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Kundenrezensionen

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am 29. Dezember 2014
Ich bin ganz erschüttert, wie schlecht dieses Buch bei den Leuten ankommt. Ich dachte, ich brauche diesmal keine Rezension schreiben, weil sicherlich bereits 500 Menschen fünf Sterne und allerlei lobende Worte gefunden haben - und dann das. Begeisterte und Enttäuschte halten sich für mich sehr überraschend die Waage. Ich für meinen Teil zähle zu den absolut Hingerissenen! Ja, auch ich habe Harold Fry gelesen und fand es wirklich gut, aber "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte", ist in meinen Augen nochmals eine deutliche Steigerung.

Das Buch wird in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen geschrieben, die sich im Abstand von etwa vierzig Jahren abspielen. Beide Geschichten, nämlich die zweier elfjähriger Jungen, die sich in einer tragischen Geschichte immer weiter verheddern, und die eines um die fünfzig jährigen Ex-Psychiatriepatienten, der seinen Alltag nur unter ihn massiv einschränken Ritualen meistern kann, passen erstmal nicht so recht zusammen.

Klar, am Ende fügt sich alles ineinander und die Stories treffen sich und diesen guten Schachzug finde ich wesentlich ausgeklügelter, als die Geschichte von Harold Fry, bei dem von Anfang an alles klar ist. Auch die beiden Handlungen jeweils für sich betrachtet sind in sich raffinierter, es liegen die ganze Zeit Fragen in der Luft, die man geklärt haben möchte, und so habe ich weiter und immer weitergelesen. Alles zeigt, dass die Geschichte nicht mal eben schnell ausgedacht worden ist, wie viele hier behaupten. Ich finde diese Geschichte hier deutlich kantiger als Harold Fry und damit ist sie bei mir an genau der richtigen Stelle angeeckt.

Es ist eben kein Groschenroman, bei dem alles Friede, Freude und so weiter ist. Man macht keine fröhlichen Luftsprünge, wenn man es liest. Es ist durchaus melancholisch und etwas Unheilvolles schwingt die ganze Zeit mit. Etwas Bedrückendes, fast Bedrohliches, "wie die drückende Stimmung vor einem schweren Sommergewitter", würde Rachel Joyce vielleicht dazu sagen. (Allgemein wird sehr viel Natur und Umgebung geschildert, was erstmal langweilig klingt, aber man kann irgendwie auch nicht einfach überspringen)

Ich fand es sehr spannend, konnte mich sehr gut in die Story einfitzen (...bin allerdings auch Schwester in der Psychiatrie) und habe dieses Jahr glaube ich kein besseres Buch gelesen. Was jedoch der breiten Masse gefällt, ist mir angesichts der Rezensionen nun allerdings nicht mehr ganz so klar. Wahrscheinlich sind die meisten schon so gestrickt, dass sie heftige Happy Ends brauchen oder Geschichten, die sagen wir Kapitel für Kapitel eine eindeutige, runde Sache ergeben. Keine Ahnung. Jedenfalls scheint man keine derartige Gewitterstimmung zu mögen - oder man kann sie nicht recht fassen.

Wenn ich einen Kritikpunkt an dem Buch finden soll, dann würde ich das Ende der Geschichte eventuell heranziehen. Ich habe mich endlos gefreut, was der fünfzigjährige am Ende gemacht hat, dabei hätte ich es belassen. Tatsächlich kam Hoffnung auf nach dem ganzen Trübsal (ich musste schon auch heulen) und ich witterte einen weiteren klugen Schachzug, den Joyce dann aber doch nicht genutzt, vielleicht gar nicht erkannt hat. Leider hat sie wenige Sätze später, als man gerade zuklappen wollte, wieder einen Teil der Hoffnung mitgenommen - und sagt es sogar wortwörtlich selbst. Da fehlte mir dann doch auch der Kitsch ein bisschen, wenngleich logisch betrachtet sicher ist, dass nicht alles rosig weitergehen kann im Leben der Figuren. Ich ziehe aber trotzdem keinen Punkt ab, weil es wie gesagt nur ein kleines Manko, vielleicht nur meine eigene Spinnerei, war.
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TOP 1000 REZENSENTam 21. November 2013
Im letzten Jahr hat mich die britische Autorin Rachel Joyce mit ihrem emotionalen Debüt "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" zu Tränen gerührt. Also war für mich sofort klar, dass ich auch ihren zweiten Roman lesen werde.

Erzählt wird die ungewöhnlich betitelte Geschichte in zwei Zeitebenen und beginnt im Sommer 1972. Im Mittelpunkt stehen dort der 10 jährige Byron, seine hinreißende Mutter Diana, Byrons bester Freund James und die im Titel angekündigten 2 Sekunden, die aller Leben für immer verändern werden.

Es ist beeindruckend, wie authentisch Rachel Joyce in die Psyche des liebenswerten Jungen eindringt und seine Gedanken beschreibt, zeigt, welche Fragen seinen Verstand verwirren. Aus seinem Blickwinkel erscheinen gewöhnliche Dinge in einem ganz neuen Licht. Er interpretiert Situationen mit seiner kindlichen Naivität und entdeckt Dinge, für die wir Erwachsenen nicht mehr empfänglich sind. Im Gegensatz zu Byron spüren wir Leser recht schnell, dass mit seiner Mutter irgendetwas nicht stimmt. Nach außen hin erscheint sie perfekt, doch ihre Seele leidet fürchterlich.

Zwischen den Kapiteln reist man in die Gegenwart, in dem ein gewisser Jim in den Fokus rückt. Jim ist ein Mann mittleren Alters, ohne Wurzeln und ohne Vergangenheit. Mit seinem Leben ist er sichtlich überfordert. Der Graben, den er zwischen sich und der Welt gezogen hat, scheint unüberwindbar. Sein Leben ist mit Schwierigkeiten behaftet, aber nach und nach erkennt er, dass es doch Menschen gibt, die sich um ihn sorgen.

Besonders in diesen Abschnitten hat mich die ausdrucksvolle und einfühlsame Sprache der Autorin beeindruckt. Von der ersten Sekunde an empfand ich Mitleid mit Jim, aber auch Verwirrung. Denn so ganz kann man Jims gegenwärtige Geschichte nicht mit den Ereignissen aus dem Jahr 1972 zusammenbringen.
Doch gerade das Wissen, dass beide Handlungsstränge am Ende zusammenfinden werden, macht neugierig und baut eine ungemeine Spannung auf.

***Fazit***

Erneut überzeugt Rachel Joyce mit einem beeindruckend gewaltigen und klaren Schreibstil. Allein literarisch betrachtet ist dieses Werk ganz großes Kino.

Zugegeben, die Lektüre ist nicht leicht. Die Zusammenhänge lassen sich lange Zeit nur erahnen. Doch das Durchhalten wird belohnt.
Denn "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist eine faszinierende, subtile, dunkle und komplexe Geschichte über die Fehlbarkeit eines jeden Menschen und erzählt von der heilenden Kraft der Freundschaft und der Hoffnung.

Für Menschen, die glauben den Boden unter den Füßen verloren zu haben, wird dieser bittersüße Roman wie ein zarter Hoffnungsschimmer sein.
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TOP 100 REZENSENTam 22. November 2013
Nach ihrem überwältigenden Harold Fry-Bestseller hatte die Autorin für ihren neuen Roman die Wahl, entweder etwas Ähnliches, vielleicht sogar eine Art Fortsetzung zu schreiben, oder etwas ganz Anderes, Neues. Die Autorin hat sich für das zweite entschieden und damit eine gute Wahl getroffen - für sich und für ihre Leser. Warum ich hiervon überzeugt bin, möchte ich im Folgenden zeigen und dabei auf verschiedene Aspekte ihres Romans eingehen.

DER BUCHTITEL
Eigentlich fast das Einzige, was mir an dieser deutschen Ausgabe nicht so gefallen hat. Ich weiß nicht, woher die "Unsitte" kommt, einem Roman, dem die Autorin ganz bewusst einen bestimmten Titel gegeben hat, bei der Veröffentlichung in einem anderen Land, in einer anderen Sprache einen völlig anderen Titel zu geben. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" klingt so technisch, als ginge es darum, ein mathematisches oder astronomisches Problem zu lösen. Im englischen Original heißt der Roman ja einfach nur "Perfect" Wahrscheinlich meinte der Fischer- Verlag, dass das für deutsche Ohren zu banal, zu kitschig klingen könnte. "Perfekt" wäre jedenfalls nach meiner Meinung der viel bessere Titel auch für die deutsche Ausgabe gewesen, weil er den Inhalt des Romans viel besser widerspiegelt. Denn es geht im Buch ja darum, dass die Dinge des Lebens eben nicht immer perfekt sind, und man dies akzeptieren muss, statt sich um eine Perfektion zu bemühen, die alles eher noch komplizierter macht.

DIE STORY
Hier will ich mich kurz fassen, weil die Handlung ja schon in der oben stehenden Buchbeschreibung angedeutet ist, und sicher auch von vielen meiner Mitrezensenten ausführlich beschrieben wird. Es geht also darum, dass im Jahr 1972 zwei Sekunden dazu addiert werden, und bei dieser minimalen Zeitumstellung ein Unfall passiert, der das Leben aller Beteiligten verändert. Obwohl es diese Schaltsekunden damals wirklich gab, sind sie im Buch auch eine Art "Aufhänger" für das, um was es der Autorin in ihrem Roman geht: zu zeigen, wie vergänglich alles ist, wie schnell sich im Leben alles ändern kann - manchmal eben innerhalb von Sekunden.

DER AUFBAU DES ROMANS
Es gibt zwei Erzählstränge, die sich kapitelweise abwechseln und scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der erste Erzählstrang spielt im Jahr 1972 und beschreibt den erwähnten Unfall und seine Nachwirkungen. Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart und beschreibt das Leben eines einsamen, durch Krankheiten gebeutelten, aber nicht unsympathischen 50-jährigen, der immer noch irgendwie seinen Platz im Leben sucht. Die Verknüpfung von zwei scheinbar nicht im Zusammenhang stehenden Geschichten innerhalb eines Romans ist immer eine schriftstellerische Herausforderung, ein riskantes Unternehmen, das auch scheitern kann. Hier ist es aber nach meiner Meinung eindeutig gelungen, denn die Autorin schafft es, den ganzen Roman über die Neugier darüber aufrecht zu erhalten, was denn beide Geschichten, die ja zeitlich Jahrzehnte auseinander liegen, miteinander zu tun haben könnten und löst das Geheimnis erst endgültig auf den letzten Seiten auf - und zwar in überzeugender Weise.

WARUM MICH DAS BUCH ZUM NACHDENKEN ANREGTE
Die Geschichte von Rachel Joyce hat einem so viel zu sagen, wenn man sich auf sie einlässt. Ich möchte als Beispiel nur die Figur des 11-jährigen Byron herausnehmen, der den oben erwähnten Unfall verursachte, bei dem seine Mutter ein Mädchen angefahren hat, ohne dies überhaupt zu merken - nur Byron selbst bemerkte es. Er fühlt sich schuldig und will es unbedingt wieder gutmachen. Dabei gerät er in Situationen die ihn überfordern, missdeutet Gespräche, die er als 11-jähriger noch nicht verstehen kann, gerät an Dinge des Lebens, die seinen geistigen Horizont übersteigen. Und obwohl das alles aus der Perspektive eines Kindes geschildert wird, ist aus meiner Sicht die unausgesprochene Botschaft der Autorin an den Leser: Wir alle kennen vom Leben viel weniger, als wir glauben. Die Möglichkeiten, es zu beeinflussen, oder auch nur zu verstehen sind viel kleiner als wir es wahrhaben wollen - und das sollten wir auch akzeptieren, statt nach Perfektion zu streben. Demut ist das, was man aus dem Buch mitnimmt.

FAZIT
Wie schon oben erwähnt, ist dieser Roman komplett anders als sein Vorgänger. Den Harold Fry konnte man praktisch jedem risikolos als Geschenk in die Hand drücken und sich schon im Voraus über dessen anerkennenden Dank nach der Lektüre freuen. Denn wer liest nicht schon gern so eine herzerwärmende Geschichte die so voller Lebensmut steckt. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist anders: ernster, nachdenklicher, ja auch dunkler - aber deswegen keinesfalls weniger wertvoll. Mit Büchern ist es vielleicht wie mit Menschen: man braucht die Optimisten, die für gute Stimmung sorgen. Man braucht aber auch die Nachdenklichen, die die Dinge des Lebens ergründen wollen. Und zu dieser zweiten Kategorie gehört Joyces aktueller Roman. Vielleicht ist es nicht unbedingt das ideale (Weihnachts)Geschenkbuch. (zumindest nicht für jeden) Dafür aber ein Buch, was man sich selber schenkt, wenn man erspüren möchte, was das Leben ausmacht.
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am 10. November 2014
Byron, 11 Jahre, kann nicht glauben, was sein bester Freund James ihm erzählt hat:
2 Sekunden werden in diesem Jahr der Zeit hinzugefügt – eine nicht vorhandene Zeit, in der vielleicht Dinge geschehen können, die sonst nicht passiert wären. Und tatsächlich, in einem unaufmerksamen Moment fährt seine Mutter auf dem Schulweg ein Mädchen an – und merkt es nicht….Der darauffolgende Sommer 1972 wird für James und Byron eine merkwürdige Zeit, in denen die Dinge ihren ganz eigenen Lauf nehmen…
Jim ist ein gebrochener und von Zwangsneurosen beherrschter Mittfünfziger unserer Zeit. Über Jahre hinweg in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht ist er hilflos und unsicher im Umgang mit anderen Menschen.

Die beiden Geschichten werden abwechselnd erzählt. Mit atmosphärischer Dichte, Tiefgang und Feingefühl versetzt Rachel Joyce den Leser in die Situationen und Emotionen der Protagonisten ohne dabei ihre Beschreibungen ins überladene oder triviale abgleiten zu lassen. Der stille Spannungsbogen wird bis zum Schluss gehalten. Was für ein Moment, wenn sich die beiden Geschichten aufeinander zu bewegen und man erkennt, welcher Zusammenhang zwischen beiden besteht….!
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am 17. Januar 2016
Rachel Joyce erzählt uns in ihrem Buch „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“, einen Roman in zwei Erzählsträngen, die sich kapitelweise abwechseln. Ein Handlungsstrang spielt in England 1972 und erzählt die Geschichte des wohlbehüteten 11-jährigen Byron und seiner gutsituierten Mutter Diana. Die zweite Geschichte spielt 40 Jahre später, in der Gegenwart und schildert das Leben des 50-jährigen Jim, der wegen neuropsychiatrischer Erkrankungen in einer Nervenheilanstalt untergebracht ist. Erst am Ende des Romans wird die Verbindung von Byron und Jim aufgeklärt und so sind nicht nur die einzelnen Handlungen spannend mitzuverfolgen, sondern auch das Rätsel um den Zusammenhang der beiden Geschichten, muss am Ende gelüftet werden.

England 1972. Der 11 jährige Byron kann nicht glauben, was ihm sein Freund James erzählt: Zwei Sekunden sollen in diesem Jahr der Zeit hinzugefügt werden, um die Erdrotation und Zeitrechnung wieder in Einklang zu bringen und gerade in diesem verhängnisvollen Augenblick, als Byron im Auto seiner Mutter sitzt und die Zeiger seiner Uhr beobachtet, geschieht ein Unfall, der das Leben aller Beteiligten verändert.

Auf dem Weg zur Schule, fährt Byrons Mutter Diana in dichtem Nebel, ein kleines Mädchen an aber merkt es nicht. Byron kann es nicht fassen! Niemand außer ihm scheint das Mädchen auf dem roten Fahrrad gesehen zu haben, aber der Junge beschließt zunächst keinen von dem Unfall zu erzählen. Erst als ihn das Geheimnis immer mehr belastet und er seine Schuldgefühle und Gewissensbisse nicht mehr ertragen kann, bricht er sein wochenlanges Schweigen und spricht seine Mutter auf den Unfall an. Auch seinem Freund James, erzählt der Junge von dem Ereignis und zusammen schmieden die beiden Freunde Pläne, um das unbekannte Kind ausfindig zu machen.

Hinter dem Rücken ihres antiquierten Ehemannes, nimmt die hübsche Diana schließlich Kontakt zur Familie des Mädchens auf und sie gerät immer mehr in den manipulativen Strudel der berechnenden Mutter Beverly. Byron und Diana werden schnell zum Spielball der Ereignisse. Nach und nach schleicht sich Beverly in das vornehme und elitäre Leben von Diana ein, denn sie selbst stammt aus ärmlichen Verhältnissen und Diana sieht sich schließlich den weiteren Geschehnissen hilflos ausgeliefert. Byron bittet James um Unterstützung und beide erstellen den Plan „Operation Perfekt“ um Diana zu helfen, doch es kommt alles anders als erwartet und sie können die weiteren Ereignisse nicht mehr aufhalten.

Etwa 40 Jahre später, rückt ein gewisser Jim in den Fokus der Geschichte. Der 50-jährige Mann ist ein stiller Zwangsneurotiker ohne Familie und scheinbar ohne Vergangenheit. Mit seinem Dasein überfordert, hat Jim sein halbes Leben in der Psychiatrie verbracht und seit er zwangsweise ins Leben entlassen wurde, jobbt er in einem kleinen Supermarkt-Café. Trotz seiner vielen Zwänge und Rituale, lernt er im Laufe der Geschichte Eileen kennen und nach und nach erfahren wir mehr aus Jims Leben und seiner Vergangenheit.

Ich konnte leider die gegenwärtige Geschichte sehr schnell mit den Ereignissen des Sommers 1972 zusammenbringen. Dennoch war ich vor allem von Byrons Weg, seinem kindlichen Charakter und seiner Gedankenwelt absolut gefesselt. Sehr berührend fand ich die Tatsache, dass der 11-jährige Junge alles tut, um seine fragile und unglückliche Mutter vor Unheil zu bewahren und sich dabei mit kindlicher Naivität in verschiedene Ängste verläuft. Es ist sehr beeindruckend, wie lebensnah sich die Autorin in Byron hineinversetzen konnte aber noch interessanter, fand ich Dianas Persönlichkeit, die unglaublich authentisch beschrieben wurde. Äußerlich perfekt, merkt der Leser schnell, dass hinter der schönen Fassade, eine leidende Seele schlummert. Diana täuscht die perfekte Idylle vor obwohl sie scheinbar sehr einsam ist.

Der Autorin ist es gelungen, eine melancholische und unheilvolle Stimmung entstehen zu lassen und genau diese bedrückende Atmosphäre war für mich sehr spannend und mitreißend. Lange Zeit habe ich mich gefragt, ob sich der liebenswerte Junge den Unfall bloß eingebildet hat und war gespannt, wie Diana mit der Situation umgehen wird.

Enttäuscht und gelangweilt war ich hingegen von Jims Geschichte. Eher gleichgültig, habe ich seinen Lebensweg verfolgt und konnte keine Sympathie zu ihm aufbauen; lediglich ein wenig Mitleid. Da sich für mich die Zusammenhänge der beiden Geschichten zu schnell erahnen ließen und Jims Lebenswegs sehr langweilig beschrieben wurde, konnte mich das Buch leider nicht vollkommen überzeugen aber ist mit seiner dunklen Atmosphäre dennoch ein lesenswerter Roman, vor allem für kalte Herbst- und Wintertage.
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Nachdem ich von Rachel Joyce Harolds Pilgerreise, Queenies Tagebuch sowie die Weihnachtskurzgeschichte begeistert gelesen habe, habe ich erwartungsvoll zu "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" gegriffen.
Ich stellte mir eine Geschichte vor, die den andern in nichts nachsteht. Doch dem war nicht so. Während in den andern Büchern eine positive Grundstimmung vorherrscht, ist diese einfach nur beklemmend und deprimierend.

James erzählt Byron in der Schule von einem Artikel, den er in der Zeitung gelesen hat. Die Regierung will dem neuen Jahr, 1972, zwei zusätzliche Sekunden zufügen. Byrons Gedanken kreisen seither nur noch um die Frage wie das geschehen soll. Nicht gut für ein Kind, und erst recht nicht für eins, dessen Vater die Woche über abwesend ist und unter der Woche nur mit Kontrollanrufen Kontakt zu seiner Familie hält. Der Vater ist ein Tyrann, der auf Schein statt Sein setzt. Seine Frau leidet darunter, was sie den Kindern verheimlichen will. Byron merkt dies und lenkt sich durch Dinge ab, die James ihm erzählt. So werden diese "zwei Sekunden" fast zur Obsession für ihn. Als er eines Morgens auf einem Umweg zur Schule gefahren wird denkt er, dass seine Mutter ein Mädchen angefahren hat. Doch sie weiss nichts davon. Er steigert sich innerlich in etwas hinein, bis Byron nach Wochen erst den Mut aufbringt seiner Mutter davon zu erzählen.

Als Byron seiner Mutter endlich davon erzählt, ist man mit dem Buch fast bis zur Hälfte durch - das findet im ersten Erzählstrang, der um 1972 spielt, statt. Im zweiten Strang sind wir im Jahre 2012, in dem es um einen Mann namens Jim geht, der in einem Wohnwagen wohnt und einige Ticks hat.
Wie die beiden Erzählungen miteinander verbunden sind, erfährt man erst gegen Ende. Irgendwann ist man soweit, dass man eine Vermutung dazu hat. Wenngleich man etwas in diese Richtung geahnt hat, schockiert die Auflösung dieses Rätsels und macht wütend. Das Ende ist somit das einzig Fesselnde in diesem Roman und ich kann jeden begreifen, der auf der Strecke aufgibt. Wenn ich viel Zeit brauche um ein Buch zu lesen, dann ist das ein schlechtes Zeichen. In diesem Fall ein Zeichen dafür, dass es langatmig ist. Langatmig deswegen, weil eine extrem bedrückende, negative Stimmung vorliegt und vieles sich nur gedanklich abspielt. Ausserdem sind sämtliche Personen problembeladen; einige davon am Rande der Lebensfähigkeit. Die Kombination von unscheinbar und schwermütig ergibt keine Höhen und so bleibt der Inhalt kontinuierlich flach. Wenn man das Buch dann auch noch in einer Zeit liest, in der man wegen Hochnebels seit zwei Wochen keine Sonne mehr sah, muss man aufpassen, dass einem diese depressive Stimmung nicht einholt. Vielleicht liest man es besser im Sommer bei Sonnenschein :-)

Dieses Buch wurde zwar vor den ganz oben genannten Romanen geschrieben, aber anscheinend erst danach veröffentlicht. Ich bin froh, dass es so ist und nicht umgekehrt; damit bleibt die Hoffnung, dass allfällige weitere Bücher der Autorin eher im Stil von Harold und Queenie geschrieben werden.

Da Rachel Joyce die Protagonisten mit ausgefeilten Charakteren ausgestattet hat und der Schluss ein wenig versöhnend wirkt, runde ich trotz enormer Düsterheit auf 4 Punkte auf.
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am 25. Januar 2015
Anfangs wurde ich mit dem Buch nicht recht warm, aber nach und nach hat es sich in mein Herz geschlichen. Ich konnte einfach mit diesem seltsamen Titel gar nichts anfangen, wurde aber durch eine positive Reportage im Radio auf das Buch aufmerksam. Also habe ich es einfach mal versucht.

Byron ist mit seiner Schwester und seiner Mutter auf dem Weg zur Schule als es passiert: Diana fährt ein kleines Mädchen an. Der einzige, der den Unfall gesehen hat, war Byron. Und genau dieser Unfall ist der rote Faden, der durch das ganze Buch führt. Alles, was passiert führt unweigerlich immer wieder dorthin zurück. Dabei ist es in keinster Weise langweilig oder gar nervig. Das Ende hat mich zwar nicht total überrascht, aber das ganze Drumherum hat mir zu gut gefallen, so dass mich das gar nicht gestört hat.

Wir lernen Byron und seinen Freund James kennen. Ihre Geschichte spielt Anfang der 70er Jahre und deckt in etwa ein Jahr ab, nämlich den Zeitpunkt des Unfalls und die Monate, die darauf folgen. Dann lernen wir noch Jim kennen. Jim lebt in der heutigen Zeit und ihm ist irgend etwas widerfahren, was so schlimm war, dass er sich selber in die Psychiatrie eingewiesen hat. Unter dieser Erfahrung leidet Jim immer noch. Was das ist, erfährt der Leser im Laufe des Buches, daher verrate ich es natürlich nicht.

Die Kapitel sind immer abwechselnd aus Byrons und aus Jims Sicht geschrieben. Die Autorin hat es dabei verstanden sowohl die kindliche Denkweise als auch die Denkweise eines psychisch Kranken so rüber zu bringen, dass ich nach einer kurzen Eingewöhnung Jims Handeln gar nicht mehr so seltsam fand. Das Buch ist zu keiner Sekunde langweilig, ob wohl es kein Thriller ist. Die Nebenfiguren waren ebenfalls sehr glaubhaft dargestellt.

Bisher habe ich noch nie bewusst ein Hörbuch, das von Wanja Mues eingesprochen wurde, gehört. Dieses hier hat mich aber restlos überzeugt. Der Sprecher ist in der Lage, die einzelnen Charaktere so umzusetzen, wie die Autorin sie höchstwahrscheinlich darstellen wollte. Ich kann das Hörbuch bedingungslos empfehlen und werde mit Sicherheit noch weitere Bücher der Autorin hören oder lesen.
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am 9. April 2015
In zwei Sekunden kann viel geschehen. Byron weiß das nur zu gut, denn er ist sich sicher, wenn diese zwei Sekunden nicht gewesen wären, hätte seine Mutter sicher niemals das kleine Mädchen auf dem roten Fahrrad angefahren. Warum mussten sie auch unbedingt jetzt diese zwei Sekunden hinzufügen? Byron ist elf Jahre alt, genau wie sein Freund James. Gemeinsam versuchen sie, herauszubekommen, was genau passiert ist. Byron's Vater hat seiner Frau erst vor kurzem dieses Auto geschenkt. Er darf von diesem Unfall nie erfahren. Aber was ist mit seiner Mutter los? Scheinbar hat sie von diesem Unfall überhaupt nichts bemerkt. Doch als Byron sie davon überzeugen kann, dass es tatsächlich geschehen ist, verändert sie sich langsam, aber sicher.

Meine Meinung
Es braucht weniger als eine Sekunde, wenn ein Unglück passiert. Und hier sind es eben zwei Sekunden, die ausgerechnet in dem Moment dazugefügt wurden, um die Zeit korrekt laufen lassen zu können.
Es ist mein erstes Buch von Rachel Joyce und ihr Stil ansich gefällt mir ganz gut. Es ist eine interessante Idee, die sie hier auf Papier bringt. Und auch die Protagonisten sind gut dargestellt. Aber all das nutzt nichts, wenn die Geschichte zu lang wird. Im Grunde genommen sind es zwei Geschichten, die abwechselnd erzählt werden. Die eine handelt im Jahr 1972, als der Unfall geschah. Byron und James sind noch Kinder und ihre Welt gerät vollkommen durcheinander.
Die andere Hälfte des Buches besteht aus der gegenwärtigen Zeit, mindestens vierzig Jahre nach dem Unfall und handelt von Jim.
Im Laufe der Erzählung erfährt man von ihm, dass er seit seiner Jugend immer wieder in psychiatrischen Einrichtungen behandelt wurde und auch heute noch bestimmten Zwangshandlungen unterliegt.
Es hat ein wenig gedauert, bis ich dahinter kam, was es mit diesem Jim auf sich hat. Leider zieht sich das Ganze dabei zu sehr in die Länge, bis die Autorin endlich auf den Punkt kommt. Wo anfänglich noch Neugier herrscht, hofft man irgendwann nur noch auf das Ende. Trotzdem wollte ich es auch nicht vorzeitig beiseite legen, denn es ist sehr vielfältig. Hier treffen psychische Probleme und Wahrheiten aufeinander, hier verknüpfen sich Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Alltägliche Gegebenheiten lösen massive Konflikte aus und bringen so scheinbar perfekte Idylle förmlich zum Einstürzen.

Meine Meinung
Alles in allem schon berührend, aber durch die Längen hat es mich nicht wirklich mitgerissen. Dabei ist es kein schlechtes Buch.
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am 27. September 2014
das buch hat mich fast auf die selbe art abgeholt und mitgenommen wie die "pilgerreise des harold fry". zuerst war ich nicht so sehr vom inhalt angtan, aber nach und nach hat mich das buch in seinen bann gezogen, gefesselt und immer mehr berührt. wie die beiden handlungsstränge zum schluss zusammengeführt werden, geht unter die haut.
rachel joyce schreibt auf ganz andere, stille art. ihre beschreibungen sind klar und punktgenau und erzeugen deutliche bilder im kopf. man sieht die personen und ihre umgebung genau vor augen. die handlung beginnt langsam, die protagonisten sind eigentlich völlig unscheinbare personen, sie agieren leise und unauffällig. aber wenn man erst mal in deren gedankenwelt geführt wird und hinter die fassade blicken kann, ist man so sehr gefesselt und fühlt so sehr mit, dass man das buch unmöglich mehr aus der hand legen kann.
langeweile? nicht eine sekunde.
leichte kost? definitiv nein.
kaufempfehlung? aus meiner sicht: ja, absolut.
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TOP 1000 REZENSENTam 20. November 2013
James und Byron wachsen in den frühen 70ern als Kinder der Wohlbgüterten auf. Sie wohnen in der selben Nachbarschaft, gehen gemeinsam zur Eliteschule und sind beide SEHR phantasiebegabt. Byrons Mutter Diana wird von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt - und von einem wenig liebevollen Ehemann. Ihr Leben ist eine Fassade, und es gelingt ihr, sie aufrechtzuerhalten - bis zu dem Tag im Jahre 1972, an dem es zwei extra-Sekunden gibt. Byron hat sie gesehen, diese Zusatzsekunden - und das, was in diesen zwei verhängnisvollen Sekunden passiert.
Immer mehr gerät Dianas gutgeschmierte Lebens-Maschine aus dem Takt, und sie gerät mehr und mehr unter den Einfluss der manipulativen Beverly.

An und bei 40 Jahre später: Jim arbeitet in einem kleinen Supermarktcafé und kämpft mit einer immensen Menge an Zwängen. Er hat es offenbar nicht leicht gehabt im Leben: Aufenthalte in der örtlichen Nervenheilanstalt - bis diese endgültig schloss und Jim zwangsweise ins echte Leben entlassen wurde.
Doch es gibt auch einen Silberstreif am Horizont: der naht in Gestalt der bald-schon-wieder-Ex-Kollegin Eileen, die selbst die eine oder ander Macke hat.

Dieser Plot hätte ein richtig schönes Feel-Good-Buch werden können - aber leider hat die Autorin keine Charaktere, sondern nur Abziehbilder davon geschaffen. Und irgendwie sind alle ein bisschen zu viel: Diana ist zu hilflos, Beverly zu berechnend, Seymour zu schattenhaft, James zu zwanghaft. Und die Nachbarsgattinnen sind eh alles Drachen.
Einzig Byron wirkt einigermaßen "echt", ist aber letztendlich nur ein Spielball der Ereignisse.
Insgesammt ist die Grundstimmung dieses Buches sehr depressiv - vielleicht sollte man sich das Buch für die helleren Spätherbsttage aufheben.

Ehrlich gesagt, hatte ich keine allzugroßen Erwartungen an dieses Buch. Mir hatte der Vorgänger sehr gut gefallen, das war meine Hauptmotivation, diesem Buch eine Chance zu geben. So gesehen bin ich auch nicht allzu enttäuscht darüber.

Aber natürlich hätte ich mich über eine Überraschung an dieser Stelle gefreut...
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