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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reich bebilderte, hervorragende Darstellung einer wenig bekannten Epoche, 14. November 2009
Von 
Frank Stefan Becker (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Das Königreich der Vandalen: Erben des Imperiums in Nordafrika (Gebundene Ausgabe)
"Was sind eigentlich Reiche, wenn die Gerechtigkeit fehlt, anders als große Räuberbanden?"

Diese verzweifelten Worte schrieb der große Kirchenlehrer Augustinus im frühen 5. Jahrhundert angesichts des Zusammenbruchs der antiken Welt. Als er 430 starb, wurde seine Heimatstadt Hippo Regius im (heutigen Algerien) gerade von den Vandalen belagert, die in den nächsten Jahren das gesamte römische Nordafrika erobern sollten. Dank ihrer Verfolgung der katholischen Kirche, der Versklavung der lokalen römischen Oberschicht, ihrer Seeräuberei im Mittelmeerraum sowie der Plünderung Roms im Jahre 455 (bei der ihnen auch der von den Römern 70 n. Chr, aus Jerusalem verschleppte jüdische Tempelschatz in die Hände fiel), war ihr Ruf schon bei zeitgenössischen Geschichtsschreibern weit schlechter als der anderer Germanenstämme (Goten, Burgunder, Franken). Im 19. Jh. schließlich geriet ihr Name durch den französischen Abbé Gregoire, der mit "Vandalismus" die Kulturvernichtung der französischen Revolution brandmarkte, zum Synonym für sinnlose Zerstörungswut.

Was könnte dann eine solchen Schlagetots gewidmete Schau mehr zeigen als Schutt und Asche? Tatsächlich beschränken sich die von den Vandalen während ihrer hundertjährigen Herrschaft in Nordafrika hinterlassenen "typischen" Zeugnisse auf wenige Inschriften, Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände, während ansonsten die spätantike Kultur mehr oder weniger weiterlebte. Aus dieser Not haben die Organisatoren der großen Ausstellung, die im Badischen Landesmuseum bis zum 21. Februar 2010 läuft, eine Tugend gemacht, indem sie das Thema weiter spannten. Die ansprechend präsentierte Fülle an Objekten, darunter viele unbekannte aus nordafrikanischen Museen, umfasst den Zeitraum von der römischen Reichskrise im 3. Jh. bis zur Frühphase der islamischen Herrschaft nach der Eroberung Karthagos Ende des 7. Jh..
Ein wirkliches Verständnis jedoch für die Hintergründe dieser (für die Zeitgenossen meist schrecklichen) Epoche gewinnt man erst durch den Katalog mit seiner Beschreibung der Objekte sowie den zahlreichen Textbeiträgen. Sie behandeln in leicht verständlicher Form so unterschiedliche Aspekte wie die Vorgeschichte der wandernden germanischen Völker, die Situation des spätrömischen Staates, die Machtintrigen des 5. Jh., die spätantike Wirtschaft, die Auswirkungen der Vandalenherrschaft, die oströmische Rückeroberung 534 n. Chr. und nicht zuletzt das Verdämmern der antiken Lebensweise nach der islamischen Zerstörung von Karthago 698 n. Chr. Zahlreiche Fotos von tunesischen Landschaften und Ausgrabungsstätten, Zitate antiker Autoren sowie reproduzierte Ausschnitte aus spätrömischen Dokumenten wie der Notitia Dignitatum oder der Peutingerkarte machen den Katalog zu einem Standardwerk zum Verständnis des 5. Jahrhunderts, das auch ohne Besuch der Ausstellung von bleibendem Wert ist. Ein aufschlussreicher Beitrag von A. Demandt über systematische Kulturzerstörungen der Neuzeit rundet das Buch auf allerdings eher deprimierende Weise ab.
Zu wünschen wäre allenfalls eine kurze Biografie der Verfasser gewesen, da zwar die Experten aus dem deutschsprachigen Raum dem interessierten Leser ein Begriff sein dürften, nicht notwendigerweise jedoch die zahlreichen Autoren aus dem französischen Sprachraum. Auch ein Quellenverzeichnis nicht nur der (umfassend aufgeführten) modernen Publikationen, sondern auch der in den Beiträgen erwähnten antiken Schriften (z.B. Orientus von Auch, gallische Chronik, Victor von Vita, Prosper Tiro, Possidius, Fulgentius von Ruspe, Quodvultdeus, Zacharias von Mytilene, Luxorius, Pseudo-Origines) hätte das Buch sinnvoll abgerundet.

In jedem Fall ist der Katalog jedoch ein ebenso faszinierender wie informativer Bildband, der unseren Blick erweitert, und dessen Wert weit über die aktuelle Vandalenausstellung hinaus reicht.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Weitaus mehr als ein Katalog zur Ausstellung, 31. Dezember 2009
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Königreich der Vandalen: Erben des Imperiums in Nordafrika (Gebundene Ausgabe)
"Von arianischer Glaubenswut entflammt, verfolgte Hunerich die Katholiken in ganz Afrika, schloss ihre Kirchen und schickte alle Priester und sämtliche Kleriker in Verbannung....."
(Isidor von Sevilla, Historia Vandalorum 78)

Der zu Beginn der bis zum 21. Februar 2010 andauernden "Großen Landesausstellung Baden-Würtemberg 2009" im Badischen Landesmuseum Schloß Karlsruhe erschienene, großformatige (26,4 x 21,4 x 3,4 cm) Band ist mehr als nur ein begleitender Katalog.....

.....denn, sowohl als Softcover (Museumsausgabe), als auch Hardcover bietet "Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika" die komplette Geschichte eines germanischen Volkes in einem gesamtgeschichtlichen Kontext. Wie die Karlsruher Ausstellung, die timediver® am 27. Dezember 2009 besuchen konnte, ist auch das 448seitige Buch chronologisch aufgebaut. Nach einer Einleitung des in die Teile "Das Imperium - Die Erben - Die Erinnerung" gegliederten Buches ist jedes Kapitel einem bestimmten historischen, kulturellen, religiösen pp. Aspekt gewidmet, der von einem Autor präsentiert wird. In die einzelnen Kapitel sind farblich in beige abgesetzte Themata (Essays) weiterer Autoren eingebunden. Den Abschluss eines jeden Kapitels bildet ein Katalogteil, der durchnummerierten Exponate.....

.....der Austellung, die mit dem "Kranken Mann am Tiber", der Tetrachie, der Teilung und dem Zerfall des römischen Imperiums und der Christianisierung unter Kaiser Konstantin beginnt. Neben dem römischen Karthago wird die Bedeutung von Ravenna, Konstaninopel erläutert. Nach einer Einstimmung "Völker in Bewegung", bei der die Erben des (west)römischen Reiches vorgestellt werden, beginnt der lange Weg der Vandalen in ihrem damaligen Siedlungsgebiet, dem heutigen Süd- und Zentralpolen. Das der Przeworsk-Kultur zuzurechnende Volk bestand aus den Stämmen der Silingen und Hasdingen (Langhaarträger), die über den Rhein nach Gallien vordrangen. Von dort zogen sie nach weiter nach Hispanien. Von den Westgoten bedrängt, setzten die verbliebenen 80.000 Vandalen und Alanen unter ihrem König Geiserich nach Nordafrika über, wo sie im Raum Karthagos schließlich das erste germanische Königreich auf imperialem Boden gründeten. Die "Stammtafel der Hasdingen" (Seite 199) zeigt u. a. die Vermälung und Nackommen von Geiserichs Sohn Hunerich mit Eudocia, der Tochter des weströmischen Kaiser Valentinians. Für die köningliche Erbfolge verfügte Geiserich das Senioratsprinzip (S. 211). Im Jahre 484unter König Gunthamund, gehörten die Provinzen Mauretania Maior und Minor, Numidia, Africa proconsularis, Byzancena und Tripolitania zum Vandalenreich (S. 310). Die aus germanischer Oberschicht, provinzialrömischer Einwohner und Berbern bestehende Bevölkerung prosperierte.

Ein wesentliches Merkmal der Vandalen war, dass sie dem Arianismus anhingen. Die nach dem Presbyter Arius (260 - 336) benannte Lehre besagte, dass Gott und Jesus nicht wesensgleich (homoousios), sondern wesensähnlich (homoiousios) seien. Der Arianismus war vom Ersten Nicäischen Konzil (325) als Häresie verurteilt worden. Die vandalischen Könige ließen ihre "katholischen" (von griechisch katholikos = das Ganze betreffend,allgemein gültig) Widersacher ihrerseits verfolgen und deren Kirchen in Beschlag nehmen. Entsprechend negativ gestaltete sich die offizielle, katholische Geschichtsschreibung. Höhepunkt der Ausstellung ist eine originalgetreue Nachbildung des "Taufbeckens von Demna" (S. 337). Zur "recuperatio imperii" und Wiederherstellung des rechtmäßigen Glaubens schickte der oströmische Kaiser im Jahre 533 unter seinem General Belisar 16.000 Soldaten nach Nordafrika, die dem Vandalenstaat schließlich ein Ende bereiteten. Gut anderthalb Jahrhunderte später, sollte jedoch der gesamte Maghreb von den Truppen des Damaszener Kalifats erobert werden (S. 387). Als neues, islamisches Zentrum wurde die große Moschee in Kairouan errichtet, die zu den sieben heiligen Stätten zählt.

Im letzten Kapitel des Buches gibt es einen Blick auf das "Bild der Vandalen in Mittelalter und Neuzeit" Neben der "Geschichte eine Rufmords" kommt Alexander Demandt beim Thema "Was ist Vandalismus ? zum Ergebnis, dass religiöser Eifer und Krieg die größten Kulurzerstörer sind. Ein Foto der durch einen Bombenangriff am 14. November 1940 zerstörte Kathedrale von Coventry macht dies besonders deutlich (S. 423). "Karthago lebt von Neuem auf" ist ein versöhnlicher Ausblick auf die frühchristliche Archäologie in einem moslemischen Land, dessen "Institut National du Patrimoine Tunesie" die Ausstellung und das Buch gefördert hat.

Der Band "Das Königreich der Vandalen" bietet nicht nur Erinnerungen an die gleichnamige Ausstellung im Karlsruher Schloss und zahlreiche tunesische Ausflugsorte, wie das "Musée national du Bardo" in Tunis, Kairouan oder den Ribat von Sousse (die timediver® im Laufe von fünf Reisen besuchen konnte), sondern wird mit seiner Vielzahl von Fotos, Abbildungen, Landkarten pp. und Textbeiträgen sicherlich zu dem Standardwerk in Sachen "Vandalen" werden.

Denjenigen, der die verschiedenen Stätten auch mal von oben sehen, oder in die Bauwerke hineinschauen möchte, sei zusätzlich die gleichnamige DVD-ROM empfohlen.

5 Amazonsterne.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Toller Katalog! Und mehr als ein solcher ..., 12. November 2010
Von 
W.Th.H. "w.th.h." (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Königreich der Vandalen: Erben des Imperiums in Nordafrika (Gebundene Ausgabe)
Der Katalog zur Ausstellung "Das Königreich der Vandalen" hat es in sich. Und zwar inhaltlich und graphisch. Er ist einfach schön gestaltet, mit reichem Bildmaterial in ausgezeichneter Bildqualität. Was für Funde konnte die Ausstellung präsentieren!

Inhaltlich wird nichts weniger als der Ruf der Vandalen gerettet, die keineswegs wie die Vandalen gehaust haben oder Vandalismus zum Lebensinhalt hatten. Eigentlich - so Alexander Demandt im Katalog zurecht - gebührt den Jakobinern der französischen Revolution das Prädikat der Kulturzerstörer, wir müssten eher von "Jakobinismus" statt von "Vandalismus" reden ("'Vandalismus' - Geschichte eines Rufmords").

Angesehene Historiker und Archäologen stellen differenziert und auf aktuellem Stand die Geschichte und den Kontext dieses Germanenstammes dar. Ob der Alltag oder die Architektur, ob Glaube oder Krieg, ob Landschaft oder Wanderung durch halb Europa, ob Augustinus oder Karthago, alle Lebensbereiche und alle Faktoren werden bedacht. Und am Ende verfolgen die Autoren, wie es sich für gute moderne Historiker gehört, die Spuren der Vandalen über das Mittelalter bis in die Gegenwart, auch in Bezug auf Mythen und Legenden der Wissenschaftsgeschichte.

Die meisten Texte sind gut lesbar, instruktiv, oft sogar spannend. Die Zeit wird lebendig, auch mithilfe der Bilder. Insgesamt führt der Katalog exemplarisch in die großen Fragen der Spätantike ein, etwa in die Völkerwanderung, in den Niedergang des römischen Weltreichs oder den Aufstieg des Christentums. Und zwar ohne historische Vorurteile zu bedienen oder die üblichen Verdächtigten vorzuführen, sondern konkret an den Fakten orientiert, mit Akribie und Sachkunde. Liebgewonnene Vorstellungen müssen dabei allerdings ad acta gelegt werden, wie eben der "Vandalismus".

Wirklich schade. Schade für alle, die die Ausstellung verpasst haben. Ein Glück für sie, dass wenigstens der Katalog da ist und sie wenigstens in Buchform die Welt der Vandalen erkunden können. Zurecht wird der Katalog über den Zweck hinaus, eine Ausstellung zu kommentieren, als Standardwerk zu den Vandalen gepriesen. Er ist es in der Tat.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen erstaunliche Tatsachen, 30. Januar 2010
Von 
G. Köhl "Leseratte" (Eibelstadt) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Königreich der Vandalen: Erben des Imperiums in Nordafrika (Gebundene Ausgabe)
Das Buch selbst konnte ich leider, leider nur relativ flüchtig durchsehen, da es als Geschenk für einen Kunsthistoriker war, der auch zu der Ausstellung in Karlsruhe Führungen durchführt. Er selbst ist davon sehr begeistert, mehr sogar als von der eigentlichen Ausstellung, weil ihm dort zu viel aufgezeigt wird. Ich selbst habe beim "Schräglesen" feststellen müssen, dass die Vandalen eigentlich nicht nur "gehaust" haben, sondern auch sehr viel Kultur hatten. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
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Das Königreich der Vandalen: Erben des Imperiums in Nordafrika
Das Königreich der Vandalen: Erben des Imperiums in Nordafrika von Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Gebundene Ausgabe - 22. Oktober 2009)
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