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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Doch alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten" (Spinoza), 29. August 2009
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Werke / Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt: Lateinisch-Deutsch (Broschiert)
Spinozas Hauptwerk ist die hier besprochene "Ethik", aufgeteilt in fünf Büchern (I) Von Gott, (II) Von der Natur und dem Ursprunge des Geistes), (III) Von dem Ursprunge und der Natur der Effekte, (IV) Von der menschlichen Knechtschaft oder von der Macht der Affekte, (V) von der Macht de Erkenntnis oder von der menschlichen Freiheit. Die Bücher I und II gründen die Metaphysik, III die Psychologie der Affekte und IV, V die eigentliche Ethik. Metaphysik, Affekte und deren Kontrolle und die Ethik fordern die Befriedung der Vernunft durch steigende Einsicht in den Weltlauf.

"Deus sive natura" - Gott ist für Spinoza gleichbedeutend mit Natur und so beginnt sein Werk mit dem Titel "Von Gott" und definiert ihn insbesondere in I, 11 und 15 als das "einzig Seiende", das wahrhaft von sich aus ist und von nichts abhängt. "Causa sui" - eine Substanz, die singulär ist, doch mit Attributen versehen alle Erscheinung der Natur und des Menschen in sich vereint. Spinoza überwindet so vordergründig den Dualismus Descartes und zeigt, dass die Seinsweisen des Bewusstseins (Geist) wie der Ausdehnung (Körper) in Beziehung gedacht werden können. Beide Formen sind bei ihm nicht Substanz (wahrhaftes Sein), sondern in Anlehnung an die modernen Wissenschaft nur gesetzmäßig wechselnde Attribute, die zu erkennen dem menschlichen Verstand obliegt Bis in den Begriff der "Affektionen" (Erscheinungen bei Galilei) folgt er der Naturwissenschaft, die nichts anderes tat, als den Seinsanspruch zu reduzieren zu Gunsten dessen Berechnung und Erklärung. Selbst sein Werk unterliegt dieser formelhaften Notwendigkeit, endliche Bestimmtheiten in der unendlichen Welt Gottes zu platzieren. "more geometrico" meint letztendlich eine Beweisführung im Sinne Euklids ELEMENTE aus dem Jahre 300 v. Chr. Spinozas Aufbau der Beweisführung schließt damit regelmäßig mit einem "quod erat demonstrandum" (w.z.b.w. bzw. q.e.d.) und ist ein in sich geschlossenes System mit Axiomen, Definitionen Grundsätzen, Lehrsätzen und Folgesätzen. Folglich beruhen die Beweisführungen auf selbst getroffene, im Werk bewiesene Annahmen.

Spinozas Lehre spiegelt die von Hobbes insofern, dass er glaubt, dass die Menschen die Dinge nach einer "ewigen Ordnung" selbst erzeugen, in dem sie sie in der Vorstellung gedanklich verknüpfen und zwar vorrangig die "festen und ewigen Dinge". Der Verstand folgt wie die Natur einer "wahren Idee" und ihr Bild ist in der Vorstellung so unverfälscht wie die Geometrie auf Seiten der Mathematik. So sieht Spinoza im Gegensatz zu Descartes die Affekte im Zusammenhang mit den Naturgesetzen. Sein Vorwurf, Handlungen zu belachen und zu verabscheuen, sei nicht die richtige Methode, vielmehr sei es "Verstehen wollen" und so beendet er die einleitenden Worte zu (III) damit: "[...] werde ich die menschlichen Handlungen und Begierden ebenso behandeln, als ob von Linien, Ebenen oder Körpern die Rede wäre". Spinoza versteht unter Affekt die Affektionen des Körpers, durch welche dessen Fähigkeit zu handeln geschwächt oder gestärkt wird, und zugleich die Vorstellungen dieser Affektionen gem. II, 17 E. Diese Betrachtung in (III) irritiert insofern, da der Körper den Geist und vice versa nicht bestimmen vermag. Jedoch mit (I), (II, 6, 7) sollte klar sein, dass die Attribute verschieden sein können beim Betrachten derselben Sache (Substanz). Und hier führt Spinoza bereits aus, was hochmoderne Wissenschaft gerade erst erforscht, nämlich das Freiheit nur in der Einbildung besteht, insofern, dass man glaubt, frei zu handeln, da die Handlungen im Bewusstsein (Denken) sind, die Ursachen, von denen die Handlungen bestimmt werden, jedoch unbekannt sind.

Über Wille, Begierde, Lust, Trauer und andere kommt er zur Aufzählung der Affekte, die dann in die Grundlehren (IV) münden. Gerade hier definiert er, Ethik sei nicht mehr als angewandte Psychologie. Wie in (I) schon propagiert, wird jede Teleologie abgelehnt. Gott und Natur sind nicht zweckorientiert im Handeln, sondern Gott handelt aus Notwendigkeit, damit niemals in Sünde oder unter Fehlern. Dieses vorausgesetzt, sagt, dass alle Begriffe zur Beurteilung menschlichen Geistes entspringen. Ein Urteil setzt zu vergleichendes voraus, damit ist es nicht einzig und in der Folge niemals rein positiv. Sich selbst im Ansatz widersprechend, verbleibt Spinoza jedoch bei den urteilenden Adjektiven gut und böse im Hinblick auf das Streben zur Vollkommenheit. Da niemand in der Natur erwarten kann, nichts Höheres über sich zu haben, gilt dieses auch für den Menschen, der - dieses so betrachtet - unter die "Knechtschaft" oder "Macht der Affekte" fällt und sich nur rettet, indem "Erkenntnis" zu einem stärkeren Affekt wird. Letztendlich strebt Spinoza zum Wesen des Menschen und dieses wieder nur nach der bekannten Methode unter der Ägide der Vernunft (IV, 24) und in dem Sinne auch IV, 18. Hiermit fällt Spinoza in die Denkmuster von Descartes: Vernünftig leben, heißt Intelligenz besitzen. Frei ist, der von der Vernunft geleitet ist (IV, 68) und freier, der in einem demokratischen von der Vernunft geführten Staate lebt. (IV, 73). Spinoza endet mit dem Wunsche nach Glückseligkeit. (V,42) Aus der Erkenntnis des Geistes allein wird sie entstehen. "Doch alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten".

Spinoza hatte Enfluss auf Goethe, bestimmt in seiner Sichtweise die Ideen der Romantik. Unter Teilhard von Chardin wurde der Pantheismus Spinozas (Natur=Gott=Natur) zum Pan-en-theismus, in dem Gott der Natur immanent und zugleich transzendent ist. Hier gilt der Verweis auf die Schriften Teilhards.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wenn wir einen Gegenstand unseresgleichen lieben, so suchen wir, soviel wir können, dass er uns wiedrum liebt." ( Spinoza), 2., 2. Oktober 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Werke / Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt: Lateinisch-Deutsch (Broschiert)
Der niederländische Philosoph Baruch Spinoza (1632-1677) stammte aus einer marranisch - jüdischen Familie. 1656 wurde er wegen religiöser Dogmenkritik mit dem Bannfluch der jüdischen Gemeinde belegt.
Insbesondere von R. Descartes und T. Hobbes beeinflusst, entwickelte er seine etwa 1662 entstandene Ethik (erschienen 1677) eine pantheistische Metaphysik und Anthropologie nach geometrischem Beweisverfahren.
In der Einleitung erfährt man viel über das Leben aber auch die Psyche des Philosophen. Er galt als unbequem und verdarb es sich nahezu mit allen. Er war hochbegabt und überragte die Neureichen Amsterdams und die Erfolgreichen Hollands an Klugheit und Verstandesschärfe um Vieles. Das verschaffte im Neider. Man verzieh ihm seine Klugheit nicht.
Baruch war aber ohne Hochmut , " auf der Suche nach Wahrheit, nicht auf der Jagd nach Glück, nach Ruhm, Ehre, Macht, Vermögen oder Vergnügen. Einer , der sich beschied mit dem Schicksal, das ihm Geld und gute Gesundheit versagt hatte ".
Goethe und Einstein schätzten Spinoza sehr und man versteht auch weshalb, wenn man sich mit der Ethik dieses großen Philosophen näher befasst.

Spinozas Ethik beginnt mit der Metaphysik, geht dann zur Psychologie der Affekte und des Willens über und endet mit einer Ethik, welche auf der vorangegangenen Metaphysik und Ethik aufgebaut ist.
Das Buch ist in einer geometrischen Ordnung abgefasst, in der Art eines mathematischen Werkes, mit vorangestellten Axiomen, Behauptungen, Lehrsätzen, Beweisen , Folgerungen etc.
In Spinozas Metaphysik ist der Begriff " Substanz " essentiell. Er versteht darunter das das Eine und Unendliche , welches unter und hinter allen Dingen steht, das alles Sein in sich vereinigt und begreift. Die Substanz ist unendlich. ( Lehrsatz 8, Teil 1) Sie kann nicht von einer anderen hervorgebracht werden( Lehrsatz 6, Teil 1). Die absolut unendliche Substanz ist unteilbar( Lehrsatz 13, Teil 1) Außer Gott kann es eine Substanz weder geben, noch kann eine solche begriffen werden (Lehrsatz 14, Teil 1 ) Diese Substanz ist mit unendlich vielen Attributen ausgezeichnet, von denen nur Ausdehnung und Denken erkennbar sind.
Die Einzelseelen und die einzelnen Stücke der Materie sind für den Philosophen adjektivisch; sind Aspekte des Göttlichen Seins.
Gott und die Natur sind ein und dasselbe. Alle endlichen Erscheinungen ( Dinge und Ideen) sind Modi ( Daseinswesen) der einen Substanz, da alles was ist aus ihr notwendig folgt.
Persönliche Unsterblichkeit kann es für ihn nicht geben, sondern nur ein unpersönliches , immer stärker werdendes Einswerden mit Gott.
Spinoza vertritt die Meinung, dass alles einer absoluten, logischen Notwendigkeit unterliegt. Der Wille kann nicht freie Ursache genannt werden, sondern notwendige( Lehrsatz 32, Teil 1) Es gibt demnach keine Willensfreiheit in der geistigen Sphäre, noch Zufall in der physikalischen Welt. Der Philosoph meint zu wissen, dass alles von Gott bestimmt und insofern gut sei. Negatives existiert nur vom Standpunkt endlicher Kreaturen aus betrachtet. Das Böse gibt insofern nicht, sobald man es als Teil des Ganzen sieht.
Die Tatsache, dass der Mensch lt. Spinoza keinen freien Willen hat, bedeutet keineswegs , dass er nicht verantwortlich ist für sein Handeln. Das begründet der Philosoph ebenfalls.

Spinozas Theorie der Affekte schließt sich an die metaphysische Erörterung über die Natur und den Ursprung des Geistes an.
Er definiert in der Folge alle Affekte und resümiert, dass ein Affekt, auch Leidenschaft genannt, eine verworrene Idee ist, " durch die der Geist von seinem Körper oder einem Teil desselben eine größere oder geringere Existenzkraft bejaht als vorher und durch deren Vorhandensein der Geist selbst bestimmt wird, mehr an dies als an jenes zu denken."
Affekte sind nach Spinoza Erregungen des Körpers, die das Tätigkeitsvermögen des Körpers vergrößern oder verringern, fördern oder hemmen, zugleich auch sind sie die Ideen dieser Erregungen.
Jedes Ding strebt danach, soweit es an ihm liegt, in seinem Sein zu verharren ( Lehrsatz 6, Teil 3).Dieser Selbsterhaltungstrieb ist nach Spinoza das Grundmotiv der Affekte. Liebe , Hass und Kampf ergeben sich demnach aus der Tatsache, die im Lehrsatz 6, Teil 3 zum Ausdruck kommt.
Spinoza begreift die menschliche Ohnmacht im Einschränken und Mäßigen der Affekte als Knechtschaft. " Denn der den Affekten unterworfene Mensch steht nicht unter seinen eigenen Gesetzen, sondern unter denen des Schicksals, dessen Gewalt er dermaßen unterworfen ist , dem schlimmen zu folgen, obwohl er das bessere sieht."( S. 203)
Da der Mensch nicht nur Vernunftwesen ist, also ein Mensch der seiner Natur gemäß handelt, demnach bestrebt ist sich selbst zu erhalten, dürften ihm die Affekte eigentlich nicht im Wege stehen. Spinoza weiß aber, dass der Mensch von seinen Leidenschaften hin und her geworfen wird und es wenig Sinn macht Leidenschaften bloß zu unterdrücken oder zu zügeln, sondern " ein Affekt nur gehemmt oder aufgehoben werden kann durch einen anderen Affekt, der entgegengesetzt und stärker ist als der zu hemmende."( Lehrsatz 7, Teil 3) .
Geknechtet ist man , soweit das, was geschieht, durch äußere Ursachen bestimmt ist. Frei ist man , soweit man durch sich selbst bestimmt ist.
Spinoza ist der Ansicht, dass alles Unrechttun eine Folge intellektuellen Irrtums ist. Der Mensch, der alles , was ihn angeht angemessen erkennt, handelt klug und ist selbst in Verhältnissen glücklich, die andere als Unglück betrachten würden.
Spinoza erkennt und begründet, weshalb Liebe und Begierde ein Übermaß haben können und er beweist auch, dass Hass niemals gut sein kann. Wer nach der Leitung der Vernunft lebt, strebt danach, soviel er kann, den Hass, den Zorn, die Verachtung u.s.w. anderer gegen ihn durch Liebe oder Edelmut zu vergelten. Spinoza erklärt gut nachvollziehbar , weshalb dies sinnvoll ist und er begründet auch, warum der freie Mensch über nichts weniger denkt als über den Tod und dessen Weisheit nicht ein Nachdenken über den Tod, sondern über das Leben ist( siehe Lehrsatz 67/ Teil 4). Ich schließe mich seiner Meinung nicht nur in diesem Punkt bedingungslos an.
Spinoza weiß , was immer sich ereignet, ist Teil der ewigen zeitlosen Welt.
Er möchte die Menschen von der Tyrannei der Furcht befreien, indem er ihnen verdeutlicht: Was geschehen soll, wird geschehen.
Ein Affekt hört auf Leidenschaft zu sein, sobald wir von ihm eine deutliche klare Idee bilden.
Die Einsicht, dass alle Dinge notwendig sind, bewegt den Geist dazu, Herr über die Affekte zu werden.
Da alles , was notwendig ist, Gottes Wille ist ( denn Gottes Wille und das Notwendige sind eins) ist fortschreitendes Erkennen und Bejahen des Notwendigen zugleich wachsende Liebe zu Gott und Fügung in seinen Willen. Spinoza nennt diesen für den Menschen höchsten erreichbaren Zustand geistige Liebe zu Gott.
Ganz zum Ende seiner Reflexionen sagt er: Die Glückseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern die Tugend selbst und wir erfreuen uns derselben nicht, weil wir die Lüste einschränken, sondern umgekehrt, weil wir uns derselben erfreuen, können wir die Lüste einschränken (Lehrsatz 42 , Teil 5)
Spinoza möchte, dass man selbst im größten Unglück nicht in der Welt der eigenen Sorgen versinkt. Man soll lernen jedes Missgeschick in seiner Beziehung zu seinen Ursachen und als Teil der gesamten Weltordnung zu sehen. Er wirbt für Erkenntnis und hat mich, weil er für jeden Lehrsatz eine nachvollziehbare Begründung artikuliert, völlig in seinen Bann gezogen.

Spinozas fatalistische Ergebenheit muss nicht zu lässiger Tatenlosigkeit führen, aber sie könnte. Darin ist möglicherweise vordergründig ein Schwachpunkt in seiner philosophischen Betrachtung zu sehen, mit dem man sich nicht unbedingt anfreunden mag.
Doch man vergegenwärtige sich immer wieder folgenden Gedanken Spinozas: "Wer Beleidigungen mit Hass erwidert und sich an dem Beleidigten rächen will, verbittert sicherlich sein eigenes Leben. Wer dagegen trachtet, den Hass durch Liebe zu bekämpfen, der kämpft unstreitig mit Freude und Zuversicht, wehrt sich ebenso leicht gegen einen Menschen, wie gegen viele und bedarf der Hilfe des Glücks am wenigsten."(S.240)

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