Fashion Sale Hier klicken Kinderfahrzeuge indie-bücher Cloud Drive Photos Learn More madamet HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16

Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen3
5,0 von 5 Sternen
5 Sterne
3
4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 5. November 2006
Kracht, Munz und Nikol führen uns mit dem vorliegenden Bildband in eine Welt von der wir scheinbar nichts wissen, die zum Schein existiert, Minute für Minute geplant für uns, den Besucher.

Die unangestrengt wirkenden Farbaufnahmen zeigen, das entnehmen wir nicht zuletzt Krachts einleitendem Text, Nordkorea als permanente Inszenierung: eine für den ausländischen Gast erdachte Choreographie aus Ideologie und sozialistischem Idealbild, durchdrungen von einer unbedingten, doch ohne Zweifel auch echten Liebe des Menschen zu seiner Heimat und dem Glauben an sein Land.

Begleitet von Zitaten aus dem umfangreichen Schaffen des lieben Führers Kim Jong Il schauen wir auf ein Pjöngjang das sich im besten Licht präsentieren möchte, auf sauber gefegte Plätze, auf Prachtbauten in absurden Dimensionen, auf fröhliche Menschen die gutgelaunt Blumen vor einer Statue des großen Führers niederlegen. Wir sehen verträumte Flusslandschaften, hinter den Hügeln das Mayday-Stadion, die spektakuläre Präzision der Mass Games.

Erst auf den zweiten Blick nehmen wir die völlige Abwesenheit gelernter Zeichen einer Großstadt zur Kenntnis: hier gibt es keine Werbeflächen die uns neueste Produkte empfehlen, keine Neonreklame bei Nacht, nicht die gewohnt hektische Betriebsamkeit auf den Plätzen, und auch die Straßen und Boulevards sind abgesehen von uniformierten Beamtinnen, die auf Kreuzungen den imaginären Verkehr regeln, verdächtig leer. Abseits der von Staats wegen geplanten touristischen Routen erahnen wir das Ende der Illusion, der wunderbare Traum vom sozialistischen Glück kehrt sich in die betongraue sozialistische Realität.

Dieses handliche, gut gemachte Buch ist auf dem deutschsprachigen Buchmarkt bis dato thematisch eine Einmaligkeit. Die ultrarealistische Bildsprache der Fotografien von Munz und Nikol, unaufgeregt und beinahe wie im Vorübergehen aufgenommen, in Ergänzung mit Krachts Text ein Glücksfall. Allein aus diesem Grund schon meine unbedingte Kaufempfehlung!
0Kommentar|14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 24. September 2012
Nordkorea, das Land, in dem die rote Sonne Kim Jong Ils ohne Unterlass scheint, ist eine der wenigen unerforschten Flecken unserer Erde. Sagenumwoben wird einer der letzten Bastionen des Personenkults alles Mögliche unterstellt und angedichtet: vom Kannibalismus seiner ausgehungerten Landsleute bis zum Größenwahn des geliebten Führers, der mit Drogen handeln, wüste Partys feiern und diversen Lastern frönen soll. Der amerikanische Präsident wittert inzwischen sogar den Achselschweiß des Bösen von Pjöngjang bis ins Oval Office und möchte gern sein tödliches Deo versprühen.

Da kommt der erste Bildband mit Fotos aus dem Inneren des kommunistischen Landes gerade recht, um sich zumindest einen optischen Eindruck zu verschaffen.

Ist es möglich, ein Land abzubilden, dessen Regime streng darüber wacht, was offizielle Besucher sehen und fotografieren dürfen? Christian Kracht als Autor sowie Eva Munz und Lukas Nikol als Fotografen des Bildbandes berichten, dass sie immer wieder von Aufsehern in inszenierte Situationen gelenkt wurden, die sie ablichten konnten. Sogar die Einfahrt eines U-Bahn-Zuges soll gestellt gewesen sein: die Fahrgäste waren Schauspieler, auffallend viele steckten in nationalen Trachten. Die drei waren zu Dreharbeiten eines historischen Filmes geladen, bei dem alles echt aussah, bis sie bemerkten, dass die Kabel der Filmkamera ausgestöpselt waren. In dieser Show wurden sie selbst gefilmt und am Abend im Staatsfernsehen ausgestrahlt, um zum Bestandteil der Inszenierung zu werden. Die Autoren erlebten die Volksrepublik als farbenprächtiges Theaterstück, in dem sie selbst zu aktiven Mitwirkenden wurden.

Ein derart geschmähtes Land wie Nordkorea will sich verständlicherweise von seiner besten Seite zeigen und lässt keine Gelegenheit aus, frische Blumen und fröhliche Menschen aufzustellen. Die Kulisse dient dem Gastgeber, um konfuzianisch das Gesicht zu wahren und peinliche Situationen im Vorfeld zu vermeiden und ehrt gleichermaßen den Besucherfreund. Um ihre Befangenheit in dieser Inszenierung auszudrücken, unterlegten die Buchmacher ihre rund einhundert Farbabbildungen mit Zitaten aus dem Regelwerk »Über die Filmkunst« des als Filmfreak bekannten Großen Führers. Kracht schreibt dazu über Kim Jong Il: »Er ist, in seinen eigenen Worten, Sonne, Sterne und Erde zugleich; Kamera, Leinwand und Projektor; schließlich auch Regisseur und Publikum«. So mag auch die vorliegende Veröffentlichung als Teil einer staatlich inszenierten Operette gesehen werden.

Die Bilder von Munz und Nikol wirken distanziert und beklemmend kühl, sie unterscheiden sich kaum von touristischen Fotos, die sich beispielsweise im Internet von gelegentlichen Reisen in die Volksrepublik finden. Gleichwohl öffnen sie ein Fenster in die durchkomponierte Welt des Sohns von Kim Il Sung, die sich dem Betrachter als größtes, manisches Kunstwerk auf Erden darstellt: Kim Jong Ils Volksrepublik Nordkorea.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. September 2006
Ich war noch nie in Nordkorea. Ich war sogar noch nie in Asien. Das macht aber ja nichts, weil Christian Kracht und seine Freunde ueberall hin fahren fuer mich, und wenn es nur wegen der Stempel im Pass ist.

Eva Munz und Lukas Nikol haben in diesem fein anzufassenden Band (Querformat, laesst sich hervorragend an den kurzen Seiten in einer Hand tragen, zum Beispiel beim Marsch durch andere Filmkulissen wie London) Bildeindruecke aus Nordkorea versammelt, und „der komplizierteste Ironiker der deutschen Gegenwartsliteratur“ Christian Kracht hat eine noch schoeneren Text dazu geschrieben. Es werden zur Enttaeuschung aller Feuilletonmitarbeiter wenig Markenartikel erwaehnt und auch der Dandyismusverdacht greift diesesmal etwas kurz.

Stattdessen finden sich Photographien, die aus der Zeit gefallen scheinen, denn sie tragen eine Patina wie wir sie aus Guido Knopps grossartigen ZDF-Historienfilmen ueber die deutschen Versuche am Totalitarimus kennen.

Die Juche-Philosophie, eine nordkoreanische Spezialitaet, kann jeder Einzelne versuchen in den vielen Farbtafeln wieder zu finden, und es empfiehlt sich ein Oszillieren zwischen Krachts einleitenden Worten und den Farbphotographien von Munz und Nikol. Die Zitate aus Kim Jong Ils Standardwerk zur Filmkunst sind zwischen oder gar in die Photographien montiert, und ein Schelm oder ein Feuilletonist wer Boeses dabei denkt: Ganz offensichtlich hat naemlich Kim Jong Il alles verstanden, er ist, frei nach Emmanuel Carrere einer der wenigen, der den Mann am Tresen gesehen hat, welcher das Bierglas einschenkt (und wir alle leben im Sonnensystem, das lediglich eine Luftblase im Bier darstellt). Vielleicht aber auch haben stattdessen Kracht, Munz, und Nikol endlich fuer uns aus dem Bierglas geschaut und uns mit anruehrend schoenen Bildern und Worten gezeigt, das nicht alles immer so ist es wie es scheint. Lieber Doktor El Baradei, kaufen Sie sich dieses Buch und geben Sie es nie wieder her.

Wenn ich nun gleich heim spaziere und mich auf zahlreichen CCTV-Kameras verewige, denke ich an Nordkorea, die groesste Filmkulisse der Welt, und dies alles dank dieses schoenen Buchs. Dass es nur beim Versand Zweitausendeins (2001) zu erwerben ist, wuerde Stanley Kubrick, Arthur C Clarke, und nicht zuletzt den Filmfreund Kim Jong Il sicher sehr freuen.
0Kommentar|15 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden