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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleinstadtleben, Argwohn und Einsamkeit, ein Zeitgemälde
John Burnside Die Spur des Teufels Knaus
ISBN 3813502961

In dem kleinen Küstenstädtchen Goldhaven siedeln nur wenige Menschen. Michael Gardiner ist mit seinen Eltern zugezogen. Sie ahnten nicht, wie argwöhnisch hier Außenseiter betrachtet werden und welche Schikanen man für sie parat hält. Der Vater, eine bekannter...
Veröffentlicht am 5. Mai 2008 von cl.borries

versus
3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Die Spur Ins Nichts"
Leider Kann ich mich nach der Lektüre dieses Buches den durchweg lobend und positiven Einschätzungen der anderen Rezensienten nicht anschließen!

Lässt es wie schon bei seinem einzig anderen ins Deutsche übersetzte Buch "Glister" nach den ersten Seiten ein sprachlich anspruchsvolles und spannendes Buch erwarten, stürzt es sehr...
Veröffentlicht am 25. Februar 2012 von ohweh


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kleinstadtleben, Argwohn und Einsamkeit, ein Zeitgemälde, 5. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Gebundene Ausgabe)
John Burnside Die Spur des Teufels Knaus
ISBN 3813502961

In dem kleinen Küstenstädtchen Goldhaven siedeln nur wenige Menschen. Michael Gardiner ist mit seinen Eltern zugezogen. Sie ahnten nicht, wie argwöhnisch hier Außenseiter betrachtet werden und welche Schikanen man für sie parat hält. Der Vater, eine bekannter Naturfotograf, die Mutter und der Sohn werden zeitlebens Außenseiter bleiben.
Kann man sich vorstellen, wie es in der Seele eines Jungen aussieht, der sich einsam und ausgegrenzt fühlt? Da wird das Leben selbst zur Bedrohung und Angst, und jede Hilfe wird dankbar angenommen.
Ein Netz von Einzelschicksalen führt zu einer Geschichte, in der Schikane, Geheimnis und merkwürdige Begebenheiten das Leben schwer erträglich machen.
Versteckter und offener Argwohn unter den Einwohnern einer Kleinstadt; Liebe, Ehe und die Sprachlosigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen bilden das zentrale Thema des atmosphärisch tief in die menschliche Psyche hineinleuchtenden Romans.
Michael Gardiner ist der Held: als Schüler ist er verpönt und wird drangsaliert von Malcolm Kennedy, der keine Gelegenheit auslässt, um ihn zu drangsalieren und zu schikanieren.
Die alte Blumenliebhaberin Mrs. Collings wird zu einer wirklichen Freundin, bei der Michael Schutz findet, und von der er sich angenommen und verstanden fühlt. Sie gibt Anleitungen zum Leben, die er dankbar annimmt, die allerdings auch schrecklichen Folgen haben.
Eltern und Sohn bleiben sich fremd, da niemand die Schranke des Schweigens durchbricht, mit der sie sich dem Gespinst der unversöhnlichen Einwohnerschaft und deren Verfolgungen ausgesetzt sehen.
Die Anmerkungen zu Gardiners missglückter Ehe zielen in die gleiche Richtung von Sprachlosigkeit und Unverständnis.

Dass Michael sich zuletzt in eine Idee verrennt, in der er sich als Vater einer Tochter wähnt und zugleich eine Beziehung zu ihr aufbaut, die an die Geschichte von Lolita denken lässt, ist fast ein wenig zu viel des Abartigen. Die Handlung pendelt zwischen Krimi, realem Handeln und praktizierter Eigenbrötelei.
Burnside entwickelt aus einem Netz von Gerede, mythischen Geschichten und Kleinstadttratsch ein Zeitgemälde, das dem Leben entsprungen scheint. Die Kleinstadtbewohner lassen sich aus der Enge ihres Denkens zu Handlungen hinreißen, die an Hass, Argwohn und Heimtücke nicht zu überbieten sind.
In dieser Gesellschaft wird Angst, Missverstehen und die pure Verfolgung durch eine Gemeinschaft gezeigt, die von kleinlichem Geist, beschränkter Wahrnehmung und dem Gedanken an die Ausgrenzung Andersdenkender beherrscht wird. Poetische Passagen mit kargen und malerischen Naturbetrachtungen bilden einen ruhigen Kontrast und ergänzen doch die herbe Seite der Menschen. Die Romanversion ist eng an eine mögliche Realität angelehnt. Der Roman steigert sich zu einem beklemmenden und spannenden Thriller, der man mit angehaltenem Atem liest.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überwiegend überzeugend, 20. Juni 2008
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Gebundene Ausgabe)
"In Coldhaven, einem kleinen Fischernest an der Ostküste Schottlands, wachten die Menschen vor langer Zeit an einem düsteren Morgen Mitte Dezember auf und sahen nicht nur, dass ihre Häuser tief und traumverloren unter einer so dicken Decke Schnee begraben lagen, wie sie nur ein- oder zweimal in jeder Generation ausgebreitet wird, sondern dass darüber hinaus, während sie geschlafen hatten, etwas seltsames geschehen war, etwas, was sie nur mit Geschichten und Gerüchten zu erklären wussten, die sie allerdings, da sie ein braves und gottesfürchtiges Volk waren, höchst ungern weitererzählten, Geschichten, in denen der Teufel vorkam (...). Jene, die am lang vergangenen Wintermorgen als Erste aus den Betten waren, (...) sollten die Ersten sein, die jenes Phänomen bemerkten, das die ganze Stadt später die <Spur des Teufels> nannte."

Temporeich, kunstvoll und vor allem recht unheimlich lässt der Schotte John Burnside seinen Roman "Die Spur des Teufels" beginnen. Doch wird es, anders als der Duktus der ersten Seiten vermuten ließe, keine Schauermär vor der rauen, schottischen Küste geben, keine Phantastik, die ein Stephen King in einem nicht minder verschlafenen Nest in Maine erzählt hätte und auch keinen mystischen Gesang aufs Meer, der doch so typisch ist für britische und irische Autoren, von einer Iris Murdoch bis hin zu John Banville.

Für das, was uns Burnside erzählen will, hätte es der Sage vom dem Meer entstiegenen Teufel nicht bedurft. Wollte man John Burnside böse, würde man ihm einen kleinen Trick unterstellen, denn die ersten Seiten eines Buches, sind schließlich die, auf die es durchaus ankommt, zumindest, wenn es um die vorrangige Weckung des Leseinteresses geht. Und dort punktet Burnside gewaltig, doch schon bald konzentriert sich das Handlungsgeschehen auf Michael Gardiners Leben; Burnsides Protagonisten, der uns in besagtem Coldhaven die Geschichte eines höchst verschrobenen, provinziellen Pöbels erzählt, der Michaels Eltern - die nicht nur das Stadtleben satt hatten, sondern auch an einer unheilvollen Vergangenheit zu leiden haben, um an der beschaulichen Küste ein Refugium und zugleich Inspiration zu finden (der Vater ist Photograph) - bei jeder sich bietenden Gelegenheit drangsaliert.

All diese Kindheits- bzw. Jugenderinnerungen an Coldhaven brechen hervor, als Michael - wohlhabend, müßiggängerisch, sich in seiner Ehe langweilend - eines morgens die Zeitung aufschlägt, und erfährt, dass Moira, seine Geliebte von anno dazumal, sich und ihre beiden Kinder umgebracht hat. Allein Hazel, ihre 14-jährige Tochter, ist dem grauenvollen Ereignis nicht zum Opfer gefallen. Michael erinnert sich zurück, an Tom Birnie, den grobschlächtigen Kerl, der Moira freite, und der Stachel des Zweifels bohrt sich in Michaels Brust: Vor 14 Jahren hatte er eine Affäre mit Moira, 14 Jahre alt ist Hazel - ist sie, die Hinterbliebene, womöglich seine leibliche Tochter? Manisch besessen von diesem Gedanken, einem Stalker gleich, verfolgt Michael Hazel auf Schritt und Tritt, bis die beiden schließlich eines Tages durchbrennen und eine scheinbar ziellose Reise antreten.

John Burnside versteht sich in seiner Sprache auf schöne, kraftvolle Bilder. Dass er auch Lyriker ist, liefert dem Roman an vielen Stellen einen sehr erfreulichen Benefit. Die Schatten der Vergangenheit nehmen einen großen Raum ein in der Farbsymbolik des Romans. Man denke hier an die kunstwissenschaftlichen Bemerkungen zu Lichtquellen in Bildern, ehe Michael kurze Zeit später eben jene eigene Schattenseite zeigen wird. Darüber hinaus gibt es viele weitere Textstellen, die stets Licht- und Schattenflächen genauestens charakterisieren. Zudem ist Michael selbst durchaus überzeugend gezeichnet, das Dahinsiechen seiner Ehe zu Amanda metaphernreich geschildert.

Und doch, bei aller Atmosphäre, Mystik, dem kunstvollen und zugleich unterhaltenden Erzählstil kommt man nicht umhin, Schwachstellen des Romans auszumachen. Dazu zählt vor allem jene Reise mit Hazel, in der Nabokovs "Lolita" als Intertext allzu bemüht beschworen wird. Hazel bleibt leider gänzlich rätselhaft, die psychologische Spannung zwischen den beiden hätte - wenn man schon so krampfhaft "Lolita" bemüht - überzeugender gestaltet sein dürfen.

Dennoch ist "Die Spur des Teufels" durchaus lesenswert. Die kleinen Abstriche tun dem insgesamt kunstvollen und zugleich kurzweiligen Erzählduktus keinen Abbruch: Der Sätze, die sich über eine ganze Seite bewegen, sind nicht wenige. Allenthalben streut Burnside Zitate aus Filmen und der Literatur ein. Und allenthalben überzeugen den Leser schöne Bilder und weitere Eindrücke, die das Gefühl erwecken, gerade selbst den salzigen Geschmack des schottischen Meeres auf der Zunge zu spüren, umweht von einer eiskalten Brise.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Entdeckung, 3. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Gebundene Ausgabe)
John Burnside, der bis jetzt noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, wird hier vom Knaus Verlag mit "Die Spur des Teufels" im deutschsprachigen Raum eingeführt. Die Hinweise jedoch, dieses Buch sei ein "Thriller", sind in Wahrheit Fehlinformationen, dieses Buch ist ein wirklich tolles literarisches Werk, mit dunklen "Seiten" und wird für Leser, die einen Thriller suchen, eine herbe Enttäuschung sein. John Burnsides "Held" ist ein ca. 40 jähriger Mann, der in einer scheinbar lieblosen Ehe passiv gefangen, den Verlust seiner Eltern aufarbeitet und sich in eine abenteuerliche Flucht mit seiner vermeintlichen Tochter begibt. Mehr möchte ich zur Story nicht verraten. John Burnside schafft ganz wunderbare Stimmungen und schreibt wunderschöne (z.T. auch sehr lange) Sätze (der erste Satz geht schon fast über 3/4 der Seite) und lässt oft repetitiv Gedanken kreisen.
Fazit: tolles Buch, hoffentlich lässt der Knaus Verlag uns Leser mit den weiteren angekündigten Büchern nicht lange warten.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessantes, tiefgründiges Buch, 14. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Klappentext von John Burnsides Roman "Die Spur des Teufels" will den Leser glauben machen, es handle sich um einen Thriller - das stimmt aber nicht. Ganz im Gegenteil ist es eine äußerst stille, nichtsdestotrotz aber spannende Geschichte, die unterschiedliche Themen und Handlungsstränge kunstvoll mischt. Der erste Teil, in dem Michael sich an seine Kindheit erinnern, an das Unglück seiner Eltern, das er als Kind nur vage wahrnahm, und den Mord/Unfall an dem verhassten Schulkameraden, wirkt wie eine Abrechnung und Rekapitulation längst vergangener Ereignisse.
Dann aber wandelt sich die Geschichte und wird zur Selbstfindungsreise, die stellenweise ein wenig an Nabokovs "Lolita" erinnert: Michael fühlt sich auf verstörende Art und Weise hingezogen zu der Vierzehnjährigen, von der er gleichzeitig glaubt, ihr Vater sein zu können. Die beiden begeben sich auf eine Art Road-Trip durch Schottland, an dessen Ende für Michael Gardiner, der in einer lieblosen Ehe von seiner eigenen Ziellosigkeit und Entscheidungsunfähigkeit gefangen ist, die Katharsis steht. Aber selbst diese kommt äußerst sanft daher, ohne Paukenschlag und reinigendes Gewitter, sondern quasi im Vorbeigehen.

Bemerkenswert ist die Ruhe, mit der die Geschichte erzählt wird. Nicht Michaels Jugendliebe, die sich und ihre Kinder im Auto verbrennt, steht im Mittelpunkt. Und auch der Tod des Jungen, der Michael schikaniert hat, wird zuerst nur sehr beiläufig erwähnt und ist im weiteren Verlauf kaum mit Schuldgefühlen oder anderen aufwühlenden Emotionen behaftet. Gerade dies zeigt eindrucksvoll, dass der Titel gebende Teufel letztendlich in vielen Menschen, die diesen Roman bevölkern, wohnt: in Michael Gardiner selbst, in den Bewohnern von Coldhaven, in Hazel und in ihrem Bruder - ja vielleicht sogar im Leser selbst.
John Burnside benutzt eine äußerst kraftvolle, bildreiche Sprache, die das Dorf Coldhaven mitsamt seinen Bewohnern vor dem inneren Auge des Lesers lebhaft auferstehen lässt und einem bisweilen einen Schauer über den Rücken laufen lässt, so unangenehm und klaustrophobisch ist die Atmosphäre.

"Die Spur des Teufels" ist ein sehr interessantes, tiefgründiges Buch, still und trotzdem fesselnd, wortgewaltig und fast poetisch. In Schottland zählt John Burnside zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart; dieser Roman ist der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde - das wurde wirklich Zeit, denn Burnside ist ohne Zweifel eine lohnenswerte Entdeckung.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gibts den Teufel doch ??, 5. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Spur des Teufels

An den Anfang des Buches ist die Sage gestellt, nach der die Menschen vor langer Zeit im Dezember morgens erwachten, und alles zugeschneit war. Während sie geschlafen hatten, war was Seltsames, Merkwürdiges passiert. Es hatte nicht nur geschneit, es war auch "Die Spur des Teufels" zu sehen! Ein spalthufiges Wesen hatte Spuren hinterlassen im Schnee. Die Spur führte nicht nur die Straßen entlang, sondern sie führte auch an Mauern hoch, über Dächer. Später stellten sie fest, dass die Spur an der Küste begann, über den Friedhof lief und irgendwo in den Feldern außerhalb des Ortes endete. So als wäre dieses Geschöpf dem Meer entstiegen, über den Strand in die Straßen und Gassen des Ortes, über die Dächer, die Kirche und Gassen und Häuser gehüpft. - Die Leute nannten diese Sache "Die Spur des Teufels". Die genaue Herkunft dieser Spuren wurde nie geklärt, als der Schnee weg war, war die Spur verschwunden, und die Leute begnügten sich damit, dass es der Teufel gewesen war.

Auszug: "Sie hatten geglaubt, es lebe nur da draußen, dort, wo der alte Geist beerdigt worden war. Jetzt aber sahen sie, dass es zwar begraben, aber nicht tot gewesen war, dass s gar nicht tot sein konnte, sondern sich nur verbergen ließ. Mit äußerster Anstrengung und willentlicher Blindheit gegenüber jedem, was sich durch die Nacht bewegte, im Gras, im eigenen Fleisch, konnte es nahezu endlich verheimlich werden - zumindest hatten sie das gehofft. Doch es ließ sich nicht auf immer verheimlichen, und bald begann es, sich durch allerhand Zeichen, Gestern und vielsagende flüchtige Hinweise auf schreckliche Schönheit und erschreckende Wildheit zu offenbaren. Der Teufel, den sie kannten, und der Teufel, den sie nicht kannten. - - - - "

Der Protagonist, Michael Gardiner, Ich-Erzähler, wohnt in einem verlassenen Ort in Schottland, in Coldhaven. Ein Ort, wo die Einheimischen keine Fremden in ihre Gemeinschaft aufnehmen, ja sie sogar ausgrenzen und deutlich ablehnen. Die Geschichte beginnt damit, dass er in der Zeitung liest, dass eine alte Freundin von ihm (Moira) ihre beiden kleineren Kinder und sich selbst umgebracht hat. Ihre älteste Tochter (Hazel) hat sie vorher aus dem Auto geschickt und sie mitten in der Landschaft ausgesetzt; Hazel hat somit überlebt. Da fällt Michael ein, dass dieses Mädchen auch seine Tochter sein könnte. Er hatte nämlich damals, zu der Zeit als das Mädchen gezeugt wurde, ein Techtelmechtel mit Moira.

Die Geschichte wechselt jetzt häufig in der Chronologie. Erinnert er sich zunächst an seine Eltern, die irgendwann mal sich diesen einsamen Ort ausgesucht hatten. Beide waren Künstler, der Vater Fotograf, er hatte als Fotojournalist gearbeitet, aber auf dieser Insel widmete er sich nur noch den Beobachtung von Vögeln und der Fotografie von Natur.

Michael war das einzige Kind. Und erst viel später hatte er erfahren, dass seine Eltern, als sie damals in diesen Ort, zunächst in eine Straße mehr im Ort gewohnt hatten, regelrecht von der Bevölkerung gemoppt wurden; z.B. wurden in ihrem Briefkasten tote Ratten oder ähnliches eingeworfen, die Mutter Tag und Tag am Telefon beschimpft usw. - Als Kind hatte das Michael nicht so mitbekommen, sie wollten ihn schonen. Michael selbst aber wurde ebenso gemoppt, was er wiederum seinen Eltern aus dem gleichen Grund nicht erzählte, er wollte sie schonen. In diesem Ort werden nicht nur die Fremden gehasst, sondern auch die Leute selbst hassen sich gegenseitig. - Einer misstraut dem anderen, nur gegenüber Fremden sind sie einer Meinung: gemeinsamer Hass. Sonst verbindet sie nichts.

Ein etwas älterer Junge hat Michael besonders im Auge. Er passt ihn regelmäßig ab, verprügelt ihn, egal welchen Weg er nimmt, Michael macht allerlei Umwege, aber sein Quäler findet ihn überall. ..... soweit mal zum Inhalt.

Eine Fülle von Schikanen, Quälereien, Mobbing, merkwürdige Vorfälle prägen die Geschichte des Protagonisten und seiner ganzen Familie.

In den zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es nur wenige Dialoge, die Leute vom Ort sind äußerst fremdenfeindlich, grundsätzlich argwöhnisch und verfolgen sie mit ihrem Hass.
Alles erscheint tiefenpsychologisch erklärbar, der Autor hat das in einer sehr außergewöhnlichen Sprache versucht darzulegen.

Nur ist er meiner Meinung nach im letzten Teil damit etwas zu weit gegangen. Wirr und ziellos lässt er den Protagonisten durch die Gegend ziehen, Schlussfolgerungen, Gedanken, Heimkehr, alles bleibt im Nebel. Einiges wird hingeworfen, der Leser bekommt sehr viel Zeit selbst zu denken.

Leider war dieser letzte Teil des Buchs für mich negativ. Es war einfach mehr einer Psychiatrie zugehörig als einem Roman.

Und weil ich es dann doch fertig gelesen habe? Ich dachte immer, da kommt noch irgendeine Auflösung. Die kam aber nicht.

Der Protagonist lebt sein Leben anschließend einsam, nur den Vögeln zugewandt, nur nachdenkend - - - - Ob er eine Art Buße oder Wiedergutmachung damit bezweckt? Oder auch eine Entschuldigung für seine Lebensgeschichte? - Das bleibt offen.

Aber was mir einfiel bei dem Lesen, grade war der Amoklauf in Winnenden geschehen: auch so könnte/kann ein Hintergrund bei einem Jugendlichen abgelaufen sein, der alles in sich speichert, alle Erniedrigungen, Quälereien stumm erträgt, und es eben dann zu Mord/Morden - auch Amoklauf - kommen könnte.
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4.0 von 5 Sternen Atmosphärisch dicht!, 12. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Gebundene Ausgabe)
John Burnside gilt als einer der besten schottischen Autoren, völlig zurecht. Auch in diesem Buch zeigt er einmal mehr seine Stärken: Eine wunderbar dichte Sprache, ungewöhnliche Bilder, zudem schafft er es auch in diesem Roman wieder die beklemmende Atmosphäre einer Kleinstadt zu zeichnen.

In diesem Setting werden allerlei kleine Geschichten erzähllt und Geheimnisse enthüllt. Es ist jedoch kein Thriller im klassischen Sinn, etwa die Suche nach einem Mörder. Es ist mehr ein Sittengemälde und eine Rückschau auf eine verlorene Jugend und ein dunkles, lange verschwiegenes Kapitel. Und genau das zeichnet dieses Buch auch aus. Es ist spannend, aber ungewöhnlich, bis hin zur leicht an "Lolita" erinnernden Flucht durch das Land im zweiten Teil.

Beim Lesen selbst hat mir irgendetwas gefehlt, vielleicht der rote Faden, vielleicht etwas mehr Verbundenheit mit der Hauptfigur, ich weiß es nicht. Deshalb bekommt es nur gute vier Sterne. Eine schöne Leseerfahrung ist der Roman jedoch allemal.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwarze Spuren, 4. Juli 2008
Von 
Alexander Schau (Leipzig) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Gebundene Ausgabe)
Irgendwann einmal ist der Teufel durch das kleine Fischerdorf gekommen: Schwarze Hufabdrücke hat er im Schnee hinterlassen, eine Spur führt vom Meer hinein ins Land. Und obwohl die Menschen es eigentlich besser wissen sollten: Wer außer dem Leibhaftigen selbst soll es sonst gewesen sein?

"Wie ein Virus ist eine Familie eine sich selbst erhaltende Lebensform. Niemand entkommt ihr."

Michaels Eltern sind vor vielen Jahren nach Coldhaven gekommen, um der Stadt zu entkommen und vielleicht so etwas wie einen Neuanfang zu wagen inmitten der Idylle. Seinen Vater, einen namhaften Fotografen, hat das Licht dieses Ortes regelrecht verzaubert, er hat Stunden und Tage damit verbracht, durch die Landschaft zu streifen und Vögel zu beobachten. Er wusste wirklich alles über sie. Es schien fast, als hätten die Familie ihr kleines, persönliches Paradies gefunden.
Die Bewohner des Dörfchens allerdings setzen alles daran, die Gardiners zu vertrieben: Drohanrufe in aller Herrgotsfrühe, nachbarschäftliche Schikanen am Gartenzaun und böse Blicke wurden bald fester Bestandteil des Alltags. Die Mutter war immer wieder mit den Nerven am Ende, den Vater hingegen ließ das alles kalt, jedenfalls nach außen hin. Und Michael - ja, Michael war damals noch ein Kind, zu jung, um die Ausmaße der Bösartigkeit zu begreifen.
Inzwischen sind Michaels Eltern tot, das Dorf hat sogar seine Mutter auf dem Gewissen. Michael wohnt mit seiner Frau im elterlichen Haus, fühlt sich trotzem allein oder gerade deshalb. Und eines Tages entdeckt er in der Zeitung einen kurzen Artikel, der vieles für ihn verändern soll: Er rollt seine Vergangenheit wieder auf, fördert ein dunkles Geheimnis zu Tage und lässt Michael auf eine Reise gehen, die dort enden wird, wo sie begonnen hat: In den Fußspuren des Teufels.

"Das Licht. Das Meer. Der Wind. Sobald man aufhört zu suchen, gibt es nur noch die Gegenwart. Die Gegenwart dauert ewig."

John Burnside hat das, was sich viele Drehbuchautoren vergeblich wünschen: Ein Händchen für Veränderungen. Gekonnt versteht er es, Michaels Vergangenheit, seine Bewggründe und große Teile seines Innenlebns auf nur wenigen Seiten so detailliert auszuleuchten, dass man sich als Leser immer wieder wundert, woher man all diese Informationen hat. Der Autor verliert dabei zu keiner Zeit seinen roten Faden aus den Augen, die Episoden sind immer nur gerade so kurz, dass man sofort darauf wieder nahtlos in den Sog der eigentlichen Geschichte gezogen wird - und, ehrlich gesagt, die ist fast ein bisschen schwach. Gerade zum Ende hin verliert Burnsides Erzählfluss merkbar an Kraft; ich hätte mit Michael zusammen noch viele, viele Seiten lang in seinen Erinnerungen schwelgen können, ich hätte gern noch mehr erfahren über sein Leben, obwohl es genau betrachtet überhaupt nichts Besonderes gewesen zu sein scheint. Burnside aber ist ein so brillianter Erzähler, dass man sich von seinen Worten gar nicht mehr trennen mag. Ihm gelingt eine ausgewogene Mischung aus sowohl Melancholie als vollkommen nüchternem Realismus, das alles eingehüllt in eine Sprache, die fast immer herrlich romantisch ist, aber niemals auch nur annähernd kitschig.
John Burnside hat hier ein ganz großes Buch vorgelegt, das mir vermutlich noch einige Zeit in Erinnerung bleiben wird.
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5.0 von 5 Sternen Hammer geiles Buch!, 5. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Taschenbuch)
Hammer geile Buch! Wärmstens zu empfehlen für alle Buchliebhaber ein absolutes Muss im Bücher-Regal. Klasse "Story" und tiefgründig!!! Es war in kürzester Zeit durch gelesen!
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5.0 von 5 Sternen Die Spur des Teufels, 29. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Taschenbuch)
Sehr guter Roman , sprachlich sehr schön , inhaltlich sehr spannend und anziehend . Das Ende möchte man erfahren , es ist dann sehr versöhnlich.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen "Die Spur Ins Nichts", 25. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Spur des Teufels: Roman (Taschenbuch)
Leider Kann ich mich nach der Lektüre dieses Buches den durchweg lobend und positiven Einschätzungen der anderen Rezensienten nicht anschließen!

Lässt es wie schon bei seinem einzig anderen ins Deutsche übersetzte Buch "Glister" nach den ersten Seiten ein sprachlich anspruchsvolles und spannendes Buch erwarten, stürzt es sehr schnell in einen langwierigen, überangestrengt philo- und anthroposophischen inneren Dialog, dem die eigentliche Handlung nur wenig Spannung hinzufügen kann, sich überhaupt nur auf wenige Ereignisse beschränkt und nur zur reinen Makulatur gerät.

Ich denke, am besten sind beide ins Deutsche übersetzte Bücher John Burnsides mit seinen eigenen, diesem Buch entnommenen Worten zu beschreiben:

"Ich wollte aufhören, unablässig zu denken; ich wollte die Stimmen in meinem Kopf ausblenden, die endlosen Banalitäten, den inneren Dialog des Unsinns, der endlos geführt zu werden scheint. Der unnötige Wahn des inneren Plapperns, das nicht zum wahren Selbst gehört, sondern einverleibt, antrainiert wurde. Ergibt das einen Sinn?"

"Das einzige Problem war nur, daß mein Verstand sich gleich wieder zu überschlagen drohte,...daß er die gewohnten Gedanken und Vermutungen abspulte, die mentale Tapete eines entschieden beigefarbenen Geistes zeigte."

Es passiert mir sehr selten, daß ich ein Buch kurz vor dem Ende, und damit meine ich tatsächlich 20-30 Seiten(!) vor dem Ende, einfach nicht mehr weiterlesen möchte. In diesem Falle war es so!
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Die Spur des Teufels: Roman
Die Spur des Teufels: Roman von John Burnside (Gebundene Ausgabe - 11. Februar 2008)
EUR 18,00
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