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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Interdisziplinär-wissenschaftlicher Begleitband zur Ausstellung, 17. Juli 2011
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich (Taschenbuch)
"Nullum crimen sine lege, nulla poena sine lege."
(Bis heute gültige römische Rechtsgrundsätze)

"Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich" ist der Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung, die zwischen dem 8. Juli 2011 bis zum 12. Februar 2012 im LVR-RömerMuseum in Xanten stattfindet.

In ihrem Vorwort weisen die beiden Herausgeber des Bandes, Dr. Marcus Reuter Romina Schiavone M. A., darauf hin, dass das hochentwickelte römische Rechtswesen in vielen Bereichen bis in unsere Gegenwart fortlebt. Demgegenüber hatte es jedoch im Römischen Reich zu keinem Zeitpunkt eine reguläre Polizei gegeben, die für die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit sorgte und die Menschen vor kriminelle Übergriffen schützte. Über viele Jahrhunderte blieb dies weitgehend eine Privatsache. Die strafrechtliche Verfolgung von Kriminaldelikten war nicht normiert, so dass diese nicht nur unterschiedlich ablief, sondern auch von einem provisorischen Charakter geprägt war....

....aufgrund eines fehlenden Strafverfahrensrechtes ist es nicht verwunderlich, dass man in einer Vielzahl zeitgenössischer Quellen Hinweise zur weiten Verbreitung von Kriminalität finden kann. Ein besonderes Interesse bei der Forschung hat das Räuberunwesen gefunden, so dass hierzu inzwischen eine ansehnliche Zahl von Arbeiten vorliegt. Obwohl Falschspielerei, Betrugsdelikte, Diebstähle und andere Verbrechen (im kriminologischen Sinn) sicherlich weitaus häufiger vorkamen als Raubstraftaten, sind diese in der Wahrnehmung der Forschung weniger präsent.

Zur Erlangung eines realistischen und differenzierten Bildes der Kriminalität und Strafverfolgung im Römischen Reich wurden daher neben Archäologen und Althistorikern auch Spezialisten aus den Disziplinen Numismatik, kunsthistorische Bau- und Forschungsgeschichte, Papyrologie, Anthropologie und der Rechtsgeschichte herangezogen. Diese Spezialisten kommen in insgesamt 29 Kapiteln zu Wort. Die einzelnen Beiträge sind zwischen acht bis achtzehn Seiten, im Durchschnitt ca. 10 Seiten lang. Neben Graphiken und Farbfotografien, weisen alle Artikel zum Abschluss neben der Auflistung von Anmerkungen/Fußnoten/Quellen und einem Literaturverzeichnis auch die Beschäftigungsstelle, die Email-Adresse und mitunter auch die Anschrift des jeweiligen Autors vor.

Der erste - mit 85 Seiten kleinste - Teil des Bandes befasst sich mit dem Sicherheitsbedürfnis der provinzialrömischen Bevölkerung. Hier lassen Spuren des Sicherheitsdenkens in der Architektur auf ein "introvertiertes Wohnen" schließen. Neben Sicherungen wie Schlüssel und Schloss verbesserte auch ein vermeintlich göttlicher Schutz durch Statuetten das subjektive Sicherheitsempfinden. Auf Reisen waren hierfür die Wegegöttinnen zuständig.

Mit seinen 135 Seiten ist der zweite Teil des großformatigen Softcovers ganz der Phänomenologie der unterschiedlichen Verbrechen gewidmet. Eine besondere Methode waren die rituell geschriebenen und niedergelegten "Gebete um Gerechtigkeit" oder "Rachegebete", mit denen das eigene Anliegen zur Sache einer Gottheit gemacht werden sollte. Bei solchen "Fluchtäfelchen" ging es meistens um persönliche Konkurrenz. Falschmünzerei, Falschspielerei waren ebenso verbreitet, wie jene die heute unter den Begriff Amtsdelikte fallen. Die Vielfalt religiöser Delikte lag in den Vergehen gegen die Götter. Die Strafbarkeit von Sexualdelikten hat sich, mit Ausnahme des Ehebruchs, bis heute gehalten. Die Fälle des "Violatio sepulchri" (Grabfrevel) sind in der Gegenwart weitaus weniger festzustellen, während das Phänomen des Straßenraubes auch heute noch vor allem in den Großstädten präsent ist. Für Gewaltverbrechen wie Mord und Totschlag legen römische Grabinschriften Zeugnis ab. Während die Piraterie heute wieder in Mode gekommen ist, haben die Delikte nach dem heutigen "Wehrstrafgesetz" gegenüber jenen im römischen Imperium stark abgenommen.

Der dritte Teil befasst sich auf 159 Seiten mit der Strafverfolgung und der Rechtsprechung. Neben den Aspekten zu den kriminologischen Teildisziplinen Viktimologie und Pönologie, gibt es hierbei auch Beiträge zur forensischen Kriminalistik, wie die Nachweismöglichkeiten von Verbrechen und Strafen an menschlichen Skelettresten. Darüber hinaus wird die Stellung der Frau und die der Kaiser im römischen Recht dargelegt.

In einem 18seitigen Ausblick werden zunächst das römische und heutige Strafrecht einem Vergleich unterzogen, bevor Jürgen Bock mit der Arbeit der Polizei in Nordrhein-Westfalen die heutige Verbrechensbekämpfung anhand von Zahlen, Fakten und Daten aufzeigt.

3 Seiten Anhänge mit einer umfangreichen Auswahlbibliographie, Abkürzungsverzeichnisse der zitierten antiken Autoren und Schriften sowie der Lexika, Corpora und Begriffe, jeweils ein antikes und modernes Ortsregister, ein Personenregister und ein Sachregister.

"Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich" ist ein gewichtiges und sehr anschauliches Werk, das jedem an Kriminologie, Kriminalistik und Jurisprudenz Interessierten empfohlen werden kann, gleichgültig ob er die Ausstellung besucht hat oder nicht. Abschließend bleibt zu hoffen, dass die Ausstellung später auch in den kooperierenden Museen, Archäologisches Museum Frankfurt, Limes Museum Aalen, LVR-LandesMuseum Bonn, Archäologischer Park Carnuntum (Niederösterreich/A); Vindonissa-Museum Brugg (Aargau/CH).

5 Amazonsterne für ein gelungenes interdisziplinär-wissenschaftlich Werk.

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Zusatz vom 15. September 2013

Nach Xanten, Aalen und Brugg hat die Ausstellung nunmehr im Archäologischen Museum in Frankfurt am Main (14.09.2013 – 16.02.2014) ihre vorletzte Station erreicht. Dort stattete ihr timediver® am 15.09.2013 einen Besuch ab. Im Nachhinein war ich froh darüber, dass ich mir im Juli 2011 eine Hin- und Rückfahrt (> 600 KM), sowie eine Übernachtung in Xanten erspart hatte, denn die Exposition kann die durch ihren Begleitband erweckten Erwartungen nicht erfüllen. Gleichwohl die wenigen Exponate durchaus ansehnlich sind, handelt es sich um eine Mini-Ausstellung, die in drei Abschnitte (Schutz und Sicherheit, Verbrechen - dem Täter auf der Spur, und Strafverfolgung“ gegliedert ist. Während die Beschreibungen der Artefakte und andere erläuternde Texte äußerst knapp gehalten sind, gibt es eine Reihe - mitunter an Karikaturen erinnernde - Wandzeichnungen, um bestimmte Vorgänge zu vermitteln. Auch der Flyer zur Ausstellung wurde gegenüber dem Cover des Begleitbandes aus dem Verlag Philipp von Zabern entsprechend modifiziert, um wohl ein breiteres Publikum anzusprechen. Obgleich der Begleitband kein Ausstellungskatalog im klassischen Sinne ist, bietet er - mit Ausnahme eines Hundegrabes aus dem Köln des 1. Jahrhundert – hervorragende Fotos von beinahe allen Exponaten. Gegenüber den ausführlichen und differenzierten Beiträgen und Anmerkungen, Zeichnungen, Karten pp. Des Begleitbandes fehlen der Ausstellung ganze Themenbereiche, wie religiöse Delikte, Sexualstraftaten und Häusliche Gewalt, Amtsdelikte und Fahnenflucht usw. Andere Komplexe, wie Piratenbekämpfung, Strafen und Strafvollzug etc. werden nur kurz angerissen. Dafür wird der Besucher vom Gipsabdruck einer Büste Kaiser Neros begrüßt, der in populistisch-tendenzieller Weise als "Kaiser und Verbrecher" apostrophiert wird.

timediver®'s Fazit: Dem Eintrittsgeld – insbesondere bei mehrere Personen – ist der Kauf des 437seitigen Begleitbandes vorzuziehen!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein umfassender und kurzweiliger Einblick in ein spannendes Thema, 26. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich (Taschenbuch)
In 29 überaus reich bebilderten Beiträgen geht man in diesem Buch der Frage nach, wie es im antiken Rom um Kriminalität, Kirminalitätsprävention und Kriminalitätsbekämpfung bestellt war.
Einen hohen Stellenwert nehmen bei den einzelnen Betrachtungen auch die archäologischen Erkenntnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte ein. So befasst sich beispielsweise einer der Aufsätze mit Schlössern und Schlüsseln. Letztere sind vergleichsweise häufig in römischem Fundgut enthalten; was wiederum die Vermutung nahe legt, dass das Versperren von Häusern und Behältern eine häufig praktizierte - und vor allem notwendige - Vorgehensweise war.
Neben den Befunden der Bodenforschung, widmen die Autoren ihr Augenmerk vor allem schriftlichen Überlieferungen. Grabsteine und Texte ägyptischer Papyri, stellen in diesem Zusammenhang besonders wichtige Quellen dar.

Die einzelnen Beiträge lesen sich meist sehr angenehm und umfassen - abhängig von der Anzahl der verwendeten Abbildungen - jeweils ca. 10 bis 20 Seiten.
Hier erfährt der Leser dann beispielsweise, dass es im antiken Rom keine Gefängnisstrafe im heute üblichen Sinn gab; vielmehr brachte man in den Kerkern Untersuchungshäftlinge unter, sowie Verurteilte, die auf ihre Hinrichtung warteten. Und wer hätte gedacht, das ausgerechnet reisende Soldaten häufig Opfer von Raubüberfällen wurden?

Mein Fazit: Ein verständlich geschriebenes Buch, das einen erstaunlich umfangreichen Einblick in ein überaus spannendes Thema gewährt.

Inhaltsverzeichnis:
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Vorwort
Das Sicherheitsbedürfnis der Provinzialrömischen Bevölkerung
+Introvertiertes Wohnen - Spuren des Sicherheitsdenkens in der römischen Architektur
+Schlüssel und Schloss im römischen Alltag - Ausgewählte Funde aus der Colonia Ulpia Trajana
+Göttlicher Schutz für Haus und Hof - Gefahrenabweher durch Statuetten, Tür und Möbelbeschläge?
+Villaticus - Der Wachhund in der römischen Antike
+Eine antike Reiseversicherung - Unter Schutz und Schirm der Weggöttinnen
Kriminaldelikte
+Verdammter Dieb - Kleinkriminalität im Spiegel von Fluchtäfelchen
+Von Betrug und Ersatzkleingeld - Falschmünzerei in römicher Zeit
+Dem Glück ein wenig nachhelfen - Falschspiel in der Antike
+Korruption und Amtsmissbrauch in den Stäben der kaiserzeitlichen römischen Provinzialverwaltung
+Vergehen gegen die Götter - Religiöse Delikte
+Strafbar oder nicht? - Sexualdelikte und häusliche Gewalt
+Violatio sepulchri - Grabfrevel im Spiegel archäologischer und schriftlicher Quellen
+Latrones! - Wegelagerei und Räuberunwesen im Römischen Reich
+Steinerne Zeugnisse antiker Gewaltverbrechen - Mord und Totschlag in römischen Grabinschriften
+Mare pacavi a praedonibus - Die römische Vision von einem piratenfreien Meer
+Römische Soldaten auf Abwegen - Amtsmissbrauch, Korruption und Fahnenflucht
Strafverfolgung und Rechtssprechung
+Agens at latrunculum - Strafverfolgung im Römischen Reich
+Das Sicherheitswesen im römischen Ägypten nach den Papyri
+Von den Richtern Roms - Rechtssprechung, Gesetze, Strafen
+Das schwache Geschlecht im römischen Recht - Frauen und Rechtssprechung
+Der römische Kaiser - an kein Gesetz gebunden?
+Im Dienste des Rechts-Römische Juristen
+Verstummen soll er! - Fluchtäfelchen wider Prozessgegner
+Ad supplicum ducere - Hinrichtungen in römischer Zeit
+Rätsel aus der Spätantike - Zwei enthaupte Männer aus dem antiken Stadtgebiet von Trier
+Kriminalität und Anthropologie - Nachweismöglichkeiten von Verbrechen und Strafen an menschlichen Skelettresten aus römischen Fundkontexten
+Jenseits der Grenzen des Imperiums - Kriminalität und Recht in der kaiserzeitlichen Germania und den barbarischen Nachfolgestaaten des Römsichen Reichs
Ausblick
+Zustände wie im alten Rom - Römisches und heutiges Strafrecht im Vergleich
+Strafverfolgung und Verbrechensbekämpfung heute - Die Arbeit der Polizei in Nordrhein-Westfalen: Zahlen, Fakten und Daten
Anhang
+Auswahlbibliographie
+Abgekürzt zitierte antiker Autoren und Schriften
+Ortsregister (antik)
+Ortsregister (modern)
+Personenregister
+Sachregister
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gefährliches Pflaster..., 8. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich (Taschenbuch)
Wer schon mal ein römisches Castell besucht hat und sich für römische und germanische Geschichte interessiert, sollte auch dieses Buch zur Austellung ins Auge fassen.

Sehr empfehlenswert, auch weil faktenorientiert mit wissenschaftlicher Nüchternheit geschrieben.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Alles schon einmal dagewesen, 27. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich (Taschenbuch)
Für meinen Geschmack hätte der Katalog etwas schmaler sein können, aber ich habe den Kauf nicht bereut. Besonders gut haben mir die aktuellen Bezüge gefallen. Aber es ist schon erstaunlich, dass man im angeblich fortschrittlichen römischen Reich gut beraten war, sein Haus zu Festung auszubauen und nachts nicht durch die gefährlichen Straßen zu streifen.
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Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich
Gefährliches Pflaster. Kriminalität im Römischen Reich von Romina Schiavone (Taschenbuch - 10. April 2013)
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