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5.0 von 5 Sternen Ulla Klomp: Grenzgänger, 3. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Grenzgänger (Gebundene Ausgabe)
Jugendschriftenausschuss Leer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft
1. Inhaltsangabe
Er ist von zu Haus und aus der Schule fortgelaufen. Der 18jährige Hermann Jacobs, genannt Jaco fährt mit dem Zug von Warnemünde nach Kopenhagen. Im Abteil nervt ihn eine 80jährige Jüdin Lis Ravn. Jaco gehört einer rechten Gruppe an, die Friedhofschändung, Hakenkreuzschmierereien, einen Überfall auf ein griechisches Restaurant, ein Molotowcocktailattentat gegen ein Haus von vietnamesischen Bürgern zu verantworten hat.
Im Abteil kann Jaco nicht verhindern, dass Lis das Runentatoo auf seinem Arm sieht. Lis Ravn zeigt ihm ihre eigene Tätowierung: eine KZ-Nummer. Sie lädt ihn ein, in Kopenhagen zu Besuch zu kommen, gibt ihm handgeschriebene Tagebücher mit, die Geschichte des Juden Hermann Waldemann aus Berlin. Im Verlauf des Romans von Ulla Klomp liest Jaco immer wieder in diesem Tagebuch, das im irrlichternden Wechsel der Erzählperpektiven dessen Geschichte von Verfolgung und Widerstand schildert.
Jaco schlüpft auf der Flucht vor der Verfolgung seiner Straftaten in der Nähe von Kopenhagen in Greve, der Führungsvilla der dänischen Neonazis „Dansk National sozialistik Bevoegelse" mit deren Sender `Oasen', unter. Das liberale Dänemark lässt Aktivitäten der Gruppe um Joni Nielsen zu. Jaco übernimmt die Rolle des Hausmeisters, liest aber weiter fasziniert im Tagebuch immer weiter, um dann eines Tages Lis zu besuchen. Sie erzählt von der Befreiung aus dem KZ und dem Gefühl der Freiheit: „Endlich hatte ich die Freiheit, unvernünftig zu sein. Hatte die Freiheit, alles zu tun. Zu schlafen, wann ich wollte. Aufs Klo gehen, wenn ich musste. Eine richtige Haarfrisur zu tragen. Kleider, echte Kleider anzuziehen! Rauchen gehörte zu diesen Freiheiten dazu. Ich war plötzlich keine Nummer mehr, nicht mehr inventarisiert, eingesperrt, eingeschränkt. Konnte gehen, wohin ich wollte. Das Gefühl hatte ich total verlernt." Sie bittet ihn die Tagebücher zu Ende zu lesen, da er nicht so dumm sei, wie er aussähe. Zurück beim dänischen Naziführer Nielsen erfüllt er den Auftrag, Flugblätter auf einem S-Bahnhof zu verteilen, nur unvollkommen. Trifft dort Kej Rudolf, einen Norweger, der in Schweden lebt, da er der Diskriminierung in Norwegen gegen sein Schicksal als Besatzungskind eines deutschen Vaters und einer norwegischen Mutter aus dem Weg gehen will.
Jacos Widerstand in der rechten Gruppe wird immer größer, besonders als er hört, dass er auf Deutsch über den Sender `Oasen' den erfundenen Brief eines `glücklichen' Auschwitzhäftlings vortragen soll. Er will die Agitation für die „Auschwitzlüge" der Neonazis nicht unterstützen. Wieder flieht er einmal, diesmal zu Lis und trifft dort deren Enkelin Ruth, erfährt, dass ihr Großvater Hermann Waldemar ist. Juco, politisch immer indifferenter geworden, bekommt von Lis den Rat, sich politisch zu entscheiden. Im Niemandsland der Meinungslosigkeit könne man nicht existieren. Jaco verliebt sich in Ruth und will das Tatoo entfernen lassen. Er hat sich gegen die rechte Szene entschieden. Ruth beichtet er seine Vergangenheit und beide hecken einen Plan aus: Sie wollen den von Jaco zu sprechenden Text über die „Auschwitzlüge" mit Lis Schilderungen über deren wirkliche Erlebnisse im KZ-Auschwitz überspielen und dafür sorgen, dass das über den Äther gejagt wird. Das gelingt auch teilweise, deswegen lauern ihm auch Rechte auf und schlagen ihn brutal zusammen. Jaco kehrt zurück nach Haus, stellt sich der Polizei, bereitet sich verspätet auf das Abitur vor. Die letzte Eintragung in Hermanns Tagebuch stammt von Jaco, der gemeinsam mit Ruth in den Ferien den Kibbuz „Neot Mordechai" am Fuß des Hermon in Israel besucht. Dort legt er einen Stein aus Berlin auf das Grab von Hermann Waldemann.
Das Tagebuch des Hermann Waldemar, das Jacos Wandlung bewirkt, beginnt mit dem gleichen Fluchtweg von Deutschland nach Dänemark im Jahr 1938. Hermann will nach Palästina und vorher eine Landwirtschaftslehre absolvieren. Nach dem Erlebnis der Progromnacht im November überlegen die Eltern, nach Brasilien auszuwandern, doch er möchte nach „Erez Isreal". Bei Bauer Iversen - 40 km von Kopenhagen entfernt - erlebt er 1940 die Besetzung Dänemarks und verliebt sich unglücklich in Margot, die als Pionierin ebenfalls nach Israel will. Durch die Besetzung verschlechtern sich die Bedingungen, doch Juden werden noch nicht gleich verfolgt. Mit Margot steht er gern am Ufer des Öresund, um, die Verdunklung im Rücken, auf der anderen Seite der Meeresstraße die Friedenslichter Schwedens zu sehen.
Im Tagebuch notiert er die zehn Gebote zur Sabotage der Deutschen. Für Juden wird es immer schwerer, die Nürnberger Gesetze werden immer stärker auch in Dänemark angewandt. Ein österreichischer Freund hat die zuerst verrückt anmutende Idee, unter dem Zug 2600 km von Odense nach Istanbul quer durch Europa Richtung Palästina zu reisen. Professionell trainieren jüdische Freunde die Flucht, die Zeit drängt, denn 1943 werden auch aus Dänemark jüdische Bürger deportiert. Jaco gelingt die Flucht, doch in Maastricht kehrt der Zug wieder um, ohne dass er rechtzeitig unbemerkt absteigen kann. So gelangt er nach Dänemark zurück. Er tritt einer Widerstandgruppe bei, die Attentate gegen Deutsche durchführt. Verraten von seinem dänischen Gastgeber kommt er ins KZ, kann überleben und geht 1948 ins Kibbuz, Margot hat er bisweilen geheiratet. 1987 stirbt er, auf seinem Grab liegt ein Stein von Jaco, dem ehemaligen Neonazi.
2. Interpretation
Der Jugendroman „Grenzgänger" von Ulla Klomp ist eine komplex verwobene Geschichte mit permanenten Wechseln der Erzählperspektive und etlichen Rückblenden. Der Kern war Realität, die Tagebucheintragungen von Hermann Waldemar entsprechen dessen realen Schicksal, ihn hat die Autorin in Dänemark kennen gelernt. Aus seinen Erzählungen und denen seiner Familie hat Ulla Klomp das fiktive Tagebuch gestaltet und das erdachte, aber wirklichkeitsnahe Schicksal des Neonazis Hermann Jacobs „Jaco" damit verwoben.
Der Werdegang eines Mitläufers der Neonaziszene wird glaubhaft entwickelt, seine Zweifel und die freundliche Zuwendung der jüdischen Mitereisenden Lis Ravn helfen ihm, sich nach und nach aus dieser Szene zu lösen und sich seiner eigenen Vergangenheit zu stellen.
Man kann diese beiden Ebenen, die des jüdischen Flüchtlings und die des flüchtigen Neonazis wohl nicht anders darstellen, die Geschichte setzt aber einiges an Hintergrundwissen voraus.
Deshalb ist das Buch für den Unterricht erst ab Klasse 9 einsetzbar. Für den Unterricht sollten einige Hilfen vorbereitet werden, damit der jugendliche Leser, die jugendliche Leserin den eingangs schwierigen Zugang leichter nachvollziehen können. Doch für die aktuelle Auseinandersetzung mit den erstarkenden Neonazis ist es ein wichtiges, sehr gutes Buch.
Holthusen, 6. Februar 2005; Hasso Rosenthal
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5.0 von 5 Sternen Spannend und macht nachdenklich, 7. Februar 2007
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Rezension bezieht sich auf: Grenzgänger (Gebundene Ausgabe)
Jaco ist in die Neonaziszene abgerutscht und als der jüdische Friedhof verwüstet wird bleibt ihm nichts anderes übrig als nach Dänemark durchzubrennen. Dort taucht er bei Bekannten (Neonazis) unter und "arbeitet" für einen Radiosender (auch aus der Szene). Durch die Tagebücher die er auf seiner Fahrt nach Dänemark von einer alten Frau bekommt wird ihm langsam bewusst wofür er eigentlich kämpft und was diese Menschen in der Geschichte - die noch gar nicht so lange her is - mit Juden und anderen "minderwertigen Rassen" gemacht haben. Doch als er dies schließlich erkannt hat kommt er nicht so leicht wieder aus der Szene heraus, denn wie mit Verrätern umgegangen wird hat er inzwischen auch mitbekommen. Aber ich will nicht noch mehr verraten... =) Zum Buch selbst will ich nur noch sagen, dass es gut und fesselnd geschrieben ist. Also Fazit: Lesen lohnt sich!!
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Grenzgänger
Grenzgänger von Ulla Klomp (Gebundene Ausgabe - Januar 2004)
Gebraucht & neu ab: EUR 40,73
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