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"Verschütteter Ort am Vesuv, waagerecht?". Klar. Pompeji.

Ich muss zugeben, auch ich habe den Vulkan zunächst immer auf die Katastrophe im Jahr 79 n. Chr. reduziert. Herculaneum kam mir dann vielleicht noch in den Sinn, wenn ich ein wenig nachdachte, aber dann herrschte bereits Funkstille. Und das alles war ja auch schon so lange her. Hatte nicht der alte Goethe schon die ersten Ausgrabungen gesehen? Da gibt es doch nichts Neues mehr zu entdecken.

Oder doch?

Das Buch zur Ausstellung "Pompeji - Nola - Herculaneum: Katastrophen am Vesuv" ist für mich eine der größten Lese-Entdeckungen der letzten Zeit. Es liest sich wie ein spannender Kriminalroman, denn mit detektivischem Spürsinn haben Archäologen in den letzten Jahrzehnten der Asche des Vesuv immer mehr Geheimnisse entrissen und dabei festgestellt, dass Pompeji bei weitem nicht das einzige Opfer seiner Ausbrüche war. Seit der Bronzezeit haben Menschen darunter zu leiden und seit der Bronzezeit konservieren Asche und Lava in unvergleichlicher Weise das Leben dieser Menschen wie in einer Zeitkapsel. Die zahllosen Inschriften, Grafitti und Wandgemälde in Pompeji und Herculaneum sprechen uns auch heute noch direkt an. Es sind Zeugnisse eines römischen Alltags, die nur hier im Zusammenhang erhalten geblieben sind. Überhaupt ist es der Zusammenhang, der den Wert dieser Funde ausmacht. Römische Töpfe, Löffel und Gläser gibt es viele. Aber wo hat man jemals dazu ein römisches Brot gefunden, auf dem man noch den Besitzerstempel des Hausherren erkennen kann? So etwas gibt es nur am Vesuv. Die Sozialgeschichte und Lebensumstände ganzer Familien offenbaren teilweise atemberaubend gut erhaltene Funde bis ins Detail und die mit Gips ausgegossenen Hochräume, die verkohlte Leichen hinterlassen haben, lassen das Leid unmittelbar spürbar werden. Das ist keine abstrakte Wissenschaft mehr, sondern berührt uns auch heute noch unmittelbar.

Die schiere Größe der Fundstätten ist für die Archäologen Fluch und Segen zugleich. Zum einen drohen die Ruinen und mit ihnen die kostbaren Wandgemälde und Inschriften aufgrund mangelnder Pflege zu verfallen, zum anderen sind große Teile, vor allem Herculaneums noch nicht ausgegraben. Bis heute gibt es daher immer wieder spektakuläre Funde, von denen einige der interessantesten, ja verblüffendsten in diesem hervorragend ausgestatteten Buch von renommierten Experten vorgestellt werden. Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Das Buch richtet sich an den Laien. Die Sprache ist bildhaft und eingängig, dabei aber präzise.

Die Abschnitte unterteilen sich sowohl zeitlich als auch geografisch: Von den Anfängen bronzezeitlicher Besiedelung, die auch bereits unter Asche konserviert wurde, bis zum großen Ausbruch von 1631. Über das Alltagsleben in einem pompejianischen Mehrfamilienhaus, der Insula, bis hin zu den Spuren, die Kampanien selbst im fernen Mitteldeutschland hinterlassen hat. Zum Teil werden auch neueste Funde beschrieben, immer sind die Texte aber auf dem neuesten Stand der Forschung. Besonders beeindruckt mich dabei die Detailtiefe, mit der heutige Archäologen und Historiker eine Zeit rekonstruieren können, die so lange zurück liegt. Aber die Lektüre dieses absolut empfehlenswerten Buches hinterlässt bei aller Faszination immer auch einen gewissen Schauer: Letztlich verdanken wir viele dieser lebendigen Details dem unberechenbaren und todbringenden Vulkan im Herzen Italiens.

"Verschütteter Ort am Vesuv, waagerecht?"

Es gab viele. Und es wird sie wieder geben.
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Noch bis zum 8. Juni 2012 (bereits seit dem 9. Dezember 2011) präsentiert das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle die bisher viel beachtete Ausstellung "Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv". Dabei werden auf einer Fläche von ca. 1.300 qm etwa. 500 Exponate bzw. Exponatkomplexe gezeigt. Auf den ersten Blick hat die Katastrophe aus dem Jahre 79 n. Chr. am Golf von Neapel wenig mit Sachsen-Anhalt zu tun. Aber dieser Eindruck trügt, denn zwischen Sachsen-Anhalt, Pompeji und der Klassischen Antike gibt es viele Berührungspunkte. Außerdem hat sich das Museum in der Saa-lestadt bereits in der Vergangenheit durch repräsentative Ausstellungen hervorgetan.

Im Münchner Hirmer Verlag ist der umfangreiche und reich illustrierte Begleitkatalog zu dieser Ausstellung erschienen. Wie die Ausstellung macht der Katalog anhand zahlreicher Essays renommierter Historiker und Kunstwissenschaftler deutlich, dass die fruchtbaren Hänge und Ebenen am Golf von Neapel schon seit Jahrtausenden von Menschen besiedelt wurden. Zahlreiche ausgestellte Lebensspuren zeigen, wie das Leben vor 2000 Jahren und davor am Fuße des Vulkans von den stets drohenden Naturkatastrophen geprägt war.

In Bild und Text macht der Katalog mit der Chronologie der Tragödien am Fuße des Vesuvs bekannt und gibt einen Überblick über das Leben bis zum Moment des Untergangs. Die näheren Erläuterungen zu den außergewöhnlichen Exponaten geben einen Einblick in den Alltag und die Geschäfte der einstigen Bewohner. So sind in der Ausstellung prächtige Wandmalereien oder komplette Hausinventare zu sehen. Dazwischen gibt es Rüstungen aus einer Gladiatorenkaserne, Bronzefiguren (u.a. der berühmte Bronzeläufer aus Herculaneum), Geschirr, Schmuck und viele andere Gegenstände und Bildnisse zu bewundern. Außerdem verdeutlichen ausgewählte Biografien von Pompejanern das römische Leben am Golf von Neapel.

Ausführlich wird auch der Aufenthalt einer Dessauer Studiengruppe unter Fürst Leopold Friedrich Franz von Anhalt Dessau in den Jahren 1765/66 dokumentiert. Dieser ließ später in seinem Wörlitzer Gartenreich einen künstlichen Vulkan als Erinnerung an seine Italienreise errichten.

Vieles ist in Halle zum ersten Mal außerhalb Italiens zu sehen, z. B. einige Gegenstände aus dem bereits um 1700 v. Chr. verschütteten Nola oder von der Insel Poggiomarino, die immer wieder überschwemmt wurde. Neben den antiken Stücken aus Italien wird auch römischer Goldschmuck aus dem germanischen Brandgrab von Profen im südlichen Sachsen-Anhalt gezeigt - was wiederum den Bezug von Pompeji zu Sachsen-Anhalt verdeutlicht.

Ein umfangreicher Anhang mit einem Glossar und einem Verzeichnis historischer Personen runden diesen außergewöhnlichen Bild-Text-Band, der mehr ist als nur ein begleitender Katalog zur Pompeji-Ausstellung. Er ist ein Nachschlagewerk zu den Katastrophen am Vesuv, denn man erfährt hier vieles, was man vorher nicht gewusst hat und die Bilder tun ein Übriges. Also in die Ausstellung gehen und den Katalog lesen.

Manfred Orlick
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