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5.0 von 5 Sternen Das letzte Wort über Elagabal, 11. März 2014
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Elagabal: Leben und Vermächtnis von Roms Priesterkaiser (Gebundene Ausgabe)
Es ist viel über ihn geschrieben worden, aber nur wenig weiß man sicher. Elagabal, der ursprünglich Varius Avitus Bassianus hieß und sich als Kaiser Marcus Aurelius Antoninus nannte, regierte in Rom zu einer Zeit, die geprägt war von Aufruhr, kurzen und gewaltsam beendeten Amtszeiten der Herrscher. Caracalla, Macrinus, Elagabal - alle verloren ihr Leben durch das Schwert aus den eigenen Reihen.
Martijn Icks, Mitarbeiter am Zentrum für Altertumswissenschaften an der Universität Heidelberg, hat sich seit mehr als 10 Jahren mit der "verruchten" Person Elagabals auseinandergesetzt, seiner Darstellung in der antiken Literatur und der Rezeption in späterer Zeit. Ferner hat er zusammengetragen, was es an epigrafischen oder anderen Primärquellen über Elagabal gibt und diese Informationen gegen die literarische Überlieferung gestellt. Überaus sorgfältig und systematisch hat er sich diesem komplexen Thema genähert und so ein neutraleres und facettenreicheres Bild Elagabals erzeugt, als dies in der Vergangenheit geschehen ist. Der Herrscher zeigt sich in seiner Darstellung als ein eher kulturell ungeschickter als tatsächlich moralisch (im Vergleich zu seinen Vorgängern) besonders auffälliger Charakter. Letztlich fällt er über seinen fehlenden Respekt vor römischen Traditionen und römischer Religion. Nach seinem Tod wird über ihn die Damnatio Memoriae verhängt, die Tilgung aus allen öffentlichen Schriftstücken und die Zerstörung seiner Bildnisse. Gerade dieser Umstand macht die Untersuchung der Wahrheit so ausgesprochen kompliziert.

Zwei römische Historiker sind Zeitzeugen gewesen, wenn auch keiner von ihnen die Ereignisse in Rom selber erlebte. Elagabal, der nur vier Jahre regierte, kannten sie nur aus den Erzählungen anderer. Cassius Dio und Herodian mit seiner Historia Augusta sind dementsprechend auch Icks wichtigste Quellen und er vergleicht ihre Texte minutiös. So ergeben sich Hinweise darauf, dass sicherlich einer vom anderen abgeschrieben hat und die Geschichte möglicherweise noch ausgeschmückt hat. Parallelen zu den Lebensgeschichten anderer "schlechter Herrscher" sind augenfällig und auffallend stereotyp. So bemühten sich die antiken Historiker nicht um eine genaue Darstellung der Person Elagabals, sondern stricken eine Historia nach dem Muster eines Nero, Otho oder Vitellius.

Im Weiteren befasst sich Icks mit der Rezeption Elagabals in der Nachwelt. Bereits im Mittelalter wird er als Beispiel für einen verruchten, orientalischen Herrscher herangezogen (Elagabal hatte syrische Wurzeln) und erst das textkritische 19. Jahrhundert beginnt langsam mit einer objektiven Analyse der vorhandenen Fakten. Im 20. Jahrhundert entwickeln sich dann einige abstruse Theorien über Elagabal als frühen Verfechter des Monotheismus und Wegbereiter der Schwulenbewegung. Aber eine wirklich wissenschaftlich-monografische Aufarbeitung fehlte bisher. Icks leistet diese Arbeit, wobei er sich nicht nur der theologisch-wissenschaftlichen Literatur, sondern durchaus auch fiktional-unterhaltenden Schriften widmet. Gerade am Ende des 19. und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts sind es Theaterstücke, in denen Elagabal eine Rolle spielt - nicht immer nur als Unperson, sondern durchaus auch mit menschlichen Zügen. Der Autor weist selber darauf hin, dass seine Literaturstudie nicht enzyklopädisch ist, und so sind gewisse Schwerpunkte in der englisch- und französischsprachigen Sekundärliteratur gesetzt.

Icks schreibt in sachlich differenziertem Ton und nähert sich seinem Sujet ausgesprochen systematisch. Die Übersetzung aus dem Englischen wirkt an einigen Stellen etwas unrund und mir sind verhältnismäßig viele Rechtschreibfehler aufgefallen, was für ein etwas lässiges Lektorat spricht. Inhaltlich gibt es keine Kritik. Über Elagabal ist damit sicherlich für sehr lange Zeit das letzte Wort gesprochen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Damals Kaiser - heute ständiger Gast in der Klatschpresse, 4. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Elagabal: Leben und Vermächtnis von Roms Priesterkaiser (Gebundene Ausgabe)
Es ist schon erstaunlich wie viel wir heute über die Geschichte wissen. Über die römischen Kaiser wissen wir fast alles. Ihre Taten, ihre Gewohnheiten, ihre Kleidung, ihre Lieblingsspeisen. Trotzdem kennen wir nur wenige von ihnen. Julius Caesar, den kennt jeder. Der hat schließlich in den Asterix-Filmen mitgespielt. Nero, der Wahnsinnige, brennt einfach seine Bude und seine Stadt ab (was nachweislich nicht so war, aber immer noch in den Köpfen verankert ist). Augustus, ohne den würden wir im Hochsommer Silvester feiern. Dann wird’s für Viele schon eng. Diokletian kennt, wer in Kroatien Urlaub machte. Konstantin kennen viele aus dem Istanbul-Reiseband. Wer noch mehr römische Kaiser kennt, hat über sie gelesen. Wer Elagabal nicht kennt, muss dieses Buch lesen.
Denn Elagabals Leben ist heute noch lesenswert. Und aktuell. Auf Roms Republikverständnis berufen sich fast alle Republiken weltweit. Er wurde in Syrien (in Emesa, dem heutigen Homs) geboren, einem Land, über dessen vielschichtige Schändung jeden Tag berichtet wird.
Im Jahr 218 erklimmt ein 14jähriger Knabenpriester den römischen Kaiserthron. Der Sonnengott Elagabal sollte Namensgeber und Richtungsweiser seiner Regentschaft sein. Vier Jahre hielt er sich auf dem Thron. Am Ende wurde sein Körper durch die Straßen Roms geschleift und in den Tiber geworfen. Doch zwischen der Thronbesteigung und dem jämmerlichen Ende lagen Jahre voller Lebenslust. Es gibt kaum komplette Schriften über ihn. Anekdoten zuhauf.
Die Großmutter Elagabals behauptete, dass ihr Enkel ein uneheliches Kind von Kaiser Caracalla sei. Ein weiterer Kaiser, der durch ein Buch des Zabernverlages nicht mehr ganz so unbekannt ist. Die Thronbesteigung verlief blutig. Durch Versprechungen auf Ruhm und vor allem Reichtum ließen die Soldaten zu ihm überlaufen, sie ermordeten ihre Offiziere. Der Senat unterwarf sich dem Dogma der Armee und krönte den jüngsten Kaiser aller Zeiten.
Ein Hohepriester auf dem Thron – göttliche Zeiten drohen. Und fromme, möchte man meinen. Das Gegenteil war der Fall. Wieder so eine Parallele zur Gegenwart, wenn man an das Bistum Limburg denkt… Elagabal war kein Kostverächter. Orgien, schlimmer als bei Caligula, mit beiderlei Geschlecht. Eine gnadenlose Selbstdarstellung. Er allein hätte die Facebook-Server der Antike zum Glühen gebracht. Doch was ist wahr und was ist erfunden?
Martijn Icks versucht Wahrheit von Fantasie zu trennen und entwirft ein spannendes Bild des ehemaligen Hohepriesters, der zu Ehren Elagabals Tänze aufführte, als Kaiser Menschenopfer darbrachte und sogar einen Selbstmordturm errichten ließ. Die Biographie dieses außergewöhnlichen Kaisers liest sich wie ein spannender Roman, mal wie ein Krimi, mal wie ein episches Drama.
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Elagabal: Leben und Vermächtnis von Roms Priesterkaiser
Elagabal: Leben und Vermächtnis von Roms Priesterkaiser von Martijn Icks (Gebundene Ausgabe - 1. Februar 2014)
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