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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Selbstmord des alten Europas, 5. Februar 2015
Von 
Treb Melsa (Absurdistan, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Hans Fenske, emeritierter Geschichts-Professor der Universität Freiburg, legt mit diesem Buch seine Analyse zum I. Weltkrieg vor. Fenske hat sehr umfassend die Quellen ausgewertet, auf welche sachliche und vernünftige Schlussfolgerungen zur Politik der Entente und des Zweibundes (Mittelmächte) möglich sind.
Die Schlüsse, welche Fenske zieht, spiegeln bezüglich der Diplomatie zu August 1914 ein ähnliches Bild wie in dem Buch von Christopher Clark (Die Schlafwandler). Fenskes Analyse bekräftigt Clarks Aussage in der FAZ vom 23.09.2013, dass das Deutsche Reich den durch das Attentat von Sarajewo entstandenen Konflikt lokal auf dem Balkan begrenzen wollte. Fenske Analyse signalisiert aber auch, dass die Diplomatie der Entente-Mächte geradezu auf eine Eskalation - also auf den großen Krieg - mit den Mittelmächten angelegt gewesen ist.
Der deutsche Historiker Fritz Fischer behauptete vor mehr als 50 Jahren, dass die Deutschen die Julikrise von 1914 gezielt dazu genutzt hatten, um den langersehnten Krieg zu entfesseln, mit dem Ziel Deutschland zur Weltmacht zu machen. Auch verwarf Fischer alle Friedeninitiativen der Mittelmächte in der Zeit des Krieges als heuchlerisch und unehrlich.
Das Geschehen, welches der Historiker Fenske erzählt und interpretiert, spiegelt ein gänzlich anderes Bild als die Thesen von Fritz Fischer, die Fischer-Thesen werden ins Reich der Fabeln verbannt. Belastbare Dokumente und Belege für die Thesen Fischers wurden von Fenske (auch von Clark) in den Archiven nicht gefunden.
Fenske zeigt in diesem Buch,
- dass Russland 1914 den Krieg wollte;
- dass Frankreich die russische Politik 1914 bedingungslos unterstützte;
- dass England 1914 sehr wenig unternommen hatte, um den Krieg zu vermeiden;
- dass hingegen Reichskanzler Bethmann-Hollweg vieles unternommen hatte, um den Weltenbrand zu vermeiden und zu einem Ausgleich mit der Entente zu kommen;
- dass schließlich die Kriegserklärungen des Deutschen Reiches an Russland und Frankreich im Grunde nichts weiter waren als eine Art von Flucht nach vorn;
- dass ebenfalls Bethmann-Hollweg zusammen mit dem österreichischen Außenminister Burián 1916 eine vernünftige Friedensinitiative ausgearbeitet hatte;
- dass diese Friedeninitiative von der Entente brüsk zurückgewiesen wurde;
- dass diese Zurückweisung voll in das Bild passt, denn Fenske belegt durch die herangezogenen Quellen sehr deutlich den 1914 vorhandenen Willen der maßgebenden Politiker der Entente zum bedingungslosen Vernichtungskrieg gegen die Mittelmächte - ein Wille, der auch während des Krieges Bestand hatte und folglich alle Friedensbemühungen konsequent unterbunden hatte.

Noch viel mehr findet sich in diesem Buch, wobei Fenske auch die Analysen von Historikern neutraler Staaten (Schweiz und Norwegen) heranzieht, die bereits unmittelbar nach Ende des I. Weltkriegs resümierten, dass Deutschland 1914 als einzige Großmacht ehrlich um den Erhalt des Friedens bemüht gewesen ist. Doch die Lust zum Krieg auf Seiten der Entente, gepaart mit dem Willen die Mittelmächte zu zerstören und zu zerstückeln, machte den I. Weltkrieg unausweichlich und vernichtete das alte Europa.
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106 von 124 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichtsrevisionismus tut Not, 10. Juli 2013
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Rezension bezieht sich auf: Der Anfang vom Ende des alten Europa: Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919 (Taschenbuch)
Fester Bestandteil des deutschen Geschichtsbildes, wie es im Schulunterricht, den Leitmedien und zahllosen Buchveröffentlichungen wiedergekäut wird, ist die Mär von der Schuld des Deutschen Reiches sowohl am Ausbruch des 1. Weltkrieges, als auch dessen Verantwortung für das Nichtzustandekommen eines Verständigungsfriedens.
Gegenteilige bzw. anders lautende Untersuchungsergebnisse werden, wenn überhaupt, nur von ausländischen Historikern vorgetragen oder von deutschen Wissenschaftlern, die ihre Karriere bereits hinter sich haben. Zu letzteren gehört der Autor des vorliegenden Buches. Darin wird in kompakter aber überzeugender Weise dargestellt, dass in beiden Kernfragen, nämlich Ursache und Schuld am Kriegsausbruch und Verweigerung von Friedensverhandlungen die Verantwortlichkeit nicht den Mittelmächten, sondern vorrangig den alliierten Siegermächten anzulasten ist.
Serbiens aggressiver Nationalismus, unterstützt von Russland, welches seine Expansionsbestrebungen zu Lasten der Doppelmonarchie entfalten wollte, schufen auf dem Balkan die eigentlichen Ursachen, welche letztendlich in der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts mündeten. Die Bemühungen Deutschlands den Krieg zu verhindern oder diejenigen Österreichs ihn wenigstens auf den Balkan zu begrenzen, mussten an den übrigen Bündnisverpflichtungen und Großmachtinteressen scheitern.
Den wesentlichen Verlauf des 1. Weltkrieges streifend, beleuchtet der Autor die verschiedenen Friedensinitiativen der Mittelmächte und des Papstes und belegt auf vielfältige Weise, dass durch die zahlreichen Geheimverträge der Alliierten untereinander ein Verständigungsfrieden praktisch nicht möglich war. Nur durch einen Siegfrieden zugunsten der Alliierten konnten die zugesagten Gebietserwerbungen und Einflussnahmen auf neue Interessensphären realisiert werden.
Daran gewöhnt, dass unrechtmäßige Kriegführung und Völkerrechtsverletzungen von der gängigen Geschichtsschreibung nur dem Verlierer, nämlich dem Deutschen Reich angelastet wird, reibt sich der Leser erstaunt die Augen, angesichts der zahlreichen Hinweise auf Verstöße gegen das Kriegs- und Völkerrecht durch die Alliierten.
In diesem Zusammenhang sehr erhellend die Ausführungen über die Hungerblockade, welche sowohl in ihrer Durchführung als auch in ihrer Aufrechterhaltung nach Zustandekommen eines Waffenstillstands völkerrechtswidrig war.
Daneben erfährt man, dass Bücherverbrennungen in den freiheitlichen und demokratischen USA 1917 nach deren Kriegseintritt dort im großen Stil praktiziert wurden. Um eine antideutsche Kriegsstimmung zu entfachen wurden deutschsprachige Autoren und Bücher über Deutschland und Österreich aus den Bibliotheken entfernt und in patriotischen Festakten öffentlich verbrannt.
Äußerst aufschlussreich auch der Vergleich zwischen den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk und dem Zustandekommen des Diktatfriedens von Versailles. Dass letzterer mit all seinen unsäglichen Konsequenzen für Finanzen und Wirtschaft auch den weiteren Verlauf der deutschen und europäischen Geschichte belastete wird ebenso dargelegt.
Fazit: Wer abseits Knopp’scher Volkspädagogik seinen historischen Horizont erweitern und hinsichtlich der Ursachen für den verhängnisvollen Verlauf der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert zu neuen Einsichten kommen will, dem sei diese komprimierte und klar verständliche Studie eines kompetenten Autors wärmstens empfohlen.
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68 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Russland wollte 1914 den Krieg, 27. Oktober 2013
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Rezension bezieht sich auf: Der Anfang vom Ende des alten Europa: Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919 (Taschenbuch)
Das ergibt sich unzweifelhaft aus allen bis heute bekannten Dokumenten. So erklaerte im Maerz 1914 der Leiter der russischen Kriegsakademie vor Offizieren :"...die bewaffnete Auseinandersetzung mit dem Dreibund sei unvermeidlich und werde wahrscheinlich im Sommer ausbrechen", wie man auf Seite 18 erfaehrt. Und am 22. Juli erklaerte die Gattin des Kommandeurs der kaiserlichen Garde dem franzoesischem Botschafter bei einem Essen zu Ehren des franzoesischen Staatspraesidenten Poincare: "Der Krieg wird noch Ende des Monats beginnen, ...von Oesterreich wird nichts mehr uebrig bleiben,... Deutschland wird vernichtet werden" (Seite 19). Die Protokolle der Gespraeche zwischen Poincare, dem Zaren und dem russischen Kriegsminister Sasonov sind bis heute unter Verschluss - was gibt es da zu verbergen? Ohne die massive Unterstuetzung durch Frankreich haette Russland nicht in dieser Weise auf den Krieg hinarbeiten koennen. Der franzoesische Botschafter Paleologue in Moskau drueckte das so aus: "Wir werden den Krieg nicht vermeiden" (Seite 20).

Angesichts dieser Entschlossenheit zum Krieg wirken die zahlreichen Bemuehungen von deutscher Seite den Krieg doch noch zu vermeiden fast hilflos. So schickte Kaiser Wilhelm II am 31. Juli 1914 an den russischen Zaren ein Telegramm, in dem er ihn beschwor: "Noch kann der Friede Europas durch Dich erhalten bleiben, wenn Russland einwilligt, die militaerischen Massnahmen einzustellen, die Deutschland bedrohen" (Seite 22). Nach dem Ausbruch des Krieges gab es zahlreiche weitere deutsche Initiativen Deutschlands, die eine Beendigung des Krieges zum Ziel hatten. z.B verabschiedete der Reichstag am 19. Juli 1917 eine Resolution mit dem Ziel "einen Frieden der Verstandigung und der dauernden Versoehnung der Voelker" zu erreichen. Ebenso unterstuetzte Deutschland eine Initiative des Papstes, die in die gleiche Richtung ging. Alle diese Friedensbemuehungen wurden von den Allierten schroff abgelehnt.

Spatestens nach dem Eintritt der USA in den Krieg waren alle deutschen Bemuehungen zur Beendigung des Krieges von Anfang an zum Scheitern verurtelt. Der massgebliche Anteil der Balfour-Deklaration am Kriegseintritt der USA wird vom Autor nicht erwaehnt. Nach dem Krieg bestaetigte sie Churchill in eine Rede vor dem Unterhaus indem er sagte: "Der Eintritt der USA auf unserer Seite erfolgte nicht ohne Gegenleistung". Ebenfalls unerwaehnt bleibt der Beitrag des Tavistock-Instituts zur antideutschen Hetze, mit der die Bevoelkerung Englands und der USA auf den Kriegseintritt vorbereitet wurden, wie man in dem Buch "Das Tavistock Institut. Auftrag Manipulation" von John Coleman nachlesen kann. Weitere Informationen zum Thema findet man auch in dem Buch "Verschwoerung der Kriegstreiber 1914: Das Attentat von Sarajewo - Hintermaenner und Hintergruende" von Leon Degrelle.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wohl das bedeutendste Buch zum 1. Weltkrieg in diesem Jahr, 7. November 2014
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Noch immer hält sich hartnäckig die Annahme, dass das prosperierende und ambitionierte Deutsche Reich leichten Herzens und mit gewisser Hybris den Ausbruch des 1. Weltkrieges maßgeblich mitzuverantworten hatte und schließlich durchaus zu Recht mit harten Friedensbedingung schwer gestraft und gedemütigt aus den Geschehnissen hervorging. Nahezu völlig ausgeblendet werden dagegen a.) der französische Militarismus & Revanchismus b.) das wachsende Ungemach des imperialen Großbritanniens gegenüber einem zusehends erstarkenden Deutschland und c.) Russlands innere Schwäche und fatalem Flucht-nach-vorn Handelns, was Fenske jeweils näher betrachtet.
So lastet man nur zu gerne Deutschland an, die -im Wortsinne- verheerende Bündnislogik durch den sogen. "Blankoscheck" an die "Donaumonarchie" ins Rollen gebracht zu haben. Das greift freilich zu kurz, wie Fenske zeigt.

Er lenkt den Blick in der Folge auf den weiteren Verlauf des Krieges, in dem nun allein das Deutsche Reich immer wieder mit Friedensangeboten an die Öffentlichkeit ging - die von den Allierten jedoch eins ums andere Mal brüsk zurückgewiesen wurden, wodurch sie den Krieg verlängerten und schließlich zum "Grab ganzer Völker" machten, wie der Autor konstatiert. Wilsons Friedensangebot vom Jan. 1918 blieb letztlich auch nur eine Schimäre. Für die Staatsmänner der alliierten Nationen war der Siegfrieden alternativlos. Der dann auch ganz im Sinne der Alliierten im "Versailler Vertrag" realisiert wurde. Hierbei stellt Fenske klar, dass es sich schon allein per definitionem nicht um einen Vertrag handelt, ist ein solcher doch stets eine gemeinsame übereinstimmende Willenserklärung. Beim "Versailler Werk" kann hiervon jedoch nicht die Rede sein, da Deutschland bei der "Konferenz der Sieger" überhaupt nicht aktiv am Verhandlungstisch saß, sondern lediglich deren (nicht annehmbare) Ergebnisse zur (erzwungenen) Ratifizierung vorgelegt bekam - stets einhergehend mit der Drohung der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen, wozu das kriegsmüde und ausgelaugte Deutsche Reich schließlich nicht mehr in der Lage war.

Der Rolle der pseudoneutralen USA im 1. Weltkrieg widmet der Autor leider nur ein vglw. kleines Kapitel. Hier wäre es wünschenswert gewesen, zu erwähnen, dass die USA nach dem jahrelangem Patt an der Westfront, von dem man meinte, er könne noch weitere ressourcenverschlingende Jahre andauern und womöglich zu einem Verständigungsfrieden mit Deutschland führen, gar nicht anders konnten, als schließlich in den Krieg einzutreten, da die konkrete Gefahr bestand, die Milliarden an Kriegskrediten an GB & Frankreich im Falle eines Verständigungsfriedens abschreiben zu müssen, wenn die erhofften Reparationen ausblieben. So erschienen 1918 die USA dann auch gegen die "Feinde der Freiheit" (d.i. der Preußische Militarismus) als Bringer der Demokratie in Europa. Eine bis heute wohlbekannte Rhetorik, deren Blutspur sich seither bis in die Gegenwart zieht.

Die genauso klare wie düstere Kausalität Versaille/Hitler legt der Autor im Schlussteil kurz & schnörkellos dar.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Anfang vom Ende ..., 22. Januar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Der Anfang vom Ende des alten Europa: Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919 (Taschenbuch)
Ein ausgezeichnetes Buch! Wenn auch fern ab von jeglicher Art eines Sonne-Strand-Schmökers so vielmehr äußerst informativ und lehrreich. Faszinierend, streckenweise etwas anspruchsvoll in phantastischer Sprache und Formulierung verfasst. Die einfache Bezeichnung "Schriftsteller" erscheint mir für den Autor zu gering. Immer wieder einen erneuten Blick in den Atlas zu werfen war für mich unabdingbar. Insoweit wäre es noch besser, das Buch enthielte etwas Kartenmaterial insbesondere aus der Zeit vor 1914.
Zeitweilig lese die eine oder andere Passage schon wieder mehrfach. Absolut lesenswert!
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48 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Versailles legte die Saat für den 2. Weltkrieg, 10. Juli 2013
Von 
Albrecht Bär "albrecht_baer" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Anfang vom Ende des alten Europa: Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919 (Taschenbuch)
Nachdem es 1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges gekommen war und sich bald darauf abzeichnete, daß eine Entscheidung so schnell nicht herbeizuführen war, versuchten die Mittelmächte, Deutschland und Österreich-Ungarn, zu einem Verständigungsfrieden mit den Kriegsgegnern zu kommen. Die Entente-Mächte jedoch verweigerten jedes Gespräch über einen Friedensschluß. Diese beharrliche, kompromißlose Weigerung war etwas vollkommen Neues in der europäischen Geschichte. In der Vergangenheit hatten die kriegführenden Mächte stets Mittel und Wege gefunden, zu einem für beide Seiten erträglichen Frieden zurückzufinden. Warum es diesmal nicht dazu kam, verdeutlich die Aussage des französischen Botschafters Théophile Delcassé, der im Oktober 1914 sagte, Kriegsziel Frankreichs sei es, das Werk Bismarcks, das Deutsche Reich zu zerschlagen. Der Autor und emeritierte Professor für Geschichte beschreibt in seiner Studie, wie sehr heute noch Propagandamärchen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für unumstößliche Tatsachen gehalten werden. Schuld daran trage der Versailler Friedensvertrag, der nicht aufgrund offener Verhandlungen zweier Partner zustande gekommen sei und daher richtiger ein Diktat genannt werden müsse. In ihm sei wahrheitswidrig die "Alleinschuld" Deutschlands am Kriegsausbruch festgeschrieben worden. Dieses Stigma sei es vor allem gewesen, welches die junge Weimarer Republik mit einer untilgbaren Hypothek belastet habe, an der sie letztendlich zugrunde gegangen ist. Wirtschaftskrise, Reparationen und Angriffe der extremem Linken und Rechten hätten ihr den Todesstoß gegeben. Fenske zeigt dann noch anhand des Friedens von Brest-Litowsk zwischen Mittelmächten und dem revolutionären Rußland, daß es auch anders ging. Zwar war der Kriegsschluß hart für Rußland, aber beide Seiten hätten von gleich zu gleich verhandelt sowie auf Schuldzuweisungen, Kriegsentschädigungen usw. verzichtet und behandelten sich im Anschluß von Anfang an als gleichberechtigte, souveräne Staaten.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit, 4. Februar 2014
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Der Anfang vom Ende des alten Europa: Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919 (Taschenbuch)
Mit großem Interesse habe ich dieses gut geschriebene Buch gelesen. Vor allem, was den einseitig diktierten "Vertrag" von Versailles mit dem Deutschen Reich - und in St. Germains über Österreich, so nebenbei - von 1919 betrifft.

Nein, das Buch ist nicht, wie gelegentlich unterstellt und insinuiert wird, "revisionistisch" - sondern eine Klarstellung, was es mit dem Artikel 231, in dem diktierten Friedensvertrag auf sich hatte. Gerne wird nämlich auch von deutschen Historikern, die sich in zeitgeistigem Opportunismus üben, vergessen gemacht, was schon 1920 prophetisch der nüchterne und später berühmt gewordene britische Nationalökonom John Maynard (Lord) Keynes zu den Konsequenzen des Siegfriedens von Clemenceau geschrieben hatte. Keynes war aus Protest gegen die ihm als unerfüllbar erschienenen Bedingungen und Auflagen an das besiegte Deutsche Reich in diesem Friedens-"Vertrag", der erst gar nicht verhandelt wurde, aus der britischen Delegation zurück getreten.

Interessant auch dass der Autor am Schluss zur Abrundung darauf hinweist, dass erst im Jahre 2010 (!) die letzten Reparationszahlungen durch das (wieder vereinigte) Deutschland aus den Folgen von "Versailles" bezahlt wurden.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lehrreich und gut verständlich!, 20. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Anfang vom Ende des alten Europa: Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919 (Taschenbuch)
Hans Fenskes Buch ist trotz des geringen Umfangs (ca. 130 Seiten) eine interessante und kenntnisreiche Darstellung. Allen, die bereits ein wenig Hintergrundwissen über den 1. Weltkrieg besitzen, bietet es eine "alternative Sichtweise" auf die Interessen und Kriegsziele der Alliierten. Fenskes verzichtet auf unnötige Exkurse und beschränkt sich - im positiven Sinne - auf das Wesentliche. Seine Sprache ist auch für Nicht-Historiker gut verständlich. Wer sich bisher noch gar nicht mit dem 1. Weltkrieg beschäftigt hat, sollte sich allerdings vor der Lektüre einen gewissen Überblick verschaffen, denn diesen liefert Fenske nicht.
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21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was sind schon 100 Jahre?, 17. November 2013
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Rezension bezieht sich auf: Der Anfang vom Ende des alten Europa: Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919 (Taschenbuch)
Obwohl unseren Staatshistorikern immer noch klar ist, dass nur das imperialistische, militaristische, präfaschistische Deutsche Reich den 1. Weltkrieg ganz alleine vom Zaun gebrochen hat, wie auch die Feindpropaganda schon immer wußte, setzen sich national und international differenziertere Ansichten durch. Die Situation in Europa ist nie einfach gewesen und verschiedenste Interessen prallten zusammen. Das ist heute noch immer so. Das führt der Autor klar und verständlich vor. Entgegen unseren deutschen "Geschichtswerkstätten ", die mit Gewalt heute aufgestellte Thesen und Meinungen für die Vergangenheit beweisen wollen, kann hier der interessierte Leser aus den ausgebreiteten Tatsachen sich selbst ein Bild machen und eine Meinung bilden.
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20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wichtiges Buch zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges, 8. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Anfang vom Ende des alten Europa: Die alliierte Verweigerung von Friedensgesprächen 1914-1919 (Taschenbuch)
Hans Fenske - von 1977 bis 2001 Professor für Neue und Neueste Geschichte an der renommierten Uni Freiburg - legt hier ein schmales, aber hochaktuelles und wichtiges Buch vor. Er ist einer der ersten Professoren der deutschen Historikerzunft, der die Axt an das Jahrzehnte gültige Dogma von der deutschen Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges legt. Er weist darauf hin, dass das russische Zarenreich Serbien maßgeblich bestärkte, Österreich-Ungarn fortwährend zu provozieren (S. 17) und zumindest der russische Militärattache von den Anschlagsplänen auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand wusste, auch die serbische Regierung sei "einigermaßen" informiert gewesen (S. 18). Auch unterstreicht er, wie während der Juli-Krise Frankreich und Russland sich gegenseitig aufputschten und sich ihren „unerschütterlichen Willen“ zum Kampf und Sieg zusicherten, während parallel dazu auch Serbien aufgefordert wurde, sich sehr souverän zu geben (S. 17-22). Der deutsche Kaiser Wilhelm II. - wegen diverser populistischer Äußerungen im Laufe seiner Regentschaft als Militarist verschrien - bat hingegen noch am 31. Juli - da war der Erste Weltkrieg bereits 3 Tage alt - seinen Cousin Zar Nikolaus II. inständig, das „Unheil, das nun die ganze zivilisierte Welt bedroht“ abzuwenden (S. 22).
Fenske verortet folgerichtig die Hauptverantwortung für die Eskalation im politischen St. Petersburg, nennt daneben vor allem Frankreich, während das - in seinen Augen - in weitaus geringerem Ausmaß schuldige Österreich-Ungarn aus existentiellen Gründen einen Feldzug gegen Serbien für nötig hielt, aber - mit deutscher Unterstützung - sich auch einem größeren Krieg gewachsen fühlte. Berlin wiederum glaubte zu lange, den Konflikt begrenzen zu können, wollte den Österreichern die Unterstützung jedenfalls nicht (nochmals) verweigern, aber versuchte - zu spät - noch, auf Österreich mäßigend einzuwirken (S. 25). Den Vertretern des Empires wird beschieden, „berechnend“ und „zweideutig“ agiert zu haben, und schließlich aus dem (potentiellen) Kontinentalkrieg einen Weltkrieg gemacht zu haben. Der deutsche Einmarsch in Belgien lieferte nur den Vorwand, um die Mehrheit der neutralen und kriegsunwilligen Mitglieder des Kabinetts (und der Bevölkerung) umzustimmen (S. 26). Süffisant weist Fenske in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Großbritannien seit dem 17. Jahrhundert „deutlich mehr Kriege“ geführt habe, als das angeblich so militaristische Preußen (S. 29).
Das zweite Drittel des Buches beschäftigt sich mit den diversen Friedensinitiativen der Mittelmächte zwischen 1914 und 1918, die allesamt scheiterten - auch darum, da die Alliierten eng zusammenstanden und nicht zu Kompromissen bereit waren.
Der letzte Teil des Buches beschäftigt sich mit dem Waffenstillstand 1918 und den Hintergründen des 1919 geschlossenen Versailler (Friedens-)Vertrages. Hier betätigt sich Fenske abermals als Aufklärer, indem er aufzeigt, in welch katastrophalem Ausmaß die Bedingungen des Friedens das Deutsche Reich trafen und dass der Vertrag in seiner Härte seinesgleichen zu suchen habe. Dazu zieht er beispielsweise einen direkten Vergleich zwischen dem "Frieden von Brest-Litowsk" und dem "Frieden von Versailles" und kommt zu dem Schluss, man könne in letzterem Falle nur von einem "Diktat" sprechen.

Alles in allem ein Buch, dass man sich durchaus noch umfangreicher hätte vorstellen können, dass aber den Finger in eine Wunde legt, die bisher in der deutschen Geschichtswissenschaft fein säuberlich abgedeckt worden war. Fenske - der seine Karriere ja schon hinter sich hat - traut sich nun, was eine der Aufgaben jedes guten Historikers ist: Kritisch bestehende Meiungsmonopole zu hinterfragen, an Dogmen zu rütteln und die Tünche von überholten Konstrukten zu kratzen. Fünf Sterne!

PS:
Hier noch ein Tipp über ein sozusagen weiterführendes Buch (das allerdings schon 1988 erschien), welches auf einen jener Friedensversuche der Mittelmächte (hier: Österreich-Ungarn) eingeht, die Hans Fenske thematisch nur streifen konnte - nämlich die "Mission Sixtus":
Die Mission Sixtus: Österreichs Friedensversuch im Ersten Weltkrieg
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