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am 24. Januar 2010
Der Autor ist Mediziner und legt eine Evaluation der gesamten Forschungsliteratur zur Nahrungssituation, Werkzeugproduktion, Siedlungsdichte, Lebensqualität, Epidemiologie, Geburtenraten und Bevölkerungsentwicklung der Steinzeit vor. Das Datenmaterial wird jeweils systematisch mit den Lebensbedingungen und der Demographie heute lebender Wildbeuter verglichen.
Bei der Lektüre wird man immer wieder auf überraschende Befunde stoßen, etwa dass der Homo sapiens der Altsteinzeit offensichtlich exzellente Lebensbedingungen aufwies: Die damaligen Menschen waren nach entsprechenden Nahrungs-, Skelett- und Zahnanalysen überdurchschnittlich gesund und widerstandsfähig gegen Krankheiten, nahmen höchstwertige Nahrung zu sich und hatten die größte Körperstatur der Vor- und Frühgeschichte und Geschichte überhaupt. Letztere Körpergröße verringerte sich in der Mittel- und Jungsteinzeit sukzessive um ca. 20 cm, zusammen mit einer Verschlechterung der Lebensbedingungen und einer Zunahme von Krankheiten und v.a. Epidemien (29-48). Entgegen dem, was man spontan anzunehmen geneigt ist, scheint die durchschnittliche Lebensqualität mit der neolithischen Revolution (Landwirtschaft und Sesshaftigkeit) noch einmal weiter abgenommen zu haben.
Als kompakte, aber sehr dichte und detaillierte Faktensammlung samt Interpretation im aktuellen Forschungshorizont dürfte das Buch keinen Konkurrenten haben.
Der Band ist aber noch in weiterer Hinsicht interessant und provokativ, auch wenn der Autor dieser Hinsicht expressis verbis nur kurze vier Seiten am Schluss widmet (145-149). Denn Michael Brandt ist skeptisch gegenüber etablierten Annahmen zur Geochronologie und zum Zeitrahmen der Evolutionsbiologie, wozu er sich auch und besonders durch die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung berechtigt sieht. Dazu kommt ein (evangelikaler) theologischer Hintergrund, der jedoch die auf hohem Niveau stattfindende Sachargumentation selbst nirgends beeinflusst, welche einem methodologischen Naturalismus verpflichtet ist. Seine kritischen Argumente insbesondere gegen das Postulat einer Millionen Jahre dauernden Vorgeschichte von Homo sapiens sind im Übrigen nichts völlig Neues: Sie finden sich auch im Hauptstrom der paläoanthropologischen und archäologischen Fachliteratur als eingestandenermaßen große Probleme. Man sieht die Problemlösungen dort in der Regel jedoch darin, die Daten durch spekulative Zusatzanahmen dem geltenden Paradigma anzupassen.
Der Leser mag sich in dieser Hinsicht selbst ein Bild machen, ob und wie weit die angesprochenen kritischen Aspekte durchschlagend sind. Es sind u.a. das fehlende Bevölkerungswachstum, die kulturell-technische Stagnation, die geringen Hinterlassenschaften an Steinwerkzeugen, die relativ wenigen Siedlungsplätze und kurzen Höhlennutzungsdauern. Es wäre in diesem Zusammenhang für Nichtfachleute wünschenswert, wenn ohne falsche Berührungsängste von Seiten der Synthetischen Evolutionstheorie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Datenmaterial und den Argumenten Brandts unternommen würde.
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am 1. Dezember 2006
Der Autor diskutiert eine Reihe von Befunden, die angesichts eines Menschheitsalters von mindestens zwei Millionen Jahren rätselhaft erscheinen. Er befasst sich mit Daten zum Bevölkerungswachstum und mit gefundenen Steinwerkzeugmengen und Besiedlungsspuren. Dass die Befunde aus diesen Forschungsgebieten einer Millionen Jahre währenden Menschheitsgeschichte widersprechen, wird in Fachpublikationen teilweise durchaus gesehen; es werden jedoch keine Konsequenzen daraus gezogen. Dies holt der Autor in seinem Buch nach: Die zahlreichen Anomalien, die bei Zugrundelegung eines großen Alters der Menschheit auftreten, können widerspruchsfrei und schlüssig erklärt werden, wenn die Menschheitsgeschichte auf maximal 10.000 Jahre verkürzt wird. Kritik an dieser Schlussfolgerung wird ausführlich behandelt und entkräftet. Der Autor kann überzeugend darlegen, dass die Schlussfolgerung einer kurzen Menschheitsgeschichte nach den vorliegenden Daten am wahrscheinlichsten ist, und verteidigt dieses Resultat seiner Untersuchungen gegen zahlreiche Kritikpunkte. Die Auseinandersetzung mit kritischen Einwänden und bildet einen Großteil des Buches und macht seine wissenschaftliche Qualität und die Stringenz seiner Argumentation aus. Man merkt, dass der Autor in der behandelten Materie zuhause ist; er schreibt kenntnisreich und detailliert unter Bezugnahme auf reichliches Quellenmaterial. Trotz seiner wissenschaftlichen Tiefe liest sich das Buch recht leicht. Eindeutig ein 5-Sterne-Buch!
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am 4. Oktober 2008
"Glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast". Erst recht nicht, wenn es um längst vergangene und eigentlich nicht mehr nachprüfbare Zeiten geht. Das ist dem Autor auch bewußt, deshalb rechnet er mit allen möglichen Bandbreiten und Varianten. Das Ergebnis ist verblüffenderweise immer dasselbe: die angenommene Zeitdauer der Steinzeit erscheint viel zu lang.

Ein wirklich lohnendes Buch, das ausgetretene Pfade verlässt und zum Nachdenken anregt. Hier wurde enorm viel recherchiert und zusammengetragen.

Das Buch erlebt nun schon die 5. Auflage, die zudem erheblich erweitert wurde. Dies und die folgende Aussage aus dem aktuellen Vorwort sprechen eigentlich für sich: "Nach wie vor sind dem Autor bis heute aus fachwissenschaftlichen Kreisen keine grundlegenden kritischen Einwände zu den vorgelegten Argumenten bekannt geworden." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen...
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am 18. Juni 2006
Wenn die Menschheit tatsächlich 2 Millionen Jahre alt ist und in Anbetracht der Bevölkerungszahlen aus historischer Zeit ergibt sich daraus ein derart minimales Wachstum für die restlichen 99,5% dieser Epoche, das nicht haltbar ist. Aufgrund von Knochenfunden und aufgrund von Vergleichen mit lebenden Wildbeutern wird daher im ersten Teil des Buches gezeigt, dass dieses minimalste Wachstum nicht den Erwartungen entsprechen kann, ihnen absolut widerspricht.

Um ein einigermaßen vernünftiges jährliches Weltbevölkerungswachstum zu erhalten müssten die gesamten 2 Millionen Jahre vor historischer Zeit erheblich eingekürzt werden – und zwar extremst.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit der Diskrepanz zwischen erwarteten und gefunden bzw. real vorhandenen Steinwerkzeugen.

Um hier nicht auf einen vollkommen idiotischen Steinwerkzeugverbrauch zu kommen, der jegliche Beobachtung an heutigen Wildebeutern und anderen Zusammenhängen ignoriert, muss auch hier die Zeit gehörig zusammengepresst werden.

Das Fazit des Buches:

„Die heute verfügbaren empirischen Daten aus Demographie und Mengenabschätzungen von Hinterlassenschaften des Menschen fordern eine drastische Verkürzung des Zeitrahmens der Menschheitsgeschichte gegenüber konventionellen Vorstellungen. Statt der radiometrisch datierten 2 Millionen Jahre dürfte diese Geschichte nur einige Tausende Jahre gedauert haben.“

Da in diesem Buch ein alternativer Deutungsrahmen der absoluten (aber ja doch eigentlich relativen) radiometrischen Datierung auf chemisch-psychischer Ebene nicht besprochen wird, sondern lediglich deren Notwendigkeit aufgezeigt wird, ist dieses Buch auch für Laien gut lesbar. Aber auch für manch alten Fuchs dürfte diese Lektüre horizonterweiternd sein – interessant ist sie allemal, besonders daher, da sie sich in erfrischender Weise von erdgeschichtlichen Modellen eines Zillmers unterscheidet und mit allgemein akzeptierten Daten und allgemein gebräuchlichen Interpretationsmustern arbeitet.

Ein Muss für jeden, der sich mit der Menschheitsgeschichte auseinandersetzt. Für meinen Geschmack ist der letzte Teil, die alternative Deutung, ein alternatives Alter ein wenig zu kurz gekommen, doch tut dies dem Gesamteindruck absolut keinen Abbruch. Wer sich mehr für die alternative Deutung radioisotopischer Datierungen interessiert sollte sich jedoch „Radioisotope und das Alter der Erde“ besorgen, welches jedoch für dessen Verständnis jedoch Fachwissen im Bereich der Chemie und Physik vorausgesetzt werden sollte.

Beide Bücher können z.B. über den Weltbildverlag bezogen werden.
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am 7. Juni 2010
Sollte das mittels radiometrischer Datierung ermittelte Alter der Menschheit etwa 2 Millionen Jahre betragen, dann müssen unabhängige Daten dieser ungefähren Größenordnung entsprechen. Diesen Versuch eines Abgleichs hat Michael Brandt mit einer empirischen Studie in Angriff genommen. Dazu untersuchte er das Bevölkerungswachstum und die Hinterlassenschaften des Menschen (Steinwerkzeuge) aus dem Paläolithikum.

Das Ergebnis: Die Daten fordern eine drastische Reduzierung des Menschheitsalters auf wenige tausend Jahre.

Diese Studie ist einmalig. Michael Brandt präsentiert erstmals eine Gesamtschau der Daten zum Bevölkerungswachstum und den gefundenen Steinwerkzeugmengen. Ein Bevölkerungswachstum von nahezu Null über sehr lange Zeit ist unmöglich, die gefundenen Steinwerkzeugmengen und die noch zu erwartenden Fundmengen weisen auf wenige Bevölkerungsgruppen aus dieser Zeit hin. Auch in der Fachliteratur wird dies als Problem wahrgenommen. Ausführlich geht der Autor auf viele vermeintliche Erklärungen ein. Das Buch besticht durch seine zahlreichen Bezüge zur fachwissenschaftlichen Literatur; trotzdem ist es gut lesbar.

Von der Fachwissenschaft gab es bisher keine Kritik auf diese Studie. Dagegen herrscht peinliches Schweigen. Die Antwort ist klar: Der Autor konnte bisher nicht widerlegt werden.

Daher kann Brandt im Vorwort zur dritten Auflage schreiben: "Da fundierte Einwände gegen die im Buch vorgebrachte These einer notwendigen drastischen Reduzierung der Zeitdauer der Steinzeit auf der Basis der untersuchten Fachgebiete bisher nicht vorgelegt wurden, bleibt der Autor davon überzeugt, dass man intellektuell redlich von einer kurzen Geschichte der Menschheit ausgehen kann."

Mittlerweile existiert eine 5, stark erweitere Auflage des Buches:

http://www.amazon.de/Wie-alt-ist-die-Menschheit/dp/3775156666/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1428350082&sr=1-1&keywords=wie+alt+ist+die+menschheit
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am 19. August 2008
Das Alter der Menschheit wird allgemein auf 2 Millionen Jahre geschätzt. Diese Altersangabe basiert auf radiometrischen Datierungen der geologisch ältesten bekanten Knochenresten von mutmaßlichen Menschen. Michael Brandt hat in diesem Buch sehr interessante Daten zusammengetragen, die dies allerdings stark in Frage stellen. Er bringt starke Argumente für ein Menschheitsalter von ungefähr zehntausend Jahren und zwar anhand der gefundenen Mengen an Steinwerkzeugen und dem rechnerischen Bevölkerungswachstum.
Es fällt auf, dass im Vergleich zu den einigen tausend Jahren der Zivilisationsgeschichte der Menschheit die Vorgeschichte der Menschheit ein ungeheuer langer Zeitraum beansprucht. Für diesen Zeitraum müssten dann ja eigentlich sehr viele archäologische Belege vorzufinden sein. Das ist aber nicht der Fall.
Brandt behauptet die Daten lassen sich nur dann befriedigend erklären, wenn für die gesamte Steinzeit eine Dauer von wenigen tausend Jahren veranschlagt wird. Das würde auch erklären, warum die Bevölkerungszunahme in Millionen Jahren gleich null war, weil es die Millionen Jahre nur in der Vorstellung derer gibt, die dem herkömmlichen Deutungsversuch unterliegen.
Das Buch ist leicht verständlich geschrieben, obwohl es den Anspruch einer wissenschaftlichen Recherche erhebt. Es ist nur zu befürchten, dass sie der etablierten Wissenschaft nicht genehm sind. Da müssten zu viele ihren Irrtum bekennen. Ganze Forscherleben würden als ziemlich nutzlos dastehen, öffentliche Gelder und viel Zeit verschwendet. Vielleicht müsste man aber auch "nur" sein Weltbild ändern! Aber wer will das schon! Die Konsequenzen dieser Recherchen,wenn sie die richtigen Schlussfolgerungen enthalten, wären kaum abzuschätzen. Deshalb prophezeihe ich, dass diese Recherchen in der Fachwelt nur Verärgerung hervorrufen werden. Wieder mal hat sich ein unbequemer Netstbeschmutzer geäußert. Zu müdem Lächeln sei aber abgeraten. Immer mehr verdichten sich die Belege aus der Welt der Wissenschaft, dass Brandt Recht haben könnte!
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am 26. Juli 2007
In seinem gut recherchierten Buch "Wie alt ist die Menschheit? Demographie und Steinwerkzeuge mit überraschenden Befunden" greift der Autor ein Thema auf, dem seither offenbar wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde: die Diskrepanz zwischen der von der modernen Vormenschenforschung angegebenen jährlichen Wachstumsrate im Paläolithikum (Altsteinzeit) von nur 0,1% während 2 Millionen Jahren und den Wachstumsraten rezenter Jäger- und Sammlervölker von 2-3%.
Die konventionelle Zeitperiode von etwa 2 Millionen Jahren "basiert auf radiometrischen Datierungen der geologisch ältesten bekannten Knochenüberreste des echten Menschen" (S. 9). Die Entwicklungskurve der Weltbevölkerung zeigt ein verblüffendes Bild: nach einer etwa 1,99 Millionen Jahre andauernden Stasis beträgt die Weltbevölkerung um das Jahr 10 000 v.Chr. ca. 4 Millionen Menschen (nach KREMER 1993) und explodiert dann förmlich in den wenigen nächsten Jahrtausenden (im Jahr Null ca. 170 Millionen) auf 6 000 Millionen (im Jahr 2005, U.S., Census Bureau).
Warum stagnierte die Bevölkerung über solch eine lange Zeit? Für Paläographen stellt sich die Situation mysteriös dar: "Given what we know about our reproductive capacity and survival under worst conditions, it is puzzling that there were so few of us so much of our history" (S. 26). Rätselhaft sei auch, so der Autor, weshalb sich das Bevölkerungswachstum im Verlaufe der Steinzeit zunächst sehr langsam und gegen Ende dann stärker beschleunigte, obwohl die Lebensbedingungen der Menschen nachweisbar schlechter wurden.

BRANDT bedient sich im letzten Drittel seines umfangreichsten Teil I, wo es um die Bevölkerungsentwicklung geht, heute "lebende[r] Wildbeuter als paläolithische Modellbevölkerung" (5., S. 55) um an ihnen Fakten, Modelle und Plausibilitäten zu diskutieren. Die !Kung (Buschmänner der Kalahari) werden von einigen Anthropologen aufgrund ihrer geringen Wachstumsrate als geeignetes Modell angesehen (siehe HARPENDING 1997), stehen jedoch mit ihren "kargen Lebensverhältnissen im krassen Gegensatz zu" den allg. recht guten Lebensbedingungen der Paläolithiker (nach BORDES, MELLARS, WENIGER) (S. 55). Die Ache (Paraguay) eignen sich besser als Modellbevölkerung.

Die extrem geringe paläolithische Wachstumsrate wird in Fachkreisen versucht durch Nahrungsmangel, fertilitätsmindernden Geschlechtskrankheiten, Kindstötungen, wiederkehrenden Epidemien u.a. versucht plausibel zu machen. Die einzelnen Erklärungsmodelle werden vom Autor ausführlich diskutiert. Doch jedes Modell hat so seine Tücken: "Many authors believe the diseases affecting fertility are too new to have greatly affected reproduction in our species history. But even using the lowest hunter-gatherer survival rates, we cannot account for low growth rates without them" (S. 70: Zitat PENNINGTON). Aber ich will nicht weiter vorgreifen, denn dieser Teil ist m.E. der interessanteste, um den ich den potentiellen Leser nicht bringen möchte.

In Teil II (Steinwerkzeuge und das Alter der Menschheit) geht der Autor detailliert auf die menschlichen Hinterlassenschaften ein. Nach der Aufarbeitung der Daten stellt der Autor fest: "Es ist eine gewaltige Diskrepanz zwischen den geborgenen bzw. schätzungsweise noch im Erdboden liegenden Fundmengen einerseits und den von den empirischen Daten her zu erwartenden Steinwerkzeugzahlen aus dem Paläolithikum andererseits" (Resumeé 3.3, S. 123). Diese Unstimmigkeit veranlasste bereits den Soziologen und Zivilisationsforscher Gunnar HEINSOHN nicht nur dazu, auf das Problem der geringen Anzahl gefundener Steinwerkzeuge hinzuweisen, sondern sogar eine drastische Verkürzung der Menschheitsgeschichte zu fordern (S. 131).

In Teil III, dem kürzesten, macht BRANDT einen Vorschlag, der ebenso unkonventionell wie verblüffend ist: Da selbst bei minimalstem Bevölkerungswachstum es mehr als die heute vorliegende Bevölkerungszahl geben müsste und da man wesentlich weniger menschliche Hinterlassenschaften gefunden hat, als man finden müsste, wenn die Menschheit 2 Millionen Jahre als sein soll, erscheint eine drastische Verkürzung der Menschheitsgeschichte plausibel. Die Daten rezenter Wildbeuter sowie die gewonnenen Fundmengen menschlicher Hinterlassenschaften können im verkürzten Zeitrahmen schlüssig gedeutet werden.
Der Vorschlag einer drastischen Verkürzung der Menschheitsgeschichte stellt kein zwingendes Kriterium dar, das konventionelle Erdalter ernsthaft in Frage zu stellen - man könnte es lediglich als einen Hinweis werten, der allein aber nichts gegen das Standard-Erdalter ausrichtet. Wohl aber hinterlässt das Buch mit seiner Thematik die Frage, in welchem Wissenschaftsbereich nun der Fehler in der Interpretation der Daten liegt.
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am 30. Juni 2014
Michael Brandt nähert sich einem zentralen Dogma des Evolutionismus kritisch, aber vorsichtig. Er rüttelt nur verhalten an den Grundfesten des Darwinismus - er will nicht das KInd mit dem Bade ausschütten.
Fast alle Wissenschaftler stehen unter dem lähmenden Bann der Massensuggestion aller gesellschaftlichen Machtgruppen , die die herrschende materialistische Sicht als Evangelium verbreiten. Und die Methoden der mittelalterlichen Kirchen als Leitlinien übernommen haben. Demzufolge wird alles, was der reinen Lehre des Evolutionismus darwinscher Prägung widerspricht, unterdrückt und ausgemerzt. Dieses der Inquisition abgeschaute Konzept dient der Machterhaltung der sog. "Eliten" und hat ausgefeilte Strategien der Verdummung und Ruhigstellung der Bürger entwickelt. Vgl. die entlarvenden Feststellungen der Massenbeeinflussung von Werner Meinhold in dem Großen Handbuch der Hypnose (oder dem Kleinen Handbuch der Hypnose).
Das ist aber nicht die Intention des Autors, der immerhin an Teilen der "Säulen der Evolutionslehre" zweifelt.
Falls seine Thesen den medialen Durchbruch erzielen würden, bekäme er mit Sicherheit Probleme mit den Gralshütern der reinen Lehre. Wie die Fälle Tesla, Wilh. Reich, Bruno Gröning und zuletzt exemplarisch Dr. Eben Alexander zeigen, sind diese nicht zimperlich, sondern denunzieren die "Verräter" mit allen infamen Mitteln und ihren hörigen kritiklosen Medien und nützen ihre subtilen eng verflochtenen Mittel in Staat, Wirtschaft, Wissenschaftsapparat und Medien zur Desinformation und Kaltstellung.

Wenn trotzdem ein Wissenschaftler den Mut zur Wahrheit aufbringt, kann man davon ausgehen, daß er sich seine Ausführungen reiflich überlegt hat und faktisch gut abgesichert hat. Das kann man auch als Laie spüren, wenn auch die Vielzahl von oft ungewohnten Begriffen und Hintergründen ewas überfordern kann.
Die Folgerungen sind aber eindeutig und kaum zu widerlegen.
Sie gehen insoweit mit dem Rundumschlag von H.J. Zillmer überein, der in seinen Büchern ja nicht nur EIN einzelnes Haar in der Evolutionssuppe findet, sondern gleich sämtliche Säulen des Darwinismus umstürzt. Wobei die Frage der offiziellen Zeitalter und ihren jeweiligen Zeitspannen bei Zillmer revolutionäre Ausmaße annimmt. Kaum ein Dogma der Gralshüter bleibt unangefochten, in der Regel werden alle Zeiten von Millionen Jahren bis Tausende zusammengestrichen. Fast alle geologischen, klimatischen und anthroposophischen Grundlagen unserer heutigen Erde und Menschheit wurden in den letzten 5000 bis 12000 Jahren gelegt.
Riesige Katastrophen haben die Erde umgepflügt, das Klima verändert und große Wanderbewegungen unter Tieren und Menschen erzeugt. Da die Evolutionslehre vor allem unter dem katastrophalen, fast vollständigen Mangel an Körperresten von Menschen verschiedenster Epochen leidet, behilft sich die Wissenschaft mit Fantasie- und Verfälschungskonstruktionen.
Diese Kapitel füllt alleine Dutzende von Bänden. Umso mehr Wert besitzen die materiellen Funde der Archäologen und Kunsthistoriker. Vor allem die als Werkzeug erkannten Funde werden daher zur Datierung und Deutung der menschlichen Entwicklung und Lebensumstände genutzt. Solch einschneidende Feststellungen können weitreichende Folgerungen erbringen. Z.B. wenn die Menge aller Funde auf die offizielle Zeitdauer der Erdepochen verteilt wird. Eine einfache Rechnung nergibt eine logische Bezifferung der Funde in Hunderttuasenden oder Millionen. Die wahren Fundzahlen sind nur Bruchteile davon !.
H.J. Zillmer hat dafür eine nüchterne aber überzeugende RErklärung (neben weiteren Beweisen) : diese ewiglangen Epochen GIBT ES NICHT. Wenn man alle Zeiten radikal zusammenstreicht, gibt es kaum noch Datierungsprobleme !
Diese radikale Schlußfolgerung muß man auch durch Brandt bestätigt finden, auch wenn er seine heiligmäßige Verehrung des Urvaters Darwin nicht aufgeben will und kann.
Die Festlegungen von Michael Brandt passen auf Teilgebieten gut zu den Thesen Zillmers, der ja unter Wissenschaftlern als "der große Satan" verteufelt wird.
Wer die Folgerungen von Brandt ernst nimmt und es nicht dabei bewenden lassen will, sollte sich die BÜcher von H.J. Zillmer, Armin Risi und Heinke Sudhoff ansehen. Er wird danach ein anderes Weltbild haben (können), sofern er/sie den Verzicht des gesicherten Weltbildes ertragen kann und will.
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am 1. Juli 2015
Diese Rezension bezieht sich auf die 4. Auflage von 2011, ist aber auch auf neuere Ausgaben anwendbar, allerdings macht es dadurch wenig Sinn, Seitenangaben für die Zitate aus dem Buch anzugeben. Da das Buch nicht sehr umfangreich ist, ist es aber relativ leicht möglich, anhand des Kapitels die entsprechenden Stellen zu finden. Zitate kennzeichne ich mit Anführungszeichen.

Ziel dieses Buches ist es, die gängige wissenschaftliche Altersangabe für die Existenz des Menschen. mit Hilfe von demographischen Befunden und Werkzeugfunden zu überprüfen. Ein großer Teil dieses Buches wird von Tabellen und Graphiken eingenommen. Es gibt eine umfangreiche Bibliographie.

"Das Alter der Menschheit wird allgemein auf etwa 2 Millionen Jahre geschätzt. Diese Altersangabe basiert auf radiometrische
Datierungen der geologisch ältesten bekannten Knochenüberreste des echten Menschen. Der Vergleich mit der nur einige tausend Jahre währenden Zivilisationsgeschichte stellt die Millionen Jahre umfassende Vorgeschichte der Menschheit eine ungeheuer lange Zeitspanne dar - ein Sachverhalt, der immer wieder großes Erstaunen hervorruft. Falls die radiometrischen Datierungen die Realität wiedergeben, müssen unabhängige Altersabschätzungen ähnliche Altersangaben hervorbringen. Zwei Themen bieten sich für diese Untersuchung an: die Geschwindigkeit des Bevölkerungswachstums und die Menge an Steinwerkzeugen. Wissenschaftliche Untersuchungen zu diesen beiden Themen sind nur spärlich vorhanden."

Kommentar: Das Alter der Erde und auch der Gattung Homo, die der Autor hier meint, wurden mit ganz unterschiedlichen Methoden bestimmt, keinesfalls nur mit radiometrischen Methoden. Eine Methode werde ich weiter unten erwähnen. Was mir hier fehlt ist eine Darlegung, warum nun Werkzeugherstellung und Bevölkerungswachstum geeignete Methoden sein sollen, die gängigen Methoden zu überprüfen. Mir scheint, dass man wahrscheinlich keine genauen Zahlen zu diesen Themen liefern kann. Radiometrische Verfahren sind wohl genauer, wie soll man sie denn mit noch ungenaueren Methoden überprüfen? Außerdem erscheint es mir nicht sinnvoll, beide Methoden zu verwenden, weil die Anzahl der Werkzeuge, die erwartet werden, abhängig ist von der Bevölkerungsgröße. Bestimme ich die Bevölkerung falsch, wird auch die Berechnung für die Anzahl der Werkzeuge falsch sein. Außerdem ist der Zusammenhang Bevölkerungsgröße - Anzahl der Werkzeuge nicht linear. Beispielsweise hat man in Südostasien sehr viele Knochen von frühen Menschen gefunden, aber sehr wenig Steinwerkzeuge. Übrigens sind diese radiometrische Verfahren sehr unterschiedlich, dass sie alle falsche Werte liefern, im Gegenteil bestätigen sie sich. Wenn sie alle fehlerhaft wären, müsste man den merkwürdigen Umstand erklären, dass diese Verfahren immer die gleichen Werte für einen Artefakt liefern.

Der erste Teil des Buches befasst sich mit der mutmaßlichen Entwicklung der menschlichen Bevölkerung der Erde. Zunächst werten diverse Daten zur Bevölkerungsentwicklung des Menschen angegeben und dann werden diverse Leistungen in einer Tabelle aufgelistet, zu der der Mensch bereits erstaunlich früh fähig gewesen sein soll:

"Hochseefahrt über kurze Strecken (Indonesien, 800.000 Jahre v.H.)."

Kommentar: Damit wird dieser Leser alleine gelassen, welcher selbst nach entsprechenden Informationen suchen muss, um diese Behauptung zu evaluieren. Der kundige Leser weiß, dass auf der Insel Flores eine Million Jahre alte Steinwerkzeuge gefunden wurden. Daraus kann man schließen, dass der Mensch schon vor einer Million Jahren auf der Insel gelebt hat. Daher muss der Mensch über
das Meer auf die Insel gekommen sein. Daraus zieht der Autor den Schluss, dass der Mensch damals schon Fähigkeiten moderner Menschen hatte. Das ist mit Verlaub etwas voreilig und mit viel Phantasie behaftet. Es gibt viele Beispiele für Landsäuger, die auf Hochseeinseln gespült wurden. Irgendwie müssen ja z. B. die Vorfahren der Lemuren auf Madagaskar gekommen sein. Das sind nicht nur 16 km, sondern mehrere Hundert Kilometer Meer dazwischen. Es wird doch hier niemand behaupten, die Vorfahren der Lemuren hätten hochseetaugliche Boote gebaut. Die Insel Flores war auch in der Eiszeit nur durch eine 16 km breite Meeresstraße vom Festland Asiens getrennt. Das heißt, man konnte die Insel vom Festland aus sehen, Hochseeschifffahrt war daher nicht notwendig, um auf diese Insel zu gelangen.

Ein anderes Beispiel ist die Datierung eines Knochenartefaktes aus Bilzingsleben mit Ritzmustern durch einen Herrn Schössler auf 400.000 Jahre. Dieser Fund wird als Mondkalender interpretiert. Das ist natürlich sehr spekulativ, hat man das Artefakt etwa dazu befragt?
Es fällt auf, dass der Autor Behauptungen aus der Literatur unkritisch übernimmt, wenn sie mit seiner Meinung übereinstimmt, während er er Angaben, die seiner mutmaßlichen These widersprechen sehr kritisch betrachtet. Wissenschaftlich korrekt ist es dagegen, alles zu hinterfragen.

Nun befasst sich der Autor mit dem für unsere Begriffe sehr niedrigem Bevölkerungswachstum der Menschheit in der Altsteinzeit.

"Das extrem niedrige Bevölkerungswachstum im Paläolithikum macht allen mit dieser Thematik sich beschäftigenden Anthropologen seit Jahrzehnten Kopfzerbrechen".

Kommentar: Das widerspricht der Aussage oben, dass es kaum Untersuchungen zu diesem Thema gäbe. Nullwachstum ist in der Natur gang und gäbe, sonst wäre die Erde überfüllt mit Mäusen, Vögeln oder anderen Lebewesen. Wenn eine Art in einem neuen ökologischen Areal Fuß fasst, dann wächst sie normalerweise logarithmisch, nicht exponentiell. Das heißt, am Anfang gibt es ein sehr hohes Wachstum, bis der neue Lebensraum voll ausgefüllt ist und dann verlangsamt sich das Wachstum, bis die Population einen stabilen Gleichgewichtszustand eingenommen hat. Nehmen wir einmal an, die Weltbevölkerung bliebe eine Million Jahre auf heutigem hohen Niveau. Dann wird klar, dass die errechnete Wachstumsrate pro Jahr trotz jährlicher Veränderung der Weltbevölkerung immer kleiner wird, je länger der betrachtete Zeitraum ist, das gibt auch der Autor zu. Eine Wachstumsrate von 0,0003% pro Jahr im Paläolithikum beinhaltet also keine Aussage für das Wachstum in einem konkreten Jahr in der Steinzeit.

Eine Aussage wie:
"eine 10.000 Menschen umfassende Bevölkerung wächst in 200 Jahren auf 10.080 Menschen..., in 300.000 Jahren aber auf 1,6 Milliarden Menschen an! Deevey (1960) schätzt die Bevölkerungsanzahl vor 300.000 Jahren aber bereits auf 1 Million Menschen, das würde ... 162 Milliarden Menschen am Ende des Paläolithikums bedeuten."

ist daher völlig irreführend, denn so verlief die Bevölkerungsentwicklung in der Geschichte ja gerade nicht. Innerhalb der 200 Jahre kann es sehr wohl auf und ab gehen mit der Bevölkerungsgröße.

Der nun folgende Abschnitt befasst sich damit, ob demographische Eckdaten (Geburtenrate, Lebenserwartung) anhand von Skeletten bestimmbar ist.

Anschließend geht der Autor ausführlich auf die mutmaßlichen Lebensverhältnisse des Steinzeitmenschen ein. Da nach seiner Ansicht die Lebensumstände der Frühmenschen anhand der Knochen nur schwer bestimmbar sei, versucht er anhand der bevorzugten Jagdbeute des Frühmenschen deren Lebensumstände zu bestimmen. Nach seinen Angaben bevorzugte der Steinzeitmensch hochwertige Nahrung in Form von Fleisch großer Tiere. Da diese Tiere im Allgemeinen schwer zu jagen sind, nimmt der Autor an, dass diese die Lebensumstände sehr gut gewesen sein müssten.

Kommentar: nicht über die gesamten 2 Millionen Jahre wurde Großwild gejagt und auch nicht überall. Man kann also die Umstände einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Region nicht auf die gesamte Erde über den gesamten Zeitraum übertragen.

Außerdem schreibt der Autor, dass der Mensch eine noch unbewohnte Erde besiedelte, also viel Platz zur Ausbreitung und damit auch günstigere Bedingungen hatte.

"Die Paläolithiker waren eine kolonisierende Bevölkerung, die eine von Menschen zuvor unbewohnte, ressourcenreiche Welt besiedelte."
Kommentar: Die kolonisierende Besiedlung in unbewohnte Gebiete dauerte sicherlich nicht so lange. Wie lange der Mensch kolonisierte, kann man anhand der geschätzten Wanderungsgeschwindigkeit berechnen. Er benötigte nur wenige Jahrtausende, um von Afrika nach Indonesien zu kommen, für den Homo Erectus die längste Distanz. Der moderne Mensch hatte also erst wieder Neuland betreten, als er Amerika und Australien besiedelte.

Nun beschäftigt der Autor sich mit der Lebenssituation heute lebender Wildbeuter, um demographische Daten von diesen Völkern zu bekommen, die er dann an den Steinzeitmenschen anlegen möchte.
Eine Tabelle mit Energiezufuhr verschiedener heute lebender Wildbeuter wird gezeigt. Da sieht man, dass Völker, die in Regenwäldern leben, im Durchschnitt nicht mehr Energie aufnehmen, als Völker, die in Savannen oder gar Wüsten leben, also ein Widerspruch zur seiner oben erwähnten These. Diverse Tabellen mit Angaben zur Körpergröße, Energieaufnahme, Geburtenrate oder Überlebensrate verschiedener Wildbeutervölker zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt mit Vegetationszone oder dem Umfeld, in denen Wildbeuter leben, sie kommen mit verschiedensten Gebieten zurecht, egal, wie karg sie sein mögen.

Nun folgt die spannende Frage, welche heute lebende Wildbeutergruppe als Modellbevölkerung für die Steinzeit herangezogen werden soll.
"Die Wildbeuter in jüngerer Zeit leben bzw. lebten überwiegend unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen, als die Wildbeuter des des Paläolithikums. ... Im Jungpaläolithikum bildeten in den mittleren Breitengraden Europas riesige Rentierherden ..."

Kommentar: Der Irrtum besteht in der Annahme, dass Gebiete, die für Ackerbau nicht geeignet sind, für Wildbeuter ebenfalls ungeeignet sind. Das stimmt so nicht. Beispielsweise sind Inuit in der Lage, auch in ihrer kargen Umwelt hochenergetische Nahrung aus Großtieren zu gewinnen. Es sind gerade unwirtlichere Gebiete, die nicht für den Ackerbau genutzt werden konnten, in die sich auch Großtiere zurück zogen, die den Wildbeutern hochenergetische Nahrung zur Verfügung stellen. Zumal Großtiere in dichten Wäldern wenig Bewegungsfreiheit haben, daher sind Tiere in Wäldern auch kleiner. Pflanzliche Nahrung steht den Wildbeutern in diesen Rückzugsgebieten ebenfalls reichlich zur Verfügung Die !Kung im südlichen Afrika kennen über 100 essbare Pflanzen in ihrer Umgebung, darunter energiereiche Nüsse.

Nun befasst der Autor sich mit den !Kung im südlichen Afrika, welches oft als Modell für den Steinzeitmenschen zitiert wird und die eine Geburtenrate von 3,7 pro Frau vorzeigen können. Weil diese Zahl dem Autor nicht passt, befasst er sich ausführlich mit diesem Phänomen und kommt dann zum Schluss, dass dieses Volk wie viele andere Völker in Afrika unter einer krankhaften Subfertilität leidet, gefördert durch häufiges Auftreten von Geschlechtskrankheiten. Da die meisten anderen Wildbeuter höhere Geburtenraten hätten, sei dieser Wert nicht sinnvoll anzuwenden für den Steinzeitmenschen.

Kommentar: seine Argumente überzeugen nur teilweise, letztendlich aber fehlen Beweise, dass dieser Wert krankhaft bedingt ist.
Des weiteren wird angegeben, dass sesshafte !Kung ähnlich niedrigere Geburtenraten hätten, wie nomadisierende !Khung, so dass die Wirtschaftsform als Ursache auszuschließen wäre. Ich bin da anderer Meinung: es kann andere Gründe dafür geben, dass sesshafte !Kung eine niedrige Geburtenrate haben, als sie bei nomadisierende !Khung vorliegen. Sie ist immer noch höher, als bei sesshaften Deutschen. In der Tat ist es so, dass die !Kung eines der wenigen Völker sind, die noch in der Steppe nomadisieren. Viele Völker in seiner Liste leben in Wäldern, wo schwangere Frauen in der Regel nicht so weit pro Tag laufen müssen, dass dies ihre Fertilität oder ihren Kinderwunsch beeinträchtigen würde.

Nun wendet der Autor sich den Ache zu, die eine Geburtenrate von 8 Kindern pro Frau aufweisen.
"Als kolonisierende, in einer reichen Umwelt lebende Bevölkerung haben die Ache im 20. Jahrhundert ein rapides Bevölkerungswachstum erlebt. Es betrug zeitweilig 2,6% jährlich bei einer Gesamtgeburtenrate von 8,0, ..."

Kommentar: Ich glaube kaum, dass man diese Zahlen auf die gesamte Menschheitsgeschichte anwenden kann. Später im Buch lässt der Autor sich auf ein Bevölkerungswachstum von 2% als gnädige Kompromisslösung ein. Wenn ich kurz auf meinem Bierdeckel etwas rechnen dürfte: Vor 2000 Jahren betrug die Weltbevölkerung ca. 170 Millionen Menschen. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von 0,15% pro Jahr für eine Menschheit, die bereits den Ackerbau und Millionenstädte kannte. Außerdem ist in dieser Zahl die Bevölkerungsexplosion der letzten 100 Jahre enthalten. Eine Weltbevölkerung von 170 Millionen wächst bei 2% Wachstum pro Jahr innerhalb von 880 Jahren auf ca. sechs Mrd. Menschen an. Darf ich daher annehmen, dass Jesus vor 800 Jahren geboren wurde?
Ein Menschenpaar, das sich mit 2% pro Jahr vermehrt, wächst innerhalb von ca. 1100 Jahren auf ca. sechs Mrd. Menschen an. Darf ich daraus entnehmen, dass Adam und Eva vor 1100 Jahren geboren wurden?
In Australien gibt es derzeit 460.000 Aborigines. Vor 100 Jahren waren es noch 60.000. Das ergibt ein Bevölkerungswachstum von ca. 2%. Würde die Bevölkerung der Aborigines weiterhin so schnell wachsen, würde sie in 200 Jahren auf mehr als 20 Millionen anwachsen, kaum vorstellbar. Ich gebe zu, die meisten Aborigines sind heute sesshaft, aber man kann gerne die Bevölkerungsentwicklung anderer Wildbeutervölker simulieren.

Der begeisterte Autor schlussfolgert:
"Die Ache als den Paläolithikern am ehesten vergleichbare lebende Wildbeuterpopulation und andere kolonisierende Bevölkerungen weisen klar auf eine hohe Bevölkerungswachstumsrate und mäßiger Mortalitätsrate im Paläolithikum hin."

Kommentar:
Die Ache würde ich nicht als Modellbevölkerung betrachten: Die Vorfahren der Ache waren Ackerbauer. Sie wurden von den Guarani in ihr heutiges Gebiet verdrängt, wo sie die Landwirtschaft aufgaben und eine nomadisierende Lebensweise annahmen. Warum haben die Ache die Landwirtschaft aufgegeben, wenn ihr Lebensraum angeblich so üppig ist? Die Geburtenrate könnte aus der Zeit der Sesshaftigkeit her so hoch sein. Außerdem müssen die Ache nicht so viel herumziehen, so dass man Kinder nicht so viel herumschleppen muss.

Nachdem der Autor nun seine Modellbevölkerung gefunden hat, kommt er zur Frage, welche Bevölkerungsentwicklung man in der Steinzeit erwarten sollte, beziehungsweise, wie man mit diesen Daten zu einem Nullwachstum kommen könnte.

Gnädigerweise lässt sich der Autor auf eine Geburtenrate von 6 herunterhandeln, welche immer noch viel zu hoch ist, um ein Nullwachstum zu ermöglichen.

Der Autor stellt verschiedene Erklärungsversuche für ein Nullwachstum im Paläolithikum dar.
"Auf einer Suche nach einer Erklärung für das praktisch fehlende Wachstum ...ein Nullwachstum auf der Basis verschiedener Geburten- und Mortalitätsraten simuliert. ...Dabei hat Pennington (2001) keine sinnvollen Ergebnisse erzielen können. Um nämlich ein Nullwachstum der Bevölkerung bei der Gesamtgeburtenrate von 8 zu erreichen, muss die Überlebensrate der Menschheit erheblich schlechter sein, als sie je bei heute lebenden Wildbeutern beobachtet wurde. Um dagegen bei einer Überlebensrate der Ache ein Nullwachstum zu erhalten, darf die Gesamtgeburtenrate nur 3,7 sein. Solch eine niedrige Gesamtgeburtenrate ... nur bei schwerer infektiös bedingter verminderter Fruchtbarkeit möglich... Eine über größere Zeiträume stabile paläolithische Bevölkerung ist also ... nicht denkbar."

Kommentar: Was ist das denn für ein Argument? Man kann kein Nullwachstum errechnen? Ich sehe keinen Beweis dafür, dass die Geburtenrate bei gesunden Menschen nicht 3,7 sein darf. Ich benötige keinen Bierdeckel, um passende Daten zu liefern: Eine Geburtenrate von vier Kindern pro Frau, von denen zwei das fortpflanzungsfähige Alter erreichen und sich ebenfalls mit der gleichen Geburtenrate vermehren, ergeben bereits ein Nullwachstum.

Nun beschäftigt sich der Autor mit verschiedenen Möglichkeiten, wie eine Population mit einer Geburtenrate von sechs Kindern pro Frau ein Nullwachstum erzielen kann. Dabei geht er auch auf Ereignisse ein, die zu Massenaussterben unter Menschen führten. Er erwähnt dabei Mutmaßungen darüber, dass der Ausbruch des Vulkans Toba in Indonesien die Menschheit in ihrer Zahl stark dezimierte. Diese Hypothese wurde aber nicht aufgestellt, um das niedrige Bevölkerungswachstum zu erklären, sondern um die Frage zu beantworten, warum die genetische Vielfalt des Menschen so niedrig ist im Vergleich zu anderen Tieren. Es wird in der naturwissenschaftlichen Literatur übrigens nie behauptet, es hätte aufgrund des Tobaausbruches ein Massenaussterben gegeben. Vielmehr gab es einen Bevölkerungsrückgang. Die Siedlungskontuinität in Indien ist also durchaus mit der Tobatheorie im Einklang zu bringen.
Die genetische Vielfalt ist nicht zu verwechseln mit der genetischen Distanz. Dieses Maß basiert auf der Erkenntnis, dass sich Gene diverser Eiweiße mit einer konstanten Mutationsrate pro Generation verändern. Diese Mutationsrate ist bei allen Tieren gleich. Da kein Mechanismus bekannt ist, der diesen Wert verändert hätte, nimmt man an, dass der in der Vergangenheit konstant gewesen wäre. Daraus kann man errechnen, wann zwei Exemplare diverser Spezies gemeinsame Vorfahren gehabt haben müssen. Damit hat man z. B. auch errechnet, dass der gemeinsame Vorfahr von Schimpanse und Mensch vor sechs Millionen Jahren lebte, obwohl man von ihm keinen Knochen gefunden hat und ihn den phantasievollen Namen "gemeinsamer Vorfahr" gegeben hat. Auch für den Frühmenschen ist diese Methode anwendbar, soweit man genetische Informationen dieser Eiweiße bekommen kann und sie bestätigen die radiometrischen Messwerte...

Nun betreten wir den zweiten großen Teil des Buches. Hier wendet sich der Autor der Frage zu, wie viel Steinwerkzeuge der Steinzeitmensch hinterlassen haben müsste.
Der Autor untersucht hier ebenfalls zunächst die Situation in der Steinzeit, indem er Werkzeughinterlassenschaften verschiedener Ausgrabungen beleuchtet. Anschließend widmet er sich der Frage der Steinwerkzeugherstellung heutiger Wildbeuter, deren Situation er mit vielen Tabellen veranschaulicht und erläutert.

Bei diesen offensichtlich statistischen Erhebungen fehlen mir viele Informationen, beispielsweise wie groß die Stichproben waren, die man empirisch untersucht hat. War die befragte Person ausschließlich mit der Herstellung eigener Werkzeuge beschäftigt, oder hat sie auch Werkzeuge für andere Teilnehmer der Gruppe hergestellt? Über welchen Zeitraum erfolgte die Ermittlung der Daten? Kann ja sein, dass der Wissenschaftler ausgerechnet dann eine Gruppe befragte, als der Verbrauch und damit der Bedarf an neuen Werkzeugen besonders groß war oder als man besonders viel Zeit dafür hatte? Ist sichergestellt, dass die befragten Personen nicht übertrieben haben? Sonst ist der Autor doch auch kritisch, wenn es um solche Aussagen geht. Über wie viele Jahre lief die Erhebung? Wie viele Personen hat man erfasst?. Es ist beeindruckend, wie viele Daten der Autor gesammelt hat, aber ich kann da nicht beurteilen, wie brauchbar sie sind. Ich hatte ein wenig den Eindruck "friss oder stirb!"

Ausgehend von diesen Daten legt er einen Wert fest für die Anzahl der zu erwartenden Werkzeuge, die man aus der Steinzeit finden müsste..
Diese Vorgehensweise führt natürlich dazu, dass die Zahl der zu erwartenden Werkzeuge exorbitant hoch wird. Hier wirkt sich bereits ein kleiner Fehler stark aus, weil man nicht nur mit einem hohen Wert für den Zeitraum multiplizieren muss, sondern auch mit einer hohen Anzahl von Menschen rechnet. Des Weiteren ist in Frage zu stellen, ob der Mensch der Steinzeit so effizient Werkzeuge herstellen konnte. Darüber hinaus gibt es noch folgenden Punkt: Der heutige Mensch verwendet verschiedene Werkzeuge für verschiedene Aufgaben, der frühe Mensch bis hin zum frühen Homo Sapiens bis ca. 60.000 vor Christus verwendet nur ganz wenige Arten von Werkzeugen und benötigte allein aus dem Grund nicht so viele Werkzeuge.

Folgende Stelle in einem späteren Abschnitt verdeutlicht das Dilemma:
"Eine Abschätzung der tatsächlichen Zeitdauer der Menschheitsgeschichte gestaltet sich auf der Basis der hinterlassenen Steinwerkzeugmengen schwieriger als auf der Grundlagen von Bevölkerungswachstumsraten. Obwohl klar ist, dass die noch unter dem Erdreich zu vermutende Menge an paläolithischen Steinwerkzeugen viel zu gering für eine 2 Millionen Jahre dauernde Menschheitsgeschichte ist, lässt sich ihre genaue Zahl nicht beziffern."

Kommentar: Gut, der Autor weiß nicht, wie viele Werkzeuge noch im Erdreich liegen, aber er weiß ganz genau, dass es zu wenige sind. Das ist für mich mit Verlaub reine Kaffeesatzleserei: es lassen sich nicht einmal groben Zahlen angeben, weil jeder noch so kleine Fehler durch die Multiplikation zu großen Abweichungen führen muss. Meines Erachtens lässt kann der Autor keine belastbaren Zahlen für die zu erwartende Steinwerkzeugmenge angeben.

Schließlich findet der Autor auch eine Lösung für das rätselhafte Phänomen der fehlenden Menschen und deren fehlenden Werkzeuge in der Steinzeit über einen Zeitraum von zwei Millionen Jahre:

"Als plausible Lösung für das Rätsel des nahezu fehlenden Bevölkerungswachstums , der kulturell-technischen Stagnation, der geringen Hinterlassenschaften an Steinwerkzeugen, der relativ wenigen Siedlungsplätze, der Siedlungsstabilität und der Beispiele weniger kurzer und teilweise gleichzeitiger Höhlenbegehungen im Paläolithikum wird eine drastische Verkürzung der Menschheitsgeschichte vorgeschlagen".

Kommentar: Der Autor kommt mir vor wie ein Schüler, der bei einer Physikprüfung feststellt, dass er errechnet hat, dass das Auto sich mit 60.000km/h fortbewegt und sich überlegt, wenn er jetzt 3 Nullen streicht, stimmt das Ergebnis wieder.
Korrekt wäre es gewesen, den Fehler herauszufinden und zu korrigieren. Hier heißt das: sich zu überlegen, ob die ganzen Annahmen stimmen. Wenn sie stimmen, dann gilt es herauszufinden, warum die radiometrischen Methoden falsche Werte liefern.
Selbstverständlich gibt es da offene Fragen, sonst würde ja auch niemand mehr forschen. Aber es ist eben wichtig, auf wissenschaftliche hart erarbeitete Fakten zu vertrauen und sich nicht auf wilde Spekulationen einzulassen.
So lange eine Frage nicht geklärt ist, bleibt sie eben offen.

An dieser Stelle zitiert der Autor weitere Autoren, die ebenfalls für eine Verkürzung von Geschichtsabschnitten eintreten (nein, Illig ist da nicht dabei) - ein Zeichen, dass sogar der Autor selbst seine Idee für etwas gewagt hält, so dass er sich Unterstützung holen muss.

"Wir kommen auf der Basis dieser realistischen Annahmen zum Ergebnis, dass das Paläolithikum nicht 2 Millionen Jahre währte, sondern wahrscheinlich nur Jahrhunderte dauerte. Ein noch diskutabler Zeitrahmen sind einige Jahrtausende. 10000 Jahre und mehr sind aber schon äußerst unwahrscheinlich, ..."

Kommentar: eine gute wissenschaftliche Hypothese zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht nur hinreichend konkret ist, nicht nur viele Fragen hinreichend beantwortet, sondern auch möglichst wenige neue Fragen aufwirft. Eine Steinzeit (die übrigens 2,5 Millionen Jahre währte, der Homo ist nicht der Erste, der Steinwerkzeuge benutzte), die nur 10.000 Jahre lang sein soll, wirft eine Unmenge von neuen Fragen auf, denen sich der Autor überhaupt nicht stellt. Wie können die ganzen Veränderungen in der Natur innerhalb weniger Jahrhunderte stattgefunden haben? Die ganzen Eiszeiten und Zwischeneiszeiten? Das Vorkommen verschiedener Lebewesen und verschiedener Menschenarten hintereinander?

Fazit: Das Buch ist ein hervorragendes Plädoyer für die wissenschaftliche Vorgehensweise. Denn sie zeigt, welch sinnlosen Ergebnisse man erhält, wenn man spekulative Daten nimmt und damit noch spekulativere Rechnungen ausführt. Das Buch zeigt, wie wichtig es ist, sich nur auf harte, belastbare Fakten zu verlassen und Spekulationen zu vermeiden. Das Buch ist unwissenschaftlich.
Man merkt auch, wenn man nach diesem Buch im Internet sucht, dass es sehr oft erwähnt wird von Ufoforschern, Atlantisspezialisten und dergleichen.

Der Autor spricht lediglich das Bauchgefühl des Lesers an. Das Buch wäre in dieser Hinsicht unnötig gewesen, denn ich konnte mir auch vorher nicht zwei Millionen Jahre vorstellen. Ich kann mir nicht einmal 200 Jahre vorstellen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Sonne so viel größer ist, als die Erde. oder so weit von ihr entfernt ist. Gerade darum gilt, nur was durch exakte Wissenschaft ermittelt werden kann, kann als Wissen gelten und selbst dieses Wissen wird eines Tages überholt sein.

Das, was der Autor gemacht hat, kann ich auch selbst machen: Mäuse gibt es bereits seit Millionen von Jahren. "Bis zu acht Würfe mit durchschnittlich drei bis acht Jungen im Jahr sind möglich" (Wikipedia). Nehmen wir mal einen niedrigen Wert von 20 Jungen pro Jahr an und vernachlässigen, dass Mäuse bereits nach sechs Wochen geschlechtsreif sind. Dann wären das in 300 Jahren 10^313 Mäuse. Unser ganzer Planet müsste daher mit deren Hinterlassenschaften gesegnet sein. Wo sind diese Mäuse?

Wer als Christ sich mit Fragen des Alters der Erde und der Evolution beschäftigen möchte, dem kann ich das Buch "Evolution für Evangelikale" von Darrel R. Falk empfehlen.
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am 7. Oktober 2014
Sehr fundiert, gut aufgebaut und gut verständlich u. interessannt (für mich als Halb-Laie") geschrieben ! Lesen hat Spass gemacht ! Danke!
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