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4.0 von 5 Sternen Eurozentrisch, jedoch ohne Keltische Mythologie, 26. Juli 2014
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Handbuch der Mythologie (Gebundene Ausgabe)
"Eine wissenschaftliche 'Mythologie' im Sinne einer 'Lehre von den Mythen' gibt es nicht."

Bereits das Cover des 368 Seiten umfassenden enzyklopädischen Werkes ist ein Hinweis auf seinen eurozentristischen Aufbau und Inhalt. Mit Ikarus & Daidalos, Leda und dem Schwan sowie Perseus mit dem Haupt der Medusa bietet es gleich drei Motive, die der griechischen Mythologie der Antike entstammen. Beim vierten, dem kleinsten Bild muss man schon genauer hinschauen, um die zwischen zwei Eulen (Sinnbild der Göttin Athene) auf zwei Raubkatzen stehende geflügelte, vogelfüßige Göttin aus altbabylonischer Zeit [Ištar oder Ereškigal] zu erkennen.

Die beiden Autoren Prof. Dr. Christoph Jamme und Prof. Dr. Stefan Matuschek weisen in ihrem Vorwort darauf hin, dass der Begriff "Mythos" und seine Bedeutung (Laut, Wort, Rede, Erzählung, sagenhafte Geschichte) ursprünglich zwar altgriechisch sind, heute jedoch extensiver auch für andere europäische und außereuropäische Kulturkreise ausgelegt werden. Demnach sind Mythen auch keine ausschließliche Angelegenheit der dunklen 'alten Zeiten', die durch die Aufklärung verschwunden sind. Auch in der heutigen Zeit sind sie noch präsent; jedoch nicht für eine gläubige Hingabe, sondern für eine kritische Reflexion. Hierbei schließt sich wiederum der Kreis zu den altgriechischen Philosophen.

"Das Handbuch der Mythologie"(von altgriechisch mythoi [Plural von mythos] und legein = erzählen) ist in die Teile "Welten des Mythos" und "Mythen der Welt" gegliedert. Der erste, mit seinen 41 Seiten weitaus kleinere teil gibt eine Übersicht über den wissenschaftlichen Diskurs des Phänomens Mythos, dessen Mannigfaltigkeit inzwischen zu einer interdisziplinären Wissenschaft unterschiedlichster Richtungen geworden ist, die sich zu einem umfassenden Verständnis zu einem Dialog zusammengefunden haben. Nach einer begrifflichen Erläuterung von Mythos und Mythologie sowie ihrer Relation zueinander, bieten die Autoren eine Einführung in die drei wichtigsten Mythostheorien (funktionelle, symbolische und strukturelle Theorie), denen sie noch weitere Ansätze anhand historischer folgen lassen. Obgleich der Terminus Mythologie, wie das Eingangszit verdeutlicht, nicht in einer Analogie zu wissenschaftlichen Disziplinen wie z. B. Biologie und Ethnologie steht, sondern für die Gesamtheit aller Mythen eines Kulturkreises, kann dennoch von einem Wissen , bzw. einer '-logie' insofern gesprochen werden, als es um eine geordnete Zusammenstellung und Auswertung überlieferter Erzählungen geht. In den nachfolgenden sechs Kapiteln wird der Mythos dann nacheinander jeweils in einen Kontext zur Philosophie, Theologie, Ethnologie, Psychologie, Politik und Kunst gesetzt.

Der zweite Teil beginnt, wie könnte es auch anders sein, mit einem Kapitel zur Griechischen Mythologie, die mit 97 Seiten den breitesten Raum im gesamten Handbuch einnimmt. Mit nur achtzehn Seiten ist die nachfolgende Römische Mythologie erheblich kürzer ausgefallen. Vor allem wohl auch deshalb, weil viele der vorgestellten griechischen Götter und Heroen im römischen Horizont ihr Pendant gefunden hatten und nur wenige neue hinzukamen. Erfreulich ist, dass wiederum den germanischen Göttern und ihrer Mythologie trotz ihrer teilweise vorgenommenen 'Interpretatio Romana' 45 Seiten gewidmet sind. Unerfreulich ist jedoch, dass die Keltische Mythologie im ersten, 163 Seiten umfassenden Abschnitt 'Europa' von Jamme und Matuschek vollkommen ausgespart wurde.

Prof Dr. Manfred Krebernik, der an der Jenaer Friedrich-Schiller-Universität einen Lehrstuhl für Altorientalistik innehat, bleiben für seinem Abschnitt zu den Mythen des Alten Orient lediglich siebzehn, dem Professor am Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig und geschäftsführenden Direktor des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig, Dr. Hans-Werner Fischer-Elfert, gar nur dreizehn Seiten bei der Präsentation der Altägyptischen Mythologie. Gegenüber der knappen Hälfte im akkurat gegliederten Inhaltsverzeichnis wurden den drei anderen außereuropäischen Abschnitten zusammen 105 eingeräumt. Im Abschnitt Asien ist das Kapitel Indische Mythologie von Prof. Dr. Thomas Oberlies vom Seminar für Indologie und Tibetologie der Georg-August Universität mit 26 Seiten deutlich ausführlicher ausgefallen als jenes zur Chinesischen (13 S.), für das sich Prof. Dr. Ylva Monschein vom Institut für Sinologie an der Ludwig Maximilians-Universität verantwortlich zeichnet. Während der Abschnitt Amerika in die Kapitel Nordamerika von der am Amerika Institut der LUM beschäftigten Renate Bartl MA (15 S.) und Meso-/Südamerika (18 S.) von Prof. apl. Dr. Iris Gareis vom Institut für Ethnologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main untergliedert ist, stehenden dem emeritierten Ethnologen Prof. Dr. Thomas Bargatzky 25 Seiten für die Fabeln, Mythen und Kosmonogonien Australiens und Ozeaniens zur Verfügung.

Alle Kapitel, mitunter auch einzelne Lemma werden von einem Literaturverzeichnis abgeschlossen zahllose, durchgehend schwarzweiße Abbildungen zeigen Artefakte aus den verschiedenen Kulturkreisen, aber auch spätere Rezeptionen in der europäischen Kunst und Kultur, wie z. B. in Gemälden, Zeichnungen und Filmplakaten. Besonders auffällig ist die Häufung von Stummfilmszenen, die naturgemäß in schwarzweiß gedreht worden sind. Den Abschluss des Handbuchs bilden zwei Register mit "Mythischen Namen" und den in einzelnen Beiträgen erwähnten "Personennamen", die seine Nutzung als Nachschlagewerk erleichtern, sowie ein Abbildungsverzeichnis.

Es wäre wünschenswert, dass die ausgesparte Keltische Mythologie und die viel zu kurz gekommenen Aspekte, vornehmnlich jene des Alten Orient und Ägyptens, die von einer nicht 'hinwegzudenkenden' Bedeutung für unsere Gegenwart sind, in einer baldigen, extendierten, vielleicht zweibändigen Neuauflage ihre Aufnahme finden werden.

4 Amazonsterne.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes und informatives Handbuch, 22. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Handbuch der Mythologie (Gebundene Ausgabe)
Christoph Jammes und Stefan Matuscheks "Handbuch der Mythologie" stellt ein fundiertes und interessantes Nachschlagewerk dar. Der Schwerpunkt des Bandes liegt zwar ganz klar auf Europa, allein fast 200 der 360 Seiten beschäftigen sich mit europäischen Mythen, aber auch andere Kulturkreise werden einführend behandelt.

Zunächst sind die einführenden Texte zu Mythen und Mythologien und ihr Verhältnis zu einigen Wissenschaften zu loben. Sie führen kurz und prägnant in den derzeitigen Forschungsstand zum Phänomen des Mythos ein und zeigen den kritischen Gehalt des Begriffs auf. Auch sehr gut ist der Aufbau der einzelnen Abschnitte zu den jeweiligen Kulturen. Zumeist folgen nach einer kurzen Einführung einige Unterkapitel zu den mythischen Göttern, Personen und Erzählungen des Kulturkreises. So werden für Europa vor allem Götter und Helden vorgestellt, für den Alten Orient funktioniert die Einführung eher über Ereignisse wie die Sintflut oder die Schöpfung. Inhaltlich bieten die vielen Texte meistens eine Darstellung mehrerer Versionen des jeweiligen Mythos sowie seine Rezeption, oft sogar bis in die Gegenwart hinein. Durch diesen Aufbau wird der Band leicht nutzbar, dem Leser gelingt es schnell, die gewünschten Informationen zu finden.

Etwas anders aufgebaut ist der Band in den hinteren Kapiteln, beispielsweise zu Amerika oder Australien. Hier wird der jeweilige mythologische Bestand eher nach geografischer Verortung vorgestellt. Vereinzelt wünscht sich der Leser, dem diese Überlieferungen in der Regel fremder sein dürften als die der Griechen oder Germanen, eine ausführlichere Beschäftigung mit diesen Mythen. Dennoch bieten die Texte immer einen fundierten und verständlichen ersten Einstieg.

Auch optisch macht der Band einiges her. Die durchgehende Schwarz-Weiß-Bebilderung ist an jeder Stelle eine sinnvolle Ergänzung zum Text. Der Bezug der einzelnen Abbildungen zu den Informationen in den Artikeln wird immer deutlich.

An vielen Stellen behandeln die Texte des Handbuches die Geschichte der Mythen bis in die Gegenwart hinein. So werden auch gegenwärtige Rezeptionen der alten mythologischen Stoffe in der Darstellung einbezogen, zum Beispiel in Kinofilmen. Auch wird gerade in den einführenden Texten auf die Funktion moderner Sagen eingegangen. Alles in allem fragt sich der Leser, ob ein Handbuch der Mythologien, nicht auch moderne Stoffe und Erzählungen behandeln müsse, wenn es beispielsweise um nationale Gründungsmythen oder dergleichen geht. Dieses Handbuch bezieht sich zwar auf antike oder weniger eurozentristisch formuliert, auf Überlieferungen vergangener Kulturen, doch viele Abschnitte verdeutlichen, dass auch die Gegenwart über ihre Mythologien verfügt, die ebenfalls einer systematischen Darstellung bedürften.

Insgesamt ist dieses Handbuch sein Geld wert. Es ist übersichtlich gegliedert, optisch ansprechend gestaltet, gut geschrieben und bietet viele Anregungen zur weiteren Mythen-Forschung.
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Handbuch der Mythologie
Handbuch der Mythologie von Thomas Oberlies (Gebundene Ausgabe - 1. Mai 2014)
EUR 49,95
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