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4.0 von 5 Sternen Anschauliche Dokumentation, 7. Januar 2013
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Pompeji: Leben am Vulkan (Zaberns Bildbande Zur Archaologie) (Gebundene Ausgabe)
Eine Bemerkung vorweg, die das Gesamtbild dieses Buches nicht stören soll, sondern ergänzen: Entgegen dem Eindruck, den der Autor mit seinem Text vermittelt, wurde in Pompeji nicht das Alltagsleben wie in einer Zeitkapsel konserviert. Bei aller Fülle an archäologischen Funden, der Pracht der Wandmalereien und dem Luxus, den die berühmten Villen verbreiten, war Pompeji eine weitgehend evakuierte Stadt. Im kollektiven Gedächtnis haben sich Bilder von sterbenden Menschen eingenistet, deren Leichenhohlräume, mit Gips ausgegossen, schon im 19. Jahrhundert für Aufsehen sorgten. Pompeji hatte mindestens 20 000 Einwohner. Insgesamt wurden aber noch keine 2000 Leichen und nicht ein einziger Wagen gefunden. Als nach vielen vorwarnenden Erdbeben die pyroklastische Wolke die Stadt verschüttete, war diese bereits größtenteils leergeräumt, und wer geflohen war, nahm mit, was sich tragen ließ. Trotzdem sind selbst diese "Reste" von einer Vollständigkeit, wie sie nur sehr wenige archäologische Stätten in der Welt aufweisen. Und alleine das rechtfertigt schon eine so schöne und anschauliche Dokumentation wie sie "Pompeji - Leben am Vulkan" darstellt.

Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss von der Bronzezeit bis zum Ausbruch 79 n. Chr. folgt ein Kapitel zur Ausgrabungsgeschichte, die ziemlich unrühmlich und mit barbarischen Methoden begann. Aber schon bald wurde die Bedeutung dieser Stätte erkannt und ab etwa 1760 setzt eine Dokumentation ein, die sich bis in unsere Zeit fortsetzt und sich kontinuierlich verbessert hat. Je detaillierter die Funddokumentation wurde, umso langsamer schritten die Ausgrabungen fort, wie man auch aus dem ergänzenden Kartenmaterial erkennen kann.

Das zweite Kapitel widmet sich der öffentlichen Infrastruktur, mit Stadttoren, Schutzmauern, Straßen und dem Forum als zentralem öffentlichem Platz. Öffentliche Bauten der Unterhaltungsindustrie, wie Theater, Bäder und Arenen, sowie Tempel sind in separaten Kapiteln abgehandelt. Entgegen landläufiger Meinung war Pompeji zum Zeitpunkt des Untergangs eine Handelsstadt und Produzent hochwertiger Agrargüter (vor allem Wein) und kein Vergnügungspark mehr.

Den prunkvollen Wohnhäusern ist das nächste Kapitel gewidmet. Wie in anderen römischen Städten auch, war die Zurschaustellung von Reichtum gesellschaftlicher Usus und die Präferenz von hellenistischem Lebensstil und Kunst weit verbreitet. Griechische Bronzen, Wandgemälde und Mosaike (u.a. das berühmte Alexandermosaik) zeugen davon. Trotzdem entwickelten sich über die Jahrhunderte mehrere heute als "pompejanisch" bezeichnete Stile, die allerdings überregional waren.
Über die Inneneinrichtung ist erstaunlich viel bekannt, da sie häufig nicht leicht transportabel war und somit bei der Flucht im Haus verblieb. Möbel, Lampen, aber auch Geschirr (teilweise äußerst kostbar) und Präziosen.
Das Buch stellt einige der bedeutendsten Vertreter römischer Stadtvillen mit ihren Ausstattungen im Detail dar (Haus des Fauns, Haus der Vettier, Haus der Julia Felix, Haus der vergoldeten Amoretten, Haus des Loreius Tuburtinus).

Handel und Gewerbe sind Thema des nächsten Kapitels. Insbesondere zu diesem Aspekt ist die Fundsituation in Pompeji so vollständig wie an sonst keinem Ort des Römischen Reiches. Das berühmteste Gebäude Pompejis, die Mysterienvilla, war der Weinproduktion und dem Weinhandel gewidmet, nachdem das große Erdbeben von 62 n. Chr. in Pompeji eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst hatte. Aber auch das Bäckerhandwerk ist gut belegt: Hier fand sich sogar ein im Original erhaltenes Brot mit Bäckerstempel. Textilindustrie, landwirtschaftliche Betriebe und Garküchen ergänzen das Bild.

Der Unterhaltungsindustrie (Bäder, Bordelle, Theater) widmet der Autor ein eigenes Kapitel. Wenn auch die Zeiten, da Pompeji ein Luxusbadeort war, 79 n. Chr. schon vorbei waren, gab es doch eine erstaunliche Zahl von Bordellen. Dass eine Stadt dieser Größe zwei Theater und ein Amphitheater besaß, kann man auch als Reminiszenz an bessere Zeiten interpretieren. Allerdings waren diese Orte, anders als so mancher Tempel nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. schnell wieder aufgebaut, was deren Stellenwert im römischen Leben beweist.

Den fünf wichtigsten in Pompeji gefundenen Tempeln und den damit verbundenen religiösen Kulten gehört das letzte Kapitel. Sie belegen eine erstaunliche Internationalität und die Wichtigkeit der Religion im Alltag.

Die abschließenden Worte zur Konservierung der Ausgrabungsbefunde klingen in meinen Ohren fast schon zynisch angesichts des dramatischen Verfalls von Pompeji und der grassierenden Korruption in der italienischen Antikenverwaltung. Der Autor beschreibt heere Projekte und löbliche Initiativen, dass diese aber in der Praxis kaum umgesetzt werden, Mauern reihenweise einstürzen, weite Teile der Anlage aus Sicherheitsgründen gesperrt wurden und dreistellige Millionenbeträge an (EU)-Fördermitteln in undurchsichtige Kanäle geflossen sind, davon schweigt das euphorische Kapitel. Die Augen vor den für alle offensichtlichen Missstände zu verschließen, ist fast noch schlimmer als der Verfall selber.

Insgesamt eine ausgezeichnet bebilderte, spannend zu lesende und an ein Laienpublikum adressierte Dokumentation eines der faszinierendsten archäologischen Orte der Welt. Wunderbar geeignet zur Reisevor- und Nachbereitung. Trotz des ärgerlichen Schlusskapitels ein gelungenes Werk.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pompeji - schön wie nie, 11. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Pompeji: Leben am Vulkan (Zaberns Bildbande Zur Archaologie) (Gebundene Ausgabe)
Pompeji ist wohl jedem ein Begriff. Dennoch weiß kaum jemand mehr über die Stadt, als dass sie im 1. Jh. n. Chr. bei einem Vesuvausbruch unterging - udn so nahezu komplett unter "Schutt und Asche" erhalten blieb. Wer mehr erfahren will, sollte nach Neapel fahren und sich dieses Weltwunder der Archäologie selbst angucken - oder diesen Sachbildband kaufen: fantastische Bilder (auch wenn ein paar der großen, doppelseitigen Bilder ein wenig unscharf geraten sind) und ein spannender, interessanter Text über die Jahrnunderte lange wechselhafte Geschichte, über die Bewohner und vor allem über ihr Alltagsleben, geschrieben von Prof. Pappalardo, einem ausgewiesenen Spezialisten, der noch dazu hervoragend aus dem Italenischen übersetzt wurde. Fünf Sterne und beide Daumen hoch!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das damals im Ascheregen versunkene Pompeji steht in diesem wunderbaren Band vor den Augen des Lesers und Betrachters wieder auf, 25. September 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Pompeji: Leben am Vulkan (Zaberns Bildbande Zur Archaologie) (Gebundene Ausgabe)
Das Jahr 2010 hat mit seinen unzähligen Vulkanausbrüchen in verschiedenen Teilen der Welt, vor allem aber durch den isländischen Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen, der für Tage den ganzen Flugverkehr in Europa lahm legte, gezeigt, dass es tief in der Erde brodelt und dass im Inneren unseres Planeten Kräfte am Werk sind, die wir uns nicht vorstellen können.

Der vorliegende Band aus der Zabern-Reihe "Bildbände zur Archäologie" erzählt in Wort und Bild, was die Archäologen über den verheerenden Vulkanausbruch des Vesuv im Jahre 79 n. Chr. herausgefunden haben, der die in der Antike berühmte Stadt Pompeji in Schutt und Asche legte.

Das damals im Ascheregen versunkene Pompeji steht in diesem wunderbaren Band vor den Augen des Lesers und Betrachters wieder auf. Eine unglaublich ausdifferenzierte Kultur kommt zum Vorschein und eine städtische Gesellschaft auf für die damalige Zeit allerhöchstem wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Niveau.

Der Band eignet sich ganz hervorragend als repräsentatives Geschenk für viele Anlässe.
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Pompeji: Leben am Vulkan (Zaberns Bildbande Zur Archaologie)
Pompeji: Leben am Vulkan (Zaberns Bildbande Zur Archaologie) von Umberto Pappalardo (Gebundene Ausgabe - 26. August 2010)
EUR 29,90
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