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TOP 1000 REZENSENTam 12. November 2010
Diese Meinungsäusserung basiert auf meiner Rezi zum ersten Buch "Das rote Licht des Mondes" von Silvia Kaffke. Dieses Buch hier "Das dunkle Netz der Lügen" ist der direkte Nachfolgeband und setzt die Geschichte von einigen liebgewonnen Figuren fort. Dieser Historische Krimi kann auch natürlich auch ohne Vorkenntnisse vom "Roten Licht..." gelesen werden, aber einige Anspielungen und Begebenheiten sind klarer und verständlicher wenn der erste Roman gelesen wurde.

Inzwischen sind sechs Jahre vergangen und wir befinden uns im Ruhrgebiet im Jahre 1861. Die Industrielle Revolution ist leider kein permanenter Aufschwung sondern sie erfolgt in Wellenbewegungen mit Wachstumsphasen und Rezessionen. Wir befinden uns in einer Wirtschaftsflaute und die Schilderung der verarmten Bevölkerung mit den vielen Stellensuchenden ist atmosphärisch Dicht und überzeugend. Durchreisende die keine Arbeit finden müssen Ruhrort nach ein paar Tagen wieder verlassen und ihr Glück woanders suchen. So ist verständlich das die Näherinnen von Lina Borghoff ihre Arbeitgeberin sehr schätzen und ihr Glück zu würdigen wissen. Eine Näherin wird eines Nachts überfallen, niedergeschlagen und sogar getötet. Lina stellt als Ersatz die eben erst in Ruhrort angekommene Zita als neue Arbeitskraft ein und diese bewährt sich von Anfang an. Doch Zita hat eine bewegte und dunkle Vergangenheit und Lina hat sich, ohne es zu ahnen, eine schillernde Person eingestellt die ihr Geschäft bald ins Gerede und in arge Nöte bringen wird...

Das Buch repräsentiert das Genre der Historischen Kriminalromane auf hervorragende Art und Weise. Es ist eine gelungene und ausgewogene Mischung aus Historischen Fakten und kriminalistischen Elementen, verpackt in eine Geschichte die die Aura und Atmosphäre dieser bewegten Zeit gekonnt wiederspiegelt. Ich habe es genossen bekannte Figuren aus dem ersten Band zu treffen und mit ihnen einen kurzen Zeitraum in dieser Epoche als Leser zu verbringen und sie zu begleiten. Ich habe es so gern gemacht weil mir die Protagonisten sympathisch sind, einige Figuren mal auf der guten mal auf der bösen Seite stehen und weil ich die Antagonisten, wie etwa den Greifer, zutiefst hassen konnte. Alle Figuren haben eine Vergangenheit bzw. Hintergrund und sind durchwegs interessante Persönlichkeiten. Ihr Temperament und ihre charakterliche Eigenschaften bringen sie in die Geschichte ein und dadurch wirkt alles sehr lebendig und lebensnah.

Mit ein paar Tagen Distanz zum Leseschluss möchte ich erwähnen, dass vom Handlungsgerüst und der Struktur her ein Fortschritt zum ersten Roman feststellbar ist. Es gibt zahlreiche Geschichten die parallel ablaufen und die die Konzentration des Lesers erfordern. Sie sind interessant gestaltet und bleiben bis zum Schluss spannend. Es gibt nicht wie in anderen Krimis einen riesen Haupthandlungsstrang der alles andere an den Rand drängt, sondern viele kleine und mittelgrosse Geschichtchen die sich laufend abwechseln. Gerade dieses mal hier mal dort lesen finde ich sehr gelungen und ich möchte der Autorin ein Lob dafür aussprechen. Am Schluss werden alle Handlungsfäden sauber vernäht und keine auch noch so klitzekleine Frage oder Unklarheit bleibt offen.

Meine Kritikpunkte sind folgende: Zwei der Hauptpersonen sind zu gut oder glatt dargestellt. Sie Handeln immer moralisch korrekt, sind stets ausgeglichen und freundlich, für mich doch ein bisschen zu viel des Guten. Jetzt mit etwas Distanz zum Leseschluss hätte die ein oder andere Auflösung am Schluss etwas kritischer angegangen werden können.

Fazit

Ein Buch bei dem vieles sehr stimmig ist, sowohl von der Aufmachung mit dem wunderschönen Cover als Blickfang (im Original übrigens noch beeindruckender als hier im kleinen Bild) als auch vom Inhalt her. Alles sehr rund, atmosphärisch Dicht und harmonisch. Gerade das macht mich doch ein bisschen stutzig, vielleicht etwas mehr Ecken und Kanten und das Buch könnte ich als perfekt bezeichnen. Ich hoffe stark, es wird en suite einen dritten Historischen Kriminalroman geben der in Ruhrort spielt. Mit etwas gutem Willen kann ich über die kleinen Mängel hinwegsehen und meine Bewertung auf 5 Amazon Sterne aufrunden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ruhrort im Jahre 1861. Die begnadete Näherin mit dem wachen Verstand Lina Kaufmeister hat inzwischen Commisar Robert Borghoff geheiratet und betreibt einen gutgehenden Modesalon mit mehreren beschäftigen Näherinnen. Man merkt, so langsam kommt die Wirtschaft in Ruhrort wieder in Schwung.

Dunkle Wolken beginnen aufzuziehen als Linas beste Näherin Anna zu Hause angegriffen und einige Taga danach im Krankenhaus erstochen aufgefunden wird. Auch die junge Ehefrau des Barons wird Opfer eines Überfalls und tot in deren neuem Haus aufgefunden. Der Baron selbst will tief und fest geschlafen haben, doch der Verdacht gegen ihn erhärtet sich, weil leider eindeutige Indizien gegen ihn sprechen.

Als dann zum jährlichen Maiball die Villen der reichen Bürger Ruhrorts ausgeraubt werden, gerät Linas Modesalon in Verruf. Denn alle bestohlenen Bürgerinnen sind ihre Kundinnen gewesen. Natürlich werden in Linas Geschäft während des Maßnehmens und der Anproben auch private Dinge besprochen. Plötzlich wendet sich das Blatt und die eben noch angesehene Bürgerin und Ladeninhaberin Lina Borghoff muss ihre Ehre verteidigen. Gib es einen Spitzel unter ihren Mitarbeiterinnen?

Linas messerscharfer Verstand läuft auf Hochtouren und sie tut alles in ihrer Macht stehende, um ihren eigenen Ruf zu retten und die Ermittlungen ihres Mannes auf den rechten Weg zu führen …

***

Dieser zweite Ruhrort Krimi von Silvia Kaffke schließt in der Handlung nahtlos an den ersten Teil an und steht diesem von der Qualität in nichts nach.
Wieder entführt die Autorin die Leser in das alte Ruhrort mit seiner verwinkelten, dunklen Altstadt und dem vom Stahlabstich des naheliegenden Hochofens erleuchteten Himmel.

Der Spannungsbogen steigt stetig an und fesselt den Leser bis zur letztendlichen Aufklärung des Falls. Die besondere Atmosphäre, die mir bereits im ersten Roman so gut gefiel, ist auch hier wieder gegeben. Die Autorin baut in die hauptsächliche Handlung geschickt kleinere Nebenhandlungen ein, die die Geschichte aufwerten und die Lektüre zu keiner Zeit langatmig werden lassen.

Der Schreibstil war auch hier wieder gehoben und gut ausformuliert. Feinheiten wie die niederländischen Akzente Linas Schwägerin gestalten den Sprachverlauf zusätzlich realistisch und echt.

Ich habe es genossen, wieder einige Zeit durch das alte Ruhrort zu streifen, ich sah zB. die Protagonisten bildlich vor meinem geistigen Auge in der Küche des Borghoffschen Haushalts zusammensitzen. Der reale Schauplatz ist besonders für Leser, die Ruhrort kennen, verlockend und spannend, aber nicht für das Verständnis der Handlung notwendig.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den zweiten historischen Ruhrort Krimi um die sympathische und charakterstarke Protagonistin, der die gleiche Qualität liefert wie sein Vorgänger. Eine spannende, fesselnde und gut ausgeklügelte Kriminalgeschichte, die in das Ruhrort/Duisburg zu Zeiten von Stahl, Schiffahrt und Kohle entführt. Ich würde gerne mehr davon lesen!

© Buchwelten 2013
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. April 2012
Im letzten Jahr habe ich in "Das rote Licht des Mondes" die für die damaligen Verhältnisse taffe Lina Kaufmeister kennengelernt und ich mochte sie auf Anhieb.
Natürlich musste ich die Fortsetzung "Das dunkle Netz der Lügen" auch lesen.
Sechs Jahre sind vergangen, seit Lina nur knapp der Ermordung durch ihre Zwillingsschwester Mina Bleibtreu und ihrem Liebhaber Reppenhagen entkommen ist. Mina verschwand damals spurlos und ihre Söhne Emil und Josef blieben bei Linas Bruder Georg.
Lina ist nun mit dem Polizeichef Robert Borghoff verheiratet und besitzt ein gut gehendes Bekleidungsgeschäft in Ruhrort. Die Damen der gesamten feinen Gesellschaft lassen bei ihr ihre Kleider schneidern. Eigentlich könnten sie und Robert nun ein ruhiges Leben führen.
Aber dann passieren einige unschöne Dinge. In Ruhrort scheint eine Diebesbande am Werk zu sein und eine der Näherinnen aus Linas Geschäft wird überfallen. Hängen die Einbrüche damit zusammen?
Cornelius von Sannberg, ein guter Freund von Lina und Robert, wird des Mordes an seiner jungen Frau verdächtigt wird. Mina versucht ihre Söhne auf gerichtlichem Wege zurückzubekommen. Und das Hausmädchen Finchen hat Probleme mit ihrem Mann Simon, der ihr sauer verdientes Geld verspielt und versäuft, während sie vier Kinder großzieht.

Nachdem ich von "Das rote Licht des Mondes" so begeistert war, habe ich mir von der Fortsetzung natürlich einiges versprochen. Und wurde nicht enttäuscht. Silvia Kaffke hat einen wunderbaren Schreibstil, sie schreibt so anschaulich, man ist immer mitten im Geschehen und sieht jede Szene lebendig vor sich. Und mit Lina hat sie eine wunderbare Figur erfunden, die für die Verhältnisse ihrer Zeit eine starke und selbstbewusste Frau ist.
Auch das Wiedersehen mit vielen anderen Charakteren aus Ruhrort hat mich sehr gefreut. Und ich fand es schön, eine Geschichte zu lesen, die gar nicht so weit entfernt von meiner Heimat spielt.

Es ist kein Muss, den ersten Teil gelesen zu haben, aber ich würde es empfehlen und es lohnt sich wirklich.
Ich hoffe, es gibt ein Wiedersehen mit Lina, Robert, Finchen und allen anderen
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Dezember 2012
Silvia Klaffke verpackt und verknüpft mehrere kleine Geschichten neben dem großen Hauptthema. Das macht es für mich sehr spannend und gibt einen sehr flüssigen Stil zum lesen ab.

Warum gibt es keine Zeitmaschine? In manchen Epochen würde ich sehr gern Mäuschen spielen und vielleicht auch mal ein Kleid mit Krinolinen tragen. :-)

Ein tolles Buch, das mich neugierig auf Ruhrort macht. Die Altstadt existiert nicht mehr, wenn ich es richtig verstanden habe? Ich würde mich freuen, wieder etwas von Lina lesen zu können.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. April 2013
Habe innerhalb kurzer Zeit beide Bücher gelesen. Das erste Buch hat mir besser gefallen, da es irgendwie stimmiger war. Im zweiten Band fehlte mir etwas die Spannung, da es mit der Handlung von vorneherein schwierig war diese aufzubauen.
Trotzdem kann man das Buch lesen, wenn man die Hauptperson Lina mag.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Mir hat das Buch gut gefallen. Vom Vorgänger-Buch hatte ich schon das meiste wieder vergessen, so waren die kurzen Rückblenden sehr hilfreich und man kann das Buch auch lesen, ohne "das rote Licht des Mondes" gelesen zu haben. Teilweise plätscherte die Handlung ein wenig nur vor sich hin, abgewechselt doch aber mit spannenden Passagen, vor allem gegen Schluß! Wir haben hier wie in vielen historischen Büchern eine emanzipierte Protagonistin, die aber ausnahmsweise mal einen "guten" Ehemann hat, der mit ihrer Art zurechtkommt und ihre Eigenständigkeit liebevoll unterstützt. Aber die Autorin kam wohl nicht umhin, doch in die Handlung auch einen herrischen "bösen" Ehemann einzuflechten;-) Alles in allem ein Buch, das mich gut unterhalten hat.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wie auch schon im ersten Band um die resolute, sympathische und für die damalige Zeit unkonventionelle Lina Borghoff, geb. Kaufmeister, ist es Frau Kaffke auf beeindruckende Weise gelungen, ein spannendes & zugleich einfühlsam-plastisches Gesellschaftsbild der Gründerzeit zu zeichnen. Eine Zeit, in der Frauen noch nicht das Wahlrecht besassen, grosse Teile der Bevölkerung vom Land in die Stadt flüchteten, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden und nicht zuletzt auch eine Zeit, in der Bürgertum und Arbeiterklasse durch strenge Konventionen, moralischen (Irr-)Glauben und Obrigkeitstreue sehr weit voneinander entfernt waren.

Einerseits war es schon spannend, einen Kriminalfall zu verfolgen, bei dem aus der Sicht des Lesers der "Übeltäter" schon von vornherein bekannt war. Andererseits hat die Autorin hier für meinen Geschmack zu starkes Gewicht auf familiäre Verwicklungen & Notlagen im engen Freundeskreis und bei den Bediensteten gelegt, die zu zahlreichen Nebenhandlungen geführt haben. Es geht um Ehebruch, einen Sorgerechtsstreit, Diebstahl, Mord, die Wirtschaftskrise, Gewalt in der Ehe, medizinische Neuerungen, um nur einiges zu nennen. Das war für meinen Geschmack einfach zu viel und dem Spannungsbogen bzw. der Atmosphäre nicht unbedingt zuträglich, zumal nicht alle in die Zwistigkeiten verwickelten Personen noch einmal genau vorgestellt wurden (vielleicht im nächsten Band eine Auflistung der Dramatis Personae?) und das Ganze manchmal wie "abgehackt" wirkte.

Silvia Kaffkes erster Ruhrort-Roman "Das rote Licht des Mondes" hatte mich total begeistert. Mit dementsprechend hohen Erwartungen bin ich an "Das dunkle Netz der Lügen" herangegangen. Trotz Showdown und auch wenn ich "Das dunkle Netz der Lügen" irgendwann fast ausschliesslich unter dem Gesichtspunkt Milieustudie gelesen habe, gab es für mich zu viele Parallelen zum ersten Band und die vielen Nebenhandlungen haben mich, im Gegensatz zum Mitrezensenten Jürgen Zeller, einfach gestört (und zwar so sehr, dass ich trotz 3,5* nicht auf vier Sterne aufrunden möchte). Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

"Das dunkle Netz der Lügen" ist lesenswert. Allerdings mit Abstrichen, wenn man den ersten Teil schon gelesen hat. Im Nachhinein würde ich allerdings lieber bis zur TB-Ausgabe warten.
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am 26. September 2013
Einer der seltenen Krimis aus der Zeit des beginnenden Industriezeitalters - und das noch im Ruhrgebiet! Super recherchiert, spannend geschrieben - viel mehr als Krimi - das ist Lokalkolorit, Zeitreise und Spannung pur auf einmal. Ich jedenfalls habe den Roman in einem "Sitz"- sprich ein Nachmittag und Abend - durchgezogen.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wie auch schon im ersten Band um die resolute, sympathische und für die damalige Zeit unkonventionelle Lina Borghoff, geb. Kaufmeister, ist es Frau Kaffke auf beeindruckende Weise gelungen, ein spannendes & zugleich einfühlsam-plastisches Gesellschaftsbild der Gründerzeit zu zeichnen. Eine Zeit, in der Frauen noch nicht das Wahlrecht besassen, grosse Teile der Bevölkerung vom Land in die Stadt flüchteten, in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden und nicht zuletzt auch eine Zeit, in der Bürgertum und Arbeiterklasse durch strenge Konventionen, moralischen (Irr-)Glauben und Obrigkeitstreue sehr weit voneinander entfernt waren.

Einerseits war es schon spannend, einen Kriminalfall zu verfolgen, bei dem aus der Sicht des Lesers der "Übeltäter" schon von vornherein bekannt war. Andererseits hat die Autorin hier für meinen Geschmack zu starkes Gewicht auf familiäre Verwicklungen & Notlagen im engen Freundeskreis und bei den Bediensteten gelegt, die zu zahlreichen Nebenhandlungen geführt haben. Es geht um Ehebruch, einen Sorgerechtsstreit, Diebstahl, Mord, die Wirtschaftskrise, Gewalt in der Ehe, medizinische Neuerungen, um nur einiges zu nennen. Das war für meinen Geschmack einfach zu viel und dem Spannungsbogen bzw. der Atmosphäre nicht unbedingt zuträglich, zumal nicht alle in die Zwistigkeiten verwickelten Personen noch einmal genau vorgestellt wurden (vielleicht im nächsten Band eine Auflistung der Dramatis Personae?) und das Ganze manchmal wie "abgehackt" wirkte.

Silvia Kaffkes erster Ruhrort-Roman "Das rote Licht des Mondes" hatte mich total begeistert. Mit dementsprechend hohen Erwartungen bin ich an "Das dunkle Netz der Lügen" herangegangen. Trotz Showdown und auch wenn ich "Das dunkle Netz der Lügen" irgendwann fast ausschliesslich unter dem Gesichtspunkt Milieustudie gelesen habe, gab es für mich zu viele Parallelen zum ersten Band und die vielen Nebenhandlungen haben mich einfach gestört (und zwar so sehr, dass ich trotz 3,5* nicht auf vier Sterne aufrunden möchte).

"Das dunkle Netz der Lügen" ist durchaus lesenswert. Allerdings mit Abstrichen, wenn man den ersten Teil schon gelesen hat.
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1861 wird Ruhrort erneut zum Tatort. Sieben Jahre nach den schrecklichen Ereignissen aus "Das rote Licht des Mondes" sind Lina Kaufmeister und Robert Borghoff verheiratet. Robert ist bei der Polizei im Rang aufgestiegen und Lina betreibt einen gutgehenden Modesalon mit einigen Angestellten. Auffällig häufig werden aber die Häuser ihrer betuchten Kundinnen in letzter Zeit von Einbrechern heimgesucht. Schnell wird klar, dass Informationen über die Abwesenheit der Hausbewohner über Linas Geschäft weitergegeben werden. Als obendrein eine der Näherinnen ermordet wird, ahnt Lina noch nicht, dass nun ihr Ruf und ihre Existenz in Ruhrort in Gefahr sind.

Silvia Kaffke führt ihre Leser zum zweiten Mal ins 19. Jahrhundert der Stadt Ruhrort. Atmosphärisch dicht beschreibt sie die Umgebung mit dem Hafen und den Phönix-Werken und fängt damit die Stimmung ein. Die Autorin lässt sowohl die seinerzeit herrschenden Gesellschaftsregeln einfließen, als auch die wirtschaftliche Lage. Geschickt platziert sie ihre beteiligten Figuren, sodass aus mehreren Ungereimtheiten ein spannender Kriminalroman entsteht. Jeder Handlungsstrang hat seine Berechtigung und wird am Ende im Gesamtbild verwoben. Viele Bekannte aus dem ersten Band haben auch diesmal wieder einen Auftritt. Dennoch ist es für den Leser nicht notwendig, den Vorgänger zu kennen. Rückblicke ermöglichen, die notwendigen vergangenen Geschehnisse einzuordnen. Stets sind die Charaktere so fein gezeichnet, dass unerwartete Wendungen in der Geschichte möglich sind. Die Entwicklung der Familie ist über die sieben Jahre glaubhaft geschildert.

In diesem Krimi geht es außer um die Klärung des Mordfalls und den Einbrüchen unter anderem um Kindesentführung, Gewaltverhalten und Erpressung. Zwischen den Zeilen wird deutlich, wie wenig Schutz für den Einzelnen seinerzeit möglich war. Die moralischen Gepflogenheiten der Gesellschaft brachten manches Opfer schnell in Verruf, ohne dass eine Erklärung möglich war. Zusätzlich kam noch der tägliche Überlebenskampf in der Zeit kurz nach der Wirtschaftskrise. Diese Tage heute wieder ins Leben zu rufen, bedarf einiges an Recherche und Kombinationsgabe. Das ist der Autorin gelungen. Ihr zudem flüssiger Schreibstil präsentiert somit einen lesenswerten historischen Krimi, in dem nicht nur das Verbrechen im Vordergrund steht. Der offene Schluss ermöglicht sogar einen Folgeband. Allein wegen der Einbeziehung der gesamten Lebensumstände und der farbig gezeichneten Kulisse bekommt dieser empfehle ich "Das dunkle Netz der Lügen" weiter.
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