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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Wegbereiter der Zustände im heutigen Nahen Osten, 8. März 2011
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Lawrence von Arabien: Genese eines Mythos (Gebundene Ausgabe)
"An der Geschichte der europäischen Einmischung im Nahen Osten leiden wir noch immer".
(Mamoun Fansa, Direktor des Landesmuseums Oldenburg)

Während seiner Syrien- und Jordanienreise im Februar 2011 kam timediver® immer wieder an Örtlichkeiten, an denen Thomas Edward Lawrence (1888 - 1935) in irgendeiner Weise tätig gewesen ist. Sei es die Zitadelle von Aleppo, die Kreuzfahrerfestung Krak de Chevaliers oder das Orientpalace Hotel in Damaskus. Am faszinierendsten war jedoch die Begegnung mit der Wüste, insbesondere des Wadi Rum, das für T. E. Lawrence und den Freiheitskampf der Araber eine besondere Bedeutung hatte....

Nachdem der Hohe Kommissar der britischen Regierung in Kairo, Henry McMahon, in seiner Korrespondenz mit dem Sherifen von Mekka, Hussein ibn Ali, der Errichtung eines selbständigen Arabischen Reiches zugestimmt hat, beginnt im Juni 1916 die Arabische Revolte gegen das Osmanische Reich. Während Hussein sich bereits am 2. November 1916 von seinen Anhängern zum "Malik bilad-al-Arab" proklamieren lässt, führen die von seinem Sohn Emir Faisal und dem britischen Offizier Thomas Edward Lawrence geeinten Beduinenstämme einen erbitterten Guerillakrieg gegen die Osmanen und ihre Verbündeten vom deutschen "Asien-Korps". Hauptangriffsziel der Wüstenrebellen ist zunächst die Hedschas-Bahn. Das Sprengen von Bahntrassen und -brücken, auf denen der osmanische Nachschub bis nach Medina rollt, ist erfolgreich und führt zur Einnahme der strategisch wichtigen Hafenstadt Aqaba. Die Freude der Aufständischen über die Eroberung von Damaskus am 1. Oktober 1918 währt jedoch nur kurz, denn noch am selben Tag marschieren britischen Truppen in die syrische Stadt ein.

Am 3. Januar 1919 wird im Vorfeld der Pariser Friedenskonferenz das "Faisal-Weizmann-Abkommen" unterzeichnet. Der arabische Delegationsleiter Emir Faisal und der Vertreter der World Zionist Organization und spätere, erste israelische Präsident Chaim Weizmann vereinbarten hierin eine Übereinkunft über die politische Neuordnung Palästinas. Einvernehmlich wurden die Staatsgrenzen für das von Faisal angestrebte arabische Königreich und den von Weizmann gemäß der "Balfour-Deklaration" angestrebten jüdischen Staat festgelegt. Damit stimmten die Araber einer Herauslösung Palästinas aus dem arabischen Königreich und der Existenz eines jüdischen Staates zu. Darüber hinaus legte das Abkommen Religionsfreiheit und den freien Zugang der Moslems zu den heiligen islamischen Stätten in Palästina fest. Für Großbritanniens war lediglich die Rolle als Schiedsstelle bei Konflikten vorgesehen....

....das "Empire" hatte sich jedoch mit der "Grande Nation" bereits 1916 im geheimen "Sykes-Picot-Abkommen" darüber verständigt, den Nahen Osten nach Kriegsende in Einflusssphären aufzuteilen, was am 24. Juli 1922 mit den Völkerbundmandaten von San Remo schließlich bestätigt wurde.

Der Traum eines Großarabiens und seiner friedlichen Koexistenz zu einem Jüdischen Staat war damit ausgeträumt....

Der gewichtige Begleitband zur Sonderausstellung "Lawrence von Arabien" geht gemäß seinem Untertitel der "Genese eines Mythos" nach. Sowohl der erste Teil, der mit Essays international renommierter Wissenschaftler beinahe zwei Drittel des großformatigen Bandes einnimmt, als auch der anschließende 150seitige Bildkatalog widmen sich der Darstellung der Person, der Persönlichkeit und verschiedenen Rollen (Archäologe, Geheimdienstler, Soldat, Techniker usw.) des T. E. Lawrence, als auch seinem Umfeld, Wirken und Mythos. Der gesamte Essayteil ist zudem ebenfalls mit Fotos und Landkarten ausgestattet.Jedes einzelne Essay wartet an seinem Ende mit Anmerkungen (Quellenverweisen), Bildnachweisen und der Anschrift seines Verfassers (!) auf. Eine Übersicht über die einzelnen Lebensstationen des T. E. Lawrence bietet eine Kurzchronologie (S,. 321 ff). Wichtige Hintergrundinformationen liefert auch eine zehnseitige Zusammenstellung von Kurzbiographien (S. 293 ff) der im historischen Gesamtkontext wichtigen Personen. Ein Quellen- und Literaturverzeichnis bildet den Abschluss des Bandes, der jedoch leider einen Index vermissen lässt.

Der Mythos eines orientalischen Kriegshelden, der sich auf den autobiografischen Kriegsbericht "Seven Pillars of Wisdom" gründet und 1962 im bildreichen Monumentalfilm Lawrence of Arabia seinen Höhepunkt erlangen sollte, wird jedoch nur im Okzident, vornehmlich in Großbritannien gepflegt. Neben deutschen und osmanischen Quellen, die ihn als Terroristen in Erinnerung halten, sehen ihn heutzutage auch die Araber in einem völlig anderen,dubiosen Licht. Wenn Thomas Edward Lawrence nicht bewusst selbst Verrat an der arabischen Sache geübt hat, was von vielen Menschen in der arabische Welt behauptet wird, war er als britischer Spion zumindest Wegbereiter einer Politik, deren Folgen die Region bis heute nicht zur Ruhe haben kommen lassen.

5 Amazonsterne für eine breit angelegte, wissenschaftliche Dokumentation.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über den Held aus dem Mittelalter in der Neuzeit, 28. Dezember 2010
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lawrence von Arabien: Genese eines Mythos (Gebundene Ausgabe)
Besser lesbar als dieses Buch sind natürlich einige der diversen Biographien dieser Ausnahmegestalt aus dem Ersten Weltkrieg. Darunter natürlich auch das eigene Buch von Lawrence, in dem er den Feldzug gegen die Türken mit Hilfe arabischer Stämme beschreibt. Aber dafür ist es den Herausgebern dieses Bandes gelungen, eine Vielzahl von Autoren zusammen zu bekommen, die jeweils ihre Perspektive auf das Leben dieses Mannes beschreiben, und das ergibt dann doch ein spannendes und facettenreiches Bild. Neues sollte man hier zwar nicht immer erwarten. Aber immerhin war mir Lawrence Wirkung im technischen Umfeld (z.B. Schnellboote) bisher nicht so bewusst, und auch die Analyse der Öffentlichkeitsarbeit, die Lowell Thomas als Journalist für den "Mythos" Lawrence geleistet hat, bot für mich neue Einsichten. Sich zu verkaufen, das war also offenbar auch schon vor hundert Jahren ein wichtiger Teil des Lebens.

Eigentlich ist dies ein Begleitband zu einer Ausstellung. Der Bildkatalog nimmt aber nur ein Drittel dieses Bandes ein. Im Vordergrund stehen hier insbesondere zeitgenössische Photoaufnahmen. Einige Male hätte ich mir allerdings gewünscht, dass die Macher diesen im Katalog doch etwas mehr Raum gegeben hätten. Landschaftsbilder bringen es einfach nichts, wenn man sie im Buch kleiner als Postkartenformat findet. Klasse ist es dagegen, hier einmal auf diversen Photos die von Lawrence selbst gestaltete, bibliophile Erstausgabe von "Sieben Säulen der Weisheit" zu sehen. Das ist eine mittlerweile wirklich seltene Ausgabe, so dass man kaum eine Chance hat, so etwas im Original zu finden.

Ob das nun für einen Einsteiger in das Thema wirklich das richtige Buch sein mag, da bin ich mir nicht ganz sicher. Aber es erweitert halt das Wissen über Lawrence schon, wenn man erst einmal begonnen hat, sich mit dessen ungewöhnlicher Biographie zu beschäftigen.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kulturgeschichtliches Meisterwerk über die "Genese eines Mythos", 27. Dezember 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Lawrence von Arabien: Genese eines Mythos (Gebundene Ausgabe)
Kaum jemand, der den 1962 gedrehten Film über "Lawrence von Arabien" nicht mindestens einmal in seinem gesehen hätte. Kaum jemand, bei dem genau dieser Film nicht einen tiefen Eindruck hinterlassen hätte von einer historischen Gestalt, die nicht nur, aber auch durch die Verfilmung zu einem Mythos gewordne ist.

Eine gut aufgebaute Ausstellung, die noch bis Ende März 2011 im Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg und danach ab Ende April 2011 im Rautenstrauch-Joest Museum in Köln zu sehen ist, geht dieser "Genese eines Mythos" systematisch nach.

Es geht in verschiedenen Kapiteln mit verständlichen und kulturgeschichtlich wertvollen Texten zunächst um die Biografie jenes T.E. Lawrence "vom Traum zur Legende", dann um die "Erfindung eines Helden". Sehr erhellend für mich waren die Aufsätze in den Kapiteln "Bilder des Orients" und "Krieg -Aufstand- Arabische Revolution". Sie geben auch für das gegenwärtige Verständnis des Orients und die Rezeption seiner im Umbruch befindlichen Kultur wertvolle Aufschlüsse.

Ein kulturgeschichtliches Meisterwerk in einer gut kalkulierten preiswerten Ausgabe.
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Lawrence von Arabien: Genese eines Mythos
Lawrence von Arabien: Genese eines Mythos von Mamoun Fansa (Gebundene Ausgabe - 26. November 2010)
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