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5.0 von 5 Sternen Herausragend!
Ich habe in Berlin die herausragende Ausstellung "Aus anderer Sicht" besucht und mir anschließend das hier vorliegende Buch gekauft. Sicher ist es nicht gerade ein Schnäppchen, doch ist es jeden Cent wert. Die darin enthaltenen Panoramen, die die gesamte innerberliner Mauer von der Ostseite zeigen, sind einzigartig ' sowohl in dem, was sie zeigen (nämlich...
Veröffentlicht am 29. August 2011 von Christiane

versus
9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aus jeder Sicht: innen hui!, aussen pfui!
Dies vorweg: am Inhalt gibt es nur wenig auszusetzen. Die Photographien des Mauerverlaufs, sind überaus interessant, verblüffend in ihrer Vollständigkeit und von Arwed Messmer fachkundig aufgearbeitet. Sehr informativ sind auch die zwischendurch geschalteten Doppelseiten, die den abgebildeten Bereich auf einer Karte präzisieren und u.a. auch die Lage...
Veröffentlicht am 26. August 2011 von coma


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Herausragend!, 29. August 2011
Von 
Christiane (Berlin, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Aus anderer Sicht / The Other View: Die frühe Berliner Mauer / The Early Berlin Wall (Gebundene Ausgabe)
Ich habe in Berlin die herausragende Ausstellung "Aus anderer Sicht" besucht und mir anschließend das hier vorliegende Buch gekauft. Sicher ist es nicht gerade ein Schnäppchen, doch ist es jeden Cent wert. Die darin enthaltenen Panoramen, die die gesamte innerberliner Mauer von der Ostseite zeigen, sind einzigartig ' sowohl in dem, was sie zeigen (nämlich die Perspektive des Grenzsoldaten von Ost nach West), als auch in ihrer Lückenlosigkeit. Die aus den DDR-Grenzprotokollen extrahierten Bildunterschriften erzählen mehr als jeder erklärende Text über den Umgang der Westberliner mit diesem Monstrum Mauer, welches plötzlich die Stadt zerteilte und gehören für mich zum spannendsten Material im Buches. Neben den Mauerpanoramen enthält das Buch noch weitere Bilder. Die 'Tatortfotos' von Orten, an denen 'Grenzverletzungen' 'also Fluchtversuche ' stattgefunden haben, lassen gerade durch das Weglassen weiterer Informationen Raum für eigene Assoziationen. Ergänzend dazu sind die Fluchtgeschichten eine überaus spannende Lektüre. Die Soldatenportraits aus den Ehrenbüchern erzählen wohl jedem etwas anderes, und auch wenn sie mir persönlich nicht allzu viel sagen, haben sie im Buch doch ihre Berechtigung, denn sie geben den im Telegrammstil aufgeführten Belobigen und Tadeln ein Gesicht. Und genau diese Lob- und Tadelliste wiederum führt einem deutlich die Absurdität des Systems vor Augen. Skurril muten die 'Portraits' der Wachtürme an. Wo sonst Gleichheit ganz groß und Individualität ganz klein geschrieben wurde, ist jeder Turm ein Unikat. Neben dem umfangreichen Bildmaterial bietet das Buch noch mehrere Texte, von denen ich besonders den Text über die verschiedenen Generationen der Mauer, die stets weiter perfektioniert werden sollte, und den Text über die DDR-Grenzsoldaten, die oft nur widerwillig die Mauer bewachen mussten, herausheben. Gerade letzterer Text hat mein Bild des Grenzers stark verändert.
Loben möchte ich auch die ungewöhnliche aber durchdachte Aufmachung des Buches. Das verwendete Papier sieht genauso aus wie das in der Ausstellung und erinnert an alte Akten. Die offene Bindung (das Deckblatt ist nicht mit dem Einband verklebt) ermöglicht es, das Buch bis zur letzten Seite weit aufzuschlagen und so die über zwei Seiten gehenden Bilder uneingeschränkt zu betrachten. Würde man dies mit einem normal gebundenen Buch versuchen, würde es unweigerlich sehr bald ausreißen. Natürlich ist aufgrund dieser speziellen Bindung eine gewisse Vorsicht geboten, doch werde ich ein Buch von diesem Gewicht und dieser Größe ohnehin nicht als Schmöker mit in die Straßenbahn nehmen. Es ist viel mehr ein Buch, welches ich mit der gebotenen Ruhe am Tisch sitzend durchblättern werde. Wieder und wieder. Ich denke, dafür ist es gedacht und dafür ist es gemacht. Ich halte dieses Buch für ein wichtiges, einzigartiges Dokument, welches den Irrsinn, den die Mauer bedeutet hat, allein durch die Bilder vermittelt, dem Betrachter dabei aber keine Wertung aufdrängt sondern Raum lässt, die Erkenntnis selbst zu gewinnen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine wertvolle Ergänzung zur Geschichte der Mauer, 22. August 2011
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Aus anderer Sicht / The Other View: Die frühe Berliner Mauer / The Early Berlin Wall (Gebundene Ausgabe)
Die Jahrestage des Mauerbaus und der Maueröffnung haben seit 1990 eine ungeheure Menge an Büchern, Bildern und Filmen über dieses ungeheuerliche Bauwerk hervorgebracht. Kann man 22 Jahre nach der Maueröffnung noch erwarten, Neues zur Berliner Mauer zu erfahren?
Kann es noch eine weitere, eine andere Sicht geben? Die Antwort ist "Ja" und das Buch von Annett Gröschner und Arwed Messmer, das anlässlich des 50. Jahrestages Mauerbaus vorgelegt wird, ist der Beleg dafür. Eine wertvolle Ergänzung zur Geschichte der Mauer.
Der Inhalt
Kernstück des Buches sind 324 Panoramabilder, die die Grenzanlagen von Berlin Treptow bis Berlin Pankow über eine Länge von 43 Km vollständig dokumentieren. Das Besondere daran ist:
Es sind Bilder aus den Jahren 1965/66, aufgenommen von den Grenztruppen der DDR selbst, also von Ostberliner Seite. Nur sie konnten von diesen Standorten Fotos machen. Jeder Privatperson auf Ostberliner Seite war es unter Androhung von Strafe verboten, die Grenze zu fotografieren.
Die Panoramen zeigen die "frühen Jahre" der Mauer, als sie noch nicht zu vergleichen war mit dem perfektionierten Grenzsystem der 70er und 80er Jahre. Statt der den meisten bekannten "langen weißen Wand" findet man hier Stacheldrahtverhaue, Gräben, Panzersperren und roh gemauerte Wände.
Unter jedem Bild findet man auf einer Seite eine Ortsangabe, eine Geocodierung und eine Nummer des Bundesarchivs und auf der anderen Seite Zitate aus Berichten über Vorkommnisse in diesem Mauerabschnitt.
Ergänzt werden die Panoramen durch Fotos von Wachtürmen, durch die Dokumentation einiger Fluchorte und Porträtfotos von Grenzsoldaten. Dazu Texte, die sich aus unterschiedlicher Perspektive mit dem Thema "Mauer" und der Bedeutung fotografischen Archivguts befassen.
Die Aufmachung
Man erhält ein wahrhaft großes Buch, ca. A4 Format: 30 x 21,8 x 4,6 cm, 752 Seiten, 2,2 Kg kommen auf die Waage.
Leider wirkt das ganze billig. Die am Rücken verklebten und genähten Seiten sind in einen Pappdeckel eingelegt. Der schwere Papierberg ist nur auf letzten Seite mit dem Deckel verklebt. Bei der Nutzung ist also Vorsicht geboten. Es wird dünnes Papier geringer Qualität verwendet.
Die Wertung
Für jeden, der sich intensiver mit der Geschichte der Berliner Mauer beschäftigt, ist dieses Buch eine wertvolle Ergänzung. Die Fotos selbst bleiben weitgehend unkommentiert und wirken so um so intensiver auf den Betrachter. Die im Buch zitierten "Vorkommnisse" an der Mauer geben ein Stimmungsbild der Zeit und des Ortes, überlassen aber dem Leser die eigene Wertung.
Wichtig auch die Textabschnitte über die Situation der Grenzer selbst. Aus Aufzeichnungen der Grenztruppen werden "Lob und Tadel" für die meist sehr jungen, nicht aus Berlin stammenden Soldaten zitiert und es wird deutlich, welchen physischen, vor allem aber auch psychischen Belastungen die meist Wehrdienstpflichtigen ausgesetzt waren. So entsteht durch das Buch nicht nur ein fotografisches sondern auch ein Stimmungspanorama aus der Mitte der sechziger Jahre an der Nahtstelle zwischen Ost und West.
Die Geocodierung der Panoramen unterstreicht den dokumentarischen Charakter des Buches. Stichproben zeigen leider, dass diese Angaben nicht sehr genau sind und es werden auch Bildunterschriften vertauscht. Das sind handwerkliche Fehler, die aber die Gesamtaussage und den inhaltlichen Wert des Buches nicht schmälern.
Nur vier Sterne wegen der einfachen Aufmachung und den kleinen handwerklichen Mängeln.
Lieferung und Verpackung erfolgten in bewährter guter Amazonqualität.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eigentlich sind alle anderen Sichten die anderen!, 10. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Aus anderer Sicht / The Other View: Die frühe Berliner Mauer / The Early Berlin Wall (Gebundene Ausgabe)
Im Grunde dachte man ja, alles zur Mauer zu wissen und gesehen zu haben. Zu tief hat sich der Sprung des Grenzers über den Stacheldraht an der Bernauer Straße oder die aufgereihten Kampfgruppen am Brandenburger Tor in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.
Aber dann diese Ausstellung und dieses Buch mit dem Titel "Aus anderer Sicht". Gemeint ist die Sicht aus dem Osten. Die meisten anderen bekannten Bildüberlieferungen zeigen letztlich den Blick von außen, aus dem Westen. Die Gründe sind naheliegend, im Osten war das Fotografieren von Grenzanlagen verboten.
Je länger man die gewaltige Ausstellung oder das ziegelsteingroße Buch betrachtet desto stärker wird das monumentale Bauwerk der deutschen Teilung wirklich erfahrbar. Jenseits der Ikonen der Fotogeschichte. Das schlichte Grau der Bilder unterstreicht beinahe unheimlich das Absurde der Mauer. Eigentlich sind alle anderen Sichten die anderen!
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aus jeder Sicht: innen hui!, aussen pfui!, 26. August 2011
Von 
coma "coma" (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Aus anderer Sicht / The Other View: Die frühe Berliner Mauer / The Early Berlin Wall (Gebundene Ausgabe)
Dies vorweg: am Inhalt gibt es nur wenig auszusetzen. Die Photographien des Mauerverlaufs, sind überaus interessant, verblüffend in ihrer Vollständigkeit und von Arwed Messmer fachkundig aufgearbeitet. Sehr informativ sind auch die zwischendurch geschalteten Doppelseiten, die den abgebildeten Bereich auf einer Karte präzisieren und u.a. auch die Lage von Wachtürmen vermerken.
Ob die - gefühlten tausend - ganzseitigen Passbilder von ehemaligen Angehörigen der Grenztruppen, tatsächlich irgendeinem Zweck dienen, ausser der Aufblähung der Publikation, wage ich zu bezweifeln. Da die Augenpartien zudem mit Balken versehen wurden, werden zwar die Persönlichkeitsrechte (?) geschützt, aber der Betrachter wünscht sich sehnsüchtig einen Vorspulknopf. In die gleiche Kategorie fallen auch extrem viele, ebenfalls ganzseitige, Detailvergrösserungen im Bereich "Tatorte". Da die Abbildungen, die Grenzzwischenfälle dokumentieren, unkommentiert bleiben, erschliesst sich auch nicht deren wirklicher Sinn und Hintergrund. Typologisch interessant hingegen, sind die zahlreichen Aufnahmen der diversen Wachtürme und deren Entwicklungsstadien. Leider aber, fehlt auch hierzu eine tiefergehende Betrachtung.

Zwischenfazit: hochinteressante Publikation, der es einerseits an erklärenden Texten mangelt, andererseits sind die "wichtigen" Aufnahmen nur viertelseitig quer abgedruckt, Marginalien hingegen konsequent ganzseitig.

Kommen wir zum eigentlichen Problem, der Herstellung. Was hier abgeliefert wurde, ist ein ausnehmend schlechter Scherz. Das fängt zunächst bei der Wahl des Papiers an. Um diesen Wälzer überhaupt transportabel zu halten, wurde auf wirklich billiges, angegrautes Recyclingpapier zurückgegriffen. Wie sich das auf die Qualität der Abbildungen auswirkt, kann sich vermutlich jeder selbst ausmalen, der schon einmal eine Boulevardzeitung in Händen hielt. Die Wahl des Papiers, ist aber vermutlich nur eine Konsequenz aus der völlig idiotischen (pardon, anders lässt sich das wirklich nicht ausdrücken!) Art der Bindung, die hier praktiziert wurde: der Buchblock ist lediglich rückenverleimt und wurde vorderseitig nicht (!) mit dem Einband verbunden, sondern nur rückwärtig. Und dies auch noch so raffiniert, dass nur die Hälfte des Vorsatzpapiers verleimt wurde. Im Endeffekt bedeutet dies, dass der knapp zwei Kilo schwere Buchblock, keinerlei Halt im Einband findet, der Rücken nicht stabilisiert wird und das gezielte Auseinanderfallen quasi vorprogrammiert ist. Aber selbst einen dermassen eklatanten Unsinn, kann man sich noch schönreden:

"Der Titel (...) ist zwecks besserem Aufschlagverhalten in einer besonderen Form der Freirückenbroschur gebunden, mit nur teilweise angeklebtem Nachsatz. Diese Verarbeitung ist unkonventionell aber gewollt."

Soweit der Originalton HatjeCantz. Es wäre interessant auszurechnen, wie hoch die Ersparnis des Verlages ist, wenn man ein Vorsatzblatt und die enstprechende Menge Buchbinderleim einfach aus der Rechnung streicht. Ich würde vermuten, einen dummen Spruch zu schreiben - "Freirückenbroschur" (!) -, ist auf jeden Fall billiger. Da HatjeCantz bekanntlich pleite ist und erst vor Kurzem von dem Billigkunstbuchversender Frölich&Kaufmann geschluckt wurde, wäre es interessant zu erfahren, ob diese Form der buchtechnischen 7/8-Hose, repräsentativ für die weitere Vorgehensweise sein wird.

Zusammenfassend würde ich dringend davon abraten, für dieses groteske Machwerk Geld auszugeben. Wen der Inhalt interessiert, der sei auf die entsprechende Ausstellung in Berlin verwiesen - Berlin Story, Unter den Linden 40 -, da die Bilder im Original deutlich besser wirken und der Erwerb dieses Buches (?), in den meisten Fällen zur Verärgerung führen dürfte. Wenn nicht heute oder morgen, dann spätestens in einem halben Jahr, wenn der Wälzer sich nach dem fünften Durchblättern in seine "unkonventionellen aber gewollten" Bestandteile auflöst. Sollte dies etwa eine beabsichtigte Reminiszenz, an das behandelte Thema sein? Ich fürchte, soviel subtiler Humor kann dem Verlag doch nicht unterstellt werden.
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5.0 von 5 Sternen Beeindruckendes dokumentarisches Dokument, 21. Oktober 2011
Von 
Biene Maya 2013 (Yucatán) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Aus anderer Sicht / The Other View: Die frühe Berliner Mauer / The Early Berlin Wall (Gebundene Ausgabe)
Bilder von der Mauer gibt es viele. Meist illustrieren sie menschliche Schicksale, indem sie Menschen ohne Hoffnung und voller Verzweiflung zeigen.
Dieser umfangreiche Bildband zeigt nun den Blick auf die Mauer "aus anderer Sicht", nämlich aus der Perspektive der DDR-Grenzsoldaten, die auf die "nackte" Mauer blicken - und zwar auf die frühe Mauer, die eher wie ein Provisorium wirkte und nicht wie der unüberwindliche Betonwall, der erst in den 70er Jahren daraus wurde.

Zu sehen sind vor allem schwarz-weiße Panoramaaufnahmen von der Ostseite der Mauer, die oft eher ein Zaun ist - und doch unüberwindlich. Auf Kartenausschnitten sieht man, welchen Teil der Mauer man als Panorama gezeigt bekommt. Auch anhand der genauen Koordinaten kann man sich orientieren. Die Exaktheit und Lückenlosigkeit ist dem ehemaligen Zweck geschuldet: Hier handelt es sich um eine fotografische Bestandsaufnahme, die dokumentieren sollte, wie die Mauer verlief, wo man was noch verbessern könnte etc. Der Fotograf Arwed Messmer hat das schwarz-weiße Archivmaterial digital rekonstriert und die Schriftstellerin Annett Gröschner hat die ebenfalls aus Archivmaterialien stammenden Bildunterschriften ergänzt. Etwa Meldungen von Vorfällen im Bereich der Grenze: "Im Postenbereich wurde sieben Mal mit Genussmitteln geworfen" liest man da. Oder: "Zwei Westberliner Polizisten beschimpfen die Posten: 'Saubuletten - Trassenhunde'".
Hier handelt es sich also ausschließlich um dokumentarisches Material und nicht um inszenierte Bilder, die etwas Bestimmtes ausdrücken sollen. Auch die Texte sind dokumentarisch und nicht fiktiv. Und gerade diese Tatsache, dass hier vermeintlich unpoetische, "rohe" Informationen geliefert werden, machen den besonderen Charakter dieses Buches aus.
In zahlreichen einleitenden Texten erfährt man historische Hintergründe, die Intention der "Macher" (Schriftstellerin Annett Gröschner und Fotograf Arwed Messmer) und vieles mehr.
Texte über die Geschichte der Mauer (verschiedene Phasen), über die Grenzsoldaten ("542 Tage. Legenden vom braven Soldaten" - Zitat eines Soldaten: "542 Tage. Ich habe jeden einzelnen gehasst"), Fluchtgeschichten, kurze lobende und tadelnde Notizen im Telegrammstil aus dem Ehrenbuch der Grenzregimenter 31 und 37 ("Er war stets bemüht, sein Fahrzeug in einen sauberen, betriebs- und verkehrssicheren Zustand zu bringen", "Seine Waffenkammer nahm den ersten Platz unter den Waffenkammern des Grenzregiments ein", "Er fuhr in die Nachtbar Ideal, blieb bis 5 Uhr und nahm alkoholische Getränke zu sich", "Er wurde in der Gaststätte Idyll mit offenem Kragen angetroffen", "Er besitzt ein kleines Mercedes-Spielzeugauto mit einem eingelassenen Bandmaß. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte EK-Stimmung.") führen den Alltag an der Mauer und die Absurdität dieses Bauwerks vor Augen.

Die Ausführungen sind gut verständlich und ergänzen die Bilder auf hervorragende Weise und damit ergibt sich ein eindrucksvolles, dokumentarisches Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen sucht. Alle Texte sind in deutscher und in englischer Sprache abgedruckt. Das Buch ist für alle an Zeitgeschichte interessierten Menschen geeignet, die einmal die Mauer "aus anderer Sicht" sehen möchten - Menschen aus Ost und West!
Das große Format des Buches (30 x 22 x 4,6 cm) ist nicht gerade handlich. Aber für dieses Buch sollte man sich einfach auch Zeit nehmen - es ist nicht dafür geeignet, mal so nebenbei durchgeblättert zu werden. Auf den schwarz-weißen Bildern sieht man neben den Mauerpanoramen auch "Tatortfotos" - also Fotos, auf denen zu sehen ist, wo eine "Grenzverletzung" stattgefunden hat (diese auf den ersten Blick vielleicht unspektakulären Fotos erzählen gerade dadurch eine Geschichte, dass so wenig darauf zu sehen ist - so lassen sie viel Raum für Assoziationen), Fluchtskizzen, Soldatenporträts (mit schwarzen Balken über der Augenpartie) und Wachtürme (sehr bedrückend).

Auch die Aufmachung dieses Buches ist etwas ganz Besonderes. Das hier verwendetete Papier ist ziemlich dünn, wirkt vergilbt und erinnert auch von der Qualität her an Akten - dieser Effekt ist sicherlich beabsichtigt. Zudem findet man hier einen besonderen Clou bei der Bindung: Sie ist offen, das heißt, das Deckblatt ist nicht mit dem Buchdeckel verklebt, auch der Nachsatz ist nur teilweise mit dem hinteren Buchrücken verklebt. Diese Freirückenbroschur ermöglicht es, dass man Bilder, die über eine Doppelseite gehen (was bei den Panoramen naturgemäß häufig der Fall ist), komplett sehen kann! Beim Durchblättern muss man einfach ein bisschen vorsichtiger mit dem Buch umgehen. Ich finde dieses Experiment hinsichtlich der außergewöhnlichen Bindung sehr interessant und auf alle Fälle geglückt! Es unterstreicht den besonderen Charakter dieses Buches zusätzlich.
Fazit:
Nur wenige Sachbücher - v.a. wenn sie so ein bedrückendes Thema wie die Berliner Mauer behandeln - waren dazu in der Lage, mich als Leser und Betrachter derart zu fesseln wie dieses. Eigentlich wollte ich zunächst nur ein bisschen im Buch blättern, aber ich konnte das umfangreiche Werk, das über 700 Seiten umfasst, schließlich kaum noch zur Seite legen. Bilder und Texte nehmen einen einfach gefangen! Dieses Buch hat mich zutiefst beeindruckt.
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5.0 von 5 Sternen 6 Sterne für die Buchgestaltung !!, 13. Oktober 2011
Von 
Ralf Groschwitz "rgroschwitz" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Aus anderer Sicht / The Other View: Die frühe Berliner Mauer / The Early Berlin Wall (Gebundene Ausgabe)
Über den Inhalt des Katalogbuchs ist an dieser Stelle schon ausführlich
geschrieben worden: Der Fotograf Arwed Messmer hat Mauerbilder mit Blick
auf Westberlin zu rund 300 Panoramen digital rekonstruiert. Vorlage hierzu
waren rund 1000 Aufnahmen, die DDR-Grenzsoldaten in der Zeit um 1965 machten.
Ergänzt werden die Bilder der Mauer durch Soldatenportraits, Schnappschüsse
sowie Protokolle von Fluchtversuchen. Dem Leser und Betrachter werden dadurch
auf rund 750 Seiten eine Fülle von Informationen über ein Bauwerk und den Alltag
an der Grenze geboten.
Stark zur atmosphärischen Verdichtung trägt die Buchgestaltung bei. Graustichiges
Zeitungspapier welches an Akten erinnert, lassen keine Ostalgie zu. Auch die
unkonventionelle Verarbeitung des Buchblocks ist durchdacht und dem Thema an-
gemessen. Die Freirückenbroschur dient zudem einem besseren Aufschlagverhalten.
Für mich eines der schönsten Bücher des Jahres 2011, Inhalt und Gestaltung sind
perfekt aufeinander abgestimmt.
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Aus anderer Sicht / The Other View: Die frühe Berliner Mauer / The Early Berlin Wall
Aus anderer Sicht / The Other View: Die frühe Berliner Mauer / The Early Berlin Wall von Annett Gröschner (Gebundene Ausgabe - 31. Januar 2012)
EUR 58,00
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