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Für den englischen Philosophen Thomas Hobbes(1588-1679) ist Philosophie nichts anderes als die rationale Erkenntnis empirischer Zusammenhänge. Erkennen basiert nach seiner Meinung auf Empfindungen. Begriffe sind für ihn lediglich Namen. Denken ist nichts anderes als das Rechnen mit Namen. Das Wollen ist stark determiniert.

In seinem Hauptwerk Leviathan, in welchem er seine Staatstheorie entfaltet, begreift er den Menschen als unruhiges, gehetztes Tier. Da der Mensch in der Lage ist in die Zukunft zu schauen, befürchtet er , dass ihm die Vorräte ausgehen, bzw. dass ihm ein Dritter etwas wegnehmen könne. Das ist die Ursache, weshalb der Mensch nach Macht strebt.

Demgemäß deprimierend war der Urzustand (der so genannte Naturzustand) der Menschen vor der Vergesellschaftung . Nach Hobbes herrschte Krieg aller gegen alle. Dementsprechend einsam, brutal, häßlich und kurz war das Leben. Um den Kampf aller gegen alle zu vermeiden verzichteten die Menschen auf das individuelle Machtstreben und übertrugen ihr Recht , Gewalt auzuüben auf einen einzelnen unter ihnen, den Herrscher.

So wurde die gesamte Gesellschaft zu einem Individuum, dem Staat. Dieser ist der Leviathan, dem die Menschen neben dem unsterblichen Gott, Frieden und Schutz verdanken. Der Staat im Sinne von Hobbes ist absolut. Als solcher steht er über den Parteien und der Moral. Erst durch die vollzogene Begründung des Staates, dem Staatsvertrag, kann der innere Frieden gesichert werden.

Eine Friedensstiftung des Staates ohne Bezug auf Grundwerte rein technisch zu begründen, ist nicht unproblematisch. Man muss wohl die Bedenken seitens Hobbes gegenüber moralischen Erwägungen aus seinen Erfahrungen mit der moralischen Rechthaberei der Konfessionen in seinem Land sehen. Um Konflikte zu vermeiden, gedachte der Denker Religion vom Staat zu trennen. Das Gewissen sollte zukünftig Privatsache sein. Der Staat soll nach seiner Sicht absolut sein, weil er nach seiner Ansicht nur so Frieden stiften kann.

Nach den Erfahrungen des 20.Jahrhunderts ist diese Vorstellung allerdings nicht haltbar.
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am 20. Oktober 2008
Diese Ausgabe von Hobbes' "LEVIATHAN, oder Die Materie, Form und Macht eines kirchlichen und staatlichen Gemeinwesens" ("Leviathan, or The Matter, Forme, & Power of a Common-Wealth Ecclesiasticall and Civill") ist von Jutta Schlösser neu übersetzt und von Hermann Klenner (Dr. iur., Honorarprofessor an der Humboldt-Universität mit übrigens deutlichem Linksdrall), mit einer Einleitung und einem Kommentar versehen, herausgegeben worden.

Sie enthält die umfangreichen Marginalien der englischen Erstausgabe und ist quellenkritisch kommentiert. Eine Zeittafel (1588 - 1679), ein Literaturverzeichnis, ein Namensregister, ein Verzeichnis der Bibelzitate, ein Begriffsregister und umfangreiche Anmerkungen sind beigegeben.

Der "Leviathan" ist ein klassisch gewordenes Werk der neuzeitlichen politischen Theorie und Philosophie, sein Erscheinungsdatum, 1651, liegt über dreieinhalb Jahrhunderte zurück. Die Zahl der Abhandlungen, die sich mit ihm befassen, ist kaum noch zu überblicken.

Der "Leviathan" besteht aus vier Teilen: Der erste (Kapitel 1-16) handelt vom Menschen, der zweite (Kapitel 17-31) vom Gemeinwesen, also vom weltlichen Staat ("Common-Wealth"), der dritte (Kapitel 32-43) vom christlichen Gemeinwesen ("Christian Common-wealth") und der vierte (Kapitel 44-47) vom Königreich der Finsternis ("Kingdome of Darknesse").

Im ersten Teil stellt Hobbes sein extrem nüchternes, mechanistisches, an der Physik und Geometrie seiner Zeit orientiertes, zum Teil pessimistisches Menschenbild vor, ein Menschenbild, das ihm den Ruf eingebracht hat, derjenige Autor zu sein, "der das politische Verhalten der Menschen ausschließlich durch das Eigeninteresse zu erklären suchte", wie J. Plamenatz sagte. (Am Ende von Kapitel 18 wird zusätzlich die menschliche Neigung zur Zukunftsdiskontierung hervorgehoben.) Hobbes vertritt ausdrücklich eine Markttheorie des Wertes eines Menschen: "Die G e l t u n g oder der W e r t ("Value, or WORTH") eines Menschen liegt [...] in seinem Preis; das heißt, er wird dadurch bestimmt, wieviel man für den Gebrauch seiner Macht zahlen würde, und ist daher nicht absolut, sondern abhängig von Bedarf und Urteil eines anderen". Die Wertschätzung ("Worthinesse") dagegen besteht in der besonderen Fähigkeit, bestimmte Aufgaben, z. B. ein Richteramt, zu übernehmen. "Würde" ("Dignity") schließlich wird mit Hilfe von "Wert" charakterisiert, nämlich als der "öffentliche Wert eines Menschen", als der "Wert, den ihm der Staat zuspricht" (Kapitel 10).

Hobbes nimmt an, dass die Menschen trotz aller Unterschiede hinsichtlich ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten annähernd gleich sind, insbesondere gleich in ihrem Vermögen, sich gegenseitig zu bedrohen. Aus dieser Gleichheit entsteht eine "Gleichheit der Hoffnung, unsere Ziele zu erreichen." Daraus entwickelt er dann seine zentrale sozio-ökonomische Konflikt- und Knappheitshypothese: "wenn daher zwei Menschen das gleiche verlangen, in dessen Genuß sie dennoch nicht beide kommen können, werden sie Feinde und [...] bemühen sie sich, einander zu vernichten oder zu unterwerfen". Aus der Gleichheit - nicht etwa aus der Ungleichheit! - entsteht Misstrauen, aus dem Misstrauen der (präventive) Krieg (Kapitel 13). Die Ursachen des Konflikts, nämlich Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht, sind in der menschlichen Natur zu finden. Ohne eine Macht, die die so disponierten Menschen im Zaum hält, leben und verbleiben sie im bloßen Naturzustand, der identisch ist mit dem Krieg eines jeden gegen jeden (Kapitel 14). In diesem Zustand aber kann kein Fleiß gedeihen, weil sich niemand seiner Früchte sicher sein kann. Es herrscht fortdauernde Furcht und die Gefahr eines gewaltsamen Todes und - in den eindringlichen, berühmt gewordenen Worten - "das Leben des Menschen ist einsam, armselig, widerwärtig, vertiert und kurz." (Kapitel 13). Zur Adäquatheit dieser Übersetzung verweise ich auf die Ausführungen weiter unten.

Zentral für den Leviathan ist die Vertrags-, vor allem aber die Souveränitätsdoktrin, die im zweiten Teil vorgestellt wird. Während Bienen und Ameisen untereinander in einer natürlichen Übereinstimmung zusammenleben, ist die Übereinstimmung der Menschen künstlich, da sie auf einem Vertrag beruht. (Später wird Hume diese Unterscheidung von "natürlich" und "künstlich" in seinem "Treatise", III.i.2, aufgreifen, wobei er jedoch in seinem Essay "Of the Original Contract" den Vertragsgedanken ausdrücklich verwirft.) Eine solche Übereinstimmung aber ist labil und verletzlich, sie bedarf zu ihrer langfristigen Sicherung einer allgemeinen, höchsten Gewalt, eines Souveräns, denn "Verträge ohne das Schwert sind nur Worte und besitzen keine Kraft, einem Menschen auch nur die geringste Sicherheit zu bieten". (In den Kapiteln 18 und 21 wird dies wiederholt.) Der einzige Weg dazu führt über die Übertragung der Macht der Individuen "auf einen Menschen oder eine Versammlung von Menschen, die ihre Einzelwillen durch Stimmenmehrheit auf einen Willen reduzieren können". Diesen einen Willen, "eine wirkliche Einheit aller", nennt Hobbes - unter Anspielung auf das Buch Hiob - "Leviathan", oder ehrerbietiger den "sterblichen Gott". Der politische Staat ist ein "Staat durch Einsetzung", durch Autorisierung, nicht ein "Staat durch Aneignung" (Kapitel 17).

Der Souverän, sei es ein Monarch oder eine Versammlung, hat eine Hauptaufgabe, nämlich für die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren, wobei unter "Sicherheit" nicht nur die Erhaltung des physischen Lebens gemeint ist, sondern auch die Sicherung des Eigentums, d. h. dessen, was durch rechtmäßige Arbeit erworben wurde. Diese Sicherheit wird durch "gute Gesetze" geschaffen, d. h. durch solche Gesetze, die allen nützlich sind. Zudem sind diese Gesetze auch gerecht, da sie von einem Souverän beschlossen wurden, dessen legislative Kompetenz durch Übereinkunft zustande gekommen ist (Kapitel 30; vgl. auch Hobbes' "De Cive", III.vii, wo er sich auf das römische Rechtsprinzip "Volenti non fit iniuria" beruft, das er allerdings durch seine Theorie eigenständig zu begründen können glaubt). Zu dieser Sicherheit durch Billigkeit ("equity") gehören auch Rechts- und Steuergleichheit, ausreichende materielle Grundsicherung für unverschuldete Arbeitsunfähigkeit, ein adäquates Strafrecht sowie ein angemessenes Gratifikationssystem, das Leistungsanreize bereitstellt.

Ein Staat ist immer durch "innere Krankheiten" gefährdet, durch Herrscher, die keine Macht ausüben wollen (denn dies provoziert die Rebellion), durch falsche Auffassungen wie die, jeder könne Richter in eigener Sache sein, niemand dürfe gegen sein Gewissen handeln oder die Rückführung von Heiligkeitsansprüchen auf übernatürliche Eingebungen (denn dies führt zu allgemeiner Verwirrung), durch die die Lehre von der Gewaltenteilung (denn Gewaltenteilung ist nichts anderes als Auflösung und damit gegenseitige Zerstörung). Solche Krankheiten werden verbreitet "von den Zungen und Federn ungebildeter Geistlicher", die häufigste Ursache ist die Lektüre der politischen und historischen Schriften der "alten Griechen und Römer" (Kapitel 29).

Der dritte Teil deutet das Christentum vor allem als gesellschaftlich anerkannte und sanktionierte Art und Weise, die mit jeder natürlichen Religion verknüpften Gefühle und Leidenschaften, nämlich Liebe, Hoffnung und Furcht auszudrücken. Kritisch setzt sich Hobbes mit dem Wunderglauben auseinander, wobei er gewisse Einwände, die von später von Hume vorgebracht werden, bereits vorweg nimmt (Kapitel 37).

Zentral ist in diesem dritten Teil vor allem die Ablehnung der Lehre von der apostolischen Nachfolge, insbesondere die von Kardinal Bellarmin vorgelegte Verteidigung des päpstlichen Macht- oder Autoritätsanspruches (Kapitel 42). Nach Hobbes' Auffassung lässt sich die Quintessenz des christlichen Glaubens in einem Artikel, in einem "unum necessarium" zusammenfassen, nämlich "d a ß J e s u s d e r C h r i s t u s i s t" ("Jesus is the Christ"), wobei dieses Prädikat nichts anderes bedeute als "Er, der uns errettet hat und wiederkommen wird, um uns Erlösung und ewiges Leben in seinem herrlichen Königreich zu schenken". Was zur Erlangung des Heils notwendig sei, sei in genau zwei Tugenden enthalten, nämlich im Glauben an Christus und im Gehorsam gegenüber den Gesetzen, wobei diese Gesetze solche der Natur und solche der weltlichen Souveräne seien (Kapitel 43). Damit ist das Reich Jesu nicht von dieser Welt und deshalb können seine Diener ("Ministers"), falls sie keine Könige sind, in dieser Welt in Jesu Namen keinen Gehorsam fordern. Gleichzeitig wird aber betont, dass ein Verbot durch den Souverän, an Jesus zu glauben, in eben dieser Welt wirkungslos ist, da weder Glaube noch Unglaube jemals einem Befehl folge, sondern eine Gabe Gottes sei, über die der weltliche Herrscher - anders als über Handlungen! - nicht verfügen könne (Kapitel 42). Damit hält Hobbes ein klares, wenn auch eigenwilliges Plädoyer zugunsten der Glaubens- und Religionsfreiheit, wenn auch nicht zugunsten der Gewissensfreiheit.

Im vierten Teil schließlich setzt sich Hobbes mit der "geistigen Finsternis" auseinander, die er auf die falsche Interpretation der Heiligen Schrift, auf heidnische Geisterlehren und Rituale (zu denen er unter anderem Weihe, Taufe und Ölung zählt), auf Scheinphilosophie ("Vain Philosophy") und Fabeln zurückführt. Einer der Hauptgegner ist dabei, wie schon an früheren Stellen, Aristoteles, der erbarmungslos abqualifiziert wird: Es gebe in der Naturphilosophie nichts absurderes als die "Metaphysik", nichts, was der Regierung abträglicher sei als die "Politik", nichts, was weniger Kenntnisse verrate als die "Ethik" (Kapitel 46). Motiviert sind diese Angriffe vor allem durch die durchgängige und beherrschende Furcht, dass konkurrierende Souveränitätsansprüche, seien sie ethischer oder auch nur epistemischer Natur, einen Staat geradewegs in den Bürgerkrieg führen. Der liberale - oder liberal erscheinende - Relativismus und Pluralismus provoziert - über die Zwischenstufe des unverbindlichen und damit unerträglichen Chaos - die Tyrannei.

Rückblickend und abschließend begründet Hobbes sein ehrgeiziges und weit ausholendes Vorhaben dadurch, dass er von den "gegenwärtigen Wirrnissen" veranlasst, seinen Mitmenschen "ohne Parteilichkeit, ohne Nutzanwendung" ("without partiality, without application") die "Wechselbeziehung zwischen Schutz und Gehorsam" ("the mutuall Relation between Protection and Obedience") vor Augen führen wollte. "Denn solche Wahrheit, die niemandes Vergnügen entgegensteht, ist allen Menschen willkommen." ("For such Truth, as opposeth no man profit, nor pleasure, is to all men welcome.")

In seiner "History of England" (Band VI, Kapitel LXII) konnte David Hume über Hobbes sagen, kein anderer Autor des siebzehnten Jahrhunderts sei so gefeiert worden wie dieser, jetzt aber sei er nahezu vergessen. Dies sei ein lebendiges Beispiel dafür, wie prekär alle Reputation sei, die (nur) auf Argumentation und Philosophie beruhe. Damals hatte Hume mit dieser Diagnose recht, doch heute hat sich das Bild gewandelt: Hobbes ist aktueller denn je. Dass er mit seiner ausdrücklich gegen Aristoteles gerichteten und damit ausdrücklich antiklassischen Auffassung vom Menschen, von der Moral, vom Recht, von der Gesellschaft und vom Staat dazu beitrug, die Moderne zu inaugurieren, wird heute allgemein anerkannt, zumindest zur Kenntnis genommen, auch von seinen Gegnern. Den "Leviathan" zu lesen (oder wieder zu lesen) ist ein beträchtliches intellektuelles und auch sprach-ästhetisches Vergnügen. Wohl kein anderer Autor in der Geschichte der Politischen Theorie hat mit so viel systematischem Bemühen aus so sparsam gewählten und klar formulierten Voraussetzungen so viele interessante (und auch anstößige!) Konklusionen gewonnen.

Wie ist nun die Übersetzung Jutta Schlössers zu beurteilen?

Ich wähle eine der berühmtesten Passagen aus dem "Leviathan" (Kapitel 13) aus. Dabei folge ich dem Text der von Richard Tuck besorgten Edition (Leviathan: Revised Student Edition (Cambridge Texts in the History of Political Thought)):

"Whatsoever therefore is consequent to a time of Warre, where every man is Enemy to every man; the same is consequent to the time, wherein men live without other security, than what their own strength, and their own invention shall furnish them withall. In such condition, there is no place for Industry, because the fruit thereof is uncertain: and consequently no Culture of the Earth; no Navigation, nor use of the commodities that may be imported by Sea; no commodious Building; no Instruments of moving, and removing such things as require much force; no Knowledge of the face of the earth; no account of Time; no Arts; no Letters; no Society; and which is worst of all, continuall feare, and danger of violent death; And the life of man, solitary, poore, nasty, brutish, and short."

Walter Euchner (Professor für Politikwissenschaft an der Universität Göttingen von 1971 bis 1999) hat diese Sätze 1966 in der von Iring Fetscher herausgegebenen Edition (zuerst Luchterhand Verlag, später Suhrkamp Verlag) so übersetzt:

"Deshalb trifft alles, was Kriegszeiten mit sich bringen, in denen jeder eines jeden Feind ist, auch für die Zeit zu, während der die Menschen keine andere Sicherheit als diejenige haben, die ihnen ihre eigene Stärke und Erfindungskraft bieten. In einer solchen Lage ist für Fleiß kein Raum, da man sich seiner Früchte nicht sicher sein kann; und folglich gibt es keinen Ackerbau, keine Schiffahrt, keine Waren, die auf dem Seeweg eingeführt werden können, keine bequemen Gebäude, keine Geräte, um Dinge, deren Fortbewegung viel Kraft erfordert, hin- und herzubewegen, keine Kenntnis von der Erdoberfläche, keine Zeitrechnung, keine Künste, keine Literatur, keine gesellschaftlichen Beziehungen, und es herrscht, was das Schlimmste von allem ist, beständige Furcht und Gefahr eines gewaltsamen Todes - das menschliche Leben ist einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz."

In der Übersetzung Jutta Schlössers liest sich die Passage etwas anders:

"Was immer die Folgeerscheinungen einer Zeit des Krieges sind, wo jeder jedem feind ist, sind daher gleichfalls Folgeerscheinungen einer Zeit, in der die Menschen ohne andere Sicherheit leben als die, mit der ihre eigene Kraft und ihre eigene Erfindungsgabe sie ausstatten. In solchem Zustand gibt es keinen Platz für Fleiß, denn seine Früchte sind ungewiss, und folglich keine Kultivierung des Bodens, keine Schiffahrt oder Nutzung der Waren, die auf dem Seeweg importiert werden mögen, kein zweckdienliches Bauen, keine Werkzeuge zur Bewegung von Dingen, deren Transport viel Kraft erfordert, keine Kenntnis über das Antlitz der Erde, keine Zeitrechnung, keine Künste, keine Bildung, keine Gesellschaft, und, was das allerschlimmste ist, es herrscht ständige Furcht und die Gefahr eines gewaltsamen Todes; und das Leben des Menschen ist einsam, armselig, widerwärtig, vertiert und kurz."

Auf der Grundlage dieser - zugegebenermaßen viel zu kleinen - Stichprobe lässt sich eine d e f i n i t i v e Entscheidung wohl nicht treffen. Man gewinnt freilich den Eindruck, dass Jutta Schlösser in einigen Punkten - koste es, was es wolle - von Euchners Übersetzung abweichen wollte. Und sie m u s s t e auch davon abweichen, weil eine Eins-zu-Eins-Übernahme sogleich eine Plagiatsprozess nach sich gezogen hätte. Ob die Übersetzung dadurch gewonnen hat, ist freilich nicht eindeutig zu entscheiden.

Man betrachte die folgenden Tripel. Die jeweils erste Komponente stammt von Hobbes, die zweite von Euchner, die dritte von Schlösser:

"no commodious Building" - "keine bequemen Gebäude" - "kein zweckdienliches Bauen"

"no Knowledge of the face of the earth" - "keine Kenntnis von der Erdoberfläche" - "keine Kenntnis über das Antlitz der Erde"

"no Arts; no Letters; no Society" - "keine Künste, keine Literatur, keine gesellschaftlichen Beziehungen" - "keine Künste, keine Bildung, keine Gesellschaft"

"solitary, poore, nasty, brutish, and short" - "einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz" - "einsam, armselig, widerwärtig, vertiert und kurz"

"commodious" mit "zweckdienlich" (Schlösser) zu übersetzen, erscheint mir problematisch zu sein, ebenso "brutish" mit "vertiert" (noch einmal Schlösser). Das Leben der Menschen im Naturzustand, der ja der ursprüngliche Zustand ist, kann nicht vertiert sein, weil die Menschen noch gar nicht zu zivilisierten Menschen geworden sind.

Der Sinn von "Letters" scheint mir durch "Literatur" besser getroffen zu sein als durch "Bildung". "Bildung" ist zu deutsch, genauer: zu deutsch-idealistisch.

"keine Kenntnis über das Antlitz der Erde" (Schlösser) geht nicht, weil das Nomen "Kenntnis" nach den Regeln der deutschen Grammatik nicht mit der Präposition "über", sondern mit "von" gekoppelt wird.

Mein Freund Ralph Erber, der schon seit fast 3 Jahrzehnten in den USA lebt (und in Chicago eine Professur für Psychologie innehat), meint: "I think the translation by Schl. [i. e. Schlösser] captures Hobbes' original text a little better." (Meine Einwände waren ihm unbekannt.)

Meine sehr geschätzte Frau, Regine Shelley Westphal, die über vorzügliche Englisch- und Deutschkenntnisse verfügt, zieht eindeutig die Übersetzung Euchners vor.

Juliane Gabriel, die Sängerin und Gesangslehrerin ist und über eine erhebliche Kompetenz der englischen Sprache verfügt, hält Schlössers Übersetzung insgesamt für die bessere.

Sie hat die folgende - eigenhändige - Übersetzung vorgeschlagen:

"Was immer deshalb aus einer Zeit des Krieges erfolgt, in der jedermann jeden Mannes Feind ist, erfolgt ebenso aus der Zeit, in der die Menschen ohne andere Sicherheit leben, als die, mit denen ihre eigene Stärke und Erfindungsgabe sie ausstatten. In solchem Zustand gibt es keinen Raum für Bestreben, weil dessen Früchte ungewiß sind: und folglich keine Bodenkultivierung, keine Schiffahrt, und so auch keine Waren, die über den Seeweg importiert werden können; kein geräumiges Bauen, keine Werkzeuge zur Bewegung oder Beseitigung der Dinge, die viel Kraft erfordern; keine Künste; keine Schriften; keine Gesellschaft; und das Schlimmste von allem: beständige Furcht, und Gefahr eines gewaltsamen Todes; und das Leben des Menschen einsam, schwach, böse, bestialisch und kurz."

Auch die allgemein beeidigte Dolmetscherin für die Berliner Gerichte und Notare, Dörte Waldau, zieht die Schlösser-Übersetzung vor. Das Wort "vertiert" (für "brutish") jedoch weist sie als eindeutig unangemessen zurück. Statt dessen schlägt sie, wie Juliane, "bestialisch" vor.

Man erkennt sogleich, wenn man es nicht schon vorher wusste, dass Übersetzungen keine algorithmische Tätigkeiten oder deren Produkte sind, und dies auch nicht sein können, sondern künstlerische Aspekte haben, bei denen auch Geschmäcker eine beträchtliche Rolle spielen. Deshalb wird eine einmütige Beurteilung nur in seltenen Fällen zu erwarten sein.

Wie dem auch sei: Ernsthafte Hobbes-Forscherinnen und -Forscher werden, auch wenn sie die hier rezensierte, sehr lobenswerte Ausgabe in Händen halten, um das Studium des englischen Textes nicht herumkommen. Die beste ist wohl die von Richard Tuck besorgte Edition bei Cambridge University Press. Eine Rezension (von mir) findet sich hier bei amazon: Leviathan: Revised Student Edition (Cambridge Texts in the History of Political Thought).

PS. Der "Leviathan" endet mit "Rückblick und Schlussbetrachtung" ("A REVIEW AND CONCLUSION") des Autors. Kurioserweise ist diese Kapitelüberschrift, die über jeder Seite als Kopfzeile wiederholt wird, immer und nur auf den ungeraden Seiten zu "Rückblich [!] und Schlussbetrachtung" korrumpiert worden. Weiß man dies, kann man den Blick nicht mehr davon wenden.
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Sicherheit oder Freiheit? Diese klassische Frage der politischen Theorie löst Thomas Hobbes in seinem Leviathan auf provokante Weise. Er nimmt an, dass die Menschen aus freien Stücken ihre politische Freiheit aufgeben und sich einer Staatsmacht vollkommen unterordnen. Dies sei allerdings ein hoher Preis für den Gewinn von Sicherheit an Leib und Leben. Die Möglichkeit, Eigentum und Wohlstand zu erwerben, könne nur garantiert werden, wenn ein zentraler, starker und absoluter Souverän das Politische für alle regele. Hobbes' Theorie ist von den chaotischen Zuständen während des englischen Bürgerkriegs (1642-1649) beeinflusst, die er erlebte. Sie reicht aber weit über die Zeitgeschichte hinaus. Erstmals behauptet ein Staatstheoretiker, dass die Menschen sich ihre Gesellschaft selbst schaffen, indem sie einen Gesellschaftsvertrag schließen. Diese Idee als Basis des menschlichen Zusammenlebens ist neuzeitlich und bürgerlich-liberal. Gott als Stifter und Garant des Staates wird damit entmachtet. Der Staat soll zwar im Einklang mit christlichen Grundsätzen stehen, aber die Kirche darf keinen Einfluss haben. Grundlage des Staates ist die Vernunft. Sie ist auch die Basis von Hobbes' Philosophie: Selbst denken, nicht an Autoritäten glauben, diese Auffassung durchzieht das erfrischend klar geschriebene Werk vom Anfang bis zum Schluss.
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