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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine melancholisch, dramatische Reise
Kurzbeschreibung:
Der 18 jährige Jari hat seine Tischlerlehre im Betrieb seines Vaters erfolgreich beendet und beschließt nun erstmal eine 3 wöchige Wanderung zu unternehmen. Er will ein bisschen Freiheit und Natur genießen, bevor das Alltagsleben ihn verschlingt. In einer kleinen Galerie am Fuße des Gebirges trifft er auf ein...
Veröffentlicht am 15. September 2012 von MacBaylie

versus
13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Solange die Nachtigall singt
Inhalt:
Jari, ein 18-jähriger Tischler, hat gerade seine Lehre abgeschlossen und beschließt sich für zwei/drei Wochen auf Wanderschaft, in den Zittauer Gebirge, zu begeben. Am Bahnhof trifft er, in seinen Augen, auf das hässlichste Mädchen der Welt und doch, trotz ihrer Hässlichkeit, strahlt sie eine Faszination für ihn aus, der er...
Veröffentlicht am 17. September 2012 von Sarlascht


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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine melancholisch, dramatische Reise, 15. September 2012
Von 
MacBaylie (NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Kurzbeschreibung:
Der 18 jährige Jari hat seine Tischlerlehre im Betrieb seines Vaters erfolgreich beendet und beschließt nun erstmal eine 3 wöchige Wanderung zu unternehmen. Er will ein bisschen Freiheit und Natur genießen, bevor das Alltagsleben ihn verschlingt. In einer kleinen Galerie am Fuße des Gebirges trifft er auf ein Mädchen, das so hässlich ist, wie er noch keins zuvor gesehen hat, aber dennoch begleitet er sie ein Stück des Weges und erlebt seine erste große Überraschung. Eigentlich hätte er hier schon merken müssen, dass nicht immer alles ist, wie es scheint, aber für diese Einsicht braucht er dann doch einige Zeit länger.
Das Mädchen führt ihn tief hinein in den Nebelwald, ein Wald, indem schon viele Menschen verschwunden sind, zu dem Haus in dem es wohnt. Ein Haus voller Schönheit und Verwirrung.
Das Mädchen benötigt Hilfe. Und Jari bleibt. Nur heute oder vielleicht auch noch morgen ...
Was an den Tagen danach geschieht möchte ich hier nicht verraten. Lasst euch überraschen und lasst euch genau wie Jari in die Irre führen.

Meine Meinung:
Als ich das Buch bestellt habe, kannte ich lediglich das Cover und den Titel. Das reichte. Den Klappentext und alle anderen Informationen habe ich mir gar nicht angeschaut, um nicht zu viele Infos im Vorfeld zu bekommen. Nach "Der Märchenerzähler" und "Die Worte der weißen Königin" wusste ich, womit ich zu rechnen habe, und Cover und Titel allein versprachen schon eine poetische, düstere Geschichte.
Diese düstere Geschichte habe ich dann auch bekommen. Mit all den schönen Worten, den poetischen Beschreibungen in märchenhafter Manier, durchzogen mit grausamer, kalter Wirklichkeit.
Wie weit ist jemand bereit zu gehen, der glaubt sein Glück, die Liebe oder was auch immer gefunden zu haben? Wie lange dauert es, bis dieser Jemand bemerkt, dass nicht alles ist wie es scheint? Wie viel kann man ertragen, wie viel verzeihen? Wo befindet sich der Punkt, ab dem man nicht mehr zurück kann, oder auch gar nicht zurück möchte?
Diesen Fragen und noch vielen mehr muss nicht nur Jari sich stellen. Auch der Leser wird nicht darum herum kommen.
Ein Kinderlied, gesungen mit glockenheller Stimme lockt einen in verwirrende Worte die einen nicht mehr loslassen. Hinter aller Schönheit lauert dunkles und obwohl man tief in sich die Bedrohung spürt trappelt man brav in die Falle.
Antonia Michaelis bildet mit ihren Worten die Strippen an denen sie Jari und uns Leser wie willenlose Marionetten hin und her tänzeln lässt. Kurz bevor es zu hart wird, lässt sie die Strippen etwas lockerer, wiegt uns in Sicherheit, nur um sie dann um so fester anzuziehen.

Fazit:
Ein wunderbares Buch mit unendlich vielen Interpretationsmöglichkeiten.
Ein Buch über Liebe, Tod, Hörigkeit, und menschliche Abgründe, vor denen niemand sich in Sicherheit wiegen sollte. Eine melancholisch dramatische Reise.
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36 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar geschrieben, spannend und ein Ende mit Paukenschlag, 22. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Erwartungen und Altersgruppe

Die Erwartungen an das neue Buch "Solange die Nachtigall singt" werden vom Verlag selbst hoch angesetzt, wenn dieser "Das Meisterwerk einer Märchenerzählerin" schreibt. Die "Nachtigall" soll der Nachfolger des erfolgreichen Märchenerzählers werden. Der "Märchenerzähler" wurde 2011 mit der "Segeberger Feder" ausgezeichnet und ist in 2012 gleich für zwei wichtige Jugendbuchpreise (Buxtehuder Bulle, Deutscher Jugendliteraturpreis) nominiert.

Die "Nachtigall" wird von der Autorin, ebenso wie der "Märchenerzähler", für Leser ab 16 Jahre empfohlen. Wegen einiger finsteren, manchmal auch brutalen und spannender Stellen nachvollziehbar. Berührungsängste, was leicht skurrile Sexszenen angeht, sollte der Leser besser nicht haben.

Auch in diesem Buch werden wieder Tabus gebrochen. Bücher von Antonia Michaelis geben einem nie vor, was man zu denken hat, sie sind immer auch unbequem.

Also ungeeignet für 15-jährige? Oder 14-jährige? Schwer zu sagen, denn Kinder, Jugendliche und Erwachsene lassen sich nicht so leicht eingruppieren wie es Verlage oder Rezensenten gerne hätten. Die "Nachtigall" lässt sich, sofern man Kategorisierungen mag, am besten als Crossover oder All-Age-Literatur beschreiben. Bei Antonia Michaelis ist das sicher kein Kalkül, denn auch die mir bekannten Kinderbücher der Autorin (zb. die Kreuzberg 007 Serie oder Oliver und Twist) enthalten immer Komponenten die sich in zwei Ebenen an ältere und auch jüngere Leser richten, die bei mehreren Altersgruppen funktionieren, aber eben auf verschiedenen Bedeutungsebenen und das schon zu Zeiten als Crossover als Marketingbegriff noch bei keinem Verlag in den Mund genommen wurde.

Ist die "Nachtigall" ein neuer "Märchenerzähler"? Ja, weil die Leser die den "Märchenerzähler" liebten vermutlich auch die "Nachtigall" lieben werden. Nein, denn der "Märchenerzähler" war viel verträumter, mehr Märchen und viel einfacher gestrickt.

Zum Inhalt

Der 18-jährige Jari hat soeben seine Lehrer als Tischler abgeschlossen, da beschließt er alleine auf Wanderschaft zu gehen, nur für zwei oder drei Wochen, um, etwas zu erleben, ein Abenteuer, er möchte etwas zu erzählen haben und die Natur und seine Freiheit genießen. Irgendwo hinter Zittau, im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Der Einstieg ins Buch geschieht sanft, leise und wunderschön. Jari befindet sich in einem Wald, so scheint es. In einem bunten, geheimnisvollen und grünleuchtenden Wald. Aber er ist nicht tatsächlich dort, er betrachtet ein Gemälde in einer Galerie und er ist unterwegs auf seiner Reise die ihn wenige später genau dorthin führen wird, in diesen geheimnisvollen und wunderschönen Wald, in dem es fast ausschließlich spielt.
Ein Buch das im Wald spielt? Kann das spannend sein? Ja, es kann. Und zwar sehr. Gerade die Abgeschiedenheit, die Abgeschlossenheit von der Außenwelt geben der Geschichte einen Rahmen der wunderbar passt und der auch später sehr beklemmend sein kann.

Die "Nachtigall" nimmt einen von Anbeginn an in ihren Bann. Alleine wegen der wunderbaren Sprache und den Details in den Beschreibungen versinkt man geradezu im Buch und würde sich am liebsten für ein verlängertes Wochenende einschließen, und nur das eine tun: Lesen.

Jari begegnet in der Galerie der geheimnisvollen Jascha. Sie hat sich verkleidet und sie verstellt sich, sie malt wunderbare Gemälde. Sie lebt von diesen Gemälden und alleine im Wald, einem Wald in den sich kaum ein Mensch verirrt und in dem immer wieder Menschen verschwinden.

Erst als Jari mit Jascha den Weg in den Wald aufgenommen hat, entledigt sie sich ihrer Maskerade und er sieht das schönste und bezauberndste Mädchen dem er je begegnet ist. Sie führt ihn zu einem alten Haus mitten im Wald in die sie allein zu leben scheint. Doch Jari verwandelt sich im Laufe der Geschichte immer mehr. Die Welt die er wahrnimmt, verschwimmt, er weiß nicht mehr welchen Eindrücken er glauben kann und welchen nicht, er verliere das Gefühl für Raum und Zeit. Aus dem unbefangenen und lebenslustigen Jari wird ein Jäger.

Das Buch beginnt so gar nicht mit einem Knall, aber es deutet auf den ersten 4-5 Seiten bereits so vieles an, so vieles könnte geschehen, dass man es nicht mehr weglegen möchte, nicht mehr weglegen kann. Das Buch verzaubert.

Der Verlauf

In einer zweiten und anfänglich sehr mystischen Ebene der Geschichte, wunderbar poetisch geschrieben, werden drei Mädchen eingeflochten, die sich im Trailer und auf einem Photo im Buch schon angedeutet haben. Was es mit diesen auf sich hat, diese Frage wird die Leser das ganze Buch über begleiten. Sind das drei Mädchen? Sind es zwei? Oder doch nur eines? Was ist Einbildung und was ist Realität? Woher kommen Sie? Wer hat sie hier her gebracht? Und wohin? Im Wald? Im Keller? Und woher? Eine Entführung? Eine Flucht? Warum eigentlich? Es empfiehlt sich genau zu lesen, es steht alles im Text man darf sich nicht blenden lassen. Diese Ebene hat zu Beginn etwas sehr märchenhaftes, schönes, aber zugleich auch Grausames. Sehr viel Grausames.

Es dauert nicht lange, da beginnt Jari mit Jascha zu flirten. Jari ist alleine, alleine mit Jascha, dem schönsten Mädchen. Jari lässt sich von Jaschas Leichtigkeit geradezu einfangen. Immer wieder taucht die "Nachtigall" auf "Still, still, meine Nachtigall sei still." Er schläft in ihrem Haus, einem perfekten Haus das nur voller Schönheit ist.

Je weiter die Geschichte voranschreitet umso unschärfer wird die Wirklichkeit. Zuerst sind es die Spiegel im Badezimmer, die eine Unendlichkeit und eine Scheinwelt voller glitzernder Wassertropfen erschaffen. Jari ist vollkommen gebannt von Jascha, aber auf seine Fragen weicht sie immerzu mit einem Lächeln aus. Und es geschehen Dinge, kleine Begebenheiten, die Jari sich nicht wirklich erklären kann. Jascha taucht zu schnell an unterschiedlichen Orten auf, er hört unheimliche Geräusche in der Nacht. Narben erscheinen und verschwinden. Und er bleibt. Er will sich Jascha nähern, aber im Wald entschwindet sie ihm. Er verirrt sich, lernt ganz leise die Gefahren des Waldes kennen, die drei Mädchen tauchen erneut auf, geben wieder Rätsel auf, er begegnet einem Wolf, findet eine Anhäufung von Vogelfedern, muss unter freiem Himmel übernachten und beginnt zu träumen. Was wird aus der Liebe zwischen Jari und Jascha? Wird sie unerfüllt bleiben wie in der ersten Nacht? Wird Jascha Antworten geben? Was hat es mit den Narben auf sich die plötzlich verschwinden, genauso wie Jascha verschwindet und wieder auftaucht, sich auffällig häufig umzieht. Jari entdeckt immer mehr geheimnisvolles und was Realität ist und was nicht, diese zentrale Frage wird sich der Leser immer und wieder stellen, bis es am Ende zu einer großartigen Auflösung kommt.

Schau genau hin, lies genau und achte auf die Namen. Aber es nützt alles nichts, man lässt sich auf das Spiel ein, so wie es Jari auch die ganze Zeit getan hat, man lässt sich verführen. Es gibt mehrere Stellen im Buch an denen man denkt, das war es jetzt. Man denkt, na ja, etwas enttäuschend, man erwartet mehr. Auch auf den letzten Seiten glaubt man, es wäre nun alles geschehen und aufgelöst. Vielleicht liegt man mit seinen Ahnungen am Ende richtig, aber überrascht wird jeder sein. Das Finale ist einfach nur unbeschreiblich. Verraten? Nein, um keinen Preis. Das Buch endet auf der letzten Seite. Nicht früher.

Die Sprache

Die Sprache Antonia Michaelis ist auch in der "Nachtigall" wieder wunderschön und zugleich atemberaubend. Sie ist genauso poetisch wie im "Märchenerzähler" oder in "Die Worte der weißen Königin", aber sie hat noch mehr Feinheiten dazu gewonnen. Sie ist vielfältiger, hat so viel unterschiedliche Facettierungen. Es gibt Stellen da wähnt man sich in einem Märchen, es wird kitschig, manchmal habe ich befürchtet Antoni Michaelis sei in das Lager von Fantasy-Autoren gewechselt und es regnet gleich rosane Einhörner vom Himmel, dann wird man geradezu in die Realität zurück katapultiert. Sowie wie mit Jari in der Handlung gespielt wird, so gerät man als Leser immer wieder zum Spielball der Erzählerin.
Die Sprache umhüllt die Geschichte, sie ist einfach nur einzigartig. Sie wandelt sich mit der Geschichte und den Wandlungen ihrer Charaktere. Sie passt immer, zu jeder der verschiedenen Ebenen im Buch. Mal ist sie prägnant und direkt, dann wieder sehr leicht, mal auch sehr poetisch wie in einem Märchen, aber sie kann genauso brutal sein, Tempo vorgeben und Spannung erzeugen, alles in allem ist sie sehr vielfältig. Das Buch ist voller kleiner Nebengeschichten und Andeutungen, es kann durchaus komisch und ganz leicht sein.

Fazit

Mit liebevollen Details in einer gewohnt wundervollen Sprache verfasst, taucht man als Leser in die unwirklich erscheinende Welt ein, die mehr und mehr verschwindet, irreale Züge bekommt die erst ganz am Ende aufgelöst wird und wohl nahezu jeden Leser überraschen wird. Die Sprache ist vielfältiger und bunter als im "Märchenerzähler". Die "Nachtigall" ist kein Märchen, kein Kinderbuch und keine leichte Kost. Sie ist vieles. Die Beschreibungen sind so bunt wie in von der Autorin gewohnt, sie übertreffen auch "Die Worte der weißen Königin". Das Buch durchläuft sehr viele Genres in seinen verschiedenen Ebenen, es ist sehr spannend, und bietet ein grandioses Finale. Was kann man mehr wollen von einem Buch?

Klare Leseempfehlung und vielleicht mein Lieblingsbuch des Jahres 2012.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wieder mal ein Meisterwerk, 4. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Die Bücher von Antonia Michaelis sind auf jeden Fall immer lesenswert.
Bei diesem Buch ist auf jeden Fall schon der Bucheinband ein echter Hingucker. Auf den ersten Blick einfach nur dunkel und düster, schimmern bei genauerem Hinsehen die Blätter eines Baumes wie kleine Lichtblicke oder Hoffnungsschimmer. Zwischen den Stämmen der Bäume sieht man die schemenhaften Umrisse einer Frau im weißen Kleid. Löst man den Buchumschlag ab, erscheinen drei schattenhafte Gestalten. Wunderbar passend für diese Geschichte, die ja in einem unheimlichen Wald spielt und von drei Frauen (oder doch nur einer?) handelt. Beim Anblick des Wurzelwerks kann man schon erahnen, wie oft man in diesem Buch über seine eigenen Gedanken stolpert, die gezielt immer wieder in die Irre geleitet werden.
Meine Beschreibung des Covers sagt jetzt ganz viel aus und doch eigentlich nichts.
Darum: auf jeden Fall selbst lesen!!!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht für jeden Leser geeignet, 9. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte:
Jari, der 18- jährige Tischlerssohn, begibt sich auf eine Wanderung. Die Wanderung führt ihn irgendwo hinter Zittau, im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Auf dem Weg trifft er ein junges, sehr hässliches Mädchen. Da beide den gleichen Weg haben, folgt er ihr. Doch als sie den Wald erreichen zieht das Mädchen seine Verkleidung aus und dahinter kommt das schönste Mädchen zu Tage, was Jari je gesehen hat. Bezaubert folgt er dem Mädchen, mit dem Namen Jascha, in den Wald, da er sowieso eine Unterkunft für die Nacht braucht. Tief im Wald erwartet ihn eine Welt voller Schönheit und Gefahren, voller Abgründe und Liebe.

Der Einstieg in das Buch ist ruhig und sanft. Man lernt Jari langsam kennen und begleitet ihn auf dem Weg in den Wald. Dort bekommt man eine wunderschöne und detailliert beschriebene Welt inmitten eines Waldes gezeigt. In dieser auf den ersten Blick harmonischen Welt, jenseits der Zivilisation, wirkt alles magisch, märchenhaft und geheimnisvoll.
Neben der Haupthandlung gibt es noch einige Passagen von drei kleinen Mädchen und als Leser fragt man sich schnell, was diese Passagen vielleicht mit Jascha zu tun haben. Alles ist sehr geheimnisvoll und bis zum Schluss wurde ich in die Irre geführt und wusste nicht, worauf das Buch hinausläuft. Es gibt viele überraschende Wendungen und das Ende ist so dermaßen anders, erschreckend und auch faszinierend, dass ich nach dem Lesen erstmal darüber nachdenken musste. Es hat mich schon sehr aufgewühlt, aber auch tief berührt.
Die Handlung ist sehr komplex und geheimnisvoll.

Insgesamt war ich leider oft sehr verwirrt und erst am Ende hat wirklich alles Sinn ergeben und die Handlung war schlüssig und nachvollziehbar. Dadurch ist mir das Lesen aber leider stellenweise etwas schwer gefallen.
In "Solange die Nachtigall singt" werden viele Tabus gebrochen und die märchenhafte Stimmung vom Anfang wird zunehmend durch Brutalität ersetzt. Es führt in die Tiefen der menschlichen Abgründe. Nie ist klar, was ist Realität und was Fiktion, was wirklich und wann wird man in die Irre geführt?

Die Protagonisten:
Jari war mir am Anfang etwas unsympatisch, weil sein einziges Ziel war, Jascha ins Bett zu bekommen. Dabei ist er eigentlich recht schüchtern und lieb. Seine zunehmende Veränderung vom ruhigen Jungen in den brutalen Jäger zu verfolgen hat mich fasziniert, aber auch teilweise erschreckt. Er macht wirklich eine wahnsinnige Entwicklung durch und bis zum Schluss ist nicht klar, auf was diese hinausläuft. Zeitweise habe ich mit ihm mitgefühlt, dann hat er mich wieder abgestoßen oder ich mochte ihn wirklich. Ich habe selten solche facettenreichen Protagonisten erlebt, die mich so in ihren Bann gezogen haben.
Jascha ist sehr geheimnisvoll und bleibt es auch sehr lange. Man erfährt als Leser zwar immer mehr über sie, aber wird doch in vielen Dingen im Dunkeln gelassem, was aber beabsichtigt ist und auch mit den Reiz des Buches ausmacht.
Die wenigen anderen Protagonisten gliedern sich gut in die Handlung ein und passen zu der Grundstimmung des Buches.

Der Schreibstil:
Der Schreibstil ist wohl das, was Antonia Michaelis ausmacht. Sie schreibt wunderbar poetisch, spannend, faszinierend, emotional und geheimnisvoll. Die ganze Handlung wird atemberaubend und schonungslos beschrieben und sie kann viele intensive Gefühle bei dem Leser hervorrufen.
Das Buch ist bis auf die Passagen über die drei kleinen Mädchen, aus Jaris Sicht verfasst (personaler Erzähler), so dass der Leser auch immer nur erfährt, was auch er weiß.

Das Cover/der Buchtitel:
Das Cover ist düster und geheimnisvoll. Es passt perfekt zu dem Buch. Ich finde, es sticht ziemlich ins Auge, da es nicht sehr viele so düster Cover in der Jugendliteratur gibt.
Der Titel passt ebenfalls sehr gut, weil ein Lied über die Nachtigall und auch die Nachtigall an sich wichtig für die Handlung ist und den Leser stets begleitet.

Fazit:
"Solange die Nachtigall singt" ist kein Buch für schwache Nerven und auch jüngere Jugendliche sollten davon Abstand nehmen.
Dennoch konnte es mich insgesamt überzeugen, auch wenn es mich schockiert zurückgelassen hat. Manchmal mag ich solche Bücher.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So grausam kann die Schönheit sein..., 20. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Jari Cizek, der 18- jährige Tischlergeselle, braucht eine Auszeit - von seiner Ausbildung im elterlichen Betrieb, von seiner fürsorglichen Mutter. Und so begibt er sich auf dreiwöchige Wanderschaft im deutsch- polnisch- tschechischen Dreiländereck.
Er will die Natur genießen, die Einsamkeit, seine Freiheit und am Ende seiner Reise ein Mädchen - oder auch in umgekehrter Reihenfolge.
Denn in einem kleinen Dorf trifft er zufällig auf die junge Jascha, die ihn in ihr Haus mitten im Wald "entführt".
Ein riesiges, unwirkliches Haus mit tausend Spiegeln, einer Vielzahl an Zimmern und Gängen, voller labyrinthartiger Gemütlichkeit und Schönheit, abgeschnitten von der Außenwelt.
Doch Jari will nur eine Nacht bleiben, eine Nacht mit der bezaubernden und geheimnisvollen, vielleicht auch gefährlichen Jascha verbringen, doch aus einer Nacht werden Tage.
Tage voller Arbeit im Obstgarten oder auf dem Feld, unergründlicher Geheimnisse, Stunden aus Ängsten und Zweifeln, süßen Gesängen, verführerischen Celloklängen, traurigem Wimmern aus abgeschlossenen Zimmern.
Die Zeit fliegt an Jari nur so vorbei, er verliert jegliches Gefühl, was wahrhaftig und echt ist, was richtig und falsch ist, wer Jascha ist, was er überhaupt im Wald bei ihr macht. Dennoch schafft er es nie, sie zu verlassen. Denn sie zieht ihn immer wieder in ihren Bann, lockt ihn mit ihrer betörenden Schönheit, mit ihren süßen Küssen, ihrer vermeintlichen Unbeschwertheit, ihrem glockenhellen Gesang, ihrem zarten Musikspiel, ihrem frechen Verwirrspiel und Jari verliert darüber jeglichen Bezug zur Wirklichkeit.

Der Wald wird von Tag zu Tag bedrohlicher, dunkler, unberechenbarer, eine namenlose Gefahr lauert in den Schatten der alten Bäume. Und Jascha wird immer undurchsichtiger und ausweichender.
Und Jari bleibt...
Jari will mit dem Mädchen im Wald bleiben, aber auch wieder mit seinem besten Freund Matti ein Bierchen auf der Fensterbank trinken, zu seiner Mutter mit den gestärkten Hemden, in die verhasste Werkstatt mit Brettern, Dübeln und Sägespänen zurück.
Er will Antworten, was im Wald und mit Jascha vor sich geht, will aber gleichzeitig nicht die Wahrheit hören.

Und dann verwandelt sich der eigentlich schüchterne und sensible Jari mehr und mehr, er verliert sich in sich selbst und in den Gesetzen der Natur, anstatt sich zu finden.
Aus dem Tischler, aus dem Wanderer wird ein Jäger... erbarmungslos, gnadenlos...
... wird er sein Herz bewahren?

Eine Geschichte, nein, ein dunkles, geheimnisvolles, bedrohliches Märchen voller betörender und grausamer Schönheit, welches die riesigen und undurchdringlichen Grenzwälder selbst erzählen könnten.
Die forsche Füchsin ihren Jungen, die alte Eiche ihren Setzlingen, der milchige Nebel vorbeiziehenden Wanderern, die freche Amsel in den Wind hinaus.
Sie würden die Geschichte von Jascha mit dem Haar aus schwarzer Seide, dem Lachen eines silbernen Glöckchens und der Stimme einer Nachtigall allen zuflüstern, die sie hören möchten. Wie sie den unbedarften und abenteuerlustigen Wanderer Jari Cizek, den jungen Zeisig, in den dunklen Wald, in ihr verlassenes Zuhause, in ihre einsamen Arme, in ihre eigene Welt gelockt hat.
Jari Cizek, der grau gefiederte, unscheinbare Vogel, der flügge geworden ist, sein gut behütetes Nest verlassen hat, der seine Flügel ausstrecken, sie kräftigen möchte, den rauen und wilden Wind zwischen seinen Federn spüren, sich über die düsteren Wälder gleiten lassen, seine kleinen Lungen mit frischer und abenteuerverheißender Luft füllen, seinen Schnabel wetzen möchte.
Doch eines merkt man schnell:
Irgendetwas oder irgendjemand im Wald will dem jungen Zeisig die zartgrauen Flügel stutzen - und Jascha spürt dies auch. Oder ist Jascha diejenige, die dem Wanderer die Flügel nehmen will, damit er nie mehr von ihr fortfliegen kann?
Kann der kleine, graue Zugvogel den kalten und harten Winter im verwunschenen Märchenwald überleben?
Muss er zum Raubvogel werden?

Mich hat "Solange die Nachtigall" sofort in ihren Bann gezogen, denn Antonia Michaelis lockt mit ihren Worten den Leser ohne Atempause in die dunklen Nebelwälder ihrer Geschichte.
Und so wechselt die Stimmung und die Sprache von poetisch, sanft und bezaubernd wie in einem Märchen bis zu brutal, direkt, unbehaglich und eiskalt wie nur die Realität sein kann.
Von welkenden Blättern tropft bittere Einsamkeit, zerbrechliche Vögel singen von zitternder Melancholie, der schwere Nebel bringt Gefahr, der kalte Herbstwind kündet von Abenteuerlust, das weiche Moos verspricht Zärtlichkeit, im unergründlichen und schwarzen See im Wald lauert ein Albtraum, unter der Walderde liegen verlorene Hoffnungen und Sehnsüchte, Angst, Verzweiflung, Einsamkeit und Ausweglosigkeit begraben, in Brombeerranken verstricken sich Geheimnisse und Lügen, an denen man sich verletzt.
Und trotz oder gerade wegen dieser Fülle an Worten und Umschreibungen konnte ich erst nach und nach in die Schatten zwischen den Zeilen schauen, aus den Nebeln aus Worten etwas herauslesen. Die Worte umkreisten mich wie aufgewirbeltes Herbstlaub, flüchteten vor mir wie aufgescheuchte Rehe, verflüchtigten sich wie Nebelschwaden an einem sonnigen Vormittag.
In jedem einzelnen Kapitel passiert so wenig und gleichzeitig so viel, sodass meine Gedanken zunächst keinen Sinn erfassen konnten, in zig Spiegeln um sich selbst reflektierten, und ich die ganze Zeit gerätselt habe, was für eine Geschichte ich vor mir liegen habe, wie viel Realität noch in diesen märchenhaft gewebten Mantel gestickt werden wird oder ob es nur eine mystische Erklärung für Jascha und Jari geben wird.
Doch irgendwie blieb immer die Gewissheit, dass irgendwann ein realistischer und grausamer Abgrund vor mir auftauchen wird, wenn ich endlich die Lichtung aus Wissen und Gewissheit erreicht habe. Denn der Herbstwind weht Ahnungen heran, lässt den Nebel aus Unwissenheit weichen, zerrt an fest vertauten Tragödien, die im Wind zitternden Blätter flüstern sich Geheimnisse zu, im gelben Herbstlaub am Boden rascheln Andeutungen, die zerstörte Kinderseele wird nach und nach freigelegt, ein Trauma, ein immerwährender Albtraum aufgedeckt.

Mir ging es beim Lesen ähnlich wie Jari im Wald:
Jari sieht und hört Dinge, Menschen, Tiere und weiß am Ende dann doch nicht, was wahr ist und was nicht. Seine Umgebung ändert sich ständig:
Gerade noch steht er im golden erleuchteten Wald, kurze Zeit später irrt er durch dichten Nebel. Gerade noch spielt Jascha das Cello im Haus, im nächsten Moment hilft sie Jari im Garten bei der Apfelernte. Gerade noch sieht er eine Narbe an ihrem Arm, Augenblicke später ist sie wieder makellos schön. Er sieht Risse in all der Schönheit um ihn herum aufplatzen, vergisst und verdrängt diese Gedanken gleich wieder, bevor er doch noch an seinem Verstand zu zweifeln beginnt.
Genau wie Jari fing ich beim Lesen an, an meinem Verstand zu zweifeln, ich fragte mich, ob ich wie Jari das eine oder andere Becherchen Wildbeerensaft zu viel getrunken habe, zu viel an Fliegenpilzen geknabbert habe, da das Gelesene sich vor mir verschloss sobald ich das Buch zugeklappt habe. Ich hab das Meiste immer gleich vergessen...

Wo hört die Wirklichkeit auf, wo fängt die Fantasie an, wann spielt der Verstand Streiche, was ist nur als Symbol zu sehen, wo platzt die Schönheit von Jascha und ihrer Umgebung auf und zeigt ihr wahres Ich?
Jari verliert sich selbst und die Wirklichkeit aus den Augen, wenn er in die Schönheit des Mädchens und des Waldes blickt. Der Leser kann jedoch den realen Schrecken, der sich hinter der Schönheit der erzählenden Worte verbirgt, nicht vergessen.
Denn nichts ist so, wie es scheint...
Und genau deshalb muss man zwischen den Zeilen, unter den Worten lesen, hinter so wohlklingende Farben wie Mondsilber, Brandorange oder Heimlichweiß sehen, hinter die Fassade des Märchenwaldes blicken und die Schonungslosigkeit der Realität, die Hässlichkeit der Menschheit, eine zerbrochene Welt und die zerstörerische wie auch schützende Kraft der menschlichen Psyche erkennen.

Das Ende beantwortet für mich dann auch alle Fragen, obwohl noch viele Fragen offen bleiben, da es meine Vermutungen, die ich recht schnell hegte, vollends bestätigt und dennoch viel Raum für eigene Interpretation und Gedanken übrig gelassen hat. Das Ende wird in mir nachklingen wie der "singende" Felsen im Tannwald... zwar nicht überraschend, dafür immer noch mystisch, aber auch schonungslos wirklich. Ein Ende, das noch lange kein Ende ist - nicht für mich, nicht für Jascha und Jari...

Und dennoch bin ich froh, dem Nebelwald endlich entkommen zu sein und das Buch schließen zu dürfen, weil es mich stellenweise in seiner Dichte und Hintergründigkeit und Tiefgründigkeit in jedem einzelnen Satz, jedem Wort, erschlagen hat.
Das Ende als auch der Verlauf der Handlung und das Verhalten der Charaktere lassen für mich aber keine moralischen Fragen zu (wie sie sicherlich bei vielen Lesern auftauchen werden), weil nicht alles in diesem Roman mit dem Verstand erklärt werden muss und kann, auch nicht mit dem Herzen, weil man ihm keine gesellschaftlichen Maßstäbe, keine moralischen und erzwungenen Normen anlegen kann, weil es einfach ein Roman ist, der mit Tabuthemen spielt und bricht, Gedanken und Emotionen verwirrt, mit der Realität spielt.

Ein modernes Märchen, welches sich dunkel und düster in den Herbst schmiegt.
"Solange die Nachtigall singt" beflügelt die Fantasie, sodass ich bei Spaziergängen im bunten Oktoberwald bestimmt zukünftig irgendwo eine Jascha auf einem prächtigen Hirsch davon galoppieren sehen werde oder wie sich ein frecher Fuchs an die nackten Beine eines Waldmädchens schmiegt.
Aber dennoch lauert hinter diesem wunderschön geschriebenen, poetischen, symbolträchtigen, abstrakten Märchen ein ganz und gar reales Grauen, ein kalter Schrecken und genau deshalb ist es eine ziemlich anstrengende Geschichte, eingehüllt in ein reichlich verziertes und geschmücktes Gewand, welches ihre Protagonisten auf eigentümliche Art zu schützen und zu wärmen versucht.
Eine Geschichte, auf die man sich einlassen und für die man sich Zeit und Muse nehmen muss, da sie weder leicht noch entspannend ist, sondern den Leser mit ihren bedeutungsschweren Metaphern und Worten wie einen Felsbrocken zu erdrücken droht, in einen schwarzen, tiefen See hinabziehen kann.
Und wieder mal eines der Jugendbücher, dass aufgrund der Tiefgründigkeit und Doppelbödigkeit, Brutalität und der Schonungslosigkeit keines sein kann! Auch, wenn es ums Erwachsenwerden, um Selbstfindung, erste Liebe und Freundschaft geht - und wie weit man für all seine Hoffnungen und Sehnsüchte bereit ist zu gehen - einem Weg aus der Einsamkeit und Verzweiflung heraus...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mystisch märchenhaft und wundervoll!, 5. Januar 2014
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Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Habe das Buch vom Anfang bis zum Schluss verschlungen. Grandioser Schreibstil, bildhaft, kühl und doch farbenprächtig erzählt. Vom Anfang bis zum Ende weiß man eigentlich nicht, wie man dran ist. Was ist Relität, was vielleicht nicht?
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut, 30. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Gut geschrieben und hat mich in manchen Abschnitten zum Nachdenken gebracht. Zu Anfang war ich skeptisch, aber nach den ersten Seiten hat diese sich gefangen und Neugier auf den Handlungsverlauf hatte sich breit gemacht.
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13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Solange die Nachtigall singt, 17. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Jari, ein 18-jähriger Tischler, hat gerade seine Lehre abgeschlossen und beschließt sich für zwei/drei Wochen auf Wanderschaft, in den Zittauer Gebirge, zu begeben. Am Bahnhof trifft er, in seinen Augen, auf das hässlichste Mädchen der Welt und doch, trotz ihrer Hässlichkeit, strahlt sie eine Faszination für ihn aus, der er sich nicht entziehen kann. Es kommt dazu, dass er seine Wanderschaft mit dem Mädchen, dessen Name übrigens Jascha ist, beginnt. Und nach einiger Zeit verwandelt sich dieses hässliche Mädchen, in das schönste was er je gesehen hat, nicht durch Zauberei, sondern einen Trick, denn man allerdings lesen muss, um ihn verstehen zu können.
Es ist auch der Moment, in dem Jari Jascha verfällt, er bleibt an ihrer Seite, begleitet sie bis zu ihrem Haus im Wald. Sie bietet ihn eine Unterkunft für die Nacht an, welche er gerne annimmt, doch aus einer Nacht, werden Tage und aus Tagen Wochen, bis Jari letztlich die Realität aus den Augen verliert und sich in einen Jäger verwandelt.

Meine Meinung:
Antonia Michaelis war mir schon durch „Den Märchenerzähler“ und „Die Nacht der gefangenen Träume“ ein Begriff. Besonders ihr einmaliger Schreibstil hat es für mich geschafft, dass sie eine meiner Lieblingsautorinnen ist und auch „Solange die Nachtigall singt“ kann mit einer Portion Poesie in wenigen Worten aufwarten. Der Schreibstil hat also seine bekannte Magie versprüht, nur der Rest, da habe ich keine Ahnung, was das war.

Die Geschichte klingt seltsam und genau so ist sie – seltsam. Es hat ein bisschen etwas von einem Mystery – Horror Szenario gehabt, was die Atmosphäre definitiv den Leser liefern konnte. Der geheimnisvolle Wald, dichter Nebel, rasche Szenenwechsel, plötzliches Auftauchen und Verschwinden, ja, es war alles sehr seltsam in der Geschichte und durchaus einnehmend. Was mich irgendwann gestört hat, waren diese dauerhaften Wiederholungen, die kein Ende nehmen wollten. Jascha ist verschwunden, taucht wieder auf, sie springt um Jari herum, der langsam den Verstand verliert, es geschehen komische Dinge und es geschehen noch mehr komische Dinge und eigentlich geschieht nichts aussagekräftiges. Mich hat das Buch einfach zu langweilen begonnen und da war noch nicht einmal die Hälfte der Geschichte erreicht, einzig der Schreibstil und die überspringende Atmosphäre ließ mich durchhalten, wobei gelohnt hat es sich nicht wirklich.

Es ist so, man liest immer wieder kleine Einschübe aus der Vergangenheit im Buch, wie es eben dazukam, dass Jascha jetzt alleine im Wald lebt und durch diese kurzen Sprüngen, kann man sich relativ leicht eine Geschichte zusammendichten, wie „Solange die Nachtigall singt“ enden könnte, dass es dann tatsächlich so kam, wie ich es mir vorgestellt hat, war kein Überraschung für mich. Es ist vorherzusehen, wie sich das Ganze entwickelt und welche Richtung es einnimmt.

„Ganz alleine sein ist schrecklich. Der Wind heult draußen, wenn du ganz allein bist, und klagt und weint in den Ästen. Die Kälte wird unerträglich kalt und die Dunkelheit unerträglich dunkel. Und in den Ecken lauert die Angst. Wenn du ganz allein bist im Wald, wirst du verrückt. Dann bist du verloren. Ausgeliefert. Hilflos. Dann hat dich die Nacht.“ (Seite 36)

Was die Autorin wirklich gut kann, ist die Grenzen zwischen Realität und Fiktion so zu verwischen, so dass man als Leser irgendwann selbst an sich zu zweifeln beginnt, dutzende Male nachdenken muss über eine Situation, nur um dann zu keinen Ergebnis zu kommen. Man kann die Geschichte nur wirken lassen, darf sich nicht den wirren Gedankengängen hingeben, denen man vielleicht versucht ist nachzuhängend, dann nämlich glaube ich, hat man sich verloren, oder vielleicht war dies auch mein Fehler, ich bin nicht verloren gegangen, weil ich ein viel zu rational denkender Mensch bin und mich auf viele Situationen nicht eingelassen habe. Eventuell wird das Leseabenteuer deutlich höher, wenn man die Realität loslässt und sich ins Buch fallen lässt, wie gesagt, ich konnte es leider nicht, weshalb das Buch mich nicht überzeugt hat.

Fazit:
Eine einzigartige Atmosphäre, die durch den Schreibstil von Antonia Michaelis fassbar macht, bestimmt das Buch und die Geschichte, nur leider war es das auch schon. Geprägt von Wiederholungen und Langatmigkeit, kann ich keine Empfehlung für „Solange die Nachtigall singt“ abgeben.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen klare Leseempfehlung, 13. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Ein Wald, der im Nebel ein Rätsel verbirgt. Ein Wanderer, der sich verirrt. Eine Geschichte, die dem Leser den Atem raubt. Nach Abschluss seiner Tischlerlehre begibt sich Jari auf Wanderschaft, um Freiheit und Natur zu genießen. Dabei trifft er auf Jascha, das bezauberndste Mädchen, dem er je begegnet ist, und folgt ihr zu ihrer Enklave mitten im Wald. Gefangen zwischen märchenhafter Schönheit und menschlichen Abgründen wird der harmlose Tischler zum unerbittlichen Jäger. Poetisch und fesselnd erzählt Erfolgsautorin Antonia Michaelis die Geschichte einer Liebe, der kein Geheimnis zu düster und kein Opfer zu groß ist. Das Meisterwerk einer Märchenerzählerin.

Aufbau und Handlung:
Bereits ab der ersten Seite befindet sich der Leser bereits mitten im Geschehen. Protagonist Jari befindet sich in der Kunstgalerie eines kleinen Dorfes, indem er auf eine alte Frau, sowie ein buckliges, unansehnliches Mädchen trifft. Er hat vor durch die Wälder zu wandern, doch es kommt alles anders als geplant. Völlig unerwartet bietet er dem eigenartigen Mädchen seine Hilfe an, indem er ihre Bilder ihr ein Stück in den Wald tragen will. Von Anfang an ist der Wald wie verzaubert, genau wie das hässliche Mädchen, das plötzlich ihre Hülle abwirft und zu einer wahren Schönheit erblüht. Sie nennt sich Jascha und lebt ganz alleine, mitten im Wald. Jari beschließt die Nacht bei ihr zu verbringen und erhofft sich ein Abenteuer. Ein Abenteuer soll er auch bekommen, jedoch ganz anders als erwartet.
Das Buch ist in der Vergangenheit geschrieben und anfangs nur aus Jaris Sicht. Gegen Ende auch zeitweise aus der Sicht einer anderen Person.

Cover:
Das Cover passt perfekt zu dem Roman, da ich mir genauso düster den Nebelwald vorstellen würde. Zudem ist etwas in den Schatten zu erkennen, dass man erst verstehen, wenn man bereits in dem Roman gefangen ist.

Eigene Meinung:
Nach dem ich bereits den „Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis mit großer Begeisterung gelesen habe, war ich auf ihren neuen Roman sehr gespannt und kann bereits vorab sagen, dass sie mich mit keiner Seite enttäuscht hat. Antonia Michaelis versteht es wie kein anderer Autor, einen in eine geheimnisvolle, ganz eigene Welt zu entführen. Ihre Worte sind wie ein schauriges, aber wunderschönes Gedicht. Die düstere und geheimnisvolle Stimmung des Romans ist fast greifbar. Ich konnte „Solange die Nachtigall singt“ nicht mehr aus der Hand legen. Zwar gibt es Stellen, die ich so nicht ganz nachvollziehen konnte, aber auch das passt wiederum zu dem Rest des Buches, da es Protagonist Jari genauso ergeht.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für „Solange die Nachtigall singt“.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein kraftvoll-poetisches Herbstmärchen voller Schönheit, das manchmal die Spannung vergisst, 10. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Gebundene Ausgabe)
Ich bin ein bisschen zwiegespalten, was dieses Buch angeht.
Auch ich war nach dem Märchenerzähler euphorisch und wollte unbedingt weitere Bücher der Autorin lesen.
'Solange die Nachtigall singt' fängt atmosphärisch und düster-spannend an, zieht einen als Leser in einen tiefen Sog ... und dann, ab etwa der Hälfte, habe ich die Geduld verloren. Ich habe trotzdem weitergelesen und ich wollte auch wissen, wie es ausgeht, es ist ein gutes, gut geschriebenes und absolut lesenswertes Buch - aber die Faszination vom Märchenerzähler, diesen meisterhaft geschmiedeten Spannungsbogen konnte es nicht erreichen.

Ein bisschen hatte ich das Gefühl, die Autorin will zu viel. Die schöne Sprache, die überbordend schönen Bilder, die gewaltige Stimmungsmalerei - das kann sie gut, das wurde schon beim Märchenerzähler hoch gelobt, das treibt sie hier auf die Spitze. Das Buch spielt in einem düster-schönen Nebelwald im Nirgendwo zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, einem Märchenwald mit einer Höhle und einem grundlosen schwarzen See und Rosen in einer Schlucht und Büschen voller reifer Schlehen. Mit einem Wolfsrudel und der Legende einer Bärin, die ihre drei Jungen sucht.
Das Buch beginnt in einem goldenen Herbst und dämmert in einen glitzernd weißen Winter hinüber. Die Farben, die Düfte, die herbstliche Stimmung - es haut einen um beim Lesen. Wirklich.
Und dann verliert sie sich in der Schönheit. Zumindest hatte ich beim Lesen dieses Gefühl. Der Tischlergeselle Jari wird von einem schönen Mädchen in den Wald gelockt, verbringt die Nacht in ihrem wunderschönen Haus und verliert sich in ihrer Welt. Er findet nicht mehr aus dem Wald hinaus, und bald will er das auch nicht mehr. Der Wald aber hütet ein düsteres Geheimnis und das Mädchen ist nicht, was sie scheint und das Haus ist voller Spiegel und ausgestopfter Tiere. Jari weiß bald nicht mehr, was Realität und was Traum ist. Der Leser auch nicht. Das hat seinen Reiz.
Doch dann häuft die Autorin Episode auf Episode, Traum auf Traum. Die Geschichte kommt ins Stocken, Jari dreht sich im Kreis. Der Leser auch. Vielleicht ist das Absicht. Aber mich hat es aus der Faszination herausgerissen, ich wollte wissen, wie es weitergeht.
Das Ende, die Auflösung fand ich ... tja, fast ein bisschen zu einfach für die enorme Erwartungshaltung, die vorher aufgebaut wird. Das hat mich ein wenig enttäuscht. Vielleicht wäre das anders gewesen, hätte ich nicht die vorherigen fünfzig oder hundert Seiten in manchen Passagen nur noch überflogen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich - auf den Mittelteil bezogen - mit surrealen Traumwelten nur bedingt etwas anfangen kann, sofern sie nicht eine konkrete Auswirkung auf die Realität haben.

Das ist kein Verriss, auch wenn er stellenweise so klingt.
'Solange die Nachtigall singt' ist ein märchenhaftes, düsteres, lesenswertes Buch, das viel Spaß macht und sich spannend anlässt - nur im Mittelteil etwas Geduld vom Leser verlangt. Allein die wunderschöne Sprache macht es schon empfehlenswert.
Nur kann es - für mich - nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen, die ich nach dem Märchenerzähler an das Buch gestellt hatte.
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Solange die Nachtigall singt
Solange die Nachtigall singt von Antonia Michaelis (Gebundene Ausgabe - 1. September 2012)
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