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33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sinnsuche für Entzauberte und solche, die es noch werden wollen, 5. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Entzauberte Welt: Über den Sinn des Lebens in uns selbst. Eine Streitschrift (Gebundene Ausgabe)
Der Titel des Buches spielt auf Max Webers Diktum von der "Entzauberung der Welt" an, die, wie man bei der Lektüre schnell merkt, auch für den Autor noch nicht so ganz abgeschlossen scheint, nennt er doch ein ganzes Kapitel danach.
Diese Entzauberung gelingt dann auch überzeugend. Neben einer Kritik des "modernen" Theologen Hans Küng werden auch die Forderungen jenseits der theologischen Ecke auseinandergenommen, Wissenschaft und Religion als komplementäre "non overlapping magisteria" (Gould) zu verstehen. Darüber hinaus widmet sich der Autor ausführlich dem Problem der Feinabstimmung, das nicht selten von Vertretern einer teleologischen Weltsicht als Begründung herangezogen wird.
Als Ersatz für den weggebrochenen universalen Sinn bleibt nur noch der lokale, zeitlich begrenzte Sinn, der von persönlichen (d.h. biologischen) Anlagen eingegrenzt wird. Die Vernunft dient demnach nur dazu, die Stratgien zur Sinnerfüllung zu optimieren. Sehr positiv fällt dabei auf, dass Kanitscheider hier dem menschlichen Wesen eine große Bandbreite attestiert und demnach nicht den Fehler begeht, das Spektrum der Sinnmöglichkeiten dogmatisch auf bestimmte, naturrechtlich begründete Positionen festzulegen.
Ganz so offen möchte es der Autor aber dann doch nicht lassen und favorisiert deshalb individualistische Konzepte, insbesondere den antiken Hedonismus von Aristipp und Epikur. Ob dieser allerdings angesichts der real existierenden Präferenzen der Gesellschaftsmitglieder sich von alleine zu einer friedlichen Gesellschaft fügt oder ob man aus einem naturalistischen Weltbild nicht auch auf kontraktualistischem Wege kollektive Regeln ableiten kann und muss, um die divergierenden Präferenzen zu harmonisieren, müsste noch untersucht werden.
Abgesehen von diesem sozialen Aspekt ist auch nicht klar, wieviele Menschen den Gedanken an eine objektive Sinnleere psychologisch überhaupt ertragen können und darüber hinaus noch in der Lage sind, ihre Vernunft zur Lebensoptimierung zu verwenden, geschweige denn, Kanitscheiders Vorschläge in Bezug auf ein freies Liebesleben zu verwirklichen. Für alle anderen, spätestens nach der Lektüre entzauberten Sinnsucher ist es ein sehr lohnendes Buch.
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50 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Sinn des Lebens liegt in den Sinnesfreuden!, 16. Januar 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Entzauberte Welt: Über den Sinn des Lebens in uns selbst. Eine Streitschrift (Gebundene Ausgabe)
Ein für Nichtphilosophen und Nichtwissenschaftler manchmal nicht einfach zu lesendes Buch (aufrund der sehr philosophisch und wissenschaftlich geprägten Terminologie; ich glaube einiges hätte man etwas einfacher halten können ohne an wissenschaftlicher Argumentationspräzision zu verlieren, ganz im Sinne Wittgensteins: alles was sich aussprechen läßt, läßt sich klar aussprechen), aber eines, das es Wert ist, sich durchzukämpfen. Womit wir auch bei einer der nicht überraschenden Thesen des Buches anlangen "Ganz ohne Leistung, Aktivität, Überwindung von Schwierigkeiten scheint sich kaum ein Gefühl der Zufriedenheit einzustellen." Was tun, wenn es keinen übergeordneten Sinn im Leben gibt? Was tun, wenn Religion nicht mehr als Orientierungsmodell taugt? Dies zu zeigen ist das Hauptanliegen des Buches. Die Antwort: Den Sinn finden wir nur in uns selbst. Es kann keine von Philosophen verallgemeinerten Vorschriften geben, da individueller Sinn "von Temperament, Charakter und Mentalität des Einzelnen abhängt", obgleich es allgemeine Prinzipien gibt (siehe Leistungs- und Überwindungsprinzip weiter oben). Wir finden den individuellen Sinn also nur über Selbstreflexion und Selbsterkenntnis. Es werden die beiden hedonistische Lebensphilosophien von Aristippos und Epikur als Lösungsmöglichkeiten nahegebracht, kurz: zu versuchen das Leben mit allen Sinnen in der Gegenwart zu genießen. Dem Ernst und den Widrigkeiten des Lebens begegnet man am besten mit intelligentem Humor, etwas, womit wir Deutschen uns manchmal vielleicht etwas schwerer tun. Ein auf hohem Niveau spannendes und zum Nachdenken anregendes Buch! Ich bin dem Menschen, der es mir geschenkt hat, sehr dankbar, und habe es bereits zweimal weiterverschenkt!
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Naturalistische Streitschrift, 25. Januar 2010
Von 
Gottfried Beyvers (Ergoldsbach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Entzauberte Welt: Über den Sinn des Lebens in uns selbst. Eine Streitschrift (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist wieder ein typischer "Kanitscheider": Fehlerfrei, klare Argumentation, unzweideutige naturalistische Positionen. Die ersten beiden Kapitel behandeln Sinn und Telos; hier kommt der Naturalist zu dem Ergebnis, daß natur- oder gottgegebene Sinnkonstruktionen nicht existieren, die Welt strebt auf kein irgendwie geartetes vorgegebenes Ziel zu.

Kapitel III ist eine erfrischende Abhandlung des Phänomens "Küng", Vorsicht: Lachmuskelalarm. Zurecht wird der Küngsche Begriffssalat ("Wirklich-Sein des Wirklichen im Ganzen" etc.) auf die Schippe genommen. Auch die vermeintlichen Brückenschlager zwischen rationaler Philosophie und Wissenschaft einerseits und irrationalen Denksystemen andererseits kommen schlecht weg (Kapitel IV). Der "schärfsten Waffe, nämlich der logischen Analyse" solle man sich gerade dort nicht entledigen, wo man sie am notwenigsten braucht; also eine unmißverständliche Absage an den Habermasschen Versuch der Diskurstrennung.

In den weiteren Kapiteln geht es um die Stellung des Menschen im Kosmos, seine objektive Bedeutungslosigkeit, die Entzauberung der Krone der Schöpfung. Wegen des Fehlens eines übergeordneten kosmologischen Sinnes unseres Daseins empfiehlt Kanitscheider eine bescheidenere Alternative: Irdische selbstgesteckte Ziele und einen rationalen Hedonismus, wobei er weniger die epikureische (Abwesenheit von Schmerz, Seelenfrieden), sondern die Variante des Aristipp favorisiert: physische Freude als reichste Glücksquelle. Aber nicht nur körperliche Genüsse, auch Musik, Kunst, Philosophie und wissenschaftliche Betätigung fördern das Glück: "Ein Schatz von Geistesgütern aus unserer Tradition, von den schöpferischen Denkern der Vergangenheit hervorgebracht, wartet auf jeden, der die Gestaltung des Lebenssinns über die Erweiterung des Wissenshorizonts in die Hand nehmen möchte. Dazu ist keine Hochbegabung erforderlich, sondern nur ein wenig Initiative und Ausdauer, dann wird jeder hoch belohnt. Das Problem der Sinndefizite verschwindet auf einmal, und es wird sogar unverständlich, wie es je eines geben konnte."

Fazit: Ein wunderbares Buch, das jeder Ethiklehrer lesen sollte, aber nicht nur diese! Denn es gehört mit Fug und Recht selbst zu dem besagten Schatz von Geistesgütern.
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40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Stand der Dinge und unsere Antwort darauf, 9. Dezember 2008
Von 
Michael Murauer "mmurauer" (Deggendorf; Niederbayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Entzauberte Welt: Über den Sinn des Lebens in uns selbst. Eine Streitschrift (Gebundene Ausgabe)
"' die Menschen gewöhnen sich an die "Entzauberung der Welt", bis sie den ganzen Vorgang nicht mehr als solchen empfinden: die Anpassung des Gefühlslebens an die Erkenntnis ist vollzogen." Wären wir dieser Prognose (die man mehr als Postulat ansehen darf) schon wesentlich näher gekommen, seit sie von Ernst Topitsch 1958 am Ende seines Buches "Vom Ursprung und Ende der Metaphysik" formuliert wurde, dann hätte Bernulf Kanitscheider nunmehr Eulen nach Athen getragen. Da die Welt aber im Gegenteil seither wieder mehr von religiösem Wunschdenken eingelullt, ja leider zum Teil sogar von religiösem Fanatismus verhext erscheint, ist es aller Mühe wert, den Menschen die "Entzauberte Welt" und die wünschenswerten Konsequenzen daraus immer wieder zu präsentieren. Kanitscheider tut dies mit einem weitgespannten, in bester essayistischer Tradition formulierten Überblick über die Geschichte von Philosophie und Naturwissenschaften von der Antike bis in die unmittelbare Gegenwart. So eindrucksvoll (und ja, trotz allem ein wenig bedrückend) er dabei die kosmische Irrelevanz und den ephemeren Charakter aller geistigen Phänomene und Anstrengungen betont, so lohnend ist andererseits der geistige Parforce-Ritt, der den Leser hier erwartet. Und dennoch bleibt der Autor in sympathischer Weise auf dem Boden, wenn er die Sinnerfüllung in der schlichten Alltagsexistenz verteidigt, für die nur erforderlich sei, "dass ein oder mehrere Lebensziele bewusst aufgefasst werden und dass sich der Betreffende mit Engagement und Nachhaltigkeit für die Erreichung derselben einsetzt." Die "molluskenartige Semantik" und "theologische Poesie" mit der moderne Theologen wie Hans Küng den Gottesbegriff und religiöse Sinngebungen retten wollen, stößt dagegen auf Kanitscheiders entschiedene Kritik und Abneigung. Er verwahrt sich auch gegen eine "weiche Komplementaritätsstrategie, wonach Religion und Wissenschaft jeweils ihren eigenen Bereich verwalten und keiner dem anderen an den Wagen fährt". Den Religionen zollt er weiterhin kulturhistorischen, aber keinen kognitiven Respekt mehr. Dies wird mit einem hübschen Diktum Miguel de Unamunos illustriert: "En la iglesia me quito el sombrero, pero no me quito la cabeza." (In der Kirche nehme ich den Hut ab, aber nicht den Kopf.) Im übrigen ein lohnender Nebenaspekt dieses Buches: Kanitscheider öffnet mehr als einmal ein Fenster in den angesichts der Dominanz des Englischen zu wenig beachteten spanischen Sprachraum. ' Kanitscheiders Buch ist eine ausgezeichnete Wahl, wenn man seiner eingangs geäußerten Empfehlung folgen will, "sich die philosophische Krankheit der Sinnsuche wenigstens für eine kurze Zeit zu leisten, um dann mit mehr Vertrauen und Gelassenheit zur nüchternen Alltagswelt zurückzukehren."
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9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen kanitscheider, 28. Juli 2009
Von 
Gerhard Staub (winnenden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Entzauberte Welt: Über den Sinn des Lebens in uns selbst. Eine Streitschrift (Gebundene Ausgabe)
Kanitscheider analysiert messerscharf. Dabei kommt u.a. Küng schlecht weg, weil ihm Kanitscheider nachweist, sowohl nebulös als auch zirkulär zu argumentieren. Nachteilig ist Kanitscheiders professoraler Sprachduktus. Wer es nicht gewöhnt ist, mit universitärer "Hoch"-Sprache umzugehen, hat es schwer.
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Entzauberte Welt: Über den Sinn des Lebens in uns selbst. Eine Streitschrift
Entzauberte Welt: Über den Sinn des Lebens in uns selbst. Eine Streitschrift von Bernulf Kanitscheider (Gebundene Ausgabe - 1. Mai 2008)
EUR 26,80
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