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5.0 von 5 Sternen Maßgeblicher Leitfaden zum Verständnis der Achämeniden und ihrer Residenzstadt, 25. August 2013
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Persepolis- Die altpersische Residenzstadt (Gebundene Ausgabe)
"Ich bin Xerxes der große König, der König der Könige, der König über Länder und viele Völker,
der König des großen Weltalls, der Sohn von Dareios, dem Achämeniden."

....in den letzten 26 Jahren haben alleine in Deutschland über 4 Millionen Leserinnen und Leser erfahren können, welche Inschrift der junge Robert Jeremy Cole in Noah Gordons Roman "Der Medicus: Roman" (Seite 364) am Felsengrabmal des persischen Großkönigs bei Naqsch-e Rostam habe lesen können. Wohl nur sehr, sehr wenige Freunde derartiger "historischer" Romane werden jedoch wissen, dass die sogenannte "Xerxes-Inschrift" nicht von der nahe Persepolis gelegenen Gräbergalerie der Achämeniden, sondern von einen Felsen im Alvand-Gebirge, das 1000 Kilometer nördlich davon liegt. Obwohl der mittelalterliche Romanheld arabisch gelernt hatte, hätte er die Schrifttafel nicht lesen können, denn es sind in altpersisch, neuelamisch und neubabylonisch verfasste Keilschrifttexte, die erst in der Neuzeit entziffert werden sollten. Die zitierte Inschrift ist zudem unvollständig, denn es fehlt ihr wichtiger erster Satz: "Der große Gott ist Ahura Mazda, der größte der Götter, der diese Erde geschaffen hat, der jenen Himmel geschaffen hat, der den Menschen geschaffen hat, der die Freude geschaffen hat für den Menschen, der Xerxes zum König gemacht hat, einen von vielen zum König, einen von vielen zum Herrscher." Diese Auslassung verschweigt, dass es in Persien auch eine vorislamische Zeit gegeben hatte. Es war der Achämenide Kurosch-e Bozorg (Kyros II. der Große), der 539 v. Chr. den Juden die Rückkehr aus dem Babylonischen Exil in ihre Heimat erlaubt hatte. Die meisten Perser hingen bis ins 8. Jahrhundert dem Zoroastrismus an, von dem einzelne Elemente über das Judentum ins Christentum gelangt waren. Auch pflegten sie weiterhin ihr indoeuropäisches Idiom Farsi. Es waren persische Wissenschaftler, welche die Kultur der arabisch-islamischen Eroberer zum Blühen brachten

Noah Gordons Ignoranz hinsichtlich kulturhistorischen Fakten ist nur ein Beispiel dafür, wie in der oftmals als "christliches Abendland" apostrophierten westlichen Welt weitgehend mit dem über drei Kontinente reichenden, ältesten Großreich der Menschheitsgeschichte umgegangen wird. So führt bereits der gymnasiale Geschichtsunterricht dazu, dass bei den Perserkriegen und den Feldzügen Alexanders des Großen die Sympathien eindeutig auf Seiten der "Europäer" liegen. Dieselben Sympathien und Antipathien lassen sich im westlichen Geschichtsbild weiter über die Römer gegenüber Parthern und Sassaniden bis in die Gegenwart zum Antagonismus zwischen dem angelsächsischen Machtblock und Israel einerseits und der Islamischen Republik Iran andererseits.

Mit seinem bereits 2004 vom Teheraner Verlag Sanaye Farhangi Iran (SAFIR) - unter dem englischen Originaltitel "The authoritative guide to Persepolis" - publizierten Buch hat Alireza Shapour Shahbazi (1942 – 2006) einen wichtigen Beitrag zum objektiven Verständnis der persischen Geschichte und Kultur geleistet. Prof. Shahbazi, der an einem halben Dutzend Universitäten, darunter der Georg-August-Universität Göttingen, gelehrt hatte, macht bereits im ersten Teil „Geschichtlicher Hintergrund“ deutlich, was die Erbauer von Persepolis im Besonderen ausmachte. Anders als beispielsweise später die Römer, welche von den unterworfenen Völkern eine Anpassung an allgemeinen kulturellen Stand des Imperiums forderten, verzichteten die Achämeniden auf eine derartige Nivellierung, die zudem eine Rückwärtsentwicklung bedeutet hätte, und beließen es bei der multikulturellen Zusammensetzung ihres Großreiches. Weiterhin weist der Autor daraufhin, dass der altpersische Name der 520 v. Chr. von Darayavausch (Dareios I.) gegründeten Residenzstadt "Parsa" lautete. Nach der Zerstörung durch den Makedonier Alexander 330 v. Chr.) geriet der ursprüngliche Name zusammen mit der Kenntnis der Keilschrift in Vergessenheit. "Persepolis" (Stadt der Perser) war hingegen die lapidare Bezeichnung der Griechen für eine Stadt über die sie nur sehr wenig wussten.

Als zweiter Teil macht die die "Umfassende Beschreibung der Werke und Gebäude" des einstigen nationalen (würde man heute sagen) und religiösen Zentrum des Altpersischen Reiches auf 181 Seiten den Hauptteil des Buches aus. Von zahlreichen beeindruckenden Farbfotos, Rekonstruktionszeichnungen, Synopsen und Artefakten begleitet, werden sämtliche Bereiche, Bauteile, Reliefs etc. in ihrem mythologischen, historischen und religiösen Zusammenhang präsentiert und dezidiert erläutert. Bemerkenswert ist beispielsweise, dass das häufig anzutreffende Motiv eines stiertötenden Löwen in Zusammenhang mit Nouruz steht, dem altiranischen Neujahrfest, das auch von den islamischen Turkvölkern übernommen, noch heute zum Frühjahrs-Äquinoktium gefeiert wird.

Der als Anhang bezeichnete dritte Teil widmet sich kurz den Steinmetzarbeiten zur Errichtung der'Bauten, den antiken Maßen und Zahlen der Stadt sowie der Restaurierung und Rekonstruktion einer Säule im "Tor aller Länder".

Eine ausgewählte Bibliographie und ein Abbildungsnachweis bilden den Abschluss eines einzigartigen Kataloges, der timediver® in seiner Entscheidung bestärkt hat, den Iran auf seine Reiseagenda 2014 zu setzen. Prof. Shahbazis Buch wird mir beim Besuch der seit 1979 zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Ruinen ein maßgebliche Leitfaden sein, den ich mir bereits jetzt, mit 5 Amazonsternen zu bewerten erlaube.

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Zusatz:

Neun Monate nachdem ich meine Rezension verfasst hatte, konnte ich das von den antiken Griechen als 'Persepolis' bezeichnete 'Parseh' der Achämeniden im Mai 2014 selbst besuchen.

Das Buch war mir dabei ein wertvoller Begleiter!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rundgang mit DEM Experten für Persepolis, 5. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Persepolis- Die altpersische Residenzstadt (Gebundene Ausgabe)
Schon mal geritten? Schon mal eine Treppe hinauf oder hinunter geritten? Und dann womöglich noch nicht vor, sondern in historischer Kulisse? Das würde doch passen. Zum Beispiel in Persepolis. Doch Autor Alireza Shapur Shahbazi wird das berittene Volk gleich rügen. Denn die gigantische Treppe wurde nicht für Reiter errichtet, sondern damit noch mehr Huldiger dem Schah ihre Ehre erweisen und ihre Geschenke abgeben können.
Vor reichlich zweieinhalb Jahrtausenden wurde diese sagenumwobene Stadt erbaut. Dareios I. gab sie in Auftrag. Heute sind „nur noch“ die Reste des königlichen Palastes zu erkunden. Doch das reicht vollkommen aus, um tief in die Geschichte des Persischen Reiches einzutauchen. Um beim Sprachbild zu bleiben: Der Autor schwimmt vornweg. In seinen Analysen zu Bedeutung und Herkunft der einzelnen Denkmäler schwimmt er allerdings nicht. Vielmehr ist er der Experte für diese Epoche und somit auch für diese Stätte einer Weltkultur.
Im Oktober 1971 feierten der amtierende Schah Mohammad Reza Pahlavi und sein Vater Reza Schah Pahlavi das 2500jährige Bestehen ihrer Monarchie mit exorbitantem Pomp in Persepolis. Das rückte die Stadt wieder in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Das Ende ist bekannt. Islamische Revolution. Die Ayatollahs übernahmen die Macht.
Heute kann man Persepolis wieder besichtigen. Und wie mit vielen Weltkulturerben sehen sie auf den ersten Blick alle nett aus, aber so richtig kann niemand etwas damit anfangen. Niemand? Eine kleine Gruppe von Gelehrten unter Führung des Autors widersetzt sich dem Dogma des Widerstandes gegen das Wissen.
Mit stoischer Ruhe und enormen Fachwissen gewappnet zieht Alireza Shapur Shabazi durch die Stätten der königlichen Vorfahren. Wie beim Opa auf dem Schoß lesen wir von Gesandten, die kostbare Geschmeide mitbrachten. Von Inschriften in geheimen, längst vergessenen Sprachen. Von Ritualen, die die Geschichte wieder auferstehen lassen. Von Zweck der einzelnen Bauten, die uns erst durch den Autor ihre Geschichte erzählen. „Persepolis – die altpersische Residenzstadt“ ist das Vermächtnis eines unermüdlichen Forschers, das es uns erlaubt die Hinterlassenschaften es einst so großen Reiches richtig einzuordnen.
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Persepolis- Die altpersische Residenzstadt
Persepolis- Die altpersische Residenzstadt von Alireza Shapur Shahbazi (Gebundene Ausgabe - 14. August 2013)
EUR 29,99
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