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am 5. März 2012
"Flammender Zorn" bildet den Abschluss der sehr beliebten Panem-Trilogie und schlägt dabei eine ganz andere Richtung ein, als die beiden Vorgänger. Standen dort einige wenige Menschen und ihre Schicksale, Abenteuer und Gefühle im Mittelpunkt, geht es nun um nichts Geringeres als die gesamte Menschheit. Der Bürgerkrieg, der sich schon angedeutet hatte, bricht aus. Begleitet von einem politischen Ränkespiel bei dem keine Seite "Die Guten" zu sein scheint. In dieser Welt wirken die Protagonisten, um die sich bislang alles drehte, vergleichsweise unbedeutend und klein und sind nur noch ein Rädchen im Getriebe. Zusätzlich wird die Stimmung immer düsterer und bedrückender. In den Schlachten sterben mehrere lieb gewonnene Charaktere und die Hauptfiguren haben in den Kriegswirren wenig Kontakt zueinander. Diese Atmosphäre wird noch dadurch verstärkt, dass Ich-Erzählerin Katniss vor allem lethargisch und resignierend auf die Entwicklungen reagiert. Ihr Kampfeswille blitzt nur noch ganz selten durch.

Der Aufstandes gegen das totalitäre Regime wurde seit dem ersten Roman mit Andeutungen entwickelt. Es wurde zwar fast nie direkt thematisiert, aber dem Leser war schon klar, dass es letztlich unvermeidbar ist, dass es einen Widerstand gegen das System geben muss, der in einer Revolution eskalieren wird. Gleichfalls war zu erwarten, dass das Mädchen, das in den ersten Teilen im Mittelpunkt einer inszenierten Fernsehshow stand, in einem echten Krieg eine längst nicht so tragende Rolle spielen kann.
Für sich allein betrachtet ist der Roman also durchaus schlüssig und spannend sowieso. Ich finde es auch nicht verwerflich, dass die Geschichte nicht so schön endet, wie sich das viele Leser gewiss gewünscht haben. Es muss nicht immer auf ein rosarotes Hollywood-Happy-End hinauslaufen. Trotzdem bin ich nicht glücklich, denn es findet ein erheblicher Stilbruch zwischen Buch 2 und 3 statt. Der ist zwar nicht so sehr inhaltlicher, aber dafür emotionaler und literarischer Natur.

Autorin Suzanne Collins weckt Erwartungen und Hoffnungen, die sie nicht erfüllt. Das hat nichts mit einem guten/schlechten Ende zu tun, sondern dass sie mal eben den ganzen Erzählstil auf den Kopf stellt. Über zwei Romane hinweg baut sie behutsam eine Handvoll Charaktere auf, lässt sie sich entwickeln, ein Beziehungsgeflecht zueinander aufbauen und den Leser daran Teil haben. Ihr Roman spielt vor allem in diesem Mikrokosmos, die große, böse Welt dient lediglich als Kulisse. Im letzten Teil nimmt sie dann einen Vorschlaghammer zu Hand und legt all das vorher mühsam Aufgebaute innerhalb weniger Seiten in Schutt und Asche. Aus einem Abenteuer-Jugendbuch wird eine Kriegsberichterstattung. Von der Nahaufnahme zoomt sie plötzlich in die Totale.
Der dritte Teil bewegt, berührt und wühlt auf, aber eben auf ganz andere Weise als die Vorgängern. Es ist kein sympathisierendes Mitfiebern mehr, sondern besitzt die verschreckende Faszination eines Autounfalls. Die Ereignisse mögen sich zwar realistisch in das Gesamtgeschehen einfügen. Die Art und Weise wie sie geschildert und von den Hauptpersonen (und damit dem Leser) erlebt werden, passt aber nicht zu der Perspektive der ersten beiden Bände.

Der Trilogie als Gesamtheit fehlt der rote Faden, eine kontinuierliche Entwicklung und ein in sich schlüssiger Spannungsbogen. Wie kann der Leser sich mit einer Hauptperson identifizieren, die im Vergleich zu den ersten Büchern kaum wieder zu erkennen ist und überdies selbst das Interesse an ihrem Schicksal verloren zu haben scheint?

Suzanne Collins ist keine politische Berichterstatterin aus einem Krisengebiet, der es in erster Linie um Wahrheit und Realität gehen sollte (wir reden hier von einem Fantasy-SiFi-Roman). Sie schreibt Unterhaltungsliteratur für ein jugendliches Zielpublikum (zumindest lässt sie sich so vermarkten). Genau diesem Anspruch - "zu unterhalten" - wird sie aber im Abschlussband nicht mehr im gleichen Maße gerecht, wie in den Vorgängern.
Vielleicht war das auch nie ihre Absicht, vielleicht wollte sie die Leser absichtlich auf eine falsche Fährte locken, um dann besonders nachdrücklich zu schocken. Sollte das ihr Ziel gewesen sein, dann hat sie es gut gemacht. Ob das allerdings für den Leser spaßig und zufriedenstellend ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ein nachdrücklich in Erinnerung bleibendes Leseerlebnis ist es aber allemal.
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am 21. April 2012
Ich habe gestern den 3. Teil der Panem-Trilogie zu Ende gelesen und bin noch immer in seinem Bann, es hat mich derart mitgerissen und "gezeichnet", dass mir diese Geschichte nicht mehr aus dem Kopf will...ich wurde scheinbar "eingewebt"! ;)
VORSICHT SPOILER:
Ich möchte hauptsächlich etwas zu den negativen Rezensionen sagen, welche ich mir hauptsächlich durchgelesen habe, zumindest ein paar. Da ich nach diesem letzten Buch, wie auch den beiden Vorgängern keine einzige negative Assoziation habe.
Mir ist aufgefallen, dass viele der Negativrezensionisten das Buch scheinbar nicht richtig gelesen haben. Offene Fragen? Die genannten bleiben keineswegs offen, sie ergeben sich meist im Kontext, z.B. WARUM Katniss sich für Peeta und nicht für Gale entschieden, das kündigte sich schon im 2.Teil an, wurde stärker zu spüren als sie Peeta nach seiner Befreiung aus dem Kapitol wieder sah. (Ihr waren plötzlich Gales Gefühle "egal"), im 3.Teil gab es zwischen Gale und Katniss viel Streit und wenn Annäherung standfand, war sie wenig "wert", die Gedanken und Gefühle um Peeta wurden präziser, Katniss war sich spätestens nach dem Gespräch mit Finnick bewusst WAS genau sie für Peeta empfindet, auch als Peeta sie "hasste" und töten wollte sickerte das Gefühlsleben ans Tageslicht. In 1000 anderen Details war die Entscheidung schon recht weit am Anfang des 3.Teils für Peeta gefallen. Genauso wurde nicht offen gelassen, was mit Gale passiert ist, es wurde zwar nicht ausgeschmückt, aber erwähnt wurde er dennoch. Sicher hätte man sich gewünscht, dass man mehr über seine Gefühle und Gedanken erfährt, aber das geschah in allen 3 Teilen eher selten. Er schloss mit ihr quasi ab, als sie ihn auf die Falle ansprach (Bomben auf die Kinder), denn ab diesem Zeitpunkt war ihm klar ("....du wirst sowieso immer darüber nachdenken" - so oder so ähnlich ;)), dass er "verloren" hat. Es war ihm wohl schon klar, als er Katniss fragte, ob sie ihn für kaltherzig hält. Im Gespräch (im Keller von Tigris) mit Peeta deutete er das an, was sich auch durchaus bewahrheitet hat, dass Katniss denjenigen nehmen wird, der ihr überleben sichert (so oder so ähnlich), denn schlussendlich ist Gales Kampfeslust keine Grundlage für ein Überleben nach solchen Ereignissen. Peeta hat sie, nachdem sie Coin erschossen hatte, gerettet, sie vor dem Selbstmord bewahrt, somit ihr Überleben gesichert, schon da hätte man schalten können, dass Peeta es sein wird, der an ihre Seite gehört (auch wenn Katniss selbst es nicht so wollte, sondern lieber von Gale erschossen werden wollte).
Jmd. schrieb noch, dass unersichtlich war, warum sie Coin tötete, für mich persönlich, Glas klar, es war Rache, insgeheim glaubte sie Snow, warum auch nicht, was hätte er noch zu verlieren gehabt? Kurz bevor sie auf Coin zielte, erinnerte sie sich auch an die Worte ("Ach mein liebes Fräulein Everdeen, wir wollten doch immer ehrlich zueinander sein!"), sie suchte also Vergeltung für ihre Schwester und das sie als Marionette genutzt wurde. Coin war nicht besser als Snow und das erkannte sie und verhinderte damit eine neue "Schreckensherrschaft", Snow war ja sowieso dem Tod geweiht. Das sie den erneuten Hungerspielen zu stimmte, hatte nur einen Grund, sie wollte, dass so wenig wie möglich Leute sterben, genau das, kommt auch kurz vorher im Buch vor. Sie wollte immer den geringsten Schaden an Leib und Leben "anrichten", erreichte aber oft das Gegenteil, leider. Wieder eine Sache, die sie und Peeta gemeinsam haben und nicht Gale, er war von Anfang an (1. Buch) auf Rache, Vergeltung und Kampf/ Jagt aus.
Auch etwas, was ich nicht verstehe an den Negativstimmen, viele beschreiben, dass liebgewonnene Charaktere plötzlich unsympatisch werden. Gale war mir immer nicht sonderlich sympatisch, das einzig sympatische war die Liebe zu Katniss. Als Person an sich, war er nicht gerade ein herzensguter Mensch, das wurde auch in vielen Passagen des 1. und 2. Teils "angekündigt".
Das Peeta "durchdrehte" hatte ja auch einen "simplen" Grund, er war ja nicht mehr er selbst, dann ist ja ganz logisch, dass er als "Kapitol-Mutation" nicht gerade nett sein wird.
Haymitch wurde mir übrigens immer sympatischer.
Das Katniss IRGENDWANN resigniert und sich verändert ist, für mich, natürlich eine logische Schlussfolgerung der Ereignisse. Welches 17-jährige Mädchen wäre in dieser Situation "sie selbst" geblieben? Das wäre mir äußert merkwürdig vorgekommen, unsympatisch wurde sie mir nie, sie tat mir nur noch Leid.
Wer sonst wurde denn unsympatisch?

Die Liebesgeschichte: Wer genau gelesen hat, muss doch gemerkt haben, dass die kurzen und pregnanten Stellen keineswegs in eine "Alle-sind-happy-Lovestory" führen konnte. Unter diesen Bedingungen? NIEMALS!! Sie waren oft kurz umrissen, schnell unterbrochen, die ganze Zeit über. Das nachher nicht DAS Happy-End folgt, fand ich nur allzu passend. Es geht hier um Krieg, gebrochene JUNGE Menschen, wo soll in dieser Schrecklichkeit überhaupt Platz für Gefühle sein?
Es war ja ein Happy End vorhanden und zwar eines, was passgenau auf den Rest der Bücher abgestimmt ist. Hätte man diese Liebesduselei noch ausgebaut und eine Vereinigung aller erster Güteklasse "zelebriert" (Wie hier jmd. schreib: "Eher ein Blubb als ein Knall") wäre es mehr als nur nicht glaubhaft gewesen.
Auch der Epilog zerstört mir das Buch nicht, es ist weder eine Fortsetzung auszuschließen, noch der krönende Abschluss versaut.

Weiterhin wurde bemängelt, dass viele "liebgewonnene" Charaktere sterben und das auch nocht kurz und brutal. Was soll ich sagen? Es ist ein weiterer Bestandteil der "Glaubwürdigkeit", es haucht dem ganzen diese eiskalte Realität ein. Es verleiht den Büchern "das Leben". Unser Leben, hier und jetzt, ist gezeichnet von diesen Greueltaten. Überall auf unserer Erde spielen sich diese Dinge doch ab, da überlebt auch keiner, nur weil man ihn lieb gewonnen hat. Leider. Und ja, es passiert oft brutal und kurz. Schreckliche, blutige Beschreibungen des Kriegsgeschehens, Detailtreue, all diese Dinge machen die Trilogie doch zu dem was sie ist, sie verbindet Fakt mit der Fiktion. Das das nicht "schön" ist, ist wohl jedem klar, wer "Schön" will, muss kitschige Lovestorys lesen oder Liebeleien zwischen Vampiren (die ich übrigens auch sehr mag ;)). Nun haben wir hier aber etwas gänzlich anderes und nicht mit "Biss" und Co. zu vergleichen, dennoch herausragend oder gerade deshalb?

FAZIT: Die Bücher, vor allem auch das letzte Buch, sind ein Meisterwerk!!! Absolut zu empfehlen!! Jedoch sehe ich es überhaupt nicht als "Jugendbuch", eine Person unter 16, kann wohl kaum den Umfang des Buches begreifen.
Das einzige Nagative was, für mich, zurück bleibt ist, dass ich gern noch mehr hätte, noch ewig diese Bücher lesen würde, niemals aufhören, aber das geht mir sehr oft bei sehr guten, perfekten Büchern so. Wenigstens gibt es noch die Filme! :D Ich hoffe auch sehr, dass Suzanne Collins vielleicht in den nächsten Jahren ein weiteres, solch unfassbars Meisterwerk gelingt und wir alle daran teilhaben dürfen. Das wäre mein abschließender Wunsch.
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am 11. September 2012
Ich muss der eigentlichen Rezension vorausschicken, dass ich die ersten beiden Bände der Panem-Trilogie wirklich genossen und innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Suzanne Collins hat in diesen Bänden ein solch feines Gespür für liebenswerte (und dennoch komplexe) Charaktere, glaubhafte Welten und stimmiges Erzähltempo bewiesen, dass ich keinen Zweifel daran hatte, dass "Flammender Zorn" der Trilogie zu einem würdigen Abschluss verhelfen würde.

Enthält Spoiler

Leider krankt "Flammender Zorn" an Stilbrüchen und Schwächen, die unübersehbar sind. Die beinahe kammerspielartige Atmosphäre der Duelle in den Arenen muss im dritten Band einem lärmenden und blutigen Kampf gegen die anonymen Heerscharen des Kapitols weichen. Und auch wenn die Charaktere in Collins' Roman ständig Parallelen zwischen den Hungerspielen und dem Krieg gegen das Kapitol bemühen, ist letzterer doch weit weniger atmosphärisch dicht als der Kampf gegen den "vertrauten Feind" in der Arena. So zieht die Protagonistin Katniss in der ersten Hälfte des Romans stumpf von Distrikt zu Distrikt, schiesst gesichts- und namenlose Feinde vom Himmel und dreht Propagandavideos zur Stärkung der Truppenmoral. Das wird von der Autorin alles gewohnt flüssig erzählt und ist auch nicht wirklich langweilig, aber zum emotionalen Mitfiebern regt es nicht an.

Doch nicht nur der Umstand, dass hier Subtilität gegen den Holzhammer und Spannung gegen brachiale Action getauscht worden ist, hinterlässt Fragen. Auch die generelle Motivation von Katniss' Handeln wird nicht deutlich herausgearbeitet. Ja, sie äußert leise Zweifel an ihrer Rolle als Postergirl der Revolution, ja sie lässt sich unter anderem in diese Rolle drängen, weil ihr dafür Straffreiheit für Peeta zugesichert wird - trotzdem bleibt der Leser irritiert zurück, wenn Katniss sich von den Rebellen wie eine willenlose Schachfigur von A nach B und wieder zurück schieben lässt. Collins hat ja bereits geäußert, dass sie ihre Trilogie durchaus als ernste, zeitgenössische (Kriegs-, Medien-, Gesellschafts-) Kritik verstanden wissen will. Deshalb ist es im Sinne der Authentizität auch absolut plausibel, dass allzu plumpe Gut-Böse Gegensätze vermieden werden und die "guten" Rebellen in Katniss ebenfalls nur eine notwendige Spielfigur zum Erreichen ihrer Ziele sehen. Dadurch dass Katniss diese Rolle aber widerstandslos annimmt und sich mehr oder weniger passiv und lethargisch in ihr Schicksal fügt, scheint sie nur noch wenig mit der Figur gemein zu haben, die man in den ersten beiden Bänden der Trilogie kennengelernt hat.

Wenn Katniss dann aber doch mal aktiv wird, zeigt sich, dass "Flammender Zorn" noch ganz andere Probleme als eine inkohärente Figurenzeichnung hat. Nämlich Probleme mit einer nachvollziehbaren Plotentwicklung. Im letzten Drittel des Buches beispielsweise, führt Katniss einen kleinen Soldatentrupp auf eigene Faust tief ins Herz des Kapitols, um ... ja, warum eigentlich? Angeblich, weil sie diejenige sein will, die Präsident Snow das Leben nimmt. Dies ist ihr zu jenem Zeitpunkt allerdings schon längst zugesichert worden! Nichtsdestotrotz schickt sie ihren kleinen Trupp auf eine verlustreiche Selbstmordmission durch die Abwasserkanäle des Kapitols - nur um zu sehen, dass die Rebellenarmee die Stadt sowieso schon fast eingenommen hat und ihre kleine Schwester sogar vor ihr am Ziel der Mission, dem Präsidentenpalast, eingetroffen ist. Der Sinn von Katniss' Harakiri-Aktion, durch welche mehrere Charaktere ihr Leben lassen müssen, wird nie wirklich klar. Die Beiläufigkeit und Lieblosigkeit mit der erwähnte Charaktere von Collins über den Jordan geschickt werden, soll eventuell die Grausamkeit des Krieges verdeutlichen, der keine Zeit lässt, etwaige Opfer zu betrauern. Trotzdem scheint es wenig angemessen, dass Figuren, die von der Autorin über einen langen Zeitraum behutsam aufgebaut wurden, in einem knappen Nebensatz den Tod finden und anschließend nicht mehr erwähnt werden.

In den ersten beiden Bänden hielten sich die Grausamkeiten in der Arena und intime, zarte, hoffnungsvolle oder reflexive Momente stets die Waage. In solchen dialoglastigen Momenten wurden dann die Beziehungen zwischen Ich-Erzählerin Katniss und den anderen Figuren vertieft, was nicht nur für die Figurenentwicklung förderlich war, sondern auch eine willkommene Abwechslung für den Leser darstellte. Auch die Schlachtplatte in "Flammender Zorn" wäre wohl leichter zu verdauen, wenn es diese Form der Abwechslung gäbe, wenn die ersten 200 Seiten nicht überwiegend repetitive Kriegsszenarien abarbeiten würden. Leider sind die meisten jener Charaktere, mit denen Katniss die oben erwähnten Momente in den ersten beiden Bänden teilen konnte, in "Flammender Zorn" abwesend oder an die Leine gelegt. So einleuchtend die Gefangennahme Peetas war, um Katniss' Handeln und ihre Labilität verständlich zu machen, so sehr fehlt Peeta ihr als Interaktions- und Gesprächspartner. Mit Gale gibt es zwar zunächst einige, wenige intime Momente, allerdings wird Gale in den Augen des Lesers im Laufe des Romans zunehmend dekonstruiert. Wenn er beispielsweise dafür plädiert, die Bewohner von Distrikt 2 unter den Trümmern des Berges sterben zu lassen, lässt ihn dies herzlos und beinahe grausam erscheinen. Analog dazu dient die Szene, in der Gale die perfide Bombentaktik (Helfer anlocken und dann sprengen) befürwortet, die später eventuell Prim das Leben kostet. Solche Sequenzen sind wohl erzählerische Kniffe, die Katniss' Wahl für Peeta und gegen Gale vorbereiten. Aber sie disqualifizieren Gale gleichzeitig als den notwendigen Gesprächspartner auf moralischer Augenhöhe, der "Flammender Zorn" gut getan hätte. Durch die Abwesenbheit/Dekonstruktion Peetas und Gales wird also nicht nur der Entwicklung der Dreiecksgeschichte der Wind aus den Segeln genommen, es bedeutet auch, dass sich Katniss zunehmend in ausschweifenden Monologen verliert, die - trotz der grausamen Situation, in der sich die Protagonistin befindet - teilweise unangenehm selbstmitleidig und weinerlich wirken.

Das Ende an sich misfällt mir eigentlich gar nicht. Dass Teenager, die einen Krieg erlebt haben, zum Töten gezwungen wurden und geliebte Menschen verloren haben, nicht ohne seelische Narben davonkommen können, ist kaum verwunderlich. Im Gegenteil, wie lächerlich hätte wohl ein Ende gewirkt, in der sich alle fröhlich die Hände reichen und optimistisch in die Zukunft schauen. Was mich aber am Ende stört, ist, wie lieblos, beiläufig und lapidar es abgearbeitet wird:

Katniss' Mutter? Die arbeitet jetzt in einem anderen Distrikt und lässt ihre labile Tochter - ihr einziges verbliebenes Familienmitglied - allein. Kein aufklärender, abschließender Dialog mehr zwischen den beiden. Keine weiteren Erklärungen Sie ist einfach weg.
Gale? Ihre älteste Bezugs- und Vertrauensperson (außerhalb der Familie), ihr bester Freund, mit dem sie eine so lange Vergangenheit teilt, hat in Distrikt 2 eine neue Arbeit gefunden und "küsst jetzt wahrscheinlich die Lippen einer anderen". Keine dialogische Szene zwischen den beiden, keine Verabschiedung, kein Abschluss.
Peeta? Ja, der ist irgendwann auf einmal wieder da, ist nicht mehr verrückt und jetzt liebt Katniss ihn auch.

Nicht falsch verstehen, ich hab Peeta während der ganzen Lektüre "die Daumen gedrückt" und gehofft, dass Katniss ihn wählt, aber dass die Auflösung, warum sich Katniss für ihn entscheidet (sie braucht Peetas Güte und nicht Gales Feuer...), der Autorin nicht mehr als einen Satz Wert ist, erscheint schon eher schwach.

Dass manchen Leser solch ein unmotivierter, wenig detaillierter Abschluss im Zeitraffer eher unbefriedigt zurücklässt, darf nicht verwunden. Es muss ja nicht unbedingt ein episches, hundertseitiges Herr der Ringe Ende sein, aber ein wenig mehr Informationen oder einen "romantischen Showdown" zwischen Katniss-Peeta-Gale hätte man sich schon gewünscht. Dieser (Haupt)handlungsstrang, das Schicksal der drei Hauptcharaktere wird, wie gesagt, leider innerhalb einiger weniger Sätze abgehandelt. Dies verwundert vor allem deshalb, weil Suzanne Collins auch immer dann am stärksten ist, wenn sie ihren Charakteren genügend Raum gibt, die passenden Worte auszusprechen: Peeta, der Katniss auf dem Dach erzählt, er wolle diesen Moment einfrieren und für immer in ihm leben. Peeta, der Katniss gesteht, dass seine Albträume immer nur davon handeln, dass er sie verliert - und alles wieder in Ordnung sei, wenn er sie neben sich liegen sieht. Peeta, der Katniss davon überzeugen will, dass er in der Arena sterben müsse, da sie sein ganzes Leben sei und er ohne sie nie wieder glücklich werden könne. Das alles schrammt zwar haarscharf an der Grenze zum Kitsch vorbei, aber Collins schafft es, solche Sätze trotzdem rührend und vor allem glaubhaft klingen zu lassen. Umso unverständlicher, dass Collins ihre Charaktere hier nicht selbst sprechen lässt, um deren Entscheidungen, Gefühle und Motivationen glaubhaft, erfahrbar und nachvollziehbar zu machen, sondern dass der Leser alles nur retrospektiv und stark abgekürzt aus Katniss' Mund erfährt. Da kann dann auch der niedliche Dialogschnipsel "You love me. Real or not real? - Real!" nichts mehr daran ändern, dass das Ende einen eher durchwachsenen Eindruck hinterlässt. Die behutsame Charakterentwicklung aus den ersten beiden Bänden wird durch den abrupten Tempowechsel einfach zu sehr konterkariert.

Warum bei all der Kritik trotzdem drei Sterne? Weil ich das Buch spannend fand. Weil ich die Welt, die Collins geschaffen hat, faszinierend finde. Weil ich Collins' Schreibstil und ihr Gespür für Timing und Tempo bewundere. Weil auch Band 3 emotionales Achterbahn-Lesevergnügen bietet - wenn auch nicht in dem Maße, wie die ersten beiden Bände. Weil mir die Figuren mittlerweile ans Herz gewachsen sind. Weil ich die Kritik an Medien, Gesellschaft und Krieg, die die Autorin übt, treffend finde. Weil ich "Flammender Zorn" nicht für einen fehlerfreien, aber trotzdem einigermaßen runden Abschluss der Trilogie halte.

Und letztendlich darum, weil ich auch dieses Buch kaum aus der Hand legen konnte, nachdem ich einmal angefangen hatte zu lesen. Und das ist für mich einfach ein untrügliches Zeichen dafür, dass "Flammender Zorn" - bei aller Kritik - eine Lektüre war, die ich nicht bereue.
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am 28. Juni 2011
Ich war vom 1. Teil begeistert und fand auch den 2. sehr spannend. So viele Rezensionen mit fünf Punken - da erlaube ich mir, es bei der Kritik zu belassen:
Die Geschichte endet, man kann es nicht anders sagen, richtig fade. Genau genommen ist sie zu keinem Zeitpunkt auf Touren gekommen und ein aufmerksamer Leser wird einige nervige Wiederholungen feststellen. Sogar die gute Katniss hat sich inzwischen in einen richtigen Zombie verwandelt, der keiner "normalen" Gefühlsregung mehr fähig ist.
Dieses ewige "sie liebt mich, sie liebt mich nicht" zwischen ihr und Peeta geht einem langsam auf die Nerven.
Am schlimmsten finde ich die Gewaltbeschreibung. Klar, die ganze Story ist als Jugendbuch grenzwertig und ich verstehe die Leser, die den Stoff als an die niedersten Triebe appellierend ablehnen, aber immerhin hat die Autorin sich in den ersten beiden Bänden bemüht, auf die Details zu verzichten. Im dritten jedoch geht es mit ihr durch. Da muss sie - wie man derb sagt - so richtig die Sau raus lassen. - Das ganze Kapitel mit den Bomben auf Kinder ist einfach nur ekelhaft. Das war schon beim "Gregor" so. Auch der ist von Band zu Band unappetitlicher geworden.
Am Schluss gibt es viele Tote - es sind auch Menschen dabei, von denen man dachte, sie würden es schaffen - und einen schmalzigen Schluss. Nein, das war nichts.
Und meine Tochter, die den ersten Band am Stück aufgefressen hat, war stinksauer.
11 Kommentar26 von 32 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 7. Dezember 2015
Durch den ganzen Hype um die Filme und Co. bin ich neugierig geworden und hab es dann gewagt das Buch zu lesen.
Dabei war ich zunächst sehr angetan von den ersten beiden Bänden, während der letzte leider bei mir keinen guten Eindruck hinterlassen hat.

Beginne ich erstmal mit dem positiven.
Die Autorin hat einen sehr angenehmen Schreibstil und kennt Haupt- und Nebensätze.
In letzter zeit hatte ich oft das Gefühl, dass ein wenig Anspruch an einen Schreibstil bei den neuen Autoren abhanden gekommen ist.
Das Buch ließt sich flüssig und gut, sodass man sich komplett in die Handlung stürzen kann.

Da kommen wir auch schon zu den Schwächen des Buchen.
Vielleicht liegt es daran, dass es ein Jugendbuch ist, aber für mich sind die Prioritäten falsch gesetzt.
Fast 3/4 des Buches beschäftigen sich mit dem Aussehen von Distrikt 13, den Kleidern, den täglichen Lebensablauf.
hinzu kommen diverse Krankenhausaufenthalte von Katniss und Versteckspielchen im Kleiderschrank.
An manchen Stellen durchaus nachvollziehbar, jedoch viel zu langatmig geworden.
Aus der taffen und mutigen Katniss, die für ihre Freiheit kämpft ist eine graue kleine Maus geworden die in Propos nach Regieanweisungen tanzt, auch wenn das Buch und weis machen möchte das dem nicht so ist.
Der Krieg und der Konflikt berühren einen einfach nicht.
Man hat selten Punkt wo das Buch uns in echte Handlungen mit nimmt und dann wird Katniss nur diverse Male verletzt und landet wieder im Krankenhaus.
Verschiedene Taktiken oder Gründe warum dies oder jenes geschieht entzieht sich einfach komplett dem Leser.
Man ist gar nicht lang genug an einem Ort um mit verletzten Menschen mit zu fühlen.
Als Katniss endlich einmal in die Situation kommt selbst Entscheidungen zu treffen geschehen diese völlig banal und grundlos.
Man tötet eine große Anzahl an ihre Teammitgliedern, doch wirklich schockierend wirkt es nicht weil man kaum zeit hat einen Charakter näher kennen zu lesen und der Tod so banal daher geht.
Endlich am Ziel angekommen, hat Katniss nichts zur Rebellion bei zu tragen. Alles was wir von dieser Mission haben ist eine Textfülle an sterbenden Menschen und einigen kranken Ideen der Spielmacher.
Das Buch bleibt einfach zu Oberflächlich.
Wo am Anfang noch sehr detailliert jeder Zeitablauf in Distrikt 13 erörtert wird, da wird zum Finale hin einfach alles nur überrannt und übersprungen sodass man sich einfach wundert auf einmal am Ziel zu sein.

Wirklich unnötig ist auch ihre Zusammenkunft mit Peeta. Sie brauch ihn für ihren labilen Zustand?
Liebloser geht es wohl kaum. Man hätte sich am Ende einfach etwas mehr gewünscht für die beiden als Paar.
Es fehlt einfach der funken Emotion im gesamten Buch.

Sicherlich hätte es dem Buch gut getan auch in 2 aufgeteilt zu werden wie der Film.
Dann wäre einfach mehr Zeit für eine echte Ausarbeitung der Charaktere geblieben.
Es ist vielleicht ein unterscheid ob man 24 Charaktere in eine Arena schickt (wobei wir davon auch nur einen kleinen Teil wirklich kennen gelernt haben), oder ob man eine große Menge neuer Figuren einführt ohne auf ihre Persönlichkeit eingeht und sie direkt in ein großes Kriegstreiben schickt.

Es ist wie es ist.
Aber trotzdem hat es Spaß gemacht das Buch zu lesen, daher bleibt meine Bewertung einfach Hin und Her gerissen.
Es war OK, hätte aber grandios werden können. Doch mit der Meinung bin ich wohl nicht allein.
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am 12. Januar 2014
Die 75. Hungerspiele sind vor und dennoch ist nichts so, wie es einmal war. Den Rebellen aus Distrikt 13 ist es gelungen, Katniss aus der Arena zu befreien. Sie ist schwer verletzt, aber es gelingt ihnen, sie zu retten und dennoch, die Katniss, die es einst gegeben hat, die gibt es nicht mehr, denn die Rebellen haben zwar sie gerettet, aber Peeta haben sie zurückgelassen. Er ist nunmehr ein Gefangener des Kapitols. Was das bedeutet ist Katniss klar, denn Präsident Snow würde alles tun, um die 17-jährige zu brechen und mit Peeta hat er die beste Waffe dazu in der Hand. Auch nach Hause kann Katniss nicht mehr, denn dieses Zuhause gibt es nicht mehr. Snow hat binnen Minuten, nachdem die Rebellen Katniss befreit haben, Distrikt 12 zerstört. Nur etwa 800 Menschen, gerade einmal 10 % der Bevölkerung von Distrikt 12 ist die Flucht gelungen.

Katniss ist zurückgekehrt an den Ort, an dem sie aufgewachsen ist und muss erkennen, dass nie wieder etwas so sein wird, wie es war. Katniss beschließt, sich aktiv den Rebellen anzuschließen, denn eines ist gewiss: Präsident Snow muss sterben, wenn es je ein Ende mit den willkürlichen Zerstörungen und den Hungerspielen haben soll. Alma Coin, Präsidentin des Distrikts 13, heißt Katniss herzlich im Widerstand willkommen, denn die junge Frau ist zum Symbol des Widerstandes gegen das Kapitol geworden und damit die Verkörperung der Revolution gegen die jetzigen Verhältnisse. Doch so sehr Katniss es auch möchte, sie kann sich nicht vollen Herzens den Widerstand anschließen, denn sie weiß, alles was sie tut, hat Folgen für Peeta, der sich nach wie vor in der Gewalt Snows befindet.

Tatsächlich gelingt es den Rebellen, nach und nach, mit Hilfe der Bevölkerung, die übrigen elf Distrikte zu übernehmen. Doch die größte Schlacht steht ihnen noch bevor: Sie müssen in Kapitol eindringen und Präsident Snow habhaft werden, damit dieser von einem Gericht zum Tode verurteilt wird. Doch das Kapitol ist so gut wie uneinnehmbar. Einer kleinen Gruppe von Rebellen gelingt es, in das Kapitol einzudringen, doch was sie dort miterleben müssen, damit hätten sie im Leben nicht gerechnet. Doch eines steht fest, dieser Kampf wird endgültig entschieden, mit einem Bürgerkrieg - Mann gegen Mann ...

Der 3. Band der Tribute-von-Panem-Trilogie! Der Plot wurde realistisch und spannend erarbeitet. Sicherlich kann man nicht alle beschriebenen Wesen für real erachten (hier die Mutanten), jedoch empfand ich gerade die Sturmtrupps, die Kämpfe, die Verluste, als sehr überzeugend dargestellt. Die Figuren wurden wieder durchaus authentisch erarbeitet, aber ganz ehrlich, ich finde Katniss hat sich in diesem Band nicht unbedingt von ihrer besten Seite gezeigt. Irgendwie beschlich mich die ganze Zeit das Gefühl, dass das rebellische Mädchen, das bei ihren ersten Hungerspielen antreten musste, irgendwo ganz gewaltig auf der Strecke geblieben ist. Gefühlt hat sie in diesem Band sehr viel Integrität und Eigenständigkeit eingebüßt. Den Schreibstil empfand ich wieder als sehr angenehm zu lesen, sodass ich das Buch am Stück gelesen habe, aber ich bin dennoch etwas enttäuscht. Ich hatte ein packendes und fesselndes, ja fulminantes Finale erwartet und irgendwie, ich weiß nicht, ist das wahrscheinlich während der ganzen Kampfszenen irgendwo abhanden gekommen.
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am 13. Dezember 2013
Dieser Band passt für mich nicht ganz in die Trillogie, weshalb er von mir auch einen Stern weniger bekommt als die anderen beiden.

Ich habe von einigen gehört, dass es sie stört, dass Katniss in diesem Teil als "schwach" dargestellt wird, während sie in den früheren beiden Teilen immer die "Starke" war. Dem kann ich nicht wirklich zustimmen. Ich glaube nicht, dass sie als schwach dargestellt wird - zumindest war das nicht die Absicht der Autorin.

Nein, sie ist eher gebrochen, denn genau das ist es, was ihre Gegner im Buch erreichen wollen. Sie wollen das Mädchen brechen, das sie verhöhnt und ihrer Meinung nach herausgefordert hat. Und man darf halt auch nicht vergessen, dass sie ein 17-jähriges Mädchen ist, das nie erfahren hat was Liebe ist und sie vor allem auch nicht versteht. Sie versteht ihre Gefühle nicht und sie versteht nicht, wie sie damit umgehen soll. Das ist meiner Meinung nach das, was die Autorin in diesem Band mit Katniss darstellen wollte.

Für mich gelingt ihr das aber nur begrenzt. Die innere Zerrissenheit des Mädchens blitzt zwar immer wieder durch, die meiste Zeit ist die Autorin aber damit beschäftigt sie heulend durch die Gegend rennen zu lassen und das zu beschreiben anstatt dem, was in Katniss vorgeht. Das ging mir bei ca. 2/3 des Buches dann allmählich auf die Nerven.

Ich finde es mutig und gut, dass die Autorin in diese Richtung gehen wollte, weil es eine konsequente Entwicklung des Charakters darstellt. Aber anstatt Verzweiflung hat sie Weinerlichkeit gezeigt; anstatt Unsicherheit war es Unentschlossenheit und in letzter Konsequenz hat sie Katniss Gefühle für Peeta und Gale nie wirklich versucht dargestellt - auch ein Manko, das ich diesem Band vorhalte. Der Konflikt in Katniss darüber, dass sie einfach nicht weiß was sie für die beiden empfinden soll und ob die Gefühle für den einen jetzt stärker sind als für den Anderen... das kommt einfach nicht bei mir rüber.

Von der Story her hat mich gestört, dass es zu viele neue Charaktere gab. Sie werden eingeführt und sollen die Heldin beeinflussen, aber sie werden als Charakter nie wirklich ausgemalt, denn dann hätte man einen vierten Band benötigt - bei der Menge der Charaktere. Und so kommt es, dass viele Details der Charaktere in Nebensätzen kurz aufblitzen um dann nie wieder angesprochen zu werden. Dafür werden schon bekannte Charaktere vernachlässigt und man versteht irgendwann nicht mehr wirklich warum diese das tun, was sie tun - und was in ihnen vorgehen könnte.

Okay, jetzt kann man sagen, das Buch ist schließlich aus der "Ich"-Perspektive von Katniss erzählt und die kennt das Innerste der anderen Charaktere schließlich auch nicht. Aber hier hätte man trotzdem eine Entwicklung dieser Charaktere aufzeigen können anhand dessen was Katniss so mitbekommt.

Insbesondere vermisse ich hier die Entwicklung von Peeta. Er vollzieht innerhalb der letzten 100 Seiten eine beinahe 180° Wende und es wird nicht im Geringsten darauf eingegangen, wie er das geschafft hat. Immerhin ist er der zweite tragische Charakter der Story, da hätte ich etwas mehr Aufmerksamkeit erwartet.

Aber auch das Verhältnis zu Gale wird nur bruchstückhaft angesprochen und vermutlich ist es deshalb für viele am Ende auch derartig unbefriedigend, wie das Verhältnis der beiden am Ende aussieht. Da gibt es genau wie bei den anderen keine Entwicklung. Es gibt einen Ausgangszustand und einen Endzustand. Dazwischen liegen zwei Dutzend kämpfe und jede Menge Flennerei.

Das Buch soll die Abscheulichkeit, Sinnlosigkeit aber auch Wiederholbarkeit von Krieg erzählen aber es verkommt zum Lammentieren eines kleinen Mädchens, das nicht mehr weiß, wo es hingehört.

Natürlich ist sie immer noch nur ein Kind und es ist selbstverständlich, dass sie Probleme mit der ganzen Situation hat, dass sie überfordert ist und eigentlich mit dem Ganzen Mist in Panem nichts mehr zu tun haben will - aber leider wird das so nicht dargestellt. Stattdessen wird darauf rumgeritten, dass sie als geistig instabil gilt und dass sie ständig ihre Meinung zu gewissen Dingen und Leuten ändert - ohne dass das Warum dieser Änderung irgendwo deutlich wird.

Die Entscheidung, die Katniss kurz vor dem Ende im Kapitol trifft wird nie wirklich erläutert und die Konsequenzen daraus sind lächerlich schlecht dargestellt. Auf mich hat dieser Teil des Endes so gewirkt als wollte die Autorin endlich fertig werden, weil sie einfach nicht mehr wusste, wie sie es sonst hätte glaubhaft machen können.

Was ihre Entscheidung für Peeta oder Gale betrifft so halte ich diese - ohne einen Spoiler schreiben zu wollen - allerdings im Gegensatz zu einigen anderen für durchaus schlüssig. Es passt zur Charakterentwicklung von Katniss und ist gerade nach den Ereignissen in Band 3 die einzige mögliche Entscheidung. Die Erklärung im Buch finde ich trotzdem zu lasch, da hätte man auch noch 20 Seiten mehr für schreiben können und alle wären zufrieden gewesen.

Wie man diesen Band sinnvoll verfilmen will ist mir noch nicht klar, da in diesem Band das Innenleben der Protagonistin viel, viel entscheidender ist als der eigentliche Ablauf der Ereignisse während des Krieges. Aber ich werde mich überraschen lassen und hoffe, dass die Heldin dann nicht auch so inkonsequent dargestellt wird wie im Buch.

Ich hadere noch immer mit mir ob ich 2 oder 3 Sterne geben soll... aber ich bleibe bei 3 denn die Idee der Story ist gut, auch wenn die Umsetzung Mängel hat.

Insgesamt hätte ich es trotzdem besser gefunden, wenn man einen Teil dieses Bandes noch in Band 2 gepackt hätte und dafür dann in Band 2 etwas mehr auf die "wichtigen" neuen Charaktere und vor allem auf die Tragik der Helden mit eingegangen wäre.

Aufgrund des Inhalts halte ich diesen Band mehr als die anderen für Kinder unter 12 für sehr fragwürdig.
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am 4. Januar 2013
Vielleicht sollte ich vorweg erwähnen, dass es mehr Zufall war, dass ich diese Trilogie gelesen habe. Fehlendes Interesse vielleicht; Ich kann es nicht genau sagen. Der erste Teil ist mir dann doch irgendwann unter gekommen und die sauber und nachvollziehbar entwickelten Charaktere aber insbesondere die überzeichnete „BigBrother sucht den Superstar Szenerie“ haben mich bewogen den zweiten und schlussendlich auch den dritten Teil zu lesen.

Die Autorin beschreibt über die ersten zwei Bände eine düstere Welt wie sie nach einem verherenden Krieg durchaus existieren könnte. Menschen in Armut, versklavt und mit eisener Faust regiert. Die Figuren von Katniss und Gale aus Distrikt 12 „Robin Hood“-Charaktere die versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Danneben die Arena, ein künstlicher Raum in dem alles möglich ist, rotierende Inseln, unsichtbare Mauern und Mutationen gelenkt von Spielemachern zur Unterhaltung des Volkes "Panem et circenses" eben. Immer aus Sicht der Protagonistin. Das Gerücht einer besseren Gesellschaft, Distrikt 13, ein Traum, ein Strohhalm der Katniss am Ende des zweiten Teils mit voller Härte trifft.

Katniss wurde im ersten und zweiten Teil der Serie viel zugemutet und sie ist dadurch immer stärker geworden. Am Beginn des dritten Teils wird der Charakter invertiert. Der ausgeprägte Lebenswille ist ausgelöscht und mit ihm die Wärme. Ihr Verantwortungsbewusstsein für sich selbst und vorallem für andere weicht den Eigenschaften eines trotzigen Kindes das sich bei jeder Gelegenheit weinend im Schrank versteckt. Mit viel Hingabe wurde sie gezeichnet und wenig kreativ gebrochen, faktisch aus der Handlung genommen, willenlos und unselbstständig. Möglicherweise liegt es an den unmengen von Drogen die sie bei ihren permanenten Aufenthalten auf der Krankenstation erhält. Eine glaubwürdige Erklärung sucht man vergebens.

Nachdem Katniss also bereits zu Beginn tragisch ins Abseits gestellt wird bleibt mehr Raum für einen Krieg der nicht so ganz in die Welt außerhalb der Arena passt. Die Autorin hat versucht die Grenzen der Arena um ganz Panem zu spannen. Gleichzeitig wurden aber auch die Regeln mit übertragen. Wenngleich ich die Idee sehr gut fand, die Umsetzung ist eher holprig und unglaubwürdig. In der erschaffenen Realität sind plötzlich Dinge möglich die nur in der Arena existiert haben. Ob die Darstellung der Ereignisse in einem Jugendbuch tatsächlich in der Form sein müssen möchte ich bezweifeln.

Fazit:
Katniss zu brechen am Ende des Krieges wäre nicht zu früh gewesen. Sie jedoch bereits am Beginn des dritten Teils aus der Geschichte zu nehmen scheint etwas übertrieben und sehr schade. Komplexe Motive wie Liebe und Verantwortung weichen dem primitiven "Ich töte Snow". Zu wenig um sich damit identifizieren zu können.

Dennoch ist die ganze Reihe lesenswert.
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TOP 100 REZENSENTam 30. Januar 2011
Die ersten beiden Bände habe ich verschlungen und konnte es kaum erwarten, dass endlich der dritte erschien. Vorab bestellt, am Erscheinungstag von der Familie abgemeldet und mich mit Buch verzogen!
Auch dieser Band hatte mich sehr schnell wieder in seinen Fängen. Erhoffte ich doch endlich zu erfahren ob Peeta befreit werden kann, was sie gegen das Kapitol ausrichten können und schließlich, für wen sich Katniss am Ende entscheidet, Peeta oder Gale.
Achtung - hier kommen Inhaltsangaben:
Es wurde gekämpft, gefilmt, gewartet und wieder gekämpft doch so richtig voran gehen wollte es nicht. Egal in welcher Hinsicht, weder was den Erfolg im Kampf, die Befreiung von Peeta bzw. das Gefühlschaos in Katniss anging.
Überhaupt wurde mir darauf zuwenig eingegangen.
Endlich - nach etwas 2/3 des Buches kam Katniss raus aus Distrikt 13 und ging in den Kampf. Dort wurde es wieder packender und man zitterte - wie aus Band 1 und 2 gewohnt - mit ihr. Doch abruppt kam das Ende und ließ mich als Leser mit ganz vielen offenen Fragen zurück. Auf den letzten 3 Seiten und im Epilog (1,5 Seiten) erfährt man dann für wen sich Katniss im Endeffekt entschieden hat und welches Leben sie nach dem Sieg über das Kapitol führte.
Man erfährt nichts über Gale und sein Leben, über Peetas Tage nach dem Sieg. Was ist aus den anderen überlebenden Siegern geworden? Nur kurz und knapp, so nach dem Motto: auch das muss noch schnell abgehandelt werden. Schade, von Band 3 bin ich sehr enttäuscht. Er kann in Spannung und Schilderungsgenauigkeit in keinster Weise mit Band 1 und 2 mithalten.
Mittlerweile haben meine Tochter und eine Freundin das Buch auch gelesen und beide sind wie ich enttäuscht. Auch sie hatten eine Fortsetzung der Spannung wie in den vorangegangenen Bänden erwartet.
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am 7. Februar 2015
Ich habe das Buch vor etwa zwei Stunden zu Ende gelesen und bin immer noch ganz aufgebracht und verwirrt.
Teil 1 & 2 waren meiner Ansicht nach ausgesprochen gute Bücher. Der Erzählfluss, der nötige Spannungsbogen, die Beibehaltung des Schreibstils, das Ausbauen der Charaktere und -natürlich- auch das Spiel mit der Romantik zwischen Katniss, Gale und Peeta - alles da, zumindest für mich.
Dann bekam ich den -angeblich- flammenden Zorn in die Hände und bereits nach wenigen Kapiteln drängte sich mir der nervöse Verdacht auf, dass mich dieses letzte Buch als Triologieabschluss enttäuschen wird.
Collins verzettelt sich ständig in kleine Details, welche dies für mich nicht nötig hätten. Auf der anderen Seite fehlt es der Geschichte an wirklich entscheidenden Wendepunkten oft an Dynamik, Treue zum Detail und Aufklärung von Fragen.
Meiner Ansicht nach handelt es viel zu lange von Krieg, Blut, Gemetzel, Sterben von wichtigen Charakteren, Selbstmitleid, geistiger Verwirrtheit und ganz simpler Negativität. Hatte nie merklich ein Hochgefühl beim Lesen, man hängt in dieser negativen, hoffnungslosen Verwirrtheit und ärgert sich über die Handlungen oder eher über das fehlende Handeln von Katniss.

Das Ende war für mich einfach krotesk schlecht. Das Erzähltempo wird so stark in die Höhe getrieben, dass man glatt am Klappentext nachliest, ob man nicht aus Versehen die Parodie des Buches erwischt hat.
Ich frage mich, was Collins dazu getrieben hat, ihre drei Hauptprotagonisten so zu verderben. Was ist aus der starken, hoffnungsvollen und willensstarken Katniss geworden? Bis auf das, dass sie Johanna beim Ausbau ihrer Morfixsucht unterstützt (haha^^), fällt mir keine einzige liebevolle, soziale Handlung ihrerseits in diesem Teil ein.
Peeta? Wie warme Sonnenstrahlen im Frühling hat sein Charakter die dunklen Zeiten des Buches beflügelt. Was macht Collins daraus? Sie zerstört ihn, nimmt ihn die Liebe seines Lebens und macht ihn zu einem genauso verabscheuungswürdigen Wesen wie die Meisten.
Gale. Gale war immer die feurige, stützende Kraft im Hintergrund, die dafür sorgte, dass man ständig das Gefühl hatte, dass alles gut wird. Aber nein, er mutiert zu einem von Rache gesteuerten Wesen, das unschuldige Zivilisten grundlos tötet, das seine Prinzipien vergisst und daher am Ende keinen großen Verlust darstellt, als es billig und ohne Erklärung, mit einem "tollen Job in District 2" sein Ende nimmt.

Und Collins sollte wissen, dass "ein verwirrter Zustand" kein Schlupfloch für eine Autorin darstellen sollten. Sie können dienen um gewissen Situationen an Dramatik, Stil und Zerbrechlichkeit zu verleihen. Aber doch nicht um das Ende einer solchen Geschichte mit lahmen, billigen Wortfetzen zu Ende zu bringen.

Ach, ich ärgere mich. Wäre eine wahre Bereicherung für die Literatur gewesen. Aber mit dem dritten Teil, nein danke.

Fazit: Alles in allem, eine gute, spannende Geschichte, doch das Ende ist absolut ausbaufähig und ist der Grundidee und der Qualität der ganzen Geschichte wahrlich unwürdig.

Ps.: Jugendbuch? Ha! Hier fliegen die Eingeweide und Gliedmaßen genauso stetig durch die Gegend, wie die Promotionshüte in amerikanischen Schulen.
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