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5.0 von 5 Sternen Realhistorisches Bild statt Mythos, 26. Dezember 2011
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Die Völkerwanderung (Broschiert)
Unter zahlreichen populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen der letzten Jahre zum Thema "Völkerwanderung" ist der im April in der Reihe "Theiss Wissen Kompakt" erschienene Band die derzeit aktuellste Publikation. Mit dem Fachbereichsbeauftragten für Urgeschichtliche und Frühgeschichtliche Archäologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Dr. Hubert Fehr und dem Redaktionsleiter des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, Dr. Philipp von Rummel, haben sich zwei Experten für die Geschichte der Spätantike und des frühen Mittelalters als Co-Autoren zusammengefunden. Während Fehr seine Dissertation über "Germanen und Romanen im Merowingerreich" vorgelegt hatte, promovierte von Rummel mit seiner Doktorarbeit "Habitus barbarus. Kleidung und Repräsentation spätantiker Eliten im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr."....

...in sechs Kapiteln unterwerfen die beiden Autoren das Zeitalter der Völkerwanderung und den daraus entstandenen Mythos einer besonderen Untersuchung. Zunächst wird dem Klischee der mit Fell bekleideten und Hörnerhelm tragender Horden, welche die antike Zivilisation überrannten, ein Absage erteilt. Neuere Forschungen haben vielmehr gezeigt, dass die Völkerwanderung nicht losgelöst von der inneren Entwicklung des Römischen Imperiums betrachtet werden kann. Während die Autoren die Begriffe der Völkerwanderung und der Völkerwanderungszeit näher erläutern, gehen sie in farblich abgesetzten Essays auf die Fragen ein, was ein Volk ist und ob die Germanen als unsere Vorfahren anzusehen sind. Bevor sich mit den Stereotypen "Römer und Germane" beschäftigen, weisen die Autoren vor allem daraufhin, dass vor allem die Mehrheit der nicht germanischsprachigen Völkerschaften, eine bedeutende Rolle gespielt hat. Im zweiten Kapitel wird das in einer Zeit des Wandels befindliche Römische Imperium am Vorabend der Völkerwanderung beschrieben Während hier ein Essay 210 Gründe für den Niedergang Roms alphabetisch auflistet, setzt sich ein zweites mit dem Streit um die Natur Jesu zwischen Arianern und Athanasiern ("Katholiken") auseinander. Kapitel drei befasst sich mit Struktur und Verlauf der Völkerwanderung,zu der unterschiedliche Erscheinungsformen der Wanderungen, "barbarische" Militärführer und größere Invasionen gehören. In Essays werden die Fragen beantwortet, ob Reihengräberfelder als Zeugnis germanischer Zuwanderung, und Keramik als historische Quellen angesehen werden können. Verschiedene Protagonisten dieser sich verändernden Welt, wie der gotische Bibelübersetzer Wulfila, Merowingerfürst Childerich, Heermeister Aetius und Westgotenkönig Alarich werden in Infokästen vorgestellt. Im selben Rahmen wird auch auf den archäologischen Fachterminus der materiellen Kultur eingegangen.

Mit 86 Seiten bildet das vierte Kapitel "Wandernde Völker" das Herzstück des Bandes. Chronologisch nacheinander werden Goten, Hunnen und andere Stämme in den Donauprovinzen und dem Schwarzmeergebiet, Alemannen, Franken, Westgoten un Burgunden mit den germanischen und gallischen Provinzen, Angeln, Sachsen und Jüten in Britannien, Goten und Langobarden in Italien, Sueben und Goten auf der Iberischen Halbinsel und schließlich Vandalen und Mauren in Nordafrika ausführlich vorgestellt. Zehn Essays liefern weitere Informationen. Zum Beispiel zu der Schlacht von Adrianopel (378), der umstrittenen Herkunft der Bajuwaren, Sutton Hoo, der Plünderung Roms,dem vandalischen Übergang nach Nordafrika und den Djedars im heutigen Algerien. Die Wanderungen der Slawen, Araber, Reiternomaden wie Awaren, Bulgaren und Mongolen, die nach dem Ende der eigentlichen Völkerwanderungszeit stattfanden sind Gegenstand des fünften Kapitels. Im letzten Kapitel greifen die Autoren noch einmal die Frage auf, ob die Völkerwanderung nur ein bloßer Mythos ist. Ob es eine Epoche des Verfalls und Niedergangs oder eines Neuanfangs war, ob die gewaltsamen Machtverschiebungen den Sieg der barbarischen Germanen über die dekadenten Römer darstellte. Abschließend kommen Fehr und von Rummel zu dem Ergebnis, dass der Egoismus der römischen Eliten als ein Faktor, der das Imperium groß gemacht hatte, paradoxerweise aber auch zu dessen Niedergang beitrug und auch der Untergang letztendlich mit einer Transformation verbunden war.

Zu zahlreichen schwarzweißen Fotos bekommt der Leser noch ein Verzeichnis weiterführender Literatur und ein Register. Während die vordere Buchklappe eine farbige Karte "Europa und Mittelmeerraum bei Tode Theoderichs (526 n. Chr)" bietet die hintere eine chronologische Synopse (250 - 600), in der die Ereignisse im Römischen Reich, den Donauprovinzen und Nordwestprovinzen, auf der Iberische Halbinsel und in Nordafrika gegenübergestellt werden.

"Die Völkerwanderung" ist ein gelungenes und gut zu lesende Zusammenfassung, die mit vielen Vorurteilen und Halbwahrheiten aufräumt und einem realistischen Geschichtsbild gerecht wird.

5 Amazonsterne.
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Die Völkerwanderung
Die Völkerwanderung von Hubert Fehr (Broschiert - 1. April 2011)
EUR 19,95
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