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49 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hikikomori trifft Salaryman
Der Ich-Erzähler ist männlich und ein Hikikomori. Bis vor einigen Tagen war mir dieser Begriff noch fremd. Es handelt sich um das Phänomen des Rückzugs von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen in ein Zimmer, meist in der elterlichen Wohnung. Die Betroffenen gehen nicht mehr zur Schule oder zur Arbeit und meiden soziale Kontakte. Man könnte quasi...
Veröffentlicht am 20. März 2012 von Nino di Bari

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut, aber konstruiert
Durch die Sprache, die abgebrochenen Sätze, die abgebrochene Gedanken gut wiedergeben, und die Sensibilität der Autorin wird man gefesselt. Erinnerungen an den Film "Kirschblüten" (jemand schrieb dies schon) oder an Bücher von H. Murakami scheinen auf.

Aber der Plot ist dann doch etwas konstruiert. Da taucht am Schluss ein...
Vor 1 Monat von Andreas Meissner veröffentlicht


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49 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hikikomori trifft Salaryman, 20. März 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
Der Ich-Erzähler ist männlich und ein Hikikomori. Bis vor einigen Tagen war mir dieser Begriff noch fremd. Es handelt sich um das Phänomen des Rückzugs von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen in ein Zimmer, meist in der elterlichen Wohnung. Die Betroffenen gehen nicht mehr zur Schule oder zur Arbeit und meiden soziale Kontakte. Man könnte quasi sagen, es ist ein Spezialfall der sozialen Phobie. Die Betroffenen versuchen sich dem gesellschaftlichen Druck, dem Leistungsdruck zu entziehen. Der Rückzug führt nicht selten zu starken Spannungen in den betroffenen Familien. In abgewandelter Form könnte es wohlmöglich überall spielen und doch ist es, so wie es hier präsentiert wird, ein typisch japanisches Phänomen. Das macht auch den besonderen Reiz des Buches aus. Das Fremde wird ganz selbstverständlich aus der Perspektive des Betroffenen geschildert, der sich nach langem Rückzug wieder hinaus in die Welt wagt. Auf einer Parkbank trifft er immer wieder auf das selbe Gegenüber, einen Salaryman, der seinen Job verloren hat, seine Frau jedoch im Glauben lässt, dass er nach wie vor seinen Job macht. Mehr sollte zum Inhalt nicht verraten werden. Abgesehen vom psycho-sozialen Phänomen, liegt ein besonderer Reiz im Einblick in die japanische Kultur und Mentalität. Sie erwächst aus den Protagonisten, ohne dass der Leser belehrt wird. Ein weiterer Reiz ist im Stil der Milena Michiko Flasar begründet. Sie hat eine eigenwillige Sprache. Die Weisheiten, die die Protagonisten austauschen, erstaunen, sind aber unaufdringlich. Die Gedanken des Erzählers sind wie ein Sog und üben eine Faszination aus. Die Sprache ist knapp und prägnant, nie pathetisch. Eine tolle Neuentdeckung für mich. Ich bin begeistert.
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39 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Diamant unter Steinen, 4. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
Nicht von ungefähr kommt einem bei der Lektüre dieser sensiblen, einfühlsamen Annäherung der jungen Wiener Autorin an zwei vom Leben gezeichnete Charaktere manche Szene aus Doris Dörries Streifen "Kirschblüten - Hanami" in den Sinn. Mit jeder Seite dieses beeindruckend stillen, genau beobachtenden, aber nie voyeuristischen Werks ziehen an dem Leser ruhig fließende, fast meditative Bilder vorbei, bleiben tief im Gedächtnis, mehr noch im Herzen haften.

Die Parkbank, auf der die Autorin mit österreichischen und japanischen Wurzeln die beiden Protagonisten ihre Lebensgeschichte langsam und respektvoll aufblättern lässt, steht in Japan. Sie könnte auch im Münchener Englischen Garten, im Großen Tiergarten in Berlin, im Londoner Hyde Park oder im Wiener Prater stehen. Auch die Wunden, die das Leben den beiden Hauptfiguren schlug, und ihre Bewältigungsstrategien trifft man überall in den modernen Industriegesellschaften. Schließlich gleichen sich global auch die Umstände, die Menschen aus dem Alltag ausbrechen, an ihrem Leben scheitern lassen.

Ein mitfühlendes Werk, das sich in seiner leisen, eindringlichen, nie aufdringlichen Sprache wohltuend abhebt von den laut schreienden, mit Kraftausdrücken gespickten Auswürfen des heutzutage oft allzu vordergründig auf Profit schielenden Literaturmarkts. Gleichsam ein Diamant unter tauben Gesteinsbrocken.

Ist das der Beginn einer neuen Literatur? Der Anfang einer Erfolgsgeschichte für die Autorin? Ich wünsche mir beides.
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34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Hätte ich. Wäre ich. Es gibt nicht Trostloseres als den Konjunktiv der Vergangenheit.", 22. Februar 2012
Von 
Regina Berger "Gina" (Rottach-Egern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
"Wer in einem Lachen nichts anderes als ein Lachen hört, der ist taub." steht auf dem Buchrücken dieses bemerkenswerten Buches zu lesen.

Der junge Taguchi Hiro verlässt als Zwanzigjähriger sein Zimmer, in dem er seit fast zwei Jahren freiwillig eingeschlossen war, und setzt sich im nahegelegenen Park auf eine Bank. Was zunächst für den Leser seltsam scheint, ist ein in Japan weit verbreitetes Problem. "Hikikomori" werden diese Personen genannt. Menschen, die das Haus der Eltern nicht verlassen, und sich in ihrem Zimmer einschließen, weil sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden dem Leistungs- und Anpassungsdruck der Gesellschaft nicht gewachsen sind. Diese Parkbank wird alsbald zur Bühne des Romans. Denn zu dem jungen Mann gesellt sich der Firmenangestellte Ohara Tetsu; in Anzug und Krawatte. Der 58jährige hat seine Arbeit verloren, hält aber für seine Ehefrau Kyoko die Illusion aufrecht. Er geht weiterhin tagtäglich aus dem Haus, um den Tag auf der Parkbank zu verbringen. So spinnt sich nach und nach ein Lebensfaden zwischen den beiden Gestalten, die aus dem System, dem Takt der Welt, gefallen sind. Anfänglich beredetes Schweigen weicht einer zögerlichen Annäherung, bis sie sich nach und nach ihr Leben anvertrauen.

>Ich nannte ihn Krawatte< thematisiert voller Ernsthaftigkeit die japanische Mentalität. Japanische Ausdrücke (die im Anhang erklärt werden) verstärken das "Kanjou", das Gefühl und die Fühligkeit, die man benötigt, um die Erzählung mit den 113 fragilen Kapiteln auf sich wirken zu lassen.
Der Roman wird von poetischer Traurigkeit getragen, und lässt dennoch Platz für die Schönheit des Lebens, die es zu sehen und wahrzunehmen gilt. Denn: "Sind wir nicht alle irgendwie da, um einander zu berühren?"

Behutsam verdichtet die Autorin Milena Michiko Flasar (Tochter einer Japanerin und eines Österreichers) in knapper Sprache das moderne Leben, in dem der Leistungsdruck innerhalb der Gesellschaft menschlichem Mitgefühl gegenüber steht. Die Handlung entwickelt sich leise und sachte, dabei liegt eine melancholische Sehnsucht nach einem Neuanfang über den Zeilen.

Der bemerkenswerte Roman um zwei Einzelgänger, die aus der Unbemerktheit wieder zurück ins Leben finden, hat mir ausnehmend gut gefallen.
Die Parkbank schließlich könnte überall stehen. Überall, wo man sich verstanden fühlt und Nähe zulassen kann. "Okaerinasai" - Willkommen daheim!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fremd in der eigenen Haut, 8. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
Geheimnisvoll und beunruhigend beginnt der vorliegende Roman von Milena M. Flasar, der uns in die Weisheit, das Leben und die Mentalität japanischen Lebens einführt.
Jeder kennt die Bilder der schweigenden Duldsamkeit, mit denen Japaner Naturkatastrophen und das bekannte Atomunglück in Fukushima hingenommen haben.
Hier begegnen wir zwei Männern, der eine jung, der andere alt, die sich täglich auf einer Parkbank begegnen. Sie schweigen. Erst nach und nach beginnen sie in wenigen Worten, später auch Sätzen, ein Gespräch mit einander.

Wie sind sie in ihre jetzige Lage gekommen?
Zwei Gescheiterte scheinen sich hier einander anzunähern. Stumm und in ihren eigenen Gedanken gefangen erfährt man erst allmählich von ihrem Schicksal. Mit assoziativen Einfällen und langsam sich öffnenden Herzen erfahren die beiden Männer, wie sie an den Rand der Gesellschaft geraten sind. Bei dem einen war der Tod eines Mitschülers die schockierende Ursache, beim anderen der Verlust der Arbeitsstelle.

Ohara Tetsu unterbricht als erster das lange Schweigen. Sein Gegenüber ist Taguchi Hiro. Letzterer ist ein verstörter Schüler, der die Schule abgebrochen hat und sein Leben in der Höhle seines Zimmers fristet. Hikikomori heißen diese Schüler, die der Welt den Rücken kehren und sich im Elternhaus verstecken. Sie bilden eine schwere Prüfung für Väter und Mütter, die nach außen den Schein wahren möchten und von einer langen "Auslandreise" sprechen, wenn Angehörige oder Nachbarn nach dem Verschwundenen fragen.

Der "Salaryman", ein ehemaliger Firmenangestellter, zeichnet sich durch korrekte Arbeitskleidung und eine Krawatte aus. Seine Frau soll nicht wissen, dass er arbeitslos geworden ist. Er ist ein liebevoller Ehemann, der jedoch dem Leistungsdruck der nachrückenden jüngeren Generation in der Firma nicht mehr gewachsen war.

Man weiß, dass Japaner in der Tat schweigsam sind, höflich und korrekt. Diese Männer, der alte und der junge, klagen und zetern nicht: sie nehmen stillschweigend ihr Unglück hin, dass jeden von ihnen zum einsamen Außenseiter gemacht hat. Erst allmählich lösen sich die Zungen, und die trostlosen Erfahrungen, von denen man hört, wollen schier kein Ende nehmen.

Man bekommt ein Bild von dem Arbeitsdruck in den Firmen und erfährt von der öffentlichen Schande, die das Herausfallen aus allen Lebensmustern mit sich bringt. Geheimnisvoll und vielsagend beschreibt die Autorin, wie die beiden Außenseiter Konfliktsituationen und Schicksalsschläge vergeblich in den Griff zu bekommen trachten. Vor uns breitet sich ein fremde Mentalität und innere Verschlossenheit aus.

Besinnlich, nachdenklich und zart gesponnen entwickelt die Autorin ihren Romanstoff, der doch einen Teil japanischer Realität widerspiegelt.
Die Geschichten der beiden Hauptprotagonisten verdichten sich zu einer empfindsamen und traurigen Erzählung, in der sehr viel inneres Leid steckt. Mit poetischen Bildern untermauert M.M.Flasar noch die äußere Schönheit der Welt mit dem inneren Zerfall der Unglücksraben.

Eine stille, ruhige und nachdenklich gestaltete Erzählung erwartet den Leser, der auf diese Weise ein Bild vom japanischen Leben bekommt.

Milena Michiko Flasar ist Halbjapanerin und lebt in Österreich.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Indem man da ist und atmet, begegnet man der ganzen Welt.", 2. Juni 2012
Von 
Bianca (Lohmar, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:

Zwei Menschen begegnen sich auf einer Parkbank: Der eine ist ein junger Hikikonori, einer der sich aus der Gesellschaft zurückgezogen hat, der andere ist alt und wurde von der Gesellschaft verstoßen. So unterschiedlich sie auch beide sind, haben sie eines gemein: Sie fallen aus der Norm. Indem sie sich langsam annähern und ihre Lebensgeschichte einander anvertrauen, finden sie Stück für Stück wieder ins Leben und zu sich selbst.

Eigene Meinung:

Selten ist wohl ein Debut so gelungen wie dieses: Flašar hat einen Roman geschrieben, der beeindruckend anders ist. Er berührt jenseits von Handlung und Spannung durch die Menschen und ihre Schicksale. Dabei bedient sie sich einem Sprachstil, der den Konflikt dieser Menschen mit der Gesellschaft auf so wunderbar einfühlsame und doch so klare Weise darlegt. Die Traurigkeit und die Melancholie, aber auch die Hoffnung, die Flašar präsentiert, füllen die Seele mit Tränen und stimmen nachdenklich. Denn dies ist die Geschichte zweier Menschen, die überall auf der Welt zuhause sein könnten. Dies ist die Geschichte vom Verlust und der Wiederentdeckung der Menschlichkeit.

Fazit:

Eine Geschichte, die das Leben beschreibt, die berührt und die nachdenklich macht. Eine Geschichte, die gelesen werden sollte!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut, aber konstruiert, 11. Juli 2014
Von 
Andreas Meissner (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
Durch die Sprache, die abgebrochenen Sätze, die abgebrochene Gedanken gut wiedergeben, und die Sensibilität der Autorin wird man gefesselt. Erinnerungen an den Film "Kirschblüten" (jemand schrieb dies schon) oder an Bücher von H. Murakami scheinen auf.

Aber der Plot ist dann doch etwas konstruiert. Da taucht am Schluss ein Protagonist wieder auf, der eigentlich schon tot schien, ein anderer ist das gerade davor plötzlich. Und schade auch, dass immer die große Katastrophe passiert sein muss, um das eigenwillige Verhalten von Menschen zu erklären (störte mich auch an der "Pilgerreise des Harold Fry").

Gerade ein Rückzug junger Männer o h n e große Selbstmorde o. ä. in der Geschichte ist heute gar nicht so selten, eher aufgrund von Sinnzweifeln und Ziellosigkeit. Ähnlich auch bei älteren Berufstätigen, die den oft nutzlosen Wahnsinn von Montag bis Freitag nicht mehr mitmachen wollen.

So sagt man nur: ach, ist ja klar, dass die sich so verhalten, bei diesen schweren Ereignissen in der Lebensgeschichte! Die Spannung bestand dann nur darin, irgendwann zu erfahren, was denn da wann genau passiert war!
Von daher eine verpasste Chance, aber trotzdem: ein lesenswertes Buch!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literatur vom Feinsten, 24. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
Geschliffene Sätze, sich ineinander fügende Bilder...ein unglaublich gutes Buch. Nichts für den Mainstream, keine leichte Unterhaltung, kein "Sommerroman", kein Witz, kein Frauenroman, kein Krimi, kein Bestseller. Einfach nur wirklich gute Literatur. Tiefsinnig erzählt jemand von der Entdeckung seines Innenlebens, das sich nicht anpassen kann, dem aber dennoch die Kraft fehlt, zum Rebell zu werden, da das Ich schon fast ausgehöhlt scheint. Eine schöne Geschichte über das "Sich-Ausklinken-Müssen", über die Unfähigkeit, mitzuhalten, über soziale Grausamkeit und die mühsame Suche nach einem Funken Wahrheit und echtem Gefühl und nach dem Sinn für den es sich lohnt, weiterzuleben.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderschön!, 7. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Der junge Taguchi Hiro ist ein Hikikomori, jemand der sich von der Gesellschaft zurückzog und nur noch in seinem Zimmer blieb, ohne jemals Kontakt zur Außenwelt zu suchen. Ein weitverbreitetes Problem und Phänomen in Japan. Die zumeist Jugendlichen halten den Leistungsdruck nicht mehr statt und suchen die soziale Isolation. Jetzt als 20-jähriger lernt er sein Zimmer zu verlassen, sucht Zuflucht vor der lauten Welt in einem nahegelegenen Park.
Ohara Tetsu ist ein 58-jähriger Firmenangestellter, der seine Arbeit verloren hat und es nicht wagt, es seiner Frau zu sagen. Jeden Tag verlässt er pünktlich das Haus, um für seine Frau die Illusion aufrechtzuerhalten, dass alles in Ordnung ist. Sein Weg führt ihn in den Park und somit ist der Anfang einer Geschichte geschrieben, die von zwei Menschen handelt, die aus der Norm gefallen sind und gemeinsam wieder Normalität schaffen.

Meine Meinung:
Es war eher ein Zufall, dass mir dieses Buch in die Hand fiel, vermutlich hätte ich ohne Empfehlung niemals dazu gegriffen. Die Geschichte klingt simpel gestrickt: treffen sich zwei Japaner auf einer Parkbank und erzählen einander ihr Leben. Allerdings ist die Begegnung, wie sie zueinander finden, eine feine und filigrane Annäherung. Zuerst sind es nur Beobachtungen, nur langsam kommt es zu wirklichen Gesprächssituationen, doch wenn sie da sind, dann hat man das Gefühl, als würden sich Menschen unterhalten, die sich schon jahrelang kennen. Kein Geheimnis scheint zwischen ihnen zu stehen, vermutlich deshalb, weil beide das selbe Schicksal teilen, sie passen nicht wirklich in die japanische, leistungsorientierte Gesellschaft. Stehen abseits. Zuerst jeder für sich, doch dann miteinander.

Heute begreife ich, dass es unmöglich ist, jemanden nicht zu begegnen. Indem man da ist und atmet, begegnet man der ganzen Welt. Der unsichtbare Faden hat einen vom Augenblick der Geburt an mit dem anderen verbunden. Ihn zu kappen, dazu bedarf es mehr als nur eines Todes, und es nützt nichts, dagegen zu sein.
Als er auftauchte, hatte ich keine Ahnung. (Seite 12)

In einem Wechsel erzählen die beiden Männer ihre Geschichten, geben einen kurzen Einblick in das eigene Leben, werden dadurch für den Leser mehr als nur facettenreich, nein, nach dem Lesen selbst hat man das Gefühl, beide wahrhaftig zu kennen. Eigentlich, eigentlich sitzt man zusammen mit ihnen auf der Parkbank, ist der stille Zuhörer, der beobachtet, wie die Verbindung der Zwei mit jedem Tag wächst.

Das Buch spielt in Japan, so werden auch viele japanische Ausdrücke eingebaut, was das Ganz nur irgendwie noch authentischer macht, wenn aber auch gesagt sei, dass die Geschichte im Prinzip überall spielen könnte, weil es in jedem Leistungssystem Menschen gibt, die durch das Raster fallen und sich als Ausgestoßene sehen. Zurück zu den Ausdrücken, es finden sich eine Menge in dem Buch vor, die allerdings im Anhang auch ihre Erklärung finden, bis es dem Leser irgendwie in Fleisch und Blut übergeht, man ein wenig selbst in Japan lebt.

Herauszuheben wäre die sprachliche Präzision, mit der das Buch geschrieben ist. Man könnte beinahe jeden Absatz anstreichen, so poetisch und wunderschön sind die Worte gewählt, die Gefühle verpackt. Die Faszination an diesem Buch liegt für mich zum großen Teil an dem Schreibstil, allerdings auch an den zwei Protagonisten, die man einfach nur ins Herz schließen kann.

Fazit:
Es gibt diese kleinen Schätze auf dem Buchmarkt, die man einfach nur in sein Herz schließen kann. „Ich nannte ihn Krawatte“ ist eines dieser außergewöhnlichen Werke.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Außen- gegen Innenwelt, 26. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte (Gebundene Ausgabe)
Ich schreibe nicht gern rezensionen, aber bei diesem buch habe ich einfach das bedürfnis. die kontrastreiche darstellung der autorin vom empfundenen seelenleben der hauptpersonen, im zwiespalt gesellschaftlicher konditionierung und zwänge, ist so ergreifend, dass dieses drama den leser in ein auf & ab der eigenen gefühle schickt. beeindruckend. und jetzt ist meine lust schon wieder vorbei... viel spaß beim lesen
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein grosser Wurf, 4. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ich nannte ihn Krawatte: Roman (Taschenbuch)
Der Rahmen ist eigentlich einfach: Zwei Aussteiger (ein junger und ein alter) treffen sich in einem Park in einer japanischen Stadt und kommen mit einander ins Gespräch. Der junge (ein Hikikomori, ein ausschliesslich in Japan beobachtetes Krankheitsbild bei jungen Erwachsenen, die sich dem Leistungsdruck der Gesellschaft durch vollständigen Rückzug entziehen) und ein vor der Pensionierung stehender, aber leider gekündigter Angestellter (mit Krawatte - auch im Park) kommen mit einander ins Gespräch.
Ein solches Gespräch ist den beiden bisher mit niemandem möglich gewesen aus Scham, Verletzung und Enttäuschung. Und genau diese die beiden verbindenden Gefühle sind es nun, die ein Gespräch und damit eine Beziehung über die Generationen hinweg und über längere Zeit möglich machen. Endlich haben die beiden einen Gesprächspartner gefunden, vor dem sie sich nicht zu schämen brauchen und der ihre Lebenssituation aus seiner Perspektive verstehen kann.
Die junge Autorin erzählt die Begegnung in einer wunderbaren Sprache und als Leser bleibt man immer wieder bei einzelnen Sätzen hängen, über die man nachdenken muss. Ein reifes Werk - für mich ein grosser Wurf.
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Ich nannte ihn Krawatte
Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flasar (Gebundene Ausgabe - 31. Januar 2012)
EUR 16,90
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