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5.0 von 5 Sternen Licht ins Dunkel, 31. Dezember 2013
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Römische Kunst von den Anfängen bis zur Mittleren Republik (Gebundene Ausgabe)
Es ist noch nicht lange her, da sprachen die Kunsthistoriker erst ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. von einer originär "Römischen Kunst". Vor diesem Hintergrund wäre ein Buch wie "Römische Kunst - Von den Anfängen bis zur Mittleren Republik" gar nicht erst entstanden, denn schließlich handelte es sich bei der Kunst auf latinischem Boden dieser Zeit vermeindlich um eine degenerierte griechische Kunst. Zwei Hauptgründe gab es für diese einengende Sicht: Die Seltenheit von Befunden aus dieser Zeit, insbesondere aus Rom, das im Lauf der Geschichte öfter von Grund auf umgestaltet wurde, und die Zweifel, die Historiker an der Richtigkeit der frühen römischen Geschichtsschreibung äußerten (den sog. Annalen). In den letzten Jahren wurden allerdings immer mehr archäologische Relikte aus der römischen Frühzeit entdeckt und diese bestätigen in erstaunlichem Maße auch die Angaben aus den Annalen. Heute bezweifeln nur noch Wenige das monarchische Regime aus den Anfängen Roms.

Coarellis Text ist geprägt durch das "sowohl, als auch" und nicht vom "entweder, oder". Zunächst nähert er sich der Frage, ab wann man in Rom von einer urbanen Kultur sprechen kann. Die Archäologie hat diesen Zeitpunkt immer weiter in die Vergangenheit geschoben und bestätigen mittlerweile sehr genau die annalistische Geschichtsschreibung. Schon früh gab es Handelskontakte nach Griechenland, die letztlich zur Einführung der bildenden Kunst und der Übernahme einer Buchstabenschrift führten. Aber auch Mythen und Sagen sind stark griechisch beeinflusst. Coarelli verwirft auch die Idee vom "italischen" Tempelkonzept und weist die Ableitung aus den griechischen Vorläufern nach. Erst im "dunklen römischen Mittelalter", einer 100 Jahre währenden Periode vom Beginn des 5. Jahrhunderts vor Christus, wurden die Kontakte zu Griechenland nahezu vollständig eingestellt, was zum kulturellen und wirtschaftlichen Niedergang führte. Aus dieser Zeit sind besonders wenige Befunde erhalten, weshalb Coarelli diese Periode auch relativ am Rande streift.

Mit der Mittleren Republik erneuern sich die Handelskontakte, es kommt zu einer zunehmenden und tiefgreifenden Hellenisierung. Nicht zufällig beginnt mit der wirtschaftlichen auch die geografische Expansion Roms. Kolonien werden gegründet, erste Eroberungszüge gestartet. Rom wird zu einer auf Sklaverei basierten, (anfangs noch gebremst) zentralistischen Regionalmacht, ein Konzept, das sich über die gesamte römische Periode bewähren wird. Nur einmal noch, im 2. Punischen Krieg, wird der Kontakt zu Griechenland unterbrochen werden. Die verheerenden Folgen des Krieges führten auch hier zu einem auch für den Laien erkennbaren qualitativen Absturz der römischen Kunst.

Coarelli hat einen starken Fokus auf der Architektur. Er widmet sich sowohl den öffentlichen als auch den privaten Bauten und zeigt anhand von vielen Grundrissen, Fotos und Rekonstruktionen die Entwicklungen auf. Schludrigkeiten im Lektorat, wie die vereinzelt fehlenden Legenden an den Plänen, eine noch aus der Originalausgabe nur in Italienisch verbliebene Textpassage, und vor allem die im ersten Drittel des Buches häufigen fehlerhaften Abbildungsverweise mindern ein wenig den ansonsten sehr guten Eindruck. Coarelli schreibt lebendig und anschaulich und führt den Leser nicht nur durch die Ruinen, sondern auch durch deren sich wandelnde Rezeptionsgeschichte. Sein Ansatz ist ausgesprochen interdisziplinär und quellenkritisch.
Neben der Architektur widmet sich Coarelli vor allem in umfangreichen Kapiteln den Votivgaben (in dieser Zeit noch fast ausschließlich aus Terracotta) und der römischen Malerei. Während Votivgaben relativ häufig überliefert sind, nähert sich Coarelli der Malerei als Synthese aus verschiedenen Quellen: Antike Literatur, Grabmalerei (nur sehr wenig ist aus der Frühzeit überliefert) und Sekundärrezeptionen wie Reliefs oder Ritzzeichnungen. Hier, wie überall, ist auch der starke Bezug zu Griechenland unübersehbar. Selbst das viel gerühmte Individualportrait ist keine römische Erfindung. Individualportraits gab es in Griechenland lange vorher. Coarelli zeigt aber, wie Rom diese Portraits an seinen Wertekanon anpasste: Sie strahlen Zielstrebigkeit, Härte und Unnachgiebigkeit aus und weisen damit bereits in Roms Zukunft als expansiver Eroberungsstaat.
Besonders ausführlich ist das Kapitel zur Münzgeschichte, die chronologisch sehr gut belegt ist, auch wenn in Rom erst relativ spät Münzen geschlagen wurden.

"Römische Kunst - Von den Anfängen bis in die Mittlere Republik" ist eine fundierte, durch viele Beispiele anschaulich vermittelte Kunstgeschichte mit starkem Fokus auf der Architektur. Der Autor integriert in seinem Buch geschickt Kultur- und Weltgeschichte und berücksichtigt auch neuere archäologische Befunde, wobei er Schwarz-Weiß-Malerei unter allen Umständen vermeidet. Die einfachen Antworten sind meistens die falschen Antworten. Das gilt hier wie überall.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auftaktband zur fünfbändigen "Römischen Kunst", 19. Oktober 2011
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Römische Kunst von den Anfängen bis zur Mittleren Republik (Gebundene Ausgabe)
Die römische. Kunst ging aus der Verschmelzung von altitalischer, etruskischer und griechischer Kunst hervor. Im Laufe ihrer Entwicklung integrierte sie diese verschiedenen Einflüsse und nahm mit dem Aufstieg Roms zum Zentrum eines riesigen Imperiums ihre eigenen spezifischen Züge an.

Schon seit längerem bemüht sich die Forschung um eine Charakterisierung der römischen Kunst. In einer fünfbändigen Ausgabe versucht der Philipp von Zabern Verlag nun, den neuesten Wissensstand einem breiteren Publikum näher zu bringen und diesem die beeindruckende Vielfalt vor Augen zu führen.

Den Auftakt zu dieser großen neuen Reihe "Römische Kunst" macht der Einführungsband "Von den Anfängen bis zur Mittleren Republik". Hier geht Filippo Coarelli, Professor für Griechische Philologie und Römische Altertumskunde an der Universität Perugia, den Ursprüngen der Römischen Kunst nach, die später den Glanz des mächtigen Römischen Reiches symbolisierte.

Der ausgewiesene Kenner der römischen Frühgeschichte untergliedert diese Anfänge in zwei Kapitel. In "Die archaische Stadt" beleuchtet der Autor die Herausbildung der Stadt mit ihren Stadtmauern und Befestigungsanlagen. Diese Phase der Entwicklung der italisch-römischen Kultur war untrennbar mit hellenischen Vorbildern verbunden, was anhand von zahlreichen Statuen, Gefäßen, Terrakottaplatten und Kriegsausrüstungen belegt wird.

In dem Kapitel "Die mittlere Republik" untersucht Coarelli die endgültige Ausformung einer eigenständigen römischen Kultur. Dieser Prozess äußerte sich vor allem in der Schaffung neuer Infrastrukturen und öffentlicher Bauten. So stehen hier Tempelarchitektur, Wohnbauten, Grabmale und öffentliche Plastiken und Bildnisse im Mittelpunkt der Betrachtungen. Die Münzprägung und das Kunsthandwerk dieser Zeit werden dabei besonders dargestellt.

Neben den kunsthistorischen Erläuterungen macht der Autor aber auch immer wieder auf die gesellschaftlichen Entwicklungen im römischen Staatsgefüge aufmerksam. Sie waren geprägt von der Verarmung und Proletarisierung der Bauern und der Konzentration der politischen und wirtschaftlichen Macht in den Händen einer immer kleineren Elite. Den Abschluss der 256 Seiten bildet eine umfangreiche Bibliografie.

Der Auftaktband des fünfbändigen Standardwerks zur Römischen Kunst besticht durch seine exzellente Aufmachung und Ausstattung mit einer ausgezeichneten Papierqualität und 233 hervorragenden Farbabbildungen. Ein opulenter Bild-Text-Band, der neugierig macht auf seine Nachfolger.

Manfred Orlick
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Römische Kunst von den Anfängen bis zur Mittleren Republik
Römische Kunst von den Anfängen bis zur Mittleren Republik von Filippo Coarelli (Gebundene Ausgabe - 27. September 2011)
EUR 79,00
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