unerheblich. Das Buch SOZIALISMUS WARUM NICHT von G. A. Cohen, ursprünglich in England erschienen und basierend auf einem früheren Essay aus dem Jahre 2001 gibt sich der Fragestellung hin wie die Demokratie und der Sozialismus eine Einheit bilden können. Jede Theorie für sich alleine hat Schwachpunkte doch was vermag eine soziale Einstellung zu geben damit das Gesamtergebnis begeistert?

Auf Basis eines Zeltlagers und der dortigen Gleichheit und der Teilung von allem was da ist lässt sich zeigen was der Mensch bereit ist zu tun und wo ihm seine Meinung und seine Eigenliebe Grenzen setzt.

Sozialismus kommt in unterschiedlichen Ausprägungen daher und kann sowohl feine und weiche Züge annehmen wie auch harte und unnachgiebige.

Der Sozialismus benötigt dabei aber eine selbstreflektierende Haltung desjenigen der ihn ausüben will, damit man immer klarstellen kann, wo man Fehler begeht und wo man richtig liegt.

Ob er tatsächlich erstrebenswert und überdies auch machbar ist, dem widmet sich dieses aufschlussreiche Büchlein mit einigen interessanten Fragestellungen und Geschichten - jeder muss also für sich selbst entscheiden was gut und richtig für ihn ist.

Mir hat das Buch gefallen und ich habe es gerne gelesen, sich selbst Fragen zu stellen bringt einen weiter und lässt den Geist selbstreflektierend wachsen, wenn man denn Glück hat.

Empfehlenswert!
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klarer Blick, 8. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Sozialismus. Warum nicht? -: - Mit einer Würdigung versehen von Rainer Hank (Gebundene Ausgabe)
Ein kleines Büchlein von 77 Seiten reicht Gerald A. Cohen völlig aus, um, ausgehend von der sozialem Metapher des Zeltlagers, den Irrsinn unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems zu offenbaren, das uns heute oft so "normal" und alternativlos erscheint. Erfrischend und befreiend!
Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings das Nachwort des Übersetzers und FAZ-Autors Rainer Hank, der in seinem Nachwort etwas tricky und m.E. unberechtigt versucht, den Autor doch noch irgendwie für den Kapitalismus zu vereinnahmen. Trotzdem muss man ihm dafür danken, dass er uns diesen feinen Essay auf deutsch zugänglich gemacht hat.
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4 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ein hundsmiserables Gedankenexperiment, 13. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Sozialismus. Warum nicht? -: - Mit einer Würdigung versehen von Rainer Hank (Gebundene Ausgabe)
Der Übersetzer und FAZ-Redakteur Hank war von Cohens Essay so angetan, daß er ihn vor einem Jahr in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vorstellte und zur Diskussion über den "gar nicht so üblen Sozialismus" aufrief. Hunderte von Zuschriften waren die Folge. Der nachstehende kritische Leserbrief wurde allerdings nie veröffentlicht, auch nicht auszugsweise. Wenn sie sich auch vornehmlich mit der Hankschen Interpretation von Cohens "Gedankenexperiment" auseinandersetzt, so dürfte sie doch auch für die Leserinnen des Originals von Interesse sein.

"Hanks Artikel hat auch mich provoziert, allerdings anders als die meisten Leser durch seine geradezu ärgerlich ungereimten Vorstellungen über den "gar nicht so üblen Sozialismus". Was er als "Gedankenexperiment" präsentiert, ist nicht mehr als eine oberflächliche intellektuelle Freiübung, die unreflektiert die bestehenden Verhältnisse voraussetzt, über die sie angeblich hinausführen soll. Vielleicht findet die folgende Kritik den einen oder anderen interessierten Leser, auch wenn sie etwas spät kommt und aus dem Rahmen der gängigen, auch der gängigen linken, Sichtweisen fällt.

Eine nicht-utopische, also prinzipiell (doch nicht voraussetzungslos) machbare Alternative zur kapitalistischen Marktwirtschaft läßt sich allein aus dieser selbst erschließen, und zwar aus dem Gesamtprozeß der gesellschaftlichen Reproduktion, nicht aber aus gesellschaftlichen
Randerscheinungen, so attraktiv sie auch scheinen mögen, weil in ihnen Privateigentum und Privataustausch keine (unmittelbare) Rolle spielen. Eine gesellschaftliche Wirtschaftsweise läßt sich nun mal nicht wechseln wie ein Hemd oder eine Wohnung. Ihre mögliche Negation muß in ihrer Wirklichkeit angelegt sein und sich als Anlage entwickeln, oder sie bleibt bloßes Wunschdenken, Utopie eben. Für Hank scheint gerade darin der "intellektuelle" Reiz der "sozialistischen Utopie" zu liegen, daß sich mit ihr unverbindliche Gedankenspiele treiben lassen. Er verfährt nach Art voluntaristischer linker Systembastler, die (wie aktuell in der Freien-Software-Bewegung) die "Suche" nach dem "Modell" einer "anderen Gesellschaft" der Analyse der bestehenden vorziehen und ganz fasziniert sind, wenn sie eine Nische in der gesellschaftlichen Reproduktion ausmachen, die ihnen dazu ein Vorbild liefert, weil in ihr die Zwänge der Marktwirtschaft außer Kraft gesetzt scheinen.

Für Hank (bzw. Cohen) ist es die kleine Welt eines mehrtägigen Campingurlaubs im Freundeskreis, nach deren Vorbild sich zumindest in einem "Gedankenexperiment" auch die "große Welt" "organisieren" lassen sollte. Auch ein Gedankenexperiment aber, das eine mögliche Entwicklung
nur simulieren soll, verlangt die Kenntnis und Berücksichtigung der Bedingungen, von denen ihr Verlauf abhinge. Andernfalls bleibt es ein reines Gedankenspiel ohne praktischen Erkenntniswert. So bei Hank. Sein "Gedankenexperiment" kennt weder Bedingungen, die der gesellschaftlichen
"Umorganisation" im Wege stehen, noch Bedingungen, die sie voraussetzen würde, noch überhaupt eine Entwicklung. Er springt in Gedanken übergangslos aus der alten in eine (vermeintlich) neue Welt (die tatsächlich nur ein Abklatsch der bestehenden ist), und alleiniger Motor dieses gesellschaftlichen "Fortschritts" ist der "Experimentator" selber. Dabei könnte ihn schon sein eigenes Zeltplatzszenario mit der Nase drauf stoßen, daß sich die "Spielregeln" dieser Freizeitidylle
nicht umstandslos auf die globalisierte Ökonomie mit ihren trennenden Besitzverhältnissen, Austausch- und Verwertungszwängen übertragen lassen. Offensichtlich ist für die Überwindung dieser Trennungen eine qualitativ andere und umfassendere Art der Gesellschaftlichkeit nötig
als das Einvernehmen eines kleinen Freundeskreises. Man kann schließlich nicht mit Milliarden Menschen persönliche Freundschaft schließen. Obendrein ist es ja gerade die "große Welt", die die kleine Gemeinschaft der Camper überhaupt erst ermöglicht, indem sie ihnen nicht nur die nötige Verpflegung, Ausrüstung usw. liefert, sondern ihnen auch ein hinreichendes Einkommen gestattet (in welcher Form und aus welcher Quelle auch immer), das ihre materielle Existenz sichert und ihnen auch noch genügend Freizeit für den gemeinsamen Urlaub läßt. Die kleine Welt ist also von Voraussetzungen abhängig, die sie selbst gar nicht herstellen kann. Auch deshalb kann der "Schlüssel" zur Veränderung der "großen Welt" nur in dieser selbst zu finden sein, nicht auf dem
Campingplatz.

Leider ist Hank nicht einmal imstande, seinen eigenen Modellvorgaben zu folgen. Wenn die Camper ihre notwendigen oder als notwendig erachteten Arbeiten ebenso wie deren Ergebnisse nach Neigung und Bedürfnis untereinander verteilen, dann behandeln sie ihre individuellen
Produktionsmittel und Arbeitskräfte (vorübergehend) als gemeinschaftliche. (Daß Wolfgang meint, dabei auch aus anderer Leute Tasse trinken zu müssen, drückt nur seinen bzw. Hanks bornierten Begriff von Privateigentum aus, der keinen Unterschied macht zwischen Produktions- und Konsumtionsmitteln, die gemeinschaftlichen, und solchen, die rein individuellen Zwecken dienen.) Die Camper tauschen also weder ihre Tätigkeiten noch deren Produkte aus und sind daher auch von der Notwendigkeit befreit, ihr Geben und Nehmen in Tauschwerten auszudrücken, also an einem gleichen Maßstab zu messen, etwa der Zeit, und gegeneinander aufzurechnen. Nichtsdestotrotz geht Hank davon aus, daß auch in der Welt des "Sozialismus", die doch nach dem Vorbild des
Zeltlagers organisiert sein sollte, die Menschen weiterhin Geld verdienen (müssen), ihre Lebensmittel und folglich auch alle Produktionsmittel also als Waren, für den Austausch gegen Geld produziert werden. Allgemein herrschende Warenproduktion unter Anwendung von Lohnarbeit aber ist /notwendig /kapitalistische Produktion, und auf dieser Grundlage ist der Sozialismus entweder eine Illusion oder eine Mogelpackung. Hanks "sozialistische Gemeinschaft" ist beides: ein moralisches Postulat, das in der Luft hängt, und ein der kapitalistischen Ökonomie übergestülptes Verteilungsregime.

"In einer sozialistischen Gemeinschaft", lesen wir, "nehmen die Menschen um des anderen willen aneinander Anteil", "kümmern sie sich umeinander", "geht (es) ihnen nicht nur um den persönlichen Nutzen, sondern auch um das Wohl des anderen". Das klingt sympathisch und für manche Leser womöglich wie eine Provokation, soll doch nach liberalem Dogma Eigennutz
per se das Allgemeinwohl fördern. Dennoch ist die beschriebene Gemeinschaft nicht mehr als ein frommer Wunsch, weil die Menschen gleichzeitig an ihren gewohnten "Tausch-Beziehungen" festhalten sollen. Denn die beinhalten nicht nur den simplen Austausch von Ware gegen Geld und umgekehrt, sondern immer auch den Austausch von Geldkapital gegen Arbeitskraft und Produktionsmittel wie auch den Austausch von Warenkapital gegen Geldkapital und Einkommen. Und in all diesen Beziehungen ist "der andere" ' als Kunde, als Lieferant, erst recht aber als lohnabhängiger Produzent ' in der Regel nur Mittel zum privaten Zweck, meist sogar Mittel und Ballast zugleich. Mit anderen Worten: Auf der Grundlage der "Marktwirtschaft" können die Menschen ihren gesellschaftlichen Zusammenhang gar nicht grundsätzlich anders herstellen und wahrnehmen als über ein System gegensätzlicher und konkurrierender Privatinteressen, muß die (durchaus vorhandene oder doch mögliche) Sorge um "das Wohl des anderen" immer wieder hinter die Sorge um das "Unternehmenswohl" oder gar um die eigene nackte Existenz zurücktreten. Als Wirtschaftsjournalist weiß das natürlich auch Hank. Und so gründet sich seine "sozialistische Gemeinschaft" denn auch weniger auf die zwischenmenschliche Moral als vielmehr auf ' den Staat.

Tatsächlich verbirgt sich hinter Hanks "Marktsozialismus" nur die abgespeckte Version eines etatistischen Jahrhundertmythos, dem nicht nur die Parteimarxisten von Kautsky bis Honecker anhingen, sondern der auch noch in den Köpfen ihrer "undogmatischen" Nachfahren spukt: daß auf der Basis fortdauernder Warenproduktion, vulgo: der Marktwirtschaft, mit Hilfe der politischen Macht die Bändigung und Umwälzung des Kapitalismus möglich sei. Eine der Quellen dieses Mythos war der Aberglaube an die "wirtschaftliche Allmacht des Staates" (Kautsky), der im Verein mit einem unausgegorenen Wertbegriff Kautsky einst zu der Prognose verleitete, ein "proletarisches Regime" werde die Arbeitszeit halbieren und gleichzeitig die Löhne verdoppeln (können). Dieser Aberglaube hat sich mit dem Bankrott des "Realsozialismus" weitgehend erledigt, und so meint auch Hank immerhin, dem mit der Absage an eine staatliche Planwirtschaft Rechnung tragen zu müssen. Dennoch ist es auch bei ihm niemand anders als der Staat, der die Gesellschaft durch ausgleichende Umverteilung "beieinanderhalten" soll. Denn "der Sozialismus" ist eine
bloße Abstraktion, ein Pseudosubjekt, das weder "wollen" noch "wissen", weder "verbieten" noch "tolerieren", noch "umverteilen" kann. Das kann allenfalls das reale Ersatzsubjekt der
ungesellschaftlich-gesellschaftlichen Individuen, ihr politisches Über-Ich. Doch wenn die Individuen ihre materielle Reproduktion nur in Form von "Tausch-Beziehungen" organisieren können, kann auch ihr Staat beim besten Willen daraus keine "sozialistische Gemeinschaft" machen. Er ist schließlich selbst ein Geschöpf der Marktwirtschaft (geworden), in der er seine ökonomische Basis hat, Organ einer Gesellschaft formal gleicher Markt- und Rechtssubjekte und der sie beherrschenden Privatinteressen. Deshalb bleibt auch seine Umverteilungspolitik gefesselt an die Zwänge, die ihm diese Interessen auferlegen (Sicherung und Erweiterung des Austauschs und der Produktion für den Austausch), und beschränkt auf die "Spielräume", die sie ihm belassen. Doch für derlei Überlegungen ist in Hanks "Gedankenexperiment" kein Platz. Er läßt es münden in zwei Varianten des "Marktsozialismus", die sich ebenso durch ihren naiven Staatsglauben auszeichnen wie durch ihre ökonomische Naivität.

Variante Nr. 1 lautet, "den Marktmechanismus beizubehalten, aber die wirtschaftlichen Ergebnisse radikal zu besteuern". In Frankreich ist dieses Konzept unter der (trotzkistischen) Parole "partager les richesses" populär. Es läuft darauf hinaus, als Dauerzustand zu erhalten, was es gleichzeitig beseitigen soll. Die Gesellschaft soll ihre Produktionsweise unverändert fortsetzen, damit der Staat permanent deren (monetäre) Ergebnisse "korrigieren" (können) soll. Das Privateigentum soll sich weiterhin ordentlich vermehren, aber nur zu dem Zweck, daß der Staat den versilberten Mehrwert (bzw. seinen abschöpfbaren Teil) "sozialisieren" kann. Das wäre in der Tat eine bequeme, wenn auch paradoxe Art, für "sozialistische Chancengleichheit" zu sorgen, ohne die gesellschaftliche Produktionsweise umkrempeln zu müssen. Sie setzt nur voraus, daß sich eine Regierung findet, die sich auf ein derartiges Abenteuer einläßt, und außerdem die Unternehmen ' "mitspielen"... Nebenbei ist auch Hanks vermeintlich "radikales" Prinzip der "sozialistischen Chancengleichheit" immer noch ein "bürgerliches" Prinzip, weil es ihm ' entgegen seiner eigenen Modellwelt ' allein um den Ausgleich von Erwerbschancen geht, nicht aber um die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten in einer vom Austauschzwang befreiten Gesellschaft.

Variante Nr. 2: "Radikaler noch wäre ein Marktsozialismus, der das Privateigentum abschafft und an alle Bürger Volksaktien austeilt: ein Kollektiveigentum, das die Menschen zwar handeln, aber niemals zu Geld machen dürfen." Ein derartiger "Marktsozialismus" würde das Privateigentum mitnichten abschaffen. Hank begreift es offensichtlich nur als individuelles Rechtsverhältnis gegenüber Sachen und nur aus seinem Gegensatz zum Nicht-Eigentum. Zwar scheint das Privateigentum (an den Produktionsmitteln, denn darum geht es) formell aufgehoben dadurch, daß es verallgemeinert und zugleich eingeschränkt wird. Aktien, die nicht zu Geld gemacht, sondern nur untereinander getauscht werden können, wären in der Tat kastriertes Privateigentum, "Wertpapiere" mit fiktivem Nennwert, bloße Rechtstitel auf Dividendenanteile und
Stimmrechtsausweise für Hauptversammlungen. Und wie immer der Aktionärskreis der Unternehmen durch Aktientausch auch wechseln würde, die Unternehmen blieben formell gemeinsames Eigentum des "Aktionärsvolks"; denn da die Aktien nicht verkauft werden könnten,
könnten auch die Unternehmen nicht verkauft werden (wohl aber bankrott gehen). Die faktischen Besitzer der Unternehmen aber wären deren Belegschaften. Unter der Hülle des formellen "Volkseigentums" müßten sie sich praktisch als kollektive Privateigentümer betätigen, die in der
Produktion für den Markt das "operative Geschäft" der Kapitalverwertung betreiben, an dessen Erfolg dann auch die externen Volksaktionäre teilhaben können. Hank übersieht, daß das Privateigentum nicht nur Besitzende von Besitzlosen trennt, sondern auch die Besitzenden
voneinander, seien sie Individuen oder Kollektive. Oder richtiger: Es ist selbst nur juristischer Ausdruck ihrer Getrenntheit, ihrer "Dissoziation". Und die "Marktwirtschaft" ist eben die gesellschaftliche Form, die die privaten, weil voneinander getrennten Unternehmen miteinander und mit den Endverbrauchern verbindet; die Form, in der sie sich durch den Austausch ihrer Produkte gegen Geld wertmäßig reproduzieren und (auf wundersame, im Produktionsprozeß verborgene Weise) an Wert gewinnen. Dieser Zusammenhang aber ändert sich nicht dadurch, daß die bisher nur "unselbständig Beschäftigten" zu gleichberechtigten Miteigentümern ihrer oder auch anderer "Volks-AGs" werden. Hanks "radikaler Marktsozialismus" ist also tatsächlich nichts
anderes als ein "volkseigener" Belegschaftskapitalismus. Im übrigen ist er auch in politischer Hinsicht eine Chimäre. Denn er würde die komplette Aufhebung der bisherigen Eigentumsverhältnisse voraussetzen, zu der wohl nur eine grenzüberschreitende revolutionäre Massenbewegung fähig wäre. Schwer vorstellbar, daß die dann ihr Heil ausgerechnet in der Austeilung von Volksaktien suchen sollte...

Hanks "Gedankenexperiment" bedeutet also im Ergebnis, daß er zwar von "Sozialismus" redet (Worte sind ja geduldig), tatsächlich aber stets kapitalistische Produktion voraussetzt, nur entschärft, abgemildert, "sozialverträglich" gestaltet durch staatliche Intervention, sei es in Form ausgleichender Umverteilung, sei es in Form einer "Demokratisierung" des Aktienbesitzes. Man könnte das als Etikettenschwindel abtun, aber anscheinend ist Hank sich seiner Ungereimtheiten gar nicht bewußt. Man könnte ihm analytische Flachheit und theoretische Unbedarftheit vorwerfen, aber ein Bedürfnis nach theoretischer Klärung setzt ja gewöhnlich ein lösbar scheinendes
praktisches Problem voraus. Und hier scheint mir der Grund für Hanks kapitalistisch gebrochenen "Sozialismus"-Begriff zu liegen: Ihm gelten Markt- und Geldbeziehungen so sehr als unersetzliche, quasi natürliche Bedingungen gesellschaftlicher Produktion überhaupt, daß er die "große Welt" nicht einmal da ohne sie denken kann, wo er es ' seinem Modell folgend ' zu tun ankündigt. Das aber ist keine nur persönliche Denkschranke. Der Schein der Unaufhebbarkeit von Austausch und Geld ist seit langem fester Bestandteil der "bürgerlichen Alltagsreligion" (Marx). Schon der Parteimarxismus konnte diesem Schein nichts entgegensetzen, und auch der akademische Marxismus unserer Tage ringt mit ihm immer noch vergebens. Er ist ja auch keineswegs bloße
Einbildung, sondern Erscheinungsweise der gesellschaftlichen Wirklichkeit, gesellschaftlicher Zwangsverhältnisse und Verhaltenszwänge, denen niemand entrinnen kann (es sei denn unter den
Bedingungen kümmerlicher Subsistenzproduktion) und die keine ernstzunehmende gesellschaftliche Macht bisher auch nur in Frage zu stellen wagte. Selbst die Bereiche, die frei sind von den Zwängen des Marktes, wie verschiedene öffentlichen Dienste und Einrichtungen, ehrenamtliche Tätigkeit, Katastrophenhilfe, häusliche Arbeit oder auch Hanks Campinggemeinschaft, setzen eine funktionierende Marktwirtschaft voraus oder müssen gar von ihr aus Steuermitteln "alimentiert" werden.

Doch man braucht den Marktbeziehungen nur etwas tiefer auf den Grund zu gehen, um die Wirklichkeit in einem anderen Licht zu sehen. "Der Markt zwingt die Menschen, einander zu Diensten zu sein", schreibt Hank und bleibt bei dieser Feststellung stehen. Ihm mißfällt, daß der "Dienst" am anderen "egoistisch motiviert" ist und damit sein "Wohl" zum sekundären Zweck oder bloßen Mittel degradiert wird. Er möchte es als gleichberechtigten Zweck neben den eigenen Nutzen stellen; nur weiß er nicht, wie sich beide Zwecke so verbinden lassen könnten, daß sie sich
nicht ständig in den Haaren liegen müssen. Ihre Verbindung bleibt eine idealistische Forderung, ein "nicht nur, sondern auch" ohne innere Beziehung zueinander, weil ihr die vermittelnde Praxis fehlt. Der "Markt" (genauer: der Markt auf der Basis kapitalistischer Produktion) leistet aber mehr, als nur die Menschen zu zwingen, in der Verfolgung ihrer Profit- und Lohninteressen (mehr oder weniger) nützliche Arbeit für andere zu leisten. Dies ist seine zivilisierende, gesellschaftsbildende "Mission", indem er einander wildfremde Menschen über alle vorbürgerlichen Schranken hinweg weiträumig miteinander verbindet und voneinander abhängig macht. Die Ironie der Geschichte ist
jedoch, daß er mit seiner erfolgreichen Entwicklung zugleich seine eigene Notwendigkeit untergräbt, sich selbst tendenziell verzichtbar macht. Dazu nur einige allgemeine Hinweise, die sich aber leicht konkretisieren ließen.

Der Austausch, ursprünglich ein zwangloses Verhältnis unabhängiger Gemeinwesen und Privatproduzenten, hat sich mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion längst in ein ebenso verbindendes wie trennendes Zwangsverhältnis verwandelt, das sich ständig selbst
blockiert. Als Form der Vermittlung zwischen gesellschaftlicher Produktion und Konsumtion wird er selbst immer mehr zum Hindernis dieser Vermittlung, zur ausgrenzenden und trennenden Schranke. Während er die Privatproduzenten zwingt, für fremden, also gesellschaftlichen Bedarf
(konsumtiven wie produktiven) zu arbeiten, ist er dank der kapitalistischen Produktion selbst zur größten Fessel des gesellschaftlichen Nutzens und zum Anlaß permanenter Schädigung des
Menschen wie der Natur geworden. Gleichzeitig aber hat sich mit dem Austausch die gesellschaftliche Arbeitsteilung entwickelt, auf der er beruht, oder anders gesagt: die gesellschaftliche Kombination der Teilarbeiten, die alle Produktionsbetriebe direkt und indirekt
miteinander verbindet. Es ist ihre kombinierte Gesamtarbeit, auf der die materielle Reproduktion der ganzen Gesellschaft beruht und die ihren wirklichen Reichtum ausmacht, die in ihrer Leistungsfähigkeit jedoch gefesselt ist durch den allgemeinen Austausch- und Verwertungszwang, die Diktatur des profitgeschwängerten Tauschwerts, wie jede "Überproduktionskrise" beweist. Außerdem hat sich mit der Verallgemeinerung der Lohnarbeit auch das subjektive Verhältnis zu ihren Inhalten gewandelt. Neben das nackte Lohninteresse tritt zunehmend das Bedürfnis nach gesellschaftlich nützlicher und anerkannter Arbeit, vor allem in den Dienstleistungsbereichen mit ihrem direkten Bezug zum Nutzer. Selbst in Unternehmenskreisen ist social responsability ja
keineswegs nur ein PR-Slogan. Sollte sich also nicht, wenn diese Entwicklung anhält, die gesellschaftliche Produktion eines Tages auch gesellschaftlich organisieren und unmittelbar, ohne trennenden Austausch, in den Dienst des gesellschaftlichen Bedarfs stellen lassen?

Unmöglich, sagt die marktwirtschaftliche Logik und beruft sich auf den "Preismechanismus des Marktes", der den "Anbietern" erst die nötige Information über den gesellschaftlichen Bedarf liefere und für die optimale "Allokation der Ressourcen" sorge. Auch Hank scheut sich nicht, auf dieses Märchen zurückzugreifen. Dabei weiß jedes Kind, daß Bedürfnis und Kaufkraft wenig miteinander zu tun haben. Und welche Turbulenzen der Markt auslösen kann, wenn er fiktive Werte bepreist und eine fiktive Kaufkraft vorgaukelt, haben wir ja gerade erst wieder erleben müssen. Schließlich ist der Markt auch mitverantwortlich für die gigantische Ressourcenverschwendung, die uns den Klimawandel beschert, weil reale Preise immer nur zurückliegenden Aufwand ausdrücken, für die Zukunft aber blind sind. Nein, der gesellschaftliche Bedarf läßt sich völlig unabhängig von der zahlungsfähigen Nachfrage ermitteln und ist auch
heute schon weitgehend bekannt. Scharen von Marketing-Experten tun nichts anderes, als ihn nach ungenutzten Potentialen für marktgängige Produkte und Dienstleistungen zu durchforsten. Einigkeit der Produzenten vorausgesetzt (und in dieser Voraussetzung liegt das eigentliche
Problem), erfordert eine unmittelbar dem Bedarf dienende Produktion nicht mehr, als daß die Produzenten aus freien Stücken und verantwortungsvoll als Zweck ihrer Arbeit bejahen, was die
Marktwirtschaft ihnen als mehr oder weniger lästige Bedingung des Austauschs aufzwingt. Die praktischen Probleme würden sich darauf reduzieren, Produktionskapazität und -umfang dem wirklich vorhandenen, global verantwortbaren und gesellschaftlich akzeptierten Bedarf anzupassen. Jeder Hersteller aber weiß heute auch ohne monetäre Kostenrechnungen, welcher Input an Produktionsmitteln und Arbeitskraft in welcher Zeit für welchen quantitativ und qualitativ gewünschten Output nötig wäre. Um den zu realisieren, wären außer engen Hersteller-Nutzer-Beziehungen und eigener Flexibilität vor allem verläßliche Zulieferbeziehungen nötig. Sofern aber die Produzenten diese unmittelbaren Beziehungen ihrer Teilarbeiten beherrschten, würden sie
gemeinsam ' nach Art eines neuronalen Netzwerks und ganz ohne zentrale Planbehörde ' auch ihre gesellschaftliche Gesamtarbeit beherrschen können. Und sie hätten das Hanksche Problem, das Wohl des anderen mit dem eigenen Nutzen zu verbinden, auf sehr einfache und elegante Weise
gelöst: Unmittelbar nützliche Arbeit für andere als Zweck aller gesellschaftlichen Produktion wäre automatisch nützliche Arbeit füreinander und die beste Gewähr für die Befriedigung auch der eigenen Bedürfnisse. "Die freie Entwicklung eines jeden" wäre endlich "die Bedingung für die freie Entwicklung aller"...

Nun macht die theoretische Begründung für die Verzichtbarkeit des Marktes diesen natürlich noch lange nicht praktisch verzichtbar. Er bleibt notwendig und damit trotz aller Kritik sogar vernünftig (im Hegelschen Sinne), solange seine Aufhebung nicht praktisches Bedürfnis der Produzenten selbst geworden ist und ihnen als realisierbare Möglichkeit erscheint. Doch dazu wäre eine Entwicklung nötig, die sich weder prophezeien oder planen noch gar überspringen läßt (auch nicht von irgendwelchen linken Avantgarden oder Ersatzsubjekten). Sie ließe sich inhaltlich fassen als Vereinigung der dissoziierten Lohnabhängigen zu verantwortungsbewußten gesellschaftlichen Produzenten oder als freie und selbstbewußte Vergesellschaftung der Arbeitskraft, die eine
Vergesellschaftung (und nicht etwa Verstaatlichung) der Produktionsmittel überhaupt erst ermöglichen würde. Zwar gibt es dafür auch heute schon einige Anhaltspunkte, die Hoffnung machen. Aber das wäre ein neues Thema und würde den Rahmen dieser Kritik sprengen."
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Sozialismus. Warum nicht? -: - Mit einer Würdigung versehen von Rainer Hank
Sozialismus. Warum nicht? -: - Mit einer Würdigung versehen von Rainer Hank von Gerald A. Cohen (Gebundene Ausgabe - 27. September 2010)
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