Kundenrezensionen

130
4,0 von 5 Sternen
Leben oder gelebt werden: Schritte auf dem Weg zur Versöhnung
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Februar 2011
Repekt und Achtung, das Buch hilft gewiß vielen Menschen, Beziehungen und Verletzlichkeiten besser zu verstehen und auch damit umzugehen. Dennoch glaube auch ich, dass Sie Herr Walter Kohl einen längeren Weg der Erkenntnis oder Erleuchtung gemacht haben müssen, um genau da hinzukommen, dass Sie vielen Menschen durch ihr Buch "Befreiung" schenken. Manchmal dauert es Jahre, Jahre - machen schaffen es nie sich zu befreien. Es sind nicht nur die Prägungen unserer Eltern die dann unsere eigenen wurden und oft wollten wir weder wie Mutter noch wie Vater sein und trotzdem erkennen wir uns in vielen Phasen des Lebens genau dort wieder. Charaktere, wie Helmut Kohl beschrieben wurde, sind natürlich - ohne das er das selbst erkannte - verletzend besonders für Kinder, die dann diese Erfahrung machen müssen in den Emotionen, die es väterlicherseits kaum gab. Nicht böse, aber ich denke, dass , wenn Helmut Kohl das Buch lesen sollte, sollte es ihm erlaubt werden, so sollte auch er demütig werden, ob er es kann?? Es wäre auch seine Heilung. Hannelore, wurde ebenso Opfer wie Täter aus ihrer eigenen Geschichte heraus, tja - und alles das findet man als Kriegs- oder Nachkriegskind in seiner eigenen Geschichte wieder. Versöhnung, ja - das ist das wichtigste Wort - Versöhnung und Barmherzigkeit - doch der Weg dahin ist meistens nur möglich, wenn Jahre vergehen und Schmerzen und Leid überwunden werden. Das ist der Weg
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63 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Januar 2011
Ich habe dieses Buch vor 2 Tagen bestellt, gestern Mittag kam es an und ich liess alles stehen und liegen, um es in einem Rutsch zu lesen, nicht ohne seufzend mal eine Zigarette zwischendurch geraucht zu haben. Wenn ich in einem durchlese, ist das Buch vor allem eines: Lesenswert, spannend und inspirierend.
Ich wusste, dass Helmut Kohl zwei Söhne hat. Ich mochte diesen Mann, den früheren Bundeskanzler nicht, weil er mich in meiner Jugend bis zum frühen Erwachsen-werden zwangsläufig 16 Jahre via Fernsehen in den Nachrichten verärgerte.Seine Politik sagte mir, offen gestanden, nicht zu und ich fand seine Art, seine Macht zu unterstreichen, oft ganz unglaublich, unmöglich und auch selbstherrlich. Und doch muss auch ich zugeben: Nur so jemand wie er konnte die deutsche Einheit möglich machen, er hatte dort den richtigen Moment genutzt, um sich in den Geschichtsbüchern zu verewigen. Aber ich meine auch: Ohne dieses friedvoll demonstrierende Volk hätte er es nicht geschafft. Das Volk und er haben diesen Weg gemeinsam geebnet, und es dauerte entgegen seiner Versprechungen sehr, sehr lange, das alles wieder gut wird, auch wirtschaftlich.
Walter Kohl beschreibt sehr anschaulich, absolut nachvollziehbar, wie er es empfand, so einen Vater zu haben. Und es löste in mir schreckliche Beklemmungen aus, denn auch ich kenne das "Opferland", von dem ich gerade immer noch dabei bin, mich zu verabschieden. Und was mir sehr gefallen hat, ist sein schöner, einfühlsamer Erzählstil. Er sieht den Menschen als Ganzes und er kommt sehr sensibel rüber, was ich sehr wichtig finde, besonders für einen Mann. Das ist nur möglich, wenn man Schweres erlebt hat und auch so manchen Schlag einstecken musste. Damals, an jenem 5. Juli 2001 war auch ich entsetzt und erschüttert über den Selbstmord seiner Mutter Hannelore. Ich ahnte schon vorher, sie war einmal zu Gast bei "Boulevard Bio", das sich hinter ihrem perfekten Make-up, tip-toppe Fönfrisur, nettes Kostüm eine empfindsame Frau verbarg, die zerbrechlich wirkte. Sie sprach über ihr Anliegen, diese Stiftung, welches ihr am Herzen lag und das für sie eine wahre Sache war. Ihre Entscheidung, in den Tod zu gehen, war scheinbar das Einzige, was sie für sich selbst erlaubt hatte. Das ist sehr traurig. Sie hatte sich permanent aufgeopfert. Den Schmerz über all das, über die Medien, die über einen her zogen, obwohl man nicht mal mit der Spendenaffäre zu tun hatte, das ist schlimm. Wer würde da nicht verbittern? Typisch für die Gesellschaft ist immer noch das 3 klassige Verhalten einerseits , manchmal braucht man nur das Kind eines berühmten Mannes zu sein und schon ist es klar, w e r man ist! Welch ein Irrtum! Ein Tränchen kullerte dann noch bei mir , als Walter beschrieb, das ihm die koreanische junge Frau spontan und einfach sagte:"Ich liebe dich." Das er aber nicht fassen konnte, weil:"Wie kann man mich bloß lieben, das gibts doch gar nicht!" Das hatte ich für mich auch die ganze Zeit gefragt: Wieso kann man mich lieben, ich bin doch nix wert! Die Antwort kam dann auch prompt:"Müssen die dir sagen, was du wert bist? Früher hätte man dir das sagen sollen. Du bist gut so wie du bist, mit allen Schwächen und Stärken. Na also. Du bist du. Du bist einzigartig, egal, ob du Hinz, Kunz oder sonstwie heißt. Ich finde es schrecklich, wenn man nur noch "gemocht" oder geliebt wird, wenn man Leistungen vollbringt oder vollbringen muss. Das sind meine schmerzliche Erfahrungen. Ich will geliebt werden und lieben , weil ich einfach " ich bin". Ich danke Walter Kohl für sein wunderbares Buch, seine Offenheit und Ehrlichkeit. Und auch für seinen Mut, das zu erzählen. Da kann sich so mancher eine Scheibe von abschneiden.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ein menschliches Buch - über Menschen.
Was Helmut Kohl im internationalen Kontext gelang, ist Walter Kohl im persönlichen Kontext gelungen: Versöhnung. Walter Kohl schreibt nicht nur über sie - er lebt sie.

Obwohl es in dem Buch um die Abgrenzung der Individualität geht, wird gerade darin das Verbindende und die Einzigartigkeit von Menschen sichtbar.

Ich denke, Walter Kohl kann vielen Menschen eine wertvolle Hilfe und Begleitung sein auf dem Weg zu Freiheit und innerem Frieden, sowie in der Bereitschaft, Ja! zu sagen zu dem, was ist und den Zugang zur Kraft des eigenen Selbst-Bewusstseins zu finden.

Walter Kohls Haltung ist ein enorm wertvoller Beitrag zum Frieden.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Juni 2011
Es gibt viele Bücher, die einen berühren. Nur wenige treffen jedoch mitten ins Herz.
Wenn man ein Buch vorgelegt bekommt: "das solltest Du lesen" und schon auf den ersten Seiten klar wird, warum, dann handelt es sich um so ein Buch.

Inzwischen habe ich das ganze Buch gelesen und musste erkennen, dass manches wohl öfter vorkommt als man denkt. Kein berühmter Vater, kein solches Leben/Erleben, doch ein nie anwesender Vater der seine Welt in "dafür" und "dagegen" einteilt, eine Mutter die alles für ihren Mann regelt bis sie nichts mehr "regeln" kann, ein Bruch- und Wendepunkt im Alter von 40 Jahren, Trennung, Aussprache (soweit möglich), dann (Sicherheits-)Abstand ... das alles kenne ich sehr genau. Selbst die zweite Frau, die ihren Mann von wirklich allem abschottet - ich kenne das, erlebe das in meiner Familie.

Dieses Buch zu lesen war schwierig für mich. Es tat weh. Doch es gibt mir Hoffnung. Zeigt mir, dass Auseinandersetzung mit dem was passiert ist und dem Versuch der Klärung, warum es passierte der richtige Weg ist, um für sich selber Ruhe und Frieden zu finden, vielleicht sogar eines Tages auch Versöhnung.

Vielen Dank Herr Kohl.

Noch was: es ist kein politisches Buch, keine Abrechnung mit dem Vater, kein wühlen im Dreck der Vergangenheit. Ich persönlich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für das interessiert was dahinter steckt. Der sich selber fragt, ob er lebt oder gelebt wurde.
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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Februar 2011
An alle Väter und solche die es noch werden wollen:
Dieses Buch ist ein Lehrbeispiel dafür wie man als Vater nicht sein sollte.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass Walter Kohl unter diesen widrigen Lebensumständen nicht auf die schiefe Bahn geraten ist. Ein Freund, der sich im Gefängnis als Psychiater mit teilweise schwer kriminellen Menschen befasst sagte vor kurzem zu mir: Ein grosser Teil jener Männer, die im Gefängnis sitzen haben als Kind meistens zuwenig Liebe, insbesondere zuwenig Vaterliebe bekommen.

So sehr ich Helmut Kohls politisches Werk auch schätze (wenn man die Parteispendenaffäre ausblendet), als Vater war er ein Totalversager.

Alleine schon der Besuch des Arbeitsplatzes seines Sohnes und wie Helmut Kohl dann anschliessend reagiert hat zeigt den Charakter dieses Rabenvaters.

Auch wenn Walter Kohl nicht annähernd an die Karriere seines Vaters hinkommt (ist aber vollkommen egal) ist Walter Kohl seinem Vater intellektuell haushoch überlegen. Meine Hochachtung vor Walter Kohl.

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Helmut Kohl dieses Buch mit den Augen seines Sohnes liest (sollte er es jemals lesen). Auf das er seine Fehler einsieht und dann auf seinen Sohn zugeht, bevor es zu spät ist.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. März 2011
Eine sehr interessante Beschreibung des Lebens eines populären Politikerkindes aus dessen Sicht. Ich war Anfangs skeptisch, hab mir aber nach einer Fernsehdiskussion mit Walter Kohl dieses Buch gekauft - und weitesgehend gefressen!! Ein sehr interessantes Werk mit Einblick in das Promileben und vor allem - eine sehr zum nachdenken anregende Schreibweise. Mittlerweile finde ich mich auch in vielen Passagen wieder und das Buch hat mich angeregt, einiges in meinem Leben neu zu ordnen! Sehr empfehlenswert
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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Januar 2011
Walter Kohl hat einen Vater, der zu der Vätergeneration gehört, die nicht reden kann. Nicht über Gefühle, Ängste, Wünsche, Träume. Was das mit ihm gemacht hat, beschreibt er sehr offen. Es ist kein besonders schön geschriebenes Buch, keine Wortgirlanden oder bezaubernden Metaphern stehen auf diesen Seiten, aber eine grosse, ja atemberaubende und mutige Offenheit. Walter Kohl hat einen Vater, der sich ihm nicht offenbaren konnte. Er braucht selbst fast 40 Jahre, um sich daraus zu befreien. Opferland nennt er das - gerne noch hätte ich mehr darüber gelesen, was er im Einzelnen getan hat. Es muss mehr gewesen sein als die im Buch beschriebenen Gespräche, Bücher, Ereignisse. Wenn Walter Kohl am Anfang des Buches noch ein Opfer war, in der Mitte gar einen Suizid ankündigt, weiß man am Ende: er wird leben und nicht mehr gelebt werden. Ein ganz schales Gefühl aber bleibt, wenn man auf den letzten Seiten über Helmut Kohl liest, über seine Frau und insbesondere die Rolle der Bild-Zeitung in seinem Leben heute. Helmut Kohl wird heute gelebt - von anderen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Juli 2011
Nachdem ich Anton wurde kein Professor veröffentlicht hatte, bekam ich dafür unerwartet viel positive Resonanz. Diese fiktive Geschichte, so wurde mir oft gesagt, sei unterhaltend, lustig und stimme nachdenklich. Man könne sich gut in die Hauptperson hinein versetzen und fühle mit ihr.

Nach dem Lesen einiger Kritiken an dem Buch von Walter Kohl frage ich mich, ob die Resonanz wohl genauso erfreulich gewesen wäre, wenn - entsprechende Sachlage vorausgesetzt - exakt derselbe Text als Autobiografie unter "Ich, der gescheiterte Sohn des Bundeskanzlers" erschienen wäre. Leider scheint es mir, als wäre ein Wort für Wort identisches Buch dann von einigen Menschen ganz anders beurteilt worden.

Offenbar macht es einen Unterschied, ob die Geschichte erfunden oder wahr ist. Offenbar macht es noch mehr Unterschied, ob sie in eigener Sache geschrieben wurde. Und erst recht macht es einen Unterschied, ob sie aus einer prominenten Familie entsprungen ist, die politisch stets in den Diensten einer bestimmten Partei stand, ganz egal welcher.

Leider, so meine ich, gelingt es nicht allen Menschen, eine neutrale Position einzunehmen und einfach nur den Mitmenschen zu sehen. Letztlich geben sie Walter Kohl damit recht. Denn er sagt doch nichts anderes, als dass er viele Jahre seines Lebens eher gelebt wurde als zu leben, weil die Umstände, in denen er aufgewachsen ist, so waren wie sie - von ihm völlig unabänderlich - tatsächlich waren. Dazu gehörte vor allem eben diese Tatsache, dass Menschen so sehr danach schauen, welche Eltern jemand hat, welchem "Lager" diese oder er selbst angehören, welche Hautfarbe, welche Religion, welche Körpergröße er hat usw., Dinge, die eigentlich das Grundgesetz ausschließt.

Insofern wäre ich sehr dankbar dafür, wenn jeder einmal in sich gehen und sich fragen könnte: "Bin ich diesem Menschen gegenüber neutral?". Wer feststellt, dass dies nicht der Fall ist, kann es sich bewusst machen und sich bemühen, die emotionale Neutralität und Unvoreingenommenheit herzustellen. Ein kleiner Schritt für sie oder ihn, aber in Summe ein großer Schritt für die Menschheit, denn jeder Konflikt, jeder Krieg hat seine Wurzeln letztlich in dieser Frage! Und jeder von uns möchte Krieg vermeiden, richtig? Dann sollten wir dort beginnen, wo wir es können. Das geht am besten, indem wir einander interessiert zuhören, verstehen und respektieren, statt voreingenommen zu sein.

Sowohl beim Lesen seines Buches als auch beim Sehen von Interviews mit ihm überzeugt mich Walter Kohl. Dabei ist es mir völlig egal, dass er der Sohn eines ehemaligen Bundeskanzlers ist, den ich nie gewählt habe. Er ist ein netter und glaubwürdiger Mensch. Punkt.

Anders als von manchen dargestellt, ist sein Buch keineswegs voller Jammerei. Im Gegenteil, er stellt nüchtern fest, wie die Dinge aus seiner Sicht gelaufen sind und warum. Er leistet somit ein wichtiges Stück Aufklärungsarbeit, gibt uns Einblicke, die wir sonst nicht hätten.

Es ist wertvoll, die Detailerfahrungen eines Menschen in seiner speziellen Lage kennen zu lernen und zu versuchen, sie nachzuempfinden. Wenn es im Verlauf sogar gelingt, aufgrund der damit verbundenen Erkenntnis- und Lernprozesse zu vermeiden, dass sich Ähnliches wiederholt, hilft dies der Menschheit insgesamt weiter.

Bemühen wir uns also um Neutralität all unseren Mitmenschen gegenüber! Was jemand sagt und tut sollte uns natürlich wichtig sein, aber doch nicht wer er ist, woher er kommt, wie er aussieht, oder gar wer seine Eltern sind!

In diesem Sinne hat Walter Kohl ein empfehlenswertes Buch geschrieben, das gut zu lesen ist!
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35 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 7. Februar 2011
Der Sohn eines Machtbesessenen, der "gelebt" wurde, nicht die immens wichtige Ich-bin-etwas-wert-Stärkung erfuhr und der sich nahezu zeitlebens unter der Übermacht eines Vaters sah, dessen Familie die Partei darstellte, befreit sich literarisch von den zwangsläufig erlittenen Blessuren.

Was erwartet man von einem solchen Buch?
Eine Abrechnung in erster Linie, eine Schlammschlacht, die jahrzehntelang unausgelebte Rachebedürfnisse befriedigt und, ganz nebenbei, ob des prominenten Namens auch noch das Konto keineswegs unbeträchtlich aufstockt.

Jeder, der mit einer solchen Erwartungshaltung an dieses Buch herangeht, wird es enttäuscht zur Seite legen. Walter Kohl, der Sohn des in aller Umstrittenheit dennoch schillernden Helmut, beschreitet einen anderen, in erster Linie von Versöhnung geprägten Weg. Spannend, zuweilen auch beklemmend an die Nieren gehend gewährt er Einsicht in eine sich den Anschein von Normalität gebende Familie, die infolge der exponierten Stellung eines wohl verdienstvollen, doch gleichermaßen extrem machtbesessenen wie geltungssüchtigen Politikers jedoch niemals eine solche sein konnte. Er zeigt, wie die Mutter, verzweifelt in ihrem Bemühen, das Bindeglied darzustellen zwischen überhöhter (psychischer!) Anforderungen seitens des entrückten Übervaters sowie der dem Promistatus geschuldeten Zwänge und ihrer Sehnsucht nach harmonischer Familienidylle scheitern MUSSTE und zeichnet ohne jegliche Effekthascherei die überraschend sachliche, nicht wertend-verurteilende Charakterstudie eines Patriarchen, der sich im Bewusstsein seines politischen Ausnahmetalentes primär seiner Partei - nicht zuletzt der eigenen "Unsterblichkeit" halber - verschrieb. Dem Wohl seiner sich immer mehr zwischen den Fronten zerreibenden Frau wie auch dem seiner Kinder konnte infolge der heroischen Bedeutung der eigenen Existenz daher nur ein Nebenschauplatz zukommen, dem massenmedial wirksam durch jährlich publizierte, auf Harmonie getrimmte Urlaubsfotos vom Wolfgangsee begegnet wurde.

Es liegt, es sei nochmals betont, keine Abrechnung, sondern eine überraschend offene, uneitle, bemerkenswert sensibel geschriebene Befreiungsstudie eines Mannes vor, der nach langem Leidensweg und vielen Grenzerfahrungen aus dem Korsett des zerstörerischen Etiketts "Der Sohn von..." schlüpfen konnte, der seine Identität fand und dem es gelang, seinen Frieden mit der belastenden Vergangenheit zu machen.

Dass ihm dies ohne jede jegliche Häme, ohne jedes Nachtreten glückte, ist bewundernswert.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 30. Juli 2011
Walter Kohl beschreibt in diesem Buch sein Leben, seine Entwicklung, seine Gedanken. Walter Kohl ist »der Sohn vom Kohl«, dem deutschen Kanzler zum Ende des letzten Jahrhunderts. Walter Kohl beleuchtet seine Kindheit, seine Schulzeit, seine erfahrungsreiche Zeit bei der Bundeswehr, seine universitäre Ausbildung in den USA, seine beruflichen Stationen. Die Geschichten lesen sich eigentümlich distanziert, emotionslos, beobachtend, interpretierend, auch schon in Kinderjahren. Wie will Walter Kohl also »seine eigene Klarheit zu finden«? Was dachte Walter Kohl zu jener Zeit oder was glaubt Walter Kohl, was er damals dachte? Er vermischt seine Betrachtungen in unfassbarer Weise. Trotzdem entwickelt der Autor ein eindrucksvolles, da typisches Sitten- und Familienbild der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Die Berühmtheit des Vaters ist nur eine oberflächliche Erklärung für die erschreckende emotionale Distanz des Machtmenschen Helmut Kohl.

Jede Familie hat ihre eigene Geschichte, so las ich das Buch aus einem ganz persönlichen Blickwinkel. Als Sohn eines unbekannten, unbedeutenden Arbeiters, der in der Nachkriegszeit nach der Vertreibung versuchte, sich eine neue Heimat zu schaffen. Ich erfuhr in einer komplett anderen Lebensumwelt ähnliche Verhaltens- und Denkweisen. Helmut Kohl inszenierte (medienwirksam) ein heiles Familienleben, erwartete »gute Miene zum bösen Spiel«, betonte die 'Gnade der späten Geburt'. »Was nicht in seine [Helmut Kohls] Vorstellungen passte, das durfte nicht sein.« Welch mir bekannte Weltsicht! Irritiert hat mich dagegen die vordergründig kindliche Begeisterung des fast 40-jährigen Walter Kohl beim Begräbnis seiner Mutter: »Diese Frau, die 1945 als bettelarmes Flüchtlingskind in die Pfalz gekommen war, wurde 2001 dort [im Dom] wie eine Königin zu Grabe getragen«. Ja, früher, bis ins 20. Jahrhundert hinein, wurden Selbstmörder noch außerhalb der Friedhofsmauern verscharrt.

Schon in solch markanten Sätzen des Autors zeigt sich eine bemerkenswerte Ambivalenz und möglicherweise nur oberflächlich reflektierte Beziehung des Autors zu seinen Mitmenschen. Später im Buch analysiert und relativiert Walter Kohl die Bedeutung der Krankheit seiner Mutter, doch die Betrachtung des offensichtlich immensen Einflusses der Hannelore Kohl auf ihn selbst und daraus entstehende starke Bindung bleibt eigenartig unkritisch.

Zentral sind für mich die Kapitel »Opferland?!«, in dem Walter Kohl einmal vorsätzlich keine »gefälligen Worte« für seinen eigenen Anteil an seinem Leben findet - und das daran anschließende Kapitel »Meine Eltern«, wo endlich wirkliche Gefühle beschrieben und intensiv erlebbar werden. Die abschließenden Kapitel zur Versöhnung wirken wieder leicht befremdlich, aufgesetzt. Walter Kohl propagiert Versöhnung, doch mit der neuen Frau an der Seite seines Vaters bleibt er uneindeutig unversöhnlich.

Walter Kohl mag seine Klarheit gefunden haben, doch hinter seinen wohl gesetzten Worten ist noch viel mehr zu lesen. Inwieweit entspricht die Wahrheit Walter Kohls überhaupt der Wahrheit oder Realität eines Helmut Kohl oder anderer Menschen in seinem Umfeld? Heribert Schwan zeigt in seinem Buch Die Frau an seiner Seite: Leben und Leiden der Hannelore Kohl andere Seiten der Familie Kohl. Walter Kohl selbst schreibt in einer manchmal seltsam diffusen Sprache, er spricht vieles nur indirekt an und aus. Typisch für ein durch die transgenerationale Weitergabe von Kriegserlebnissen geprägtes 'Kind eines Kriegskindes', wie es Anne-Ev Ustorf in Wir Kinder der Kriegskinder: Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs beschreibt? Walter Kohl durchbricht nur sehr vorsichtig die tief eingeprägten Dogmen vom unkritischen Funktionieren, Leisten und Anpassen.
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