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31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gründliche Darlegung des wissenschaftlichen Materialismus
Der philosophische Materialismus, wonach nur konkrete, dinghafte Gegenstände real sind, stand Jahrtausende lang im Schatten des platonischen Idealismus, der auch abstrakten (immateriellen) Objekten, wie Zahlen, mathematischen Termen, Geistwesen, Ideen und sonstigen Denkinhalten eine reale Existenz zugesteht. Zu groß war und ist noch immer die Anziehungskraft...
Veröffentlicht am 23. September 2005 von Philosophicus

versus
10 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen großer Quatsch
Um es gleich vorweg zu sagen: ich stehe dem Materialismus fern, was mich aber nicht davon abhält, in dem Materialismus eine wichtige Strömung der Aufklärung zu sehen. Ganz im Gegenteil: D'Holbachs "System der Natur", das meiner Meinung nach wichtigste Buch zu diesem Thema, kann mit Fug und Recht als ein sehr wichtiger Beitrag in der Geistesgeschichte der...
Veröffentlicht am 30. Juni 2011 von Kunde


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31 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gründliche Darlegung des wissenschaftlichen Materialismus, 23. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. (Gebundene Ausgabe)
Der philosophische Materialismus, wonach nur konkrete, dinghafte Gegenstände real sind, stand Jahrtausende lang im Schatten des platonischen Idealismus, der auch abstrakten (immateriellen) Objekten, wie Zahlen, mathematischen Termen, Geistwesen, Ideen und sonstigen Denkinhalten eine reale Existenz zugesteht. Zu groß war und ist noch immer die Anziehungskraft mystisch-religiöser Weltbilder und deren Heilsversprechen, in deren Licht der Materialismus oft wie eine sinnleere, radikal reduktionistisch oder gar sozialdarwinistisch angehauchte Ideologie erscheint. Dieses Bild beginnt sich unter dem Einfluß der Naturwissenschaften allmählich zu wandeln, ist es doch überhaupt erst unter Bezugnahme auf eine rationale, von allen übernatürlichen, mystisch-animistischen und immateriellen Sachverhalten befreite Ontologie gelungen, ein kohärentes und erklärungsmächtiges Theoriengebäude zu errichten. Dessen ungeachtet scheuen viele Realwissenschaftler noch immer das Bekenntnis zum Materialismus, obwohl sie, bewußt oder unbewußt, allesamt als Materialisten forschen. Nicht zuletzt deshalb verbinden die Wissenschaftsphilosophen Bunge und Mahner mit ihrem Buch das Ziel, "die materialistische Fundierung der Realwissenschaften zu untermauern" (S. 233).
In Anlehnung an Heraklit steht im Mittelpunkt des von Bunge und Mahner dargestellten Materialismus die dynamische Auffassung von der Welt und ihrer Subsysteme. So besagt das zentralste Postulat ihrer Ontologie, daß die Welt ausschließlich aus materiellen Gegenständen ("Dingen" oder "Entitäten") besteht, die sich durch die Fähigkeit zur Veränderung auszeichnen. Das heißt, nur Dinge können Energie besitzen, eine Zustandsänderung erfahren, mit anderen Dingen interagieren, sich zu Systemen zusammenschließen und dabei qualitativ neue Eigenschaften erwerben oder wieder verlieren. Somit ist die materialistische Weltauffassung der Autoren eng verbunden mit dem Begriff der Emergenz, an dem keine moderne Realwissenschaft vorbeikommt, ist doch die Entstehung qualitativer Neuheiten ein zentrales Merkmal unserer evoluierenden Welt. Dahingegen haben immaterielle Objekte keine substantiellen Eigenschaften, keinen Zustand und daher schlußendlich keine reale Existenz. Ein wichtiges Fazit lautet daher, daß sich "Wirklichkeitswissenschaftler (...) nur mit materiellen Gegenständen" beschäftigen (S. 233) und deren "schier unbegrenzte Fähigkeit, neue 'Formen' oder Eigenschaften hervorzubringen" analysieren (S. 54).
Bis hierher läßt sich festhalten, daß es den Autoren sehr gut gelungen ist, zu begründen, warum sich Wissenschaftler ganz als Materialisten verhalten und weshalb eine idealistische Ontologie nicht als Bestandteil wissenschaftsorientierter Weltbilder infragekommen kann. Obwohl es für den Leser nicht immer einfach ist, sich die exakte Begrifflichkeit der Autoren anzueignen, besticht das Buch durch die systematische und kohärente Darlegung aller für das Verständnis der Ontologie benötigten Grundbegriffe, Postulate und Folgerungen des emergentistischen Materialismus. Vor allem die analytische Tiefe, mit der die Inkohärenz konkurrierender Philosophien herausgestellt wird, macht die Lektüre zu einem intellektuellen Vergnügen und stellt die Vertreter immaterialistischer Weltbilder vor ernste Rechtfertigungsprobleme.
Wiewohl das Buch die ontologischen Aspekte unseres modernen wissenschaftlichen Weltbildes eingehend erörtert, geht es über den Rahmen der Realwissenschaften hinaus und behandelt auch ethische Gesichtspunkte, die in keinem Buch über den Materialismus fehlen sollten. Schließlich gilt es, dem alten - immer noch fest im öffentlichen Meinungsbild verankerten - Vorurteil entgegenzuwirken, wonach Ethik notwendigerweise an Religion gebunden und der Materialismus nicht in der Lage sei, moralischen Aspekten gerecht zu werden. Die im Buch vorgestellten Grundzüge einer materialistisch orientierten Moralphilosophie widerlegen diese Auffassung gründlich und zeigen, wie sich Ethik aus der Perspektive des Materialismus denken läßt.

Und wie steht es mit der Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft; läßt sich die Annahme einer mit unserer Welt interagierenden Übernatur mit einer wissenschaftlich orientierten Philosophie vereinbaren? Das Buch läßt keinen Zweifel daran bestehen, daß jede Kompatibilitätszubilligung in dieser Richtung fragwürdig ist, weil die Möglichkeit einer völlig konfliktfreien Synthese nicht besteht - es sei denn, Religion beschränkt sich auf die Vorstellung, daß die postulierte Übernatur das Weltgeschehen nicht kausal beeinflußt. Solch eine Lösung wird jedoch nur wenig gläubige Menschen zufriedenstellen, besteht doch der Kern theistischer Religion gerade darin, ihrem Anhänger wenigstens das Zustandekommen zeitweiser Kontakte zwischen der Welt und jener "Übernatur" zu versprechen, an die er glaubt. Sobald derartiges angenommen wird, beschäftigt sich Religion zum Teil mit denselben Gegenstandsbereichen wie die Wissenschaften, d.h. sie trifft Aussagen über weltimmanente Sachverhalte, so daß Konflikte mit den Wissenschaften auftreten. Diese von den Autoren vertretene Auffassung setzt eine umfassende Charakterisierung von Religion und Grundlagenwissenschaften voraus, die im Buch in beispielhafter Klarheit vorgenommen wird.
Alles in allem läßt sich resümmieren, daß auf dem nationalen wie internationalen Buchmarkt kaum eine derart kohärente, kompetente und systematisch gründliche Darlegung des ontologischen Materialismus sowie der Idealismuskritik existieren dürfte, die mit fast 300 Literaturstellen auch ein argumentativ mächtiges und mutiges Plädoyer für den Materialismus darstellt. Somit ist es zugleich ein unbequemes, provokatives, stellenweise auch schwieriges und doch überaus lesenswertes Buch. Wer sich ernsthaft mit den ontologischen Grundlagen der Naturwissenschaften sowie mit den Argumenten für und wider alternative Philosophien auseinandersetzen möchte, für den ist dieses Werk ein Muß.
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18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hochinteressantes Buch!, 16. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. (Gebundene Ausgabe)
Die folgende Rezension aus Spektrum der Wissenschaft 2/2006, S. 100-101, gibt einen guten Überblick über das Buch. Das einzige, was ich nicht nachvollziehen kann, sind die relativistischen Anmerkungen des Rezensenten am Ende.

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Um seinen Zeitgenossen die Furcht vor den Göttern und dem Tod zu nehmen, verfasste der römische Dichter und Philosoph Lukrez (97-55 v. Chr.) sein von der materialistischen Atomlehre der griechischen Antike geprägtes Lehrgedicht De rerum natura ("Über die Natur der Dinge") - und wurde so zu einem einflussreichen Popularisierer eines aufgeklärten wissenschaftlichen Weltbildes. Mit dem respektvoll von Lukrez entlehnten Titel erinnern der argentinische Physiker und Philosoph Mario Bunge und der Biologe Martin Mahner an diese alte materialistische Tradition. In erster Linie aber wollen sie einen breiten Leserkreis vom modernen Materialismus überzeugen.

Warum ist ihnen das wichtig? Erstens versuchen sie zu zeigen, dass nur der Materialismus konsistente philosophische Voraussetzungen für die Realwissenschaften schaffen kann, obwohl deren Vertreter sich nicht einmütig zu ihm bekennen und manchmal sogar glauben, ganz ohne Philosophie auskommen zu können. Zweitens wollen sie das emanzipatorische Potenzial des Materialismus konsequent nutzbar machen und so Argumente gegen Pseudowissenschaft, Religion und Esoterik liefern.

Seit der Antike stehen sich mit dem Idealismus und dem Materialismus zwei radikal verschiedene philosophische Weltbilder gegenüber. Dabei geht es grob gesprochen um die Frage, ob ausschließlich das Geistig-Ideelle oder ausschließlich das Materielle real existiert. Als Materialisten vertreten Bunge und Mahner den zweiten Standpunkt; aber auch der Materialismus kennt noch zahlreiche Spielarten. Die Autoren grenzen sich insbesondere vom Physikalismus und vom Dialektischen Materialismus ab: An Ersterem kritisieren sie die reduktionistische These, die Welt könne allein von der Physik her erklärt werden; bei Letzterem nehmen sie Anstoß an einigen der so genannten Gesetze der Dialektik.

Ein Objekt ist nach Bunge und Mahner genau dann materiell - und damit real existent -, wenn es veränderbar ist, das heißt, wenn der Wert mindestens einer Eigenschaft des Objekts sich im Lauf der Zeit ändern kann. Dieses Kriterium ist brauchbarer als andere häufig verwendete Kriterien wie sinnliche Wahrnehmbarkeit, Massehaltigkeit oder raumzeitliche Lokalisierbarkeit. Auf diese Weise können nämlich unter anderem auch elektromagnetische Felder als materiell angesehen werden. Energie gilt nicht als immateriell, da sie als Eigenschaft materieller Objekte interpretiert wird.

Die von Bunge und Mahner vertretene Form des Materialismus heißt "emergentistisch" und ist charakterisiert durch eine starke Betonung des Systemgedankens: Jedes Ding ist ein System oder Bestandteil eines Systems. Und Systeme haben emergente Eigenschaften, das sind solche, die keiner der Bestandteile des Systems besitzt. Als Paradebeispiele gelten die Flüssigkeit von Wasser (einzelne Moleküle sind nicht flüssig) oder die Lebendigkeit einer Zelle (einzelne Moleküle sind nicht lebendig). Die Existenzweise des Geistig-Ideellen, also abstrakter Objekte wie Zahlen oder mythologischer Personen, ist für Materialisten meist eine harte Nuss. Die Autoren verstehen abstrakte Objekte als Äquivalenzklassen von möglichen Gedanken, das heißt als das, was ähnlichen Gedanken, die in verschiedenen Gehirnen gedacht werden können, gemeinsam ist.

Abstrakten Objekten kommt daher bloß der Status der fiktiven Existenz zu, die gleichsam zeitlos ist, da sich in Wirklichkeit immer nur die denkenden Gehirne verändern. Gemäß dieser Auffassung gibt es keine Gedanken ohne denkende Gehirne und somit auch keine Ideen im Sinne Platons, die in einem "idealen Begriffs-Steinbruch" abgebaut werden könnten. In diesem Zusammenhang lehnen die Autoren auch die bei Naturwissenschaftlern und Hobbyphilosophen beliebte Drei-Welten-Lehre von Popper als "Monster traditioneller Metaphysik" ab.

Aber hat nicht die Quantenmechanik die Grundannahmen des Materialismus letztendlich widerlegt? Diese Frage verneinen die Autoren entschieden, ob wohl aus der Kopenhagener Deutung und der Heisenberg'schen Unschärferelation "viele subjektivistische und indeterministische Philosophen Honig gesaugt haben". In Wirklichkeit jedoch beschreibe die Quantenmechanik die objektive Realität unabhängig von Messgerät und Beobachter, und der quantenmechanische Determinismus reiche auf Grund seiner stochastischen Komponente zwar über den klassischen Determinismus hinaus, sei aber weit entfernt von einem radikalen Indeterminismus.

Ebenso entschieden wenden sich Bunge und Mahner gegen nichtmaterialistische Lösungen des Gehirn-Geist-Problems. Geist sei eben nicht immateriell, sondern eine emergente Eigenschaft des materiellen Systems Gehirn. Und Dinge könnten - im Gegensatz zur Auffassung des Physikalismus - nicht nur physikalische Eigenschaften haben, sondern auch biotische, soziale oder mentale. Schließlich begeben sich die Autoren auf das Feld von Ethik und Religion. Dass beide notwendig miteinander verbunden seien, erklären sie zum "populären Irrtum"; darüber hinaus lassen sie an der christlichen Ethik samt Gebotstheorie und Naturrechtslehre kein gutes Haar. Stattdessen betonen sie die Fortschrittlichkeit einer materialistischen Ethik, in der Werte nicht an sich existieren, sondern nur in Bezug auf bestimmte Organismen und abhängig von deren Bedürfnissen und Interessen.

Im Übrigen seien das wissenschaftliche und das religiöse Weltbild wegen unauflöslicher Konflikte absolut unvereinbar. Umso verwunderlicher also, dass viele herausragende Wissenschaftler wie zum Beispiel Isaac Newton zutiefst religiös waren und kurioserweise durch ihre Forschung den Plan des Schöpfers enträtseln wollten. Das alles ist nun im Einzelnen nicht neu. Aber es ist übersichtlich und systematisch zusammengestellt, und die philosophischen Begriffe werden stets präzise und verständlich eingeführt. Die Autoren sezieren ihre Gegner gründlich und können dabei im Großen und Ganzen auch überzeugen.

Der Text bleibt allerdings - trotz des Bemühens um einen lockeren Stil mit zahlreichen polemischen Spitzen - streckenweise etwas trocken. Zudem ist inhaltlich einiges zu kritisieren: Bei der ethischen Diskussion um "Personenrechte statt Menschenrechte" bleibt die klare Distanzierung von radikalen Bioethikern wie Peter Singer aus; irritierend ist auch die Einteilung ethischer Probleme in mini-ethische (zum Beispiel Abtreibung und Euthanasie) und mega-ethische (zum Beispiel Armut und Überbevölkerung), wobei angeblich nur letztere einer ergänzenden politischen Philosophie bedürfen. Ebenso verspürt man Unbehagen bei dem recht traditionellen Wissenschaftsverständnis von Bunge und Mahner, die mindestens unterschwellig den Mythos der Objektivität und Rationalität von Wissenschaft permanent verteidigen. Dabei würde auch der Wissenschaft ein weniger idealisiertes Bild letztlich eher nutzen als schaden.

Oliver Walkenhorst

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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine erstklassige und moderne materialistische Ontologie, 31. August 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. (Gebundene Ausgabe)
Das Buch hat den Untertitel "Materialismus und Wissenschaft" und legt damit klar die Thematik fest: es ist ein philosophisches Buch, das Wissenschaft mit klaren Definitionen und Begriffen auf die Basis eines soliden und modernen Materialismus stellt. Dementsprechend systematisch ist es aufgebaut.
Nach einer Einleitung, die die historische Position des Materialismus skizziert und seine Verortung in der Philosophie wiedergibt, beginnen die Autoren mit einer modernen materialistischen Ontologie. Zentraler Begriff ist hier das "Ding" (der materielle Gegenstand). An ihm entwickeln sie alle Begriffe, die für eine materialistische Ontologie notwendig sind und räumen nebenbei einige populäre Missverständnisse aus, die immer wieder zu kategorischen Fehlern führen (so z.B. die Charakterisierung von Energie als eigenständige Entität anstatt als Eigenschaft von Materie)
In einem eigenen Kapitel gelingt es ihnen sogar, abstrakte Objekte logisch konsistent in ihre Ontologie einzubauen.
Ein weiteres Kapitel geht ausführlich auf angebliche Probleme des Materialismus ein und weist nach, dass viele Kritiken immer wieder Kategorienfehler begehen. Hier wird auch die Kopenhagener Deutung der Quantentheorie in einem ausführlichen Abschnitt mit guten Argumenten als eine phänomenalistische Pseudo-Interpretation zurückgewiesen.
Auch dem Thema "Materialismus und Ethik" ist ein Kapitel gewidmet. Hier hat mich die stringent logische Argumentation beeindruckt, dass Religionen nicht das Primat der Ethik zukommt, ganz im Gegenteil: Religion hat mit Ethik nichts zu tun. Auf ca. 2 Seiten bringen die Autoren dafür eine logische Argumentationskette, der sich niemand entziehen kann, wenn er der Vernunft zugänglich bleiben will.
Im Kapitel "Materialismus, Wissenschaft und Religion" werden sehr klar die Grenzen zwischen Wissenschaft und Religion aufgezeigt. Dies ist um so wichtiger als sich neuerdings nicht wenige Wissenschaftler auf einem "Schmusekurs" zur Religion befinden. Es gibt jedoch unüberbrückbare Gegensätze zwischen Religion und Wissenschaft, die man aber immer wieder klar zur Sprache bringen sollte.
Das Buch zählt zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Nicht nur die klare und eigentlich für jeden verständliche Sprache hat mich fasziniert, sondern auch die sauberen Definitionen und die logische Konsistenz, die nichts offen und unberücksichtigt lassen.
Etwas geschlampt haben die Autoren meines Erachtens beim Abschnitt "Können Maschinen denken?" Sie unterstellen den Vertretern der KI (Künstliche Intelligenz), dass sie eine quasi-dualistische Einstellung zu kognitiven Prozessen haben, weil diese der Auffassung sind, dass diese Prozesse algorithmisierbar wären und damit eine vom Substrat unabhängige "geistige" Existenz besäßen. Davon sind die KI-Vertreter aber weit entfernt. Wenn man jedoch wie die Autoren kognitive Prozesse derart eingeschränkt nur bestimmten biologischen Wesen zuordnen will, so lässt man damit die Möglichkeit außen vor, dass andere Substrate ebenfalls solche Prozesse hervorbringen könnten, die sich zwar einerseits bestimmt von den biologischen unterscheiden würden, aber andererseits auch wieder Gemeinsamkeiten aufweisen könnten. Man erschwert dadurch das Auffinden möglicher allgemeiner Gesetzmäßigkeiten kognitiver Systeme.
Man kann diesem Buch nur eine weite Verbreitung wünschen. Es sollte zur Grundlage an allen Universitäten gehören - besonders in den Naturwissenschaften.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Naturalisten unverzichtbar, 19. November 2009
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. (Gebundene Ausgabe)
Dies ist ein meiner Meinung nach wirklich hervorragendes Buch, welches ich allen Menschen mit einem naturalistischen Weltbild ans Herz legen möchte, da es die Grundlagen und Grundprinzipien einer solchen Weltauffassung sehr sauber herausarbeitet und darlegt. Auch international scheint es kaum etwas Vergleichbares zu geben.

Der in sieben Kapitel gegliederte Text umfasst ca. 235 Seiten. Dazu gibt es ein Vorwort, Anmerkungen und diverse Verzeichnisse. Die einzelnen Kapitel lauten:
- Einleitung
- Eine materialistische Ontologie
- Materialismus und die Existenz abstrakter Objekte
- Probleme des Materialismus?
- Materialismus und Ethik
- Materialismus, Wissenschaft und Religion
- Materialismus und wissenschaftliches Weltbild

Die beiden Autoren grenzen den Materialismus gegenüber idealistischen Weltauffassungen ab und betonen, dass sie sich mit ihrem Weltbild nach wie vor in einer Minderheitenposition befinden, wenngleich sich dies durch die zunehmende Bedeutung der Naturwissenschaften längst ein wenig gewandelt hat. Sie weisen darauf hin, dass einige Philosophen mittlerweile sogar so weit gehen, zu behaupten, "Begriffe wie 'Materialismus' oder 'Monismus' seien heute verzichtbar, weil ihre antithetischen Entsprechungen, gegen die sie sich definitorisch abgrenzen, längst philosophisch tot seien". Allerdings teilen die beiden Autoren diese Einschätzung (bzw. diesen Optimismus - wie sie sich ausdrücken) nicht.

Besonders lohnenswert fand ich den Abschnitt über 'Komplexe Dinge' und Emergenz, die Behandlung abstrakter Objekte, den Abschnitt über die Quantenphysik und die Ausführungen zum Leib-Seele-Problem. Und auch für an der Evolutionstheorie interessierte Leser dürfte das Buch sehr interessant sein. Nirgendwo sonst habe ich bislang eine so knappe und klare Zurückweisung der Memetik gefunden (S. 126): "Ein jüngster metaphorischer Ansatz schließlich ist die Theorie der Meme: die Memetik ... Dabei ist das Wort 'Mem' lediglich ein überflüssiges Synonym für 'Idee' ... In Analogie zu Genen werden Ideen (Meme) als selbstreplizierende Entitäten aufgefasst, die Gehirne gleichsam als geistige Viren parasitieren und so weitergegeben werden. Die Anhänger der Memetik versprechen sich von ihrem Ansatz eine selektionstheoretische Erklärung der Weitergabe und Ausbreitung von Ideen. Die Memetik ist jedoch zum einen konzeptuell so unklar, dass sie an Sinnlosigkeit grenzt, zum anderen ignoriert sie praktisch die gesamte psychologische und sozialwissenschaftliche Forschung zur menschlichen Kommunikation ... Idealistische Fantasien werden nicht dadurch akzeptabler, dass sie in evolutionsbiologischem Gewande daherkommen." Vermisst habe ich in diesem Zusammenhang allerdings den Versuch einer Einordnung der Darwinschen Evolutionstheorie in die vorgestellte Ontologie, denn schließlich wird bei dieser bis heute darum gestritten, was Gegenstand der Selektion (und damit der Evolution) ist.

Nicht viel besser als der Memetik ergeht es an anderer Stelle der soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns (S. 252f.): "Als Vertreter einer sozialwissenschaftlichen Systemtheorie ist in Deutschland vor allem Niklas Luhmann bekannt. Dieser behauptet z. B.: 'Social systems ... consist of communications and nothing but communications - not of human beings, not of conscious mental states, not of roles, not even of actions. They produce and reproduce communications by meaningful reference to communications' (Luhmann 1987, S. 113). Über welche idealistische Fantasie Luhmann hier auch reden mag, mit sozialen Systemen hat diese Konzeption nur wenig zu tun. Gewiss stellt Kommunikation ein wichtiges Element der Endostruktur sozialer Systeme dar, aber Kommunikation ist eine Relation, und Relationen existieren nicht ohne Relata - in diesem Fall menschliche Personen. Eine menschenlose Theorie sozialer Systeme ist völlig verfehlt, wenn nicht sogar verwerflich in Hinblick auf mögliche soziotechnologische Konsequenzen."

Einer der kritischsten Punkte des von Bunge/Mahner präsentierten Materialismus dürfte vermutlich der Begriff der Emergenz sein, der zentraler Bestandteil ihrer Ontologie ist, weswegen sie auch von einem emergentistischen bzw. systemischen Materialismus (S. 4) sprechen. Kritiker an diesem Konzept gibt es zur Genüge (siehe etwa Christian Kummer: Der Fall Darwin: Evolutionstheorie contra Schöpfungsglaube). Bunge und Mahner definieren den Begriff der Emergenz anders, als dies in den meisten anderen Büchern (z. B. Sandra Mitchell: Komplexitäten: Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen) zum Thema getan wird. Entsprechend merken sie an (S. 82f.): "Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass wir hier der verbreiteten Definition einer emergenten Eigenschaft als einer, die nicht aus der Kenntnis der Eigenschaften der Teile vorhergesagt bzw. erklärt werden kann, nicht gefolgt sind. Der Grund ist einfach: Emergenz hat etwas mit der realen Welt zu tun, nicht mit unserem Wissen von ihr: Der Emergenzbegriff ist ein ontologischer, kein erkenntnistheoretischer. Für die Neuheit einer Eigenschaft eines Systems kann es keine Rolle spielen, ob wir sie voraussagen oder erklären können oder nicht: Qualitative Neuheit bleibt - wenn es sie gibt - ontisch qualitative Neuheit, ob sie erkannt wird oder nicht."

Das einzige Problem, das ich in dieser Auffassung sehe, ist die gleichzeitige Festlegung Bunge/Mahners, dass eine Eigenschaft nur dann emergent sein kann, wenn keine Teilkomponente über diese Eigenschaft verfügt. Das scheint mir viel zu einschränkend zu sein. Ich bin davon überzeugt, dass es Systemeigenschaften gibt, die durch die Organisation ihrer Elemente hervorgebracht werden. Sie müssen dann auf einer höheren Systemebene erneut auf diese Weise entstehen, und zwar ganz unabhängig davon, ob ein Systemelement bereits über eine ganz ähnliche Eigenschaft verfügt oder auch nicht.

Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Substanzmetaphysik von Mario Bunge und Manfred Mahner, 3. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. (Gebundene Ausgabe)
Diese Diskussion um Seinsmetaphysik versus Prozessmetaphysik ist sehr wichtig. Das Buch ist klar geschrieben. Bunge und Mahner vertreten eine Seinsmetaphysik, die von Dingen bzw. Objekten bzw. Teilchen als Grundsubstanz unseres Universums ausgeht. Die für die Quantentheorie wichtigen Begriffe der Verschränkung und der Dekohärenz werden hier nicht verhandelt. Diese experimentierbaren und gut gestützten Phänomene sind nur mit einer modernen Wellenvorstellung der Elementar-'Teilchen' in Einklang zu bringen. Aus diesen Gründen teilt die Mehrheit der Physiker die Auffassung von Bunge und Mahner nicht, sondern bevorzugt ihre kampferprobte Prozess-Sichtweise als relevante Beschreibungs- und vor allem Erklärungsebene. Grundsubstanz ist hier eher die Energie - und zwar bevorzugt die in Wellenform.

Zum Substanz-Begriff von Bunge und Mahner gibt es eine Kritik von mir: Norbert Hinterberger, "Aufklärung und Kritik", 3/2011.

Auszug: (...) Insbesondere die Tatsache, dass die Autoren (S. 21-23) selbst von intrinsischen und essentiellen Eigenschaften reden, die ein Ding erst zu dem machen, was es ist, macht den eben referierten Ausschluss der Eigenschaften aus den Entitäten auch pragmatisch sinnlos; logisch ist er ohnedies fragwürdig.
Überdies wird eben auch die Energie zu einer bloßen Eigenschaft der Materie gemacht, ebenso wie die Masse. Zu diesem Zweck wird eigens E = mc^2 in sehr spezieller Weise interpretiert.

Auf S. 35f ist in diesem Zusammenhang die Rede von drei Missverständnissen", die offenbar sowohl Physikern als auch Philosophen angelastet werden:

"Missverständnis 1: Die Bezeichnungen ,Materialisation von Energie' bzw. ,Vernichtung von Materie' für die Bildung von Elektronenpaaren sind inkorrekt. Was ,vernichtet' wird, wenn ein Elektron-Positron-Paar in ein Photon transformiert wird, ist nicht etwa Materie, sondern Masse, welche eine Eigenschaft von Teilchen und Körpern ist, aber nicht von Photonen. Umgekehrt entsteht mit Masse ausgestattete Materie bei der Bildung von Elektronenpaaren. (Die beiden Seiten der Erhaltungsgleichung 2mc² = hv gelten nicht gleichzeitig: Die linke Seite gilt vor, die rechte nach der Annihilation.) Im Gegensatz zu Energie ist Masse eben keine universale Eigenschaft von Materie."

In Bezug auf die Photonen gehen die Autoren offenbar von der Ruhemasse aus, was natürlich unschlüssig ist, da Photonen nie in Ruhe sein können (die Ruhemasse ist eine rechnerische Idealisierung, die in der Natur nicht vorkommt). Der letzte Satz ist also falsch.
B&M gehen hier davon aus, dass Bosonen keine Ruhe-Masse haben, und deshalb soll Masse im Gegensatz zur Energie keine universale Eigenschaft von Materie sein. Nun gelten zwar die Bosonen offiziell eben nicht als Materieteilchen, sondern als ,Boten'- bzw. Kraftteilchen. Aber die Stringtheoretiker weichen diesen recht künstlichen Unterschied gerade auf (mit ihren Energiefäden, die für beide in Anschlag gebracht werden, für Fermionen und Bosonen; in der Supersymmetrie können sie sich ohnedies ineinander umwandeln). Auch H. D. Zeh (nicht gerade als Freund der Stringtheorie bekannt) hält die Implikation der Autoren, dass Strahlung keine Materie sei, für unhaltbar. Im Übrigen, wer spricht denn von ,Vernichtung' angesichts der Energieerhaltung. Man spricht immer nur von Umwandlungen. Wenn ein Elektron-Positron-Paar in ein Photon transformiert wird, dann geht Materie - natürlich samt ihrer Masse - in Strahlungsenergie über, denn beides ist ja in Strahlungsenergie umgewandelt worden (wir sehen hinterher doch keine Materie mehr, die bloß von ihrer Masse befreit wäre, es sei denn, wir bezeichnen diese Strahlung einfach wieder als Materiestrahlung wie es viele Physiker auch tun, und die hat natürlich Masse bzw. Energie). Bei der Bildung von Elektronenpaaren läuft der umgekehrte Vorgang. Und die beiden Seiten der Erhaltungsgleichung dürfen dazu gar nicht gleichzeitig gelten. Das ist trivial. Man weiß also nicht, warum die Autoren das überhaupt erwähnen. Dieser Umstand ändert aber nichts daran, dass in beiden Fällen echte Energieäquivalente resultieren, die man kaum als bloße Eigenschaften von Materie bezeichnen kann. Sonst könnte man straffrei den Zirkel formulieren, das Eine sei bei diesem Hin und Her die Eigenschaft des jeweils anderen. So kann man Energie samt Masse als Entitäten verschwinden lassen. Es scheint aber im Gegenteil so, das Materie ohnedies nur eine andere Erscheinungsform der Energie ist - eben so etwas wie ,geronnene' Energie. Masse dürfte bei diesem Vorgang der grundlegende und nicht der abgeleitete Begriff sein, denn über Masse verfügt sowohl die Energie als auch die Materie, wie wir seit Einstein wissen (...)
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3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hylae in Hochform - Entwurf einer substanzmonistischen Ontologie als Basis einer zeitgenössischen Wissenschaftstheorie, 25. Oktober 2008
Rezension bezieht sich auf: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. (Gebundene Ausgabe)
"Der emergentistische Materialismus ist ein Substanzmonismus, weil er nur Materielles als Substanz zulässt, aber im Ggstz. zum Physikalismus vertritt er zugleich einen Eigenschaftspluralismus." (S. 148, gekrzt.)

Die aristotelische Traditionslinie sehen wir hier, auf zeitgenössischem Wissensstand in die konsensfähige Hochform einer elaborierten Wissenschaftstheorie gebracht.

Höchsten Respekt verdient die offene Art der Darstellung, v.a. im ersten Teil des Buches; die vorgeführte Ontologie wird regelrecht vor den Augen des Lesers axiomatisch "entworfen".

Insbesondere dadurch ist auch der - historisch hoch angesetzte - Buchtitel ("peri physeos" ab Vorsokratik ff.) gerechtfertigt, zumindest wenn man auf inhaltliche Innovation zugunsten von hochqualifizierter Kompilation verzichtet.

Tatsächlich würde man jedem praktizierenden Naturwissenschaftler
wenigstens die Bekanntschaft mit dem hier vorgeführten Grad an sachkundiger Reflexion und argumentativer Offenheit wünschen; es gäbe vermutlich erheblich weniger Probleme und Missverständnisse im Ausübungsbereich von Wissenschaft.

> (Ein anderer Jünger Bunges, Gerhard Vollmer, lehrt in Braunschweig; wer Anschluss sucht, findet ihn hier - nebst beachtlichem Ausstoss einschlägiger Publikationen.)

Folgende ergänzende Hinweise auf - sozusagen naturgemässe - interne Begrenzungen und Charakterzüge des Projekts seien gestattet.

Der hier als Ontologie vorgeführte, (klassisch) substanz-zentrierte Monismus (Materialismus, Naturalismus) :

> kennt keinen Unterschied zwischen (religiöser, idealistischer o.ä.) Illusion und (positiv besetzter) Imagination,
> spaltet das (substanzmonistische) Universum der Weltdarstellung zuverlässig in einen Dualismus aus Wissenschaft und Kunst
(ein "Leonardo"-Projekt würde z.B. auf unontologisch fruchtbarere Weise das Gegenteil anstreben)
> zeigt akzidentiell (klassischerweise, trotz argumentativer Offenheit) auch eine gewisse Tendenz zur Scholastik (und sonoren Polemik),
> formiert sich als "Naturalismus" in der faktisch emergierenden,
wissenschaftl./gesellschaftl. Realität (ausübender neuronaler Systeme) in statistisch auffallender Weise als ziemlich reine Männer-Veranstaltung.
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10 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen großer Quatsch, 30. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. (Gebundene Ausgabe)
Um es gleich vorweg zu sagen: ich stehe dem Materialismus fern, was mich aber nicht davon abhält, in dem Materialismus eine wichtige Strömung der Aufklärung zu sehen. Ganz im Gegenteil: D'Holbachs "System der Natur", das meiner Meinung nach wichtigste Buch zu diesem Thema, kann mit Fug und Recht als ein sehr wichtiger Beitrag in der Geistesgeschichte der Neuzeit gesehen werden. Dies gilt allerdings ganz und gar nicht für "Über die Natur der Dinge". Ganz im Gegenteil: Aus einer philosophischen Perspektive kann man über dieses Buch nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Dort, wo die Autoren recht haben, erzählen sie dem Leser Trivialitäten (wie z.B. beim logischen Quadrat), dort, wo sie keine Trivialitäten erzählen, ist man, gelinde gesagt, höchst erstaunt über die Naivität der Autoren. Im Zentrum der Interpretation der Autoren steht die "Einsicht", dass nur materielle Dinge real seien und wirklich existierten. Nun würde man eigentlich erwarten, dass einem erzählt wird, was denn die Autoren hierunter verstehen würden. Dies tun sie aber leider an keiner Stelle. Also sollten wir davon ausgehen, dass sie unter "wirklich existieren" etwas ganz Einfaches und Triviales verstehen, nämlich genau das, was auch der einfache Mann auf der Straße hierunter versteht. Da aber verstricken sie sich dann in Widersprüche, die sie dann, was eigentlich ganz konsequent ist, gar nicht erst bemerken: Wenn also in diesem Sinne nur die materiellen Dinge existieren, dann tuen es die "geistigen Dinge" nicht. Das behaupten die Autoren auch noch. Leider bemerken sie dann aber nicht, dass jede Theorie, also auch das, was sie selbst vertreten, ein "geistiges Ding" ist. Folglich sollte ihre eigene Theorie nicht existieren. Vielleicht würden aber die Autoren hierauf antworten, dass Theorien, wie alle abstrakten Begriffe (hierunter verstehen sie z.B. auch Zahlen), "Zustände des Gehirns" wären. Dies müsste man dann so denken, wie Aristoteles den Zusammenhang zwischen Ousia und Symbebekos gedacht hatte, also zwischen Substanz (dies wäre dann das Gehirn) und dem Akzidenz (das wäre die Theorie), das ohne die Substanz nicht existieren kann. Einmal davon abgesehen, dass mir die Gleichung Theorie = Zustand des Gehirns überhaupt nicht einleuchtet, würde ich doch erwarten, dass man mir begreiflich macht, wie ein Teil der Welt (die Theorie, verstanden als Zustand des Gehirns) sich auf die Welt in ihrer Ganzheit richten kann. Das eigentliche Problem kommt aber an ganz anderer Stelle zu Tage: Wenn Theorien nur existieren, wenn es Gehirne gibt, die sie denken, gibt es dann noch eine Welt, wenn es keine Gehirne mehr gibt? Dies würden die Autoren wohl bejahen. Würden die Naturgesetze noch existieren? Spätestens an diesem Punkt sollten die Autoren merken, dass ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen worden ist: Denn Naturgesetze können per definitionem nur als Zustände des Gehirns existieren. Wenn es keine Gehirne mehr gibt, die sie denken, dann kann es auch keine Naturgesetze mehr geben. Folglich wird an dem Punkt, wo kein Gehirn mehr die Naturgesetze denkt, sei es, weil es keine Gehirne mehr gibt, sei es, weil die Menschheit sich entschlossen hat, die Naturwissenschaften zu negieren, es auch keine Naturgesetze mehr geben. Ich wage zu bezweifeln, dass die Autoren, das sagen wollten.
Die Autoren behaupten, dass ihre Theorie neu sei. Das Gegenteil ist der Fall. Vor mehr als 110 Jahren war das, was Mahner und Bunge in diesem Buch vertreten, als Psychologismus bekannt. Eigentlich hatte Husserl mit seinen "Logischen Untersuchungen" den Psychologismus so konsequent widerlegt, dass niemand auf die Idee gekommen wäre, zu glauben, dass er nochmals wiederkommen würde. Mit Schrecken sehe ich, dass es im Denken offensichtlich keinen Fortschritt gibt und dass man ganz offensichtlich von jeglicher Bildung befreit sein kann, um mit einer naiven Selbstgerechtigkeit einen kaum zu überbietenden Blödsinn zu vertreten, der schon lange widerlegt wurde.
Um es kurz zu machen: Dieses Buch besteht nur aus Zellulose und Druckerschwärze und besitzt einen gewissen Brennwert. Ich empfehle jedem Leser, den Brennwert dieses Buches empirisch zu ermitteln und statt dessen zu d'Holbach zu greifen.

Das Allerschlimmste an diesem Buch ist allerdings, dass für diesen Quatsch auch noch Bäume gefällt wurden.
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Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft.
Über die Natur der Dinge. Materialismus und Wissenschaft. von Martin Mahner (Gebundene Ausgabe - September 2004)
EUR 26,80
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