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5.0 von 5 Sternen Eine 'objektive' Darstellung der besonderen Art, 28. Juni 2014
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Der Erste Weltkrieg in 100 Objekten (Gebundene Ausgabe)
Im Vorfeld der 100. Wiederkehr des Datums an dem der Erste Weltkrieg am 28. Juli 1914 seine Anfang genommen hatte, erschien bereits eine lange Reihe von Publikationen. Bei den meisten Veröffentlichungen standen neben seinem Verlauf vor allem seine vielfältigen Ursachen, aber auch seine, zu noch weit größerem Unheil führenden Folgen im Mittelpunkt. Mitunter wurden erfolgte auch eine Darstellung anhand von Fotoszenarien und Dokumenten. Einige dieser Dokumentationen wurden von timediver® bereits gelesen und rezensiert, wie z. B. "Der Erste Weltkrieg", "Der Große Krieg. Österreich im Ersten Weltkrieg 1914-1918: Der Weg in den Untergang - Die Katastrophe im Osten - Der Krieg im Gebirge - Das Ende der Monarchie", "Die letzten Tage der Menschheit: Der Erste Weltkrieg in Bildern. Mit Texten von Karl Kraus".

Der von der "Stiftung Deutsches Historisches Museum" im Stuttgarter Konrad Theiss Verlag herausgegebene Band "Der Erste Weltkrieg in 100 Objekten" nähert sich hingegen dem Thema, wie sein Titel bereits erahnen lässt, der 'Great seminal catastrophe of this century' [George Frost Kennan, 1979] auf eine besondere, 'objektive' Weise. Als begleitende Publikation zu der vom 29. Mai - 30. November in Berlin stattfindenden Ausstellung "1914 - 1918. Der Erste Weltkrieg" beschränkt sich der Band jedoch nicht nur alleine auf die Darstellung und Erläuterung von 100 verschieden Objekten, sondern kann darüber hinaus noch eine Vielzahl weiterer Informationen bieten.

Während der vordere Buchvorsatz eine farbige Karte Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens zu Beginn des Ersten Weltkrieges bietet, offenbart eine weitere auf dem hinteren die Grenzen der (zum Teil neuentstandenen) Staaten im Jahre 1923. Besonders deutlich werden hierbei die infolge des 'Sykes-Picot-Abkommen' vom 16. Mai 1916 geradezu mit einem Lineal gezogenen 'Grenzen' der britischen und französischen 'Mandatsgebiete' im Nahen Osten, von deren Folgen bis in die Gegenwart hinein Gefahren für den Weltfrieden ausgehen.

In seinem Vorwort weist der Präsidenten der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Prof. Dr. Alexander Koch (Jahrgang 1966) auf die ambivalente Wirkung zwischen 'fern und nah' hin, welche die exponierten Objekte beim Betrachter hervorrufen. Dieses Spannungsverhältnis entsteht daraus, dass die Gestände einerseits aus einer vergangenen, nicht selbst erlebten Zeit stammen, andererseits jedoch auch vielen Alltagsgegenständen unserer jetzigen Zeit sehr ähnlich sind. Der individuellen Vorstellungskraft kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, da sie erst eine Annäherung an die Vergangenheit ermöglicht. Gerade aus diesem Grunde kommt jedem einzelnen Ausstellungsstück eine bestimmte Bedeutung zu.

Für die thematische Einführung "Der Erste Weltkrieg" konnte mit Prof. i. R. Dr. Krumeich ein Experte gewonnen werden, der sich um den wissenschaftlichen Austausch zwischen deutschen und französischen Historikern verdient gemacht hat. Seine Betrachtungen setzten mit einem Rückblick ins ausgehende 19. Jahrhundert ein und enden mit einer Voraussicht der verheerenden Folgen des Versailler Vertrages. Jedem einzelnen Exponat ist eine Doppelseite gewidmet, von denen die zweite Hälfte der Abbildung dient. Für die Begleittexte zeichnen sich insgesamt 11 verschiedene Autoren, darunter drei Mitarbeiter des 'DHM' aus. Einige von ihnen warten hierbei auch mit einem zeitgenössischen Zitat auf. Die Präsentation der Objekte erfolgt in sieben Kapiteln, die sowohl nach chronologischen als auch geografischen und thematischen Aspekten konzipiert wurden und denen jeweils eine zweiseitige Einführung vorangestellt wurde. Während Gegenstände wie der "Schlüssel von Fort Douaumont", die "Gasmaske M 1917", ein "Chirurgisches Lazarettbesteck" und die "Beinprothese des Soldaten August Kohlrausch" das Sterben, die Leiden und körperlichen Schäden sowie die Traumatisierung von 30 Millionen Menschen nur erahnen lässt, bieten andere auch unerwartete "Déjà-vu-Erlebnisse", wie die Ablichtung der 'turkotaraischen Ausgabe“ Nr. 42 der „Zeitung für muhammedanische Kriegsgefangene – El Dschihad“ vom 17. September 1916. Vom Auswärtigen Amt des Deutschen Reiches war als Großprojekt eine Dschihadstrategie entwickelt worden, welche die Muslime zu einem heiligen Krieg gegen englische, französische und russische Fremdherrschaft bewegen sollte. Hierzu wurden von den Deutschen (im wahrsten Sinne des Wortes) Flugblätter über der Front abgeworfen. Besonders berührend sind die Entbehrungen und Opfer an der Heimatfront, die sich besonders in Radierung einer Mutter mit vier kleinen Kindern offenbart, der von ihrem Ehemann und Familienvater lediglich das 'Eiserne Kreuz' geblieben ist. Das Foto des Stahlhelms eines Angehörigen der „Marine-Brigade-Ehrhard“, an dem erstmals das Hakenkreuz angebracht wurde, bildet gleichzeitig den Abschluss der 100 Objekte und eine Ausblick auf die kommenden Ereignisse.

Zu den abschließenden Materialien des Bandes gehören drei Zeittafeln, welche die Ereignisse in der Politik (1904 – 1920) und der West- und Südfront sowie der Ostfront und weiteren (überseeischen) Kriegsschauplätzen zum Gegenstand haben. Die wechselnden Frontverläufe im Westen und Osten Europas werden zusätzlich auf zwei farbigen Karten dargestellt. Einem Verzeichnis "Ausgewählter Literatur" folgen schließlich noch ein Personenregister und ein Verzeichnis der Autorinnen/Autoren sowie ein Objektverzeichnis mit Bildnachweis.

Sicherlich kann der Band kein Ersatz für einen Besuch der Berliner Ausstellung sein. Dennoch kann er über seine Funktion als Begleitlektüre und Erinnerungsstück auch all jenen Interessierten empfohlen werden, die nicht nach Berlin kommen können.

5 Amazonsterne.

Oberursel (Taunus), den 28.06.2014 (Vidovdan/Sankt-Veits-Tag), 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Objekte des Krieges und das Leiden der Menschen., 6. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Erste Weltkrieg in 100 Objekten (Gebundene Ausgabe)
Die Flut von Büchern, die aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums des Beginns des 1. Weltkriegs erschienen ist, ist um ein bemerkenswertes Buch bereichert worden. Den Autoren gelingt es in beeindruckender Weise, 100 ihrer Exponate der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum zum "Sprechen" zu bringen. Dabei decken sie nicht nur den Bereich der Militärgeschichte im engeren Sinne ab, sondern auch den der "Heimatfront" und der Alltagsgeschichte. So illustrieren sie das Leid der Menschen eindringlich. Die Methode, Gegenstände als Ausgangspunkt für historische Erläuterungen zu nehmen, hat in der Volkskunde schon lange Tradition, und auch in der Geschichtswissenschaft ist sie inzwischen salonfähig geworden. Und spätestens seit den Büchern von Neil MacGregor (Geschichte der Welt in 100 Objekten) begeistert sie auch ein großes Publikum. Tolle Exponate und eine tolle Aufbereitung - unbedingt lesenswert!
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Der Erste Weltkrieg in 100 Objekten
Der Erste Weltkrieg in 100 Objekten von Deutsches Historisches Museum (Gebundene Ausgabe - 26. Mai 2014)
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