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60 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der große Treck, die Flucht, für viele "alles umsonst".
Alles fängt recht harmlos an: Der Gutshof Georgenhof der Familie von Globig in Ostpreussen wird beschrieben, seine Bewohner und Besucher einzeln vorgestellt, die weltfremde schöne Gutsbesitzersgattin Katharina, das schrullige, aber resolute Tantchen, der 12-jährige Sohn Peter, um den sich eigentlich keiner so recht kümmert. Ausser der täglich zu...
Veröffentlicht am 11. September 2006 von gigunelsa

versus
16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ambivalent
Mein Urteil über diesen "Flucht"-Roman (als der er ja angekündigt wird) ist ein bißchen zwiespältig:
Einerseits eine gute, spannende Geschichte im typischen Kempowski-Stil - andererseits dauert es fast bis zum Ende des Buches, bis die Flucht endlich beginnt; und dann wird sie auf relativ wenigen Seiten abgehandelt.
Da ich durch meine Familie...
Veröffentlicht am 28. Februar 2008 von Bookoholic


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60 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der große Treck, die Flucht, für viele "alles umsonst"., 11. September 2006
Von 
gigunelsa - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst (Gebundene Ausgabe)
Alles fängt recht harmlos an: Der Gutshof Georgenhof der Familie von Globig in Ostpreussen wird beschrieben, seine Bewohner und Besucher einzeln vorgestellt, die weltfremde schöne Gutsbesitzersgattin Katharina, das schrullige, aber resolute Tantchen, der 12-jährige Sohn Peter, um den sich eigentlich keiner so recht kümmert. Ausser der täglich zu Besuch eilende Studienrat Wagner, ein alter Herr, dem das Deutsche sehr wichtig ist.

Es ist der letzte Kriegswinter, 1945, Kälte, Eis und Schnee herrschen in Mitkau und Umgebung. Die Gutshof-Bewohner und deren Freunde leiden jedoch keine Not. Der Vater, Eberhard, ist zwar in Italien, kriegsbedingt, aber bisher ist niemandem etwas Schlimmes passiert.

Bis plötzlich in der Ferne Geschützdonner zu hören ist, "der Russe kommt" und der unendlich lange Treck der Flüchtenden am Georgenhof vorbeizieht. Zunächst findet man es ganz interessant, bekommt dann auch Einquartierung. Bis plötzlich, durch eine abenteuerliche, unüberlegte Handlung Katharinas, alles auseinanderbricht. Hinzu kommt nun auch noch die Flucht der Familie von Globig, von jetzt auf nachher beschlossen, ohne auf die Mutter zu warten.

Und ab da geschehen Ungeheuerlichkeiten, die sich dem Leser um so gnadenloser einprägen, als sich die Form des Erzählens in keiner Weise ändert, wohl aber der Inhalt!!

Walter Kempowski schreibt Sätze hin, dass man Gänsehaut bekommt, aber in einer ebensolchen Sachlichkeit, fast Indolenz, wie er sein Tagebuch "Im Block" geschrieben hatte.

Er versteht es meisterhaft, in einem Satz, bestenfalls mit noch einem Nebensatz, einen Menschen zu charakterisieren, dass man ihn förmlich vor sich sieht. Ja, sogar mit den Satzzeichen arbeitet er, mal ein Fragezeichen hinter einem Satz, wo eigentlich keines hingehört, mal Ausrufungszeichen gezielt eingesetzt.

Für mich ist er der größte zeitgenössische Erzähler überhaupt, er schafft es auf seine Weise, dass nichts in Vergessenheit gerät von der deutschen Geschichte.
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41 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen damit nicht alles umsonst ist, 13. September 2006
Von 
Ulf Evers (Wattenbek) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst (Gebundene Ausgabe)
Die Romanhandlung umfaßt den Zeitraum Januar bis Anfang Mai 1945 und endet mit der Abfahrt des letzten Flüchtlingsschiffes aus Ostpreußen.

Kempowski gelingt es in seiner unvergleichlichen Art, diesen Zeitraum zu beschreiben ohne Larmoyanz, ohne Anklage – im Gegenteil, es gelingt ihm durch ungeheuren Detailreichtum alle Seiten abzubilden.

Dieser Roman ist sicher kein Buch für Funktionäre von Vertriebenenverbänden, eher ein Buch für Nachgeborene, die sich nicht staubtrocken informieren, sondern Informationen gut verpackt dargeboten bekommen wollen.

Der bereits angesprochene Detailreichtum wundert angesichts Kempowskis Arbeit an dem Echolot-Projekt nicht, aber wie er sie verpackt die Details ist in der deutschen Literaturlandschaft sicher einmalig.

Was soll man sagen: Gut dem Dinge!
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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf Nimmerwiedersehen, 31. Juli 2008
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst: Roman (Taschenbuch)
Walter Kempowski, der so lange unterschätzte große Chronist der deutschen Nachkriegsgeschichte hat sich unmittelbar vor seinem Tod an eines der schwierigsten Kapitel der jüngeren Vergangenheit herangewagt: an die Geschichte der Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen. Wie kontrovers dieses Thema noch immer behandelt wird, zeigen die Konflikte um das "Zentrum gegen Vertreibung", in dem zahlreiche Stimmen auch in Deutschland ein Instrument des Revisionismus sehen.
Der vorliegende Roman lässt sich auf diese Frontstellungen überhaupt nicht ein, er bietet kein Gesamtpanorama, keine Gesamtbewertung sondern stellvertretend für alle anderen verlorenen Gebiete das mit Liebe und Melancholie gezeichnete Bild der letzten Tage Deutschlands in Ostpreußen.
Die Handlung des Romans setzt ein mit der Jahreswende 1944/5, die Russen stehen bereits an der Grenze, doch die Front erstarrt in trügerischer Ruhe. Auf Gut Georgenhof in der Nähe der Ortschaft Mitkam wird noch einmal Weihnachten gefeiert, als wären die Zeiten noch normal. Die Herrin des Hauses, die schöne, weltabgewandte Katharina von Globig, die Verwalterin des Gutes, das "Tantchen" und der 12jaehrige Peter als Sohn des Hauses beten, essen und musizieren und denken an Vater Globig, der als Wehrmachtsoffizier in Italien weilt. Wie ein Miniaturisierung der alten deutschen Suprematie in Osteuropa wirkt die Zusammenstellung des restlichen Hauspersonals: der treue Pole Wladimir versieht die Stall- und Hausmeisterdienste, und zwei ewig zänkische Mädchen aus der Ukraine versorgen die Küche.
Zuerst will die Handlung nicht recht in Schwung kommen, dann aber merkt man, dass sie einer Schlinge gleicht, die sich immer enger um die kleine Gemeinschaft von Mitkau zusammenzieht. Zuerst erscheinen nur vereinzelte, versprengte Wanderer aus dem Osten, die noch freundlich aufgenommen und beköstigt werden, dann setzt Anfang Januar 1945 das Donnergrollen der wieder erwachten Front ein, und der Flüchtlingsstrom schwillt an. Ein ganzer Querschnitt der Ostgesellschaft wird nun auf Hof Georgenhof einquartiert, ein unverschämter baltischer Baron aus Riga, dann einfache Baltendeutsche, schließlich eine immer weiter anschwellende Armada von Flüchtlingstrecks, die kommen, schlafen und weiterziehen. Kontrolliert und geplant wird die schrittweise Evakuierung vom Naziwart Drzygalski, der jede Spur von Defaitismus verfolgt und mit seinen Evakuierungsbescheiden höchst sparsam umgeht ( Am Ende wird er abhauen und seine kranke Frau einfach zurücklassen ). Inmitten dieser zunehmenden Fluchtbewegungen verharren die Verhältnisse auf Gut Georgenhof in scheinbarer Beständigkeit. Der kleine Peter lauft mit seinem Mikroskop durch die Gegend und beäugt merkwürdig unbeteiligt die Dinge aus allen nur möglichen Distanzen, das "Tantchen" versucht das Ausmaß der Diebstähle in Grenzen zu halten, nur die Gutsherrin Katharina last sich in einem sentimentalen Moment vom Dorfpfarrer dazu überreden, einen flüchtigen Juden für eine Nacht zu beherbergen.
Erst als die russische Front näherrückt und die Beherbergungsaktion Katharina von Globigs auffliegt, geraten die Dinge in Bewegung. Die Mutter wird verhaftet, "Tantchen", Peter, der Pole Wladimir und eine der beiden Ukrainerinnen packen ihre Sachen und schließen sich den Flüchtlingstrekks an. Nacheinander kommen dabei alle um, überrollt, von Bomben getroffen, erschossen wie die Mutter Katharina, aufgehängt wie der Pole Wladimir, kaum eine Todesart bleibt ausgespart auf dem Treck der Millionen, der doch nur in die Irre führt, weil im Westen die Russen bei Allenstein bereits den Weg ins Reich versperren. Am Ende schafft es nur Peter bis ans Meer, er erhält sogar einen Platz auf einer Barkasse für ein Flüchtlingsschiff, wobei aber unklar bleibt, ob er die Fahrt über die Ostsee überleben oder Opfer eines russischen Torpedoangriffes werden wird.
Damit endet das Buch und lässt den Leser ein wenig ratlos zurück. Wer Spektakuläres über Nazigräuel und die Exzesse der Roten Armee erwartet hat, wird enttäuscht, beides bildet nur das Bühnenbild für den Abschied eines ganzen Volkes aus seiner Heimat. Die Vielfalt dieses Volkes wird in Form zahlreicher psychologisch sparsam aber effektvoll in Szene gesetzter Figuren charakterisiert. Werturteile, Gejammer oder Anklagen wird man in dem Roman vergeblich suchen. Dafür ist es voller schmerzhaft einprägsamer Bilder, die man nicht so schnell vergessen wird - etwa die Evakuierung der Alten und Gebrechlichen mit ihren Schläuchen und Kathedern auf baufälligen Karren oder der endlose Bandwurmzug der Flüchtlinge - vom Hügel eines stolzen Dichterhauses aus gesehen, dessen Besitzer schon längst das Weite gesucht hatte. So endet nicht nur die deutsche Geschichte in Ostpreußen, mit diesen Bildern und Sentenzen endet auch dieser Roman Leben des großen Autors Walter Kempowski, und beider in Trauer und Respekt zu gedenken, muss erlaubt sein.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht umsonst, 9. August 2008
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst: Roman (Taschenbuch)
Walter Kempowski bringt die Tragödie des Frühjahrs 1945 in Ostpreußen auf die Ebene zurück, wo sie auch geschah, zu den einzelnen Menschen mit deren höchst persönlichen Schicksalen. Diese Menschen wirken echt und plastisch, oft drängt sich einem das Gefühl auf, so einen kenne ich doch und das obwohl der Kontext der damaligen Zeit ein völlig anderer ist. Die handelnden Personen sind unsicher und tun sich schwer das Geschehen einzuordnen. Während sie immer noch zaudern, den Gutshof zu verlassen, will man ihnen zurufen: Jetzt haut doch endlich ab!". Hier wird die diffuse Wissenslage, ein Gemisch aus jahrelanger Nazi - Propaganda, Gerüchten, Lügen und Dingen die man eigentlich wusste aber nicht wahrhaben wollte, besonders schön herausgearbeitet. Die Charaktere sind angenehm ausgewogen, sie zeigen sich fast immer von zwei Seiten, so kann sogar aus einem unappetitlichen Nazi wie Drygalski, am Ende noch ein Held werden. Der Autor verzichtet auf den erhobenen Zeigfinger und die Moralkeule, zu Recht wie ich meine, denn wer seine Bücher gelesen hat, kann ohnehin die - richtigen - Schlüsse ziehen.
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39 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In bewährter Manier, 25. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst (Gebundene Ausgabe)
Ein echter Kempowski, auch in seinen Romanen bleibt er sich treu. Wobei seinen Romanen der besondere Erzählstil dazu verhilft, absolut authentisch zu sein. Nichts klingt ausgedacht, nichts erfunden. Als Leser bekommt man einen absolut realistischen Eindruck aus der Zeit die man (Gottseidank) nicht selbst erlebt hat.

Meine Großmutter, die aus Frauenburg in Ostpreussen stammte, erzählte nicht viel von ihrer Flucht übers zugefrorene Haff alleine mit drei kleinen Kindern, der Älteste so alt wie der Peter im Roman, so konnte man sich das erlebte Grauen kaum vorstellen. Nun, wo sie tot ist und der große Erzähler Kempowski genau ihre Geschichte zu erzählen scheint, steht alles wieder vor einem und nun erst packt einen das Erlebte der Großmutter richtig.

Als Kempowskis Geschichte, im wahresten Sinne die deutsche Geschichte, sich der Flucht zuwendet und die Schrecklichkeiten in seiner distanzierten und dabei umso eindringlicher wirkenen Erzählweise zu lesen sind, konnte ich meine Tränen kaum zurückhalten. Zu schrecklich erschien mir nun das Erlebte meiner Großmutter. In so eindringlicher Form konnte oder wollte sie nicht erzählen.

Gut, dass es Walter Kempowski gibt. Ich liebe ihn.
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts ist, das ewig sey, kein Ertz, kein Marmorstein( Andreas Gryphius), 15. November 2006
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst (Gebundene Ausgabe)
Walter Kempowski versucht in seiner fiktiven Romanhandlung das Lebensgefühl der Menschen auf einem ostpreußischen Gut im Winter 1945 einzufangen.
Die Front ist etwa hundert Kilometer weit entfernt vom " Georgenhof" , aber man hält es nach wie vor nicht für möglich, dass man Ostpreußen für immer verlassen muss. Noch glaubt man an den "Endsieg", obgleich die Rote Armee bereits den Norden des Landes erreicht hat und die Menschen schon in Massen vor den Soldaten fliehen.
Die Gutsherrin Katharina von Globig flieht auch und zwar in ihre Traumwelten. Sie liest die jüdischen Schriftsteller Stefan Zweig und Jakob Wassermann, ohne zu wissen, dass deren Bücher im Nazideutschland verboten sind. Katharina ist völlig unpolitisch.
Ihr Sohn Peter wird von einem Hauslehrer ausgebildet. Peter begreift wohl mehr als seine Mutter in welchen Zeiten sie leben.
Eine alte ,aus Schlesien kommende Tante versucht dem Nationalsozialismus auch gute Seiten abzugewinnen, aber im Grunde weiß sie ebenfalls nicht, wo sie politisch steht. Durch alle Köpfe wabern nicht selten zum Durchhalten anregende Sinnsprüche aus dem 19. Jahrhundert, die das , was sich 1945 ereignet, auf merkwürdige Art trivialisieren. Die Gutsbewohner fühlen sich überfordert und flüchten in die Irrealität.
Man liest von ukrainischen Hausmädchen und Zwangsarbeitern, die bei von Globig ihre Dienste verrichten. Gewalt allerdings ist kein Thema.
Man denkt an die napoleonischen Kriege, auch an den ersten Weltkrieg und ist überzeugt , dass man auch diesen Krieg überstehen wird.
Der missgünstige Oberwart Drygalski, ein desorientierter Nazi, wirkt wie ein Mutant in der hier dargestellten, scheinbar noch heilen Welt. Mit diesem destruktiven Kontrolleur möchte keiner etwas zu tun haben.
Vages hat man gehört über die NS- Soldaten, die in Russland furchtbar gewütet haben sollen. Man malt sich die Gräueltaten jedoch nicht aus, verdrängt das Gehörte stattdessen. Man möchte nicht darüber nachdenken, welche Konsequenzen diese Verbrechen nach sich ziehen könnten.
Flüchtlinge aus den baltischen Staaten und aus dem Norden Ostpreußens wohnen nun vorübergehend auf dem Gut , mit dem Ziel möglichst rasch gen Westen zu gelangen.
Frau von Globig zögert das Anwesen zu verlassen. Sie lässt sich vom ortansässigen Pfarrer überreden einen jüdischen Flüchtling für eine Nacht zu beherbergen und wird daraufhin verhaftet. Als die Russen näher rücken , entscheidet sich die Familie ohne die Gutsherrin übers zugefrorene Haff zu fliehen.
Kempowski schildert die Geschehnisse während der Flucht , sowie das Ende dieser ostpreußischen Familie präzise und distanziert, beinahe emotionslos.
Peter von Globig gelangt , wie durch ein Wunder, auf das letzte Schiff und wird gerettet.
Kempowski verdeutlicht , dass Feststellungen , wie etwa " Alles umsonst" oder Fragen , wie zu Ende des Romans gestellt, ob nun alles wieder gut sei, für den Chronisten letztlich unerheblich sind.
Der Autor überlässt es dem Leser sich ein Bild zu machen und zu hinterfragen, wie es zu dem Desaster in Ostpreußen , das in das Massengrab des Kurischen Haffs führte, kommen konnte.
Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen, insbesondere weil mich interessiert hat, ob das Lebensgefühl von Kempowskis Protagonisten während des Winters 45 sich mit dem deckt, was meine ostpreußischen Vorfahren mir erzählt haben. In Vielem gibt es tatsächlich Überschneidungen.
Mein Großvater allerdings ist mit seiner Familie nicht vor den russischen Soldaten geflohen, sondern hatte sich entschieden auf dem Hof auszuharren.
Ende 45 wurde die Familie schließlich vertrieben. Ein Zeitfenster hatte sich geschlossen.
Ich glaube nach wie vor , dass die Entscheidung meiner Großeltern ihnen und ihren Kindern das Leben gerettet hat.
Empfehlenswert.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles gut oder doch alles umsonst?, 2. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst (Gebundene Ausgabe)
Winter 1944/45 in Ostpreußen. Als Leser weiß man, falscher Ort zur falschen Zeit, die Protagonisten wissen es anfangs noch nicht, trügerische Idylle, der Russe wird schon nicht durchkommen. Typisch Kempowski, schildert er Alltag und Personen völlig ohne Emotionen, die sind wieder dem Leser überlassen, er skizziert die Personen klar, nüchtern, eben wie nur Kempowski es kann und gerade das liest sich dann sehr emotional. Die ostpreußische Idylle bröckelt so langsam, die ersten Flüchtlingstrecks werden gesichtet und als die Hausherrin aus einer Laune der Abenteuerlust heraus für eine Nacht einen Juden versteckt, da bröckeln endgültig alle Fassaden. Hektisch wird geflohen, verhaftet, gediebstahlt, eine Reise beginnt, die nur einer überlebt. Alles gut? Oder doch alles umsonst?
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Treck der Vertriebenen, eine Odyssee ins Nichts, 22. Januar 2007
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst (Gebundene Ausgabe)
Sie stehen am Hafen und warten auf ein Schiff, ein Traum der sich nicht erfüllt. Das jüngste Gericht ist für diese Menschen, für Frauen und Kinder sowie für die Männer angebrochen, doch wer fällt den Urteilsspruch? ALLES UMSONST von Walter Kempowski schildert auf bedrückende Weise ein Kapitel in der neueren deutschen Geschichte, das oftmals stiefmütterlich behandelt wurde.

Ich habe das Buch regelrecht verschlungen, eine wunderbare und doch zutiefst tragische Geschichte über die letzten Jahre, Monate und Wochen bis Kriegende in Ostpreußen. Eine Familie, auseinander gerissen durch den Krieg, der Vater in Italien, die Mutter weltfremd und zurückgezogen, der Sohn unternehmungslustig aber nicht recht für die HJ brauchbar, das Tantchen sehr umtriebig und die Fäden in der Hand haltend, die Tochter tot, an Scharlach gestorben.

So wie die Rote Armee heranrückt, zieht auch das Verderben über die Familie einher, denn auch die politischen wie ideologischen Kräfte haben es auf diese Familie abgesehen und als man einem Flüchtenden hilft und diesen versteckt, kommt es zur Katastrophe.

Die Angestellten des Guts werden gehängt, die Tante erliegt einem Fliegerangriff, die Hausherrin wird verhaftet und landet im KZ, der Vater erschießt sich mit der Dienstwaffe und der Sohn, ja der Sohn, was ist mit ihm?

Alles umsonst - er steht am Kai und wartet mit vielen Deutschen, mehrheitlich Frauen und Kindern auf das letzte Schiff, welches sie retten soll vor dem Schrecken, welcher der Roten Armee vorausgeht. Doch eigentlich ist es für alle und ihn zu spät, denn das letzte Schiff hat bereits abgelegt.

Doch es geschieht das Unglaubliche, das Unmögliche, das Undenkbare, denn der Politoffizier, welcher die Familie bis dato auf dem Kieker hatte und für deren Untergang er maßgeblich verantwortlich zeichnet, überkommt plötzlich das Gefühl von Schuld, Reue und Mitleid. Er lässt das letzte Schiff zurückfahren, um den Jungen zu retten und gibt sein eigenes Leben her, da er seinen Platz auf dem sicheren Boot damit abtritt. Eine ganz große Szene!

Ein wunderbares Buch, liebevoll, dramatisch und sehr realistisch. Es sollte verfilmt werden.

Sehr empfehlenswert!
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen das Buch der Fragezeichen - ein großartiger Roman, 17. Januar 2009
Von 
Milchbart "marcon" (Münster) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst: Roman (Taschenbuch)
Am Anfang bin ich immer wieder über die vielen Fragezeichen "gestolpert", noch nie habe ich einen Roman gelesen, wo so viele Fragezeichen vorkommen. Doch da steckt wohl Absicht dahinter. Die Unsicherheit dieser Kriegsendphase, des Dritten Reichs - die ganze Armut dieses Regimes und des Krieges wird deutlich. Unsicherheit gegenüber allen Personen, allem Gewesenen, allen Werten - Feind und Freund, alles verschiebt sich, ändert sich, wem ist zu trauen? Was wird nicht geraubt und geplündert? Wer wird einen in Notsituationen unterstützen, hält die eigenen Familie zusammen? Halten die einzelnen die Belastung aus oder bleibt ihnen nur noch Selbstmord? Wird ein Kind zum Mörder mit der Waffe oder zum gefühllosen Monster im Anblick all der Grausamkeiten?
Der Geruch der Leichen am Wegesrand ist fast spürbar durch die Beschreibung. Der Albtraum Krieg und Flucht exzellent geschildert. Am Anfang wurde ich fast wütend auf die Unentschlossenheit der Familie, endlich zu fliehen - doch dann dachte ich: wie hätte ich denn reagiert? Wäre ich bereit gewesen alles zu verlassen und einfach weg zu ziehen?
Kempowski schreibt nüchtern, einfache, kurze, prägnante Sätze - teils total hart in ihrer Einfachheit und Schlichtheit, brutal in ihrer kindlichen Sichtweise und berührend in ihrer Schnörkellosigkeit. Spannend bis zuletzt, ein Gemälde der Grausamkeiten, des Umbruchs, des Untergangs.Ich bin froh, nie selbst eine Flucht erlebt zu haben. Und ich bin ebenso froh, das Buch gelesen zu haben, um Nachzuempfinden, was diese Zeit außerdem bedeutet hat, was oft ausgespart wird - der persönliche Kriegszustand des Individuums der Unsicherheit und Einsamkeit.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Realistische NS-Familiengeschichte, 7. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Alles umsonst (Gebundene Ausgabe)
In seinem neuesten Roman schreibt Kempowski über den 12jährigen Peter und seine Familie, die bis knapp vor Kriegsende diesen auf dem Georgenhof relativ unbeschadet überstanden haben. Im letzten Kriegswinter bzw. im Frühjahr 1945 muss die adelige Familie jedoch doch noch von ihrem Gut in Ostpreußen fliehen und der (eigentlich) zweite Teil des Werkes beginnt.
Das Buch ist mit zahlreichen informationen vollgepackt, die verschiedenen Charaktere sind überaus anschaulich dargestellt. Jedes einzelne Familienmitglied wird einem einfühlsam vorgestellt und nahegebracht, sodass die verschiedenen Schicksale einen deshalb umso härter treffen.
Kempowski schildert sehr realistisch und teilweise auch mit harten Worten, manchmal sogar etwas emotionslos die Ereignisse, was für mich das Werk aber nur noch anziehender gemacht hat; - eben weil es einmal kein typisches Buch "über eine Kindheit in der NS-Zeit" ist. Denn dazu ist es einfach viel zu realistisch und auch zu "naiv" (aber im besten Sinn des Wortes gemeint) geschrieben.
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Alles umsonst
Alles umsonst von Walter Kempowski (Gebundene Ausgabe - 17. Oktober 2007)
EUR 21,95
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