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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben und lieben in Zeiten von Krieg und Verfolgung, eine Reportage über das Überleben im Holocaust., 29. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Herzkönig (Gebundene Ausgabe)
Hanna Krall Herzkönig Verlag Neue Kritik
ISBN 3801503887

Kann die Liebe Zeiten des Schreckens überstehen?
Diese Frage bewegt die Schriftstellerin Hanna Krall in ihrer Niederschrift, mit der sie der Verfolgten und der Überlebenden des Holocausts gedenkt.
Der Aufstand im Warschauer Ghetto bildet den Auftakt zu einer Reportage über die Verfolgung der Juden in Polen.
Sie schreibt damit über die eigenen Erinnerungen als Jüdin, die in Warschau geboren wurde und dort den Krieg im Versteck überlebte.
Ohne lange Sätze und überraschend direkt beginnt Hanna Krall mit ihrer Erzählung, deren Thematik auch heute noch hoch brisant ist. Hauptperson ist Izolda Regensberg alias Maria Pawlicka. Es hat sie wirklich gegeben, diese unbekannte Jüdin, deren Schicksal hier herauf beschworen wird. Mit dem Herzkönig als Trumpf, den ihr eine Wahrsagerin gelegt hat, nährt sie die Hoffnung, dass sie ihren Mann wieder sehen wird. Sie hat ihn erst kurz vor Beginn des Krieges kennen gelernt und bald darauf geheiratet. Und dann begannen die Transporte in die Lager und die Flucht vor den Schergen der Nazis!
Wird ihre Liebe dem kommenden Unheil standhalten? Was anfänglich unverbrüchlich erscheint, wird schnell fragwürdig in Zeiten von Krieg, Zerstörung und moralischem Verfall.
Izolda ist von Beginn der Verfolgung an auf der Suche: nach Eltern, Geschwistern, Neffen und ihrem Mann. Sie hört, dass er im Lager Mauthaussen einsitzt. Mit ihren Aktivitäten versucht sie fortan alles, um ihre Verwandten zu befreien, zu verstecken oder zu versorgen. Dabei landet sie selber immer wieder in den Schreckenskammern der Gestapo, aus denen sie jedoch entkommt. Am Ende sucht sie nur noch ihren Mann! Jedes Mittel, ihn zu finden, ist ihr recht. Ob sie den Pfarrer um Hilfe angeht, den lieben Gott anruft oder ihren Körper verkauft: es geht immer und überall ums nackte Überleben und ihre Suche.
Eine Liebe in Zeiten des Schreckens: geht diese unter den Furcht erregenden Lebensumständen nicht verloren? Als Izolda ihren Mann zum Ende des Krieges im Lager Ebensee in Österreich wieder findet, ist nichts mehr wie es war.
Ihr Ende findet die Geschichte in Israel, wo Izolda ohne rechte Orientierung mit Wortfetzen und Gedanken noch im zweiten Weltkrieg lebt.

Hanna Krall schreibt in einem ganz eigenen Stil, der die Not der Verfolgten greifbar werden lässt. Freie Assoziationen ersetzen einen durchgängigen Erzählstil. Viele Namenlose berühren die Szenen um die Hauptprotagonistin, die nur dem einen Ziel entgegen lebt: ihren Mann und damit sich selbst zu retten. Zuerst zögerlich, dann immer drängender werden die Überlebensstrategien der Izolda Regensburg alias Maria Pawlicka. Dabei werden die Dinge in knappen Sätzen, die häufig im Nichts enden, beim Namen genannt. Jedes überflüssige Wort fehlt. Gerade durch die kurzen Sätze und den sprunghaft aufgebauten Erzählstrom werden die Schrecken der Verfolgung konkret. In ihrer Steigerung der Angst, die sich in den Gewalttaten manifestiert, und mit Hunger, Kälte und Darben im Gefolge ist der Bericht über Izolda kaum zu überbieten. Die Apokalypse nimmt Gestalt an in Form des Verlustes aller zivilisatorischen Errungenschaften der Neuzeit.
Die eingefügten Fotos sind Zeichen dafür, dass sich hinter den geschilderten Begebenheiten eine wahre Geschichte verbirgt.

In dem ergreifenden, beklemmenden und erschütternden Buch wird all das Vergangene wieder lebendig,--und wird uns niemals verlassen!
Hanna Krall weiß, wovon sie berichtet. Sie ist eine Meisterin des verborgenen Wortes. Ihre empfindsame Studie einer Überlebenden ist durchdrungen von dem eigenen Erleben und rührt tief ans Herz.
Die Übersetzung aus dem Polnischen von Renate Schmidgall ist dem Text überaus gerecht geworden!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nüchterne Worte für das Unbeschreibbare, 15. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Herzkönig (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch zweimal gelesen. Ich habe beim 2. Mal schlicht vergessen, es bereits einmal gelesen zu haben und erinnerte mich erst beim Wieder-Lesen der Szenen, ohne sagen zu können, ob ich es bis zum Ende gelesen hatte. Hatte ich, aber warum habe ich es mir nicht gemerkt?

Hanna Krall beschreibt den Überlebensweg einer Frau. Motor für ihre vor nichts zurückschreckende Anstrengung den Holocaust zu überleben, ist das Ziel, ihren geliebten Mann wiederzufinden. Diesem Ziel ordnet sie alles unter. Sie geht irre Risiken ein, die letztlich durch Zufall dazu führen, dass sie zu den wenigen Jüdinnen gehört, die Verfolgung, Folter, KZ-Haft, Zwangsarbeit etc. überleben.

Erschütternd ist die Desillusionierung nach Erreichen des Ziels. Das Weiterleben nach den Jahren der am eigenen Leib erfahrenen Grausamkeit mit der Erinnerung an die samt und sonders ermordeten Mitglieder der eigenen Familie erweist sich als Aufgabe, an der die Ehe der beiden scheitert. Die Toten sind immer präsent und somit ein unbeschwertes Leben kaum möglich.

Die Übersiedelung nach Israel führt zur Sprachlosigkeit zwischen den Generationen - die EnkelInnen sprechen kein Polnisch, die Protagonistin kein Hebräisch oder Englisch. So muss sie die Dialoge mit ihnen in ihrem Geist führen. Vieles bleibt zwangsläufig ungesagt.

Hanna Krall schildert diese atemberaubende Biografie mit nüchternen, kühlen, knappen Worten ohne jegliches Pathos. Kein Selbstmitleid, keine Rührseligkeit, kein Vorwurf - nur das nackte (Über-)Leben.

Trotz Ich-Perspektive ist eine riesige Distanz spürbar zwischen Ich-Erzählerin und dem Geschilderten - vielleicht die einzige Möglichkeit überhaupt Worte für diese Erlebnisse zu finden. Diese Distanz war es vielleicht aber auch, die bewirkt hat, dass ich selbst die geschilderten Erlebnisse weit weg 'abgespeichert' habe und mich nicht recht erinnern konnte.

Das zweimalige Lesen hat sich gelohnt. Hanna Krall hat Worte gefunden für die Darstellung des Leben einer Frau, die Dinge erfahren hat, für die es eigentlich keine Worte gibt und die man auch nur aus Distanz ertragen kann.
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Herzkönig
Herzkönig von Hanna Krall (Gebundene Ausgabe - 15. Oktober 2007)
EUR 19,50
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