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am 19. Februar 2014
1972 wurden der Zeit zwei Sekunden hinzugefügt. Diese zwei Sekunden werden Byron zum Verhängnis. In diesem schicksalhaften Augenblick entscheidet sich sein ganzes Leben, als seine Mutter ein kleines Mädchen überfährt, was aber nur Byron bemerkt.

Die Geschichte ist in zwei Erzählstränge unterteilt. Auf der einen Seite erfährt man die Begebenheiten Anfang der 70er-Jahre. Der Leser begleitet den 11jährigen Byron und sieht, wie sich die Ereignisse gemächlich zuspitzen.
Auf der anderen Seite befindet man sich in der Gegenwart und kämpft sich mit dem neurotischen und psychisch labilen 50jährigen Jim durch den Alltag.

Trotz des hervorragenden Schreibstils der Autorin und die ausgefeilten Charaktere hat mich diese - wenn auch sehr rührende Geschichte - doch gelangweilt. Ungefähr ab der Mitte des Romans hätte ich mir etwas mehr Schwung gewünscht. Insgesamt hat mich die Geschichte zwar stellenweise berührt, allerdings konnte mich die durchgehend depressive Stimmung im Buch einfach nicht überzeugen.

(c) NiWa
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INHALT:
England im Jahr 1972: Der 11-jährige Byron erfährt von seinem gleichaltrigen Freund James, dass in der Zeitung steht, dass in diesem Jahr der Zeit 2 Sekunden hinzugefügt werden sollen. Diese Information lässt den wissensdurstigen Jungen nicht mehr los und so wartet Byron jeden Tag auf den Moment, in dem die 2 Sekunden angehängt werden. An einem nebeligen Tag werden Byron und seine jüngere Schwester von ihrer Mutter zur Schule gefahren und ihre Mutter nimmt eine Abkürzung durch ein ärmliches Stadtviertel. Während der Autofahrt mit dem Jaguar werden endlich die 2 Sekunden hinzugefügt, als seine Mutter einen Unfall verursacht und weiterfährt, als wäre nichts geschehen. Hat sich Byron das Mädchen auf dem roten Fahrrad und den Unfall nur eingebildet oder ist das tatsächlich in den 2 angefügten Sekunden geschehen?

MEINE MEINUNG IN KURZFORM
Kauf-/Lesegrund: Nach "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" wollte ich auch das neueste Werk von Rachel Joyce lesen.

Reihe: Nein, gottseidank ein Einzelbuch.

Handlungsschauplatz: Der kleine, englische Ort Crapham

Handlungsdauer: Die Geschichte, die in 3 Teile gegliedert ist, beginnt Anfang Juni 1972, dauert ca. 5 Monate und erzählt danach die Lebensgeschichte der beiden Freunde. Die 70-er Jahre wurden meiner Meinung nach (ich bin ja ein Kind der 70-er) gut eingefangen.

Hauptpersonen: Byron Hemmings ist im Jahre 1972 11 Jahre jung und sehr wissensdurstig. Er stammt aus guten Verhältnissen, wohnt mit seiner zauberhaften Mutter Diana und seiner kleinen Schwester Lucy in einem schönen Haus, denn seit Vater arbeitet viel und kommt nur an den Wochenenden nach Hause. Byron und sein bester Freund James Love besuchen eine Privatschule namens Winston House School. James zählt ebenfalls 11 Jahre, ist sehr klug und bereitet sich schon auf seine vielversprechende Zukunft vor. Byron und James sind zwei altkluge Jungs, deren Ansichten mir öfters ein Schmunzeln entlockt haben.

Nebenfiguren: Die mitwirkendenden Charaktere wie diverse Familienmitglieder, Freunde und Mitschüler sind durchwegs reizvolle Persönlichkeiten.

Romanidee: Originelle Grundidee, auch wenn mich die Umsetzung nicht ganz überzeugen konnte.

Erzählperspektiven: Es gibt 2 Erzählperspektiven auf 2 Zeitebenen: Zum ersten erzählt Byron (in der 3. Person), was 1972 geschehen ist und wie sich 2 Sekunden auf das weitere Leben auswirken können. Und dann schildert ein erwachsener Mann namens Jim, wie er sich in der Gegenwart durchs Leben schlägt, da er einige Ticks und Macken besitzt.

Handlung: Die Story rund um Byron und James ist zwar interessant, aber so richtig begeistern konnte mich "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" leider nicht. Neben einigen vielversprechenden Wirrungen & Irrwegen birgt die Geschichte leider auch etliche Längen und sehr ausgeschmückte Schilderungen, was den Lesefluss bremst bzw. die Handlung unnötig in die Länge zieht.

Schreibstil & Co: Abgerundet wird dieser Roman durch die ausdrucksstarke Schreibweise und eine angenehme Sprache.

FAZIT:
"Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" berichtet davon, wie nur zwei Sekunden das ganze Leben verändern können und regt ein wenig zum Nachdenken an. Mit "Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry" lässt sich dieses Werk allerdings überhaupt nicht vergleichen und ich muss gestehen, dass mich der aktuelle Roman von Rachel Joyce nicht ganz bezaubern konnte. Deshalb gibt's an dieser Stelle nur solide 3 1/2 STERNE.
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am 12. März 2014
Hiermit bekenne ich mich offiziell zum Fan von "Rachel Joyce".

Nachdem ich "die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry", welches sofort zu der Liste meiner Lieblingsbücher avanciert ist, förmlich verschlungen habe, musste natürlich auch das nachfolgende Buch rasch herhalten: "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte"

Meiner Meinung nach in keiner Weise vergleichbar mit dem ersten, aber dennoch fesselnd und superschön.
Die Kapitel sind recht kurz, so dass man (zumindest theoretisch) zwischendurch gut mal eine Pinkelpause einlegen kann, ohne mitten auf einer Seite aufhören zu müssen. (Sowas mag ich!) Praktisch lässt es sich aber schlechter beseite legen.
Der regelmäßige Wechsel zwischen den Hauptakteuren - dem elfjährigen Byron, der seinen Sommer '72 und dessen Ereignisse beschreibt, und dem über fünfzigjährigen Jim, der in der Gegenwart lebt und mit Zwangsstörungen kämpft, - macht das Buch noch interessanter. Ebenso wie die Tatsache, dass sich der Zusammenhang zwischen beiden Handlungssträngen erst fast ganz am Schluss erschliesst.
Auch wie schon in "der Pilgerreise" war ich nicht vom Ende enttäuscht, was nicht sehr häufig der Fall ist.

Also: Klare Leseempfehlung!
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am 16. Februar 2015
... aber dann hat mich das Buch gepackt. Hatte von der Autorin schon "Die unwahrscheinliche Pilgerreise" gelesen und war auf ihr neues Buch gespannt. Bin am Anfang nicht so richtig in die Geschichte reingekommen. Aber dann fand ich das Buch total fesselnd. Ich persönlich finde, dass die Autorin einen wunderbaren Schreibstil hat und ein tolles Gespür für Natur- und Menschen und deren Beschreibungen. Wer ein Buch mit Action sucht ist hier bestimmt falsch, wer sich aber gerne mit der Psyche des Menschen beschäftigt liegt goldrichtig. Absolut empfehlenswert.
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am 16. Januar 2015
England, 1972. Die zehnjährigen Schüler Byron und James sind beste Freunde. Als der wissensdurstige James erzählt, das in diesem Jahr die Zeit um 2 Sekunden zurückgestellt werden soll, um die Diskrepanz zwischen Zeitmessung und Erdrotation auszugleichen, ist Byron entsetzt über die Willkür, mit der hier auf die Zeit Einfluss genommen wird.
Und das daraus folgende Unglück lässt nicht lange auf sich warten: Seine Mutter fährt mit ihrem teuren Jaguar ein kleines Mädchen auf einem roten Fahrrad an. Eigentlich sollte sie, als Mitglied der gehobenen Mittelschicht sich gar nicht in dieser heruntergekommenen Sozialsiedlung aufhalten, aber sie nimmt trotzdem hinter dem Rücken des gestrengen Ehemanns Kontakt zu der Mutter des Kindes auf. Und wird natürlich von dieser nach Strich und Faden ausgenommen.
Byron und James entwickeln den Plan "Perfekt", um das drohende Unheil abzuwenden.
Etwa 40 Jahre später versucht der Jim, ein vom Schicksal schwer gebeutelter Mann, seine Psychosen in den Griff zu kriegen. Und findet plötzlich neue und alte Freunde.

Rachel Joyce schrieb mit ihrem Roman Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry einen Welterfolg, der in über 30 Sprachen übersetzt worden ist. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihren 4 Kindern in Gloucestershire und wird hoffentlich noch viele, viele Bücher schreiben. Denn zusammen mit Joanne K. Rowling und Sarah Butler gehört sie für mich in die Riege der begabtesten, britischen Erzählerinnen.

Meine Meinung:

Wer sich als Erwachsener so in einen sensiblen, kleinen Jungen hineinversetzen kann, ist entweder ein bisschen Kind geblieben oder/und hat viel mit Kindern zu tun. Dabei fühlt sich die Autorin 52 Büchernicht nur in die innere Welt des viel zu ernsten Byron ein, sie schafft es auch aus einer gewissen Kinder-Erwachsenendistanz, die Gefühlslage der Mutter zu skizzieren - eine Person, von der man eigentlich gerne ein bisschen mehr erfahren möchte.
Was mir natürlich gut gefällt, ist ihr kritischer Umgang mit dem elitären Gehabe der Besserverdienenden in Großbritannien und wie armseelig und hilflos sich die kleinen und großen Menschen in dieser lieblosen Umgebung zwangsläufig entwickeln.
Dieses Missverhältnis zwischen Haben und Sein findet sich aber nicht nur bei den Briten.

Übrigens wird immer wieder mal sogenannte Schaltsekunden eingeführt, wie 1972 oder demnächst am 30. Juni 2015.
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am 11. April 2014
Irgendwie war ich mir schon nach der Leseprobe der Besonderheit und schlichten Magie dieses Buches bewusst!

Inhalt:
Byron ist 11 Jahre alt, als zwei Sekunden zur Zeit hinzugefügt werden sollen; eine Vorstellung, die ihm Angst macht! Denn wie kann etwas existieren, das eigentlich gar nicht da sein sollte?
Und während Byron die Zeiger seiner Uhr rückwärts laufen sieht, passiert der Unfall, der alles verändern wird.
Auf dem Weg zur Schule, Byron sitzt mit seiner Mutter und seiner Schwester im Auto, sieht dieser plötzlich das kleine Mädchen mit dem roten Fahrrad, das seine Mutter anfährt.
Ein Ereignis, das weite Kreise zieht und die Leben aller Beteiligten grundlegend verändert...

Cover:
"Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" Ein Titel, der Eindruck macht, aus der Masse hervor sticht und es gar unmöglich macht, das Buch nicht zu lesen.
Im Einklang mit dem Titel steht das Cover, das zwar schlicht ist, aber dennoch meine Aufmerksamkeit erregte. Auch hier zeigt sich wieder, dass ein einfaches, passendes Cover viel schöner ist, als ein sehr buntes, das überladen ist.
Insgesamt ein sehr berührendes Cover!

Meine Meinung:
Der Anfang ist anders, herausstechend und hat mich sofort dazu veranlasst, weiterzulesen, in freudiger Erwartung, was aus daraus gemacht wird und voller Neugier!
Es ist nicht leicht, Worte für das zu finden, was das Buch transportiert, was es ausmacht.
Es erzählt so viel mehr, als auf den 430 Seiten steht, es ist ein Buch zum zwischen den Zeilen lesen...
Und ich sitze hier, überlege, wie ich deutlich machen soll, dass man das Buch eigentlich nicht zuschlagen konnte, weil man den Figuren nicht ihr Leben nehmen wollte, dass das Buch ehrlich und echt mit verschiedensten Themen umgeht, dass es mich beschäftigt hat, in meinem gesamten Körper schien alles darauf zu reagieren.
Ich gebe mein bestes und doch kann ich den gesamten Umfang nicht deutlich machen; ich versuche es in einzelnen Schritten.
Die Idee: Super! Zeit scheint für uns so selbstverständlich, aber woher wollen wir wissen, ob sie das ist? Dieser Gedanke ist philosophisch und in gewisser Weise auch wichtig für das Leben des Einzelnen.
Die Umsetzung: Einfühlsam und bezaubernd auf seine eigene Art und Weise, auf die Frage wird eine Antwort gefunden, die sich jeder individuell zurechtlegen kann. Der Schreibstil war passend und auffällig, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.
Die Charaktere: Sie konnten einfach nicht einer Feder entsprungen sein, sie waren echt, und damit meine ich nicht perfekt und logisch strukturiert aufgebaut, damit meine ich: Ich musste mich zusammenreisen, um nicht nachzuschauen, ob sie meine Nachbarn sind, ob sie hier irgendwo wohnen...
Die verschiedenen Charaktere, die aus verschiedenen Lebensphasen und in verschiedener Weise erzählen, geben allem eine gewisse Spannung, auf eine andere Art als in einem Krimi allerdings. Es war eher eine Erwartung darauf, wie die Charaktere zusammengehören, keine unerträglich stille Spannung.
Das Ende hat die gesamte Geschichte zusammengeführt und bei mir ein unbeschreibliches Gefühl ausgelöst, unbeschreiblich und so echt. Es war fast unheimlich.

Fazit:
Was machen wir, wenn grundlegende Dinge auf einmal durcheinander geworfen werden? Wie stabil sind die Pfeiler unseres Lebens und was sind die Auswirkungen einer Veränderung?
Das Buch stellt auf seine eigene Art Dinge infrage, die wir für selbstverständlich erachten und berührt uns mit seinem einzigartigen Beispiel.
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am 28. November 2013
Der Vergleich zwischen Harold Fry und Jonas Jonassons "Hundertjährigem" war für mich Grund genug, Rachel Joyce bisher gepflegt aus dem Weg zu gehen. Jetzt, wo ich “Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte” regelrecht verschlungen habe, musste ich jedoch feststellen, dass ich Mrs. Joyce unrecht getan habe. Diese wunderbare Schriftstellerin hat so viel mit Jonas Jonasson gemeinsam wie eine singende Säge mit einer Stradivari. Vielmehr steckt in ihr das sensible und phantasievolle Erzähltalent vom Format ihrer britischen Landsfrau J.K. Rowling.

1972 werden die Uhren um zwei Sekunden zurückgedreht, um Erdrotation und Zeitrechnung wieder in Einklang zu bringen. Aber was bedeutet es, wenn man an der Zeit, die doch die natürliche Ordnung der Dinge darstellt, einfach so rumschrauben kann? Diese beunruhigende Frage lässt den elfjährigen Byron nicht mehr los, nachdem sein bester Freund James ihm von der Sache erzählt hat. Byrons Welt gerät vollends aus den Fugen, als seine Mutter ausgerechnet in dem Moment, in dem die Extrasekunden hinzugefügt werden, einen Autounfall baut. Doch zu seinem Entsetzen fährt seine Mutter einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Hat er sich den Unfall nur eingebildet?

Vierzig Jahre später, am Rande einer Neubausiedlung, lebt ein stiller, einsamer Mann namens Jim in einem Wohnmobil. Sein halbes Leben hat Jim in der Psychiatrie Besley Hill verbracht. Jeden Morgen begrüßt Jim das komplette Hab und Gut in seinem Camper. Hallo Wasserhähne, hallo Rollmatratze, hallo, kleiner Kaktus, sagt er. Wenn er etwas vergisst, fängt er von vorne an. Die Objekte sind die einzigen Freunde, die Jim hat. “Seit der Schließung von Besley Hill hat er sich beides gewünscht, Freunde, Liebe, hat sich gewünscht, andere zu kennen und gekannt zu werden, aber wenn man immer ein- und aussteigt, unbelebte Gegenstände begrüßt und Öffnungen mit Isolierband verklebt, bleibt nicht viel Zeit.” Doch dann lernt Jim in dem kleinen Supermarkt-Café, in dem er die Tische abräumt, Eileen kennen. Ein Orkan von einer Frau, laut, aufbrausend, raumfüllend – Jim passiert etwas, dass er nicht mehr für möglich gehalten hat. Er verliebt sich.

Wenn man nach Zuklappen eines Romans Pipi in den Augen hat, ist das der beste Beweis, dass es ein guter Roman ist. Ich weiß gar nicht, welche Geschichte mich mehr bewegt hat – die von Byron oder Jim. Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen beiden Erzählsträngen. Dennoch wird die Spannung um dieses Geheimnis bis zuletzt aufrechtgehalten. Überhaupt passiert in diesem Buch gar nicht so viel, aber es wird nie langweilig. Das liegt zum einen an dem Gefühl, dass jeden Moment etwas Furchtbares geschehen könnte und es zur Katastrophe kommt. Neben diesem Kloß im Hals steckt aber auch ganz viel Hoffnung und Humor zwischen den Seiten. Zum Beispiel, wenn Jim und Eileen nach imaginären Dingen auf dem Supermarkt-Parkplatz suchen, nur um sich nicht in die Augen schauen zu müssen: “So stehen sie Seite an Seite, berühren sich beinahe, aber nicht ganz, und suchen beide nach Dingen, die es vielleicht gibt, vielleicht auch nicht.”

Rachel Joyce eigentliches Geheimnis jedoch, um den Leser in ihren Bann zu ziehen und die Figuren für real zu halten, ist ihre unglaubliche Sprache. Sie ist sowohl schlicht in ihrem Satzbau, als auch verspielt in ihrem Bilderreichtum. Vor allem wirkt sie unverbraucht. Wenn sie schreibt, dass die Heide zartgelb wie Zitronensorbet leuchtet oder die Seligkeit in der Luft liegt als etwas Süßes, das man auf der Zunge schmecken und hinunterschlucken kann, dann wirkt das nicht wie klebriger Kitsch, sondern wie pure Magie. Weil es eine kindliche Welt ist, eine verzauberte Welt, in der solche Dinge möglich erscheinen.
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am 28. April 2015
Die Geschichte als solche und die Schicksale der Personen könnten durchaus glaubwürdig sein. Leider fehlen aber nachvollziehbare Erklärungen, z. B. für das Verhalten des Vaters, der als kluger Mann beschrieben wird, letztlich aber auch angesichts der offensichtlichen Probleme jegliche Initiative vermissen lässt. Die beiden Jungen tragen 40 Jahre lang Erinnerungsstücke an den jeweils anderen mit sich herum – die Idee, innerhalb dieser vier Jahrzehnte einmal Kontakt mit dem anderen zu suchen, ist ihnen aber nie gekommen. Auch die Suizide der Eltern von Byron hängen mit nur wenigen Anhaltspunkten in der Luft … Angesichts solcher Unstimmigkeiten bin ich nicht in einen Lesefluss gekommen und war immer wieder irritiert.

Für meinen Geschmack sind außerdem die Jim-Kapitel viel zu langatmig geraten, sie verlieren sich in irrelevanten Detail-Beschreibungen. So wird das Lesen mühsam. Vielleicht eher für Frauen als für Männer zu empfehlen.
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am 17. April 2015
Byron hat mich berührt. Byron und seine Kindheit Anfang der 70er und Joyce's Vermögen, mit ihren geschriebenen Worten lebhafte Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen.
Wir begleiten Byron, der es immer etwas schwerer hatte als zB sein bester Freund James, in einem Leben voller ungesagter Worte und ungelebter Leben. Wir erleben seine Mutter, die eingeschüchtert durch den herrschsüchtigen Vater ihr Selbst aufgibt, die Schwester Lucy, zu klein um vieles zu verstehen und Byron, der unausgesprochen und wehmütig in kindlichem Wissen zuviel Mitbekommt und an allem zu scheitern scheint.
Und dann geschieht ein Unfall. Den nur Byron bemerkt, er aber mit dieser Last nicht leben kann und er daran zu ersticken droht, wenn er seine Mutter nicht darauf hinweist, was sie getan hat. Und das Leben nimmt seinen Lauf und verschlingt alles und jeden, wie ein gefräßiges Monster. Zwei Sekunden, die Alles und Jeden verändern werden.

"Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist ein trauriges Stück Leben. Es ist schwermütig und doch nett und manchmal zum Grinsen gut geschrieben. Aber der wehmütige Unterton bleibt. Wer hier ein Stück heitere Literatur erwartet, wird enttäuscht. Wer keine Angst vor einem traurigen "slice of life" hat, wird seine Freude haben.
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am 29. Dezember 2013
Wer sich mit wirklich ansprechenden Psychogrammen von Menschen beschäftigen möchte, sollte sich mit Büchern von Stefan Zweig auseinander setzen. Dieses Buch ist einfach nur deprimierend, unnötig in die Länge gezogen, ohne eine wirkliche Überraschung und in meinen Augen sehr naiv geschrieben. Nach dem wirklich absolut genialen Bestseller- Harold Fry - eine große Enttäuschung und mein letzter Roman von Rachel Joyce, den ich gelesen habe.
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