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76 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwere aber beeindruckende Kost!
Im letzten Jahr hat mich die britische Autorin Rachel Joyce mit ihrem emotionalen Debüt "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" zu Tränen gerührt. Also war für mich sofort klar, dass ich auch ihren zweiten Roman lesen werde.

Erzählt wird die ungewöhnlich betitelte Geschichte in zwei Zeitebenen und beginnt im Sommer 1972...
Vor 8 Monaten von Lena G. veröffentlicht

versus
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lange Sekunden
1972 wurden der Zeit zwei Sekunden hinzugefügt. Diese zwei Sekunden werden Byron zum Verhängnis. In diesem schicksalhaften Augenblick entscheidet sich sein ganzes Leben, als seine Mutter ein kleines Mädchen überfährt, was aber nur Byron bemerkt.

Die Geschichte ist in zwei Erzählstränge unterteilt. Auf der einen Seite...
Vor 5 Monaten von NiWa veröffentlicht


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76 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwere aber beeindruckende Kost!, 21. November 2013
Von 
Lena G. - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Im letzten Jahr hat mich die britische Autorin Rachel Joyce mit ihrem emotionalen Debüt "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" zu Tränen gerührt. Also war für mich sofort klar, dass ich auch ihren zweiten Roman lesen werde.

Erzählt wird die ungewöhnlich betitelte Geschichte in zwei Zeitebenen und beginnt im Sommer 1972. Im Mittelpunkt stehen dort der 10 jährige Byron, seine hinreißende Mutter Diana, Byrons bester Freund James und die im Titel angekündigten 2 Sekunden, die aller Leben für immer verändern werden.

Es ist beeindruckend, wie authentisch Rachel Joyce in die Psyche des liebenswerten Jungen eindringt und seine Gedanken beschreibt, zeigt, welche Fragen seinen Verstand verwirren. Aus seinem Blickwinkel erscheinen gewöhnliche Dinge in einem ganz neuen Licht. Er interpretiert Situationen mit seiner kindlichen Naivität und entdeckt Dinge, für die wir Erwachsenen nicht mehr empfänglich sind. Im Gegensatz zu Byron spüren wir Leser recht schnell, dass mit seiner Mutter irgendetwas nicht stimmt. Nach außen hin erscheint sie perfekt, doch ihre Seele leidet fürchterlich.

Zwischen den Kapiteln reist man in die Gegenwart, in dem ein gewisser Jim in den Fokus rückt. Jim ist ein Mann mittleren Alters, ohne Wurzeln und ohne Vergangenheit. Mit seinem Leben ist er sichtlich überfordert. Der Graben, den er zwischen sich und der Welt gezogen hat, scheint unüberwindbar. Sein Leben ist mit Schwierigkeiten behaftet, aber nach und nach erkennt er, dass es doch Menschen gibt, die sich um ihn sorgen.

Besonders in diesen Abschnitten hat mich die ausdrucksvolle und einfühlsame Sprache der Autorin beeindruckt. Von der ersten Sekunde an empfand ich Mitleid mit Jim, aber auch Verwirrung. Denn so ganz kann man Jims gegenwärtige Geschichte nicht mit den Ereignissen aus dem Jahr 1972 zusammenbringen.
Doch gerade das Wissen, dass beide Handlungsstränge am Ende zusammenfinden werden, macht neugierig und baut eine ungemeine Spannung auf.

***Fazit***

Erneut überzeugt Rachel Joyce mit einem beeindruckend gewaltigen und klaren Schreibstil. Allein literarisch betrachtet ist dieses Werk ganz großes Kino.

Zugegeben, die Lektüre ist nicht leicht. Die Zusammenhänge lassen sich lange Zeit nur erahnen. Doch das Durchhalten wird belohnt.
Denn "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist eine faszinierende, subtile, dunkle und komplexe Geschichte über die Fehlbarkeit eines jeden Menschen und erzählt von der heilenden Kraft der Freundschaft und der Hoffnung.

Für Menschen, die glauben den Boden unter den Füßen verloren zu haben, wird dieser bittersüße Roman wie ein zarter Hoffnungsschimmer sein.
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62 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Perfekt, 22. November 2013
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach ihrem überwältigenden Harold Fry-Bestseller hatte die Autorin für ihren neuen Roman die Wahl, entweder etwas Ähnliches, vielleicht sogar eine Art Fortsetzung zu schreiben, oder etwas ganz Anderes, Neues. Die Autorin hat sich für das zweite entschieden und damit eine gute Wahl getroffen - für sich und für ihre Leser. Warum ich hiervon überzeugt bin, möchte ich im Folgenden zeigen und dabei auf verschiedene Aspekte ihres Romans eingehen.

DER BUCHTITEL
Eigentlich fast das Einzige, was mir an dieser deutschen Ausgabe nicht so gefallen hat. Ich weiß nicht, woher die "Unsitte" kommt, einem Roman, dem die Autorin ganz bewusst einen bestimmten Titel gegeben hat, bei der Veröffentlichung in einem anderen Land, in einer anderen Sprache einen völlig anderen Titel zu geben. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" klingt so technisch, als ginge es darum, ein mathematisches oder astronomisches Problem zu lösen. Im englischen Original heißt der Roman ja einfach nur "Perfect" Wahrscheinlich meinte der Fischer- Verlag, dass das für deutsche Ohren zu banal, zu kitschig klingen könnte. "Perfekt" wäre jedenfalls nach meiner Meinung der viel bessere Titel auch für die deutsche Ausgabe gewesen, weil er den Inhalt des Romans viel besser widerspiegelt. Denn es geht im Buch ja darum, dass die Dinge des Lebens eben nicht immer perfekt sind, und man dies akzeptieren muss, statt sich um eine Perfektion zu bemühen, die alles eher noch komplizierter macht.

DIE STORY
Hier will ich mich kurz fassen, weil die Handlung ja schon in der oben stehenden Buchbeschreibung angedeutet ist, und sicher auch von vielen meiner Mitrezensenten ausführlich beschrieben wird. Es geht also darum, dass im Jahr 1972 zwei Sekunden dazu addiert werden, und bei dieser minimalen Zeitumstellung ein Unfall passiert, der das Leben aller Beteiligten verändert. Obwohl es diese Schaltsekunden damals wirklich gab, sind sie im Buch auch eine Art "Aufhänger" für das, um was es der Autorin in ihrem Roman geht: zu zeigen, wie vergänglich alles ist, wie schnell sich im Leben alles ändern kann - manchmal eben innerhalb von Sekunden.

DER AUFBAU DES ROMANS
Es gibt zwei Erzählstränge, die sich kapitelweise abwechseln und scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Der erste Erzählstrang spielt im Jahr 1972 und beschreibt den erwähnten Unfall und seine Nachwirkungen. Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart und beschreibt das Leben eines einsamen, durch Krankheiten gebeutelten, aber nicht unsympathischen 50-jährigen, der immer noch irgendwie seinen Platz im Leben sucht. Die Verknüpfung von zwei scheinbar nicht im Zusammenhang stehenden Geschichten innerhalb eines Romans ist immer eine schriftstellerische Herausforderung, ein riskantes Unternehmen, das auch scheitern kann. Hier ist es aber nach meiner Meinung eindeutig gelungen, denn die Autorin schafft es, den ganzen Roman über die Neugier darüber aufrecht zu erhalten, was denn beide Geschichten, die ja zeitlich Jahrzehnte auseinander liegen, miteinander zu tun haben könnten und löst das Geheimnis erst endgültig auf den letzten Seiten auf - und zwar in überzeugender Weise.

WARUM MICH DAS BUCH ZUM NACHDENKEN ANREGTE
Die Geschichte von Rachel Joyce hat einem so viel zu sagen, wenn man sich auf sie einlässt. Ich möchte als Beispiel nur die Figur des 11-jährigen Byron herausnehmen, der den oben erwähnten Unfall verursachte, bei dem seine Mutter ein Mädchen angefahren hat, ohne dies überhaupt zu merken - nur Byron selbst bemerkte es. Er fühlt sich schuldig und will es unbedingt wieder gutmachen. Dabei gerät er in Situationen die ihn überfordern, missdeutet Gespräche, die er als 11-jähriger noch nicht verstehen kann, gerät an Dinge des Lebens, die seinen geistigen Horizont übersteigen. Und obwohl das alles aus der Perspektive eines Kindes geschildert wird, ist aus meiner Sicht die unausgesprochene Botschaft der Autorin an den Leser: Wir alle kennen vom Leben viel weniger, als wir glauben. Die Möglichkeiten, es zu beeinflussen, oder auch nur zu verstehen sind viel kleiner als wir es wahrhaben wollen - und das sollten wir auch akzeptieren, statt nach Perfektion zu streben. Demut ist das, was man aus dem Buch mitnimmt.

FAZIT
Wie schon oben erwähnt, ist dieser Roman komplett anders als sein Vorgänger. Den Harold Fry konnte man praktisch jedem risikolos als Geschenk in die Hand drücken und sich schon im Voraus über dessen anerkennenden Dank nach der Lektüre freuen. Denn wer liest nicht schon gern so eine herzerwärmende Geschichte die so voller Lebensmut steckt. "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte" ist anders: ernster, nachdenklicher, ja auch dunkler - aber deswegen keinesfalls weniger wertvoll. Mit Büchern ist es vielleicht wie mit Menschen: man braucht die Optimisten, die für gute Stimmung sorgen. Man braucht aber auch die Nachdenklichen, die die Dinge des Lebens ergründen wollen. Und zu dieser zweiten Kategorie gehört Joyces aktueller Roman. Vielleicht ist es nicht unbedingt das ideale (Weihnachts)Geschenkbuch. (zumindest nicht für jeden) Dafür aber ein Buch, was man sich selber schenkt, wenn man erspüren möchte, was das Leben ausmacht.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lange Sekunden, 19. Februar 2014
1972 wurden der Zeit zwei Sekunden hinzugefügt. Diese zwei Sekunden werden Byron zum Verhängnis. In diesem schicksalhaften Augenblick entscheidet sich sein ganzes Leben, als seine Mutter ein kleines Mädchen überfährt, was aber nur Byron bemerkt.

Die Geschichte ist in zwei Erzählstränge unterteilt. Auf der einen Seite erfährt man die Begebenheiten Anfang der 70er-Jahre. Der Leser begleitet den 11jährigen Byron und sieht, wie sich die Ereignisse gemächlich zuspitzen.
Auf der anderen Seite befindet man sich in der Gegenwart und kämpft sich mit dem neurotischen und psychisch labilen 50jährigen Jim durch den Alltag.

Trotz des hervorragenden Schreibstils der Autorin und die ausgefeilten Charaktere hat mich diese - wenn auch sehr rührende Geschichte - doch gelangweilt. Ungefähr ab der Mitte des Romans hätte ich mir etwas mehr Schwung gewünscht. Insgesamt hat mich die Geschichte zwar stellenweise berührt, allerdings konnte mich die durchgehend depressive Stimmung im Buch einfach nicht überzeugen.

(c) NiWa
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht so einfach, 27. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mein Titel sagt aus, was ich beim Lesen des Buches empfunden habe. Es gibt einfachere Bücher, mit denen man besser entspannen kann. Dieses Buch erforderte dann doch mehr Aufmerksamkeit als gedacht. Aber, letztendlich, war der Kauf keine Fehlinvestition. Psyche ist halt nicht einfach.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein schönes Buch von unterschiedlicher Sicht auf die gleichen Dinge, 12. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hiermit bekenne ich mich offiziell zum Fan von "Rachel Joyce".

Nachdem ich "die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry", welches sofort zu der Liste meiner Lieblingsbücher avanciert ist, förmlich verschlungen habe, musste natürlich auch das nachfolgende Buch rasch herhalten: "Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte"

Meiner Meinung nach in keiner Weise vergleichbar mit dem ersten, aber dennoch fesselnd und superschön.
Die Kapitel sind recht kurz, so dass man (zumindest theoretisch) zwischendurch gut mal eine Pinkelpause einlegen kann, ohne mitten auf einer Seite aufhören zu müssen. (Sowas mag ich!) Praktisch lässt es sich aber schlechter beseite legen.
Der regelmäßige Wechsel zwischen den Hauptakteuren - dem elfjährigen Byron, der seinen Sommer '72 und dessen Ereignisse beschreibt, und dem über fünfzigjährigen Jim, der in der Gegenwart lebt und mit Zwangsstörungen kämpft, - macht das Buch noch interessanter. Ebenso wie die Tatsache, dass sich der Zusammenhang zwischen beiden Handlungssträngen erst fast ganz am Schluss erschliesst.
Auch wie schon in "der Pilgerreise" war ich nicht vom Ende enttäuscht, was nicht sehr häufig der Fall ist.

Also: Klare Leseempfehlung!
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27 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sensibel und phantasievoll wie J.K. Rowling, 28. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Vergleich zwischen Harold Fry und Jonas Jonassons "Hundertjährigem" war für mich Grund genug, Rachel Joyce bisher gepflegt aus dem Weg zu gehen. Jetzt, wo ich “Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte” regelrecht verschlungen habe, musste ich jedoch feststellen, dass ich Mrs. Joyce unrecht getan habe. Diese wunderbare Schriftstellerin hat so viel mit Jonas Jonasson gemeinsam wie eine singende Säge mit einer Stradivari. Vielmehr steckt in ihr das sensible und phantasievolle Erzähltalent vom Format ihrer britischen Landsfrau J.K. Rowling.

1972 werden die Uhren um zwei Sekunden zurückgedreht, um Erdrotation und Zeitrechnung wieder in Einklang zu bringen. Aber was bedeutet es, wenn man an der Zeit, die doch die natürliche Ordnung der Dinge darstellt, einfach so rumschrauben kann? Diese beunruhigende Frage lässt den elfjährigen Byron nicht mehr los, nachdem sein bester Freund James ihm von der Sache erzählt hat. Byrons Welt gerät vollends aus den Fugen, als seine Mutter ausgerechnet in dem Moment, in dem die Extrasekunden hinzugefügt werden, einen Autounfall baut. Doch zu seinem Entsetzen fährt seine Mutter einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Hat er sich den Unfall nur eingebildet?

Vierzig Jahre später, am Rande einer Neubausiedlung, lebt ein stiller, einsamer Mann namens Jim in einem Wohnmobil. Sein halbes Leben hat Jim in der Psychiatrie Besley Hill verbracht. Jeden Morgen begrüßt Jim das komplette Hab und Gut in seinem Camper. Hallo Wasserhähne, hallo Rollmatratze, hallo, kleiner Kaktus, sagt er. Wenn er etwas vergisst, fängt er von vorne an. Die Objekte sind die einzigen Freunde, die Jim hat. “Seit der Schließung von Besley Hill hat er sich beides gewünscht, Freunde, Liebe, hat sich gewünscht, andere zu kennen und gekannt zu werden, aber wenn man immer ein- und aussteigt, unbelebte Gegenstände begrüßt und Öffnungen mit Isolierband verklebt, bleibt nicht viel Zeit.” Doch dann lernt Jim in dem kleinen Supermarkt-Café, in dem er die Tische abräumt, Eileen kennen. Ein Orkan von einer Frau, laut, aufbrausend, raumfüllend – Jim passiert etwas, dass er nicht mehr für möglich gehalten hat. Er verliebt sich.

Wenn man nach Zuklappen eines Romans Pipi in den Augen hat, ist das der beste Beweis, dass es ein guter Roman ist. Ich weiß gar nicht, welche Geschichte mich mehr bewegt hat – die von Byron oder Jim. Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen beiden Erzählsträngen. Dennoch wird die Spannung um dieses Geheimnis bis zuletzt aufrechtgehalten. Überhaupt passiert in diesem Buch gar nicht so viel, aber es wird nie langweilig. Das liegt zum einen an dem Gefühl, dass jeden Moment etwas Furchtbares geschehen könnte und es zur Katastrophe kommt. Neben diesem Kloß im Hals steckt aber auch ganz viel Hoffnung und Humor zwischen den Seiten. Zum Beispiel, wenn Jim und Eileen nach imaginären Dingen auf dem Supermarkt-Parkplatz suchen, nur um sich nicht in die Augen schauen zu müssen: “So stehen sie Seite an Seite, berühren sich beinahe, aber nicht ganz, und suchen beide nach Dingen, die es vielleicht gibt, vielleicht auch nicht.”

Rachel Joyce eigentliches Geheimnis jedoch, um den Leser in ihren Bann zu ziehen und die Figuren für real zu halten, ist ihre unglaubliche Sprache. Sie ist sowohl schlicht in ihrem Satzbau, als auch verspielt in ihrem Bilderreichtum. Vor allem wirkt sie unverbraucht. Wenn sie schreibt, dass die Heide zartgelb wie Zitronensorbet leuchtet oder die Seligkeit in der Luft liegt als etwas Süßes, das man auf der Zunge schmecken und hinunterschlucken kann, dann wirkt das nicht wie klebriger Kitsch, sondern wie pure Magie. Weil es eine kindliche Welt ist, eine verzauberte Welt, in der solche Dinge möglich erscheinen.
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24 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nett - aber leider extrem klischeehaft ***enthält Spoiler***, 20. November 2013
Von 
LucyWeston (Deekelsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
James und Byron wachsen in den frühen 70ern als Kinder der Wohlbgüterten auf. Sie wohnen in der selben Nachbarschaft, gehen gemeinsam zur Eliteschule und sind beide SEHR phantasiebegabt. Byrons Mutter Diana wird von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt - und von einem wenig liebevollen Ehemann. Ihr Leben ist eine Fassade, und es gelingt ihr, sie aufrechtzuerhalten - bis zu dem Tag im Jahre 1972, an dem es zwei extra-Sekunden gibt. Byron hat sie gesehen, diese Zusatzsekunden - und das, was in diesen zwei verhängnisvollen Sekunden passiert.
Immer mehr gerät Dianas gutgeschmierte Lebens-Maschine aus dem Takt, und sie gerät mehr und mehr unter den Einfluss der manipulativen Beverly.

An und bei 40 Jahre später: Jim arbeitet in einem kleinen Supermarktcafé und kämpft mit einer immensen Menge an Zwängen. Er hat es offenbar nicht leicht gehabt im Leben: Aufenthalte in der örtlichen Nervenheilanstalt - bis diese endgültig schloss und Jim zwangsweise ins echte Leben entlassen wurde.
Doch es gibt auch einen Silberstreif am Horizont: der naht in Gestalt der bald-schon-wieder-Ex-Kollegin Eileen, die selbst die eine oder ander Macke hat.

Dieser Plot hätte ein richtig schönes Feel-Good-Buch werden können - aber leider hat die Autorin keine Charaktere, sondern nur Abziehbilder davon geschaffen. Und irgendwie sind alle ein bisschen zu viel: Diana ist zu hilflos, Beverly zu berechnend, Seymour zu schattenhaft, James zu zwanghaft. Und die Nachbarsgattinnen sind eh alles Drachen.
Einzig Byron wirkt einigermaßen "echt", ist aber letztendlich nur ein Spielball der Ereignisse.
Insgesammt ist die Grundstimmung dieses Buches sehr depressiv - vielleicht sollte man sich das Buch für die helleren Spätherbsttage aufheben.

Ehrlich gesagt, hatte ich keine allzugroßen Erwartungen an dieses Buch. Mir hatte der Vorgänger sehr gut gefallen, das war meine Hauptmotivation, diesem Buch eine Chance zu geben. So gesehen bin ich auch nicht allzu enttäuscht darüber.

Aber natürlich hätte ich mich über eine Überraschung an dieser Stelle gefreut...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Leben kann in zwei Sekunden scheitern, 3. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Byron Hemmings hat ein Problem: Seit ihm sein Freund James erzählt hat, dass dem Jahr zwei Sekunden hinzugefügt werden sollen, beobachtet er ohne Unterbrechung die Zeit. Just in dem Moment, als er im mit seiner Mutter und seiner Schwester im Jaguar unterwegs ist, passiert es. Der Sekundenzeiger springt nach vorne. In Panik hält er seiner Mutter die Uhr unter die Nase und exakt in diesem Moment, als die beiden Sekunden der Zeit hinzugefügt wurden, passiert der schreckliche Unfall. Von dem Moment an, ist in Byrons Leben nichts mehr wie es war. Zunächst ist da die Schuld, die seine Mutter aufgeladen hat, ohne wirklich etwas vom Unfall mitbekommen zu haben. Dann ist da noch sein Freund, der ihn dazu drängt, tätig zu werden. Und als die Dinge schließlich ins Rollen geraten, verlaufen sie gänzlich anders als Byron sich das gewünscht hätte. Was am Ende bleibt, ist ein tragischer Todesfall und der Verdacht, dass er - Byron - solche Situationen magisch anzieht.
Rachel Joyce zweites Buch ist meiner Meinung nach sehr viel spannender als die Geschichte von Harold Frys Wanderung. Es bleibt permanent das mulmige Gefühl aufrecht, dass da noch sehr viel Schlimmeres folgt und bis zuletzt ist auch nicht klar, was genau das sein könnte.
Die Geschichte ist sehr malerisch und lebendig geschrieben, sie geht spürbar unter die Haut. Für mich das bessere Buch von Rachel Joyce.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Meisterlich dargestellte Stimmungen, 9. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es wurden tatsächlich 1972 erstmalig Schaltsekunden zur Anpassung an die Ungenauigkeiten der Erdrotation eingeführt, wie sie auch heute immer wieder und von den meisten Menschen unbemerkt eingeschoben werden. Für den elfjährigen Byron, dessen hochbegabter Freund ihm von der Maßnahme erzählt hat, werden diese beiden Sekunden ein lebenslanges gewaltiges Echo haben, obwohl sie keineswegs an dem Tag "generiert" wurden, an dem er sie zu erleben meint.
Und es geht sehr rasch nicht mehr nur um die Ängste eines Kindes, sondern um eine instabile Familie, mit einem tyrannischen, reichen Vater, einer von diesem eingeschüchterten, wirklichkeitsfremden Mutter und Kindern, die an diesen Verhältnissen zerbrechen; ebenso jedoch um die gesamte englische Mittelschicht jener Zeit, patriarchalisch, in einer scheinbar idyllischen Parallelwelt lebend, verlogen und oberflächlich, in die Byrons Familie aufgestiegen ist.
Jim, der Protagonist aus dem um vierzig Jahre verschobenen anderen Handlungsstrang, gehört zu jenen, die auf der Strecke geblieben sind, weil sie die ungeschriebenen Regeln dieser Schicht nicht befolgen konnten oder wollten.
Die Suche nach der Wahrheit, die so relativ ist wie Raum und Zeit, steht im Zentrum dieses in einer sehr poetischen Sprache verfassten Romans. Es gelingt der Autorin, einen heißen Sommer darzustellen und zugleich auf meisterliche Weise eine düstere, bedrückende Stimmung zu schaffen, die den Leser wie ein Sog erfasst und mit sich zieht in Richtung der sich zunehmend klar abzeichnenden Katastrophe. Dem gegenüber steht der zweite Handlungsstrang, in dem ein Gefühl tiefer Hoffnungslosigkeit zu dominiert, doch, gegenläufig zur Geschichte von 1972, ahnt der Leser einen Lichtschimmer am Horizont.
Zwar kommen einige Passagen etwas schleppend voran, und man könnte auch kritisieren, dass die Protagonisten überzeichnet wirken, vor allem Byrons sehr naive Mutter. Wer jedoch bereit ist, sich auf die surreale Stimmung des Romans einzulassen – und darauf zielt die Autorin ab -, wird die Figuren als perfekt auf ihre Welt abgestimmt empfinden, eine Welt, deren Absurdität und Falschheit sich mit Fortschreiten der Handlung zunehmend offenbart, bis die zentralen Charaktere an ihr scheitern. Und doch gibt es Freundschaft und Liebe, in dieser überspannten, bis zur Groteske selbstgerechten Mittelschichtwelt ebenso wie in Jims Umgebung, die für das hedonistisch-saturierte gehobene Bürgertum den Bodensatz der Gesellschaft darstellt. Rachel Joyce versteht es meisterlich, zwischenmenschliche Wärme und echte Gefühle, die manchmal überraschend aufflammen, falschen Freundschaften und einer Liebe, die auf Besitzdenken basiert, gegenüberzustellen.
Ein starker Roman, den zu lesen sich definitiv lohnt!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen anders als der vorgänger----aber trotzdem sehr intensiv und schön, 3. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist anders als der Vorgänger. Und doch unverkennbar die Handschrift der Autorin, die es wirklich versteht, mit Worten nicht nur umzugehen, sondern auch Bilder und Stimmungen hervorzurufen. Sie erschafft nicht nur Welten, sie zeigt sie ihrem Leser auch. Und das gekonnt virtuos.
Unterteilt ist dieser Roman in drei große Kapitel und erzählt wird in zwei Erzählsträngen. Aber immer so, dass der Leser mitkommt und nicht auf der Strecke bleibt. Ein Erzählstrang spielt im Jahr 1972 und der zweite in der Jetztzeit.
Ein zutiefst anrührendes und nachdenklich stimmendes Buch über einen elfjährigen Jungen, dessen Leben innerhalb eines Sommers vollständig umgekrempelt wird. Byron und sein Freund James stammen beide aus sogenannten besseren Familien, gehen auf eine private Schule und wachsen wohlbehütet auf. Der Autorin gelingt es, ein sehr subtiles und eindrucksvolles Bild zu zeichnen, nicht nur von der Zeit und dem England um diese Zeit. Nein, sie geht viel tiefer beim Vorstellen ihrer Figuren. Byron und Luci, seine Schwester, sowie Diana, ihre Mutter und Seymour, der Vater, der kaum auftaucht, aber dennoch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Manches wirkt bisweilen sehr klischeehaft, doch es ist Realität. Und so kann es auch heute noch sein.
Dann sind da noch James und seine Familie, die immer wieder einmal auftauchen. Und dann sind da noch die kleine Jeanie und ihre Mutter. Die beiden kommen aus den sogenannten ärmeren Kreisen und können auch nicht in einem großen Haus wohnen wie Diana. Beide werden durch ungewöhnliche Umstände so etwas wie Freundinnen. Und doch wird dem Leser klar, dass alles nicht wirklich ist, denn Diana ist nicht diejenige, die sie auf den ersten Blick zu sein scheint. Möglicherweise sind aber auch die Unterschiede zu groß. Es gibt viele Fragen und Probleme, die dieses Buch aufwirft und die Autorin beantwortet diese auf ihre Art und Weise und überlässt es dem Leser, sich sein eigenes Bild zu machen.
Schuld ist ein zentrales Thema dieses Buches. Hut ab vor der Leistung der Autorin, wie sie es geschafft hat, sich in die Rollen ihrer Protagonisten hineinzudenken und sie auszugestalten. Überhaupt Byrons Weg und seine Gedanken sind sehr beeindruckend dargestellt. Wo beginnt die Schuld? Kann man seinem Schicksal entkommen oder hat man doch vieles in der eigenen Hand? War der Unfall nur ein Unfall oder musste er passieren? So könnte man getrost weitermachen, dieser Roman ist mehr als ein Roman. Er ist schon fast eine philosophische Abhandlung.
Der zweite Erzählstrang dreht sich um Jim, über 50 Jahre alt und ein Mensch, der in seiner eigenen Welt lebt, mit seinen eigenen Ticks und seiner Art, das Leben zu bewältigen. Seine Welt ist sein Wohnwagen und seine Arbeitsstelle, einem kleinem Café. Der Autorin ist es gelungen, Jim darzustellen, so wie er ist. So wie sie sich in die Psyche eines elfjährigen Jungen denken konnte, kann sie es ebenso in die eines über 50 Jahre alten, sagen wir mal, etwas seltsamen Mannes. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, aber gleichzeitig auch nie zu nüchtern. Es ist ein Blick in das Innere ohne Schnörkel und allem Drum und Dran. Das dieser Jim etwas mit Byron zu tun hat, wird einem schnell klar. Ebenso, dass beide Geschichten miteinander verbunden sind und sie aufeinander treffen müssen. Und ich muss sagen, ich war am Ende doch ein wenig überrascht. Nicht nur wer Jim ist, sondern wie sie beide Stränge zusammenführt.
Es ist schwierig, über dieses Buch zu schreiben, ohne zu viel zu verraten. Und gleichzeitig nicht in die totale Euphorie zu verfallen. Im Grunde genommen kann man einfach nur sagen, dass dieses Buch wirklich toll ist. Das man es einfach Lesen muss. Doch damit ist diesem Buch bei weitem nicht Genüge getan. Es ist mehr als ein Buch, das man liest, beiseite legt, weiterliest bis zum Ende und dann in das Bücherregal stellt. Es ist ein intensives Buch, das seine Leser fordert. Aber das ihm auch vieles gibt. Unbedingt Lesen!
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Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman
Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: Roman von Rachel Joyce (Gebundene Ausgabe - 21. November 2013)
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